Faschismus ist in aller Munde. Faschisten sind allerdings immer nur die Selbst die autoritärsten Regierungen behaupten, sie würden den Faschismus bekämpfen. Doch was genau ist Faschismus? Womit fängt er? Etwa mit Regierungen, die selbst die Unsicherheit erzeugen, die sie dann mit autoritären Maßnahmen bekämpfen? Oder mit einem allgegenwärtigen Gefühl der Bedrohung? Viele sehnen sich in eine Welt zurück, in der es klare Grenzen und Rollen gab. Andere fordern eine Welt, in der alle Gefahr durch korrektes Sprechen und richtiges Konsumieren gebannt wird. Dabei lässt sich Egozentrik kaum noch von echten Anliegen unterscheiden und die Wirkung erscheint wichtiger als die Wahrheit. Weitsicht, Planung, Zukunft, Argumentation, Wissen – das war gestern. Wann beginnt Faschismus?
Mark Terkessidis fragt nach den Voraussetzungen für Faschismus. Er zeigt, wie die Aufbrüche der 1960er-Jahre in halbherzigen Reformen steckengeblieben sind und warum die Reaktion in radikaler Nostalgie besteht. Er beschreibt ein neues politisches Kontinuum, in dem die gefährdete Gemeinschaft im Mittelpunkt steht – auch bei den sogenannten progressiven Kräften.
Gefallen hat mir, dass der Autor eher der Frage nachgeht, ob wir gerade die Bedingungen haben, die zu einer Art von Faschismus führen könnten. Ein paar Gedanken dazu, z.B. nicht stattgefundene Reformen oder Mikro-Faschismen fand ich anregend. Ich kenne die Texte von Mark Terkessidis seit den 90ern und er gehört zu einer Gruppe von Akademikern die in Deutschland Rassismustheorie stark gemacht haben. Dass diese Arbeiten nicht mehr viel Beachtung zu erfahren scheinen, weil nur noch kritiklos Konzepte aus den USA auf Verhältnisse in Deutschland angewendet werden, scheint berechtigt. Es handelt sich erklärtermaßen um kein akademisches Buch, trotzdem hätte ich mir das an manchen Stellen gewünscht, die die auch mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Geärgert haben mich seine Ausführungen zum Israel-Palästina Krieg, die waren zu kurz und zu einseitig und auch nicht sehr originell. Der Zweck? Vielleicht eine Positionierung auf einer Seite, der der "Unterdrückten", der in Deutschland Rassifizierten? Keine Ahnung. Das Thema lässt sich kaum auf acht Seiten abhandeln und mehr Sachkenntnis fände ich auch hilfreich.