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Freunde

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Du hast alles verloren. Aber du bist nicht allein.

Tarek, Nata , Ren und der kleine, verwilderte Tuk lernen sich kennen, als sie in den letzten Kriegstagen in die bereits völlig desolate Armee eingezogen werden. Als sie nur mit ein paar Spaten bewaffnet aufs Schlachtfeld ziehen sollen, desertieren sie. Sie alle haben Geheimnisse, über die sie nicht sprechen. Jeder hat Unerträgliches erlebt, tief sitzen Scham und Schrecken. So zusammengeschweißt werden sie einander zur Familie. Bis ein Dilemma ihre Verbundenheit in Frage stellt.

Kann man den Hass auf ein Volk überwinden, mit dem man im Krieg ist? Kann man lieben, wenn man schlimmste Gewalt erlebt hat? Kann man moralisch bleiben in einer zerstörerischen Welt? Diese Fragen verwebt Eva Kranenburg auf einfühlsame Weise zu einer soghaften Geschichte. Sie erzählt ehrlich bis an die Schmerzgrenze, setzt der Brutalität der Nachkriegswelt jedoch immer auch Licht Figuren, die sich einem tief ins Herz schreiben – und ihre unerschütterliche Freundschaft zueinander.




Ein zeitloses und universelles Plädoyer für MenschlichkeitEin eindrücklicher und bewegender Antikriegsroman für junge Lesende ab 13 Jahren und auch für ErwachseneEin Debütroman mit der durchschlagenden Kraft von Janne TellerNominiert für den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2025

439 pages, Kindle Edition

Published March 11, 2026

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Profile Image for Buchdoktor.
2,421 reviews194 followers
March 10, 2026
Eva Kranenburgs Icherzähler Ren lebt mit drei weiteren Jugendlichen in den Trümmern einer durch Bürgerkrieg/Genozid zerstörten Stadt. Der Ort mit Festung, Burg und Stadttürmen war einmal wehrhaft, doch der in Jahrhunderten etablierten Unterscheidung in „die Unsrigen“ und „die Anderen“ konnte die Befestigung nicht widerstehen. Offenbar haben in der Stadt nur Jugendliche überlebt, deren Eltern im Krieg oder als Widerstandskämpfer starben. Tarek, der als Kommandant mit den drei Jüngeren desertiert, anstatt mit Kindersoldaten erneut in den Krieg zu ziehen, muss sich rasieren, um für jünger gehalten zu werden. Das Mädchen Nata aus den Bergen verbirgt ihr Hinken, um nicht zum Opfer zu werden; Ren verrät seine Traumatisierung im Schlaf – und der kleine Tuk darf sich auf keinen Fall ausziehen. Man legt in der Öffentlichkeit hier besser nicht seine Kapuze ab, nennt keine Familiennamen und verbirgt seine Englischkenntnisse. Den Kindern wird bewusst, dass sie nicht oder nur kurz zur Schule gegangen sind und es in dieser Welt viel für sie zu lernen gibt. Die Handlung spielt in der Neuzeit, als bereits Fernsehteams anreisen, um – am liebsten – hübsche Personen über ihre grausamen Erlebnisse zu interviewen.

Die kleine Gruppe lebt inzwischen im Friedhofswärter-Häuschen, in das sie nur bei Dunkelheit zurückkehren, um andere Wolfskinder nicht auf den Unterschlupf aufmerksam zu machen. Wasser schöpfen sie irgendwie auf dem Friedhof und die Nahrungsmittel aus Hilfslieferungen gehen zunächst durch die Hände einer mafiösen Gruppe, die die Ware verkauft. Tauschgeschäfte auf dem Schwarzmarkt und die Nahrungsbeschaffung füllen den Tag aus. Wer ständig hungrig ist, spricht andauernd über Essen, die Vier können ihre Situation nur schwer verbergen. Ihre Gespräche über ihr früheres Leben drehen sich um den Nationalunterricht, in dem man lernte, dass im Vielvölkerstaat stets „die Anderen“ die Aggressoren waren, obwohl die Kinder selbst sie nur als normale Nachbarn erlebten, von denen man sich ein Ei hätte borgen können, hätten nicht alle Bewohner sowieso Hühner gehalten. Die „Befreiung“ tötete eine ganze Generation und brachte einen erniedrigenden Dank-Kult gegenüber den Siegern mit sich. Die Kränkung einer ganzen Nation verfestigt die Kategorisierung in Wir und Die. Ren, als 12-Jähriger traumatisiert, würde heute jene töten, die ihn misshandelten und erniedrigten, sollten sie ihm über den Weg laufen.

Ren erkennt schmerzlich, dass er sich nicht verlieben kann, solange er sein Trauma verbergen muss. Wo es keine Erwachsenen mehr gibt, kann auch kein erwachsener Therapeut helfen. Schließlich muss jedes der Kinder sich seiner Traumatisierung stellen, indem es den Freunden vertraut. Die Gruppe muss nun entscheiden, ob sie eine fünfte Person aufnimmt, die den Eindruck erweckt, besser zu beobachten, geschickter auf dem Schwarzmarkt zu schachern und daher der ideale Fünfte im Bunde zu sein.

Eva Kranenburg dockt mit ihrem zeitlosen Anti-Kriegs-Roman an Bilder vom Krieg im Kopf verschiedener Generationen an. Erlebnisse von Zeitzeugen während der „Befreiung“ Deutschlands 1945 könnte man darin ebenso finden wie jüngste Genozide in Vielvölkerstaaten, in denen die zitierten eigenen Nachbarn gedemütigt und abgeschlachtet wurden. Die Handlung führt in kleinen Schritten geschickt in die psychische Situation der Kinder ein, die sich einander erst allmählich öffnen. Leser:innen könnten zunächst auf falsche Fährten geführt werden, wenn beinahe krimihaft die Geheimnisse der Jugendlichen schließlich auf den Tisch kommen. Deutlich wird besonders, dass Kulturen, die ihre Identität auf Ablehnung einer anderen Kultur aufbauen, sich mit Versöhnung offenbar besonders schwer tun.

Fazit
Ein Roman, der zahlreiche ethische Fragen aufwirft und zum Gespräch zwischen den Generationen geradezu herausfordert.
Profile Image for WildesKopfkino .
874 reviews8 followers
March 15, 2026
Der Krieg liegt in diesem Buch nicht nur im Hintergrund, er durchzieht jede Seite. Zerstörte Landschaften, erschöpfte Menschen und eine Welt, in der Moral plötzlich keine einfachen Antworten mehr kennt. Und mitten darin vier junge Menschen, die sich eigentlich nie hätten begegnen sollen und trotzdem alles füreinander werden.

Tarek, Nata, Ren und der kleine Tuk treffen sich in den letzten Tagen eines Krieges, der ihnen längst alles genommen hat. Als sie mit Spaten bewaffnet aufs Schlachtfeld geschickt werden sollen, entscheiden sie sich für etwas, das mehr Mut braucht als jeder Angriff. Sie laufen weg. Beim Lesen dieser Szene blieb plötzlich eine Seite länger offen. Neben mir kam nur ein leises Das kann doch nicht gut gehen. Wir haben beide kurz innegehalten und weitergelesen, als müssten wir selbst wissen, ob sie es schaffen.

Was dieses Buch so besonders macht, ist nicht nur die Geschichte selbst, sondern die Nähe zu den Figuren. Ihre Angst, ihre Scham, ihre Erinnerungen fühlen sich erschreckend echt an. An einer Stelle haben wir gleichzeitig aufgeschaut, weil eine Szene so brutal ehrlich war. Ein leises Das ist schlimm kam von der Seite des Sofas, und ich konnte nur nicken. Genau solche Momente haben unser gemeinsames Lesen begleitet.

Und dann gibt es diese stillen Augenblicke zwischen den vier Freunden. Kleine Gesten, vorsichtige Gespräche, ein vorsichtiges Vertrauen, das langsam wächst. Während ich eine Passage laut vorgelesen habe, kam plötzlich ein überraschtes Aber sie beschützen sich ja wirklich. Genau in solchen Momenten merkt man, wie stark diese Geschichte von Freundschaft getragen wird.

Eva Kranenburg schreibt intensiv, ehrlich und mit einer Wärme, die selbst durch die dunkelsten Szenen hindurchscheint. Am Ende haben wir das Buch zugeklappt und noch einen Moment still dagesessen. Dann kam nur der leise Satz Das war ein richtig starkes Buch. Mehr musste eigentlich gar nicht gesagt werden.
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