Frauen schlafen schlechter als Männer. Sie schlafen schlechter ein, sie schlafen schlechter durch und auch die Tiefschlafphasen, die so wichtig sind für die nächtliche Erholung, dauern kürzer an. Zum einen gibt es dafür biologische Ursachen. Wir wissen heute, dass es in allen weiblichen Geweben und Organen Rezeptoren gibt, an denen das weibliche Geschlechtshormon Östrogen andockt und in unendlich viele Körpervorgänge eingreift. So beeinflussen der weibliche Zyklus, Schwangerschaften und die Wechseljahre massiv den Schlaf der Frau. Zum anderen spielen gesellschaftliche Faktoren eine große Rolle. Frauen tragen oft Doppel- oder Dreifachbelastungen, meist jahre- oder sogar jahrzehntelang. Das Thema ist so gravierend, dass es dafür heute den Begriff Gender Sleep Gap gibt und es als gesundheitsgefährdender Faktor aktuell bei den Krankenkassen in den Fokus rückt. Und endlich auch in der Forschung einen Platz hat. Dr. Kirschner-Brouns fasst nicht nur die Forschung zusammen, sondern identifiziert auch die Schlafräuber und zeigt, durch welche Maßnahmen und Mittel Frauen wieder zu einem gesunden Schlafrhythmus und einer ausreichenden Schlafzeit zurückfinden können.
Warum schlafen Frauen eigentlich so oft schlecht? Genau dieser Frage widmet sich Dr. Kirschner-Brouns in „Frauen und Schlaf“. Sie verbindet dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftlichen Themen und praktischen Tipps. Das Buch zeigt, wie stark Hormone unseren Schlaf beeinflussen: Zyklus, Schwangerschaft, Stillzeit und Wechseljahre wirken sich massiv auf die Schlafqualität aus. Gleichzeitig geht es aber auch um Mental Load und den sogenannten „Gender Sleep Gap“ – also die Tatsache, dass Frauen statistisch gesehen schlechter schlafen und häufiger unter Schlafproblemen leiden.
Besonders gefallen hat mir der lockere, fast plaudernde Schreibstil. Trotz vieler wissenschaftlicher Informationen liest sich das Buch angenehm leicht und überhaupt nicht trocken. Ich mochte außerdem die vielen kleinen Fun Facts und Aha-Momente rund um Schlaf, Erholung und unseren Körper. Man merkt, dass das Thema inzwischen endlich mehr Aufmerksamkeit in Forschung und Medizin bekommt.
Hat mich das Buch nun zu einer ausgeschlafenen Mutter gemacht? Eher nicht :D Mit Baby sind viele der vorgeschlagenen Maßnahmen aktuell einfach schwer umsetzbar. Genau deshalb fand ich das Buch aber trotzdem spannend: Es hat mir gezeigt, warum mein Schlaf gerade so herausfordernd ist. Einige Strategien und Tipps werde ich mir definitiv für ruhigere Lebensphasen merken. Für mich war es eine interessante Mischung aus Wissenschaft, gesellschaftlicher Einordnung und alltagstauglichen Impulsen. Wer sich für Gesundheit, Schlaf oder weibliche Körperthemen interessiert, bekommt hier einen gut verständlichen Einstieg ins Thema.