Fünf Häuser auf Stelzen – das Sommerquartier einer Handvoll Familien im Médoc. Seit ihrer Kindheit verbringt Judith jeden August hier. Surfen im Atlantik, Baden im See, Abziehtattoos auf der sonnengebräunten Haut. Und damals immer an Judiths ihre kleine Schwester Lola und Natascha, das Mädchen aus dem Nachbarhaus. Jahre später bewohnt Judith, mittlerweile eine erfolgreiche Bildhauerin, mit ihrem Mann Robert und ihren Zwillingstöchtern allein das Eckhaus. Lediglich Oda, Judiths egozentrische Mutter, kehrt nach dem Tod des Vaters ebenso hierher zurück. Doch auch wenn das Haus wieder mit Menschen gefüllt ist, die schmerzlichen Lücken, die in Judiths Leben klaffen, zeigen sich hier am deutlichsten. Als das leer stehende Nachbarhaus verkauft werden soll, ist Robert direkt interessiert. In Judith jedoch rütteln diese vier Wände und ihre Geschichten tief liegende Erinnerungen wach. Und als Natascha plötzlich in Begleitung ihres Mannes Simon auftaucht, sind all die Gefühle, die Judith seit jenem Sommer vor vierzig Jahren zu verdrängen versuchte, schlagartig wieder da.
Ich hatte Anfangs meine Schwierigkeiten mit dem Schreibstil, da es etwas Gehobener geschrieben ist. Das hat es mir erstmal erschwert, dauerhaft an der Geschichte dran zu bleiben.
Ein leichter Sommerroman ist es meiner Meinung nach nicht, weil dauerhaft eine bedrückende Atmosphäre herrscht. Dies hat die Autorin wirklich gut zum Ausdruck gebracht.
Judith wird quasi von Geistern geplagt und über verschiedene Zeitebenen verfolgt man ihre Geschichte. Ihre Mutter Oda war für mich ein rotes Tuch und diese konnte ich bis zum Schluss nicht leiden.
Fazit
Ein tiefgreifendes Buch über Freundschaft und Verlust. Es zieht sich dauerhaft eine bedrückende Stimmung durchs Buch und man muss sich ein wenig darauf einlassen können.
Die Geschichte schlägt insgesamt einen deutlich ernsteren Ton an, als ich erwartet hatte. Das ist an sich nicht schlecht, hat aber dazu geführt, dass sich für mich nie das leichte Sommergefühl eingestellt hat, das Titel und Cover versprechen.
Am meisten Schwierigkeiten hatte ich mit der Protagonistin. Ihre Art blieb mir über weite Strecken fremd und ich konnte nur schwer eine Beziehung zu ihr aufbauen. Viele ihrer Entscheidungen haben mich eher ratlos zurückgelassen. Der Betrug an ihrem Ehemann und die jahrelangen Lügen machten es mir zusätzlich schwer, mit ihr mitzufühlen. Zwar versucht der Roman ihr Verhalten durch ihre schwierige Kindheit einzuordnen, für mich waren diese Erklärungen jedoch nicht ganz überzeugend.
Auch mit dem Schreibstil bin ich nicht richtig warm geworden. Er entsprach einfach nicht meinem Geschmack und hat dazu beigetragen, dass ich emotional etwas auf Distanz geblieben bin.
Ein weiterer Schwerpunkt des Romans ist die Kunst. Wer sich für dieses Thema begeistert, wird hier vermutlich vieles für sich entdecken. Für mich persönlich spielte dieser Aspekt jedoch keine große Rolle und konnte mein Interesse nicht wirklich wecken.
Insgesamt ist Sommerrauschen für mich ein Buch, dessen Themen durchaus Potenzial hatten. Am Ende fehlte mir jedoch die Verbindung zu den Figuren und der Zugang zur Geschichte, sodass mich der Roman leider nicht so erreichen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte.
⭐⭐⭐☆☆
This entire review has been hidden because of spoilers.
Ich hatte eine lockere, leichte Sommerlektüre erwartet, leider wurde diese Erwartung nicht erfüllt.
Der Schreibstil konnte mich nicht fesseln. Meiner Meinung nach war das Buch zu wenig strukturiert und sprang zu häufig zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her. Dadurch fiel es mir zeitweise schwer, der Handlung zu folgen. Außerdem empfand ich die Geschichte als stellenweise sehr langatmig.
Auch die Hauptfigur Judith blieb für mich ein Rätsel. Ich konnte keine Verbindung zu ihr aufbauen, und die Schilderungen ihrer Vergangenheit ließen sich für mich nur schwer mit der Person in der Gegenwart in Einklang bringen.
Die Beschreibungen des sommerlichen Frankreichs haben mir dagegen gut gefallen und sorgten für eine schöne Atmosphäre. Insgesamt blieb das Buch jedoch leider deutlich hinter meinen Erwartungen zurück.
Mir hat das Buch gut gefallen auch wenn die Geschichte an sich schwer und traurig ist. Sprachlich ist das Buch wunderschön und man kann vieles zwischen den Zeilen lesen bevor die Dinge ausgesprochen werden. Was ich allerdings nicht mochte, ist die Tatsache, dass von Anfang an klar ist, dass es ein Geheimnis gibt und man tatsächlich bis zur letzten Seite warten muss ehe dies gelüftet wird und man immer wieder daran erinnert wird, dass es ein Geheimnis gibt, die Protagonistin es aber nie im inneren Monolog ausspricht. Ich verstehe warum die Geschichte so geschrieben ist, aber ich habe mich dennoch hingehalten gefühlt. Unabhängig davon aber ein guter Büchertauschschrankfund.
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Über verdrängte Wahrheiten Ein vielschichtiger, bewegender Roman
Schmale Holzhäuser auf Stelzen, umgeben von Waldbäumen und der sonst üppigen Natur, im Médoc an der französischen Atlantikküste. Dort verbringen Jahr für Jahr Judith und ihre Eltern, später mit Judith kleiner Schwester Lola, ihre Sommerferien. Judiths Mutter Oda, eine Schauspielerin, genießt dort das Leben einer Diva. Der Vater Georg, ein bekannter Schriftsteller, widmet sich in aller Ruhe dem Schreiben. Judith verbringt die Zeit mit ihrer liebsten Freundin Natascha, die im Nachbarhaus wohnt. Später kümmert sie sich um ihr kleines Schwesterchen Lola. Auch in diesem Sommer, fast vierzig Jahre später, fährt Judith nach Médoc, diesmal mit ihrem Mann Robert und zwei Teenagern-Töchtern. Denn das Nachbarhaus steht zum Verkauf und Robet ist sehr daran interessiert. Doch Judith zögert mit ihrer Entscheidung, bis eines Tages Natascha mit ihrem Mann Simon vor ihrem Sommerquartier erscheint.
Die Vergangenheit, die Judith so sehr verdrängen wollte, holt sie wieder ein. Der damalige Rat ihres Vaters „Wenn du nicht weiterkommst, denk über das Leben nach, als wäre es nicht deins.“ (Auszug aus dem Buch S. 110) scheint nicht mehr zu funktionieren. Judith versinkt in den Erinnerungen an die vergangenen Sommer, an die tragischen Ereignisse der sonst so unbeschwerten Sommertage, an ihr Schweigen danach, Geheimnisse, Lügen und Schuldgefühle. Sie erinnert sich an die wunderbare Freundschaft mit Natascha, die dann zerbrach.
Auch ihre Mutter Oda spielt eine bedeutende Rolle in ihren Erinnerungen; sehr kritisch äußert sie sich über sie: „Oda aber würde immer nur eine halbe Französin bleiben, so wie sie ihr Leben lang nur eine halbe Schauspielerin geblieben war. Und auch nur eine halbe Mutter.“ (Auszug aus dem Buch S.48)
„Sommerrauschen“ ist keine leichte Sommerlektüre. Die Geschichte in einer anspruchsvollen Sprache erfasst, wurde von der Hauptprotagonistin Judith erzählt. Ihre Erzählung verläuft nicht chronologisch; sie beginnt in der Gegenwart, springt zwischen den wichtigen Details in der Vergangenheit und Jetzt, und kehrt wieder in die Gegenwart zurück.
Viele von den relevanten Details wurden anfangs nur zwischen den Zeilen angedeutet und erst zum Schluss in ein Gesamtbild gekonnt gesetzt. Diese Erzählweise erhöht enorm die Spannung; sie wirkt authentisch und hat mich neugierig auf die Geschichte und ihre Figuren gemacht.
Mich hat nicht nur die bewegende Familien- und Freundschaftsgeschichte in diesem Roman berührt. Sehr beeindruckend fand ich auch die poetischen Beschreibungen der Orte und der Natur, welche meisterhaft die jeweilige emotionale Atmosphäre unterstreichen.
Fazit: Ein vielschichtiger Roman mit interessanten, authentisch wirkenden Charakteren; meisterhaft geschrieben, lesenswert.
Wenn ein Sommer seine Schatten bis in die Gegenwart wirft
Anfangs erfordert der Einstieg in den Roman "Sommerrauschen“ von Christiane Adlung etwas Geduld. Judiths Erzählstil ist ungewöhnlich und unkonventionell. Für mich war spürbar, dass sie die Tochter eines Autors ist. Sie erzählt nicht einfach eine Geschichte, sondern wählt ihre Worte mit Bedacht – poetisch, mit viel Feingefühl und einer unterschwelligen Traurigkeit. Obwohl mich dieser besondere Ton schon in der Leseprobe angesprochen hat, brauchte ich einige Seiten, um in der Geschichte anzukommen, die Dynamik von Judiths Familie zu erfassen und die Figuren einordnen zu können.
Dann entwickelte die Geschichte einen Sog und entführte mich immer wieder in die Sommer der Familie im französischen Médoc am Atlantik. Dabei wechselt sie gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Als Judiths Freundin aus Kindertagen zum ersten Mal ebenfalls dorthin zurückkehrt, gerät vieles noch mehr ins Wanken. Über allem schwebt die Frage, welches ins Schweigen gehüllte Geheimnis Judith vor ihrer Familie verbirgt. Das Verhältnis zu ihrer distanzierten Mutter Oda ist von Spannungen geprägt, gleichzeitig zeigen sich erschreckende Parallelen zwischen den beiden. Seit ihrer jüngeren Schwester Lotta etwas Unaussprechliches widerfahren ist, trägt Judith eine tiefe Angst in sich, die sich auch auf den Umgang mit ihren fast erwachsenen Töchtern auswirkt. Sie bewegt sich oft wie eine Beobachterin durch ihr eigenes Leben, geprägt von depressiven Phasen und den Schatten der Vergangenheit. Diese emotionale Distanz machte es mir anfangs schwer, eine enge Verbindung zu ihr aufzubauen. Gleichzeitig fand ich genau das faszinierend.
Was diesen Roman für mich so mitreißend macht, ist die Erkenntnis, dass Verdrängung nur begrenzt funktioniert. Die Vergangenheit lässt sich nicht dauerhaft wegschließen: Sie bleibt ein Teil von uns. Das Familiengeheimnis zieht sich durch die gesamte Geschichte und hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Als Leserin stellte ich unweigerlich zahlreiche Vermutungen an. Eine meiner frühen Theorien schien sich zum Ende hin tatsächlich zu bestätigen, bevor mich die Autorin mit einer geschickten Wendung noch einmal überraschte. Die endgültige Auflösung berührte mich und schloss den Roman für mich stimmig ab.
Fazit: Ein lesenswerter Roman, der psychologisch facettenreich zeigt, wie Vergangenheit und Schuldgefühle ein Leben prägen.
Judith sitzt auf den Stufen der Veranda und trinkt Espresso. Sie blickt auf die verschlossenen Läden des Nachbarhauses. Natascha und sie trafen sich jeden Sommer in den Ferien und wurden beste Freundinnen. Wie viele Tage sie am Strand verbrachten, auf die Flut warteten und sich ihre Wünsche erzählten. Mit der freien Hand verscheucht sie ihre Gedanken und ist sich der Albernheit ihrer Geste bewusst.
Sie müsste arbeiten. Ihre Kuratorin ruft sie in immer kürzeren Abständen an, ob sie dem Direktor schon erste Zeilen für den Katalog vorlegen dürfe. Judith vertröstet. Am Nachmittag soll es regnen, das wäre die Gelegenheit, erste Entwürfe zu Papier zu bringen. Vielleicht.
Sie steht auf, geht ins Haus und stolpert über Zeitschriften und achtlos hingeworfene Sandalen. Hier Ordnung zu schaffen scheint niemand im Stande. Virginia Woolf liegt aufgeschlagen auf dem Tisch. Ihre beiden Mädchen, gerade sechzehn geworden, haben neue Interessen entwickelt. Abends liegen sie vor dem Kamin, dem Herzstück des Hauses und lesen sich gegenseitig vor. Sie reden und lachen so wie Natascha und sie damals. Alles wiederholt sich.
Auf der Ablage steht die kleine Dose aus Guatemala, sie erinnert sich nicht, wie die hierhergekommen ist. Sie öffnet sie und sieht die gewickelten Figuren aus Papier, denen Lola in den Sommern ihre Sorgen anvertraute und unter das Kopfkissen legte. Ihre Schwester ist zehn Jahre jünger als sie. Judith hatte sie ihre ersten Schritte machen sehen. Sie fühlte sich zuständig, wollte ihren Vater entlasten, der oben seine Bücher schrieb und die Mutter, die keine Mutter sein wollte. Sie wünschte, Lola würde herkommen, ihre trüben Gedanken vertreiben, sie kann das, aber sie wird nicht kommen.
Fazit: Die Autorin Christiane Adlung hat mich vollkommen eingenommen. Ihre Protagonistin fährt jeden Sommer mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter in ihr Sommerquartier an die Atlantikküste. Das alte Ferienhaus trägt ihre Familiengeschichte, die sie erinnert. Mit enormem Feingefühl entwickelt die Autorin einen psychologischen Plot, der Judiths Befürchtungen, nicht die zu sein, für die sie sich ausgibt, erklärt. Allmählich entblättert sie die Gründe für die Sprengkraft in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Als Natascha nach Jahrzehnten wieder Judiths Leben betritt, ist das Gefühlschaos in Judith riesig, denn Natascha kennt Judiths Geheimnis. Am Ende fast jeden Kapitels schlägt sie mich erneut in ihren Bann, indem sie meine Erwartungen mit einem „Cliffhanger“ weckt.
In diesem Sommer sollte das alles enden. S. 58
Die Sprache finde ich großartig:
Die Musik war zu laut, die Leute mit ihrem Lachen, ihrer Kleidung, ihrem elaborierten Code in jene herablassende Arroganz gehüllt, die Intellekt beanspruchen wollte. S. 56
Ich hätte einfach elitär geschrieben und damit die ganze Stimmung verschenkt.
Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich kapitelweise ab. Der Schluss hat mich umgehauen. Mit ihrer französischen Stimmfarbe gießt sie Geschichte und Technik in eine Form, die mich absolut begeistert hat. Das ist perfekte Literatur, ohne den Anspruch zu erheben.
Judith und Natascha waren einst unzertrennliche Freundinnen. Jeden Sommer verbrachten sie gemeinsam mit ihren Eltern die Ferien in den Stelzenhäusern an der französischen Atlantikküste im Médoc. Die Erwachsenen feierten ausgelassene Feste mit den Nachbarn, während die Kinder bis spät in die Nacht durch die Wälder streiften.
Doch ein tragisches Ereignis an einem dieser ausgelassenen Abende veränderte alles und ließ die enge Freundschaft zerbrechen.
Noch heute verbringen Judith, ihr Mann Robert und ihre Zwillinge die Sommer im Haus ihrer Eltern im Médoc. Natascha und ihre Eltern hingegen sind seit jenem Ereignis nie wieder in ihr Ferienhaus zurückgekehrt. Als das Haus ihrer Eltern zum Verkauf steht, reist Judith mit ihrer Familie an die französische Küste, denn Robert möchte es kaufen. Kurz darauf taucht auch Natascha mit ihrem Lebensgefährten im Médoc auf. Die erneute Begegnung macht schnell deutlich, dass die Vergangenheit noch lange nicht abgeschlossen ist und die Ereignisse von damals unausweichlich wieder an die Oberfläche drängen.
Christiane Adlung erzählt die Geschichte auf mehreren Zeitebenen. Schicht für Schicht legt sie die Geschehnisse jenes Augusttages frei. Nach und nach setzt sich das Bild zusammen, bis wir schließlich erfahren, was damals wirklich passiert ist.
Ich hatte zunächst große Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Ob das am Buch lag oder daran, dass ich gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt war, kann ich gar nicht genau sagen. Sobald ich aber richtig angekommen war, hat mir der Roman sehr gut gefallen.
Besonders gelungen fand ich die Atmosphäre. Die Autorin fängt das Lebensgefühl an der französischen Atlantikküste wunderbar ein. Man spürt die Sommerhitze, hört beinahe das Rauschen des Meeres und hat die Stelzenhäuser förmlich vor Augen.
Fazit: Wer sich nach einem literarischen Kurzurlaub an der französischen Atlantikküste sehnt und Geschichten voller Erinnerungen, Geheimnisse und familiärer Verstrickungen mag, sollte einen Blick auf dieses Buch werfen. Nach meinem etwas holprigen Einstieg hat mich der Roman am Ende doch noch sehr überzeugt.
Zum Inhalt: Judith ist mit ihren Eltern jedes Jahr in das Sommerhaus im Médoc gereist. Hier hat sie wunderschöne Sommer mit ihrer Schwester verbracht. Auch Natascha, Judiths Freundin aus dem Nachbarhaus, war oft mit dabei. Doch irgendwann trennten sich ihre Wege. Jetzt ist Judith erfolgreiche Bildhauerin, verheiratet und hat zwei Töchter. Mit ihrer Familie bewohnt sie das einstige Sommerhaus. Das Nachbarhaus, in dem ihre Freundin Natascha gewohnt hat, steht leer. Robert trägt sich mit dem Gedanken, das leerstehende Haus zu kaufen, um mehr Platz für die Familie zu schaffen. Als Natascha mit ihrem Mann im Médoc ankommt, werden bei Judith viele Erinnerungen wach. Erinnerungen, die sie lieber vergessen möchte.
„Sommerrauschen“ von Christiane Adlung ist der perfekte Sommerroman.
Christiane Adlung erzählt die Geschichte sehr bildhaft. Man hat beim Lesen förmlich das Meer vor Augen. Man hört das Rauschen der Wellen und schmeckt das Salz auf den Lippen.
Die Charaktere werden liebevoll beschrieben und sind lebendig. Im Mittelpunkt steht Judith. Sie ist Bildhauerin und hat als Kind schon das Haus im Médoc, in dem sie jetzt mit ihrer Familie lebt, geliebt. Im Inneren ist sie zerrissen, es gibt etwas in ihrer Vergangenheit, das sie nicht an die Oberfläche kommen lassen will.
Natascha ist Judiths Freundin aus Jugendtagen. Sie bringt die Vergangenheit ins Spiel. Ein dunkles Geheimnis, das gelüftet werden möchte.
Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal die Gegenwart, in der die Leser*innen die Protagonisten durch die Geschichte begleiten. Dann gibt es Rückblenden in die 1980er Jahre. Hier erleben die Leser*innen Judith und Natascha als Jugendliche. Hier wird auch das jahrelang verschwiegene Geheimnis gelüftet.
Christiane Adlung beschreibt den Handlungsort sehr eindrücklich. Die Natur, die Küste und das Meeresrauschen und die Sommerhitze werden gut vermittelt.
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich. Die Geschichte wechselt zwischen ruhigen und temporeichen Szenen ab. Die Geschichte hat mich schnell gefesselt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen.
„Sommerrauschen“ ist ein ruhiger, aber kraftvoller Sommerroman.
Seit Kindheitstagen reist Judith in das Sommerquartier ihrer Familie im Médoc. Der Atlantik, die Wälder und Seen hinter den Dünen – der August verhieß einst endlose Wochen gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester und Natascha, dem Mädchen aus dem Nachbarhaus.
Das Schicksal zerbrach die besondere Freundschaft, die Heranwachsenden verloren einander aus den Augen.
Heute bewohnt Judith, mittlerweile eine erfolgreiche Bildhauerin, mit Robert, den beiden Töchtern und ihrer Mutter das Quartier. Der Verkauf des leer stehenden Nachbarhauses scheint Robert Gelegenheit, die beengten Räumlichkeiten zu erweitern.
In Judith jedoch rühren jene vier Wände mit ihren Geschichten an lang Vergangenem. Als Natascha unvermittelt in Begleitung ihres Mannes eintrifft, kehren all die Erinnerungen, denen Judith seit jenem Sommer vor vierzig Jahren zu entkommen versucht, jäh zurück.
Wenn man das Cover des Buches getrachtet, könnte man auf die Idee kommen es handelt sich um einen leichten und seichten Sommerroman, der die schönen Tage am Strand erzählt. Dies trifft es jedoch ganz und gar nicht, denn das Buch ist so viel mehr als das! Es ist tiefgründig und behandelt interessante Themen, die aber nicht ganz leicht zu lesen sind.
Schon der Schreibstil ist nicht einfach locker- leicht zu lesen wie ein Sommerroman, sondern der Schreibstil ist tiefgründig und man muss auch zwischen den Zeilen lesen. Deshalb erfordert das Lesen auch Zeit und Konzentration, einfach mal zwischendurch "weglesen" ist hier eher schwierig.
Die Protagonistin ist ziemlich eigen, nicht unbedingt eine Sympathieträgerin für mich, aber dennoch ein interssanter Charakter der auch einfach "echt" wirkt. Vorallem das zwischenmenschliche, die Gespräche und Begegnungen haben mir sehr gefallen.
Ich kann das Buch Menschen empfehlen, die sich wirklich auf eine Geschichte einlassen wollen, die zwischen den Zeilen lesen möchten und tiefgründige Geschichten mögen. Wer sympathische Charaktere und eine lockere, sommerliche Handlung sucht, der sollte sich eher ein anderes Buch suchen.
Der Roman ist der perfekte Sommerroman, hauptsächlich deshalb, weil er diesen cosy Urlaubsflair am Meer zwischen Körperschwere durch Sonne und Hitze, Melancholie und Sehnsucht wegen der vergänglichen Saison und die unbekümmerte Jugend einfängt. Die Kapitel in Frankreich in den Ferienhäusern haben durch ihre bildhafte Atmosphäre überzeugt.
Der Roman wechselt zwischen der Gegenwart, wo Judith eine erwachsene Frau mit Mann und Kinder, scheinbarer Bilderbuchfamilie, ist, und den 80ern ihrer Jugend, wo ein tragisches Ereignis sie und ihren Lieblingsmenschen vierzig Jahre lang entzweit hat.
Da sich der Roman auf eben diese Atmosphäre und Gedanken konzentriert, funktioniert er sehr sehr langsam - ich habe die ganze Zeit auf einen Twist oder mehr Handlung gewartet, auf etwas Überraschendes, das jedoch erst in einem Satz am Ende um die Wahrheit um das Ereignis von damals kam. Das war ziemlich heftig und hat mich erschüttert - ausgerechnet das wurde jedoch nicht weiter beleuchtet, denn dann war der Roman zuende.
Besonders gefallen hat mir die Verbundenheit über all die Jahre hinweg auch ohne Kontakt, diese Message, dass nichts wirklich verloren ist und Schicksal zusammenführt, was zusammengehört. Darum konnte ich Judiths Zerrissenheit bezüglich ihres Mannes sehr gut nachvollziehen, wenn das Ende auch offen blieb. Interessant war auch der Aspekt der Erziehung fast erwachsener Kinder, ab wann man die Verantwortung abgeben und loslassen darf und wie weit man sich noch einmischen sollte.
Die Atmosphäre hat mich also eingefangen, aber ich persönlich hätte mir mehr Pacing und Plot gewünscht oder alternativ etwas deepere Figuren, die zwar sehr gut angelegt waren, ich jedoch nicht wirklich fühlen konnte, ohne den Grund wirklich benennen zu können.
Judith war schon in ihrer Kindheit mit ihrer Familie in den Sommerferien in ihrem Haus im Médoc, hat dort unbeschwerte Wochen mit flimmernder Hitze, Baden im See, Sommergewittern und endlosem Beisammensein mit ihrer Freundin Natascha verbracht. Diese Freundschaft ist nach einem Schicksalsschlag zerbrochen; danach war nichts mehr wie vorher. Jetzt, nach vierzig Jahren, verbringt sie mit ihrem Mann und ihren Zwillingen die Sommerferien dort und trifft Natascha wieder. Alte, noch nicht verheilte Wunden werden aufgerissen und zwingen sie, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
Das Buch springt zwischen der Vergangenheit und der Jetztzeit hin und her, so dass man am Ende ein klares Bild der Ereignisse und der Protagonisten hat.
Christiane Adlung hat diese einzigartige Stimmung der Sommerferien wunderbar eingefangen. Man meint, dort zu sein und verbringt die Ferien mit der Familie im Médoc, badet im See, macht Spaziergänge am Atlantik und spürt die Hitze.
Ab den ersten Seiten rätselt man mit und will unbedingt wissen, was passiert ist? Das Geheimnis wird aber erst auf den letzten Seiten gelüftet.
Sprachlich habe ich ein bisschen gebraucht, um reinzukommen. Viele Stellen erfordern höchste Aufmerksamkeit. Im Laufe des Buches wird es besser und es liest sich flüssiger.
Ich habe das Buch bei über dreißig Grad im Garten liegend gelesen, das hat perfekt gepasst! Ich habe es gern gelesen und empfehle es allen weiter, die sich für Familienschicksale interessieren.
Ein Rausch diesen feinsinnigen, raffinierten, berührenden, mitreißenden Roman in eloquenter prägnanter literarischer Sprache gelesen zu haben.
Christiane Adlungs Erzählkunst ist vollendete Poesie, in brillant beschriebenen Metaphern. Intensive Wörter wurden zu berauschenden Sätzen formuliert, in der stillen Kunst des Weglassens.
Ein Roman voller Andeutungen, Verschiebungen, Wendungen, Windungen, Aufbegehren, innere Zerrissenheit …. voller Geheimnisse. Ein Meisterwerk die Leserschaft in Täuschung - Illusion - Umkehr zu blenden. Wiederkehrend und doch immer neu.
„Das Leben ist ein Rhythmus aus Vergangenheiten, allein der Takt ändert sich.“ S.12 „….zwischen den Zeilen erfahre man von Schicksal, Hoffnung. Angst und Liebe.“ S.56 „Ich wußte es wirklich nicht mehr, vielleicht bedeutete die Anwesenheit von Glück nicht mehr als die Abwesenheit von Unglück.“ S.254
Der Anfang ist das Ende - das Ende der Anfang. Ich habe das Buch ein weiteres Mal begonnen, soviel noch zwischen den Zeilen.
Ein Roman der lange nachhallt.
„Und ich lausche ihr, der Lautlosigkeit. Sie ist gleich einer Melodie. Schwebend, erhebend.“ S.282
Der Schreibstil hat mich sehr beeindruckt. So unglaublich atmosphärisch und zielsicher in seiner Wortwahl und Ausdrucksweise. Wie ein Mosaik setzt sich die Geschichte zusammen, man braucht etwas Geduld, kann zwischen den Zeilen lesen, was die Handlung auch sehr spannend macht. Ich mochte die Hingabe zu den intensiven Naturbeschreibungen und die präzise Beobachtung der Charaktere.
3.5 Ich fand nur schwer ins Buch hinein, da der Schreibstil nicht so locker leicht ist wie ich dachte. So fiel ich immer wieder aus dem Text gedanklich. Die Geschichte mochte ich auch wenn ich ab der Hälfte das Ende schon erahnte. Die Mutter fand ich schrecklich und ich fragte mich warum Judith ihre Muttermit in die Ferien nimmt. So richtig sympathisch war mir jedoch auch die Protagonistin nicht.