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Moosland

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Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird … Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

212 pages, Kindle Edition

First published March 10, 2026

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About the author

Katrin Zipse

8 books2 followers

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Community Reviews

5 stars
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4 stars
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20 (13%)
2 stars
4 (2%)
1 star
3 (2%)
Displaying 1 - 30 of 42 reviews
Profile Image for papilionna.
746 reviews25 followers
April 6, 2026
Im Jahr 1949 startet die isländische Bauernpartei einen Aufruf, da auf den abgelegenen Höfen junge Frauen fehlen. Die Protagonistin Elsa ist eine von über 300 Frauen, die sich für ein Jahr verpflichten.

Ich hatte vorher noch nie etwas von dieser Initiative gehört und finde, es ist eine fantastische Prämisse für einen Roman. Elsa kommt ohne Sprachkenntnisse und mit wenig landeskundlichem Wissen nach Island - sie ist so wie eine Maske, durch die die Leser das Land, die Leute und deren Sprache und Lebensgewohnheiten kennenlernen.
Dabei ist sie aber keine leere Leinwand, sondern bringt ihre eigenen Erfahrungen und Traumata mit. Man merkt, dass der zweite Weltkrieg sowohl bei den Isländern als auch bei Elsa und ihren Freundinnen noch nachhallt und Vorurteile, seelische Wunden und Verluste sind allgegenwärtig.

Katrin Zipses Schreibstil ist dabei unaufgeregt und klar und passt zur rauen isländischen Landschaft und teils schroffen Art der Bewohner. In dieser unbeschönigenden Art liegt aber eine ganz eigene Emotionalität, die einen nach und nach einnimmt.

Mir hat besonders das Nachwort gefallen, hier werden zusätzliche Fakten genannt, die die Geschichte weiter einordnen.
Profile Image for Sarah Sophie.
299 reviews259 followers
March 20, 2026
Ich hatte keine Ahnung wieviele junge Frauen 1949 nach Island ausgewandert sind! Und ich hatte keine Vorstellung davon, was sie dort erwartete.. Elsa ist eine von vielen dieser Frauen, die mit Mut und Hoffnung aufgebrochen sind - und auch weil manche nichts mehr zu verlieren hatte.
Dieser Roman ist ruhig und atmosphärisch. So wenig wie Elsa versteht man als Leser zu Beginn die Leute, die Sprache, die Gepflogenheiten. Und gemeinsam mit Elsa tauen wir Leser auf. Ganz langsam beginnt man zu verstehen: die Sprache, die Menschen und die eigene Vergangenheit.
Profile Image for Marie.
213 reviews15 followers
March 22, 2026
"Erst wenn alle Wörter vergessen sind, enden auch die Bilder. Dann gibt es kein Gestern und kein Morgen mehr, nur den Boden unter ihren Füßen."

Gute Literatur öffnen Türen in fremde Welten. Das unterscheidet sich von durchschnittlichen Büchern. Ein solches Eintauchen in die fremde Welt ermöglicht Katrin Zipse in ihrem Roman "Moosland" gleich auf mehrere Arten. Zum einen spielt das Buch in einer Zeit, die heute fast hundert Jahre hinter uns liegt: 1949 - Nachkriegszeit. Allerdings wird nicht aus Deutschland berichtet, sondern von einer Deutschen - Elsa - die dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes folgt und als Hilfskraft für ein Jahr nach Island geht. Nur, dass sie das nicht aus eigenem Antrieb tut, sondern im Schlepptau von Gerda, selbst zu kaum einer Entscheidung mehr fähig. Sie reist aus, ohne jegliche Kenntnisse der Landwirtschaft, noch nie auf einem Pferderücken gesessen und mit einer panischen Angst vor Hühnern. So erwartet nicht nur Elsa, sondern die Leser von der ersten Seite an eine Fremdheitserfahrung: Ein Land, so anders als alles, was man von Deutschland kennt. Weit, leer und rau und Menschen, die auf den ersten Blick genauso unzugänglich erscheinen wie das moosige Land. Sie sprechen eine zischende Sprache, die Elsa nicht versteht. Doch die junge Frau bleibt angesichts der Schrecken in den Kriegsjahren ohnehin stumm. Ob sie nun in ihrer Muttersprache oder auf einer anderen Sprache schweigt, macht keinen Unterschied.

Zipses große Erzählkunst liegt darin, jegliche Erwartungen - oder besser gesagt Vorurteile - an "Moosland" zu enttäuschen. Es ist weder eine verkappte Liebesgeschichte, noch eine Huldigung der Islands als Heimat oder ein typischer historischer Roman, in dem die Zeit doch alle Wunder heilt. Stattdessen scheint es fast das gesamte Buch über so, dass die Autorin Elsa einfach erzählen lässt - ungeschönt und brutal ehrlich. Das ist manchmal schwer auszuhalten. Denn Elsa handelt oft kopflos, hilflos und doch begegnet ihr die Bauernfamilie mit so viel Geduld. Besonders gelungen ist die Beschreibung der doppelten Sprachlosigkeit Elsas. Die isländischen Namen werden zuerst in eingedeutschter Aussprache aufgeschrieben, isländische Buchstaben finden sich erst nach und nach im Text und auch die Sätze der Alltagssprache werden meist lautgetreu notiert. Der Leser fühlt dadurch Elsas Fremdheit wie die eigene.

2019, also sieben Jahre vor Erscheinen des Romans, war Katrin Zipse als Stipendiatin in Island. Der Grundstein für die Geschichte wurde vermutlich hier gelegt. Denn man merkt den Landschaftsbeschreibungen, in denen sich jeder wiederfinden kann, der dieses Land bereist hat, die Liebe zur herben, rauen Natur an. Die Autorin wird nie kitschig in ihren Beschreibungen, spart keine Beschwerlichkeit, die das Land bietet aus. Dennoch sind die zahlreichen Szenen, die außerhalb des Hofes spielen Zeugnis einer großen Bewunderung für diese Landschaft.

"Moosland" lässt glücklicherweise viele Leerstellen - dem Lesenden wird also abverlangt, historische Zusammenhänge selbst herzustellen, um sich ein Bild auf die Reaktion der Figuren zu machen. Das gilt vor allem für den Streit in der Bauernfamilie, der an einem amerikanischen Radioprogramm entbrennt. Auch das von Beginn offensichtliche Trauma Elsas wird nicht im Detail erklärt - wem und vor allem in welchen Worten soll es die junge Frau auch erklären? Genau in diesen Lücken liegt die Stärke des Romans, der nie belehrt, sondern fast schon dokumentarisch ein fast vergessenes Stück Geschichte beleuchtet.
Profile Image for Carina.
22 reviews
February 20, 2026
Ein sehr atmosphärischer Roman, der seine Lesenden mit seinem ruhigen Fluss in die nordisländische Natur trägt.
Zipse zeichnet eine Hauptfigur, die sich im Krieg verloren hat. Auf vielen Ebenen. Umso behutsamer die Beschreibungen ihres Alltags auf dem Land und mit der Bauernfamilie, die sie im Esja-Programm aufnahm, desto schlagender ist das Durchbrechen der Bilder, in denen die Autorin die Traumata ihrer Protagonistin beschreibt.
Das Buch ist die Beschreibung eines Gefühls, eines Zustandes des Findens - von Worten (in einer fremden Sprache) und von (menschlicher) Wärme (in einer fremden Welt).
1,520 reviews8 followers
March 24, 2026
Ein bewegendes Frauenschicksal

Klappentext:
Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren.
Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof, besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird.

„Moosland“ von Katrin Zipse ist ein Roman, der auf einer wahren Begebenheit basiert.

Im Mittelpunkt steht Elsa, sie hat den Krieg noch nicht verarbeitet, zu viel Elend und zu viele Tode hat sie gesehen. Da ergibt sich die Gelegenheit Deutschland für einige Zeit zu verlassen. Die isländischen Bauernpartei sucht junge deutsche Frauen, die in Island, gegen Bezahlung auf Bauernhöfen arbeiten wollen. Island verspricht sich davon Arbeitskräfte und vielleicht auch die eine oder andere junge Frau, die sich entschließt zu bleiben und zu heiraten.

Elsa kommt zu einer Bauernfamilie, die etwas abgelegen wohnt. Auf dem Hof arbeiten Bauer und Bäuerin, sowie die zwei Söhne. Zur Unterstützung haben die Bauersleute noch einen Knecht angestellt.
Die Familie nimmt Elsa mit offenen Armen auf. Schwierig macht es allerdings die Sprachbarriere. Auch das Elsa keinerlei Kenntnisse von der Landwirtschaft hat, macht es ihr nicht gerade leicht.
Elsa weigert sich auch am Anfang Isländisch zu lernen und gibt vor auch kein Englisch zu sprechen. In Wahrheit möchte sie mit niemanden Reden, sie ist so tief in ihrem Trauma, dass vom Krieg herstammt, versunken, dass sie sich völlig verschließt.

Katrin Zipse vermittelt die Geschichte mit viel Gefühl. Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Elsa gefällt mir gut. Sie steht für viele Frauen, die zwar nicht an der Front waren, aber die der Krieg trotzdem hart getroffen und traumatisiert hat.

Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, dass Island deutsche Frauen angeworben hatte, die dort auf Bauernhöfen arbeiten. So steht Elsa Pate für ca. 300 Frauen, die dem Aufruf gefolgt sind.

Ganz wunderbar ist die Beschreibung der Handlungsorte. Katrin Zipse beschreibt die weiter der Landschaft, die nie endenden Berge, die Farben, den Himmel so eindringlich, dass man schnell Bilder vor Augen hat.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut verständlich, die Sprache ist fast schon poetisch zu nennen.

„Moosland“ ist ein wunderschöner Roman, den ich gerne empfehlen möchte.
Profile Image for Sabine.
789 reviews22 followers
March 11, 2026
Sommer 1949: Die junge Elsa lässt das vom Krieg gezeichnete Deutschland hinter sich und bricht nach Island auf. Sie gehört zu jener Gruppe von fast dreihundert Frauen, die dem Ruf der isländischen Bauernpartei folgen, um als Arbeitskräfte – und potenzielle Ehefrauen – auf entlegenen Höfen auszuhelfen. Doch Elsa findet nur schwer in die neue Heimat, da sie um ihre Freundin Sola und ihre eigene Vergangenheit trauert. Inmitten von Grassodenhäusern und dem weiten Meer trifft Elsa auf eine Familie, deren Alltag ganz von Arbeit bestimmt ist. Zunächst dient ihr die fremde Sprache als Schutz, doch allmählich nähert sie sich an – der neuen Umgebung, der Familie und vor allem der verschwundenen Tochter, über die beharrlich geschwiegen wird.

Mich hat dieser Roman auf eine stille, aber sehr eindringliche Weise berührt. Ich bin in ein Stück deutsch-isländischer Geschichte eingetaucht, das mir bisher völlig unbekannt war, und konnte es durch die dichte Atmosphäre fast greifen. Die Erzählweise ist ruhig gehalten, was die Handlung phasenweise etwas statisch wirken lässt, doch gerade diese Stille unterstreicht die Schwere des damaligen Lebens. Ich war fasziniert von der Darstellung des isländischen Alltags in den späten 1940er Jahren, der kaum Raum für Leichtigkeit ließ, sondern sich um das nackte Überleben und die harte Arbeit drehte.

Elsa als Protagonistin hat mich sehr beschäftigt. Gezeichnet von den Kriegsjahren, ist sie sehr still geworden – vieles über ihr Schicksal bleibt im Dunkeln, und gerne hätte ich mehr über sie erfahren, gleichzeitig fühlte ich aber tief mit ihr. Sie behält etwas Geheimnisvolles, weil man so wenig aus ihrer Vergangenheit erfährt und nur ahnen kann, was ihr widerfahren sein muss. Ihr Ringen mit der fremden Sprache und die behutsamen, fast unbeholfenen Annäherungsversuche der Bauernsöhne sind sehr feinfühlig gezeichnet. Es ist ein hartes, karges Leben, in dem Elsa nur mühsam ihren Platz findet.

Karin Zipses Schreibstil ist angenehm, oft bedrückend, vor allem aber dicht und atmosphärisch. Die Darstellung der Natur, die mal durch ihre Schönheit besticht und mal durch ihre Gefahr erschreckt, ist ihr gut gelungen. Es herrscht eine subtile Spannung, die aus dem Geheimnis um die verschwundene Tochter erwächst. Wer hier große Action erwartet, wird enttäuscht sein – die Geschichte bleibt ruhig und entfaltet sich in einem ganz eigenen, entschleunigten Rhythmus. Dennoch fühlte ich mich der Erzählung nah, auch wenn ihr ein wenig mehr Dynamik nach meinem Geschmack gutgetan hätte.
Profile Image for _Le4_.
190 reviews
April 22, 2026
Im Buch greift die Autorin einen Teil des Geschichte auf, als deutsche Frauen sich als Helferinnen auf Farmen in Irland anmelden konnten. Das Buch behandelt ein fiktionalisiertes Schicksal von Elsa, die 1949 nach Island auf einem abgelegenen Hof ankommt. Wir sehen, wie sie sich trotz ihrer Traumata, fehlenden Sprachkenntnisse und Fähigkeiten in der Familie und dem Hof einfindet.

Wir lernen Elsa kennen, die unerklärte Traumata hat und auf Island abgesetzt wird. Jetzt muss sie sich auf dem Hof zurechtfinden, obwohl sie dafür gar nicht die richtigen Fähigkeiten hat. Elsa selbst ist ein bisschen seltsam, aber es ist schön zu sehen, wie sie sich immer und immer mehr öffnet und schließlich Freude empfindet, als sie neue Fertigkeiten entwickelt.
Die Familiendynamik ist spannend. Mir gefällt zu lesen, wie die Familie Elsa aufnimmt und wie sich die verschiedenen Beziehungen der Leute zueinander entwickeln.
Die Geschichte um die Zeit herum wird gekonnt peripher angeschnitten und so wird das Setting gekonnt aufgebaut, ohne dass wir erst einmal ein Geschichtsbuch lesen müssen.
Der Lebensstil und die abgeschottete Schönheit von Island werden großartig dargestellt.

Das Buch hat mir gut gefallen. Es greift einen Aspekt der Geschichte auf, den ich vorher nicht kannte und ist durchaus lesenswert.
Profile Image for Jan Gre.
73 reviews
April 7, 2026
Ein wunderschönes Buch über Verlust, Ankunft und Heimat, das für mich gerade deshalb so gut funktioniert, weil es gerade keine schwarz-weiße Geschichte mit einem definitiven Ende erzählt, sondern während und nach dem Lesen viel mit Imagination des Lesers, der Leserin spielt.
Profile Image for Vera.
Author 0 books31 followers
March 22, 2026
Das Buch ist sehr eindringlich in seiner Nüchternheit. Einfach toll!
Profile Image for Kerstin Cornils.
548 reviews1 follower
April 7, 2026
Das Cover wirkt wie ein Gemälde. Unten ist Gras in unterschiedlichen Grüntönen zu sehen, dahinter erheben sich weiß-gräuliche Formen und darüber spannt sich ein heller blauer Himmel. Bei der Hardcover-Ausgabe zieht sich dieses Bild bis auf die Rückseite und bildet einen stimmigen Hintergrund für den Klappentext. Das Buch ist mir sofort ins Auge gefallen und ich wollte wissen, was sich dahinter verbirgt.

Moosland von Katrin Zipse erschien im DuMont Buchverlag. Die Geschichte spielt auf Island in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist eine fiktive Handlung, die reale Umstände aufgreift: Viele junge deutsche Frauen kamen damals nach Island, um auf Bauernhöfen zu arbeiten und wurden zum Teil dort verheiratet. Der Klappentext greift die wichtigsten Aspekte sehr passend auf.

Ich durfte auf dem Bloggerevent des Verlags auf der Leipziger Buchmesse der Autorin zuhören. Sie berichtete von ihrer Recherchereise nach Island und dem Schreibprozess. Außerdem nahm sie mich mit ihrer Stimme direkt mit in die Geschichte und las ein Kapitel daraus vor. Meine Neugier war sofort geweckt und ich musste nach der Buchmesse direkt wieder in die Geschichte eintauchen.

Erzählt wird aus der Sicht von Elsa, allerdings in der dritten Person, sodass ein gewisser Abstand zur Protagonistin bestehen bleibt. Sie reist gemeinsam mit ihrer Freundin Gerda nach Island, hat dort jedoch kaum Gelegenheit, sie zu sehen, da ihre Einsatzorte weit auseinanderliegen. Der Kontakt erfolgt über Briefe. Durch diese Briefe erfahre ich viel über Elsas innere Gedanken und Gefühle und bekomme auch Einblicke in Gerdas Erleben. Das Leben auf dem Hof wird unmittelbar geschildert. Gerade zu Beginn ist Elsa nahezu stumm. Erst nach und nach lernt sie Isländisch und findet so einen Weg, sich mit dem Bauern, seiner Frau und den Kindern zu verständigen.

Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an meinen eigenen Schüleraustausch in Dänemark erinnert. Ich kam zwar nicht zum Arbeiten dorthin, verbrachte aber eine Woche auf einem Bauernhof. Da ich Französisch als zweite Fremdsprache gewählt hatte, konnte ich kaum ein Wort Dänisch. Zu meinem Glück traf ich auf eine Familie, die weder Deutsch noch Englisch sprach. Nur meine Gastschwester konnte sich ein wenig auf Englisch und Deutsch verständigen. So lernte ich, mich mit Händen und Füßen mit den Eltern auszutauschen. Dieses Bild am Küchentisch hatte ich vor Augen, während ich der Geschichte folgte.

Auch wenn ich das Buch haptisch sehr ansprechend finde, habe ich mir zusätzlich das Hörbuch gekauft und wurde von der Sprecherin nicht enttäuscht. Marie Wördemann trifft den passenden Ton für die Geschichte. Ich habe das Hörbuch in einem Rutsch gehört. Sie ließ mich in eine längst vergangene Welt eintauchen und setzte die besondere Sprache eindrucksvoll um. Ich mag Geschichten, die sich in einer gewählten Sprache entfalten. Sie geben mir das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen und ganz darin aufgehen zu können. Ich mag es, wenn Figuren sich bewusst und gewählt ausdrücken. In der heutigen Zeit gibt es viel Slang, den ich in literarischen Werken nicht brauche.

Magst du die weite Landschaft Islands? Liebst du Geschichten, die historische Aspekte fiktiv aufgreifen? Dann bist du bei Moosland von Katrin Zipse gut aufgehoben. Mit einer eindrucksvollen Sprache versetzte mich die Autorin in das Jahr 1949. Ich durfte die Bewegung miterleben, in der deutsche Frauen nach Island kamen, um dort zu arbeiten und zu heiraten. Ich hatte zuvor bereits davon gehört, doch diese Geschichte hat mir die Zeit noch nähergebracht. Durch Elsas Perspektive konnte ich die besondere Dynamik innerhalb der Familie erleben und mich von den Jahreszeiten mitreißen lassen, die deutlich kürzere Zeitfenster für die Landwirtschaft bieten als bei uns. Von mir gibt es eine klare Lese- und Hörempfehlung für alle, die sich für die deutsche und isländische Nachkriegszeit interessieren.
164 reviews
Review of advance copy
February 23, 2026
1949: Die junge Deutsche Elsa landet in kargem, rauem Land - Island soll zumindest für das nächste Jahr ihre neue Heimat sein. Sie arbeitet auf einem Bauernhof und findet keinen Zugang zu der für sie sonderbaren Bauernfamilie. Das liegt aber auch daran, dass sie nicht spricht - weder in der ihr fremden isländischen Sprache, noch in ihrer eigenen. Tief gezeichnet von angedeuteten Kriegstraumata versucht sie trotzdem ihr Auskommen zu finden und den harten Alltag ihrer neuen Heimat anzunehmen.

Was für ein schönes, ruhiges und tiefsinniges Buch ist Autorin Katrin Zipse hier gelungen! Wir folgen der jungen Elsa in diese andersartige Welt - das Nachkriegs-Island - in eine Bauernfamilie, die vom Patriarchen bestimmt wird, dessen Frau aber ebenso Autorität besitzt und den Laden am Laufen hält. Die stillen Annäherungen, die jede einzelne Figur anstellt, Konflikte innerhalb der Familie, das langsame Lösen der erwachsenen Söhne von ihrem starren und konservativen Familienkonstrukt und ein Familiengeheimnis, das bedrückend im Raum steht, über das aber niemand sprechen mag - all das beschreibt die Autorin über die Empfindungen der Protagonistin - und das, obwohl das wichtigste Werkzeug dafür kaum eingesetzt wird: die Sprache, denn das meiste geschieht über Schilderung von Handlungen.

Elsa ist tief traumatisiert, im Krieg hat sie alles verloren. Das erfahren wir aber nicht durch direkte Erzählungen, sondern vielmehr über Halluzinationen, die Elsa hat, die sie oft vollkommen willkürlich zur Flucht veranlassen, doch vor sich selbst kann sie nicht flüchten. Die junge Frau versucht vor der Realität wegzulaufen, ebenso wie vor ihrer Vergangenheit, doch langsam kommt sie an, in ihrem neuen Zuhause, das von Kargheit und harter Arbeit geprägt wird. Ob sie das überhaupt will, ist ihr selbst nicht klar, das Fremde dieses Landes und dieser Leute ist ihr genauso zuwider, wie es sie insgeheim anzieht.

Die Sprache, die die Autorin einsetzt, passt zu der Zeit, passt zu dem Land - sie ist nüchtern, ruhig und karg, aber gleichzeitig auch tiefsinnig und emotional. Es sind kleine Momente der Annäherung, die große Fortschritte für die Protagonistin bedeuten - das langsame Wiederbeginnen des Sprechens, das Zwischenmenschliche von Menschen, die zusammenleben und -arbeiten, obwohl sie nicht die selbe Sprache sprechen, kleine Gesten, die den Alltag erleichtern und ein Zusammenhalt, der von Tag zu tag wächst. Die Landschaft hat einen speziellen Stellenwert, ebenso wie die darin vorkommenden Geräusche und Gerüche - und alles ist so bildlich beschrieben, dass man denkt, man wäre mitten im Geschehen, mitten im isländischen Nirgendwo. Als das Buch zu Ende ging, war ich traurig, hatte ich doch das Gefühl gerade erst angekommen zu sein - genauso wie die Protagonistin.

Mein Fazit: Moosland ist ein wundervoller, ruhiger Roman, der von einer traumatisierten jungen Frau berichtet, die in der Nachkriegszeit ihr neues Leben in Island beginnt und dabei versucht, sich selbst und ihre Stimme wieder zu finden. Es ist ein atmosphärisches Buch voller sinnlicher Eindrücke von Land und Leuten, das eindrucksvoll Bilder und Gerüche im Kopf erzeugt und durch Ruhe, der Zerrissenheit der Protagonistin und kleine Gesten des menschlichen Miteinander überzeugt. Für mich ein absolutes Highlight!
60 reviews
March 12, 2026
Ende der 1940er Jahre kommt eine junge Frau aus Deutschland in Island an. Sie wird dort für ein Jahr auf einem Bauernhof leben und die Bauernfamilie bei der Arbeit auf dem Hof unterstützen. Nach dem zweiten Weltkrieg gibt es in Deutschland nicht viel, wofür es sich zu bleiben lohnt. In Island fehlen junge Frauen, die mit den Amerikanern zurück in die USA gegangen sind. Und so entsteht ein ungewöhnliches Arrangement, das unsere Protagonistin auf einen Hof mitten im Nichts führt. Dort lebt sie von nun an mit der Bäuerin, dem Bauer, den beiden Söhnen und dem Knecht der Familie unter einem Dach und unterstütz bei allem, was so anfällt. Sie wäscht die Wäsche, kocht Mahlzeiten, melkt die Kühe und putzt das Wohnhaus. Doch bei all dem steht ihr eine Sache im Weg: Sie kann sich nicht mit der Bauernfamilie verständigen. Das liegt nicht nur daran, dass sie kein Isländisch kann, sondern auch an einem verstörenden Erlebnis in den Nachwehen des zweiten Weltkriegs, das sie zum Schweigen gebracht hat. Nur in sehr kleinen Schritten nähert sie sich ihrem neuen Zuhause an und beginnt, eine Beziehung zu diesem neuen Ort und diesem neuen Leben aufzubauen. Dabei spielen auch die anderen Menschen, die auf dem Hof leben, eine große Rolle. Und jene, die dort nicht mehr sind - denn durch Zufall erfährt sie, dass es auch eine Schwester gibt, über die niemand spricht.

"Moosland" von Katrin Zipse ist ein wirklich schönes Buch. Es hat mich berührt, gerade weil es mit wenigen Worten auskommt, und wir der Protagonistin trotzdem so nahe kommen. Die Einfachheit des Lebens, dass sie und die Bauernfamilie führt, hat mich beeindruckt und bewegt. Ich habe es genossen, mich gemeinsam mit ihr an das Leben in Island zu gewöhnen und immer mehr dazu zu lernen über diesen fremden Ort, der doch so eine besondere Beziehung zu Deutschland hat.
Zwei Dinge sind mir jedoch aufgefallen, die mir nicht so gut gefallen haben. Der Name der Protagonistin wird im gesamten Buch nicht genannt - sie bleibt namenlos, was auch gut mit der Tatsache harmoniert, dass sie gerne für sich bleibt und nicht spricht. Im Klappentext wird ihre Name jedoch genannt, sodass der Effekt leider verpufft.
Außerdem gibt es eine Stelle im Buch, da wird der Protagonistin klar, dass einige der Schafe, die die Familie aus den Bergen ins Tal geholt hat, geschlachtet werden. Sie ist schockiert und läuft davon. Und das, nachdem sie bereits über Monate hinweg von deren Fleisch gegessen und Produkte aus Schafsmilch konsumiert und zubereitet hat. Ich kann verstehen, dass es uns heutzutage manchmal schwerfällt, uns den Ursprung unserer Lebensmittel bewusst zu machen. Doch in den 1950er Jahren war der Bezug zu Lebensmitteln ein anderer, egal ob in Island oder in Deutschland. Daher kann ich ihre Überraschung nicht nachvollziehen, als ihr klar wird, dass Milch und Fleisch tatsächlich - wer hätte das gedacht - von den Tieren stammen.
Abgesehen von diesen zwei Aspekten hat mir "Moosland" wirklich sehr gut gefallen und ich habe die Geschichte als sehr bereichernd empfunden. Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen!
Profile Image for kristinaliest.
696 reviews11 followers
March 16, 2026
Manchmal begegnet man beim Lesen Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen und manchmal trifft man auf Charaktere, die eine gewisse Distanz bewahren. Genau so ging es mir mit Elsa. Elsa ist eine sehr verschlossene Person. Schon früh in der Geschichte wird deutlich, dass sie ihre Gedanken und Gefühle nur selten offen zeigt. Sie wirkt zurückhaltend, beinahe geheimnisvoll, und lässt nur selten wirklich tief in ihre Welt blicken. Als Leserin habe ich deshalb gemerkt, dass ich mich ihr nicht ganz so nah gefühlt habe. Ich habe nicht wirklich Zugang zu ihr gefunden. Das lag nicht daran, dass sie uninteressant wäre, ganz im Gegenteil. Gerade ihre stille Art macht sie auf eine gewisse Weise spannend. Doch sie bleibt lange schwer greifbar. Man beobachtet sie, begleitet sie durch ihre Erlebnisse und Gedanken, aber man hat selten das Gefühl, wirklich tief in ihr Innerstes schauen zu können. Dadurch blieb eine gewisse emotionale Distanz bestehen. Elsa ist keine Figur, die sich leicht entschlüsseln lässt. Ihre Verschlossenheit gehört ganz klar zu ihrem Charakter und prägt die gesamte Atmosphäre des Buches. Man merkt, dass sie vieles mit sich selbst ausmacht und nur selten offen nach außen trägt. Das ist natürlich auch der Gesamtsituation geschuldet. Sie ist im Ausland, kann die Sprache nicht sprechen und hat eigentlich nicht wirklich direkte Bezugspersonen, die ihre Sprache sprechen.

Besonders gefallen haben mir die Erzählungen über ihre Arbeit. Man merkt beim Lesen, dass hier viel Wissen und ein feines Gespür für Details vorhanden sind. Die Beschreibungen wirken lebendig und einfach authentisch. Für mich waren diese Stellen sehr bereichernd und haben das Buch besonders interessant gemacht.
Was mich außerdem sehr eingenommen hat, war die Erzählweise. Der Schreibstil ist wirklich wunderbar schön und hat mich direkt eingenommen. 
Beim Lesen hatte ich immer wieder das Gefühl, dass die Geschichte weniger von großen dramatischen Ereignissen lebt, sondern vielmehr von ihren leisen Momenten. Kleine Beobachtungen, Gedanken und Stimmungen stehen im Mittelpunkt. Es ist eines dieser Bücher, bei denen man nicht unbedingt durch Spannung vorangetrieben wird, sondern durch die Atmosphäre und die Sprache. Man liest weiter, weil man in dieser Welt bleiben möchte und weil die Art zu erzählen einfach sehr schön ist und natürlich herrscht auch eine gewisse Spannung, weil man erfahren möchte wie es mit Elsa weitergeht und ob sie sich öffnen wird. 
Besonders interessant fand ich auch, dass die Geschichte zwar fiktiv ist, aber trotzdem einen wahren Hintergrund hat. 
Insgesamt war es für mich ein Buch, das vor allem durch seine Atmosphäre und seinen Schreibstil überzeugt hat. Auch wenn ich mich Elsa emotional nicht ganz so nah gefühlt habe und nicht vollständig Zugang zu ihr gefunden habe, hat mich die Geschichte dennoch auf ihre eigene Weise gefesselt. Daher gibt es auch 4 von 5 Sternen. 
8 reviews
April 14, 2026
Berührender Roman über ein Stück wenig bekannte Zeitgeschichte
In ihrem Roman „Moosland“ beleuchtet Katrin Zipse ein wenig bekanntes Kapitel der Zeitgeschichte aus dem Jahr 1949. Damals warb Island in Deutschland per Annonce Frauen an, die auf dem Inselstaat bei der Landarbeit mithelfen sollten. Man bezeichnete sie später als „Esja-Frauen“, weil sie mit dem gleichnamigen Schiff Island erreichten. Die Maßnahme wurde nicht nur zur Hilfe für die Bauern initiiert. Hintergründig sollten damit heiratsfähige Frauen ins Land geholt werden, denn viele Isländerinnen waren abgewandert, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten. Nicht allen gefiel die Anwerbung der Frauen, denn auch vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren negative Erfahrungen mit dem deutschen Volk verbunden. Die Autorin verdeutlicht das Thema in ihrem Buch.

Die lange unbenannte Protagonistin Elsa wird der Familie, für die sie tätig werden soll, an einem windigen und kühlen Tag zugeführt. Die Familie lebt in einem Haus, mitten in der grenzenlos erscheinenden Weite ihres bewirtschafteten Landes. Die Frau des Hauses stellt sich ihr vor und anschließend ihre Angehörigen. Elsa distanziert sich von ihr, indem sie nie mit ihrem Namen an sie denkt. Das Ehepaar hat zwei Söhne in etwa ihrem Alter. Später stellt sie fest, dass beide ihre eigenen Vorstellungen von einer Zukunft haben und dafür kämpfen.

Obwohl es insgesamt mehr als in der Heimat zu essen gibt, ist die Versorgung eintönig und reicht gerade, um über den Winter zu kommen, auch für die Tiere. Elsas Arbeitgeber lebt vor allem von der Schafzucht. Sie wird nicht nur im Haushalt beschäftigt, sondern auch nach Bedarf in der Landwirtschaft, beispielsweise beim Heuen und dem Viehtrieb. Bei der körperlichen Tätigkeit behauptet sie sich. Schmerzen lässt sie rasch hinter sich, was mich mitunter verwundert hat. Ob sie früher bereits an ähnliche Arbeiten gewöhnt war, bleibt unklar, denn man erfährt wenig über ihre Herkunft.

Die Geschichte bleibt stets bei der Hauptfigur, die lange nicht spricht und sich in der ersten Zeit der isländischen Sprache verwehrt, was sich eventuell als Ausdruck einer posttraumatischen Belastungsstörung deuten lässt. Einer der Söhne bemerkt später, dass sie Englisch spricht, ohne dass ihre Kenntnisse näher erklärt werden. Gelegentlich wirkt ihr Verhalten verstörend, wenn bestimmte Erinnerungen zurückkehren, etwa an ihre Freundin Sola, deren Mantel sie an sich genommen hat. Elsas Alter bleibt unbestimmt, aber vermutlich ist sie volljährig.

Katrin Zipse hat mit „Moosland“ einen berührenden Roman geschaffen, der eine Protagonistin zeigt, die mit dem Nachhall vergangener Ereignisse ringt und sich dennoch auf einen Neubeginn in einem fremden Land, fern ihrer Heimat, eingelassen hat. Er spiegelt ein Stück weniger bekannte Zeitgeschichte wieder und ist eingebunden in die raue Schönheit der isländischen Landschaft. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
228 reviews
April 2, 2026
ein Buch das mich langsam begeistern konnte




„Moosland“ von Katrin Zipse, erschienen im @dumontbuchverlag , hat mich genauso langsambegeistern und verstehen lassen wie Die Protagonistin Elsa den Rhythmus des Zusammenlebens mit ihrer neuen Familie begreift und dann überzeugt ihre Entscheidung trifft.

Island war vor dem 2. Weltkrieg das ärmste westliche Land Europas. Erst mit der Stationierung der englischen und später der amerikanischen Soldaten kam etwas Wohlstand auf die Insel, an der aber meistens nur die Stadtbevölkerung partizipieren konnte. Die Bauern in den ländlichen Gegenden verloren Arbeitskräfte, weil viele Frauen mit den Soldaten die Insel und das damit verbundene ärmliche, karge und arbeitsreiche Leben verließen. Daraufhin rief die isländische. Bauernpartei auf, deutsche Frauen als Arbeitskräfte ins Land zu holen, die wohlmöglich bereit waren zu bleiben und isländische Bauern zu heiraten.Auch Elsa, die alles verloren hat, folgt diesem Aufruf und von ihrer Geschichte handelt dieses Buch.
Sie war eine der ca. 300 Esja Frauen , die 1949 von Hamburg aus mit dem Passagierdampfer „Esja“ Kurs auf Reykjavik nahmen.

Sie kommt in eine Familie, die weit weg wohnt von den bescheidenen Annehmlichkeiten des Stadtlebens. Ohne irgendwelche Sprachkenntnisse oder der Vorstellung davon, welche Art von Arbeit sie auf diesem Hof erwartet, oder welchen Widrigkeiten der Natur sie in diesem Teil Europas ausgesetzt ist,erreicht sie den Hof und verzweifelt zu Anfang an ihrer Entscheidung.
In einem ruhigen, manchmal malerischen Schreibstil beschreibt die Autorin Elsas Annäherung an diese Lebensweise und das für sie so fremde Land.

Ich habe beim Lesen oft an die vielen Menschen gedacht, die geflüchtet sind und auch hier auf eine Sprache treffen, die sie nicht verstehen und eine Kultur, die ihnen fremd ist.Wie einsam und unverstanden müssen sich viele fühlen, wie auch Elsa, denn auch auf Island waren die deutschen Frauen nicht überall willkommen.

Wie schon zu Anfang beschrieben,hat sich meine Begeisterung für das Buch erst langsam entwickelt. Die ruhige Einführung, die auch zum großen Teil durch die Sprachlosigkeit der Protagonistin gekennzeichnet war, brauchte etwas, um auf mich zu wirken.
Was mich sehr begeistern konnte, waren die Beschreibungen der Autorin zwischen der faszinierenden Schönheit der Natur und den Menschen herausfordernden Naturgewalten dieser Insel.

Abschließend kann ich sagen, dass mich das Buch durch seinen Inhalt und seine Schreibweise für sich einnehmen konnte und ich es Menschen empfehle, die Romane lieben, die sich Zeit geben bei der Beobachtung seiner Figuren und Handlungen und sich durch einen schönen Schreibstil auszeichnen.
Profile Image for Frl.Fernsucht.
210 reviews
March 11, 2026
Die Autorin Katrin Zipse gibt in ihrem Roman „Moosland“ einer der sogenannten „Esja-Frauen“ eine eigene Geschichte und macht durch ihr Buch auf einen Teil der deutsch-isländischen Geschichte aufmerksam, der für die meisten Deutschen kaum bekannt sein dürfte.

1949 kamen knapp 300 junge Frauen aus Norddeutschland nach Island. Sie sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um ein Jahr gegen Kost, Logis und einem geringen Lohn auf den isländischen Höfen zu arbeiten. Die Bauern wiederum erhofften sich nicht nur Arbeitskräfte, sondern auch Heiratskandidatinnen, da immer mehr Isländerinnen in die Städte zogen oder zuvor mit den auf Island stationierten Amerikanern nach Amerika ausgewandert waren. Tatsächlich sind einige dieser Frauen geblieben und haben die Sprache gelernt und nicht selten einen Isländer geheiratet. Es handelt sich um die erste große organisierte Einwanderung Islands. Der Name „Esja-Frauen“ stammt von dem Schiff, der „Esja“ mit dem die jungen Frauen nach Island gebracht wurden.

In dem Roman begleiten wir vor allem eine dieser jungen Frauen - Elsa.
Elsa ist vom Tod ihrer besten Freundin Sola traumatisiert und kommt eher zufällig mit auf das Schiff. Warum auch nicht, denkt sie, wo sie doch eh nichts mehr zu verlieren hat. Emotions- und hoffnungslos landet sie so bei einer Bauernfamilie im Norden Islands, bestehend aus dem Ehepaar, den beiden Söhnen und einem Knecht. Elsa, die seit dem Tod der Freundin kaum noch spricht, hat zunächst Probleme sich auf ihr neues Leben in der Einöde einzulassen. Die Sprache spricht und versteht sie ohnehin nicht. Auch die einfachen Wohnverhältnisse machen ihr zunächst zu schaffen. Als Leser begleiten wir sie bei der täglichen Hofarbeit, die Wäsche wird noch im Fluss gewachsen und neben kochen und spülen muss sie auch bei schweren Arbeiten, wie der Heuernte oder dem Schaftreiben mit anpacken. Doch Tag für Tag kommt sie mehr in dieser für sie neuen und fremden Welt an.

Der Roman besticht durch seine sprachlich schönen Landschaftsbeschreibungen und einem ruhigen Erzähltempo, was gut zur Handlung und der Einöde Islands passt. Man kann sich gut in die Protagonistin hineinversetzen und fragt sich nicht selten, wie es einem selbst in dieser Situation ergeben würde. Besonders die Dynamiken zwischen den einzelnen Figuren haben mir gut gefallen und das Buch nahm nicht unbedingt einen vorhersehbaren Lauf.
Da ich selbst bislang noch nichts über die „Esja-Frauen“ gehört hatte, fand ich auch den geschichtlichen Aspekt spannend.
Ein Buch für Alle, die Lust auf Island, ein Stück Geschichte, das einfache Landleben oder eine spannenden Familiengeschichte haben.
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March 10, 2026
MOOSLAND
Katrin Zipse
ET: 10.03.26

Island im Juni 1949:

Elsa folgt dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes, der junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sucht, die als Arbeitskräfte und mögliche Ehefrauen nach Island kommen sollen. So gelangt sie zu einer abgelegenen Bauernfamilie. Das Leben dort ist rau, karg und entbehrungsreich, die Tage beginnen früh und enden spät, bestimmt von harter körperlicher Arbeit und einer Natur, die wenig Raum für Nachsicht lässt. Die fremde Sprache bleibt Elsa verschlossen, doch sie empfindet das kaum als Verlust, denn seit dem Tod ihrer Freundin Sola hat sie selbst das Sprechen aufgegeben.

Die beiden erwachsenen Söhne der Familie begegnen ihr offen und aufmerksam, der Bauer bleibt wortkarg, seine Frau zurückhaltend und kühl. Auch hier zeigt sich die Härte des Lebens, das Gefühle eher dämpft als zulässt. Bald wird deutlich, dass Elsa die schwere Landarbeit nicht gewohnt ist. Doch sie gibt sich Mühe, und mit dem allmählich wachsenden Zusammenhalt verschiebt sich etwas im Gefüge der Familie. Die jungen Männer suchen zunehmend Elsas Nähe, zugleich entsteht zwischen ihnen eine leise, aber spürbare Rivalität.

Als Elsa eines Tages auf ein altes Foto stößt, wird ihre Neugier geweckt. Darauf ist die Familie mit einem Mädchen zu sehen, offenbar der Tochter der Bauern. Doch niemand spricht über sie.

Wieso das so ist, müsst ihr natürlich selbst herausfinden.

Ach ihr lieben Bookies, da bin ich wieder. Dieses Buch hat mich für zwei Tage nach Island getragen. Ich habe den kalten Wind gespürt, die Weite der Landschaft, diese herbe und stille Schönheit. Katrin Zipse erzählt mit großer Atmosphäre und verbindet historische Gegebenheiten mit einer fein gesponnenen Fiktion. Wer einen plotgetriebenen und spannungsreichen Roman erwartet, wird hier nicht fündig. Dieses Buch lebt von seiner Stimmung, von der Langsamkeit und von den Bildern, die sich festsetzen. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto dunkler werden die Zwischentöne. Gerade darin liegt ihre Kraft. Keine Seite war mir zu viel, im Gegenteil: Ich wollte wissen, wohin der isländische Wind Elsa treiben würde.

Der geschichtliche Hintergrund war mir bislang unbekannt und hat mich umso mehr bereichert.

Fazit:
Ein stilles, dichtes Buch, das aus seiner Ruhe heraus zunehmend düstere Facetten entfaltet und die Kargheit des Lebens eindrucksvoll spürbar macht. Ich habe es mit großer Freude gelesen und möchte es euch unbedingt ans Herz legen. Wer Island literarisch erleben will, sollte sich auf diese Geschichte einlassen.
4/5
16 reviews
Review of advance copy
February 17, 2026
„Moosland“ ist ein ruhiger und atmosphärischer Roman, der die Schönheit und Rauheit Islands perfekt einfängt. Die Protagonistin Elsa versucht, sich in diese Umgebung einzufügen, und kämpft gleichzeitig gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit.

Im Sommer 1949 reist Elsa mit rund dreihundert deutschen Frauen nach Island, um auf Bauernhöfen zu arbeiten. Ihre Herausforderung ist nicht nur die Unkenntnis der Sprache, sondern auch die Trauer um ihre Freundin Sola. Auf dem abgelegenen Hof verändert Elsas Anwesenheit zunehmend die Dynamik der Familie, und das Schweigen über die verschwundene Tochter zieht sie immer stärker in den Bann.

Katrin Zipses Schreibstil würde ich eher als nüchtern bezeichnen: Die Sätze sind knapp und sachlich gehalten. Zu Beginn fand ich den prägnanten Stil toll, denn er passt hervorragend zur kargen Landschaft Islands und der eher schweigsamen Bauernfamilie. Mit der Zeit fiel mir allerdings auf, dass ich mir zwar die Umgebung und die Aufgaben auf dem Hof gut vorstellen kann, mir jedoch die Nähe zu den Charakteren fehlt. Das liegt zum einen daran, dass Elsa immer nur „das Mädchen“ oder „sie“ genannt wird. Umgekehrt bezeichnet Elsa die Bauersfrau und ihren Mann ebenfalls nur über ihre Rollen. Lediglich die drei Söhne werden regelmäßig per Namen unterschieden. Hierzu gibt es später im Buch noch eine clevere, gut gelungene Überraschung.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir, warum Elsa schweigt und was mit Sola passiert ist. Die Ereignisse werden häppchenweise mitten in einer Handlung oder einem Gedankengang preisgegeben. Hier hätte ich mir eine andere, für mich übersichtlichere Struktur gewünscht, um nicht von einem Moment zum nächsten verwirrt zu sein. Gleichzeitig verstehe ich, dass diese Einschübe auch gut zu Elsas Zustand passen und den verstörenden Einfluss der Ereignisse betonen.

Die Einblicke in das isländische Leben mit all seinen Herausforderungen sowie die Geschehnisse in Deutschland bis 1949 waren ebenso interessant wie erschreckend. Man erfährt einiges über die Hoffnungen und Ärgernisse der Isländer und die Verzweiflung der Deutschen. All dies wird dezent erwähnt und hallt dennoch nach.

Insgesamt bietet „Moosland“ einen lehrreichen Ausflug nach Island – mit grandiosen Naturbeschreibungen, eindrucksvollen Einblicken in das Leben der Bauern und der Bedeutung von Gemeinschaft. Wer ruhige und atmosphärische Romane mag, wird hier bestimmt auf seine Kosten kommen.
734 reviews2 followers
March 10, 2026
Außergewöhnlich und sehr lesenswert
Viele junge Frauen aus Deutschland machten sich kurz nach dem Krieg auf den Weg nach Island, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. Auch Elsa gehört zu ihnen. Sie kommt im Sommer 1949 an, mit wenig Gepäck und mit einer Trauer, über die sie nicht spricht. Auf dem abgelegenen Hof trifft sie auf Menschen, deren Sprache sie nicht versteht, und auf eine Landschaft aus Wind, Licht und weiten Wiesen, die zunächst fremd wirkt.
Der Alltag auf dem Hof ist von Arbeit geprägt. Vieles läuft still und ohne viele Worte ab. Elsa versteht die Sprache der Menschen zunächst nicht, doch nach und nach entsteht ein vorsichtiges Miteinander. Mit der Zeit bekommt man beim Lesen ein klares Bild vom Leben auf diesem Hof und von dem einfachen Alltag dort. Auch die Landschaft spielt dabei eine große Rolle. Das weite Land, der Wind und das wechselnde Licht geben der Geschichte eine besondere Stimmung. Besonders im Mittelteil wird deutlich, wie der Alltag auf dem Hof aussieht und wie die Menschen miteinander umgehen.
Mit der Zeit wird spürbar, dass auf dem Hof nicht alles so ruhig ist, wie es zunächst scheint. Elsas Anwesenheit verändert das Zusammenleben, besonders im Umgang mit den beiden Bauernsöhnen. Erwartungen stehen im Raum, manche offen, andere unausgesprochen. Gleichzeitig liegt über der Familie ein Thema, über das niemand spricht. Die verschwundene Tochter des Hauses wird für Elsa immer mehr zu einer stillen Frage, die sich durch die Geschichte zieht.
Der Schreibstil wirkt am Anfang etwas ungewohnt. Die Sätze sind ruhig und oft knapp gehalten. Dadurch braucht die Geschichte etwas Zeit, bis man richtig hineinfindet. Nach und nach stellt sich jedoch ein ruhiger Lesefluss ein, der gut zu dieser Geschichte passt. Die Handlung entwickelt sich langsam und lässt Raum für die Gedanken und Gefühle der Figuren.
Die Geschichte lebt von leisen Momenten und von Menschen, die nach und nach greifbar werden. Zwischen Arbeit, Schweigen und vorsichtigen Annäherungen entsteht ein stilles Bild vom Leben auf dem Hof. Gleichzeitig bleibt die Frage nach der verschwundenen Tochter lange im Hintergrund spürbar. Am Ende bleibt eine ruhige und sehr stimmige Geschichte, die noch eine Weile nachklingt.
5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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216 reviews1 follower
May 8, 2026
Wenn Worte malen…

… fühle ich mich als Leserin angekommen und bin tief beeindruckt von der Macht der Sprache.

Katrin Zipse hat ein wenig beachtetes Stück Zeitgeschichte in die karge und eigenwillige Natur Islands verlegt: Dorthin sind nach dem zweiten Weltkrieg junge, deutsche Frauen dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt und haben als Hilfsskräfte auf Bauernhöfen gearbeitet. Nachdem viele Isländerinnen mit der amerikanischen GI's ausgewandert sind, erhofften sich die Einheimischen auf diese Weise die Einreise junger, heiratswilliger Frauen mit dem Wunsch nach einem Neuanfang, die die Zukunft der Höfe sichern sollten.

Tief traumatisiert und in sich gekehrt, angekommen nach einer aufreibenden und entbehrlichen Reise in eine andere Welt mit der kargen und rauen Natur, einer völlig fremden Sprache und Familie ist das neue Leben geprägt von harter Arbeit und Verzicht. Leise und dennoch gewaltig erzählt die Autorin von der beinahe namen-und sprachlosen Protagonistin auf ihrem mutigen Weg.

Gleich bei der Ankunft auf der Insel wird ein malerisches Porträt der eigenwilligen Umgebung Islands entworfen:

„Berge, kahl und verwirbelt, als sei ihr Gestein im Hinabrutschen erstarrt.“

Der eisige Wind, Schneestürme, die steilen Klippen, die hellen Nächte und dunklen Tage und die harte Arbeit und die Traumata, die Elsa kaum sprechen und schlafen lassen: Dennoch erkämpft sie sich einen Platz in einer kleinen Welt, in der eigentlich schon jeder seinen hat und fügt sich langsam in den Alltag ein.

Auch in der Familie brodelt einiges, aber hier steht nicht die Aufdeckung von Geheimnissen im Vordergrund, sondern die Darstellung eines harten Lebens, in dem Gefühle, Bedürfnisse und Sorgen, begraben unter harter Arbeit, unter harter Arbeit, kaum Platz haben und Sprachlosigkeit auf verschiedenen Ebenen besteht. In diesem Zusammenhang wirken die wenigen emotionalen Momente zwischen den Figuren umso berührender und zeigen die inneren Zerrissenheiten umso beeindruckender auf.

Ein authentisches Stück Zeitgeschichte, eine emotionale Reise in ein beeindruckendes Land mit Menschen, die mich immer wieder überrascht haben: Dieser Roman wird noch lange nachwirken!
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260 reviews3 followers
Review of advance copy received from Verlag
March 11, 2026
Kleine Info vorneweg: Ich konnte wirklich sofort ganz tief in diesen tollen Roman eintauchen und war richtig traurig als er zu Ende war.

Wir befinden uns im Jahr 1949, in der Nachkriegszeit. Überall herrscht Mangel. Auch in Island fehlen Arbeitskräfte auf den Höfen - und potenzielle Ehefrauen. Viele Frauen sind nach den Krieg mit amerikanischen Soldaten fortgegangen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde ein Aufruf gestartet: Deutsche Frauen sollten nach Island kommen, um dort ein neues Leben zu beginnen. So machten sich knapp 300 von ihnen auf den Weg - mit Hoffnung im Gepäck, aber auch mit Trauer, Verlust und großen inneren Wunden.

Auch unsere Protagonistin Elsa gehört zu ihnen. Sie ist schwer traumatisiert, voller Hoffnungslosigkeit und zunächst kaum in der Lage zu sprechen. Selbst einfache Worte fallen ihr schwer, und es dauert lange, bis sie ihre eigene Stimme - und gleichzeitig eine fremde Sprache - (wieder)findet.

Besonders mochte ich die Bauernfamilie, bei der Elsa schließlich unterkommt: den ruppigen Bauern und seine Frau, ihre beiden erwachsenen Söhne, eine verschwundene Tochter - und meine absolute Lieblingsfigur, den Knecht Halldór.
Diese Menschen rau, direkt und sehr echt. Genau wie die Natur Islands selbst: wunderschön, aber auch unerbittlich.

An 'Moosland' von Katrin Zipse habe ich vieles geliebt: die bildhaften Naturbeschreibungen, die eingewobenen isländischen Wörter und diesen kleinen sprachlichen Clou rund um die Namen der Isländer (der sich im Laufe der Geschichte entfaltet). Besonders berührt hat mich auch die leise, vorsichtige Annäherung zwischen den Figuren und die sensible Art, wie Elsas Verhalten und Entwicklung beschrieben werden.

Ein kleines bisschen mehr Hintergrund zu ihrem Erlebnis mit Sola hätte ich mir gewünscht - das wird nur angerissen. Außerdem endet die Geschichte für meinen Geschmack etwas abrupt. Ich hätte wirklich gerne noch weitergelesen.

Wie ihr vermutlich schon rauslesen konntet: Mir hat dieses atmosphärische Buch sehr gut gefallen und daher gibt es eine ganz, ganz große Leseempfehlung meinerseits. 😃
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885 reviews7 followers
March 10, 2026
Mehr als nur eine Art früher „Bauer sucht Frau“-Nummer
Ein spannendes Kapitel deutsch-isländischer Geschichte wird in diesem Roman einfühlsam dargelegt. In den ländlichen Regionen der Insel herrschte Frauenmangel, seit die boomende Fischindustrie in den Kriegsjahren vor allem junge Isländerinnen an die Ostküste gelockt hatte. Aber es gibt nicht nur gut bezahlte Arbeit in den Städten, es herrscht auch ein neuer Lebensstil durch die dortige Stationierung von Amerikanern während der Kriegsjahre bis 1944, den die junge Generation plötzlich in vollen Zügen genießen will, wie auch im Roman realistisch durch den Wegzug zweier Familienmitglieder beschrieben wird. Sehr gegensätzlich dazu herrschte im zerstörten, mit Flüchtlingen überfüllten Deutschland dagegen ein enormer Frauenüberschuss. Ein Beispiel für gelungene Integration erwächst aus der Anzeige: Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte. Monatslohn 500 Kronen, Kost und Logis frei. Bewerbungen an das Isländische Vizekonsulat in Lübeck. Postfach 455. Als diese Anzeige am 26. April 1949 in den “Lübecker Nachrichten” erschien, wussten Interessierte oft nichts über diese ferne Insel im Norden.
Die Autorin hat sich in ihrem Roman von realen Ereignissen auf einem isländischen Bauernhof inspirieren lassen wie z.B. den Schafabtrieb im Herbst, die Esskultur oder die Wildheit der Natur je nach Jahreszeit. Auch die Fremdheit der Sprache und der Bauernkultur mit ihren Traditionen findet Beachtung. Die Hauptfigur Elsa schafft sowohl ihre Integration, verändert mit ihrer Anwesenheit auch das Zusammenleben der Bauernfamilie und schließt mit ihrer tiefen Trauer um ihre verstorbene Freundin Sola ab. Der einfühlsame Schreibstil beschreibt diese positive Entwicklung Elsas in ruhiger, taktvoller Art.
Eine berührende Reise in die Vergangenheit.
197 reviews
March 28, 2026
Nordisch ruhig

1949 hatte Deutschland keinen leichten Stand in der Welt. Zwischen Krieg, Hunger und Trauer gilt es, zu überleben. Zu dieser Zeit macht sich Elsa im Roman Moosland auf den Weg nach Island.
Elsa trauert um ihre engste Verbündete, als sie in Island ankommt. Ohne ein Wort Isländisch und mit schweren Gedanken passt sie sich nach und nach der Bauernfamilie an. Sie lernt, mit der Natur eins zu werden, zu reiten und die festen Rituale geben Elsa Struktur. Doch was hat es mit der Tochter der Familie auf sich?

Aufgrund eigener Erfahrung weiß ich, dass die nordischen Länder wie Island, Dänemark, Norwegen und Schweden eher ruhig sind. Das zeigt der Roman anschaulich, als Elsa zum Beispiel ohne viele Worte Teil der Gemeinschaft wird. Oder als Elsa reiten lernt. Die wichtigen Ereignisse passieren faktisch nordisch ruhig statt aufgeregt oder gehetzt. Dadurch gewinnt der Roman für mich als Leserin an Authentizität.
So authentisch die Ruhe auch ist, mich stört es zwischendurch, wie sehr sich manches in die Länge zieht und anderes auf der Strecke bleibt. Das reiten lernen zum Beispiel hätte man kürzen können und stattdessen mehr auf Elsas Trauer eingehen können. Vielleicht hätte die Natur sie trösten können? Ein Brief als Abschluss mit der stillen Trauer? Hier hätte ich persönlich mir eine passende Lösung gewünscht.
Gut gelöst finde ich die kleinen Sticheleien mancher Gäste hinsichtlich des Faktors, dass Elsa in deren Augen als deutsche für viele Kriegsverbrechen verantwortlich ist. Die Szene mit den U-Boot genügt mir zum Beispiel.
Insgesamt ein ruhiger Gesellschaftsroman, der neben kulturellen Kenntnissen auch die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen, erfordert. Für mich ist es vier Sterne wert.
8 reviews
Review of advance copy
February 15, 2026

Langsam, melancholisch, tiefgehend

In dem Roman „Moosland“ wird eine fiktiv Geschichte um ein sehr spannendes und unbekanntes geschichtliches Ereignis gesponnen. Der Roman spielt nach dem zweiten Weltkrieg in Island; eine Insel, von der die 30.000 amerikanischen Soldaten (auf 120.000 Einwohner) gerade abgezogen wurden. Viele von ihnen haben in der Zwischenzeit isländische Frauen kennen gelernt, die mit ihnen zurück in die USA gereist sind. Island fehlt eine Generation junger Frauen und gleichzeitig bedroht Landflucht die bäuerlichen Strukturen. Der Bauernverband ruft ein Projekt ins Leben: 300 deutsche Frauen - die meisten von ihnen haben im Krieg alles verloren - sollen für ein Jahr auf isländischen Höfen aushelfen. Hier setzt der Roman an und wir folgen einer jungen Frau - Elsa -, wie sie unsicher und voller Trauma in Island ankommt, wie ihr Trauma sie einnimmt, wie sie sich langsam zurecht findet und in die isländischen Familiengeheimnisse eintaucht. Die Geschichte ist sehr langsam erzählt und fokussiert sich sehr auf die Gefühlswelt der Protagonistin. Man kriegt ein Gefühl dafür, was die karge Landschaft, die Dunkelheit, Kälte und Einsamkeit mit einem machen. Trotz der Langsamkeit schließt man die Charaktere ins Herz und möchte das Buch nicht aus der Hand legen. Es sind auch tolle Details in dem Buch verbaut: Isländische Sätze, die man auch als Leserin nicht versteht, aber somit besser mit Elsa mitfühlen kann; oder die Schreibweise der Namen der Bauernfamilie zu Beginn des Buches - so wie Elsa es verstanden hat. Insgesamt ein sehr schönes Buch, und gleichzeitig wieder etwas gelernt!
Profile Image for Filipines Buchclub.
92 reviews1 follower
March 10, 2026
1949 folgen knapp dreihundert deutsche Frauen dem Aufruf der isländischen Bauernpartei und begeben sich auf eine Reise in ein unbekanntes Land.

Die namenlose Protagonistin kommt schwer traumatisiert in Island an. In Deutschland hat sie alles verloren. Empfangen wird sie von einer schier unwirtlichen Gegend, landet in einer Bucht, hinter der sich eine hohe Felsmauer auftürmt. Hier wird sie von der Familie aufgenommen, die aus zwei Söhnen, Bauer und Frau und einem Knecht besteht. Sie merkt, dass auch diese ihr Päckchen zu tragen haben, da es anscheinend noch eine junge Frau im Haus gab, über die niemand spricht.

Karin Zipse versteht es hervorragend, die Umgebung zu beschreiben. Sehr atmosphärisch und bildhaft beschreibt sie die Landschaft und ihre Bewohner, so dass beim Lesen ein Film vor dem inneren Auge abläuft. Die Sprachlosigkeit der Protagonistin und der Isländer löst fast Beklemmung aus, so eindringlich wird diese dargestellt.

Insgesamt ist es ein sehr düsteres Buch, das erst am Ende ein bisschen Hoffnung aufkommen lässt. Mein einziger Kritikpunkt ist der Sprachstil, kurze, einfache Sätze, der jedoch gut zu den wortkargen Menschen und der unwirtlichen Umgebung passt.

Ich empfehle das Buch allen weiter, die gerne in eine fremde Welt eintauchen, auch wenn diese nicht immer bequem ist.
Profile Image for Oktober.
348 reviews
March 11, 2026
“Moosland” von Katrin Zispe erzählt von der jungen Elsa, die zusammen mit anderen deutschen Frauen nach dem Krieg nach Island geht, um sich dort ein neues Leben auf einem Bauernhof aufzubauen. Dabei stehen ihr nicht nur die nicht vorhandenen Sprachkenntnisse im Weg, sondern auch ihre Kriegstraumata und das ihr völlig fremde Land.
Da die Protagonistin das Isländische nicht beherrscht, “ihre” Bauern aber (von einem der Söhne abgesehen) keine Fremdsprache, findet ein Großteil der Handlung ohne Dialoge statt. Elsas Sprachlosigkeit wird so also wortwörtlich zum Antriebsmittel der Handlung und verdeutlicht ihre Verlorenheit. Dies könnte nun langweilig wirken, aber das tut es zu keinem Moment, weil die Autorin es schafft, gerade dadurch Spannung zu erzeugen und die Leserschaft mit der Protagonistin mitfiebern zu lassen. Auch die Dynamiken der auf dem Hof Lebenden werden immer wieder neu abgesteckt und sind uns zu Beginn genauso wenig klar wie Elsa. Mit ihr zusammen entdecken wir Charakterzüge und Sehnsüchte der anderen Figuren, und auch die Lebensrealität der Isländer*innen in den späten 1940 Jahren. “Moosland” ist ein leises Buch, das einen großen Eindruck hinterlässt und besonders als Hörbuch, gelesen von Maria Wördemann, bewegt - ich habe es in einer schlaflosen Nacht durchgehört.

*Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Profile Image for Daniela.
219 reviews2 followers
Review of advance copy received from Netgalley
March 9, 2026
Sehr tiefgründig geschrieben

Moosland ist ein Buch, bei dem es mir sehr schwer fiel, es weg zulegen. In seiner Kürze ist es aber dann auch kein Problem, dass es mit knapp über 200 Seiten durchaus schnell gelesen ist.
Katrin Zipse mit viel Emotion ein durchaus realistisch erscheinendes Bild der Verschiffung deutscher junge Frauen auf isländische Bauernhöfe zu erzeugen.
Moosland hat als Hauptcharakter, Elsa, die nach dem Krieg angespannt durch ihre Freundin Gerda, den Weg nach Island auf sich nimmt und auf einem isländischen Bauernhof landet. Traumatisiert vom Krieg und den vielen Toten, fällt es ihr schwer, sich in der neuen Umgebung einzuleben. Sie spricht nicht, wenig Erfahrung und scheint sich auch nicht unbedingt anpassen zu wollen. Das Buch beschreibt die Bemühungen der Familie, sie ins alltägliche Leben einzubinden, aber auch die totgeschwiegenen Geheimnisse der Familie (die verschwundene Tochter zum Beispiel), die schwer auf der Familie lasten.
Für mich definitiv ein Buch, dass ich sehr gerne gelesen habe und auch nur empfehlen kann. Zipses Schreibstil gefällt mir: er ist sehr angenehm, flüssig und emotional.
164 reviews
Read
February 18, 2026
Schweigen

Hoffnung auf eine bessere Zukunft bewegt die zwei jungen Frauen Elsa und Gerda 1949 Deutschland zu verlassen und in Island ein neues Leben anzufangen. Während Gerda ihr Glück findet, steht Elsa durch ihr Schweigen sich selber im Wege.

Meine Meinung

Ich wusste nichts über Island nach dem zweiten Weltkrieg. Und war sehr gespannt auf dieses Buch. Elsa konnte mich emotional überhaupt nicht erreichen. Nur sehr wenig erfuhr der Leser über ihre Vergangenheit während dem zweiten Weltkrieg. Durch ihr Schweigen machte sie es nicht nur sich selber schwer in der Fremde, sondern auch mir. Ich fand so keinen Draht zu ihr. Bis zum Schluss war ich einfach nur froh, dass das Buch und somit auch Elsa ausgelesen war.

Der Schreibstil war mir zu mystisch und zu distanziert, da fehlte mir die Tiefe. Nur mit Gerda fand ich Gefallen. Das Nachwort war das Beste und die Schilderungen über Island, das Leben in der Einsamkeit und einer interessanten Natur.

Leider kann ich nur 3 Sterne vergeben und keine Kaufempfehlung aussprechen.
Profile Image for Anna.
47 reviews3 followers
February 21, 2026
Moosland spielt im Sommer 1949 in Island: Elsa ist eine von knapp 300 jungen Deutschen, die für ein Jahr auf isländischen Höfen arbeiten sollen – als Arbeitskräfte und potenzielle Heiratskandidatinnen. Das Setting und dieses wenig bekannte Stück Geschichte fand ich richtig spannend, vor allem weil ich über Island nach dem Zweiten Weltkrieg kaum etwas wusste.
Stark ist die Atmosphäre: Grassodenhaus, Wiesen, Meer, Einsamkeit – die Naturbeschreibungen sind wunderschön und fangen die Kultur und das Leben auf dem Hof sehr eindrücklich ein. Es gibt auch zarte, berührende Momente.
Mich hat das Buch aber insgesamt nicht komplett überzeugt. Elsa schweigt fast durchgehend, dadurch gibt es kaum direkte Rede und ich kam emotional schwer an sie heran. Über ihre Vergangenheit erfährt man wenig, der Stil wirkte auf mich teils zu mystisch und distanziert. Am meisten mochte ich Gerda – und überraschenderweise das Nachwort, weil es Kontext liefert.
Unterm Strich: ein sehr ruhiger, stimmungsvoller Roman, der eher über Atmosphäre als über Handlung und Nähe zur Figur funktioniert – dafür muss man in der richtigen Stimmung sein. 3,5 Sterne.
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