Sommerzeit in den Zeitungsredaktionen der Stadt. Ein wahrhaft bedeutender Redakteur schreitet zur Zubereitung seiner Frühstückssemmel. Beilage: knackige Gurkerl. Als er hineinbeißt, spritzt ihm das Essigwasser direkt ins Auge. Das Geschrei ist groß, der Redakteur kurz vor der Erblindung! Der Zwischenfall zieht Kreise: Aus dem Missgeschick wird eine Kolumne, dann ein Thema für Leserbriefe, Interviews, schließlich eine öffentliche Debatte. Gurkerl werden verboten, Proteste formieren sich, die Redaktion spaltet sich in Lager.
»Sebauer beweist, dass Literatur unterhaltsam und lustig und dennoch bedeutsam sein kann.« --JURY DES BACHMANN-WETTBEWERBS
Die Idee war ganz cool. Die Sätze lasen sich komplizierter als im Lateinunterricht. Die Illustrationen waren nicht so meins, aber trotzdem schön gemacht (I guess?). Fand es jetzt nicht so krass bis auf die lustige Prämisse. Und 20€ für etwas was man in 15 Minuten durch hat finde ich schon ein bisschen mies vom Verlag (oder wer auch immer den Preis entscheidet).
Sehr lustige und pointierte Kritik an unserer ständig empörten, wütenden, viel zu oft von Selbstironie befreiten Gesellschaft - und sehr witzig vom großartigen Nikolaus Heidelbach illustriert. Sollte jede*r zuhause stehen haben, um es bei jedem Essiggurkerlverzehr hervorkramen zu können. :)
Ich mag Essiggurken. Besonders, wenn sie knackig daherkommen und hälftig in einer reschen Salamisemmel ruhen. Und ganz besonders im Schwimmbad (dann als sogenannte Schwimmbadsemmel) oder am See. Bitte nicht als dünne Scheibe. Und nie am Meer. Da muss es Pain Bagnat sein. In Österreich gibt es das Gurkerl gern mit Extrawurst, die wiederum es hier in Bayern nicht zu kaufen gibt. Genauso wie der Gurke wird auch der Semmel in Österreich ein zusätzliches „l“ spendiert. Sie firmiert als Semmerl. Das Gurkerl in Johanna Sebauers Büchlein bekommt eine ganz große Bühne, ist allerdings nicht so putzig wie der Name andeutet. Vielmehr ist es „hundsgschissn“ und verspritzt wegen seiner Glitschigkeit im Prozess des Gegessenwerdens Essigwasser ins Auge eines Zeitungsredakteurs. Dies hat verheerende Auswirkungen. Schließlich ist Sommerloch und man empört sich gern. Kommentare, Kolumnen, Talkshows, Demos … Soll das Gurkerl verboten werden? Welche Rolle spielt es im gesamtwirtschaftlichen Rahmen? „Ein Gemüse nicht frei von problematischer Geschichte mit ihr eingewobenen Unterdrückungsmechanismen …“ Sebauer hat eine fröhliche Satire auf hiesige Empörungszyklen geschrieben. Ich habe die Autorin schon letztes Jahr beim Bachmannwettbewerb vortragen hören und mich auf das gedruckte Erzeugnis gefreut. Das Stündchen am Balkon hat sich rentiert. Die Illustrationen von Nikolaus Heidelbach passen sehr gut dazu. Ein ideales Geschenkbuch für alle, die auf Social Media unterwegs sind und/oder Zeitung lesen.