Jump to ratings and reviews
Rate this book

Systemkrise: Legitimationsprobleme im grünen Kapitalismus

Rate this book
Vor ein paar Jahren noch gingen Hunderttausende für ambitioniertere Klimaziele auf die Straße. Heute protestieren vor allem jene Gruppen, die von einer solchen Politik belastet würden: Landwirte, Pendler, Hauseigentümer. Das Projekt einer ökologischen Transformation scheint erschöpft.

Philipp Staab diagnostiziert eine tiefgreifende Systemkrise. Die Aussicht auf Modernisierung erzeugt nicht länger Legitimität. Viele Bürger:innen empfinden Steuerungsversuche des Staates als übergriffig. Immer öfter wird aus Abwehr sogar offene Ablehnung nicht nur der Klimawende, sondern liberaler Grundwerte und der Demokratie als solcher. Der »grüne Fortschritt«, so Staab, ist selbst zur Quelle von Instabilität geworden. An die Stelle des Versprechens einer helleren Zukunft ist eine Utopie des Stillstands getreten.

221 pages, Paperback

Published September 15, 2025

Loading...
Loading...

About the author

Philipp Staab

10 books2 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
1 (5%)
4 stars
8 (40%)
3 stars
8 (40%)
2 stars
2 (10%)
1 star
1 (5%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Tim.
212 reviews8 followers
July 18, 2026
Philipp Staab stellt die Frage, warum die ökologische Modernisierung scheitert, obwohl sie programmatisch Klimaschutz, Wirtschaftswachstum und Erhalt des bisherigen Lebensstils (Wohlstand, Freiheit, Sicherheit) miteinander verbinden will. Die Antwort ist nicht "weil die Politik es nicht ernst meint", "weil es technologisch und wirtschaftlich unmöglich ist", "weil es Gewinner und Verlierer gibt und die Verlierer sich wehren". Die Antwort ist eher: Das Programm findet schlicht keine ausreichende gesellschaftliche Zustimmung. Große Teile der Bevölkerung verweigern sich, weil sie – so Staabs treffende Wortneuschöpfung – an Gegenwartsverlängerung interessiert sind, d.h. wir bevorzugen Schutz, Kontrolle und Verlängerung der bestehenden Gegenwart gegenüber neuen Zukunftsentwürfen, weil sie neue Unsicherheiten und Zumutungen erwarten lassen. Und das paradoxerweise obwohl wir wissen, dass sich die Gegenwart kaum noch verlängern lässt und wir der Klimakrise nicht entkommen können. Aus Angst vor dem Feuer, so Staabs Bild, verschanzen wir uns in einem brennenden Haus, während die Feuerwehr (von Aktivisty über Wissenschaftler:innen und Politiker:innen der Grünen bis zu Ökounternehmen) in einer Sinn- und Motivationskrise steckt. Mit der im Vergleich zur Soziologie simplen Terminologie aus der Philosophie gesagt: Unser Problem ist nicht Nichtwissen oder Nichtkönnen, sondern Nichtwollen.

Das Buch ist trotz allen Jargons und trotz seiner zahlreichen Anleihen bei Habermas’ _Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus_ (1973) eine lehrreiche Lektüre. Aber stimmt Staabs Diagnose auch? Er bleibt auffällig neutral gegenüber der Frage, ob die ökologische Modernisierung bzw. die Grüne Transformation bzw. der Grüne Kapitalismus überhaupt ein umsetzbares Programm ist, das halten kann, was es verspricht. Vielleicht fehlt diesem Projekt die Zustimmung nicht deshalb, weil sich die Gesellschaft auf Gegenwartsverlängerung verlegt hat, sondern weil das Programm selbst nicht kohärent, glaubwürdig und realisierbar ist. Staab betont schließlich selbst, dass eine Politik der E-Auto-Förderung und des Klimagelds nicht mit einer Grünen Transformation gleichzusetzen ist. Ebenso offen bleibt, ob es das Grüne Modernisierungsprogramm als politisches Vorhaben überhaupt gibt oder ob die Grüne Transformation nur ein Lippenbekenntnis ist, hinter dem sich nur ein paar Einzelmaßnahmen verbergen. Dann wäre die fehlende Zustimmung nicht ein Legitimationsproblem des grünen Kapitalismus. Dem Programm fehlte nicht die Zustimmung, es fehlte ein ernstgemeintes politisches Vorhaben. Staab deutet eventuell Widerstand gegen konkrete, schlechte oder fehlende Modernisierungspolitik vorschnell als grundsätzlichen Wunsch nach Gegenwartsverlängerung.
Profile Image for Somon Iskandarov.
25 reviews
April 30, 2026
Good thoughts that should have been an essay. Poor work in adequately and sensitvely treating interview material, but the premise and explanatory quality to answer the question of the failure of green transformation in the current political eocnomical landscape of germany is great.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews