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Toxibaby

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Der schlimmste Liebesroman, den man sich vorstellen kann

»Toxibaby« ist ein schonungsloser, zugleich zärtlicher Roman über die Suche nach Liebe, die uns heilt – und die uns zerstören kann. Dana von Suffrin erzählt von einer Beziehung, die alles Rettung, Erkenntnis, Erlösung. Mit scharfem Witz und großer erzählerischer Kraft seziert sie die Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation.

Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und trotzdem funktioniert überhaupt nichts. Herzchen ist die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die alles hat, noch mehr will, und doch unglücklich ist, Toxibaby ist Anfang vierzig und meint, die Last der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen.

Doch für Herzchen ist er der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant, wütend auf die Welt – und auf sie. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen. 

232 pages, Kindle Edition

Published March 12, 2026

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Dana von Suffrin

8 books11 followers

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Community Reviews

5 stars
33 (16%)
4 stars
51 (25%)
3 stars
79 (39%)
2 stars
25 (12%)
1 star
13 (6%)
Displaying 1 - 30 of 33 reviews
Profile Image for Ernst.
701 reviews40 followers
May 15, 2026
3,5🌟 Dana von Suffrin verfügt über eine ungeheure Sprachkraft. Sie zieht hier alle Register. Sehr ironisch im sprachlichen Ausdruck, starke Bilder, irrwitzige Metaphern und dadurch wirklich unterhaltsam zu lesen.

Sie seziert in dem Roman nicht nur die Beziehung zwischen Herzchen und Toxi schonungslos, sondern gleich die ganze großstädtische Gesellschaft mit all ihren Manierismen. In München lässt sie keinen Stein auf dem anderen und zieht eine Fassade nach der anderen runter. Ich musste oft herzhaft lachen und konnte mich ziemlich stark mit manchen Betrachtungen und Sichtweisen der Erzählerin identifizieren. Das sympathische dabei ist, dass Herzchen sich selbst immer mit einbezieht, Selbstironie ist permanent stark vertreten. Mir gefällt dieser radikale literarische Ansatz in Form eines Dauer-Rants, das entwickelt einen starken Sog. An manchen Stellen dachte ich:
Wäre Thomas Bernhard eine Frau, würde er sich mit Mann-Frau-Beziehungen auskennen und aus einer übermütigen Laune heraus eine Geschichte über eine Beziehungskiste in der heutigen Zeit schreiben, könnten einzelne Passagen aus seiner Feder stammen.

Gleichzeitig ist hier aber auch die größte Einschränkung zu finden. Bei allem Geschimpfe hat man bei Bernhard immer das Gefühl von Gewicht und Relevanz. Das fehlt mir hier, ich werde in Herzchens Welt gezogen und da ist eigentlich alles sch…* oder idiotisch. Sie nimmt nichts ernst, am wenigsten sich selbst, steht über allem, aber hat doch einen ziemlich eingeschränkten Horizont. Und mit einem etwas unbefriedigenden Gefühl endet die Geschichte dann. Sie könnte ewig so weitergehen, aber nach 240 Seiten ist es auch anstrengend und ich bin auch froh, mich wieder anderem widmen zu können.

Mein persönliches Problem mit der Autorin ist, dass mich ihre Themen eigentlich fast überhaupt nicht als Romanstoff interessieren, das war schon bei „Nochmal von vorne“ so und bei „Otto“ habe ich eine ziemlich klare Vorstellung, was mich erwarten würde und darauf hatte ich bisher keine Lust.
Ihre sprachliche Kraft ist echt stark, aber mir kommt es so vor, als ob hier ein Scharfschütze seine Kompetenz in Schießbuden am Rummelplatz auslebt.
Profile Image for Anna Carina.
705 reviews392 followers
March 17, 2026
„Schlüpfrige kleine Scheißerchen“ hat Julia Roberts treffend in Pretty Woman formuliert.
Und was bleibt?
Für mich nicht viel.
Auf meinem Blog lesefalten.de versuche ich mein Scheitern etwas näher einzugrenzen.

Mich bringt das Buch in ein Bewertungsdilemma. Vorerst 2,5 Sterne. -> nach einigen Tagen Tendenz zu 2.
Das stelle ich voran, da Dana von Suffrin für mich eine der interessantesten und sprachlich dynamischsten Gegenwartsautor:innen ist, die ich bisher belesen habe.
Ich mag die Reflexionen, die sich in Gedankenketten immer weiter schieben, den Rhythmus der dadurch entsteht, ihre witzige Wachheit, die Energie die durch den Text fließt und den Mut zur Boshaftigkeit und Negativität.
Es trägt nur nicht. Nicht über die Länge dieses Romans.

Im Vordergrund steht die on/off Beziehung von der Icherzählerin und Toxi.
Toxi ein Sozialpädagoge, der die meiste Zeit nicht arbeitet und sich hinter seinen Philosophischen Büchern verschanzt. Mit Marx und Lacan rumwirbelt, die Gesellschaft verabscheut und Spätkapitalistische Debatten anstößt. Er wirkt stolz, gekränkt, depressiv, paranoid und ängstlich.
Seine besserwisserische Theorieversessenheit wirkt wie ein Panzer vor Nähe und Beziehungsarbeit.
Wir erfahren ein wenig über seine Eltern, die scheinbar eine harmonische Beziehung führen.
Die Icherzählerin, meist als Herzchen bezeichnet, ist ebenfalls von Ängsten durchsetzt. Sie verliert sich in Projektionen ihrer Bedürftigkeit, die durch die Einschübe ihrer Familiengeschichte die größte Klarheit und Struktur bekommen. Ihre Verlustgeschichte und Verlassenheit wird gut plausibilisiert.
In der Beziehung zu Toxi kippt sie komplett in die Phantasie einen Menschen retten zu wollen.
Dadurch schreibt sie Toxi eine Tiefe, Bedeutsamkeit, hier und da eine gewisse Überlegenheit zu, die er gar nicht besitzt.

Der Stil des Buches lebt komplett von den selbstreflexiven Verschiebungen der Icherzählerin.
Darüber wird der komplizierten Beziehungsstruktur der „Liebenden“ zusätzlich die Dynamik des Gegenwartsdiskurses und seiner Marker mitgegeben – und zusätzlich durch ihre Familie, die Jüdische Lebens- und Denkweise.
Ich habe durchaus sehr viele Anhaltspunkte um die Figuren beschreiben zu können. Dennoch glitschen sie mir wie Fische aus den Händen. Ich weiß zwar worin sie gefangen sind, in welchem Strom sie treiben und sich winden. Die einzelnen Elemente werden aber nicht zu einer komplexen lebendigen Figur zusammengesetzt.

Hier eine typische Gesprächssituation der Beiden:
Toxi, sagte ich, als ich doch nicht einschlief, du findest also auch, dass es eine idiotische, romantische Vorstellung ist, jemanden mit Liebe zu heilen, und er antwortete, Herzchen, lass mich doch schlafen, ich sage nur, dass es keinen Ausweg gibt, und dann sagte er noch, dass er mit allem recht habe und ich ihm besser zustimmen solle, schließlich seien wir keine Kinder mehr und ich sei sogar so etwas wie eine öffentliche Intellektuelle, und ich war plötzlich wieder ganz wach und widersprach und sagte, ich schreibe nur dumme Bücher und fürchte mich vor Ladegeräten, und dann flüsterte ich, wirklich intelligent sind die, die glücklich leben, und Toxi lachte leise, und dann sagte er, intelligent und intellektuell sei nicht das Gleiche, und ich wiederholte den Satz wieder, aber Toxi sagte, das ist Ideologie, Herzchen, das ist brandgefährlich, was du da sagst, niemand ist glücklich, und außerdem muss ich schlafen. Niemand ist glücklich, das stimmt, dachte ich, und dann schlief auch ich wieder ein. Doch manchmal gingen unsere Streitereien, wie gesagt, viel schlechter aus, und während ich noch die Tassen vom Frühstück trocknete, warf Toxibaby sich schon den Mantel über, verzog das Gesicht, als hätte er grässliche Schmerzen, stotterte vor Wut und lief aus der Wohnung.

Dasselbe geschieht mit den Motiven.
Die Kugelmenschen von Plato werden als Aufhänger gesetzt. Dazu mit Lacans Lücke gespielt, die zwischen dem aufreißt, das man sagen oder kommunizieren möchte und dem was man tatsächlich symbolisch ausdrücken kann.
Also Motive, die hier die ganz großen Themen des Seins aufreißen.
Nur passiert damit nicht all zu viel. Ja, sie spielt immer wieder damit. Das bleibt für mich allerdings nur an der Oberfläche.
Und ich denke, ein Grund liegt in der kurzen Verweildauer ihrer Reflexionen.
Ein Bild nach dem anderen peitscht durch diesen Strom. Und zack, Aufmerksamkeit wieder woanders.
Irgendwann liest sich der Text nur noch enttäuschend.
Er baut einen enormen Druck auf, ist an einer hohen Intensitätsschwelle angesiedelt, die keine Variation seiner Temperatur kennt und irgendwie in einer Daueranspannung gehalten wird, die sich durch die vielen Momente der neuen Bilder, ihrer boshaft-ironischen Brechungen, nie in einem Durcharbeiten des Motivs verwirklichen kann.
Naja, und hier komme ich glaub ich zu meinem Grundproblem mit dem Text. „Toxibaby“, nicht nur der Typ, sondern das Buch an sich hat ein Kommunikationsproblem. Mit Lacan verweist sie schon darauf.
Die beiden Figuren und auch alle anderen funktionieren nur über gewisse Codes, Rollenbilder und theoretische Konzepte die sie sich an den Kopf werfen und dann folgt die Ausweichbewegung.
Wenn also die Theorie auf die konkrete Situation angewendet werden könnte, man diese mit der Beziehungsebene in der Kommunikation verflechten könnte, wird die Deutung und Wertung der Icherzählerin eingeschoben. Oder wir sind genau mal wieder an der Stelle wo die Figuren sich trennen. Oder sie gleitet zum nächsten Gedanken.

Im Grunde ist das Buch ein großes Eingeständnis von Blockade: Ich kann nicht.

Wirklich produktiv waren letztendlich für mich nur die Familienszenen mit ihren Eltern. Vielleicht weil sie mehr Distanz dazu hat?
Ihr eigenes Unvermögen mit Toxi ist bei all ihrer Klarsichtigkeit für mich ne Leerlaufmaschine.
Für mich ergibt sich daraus kein Formgewinn. Oder ich sehe ihn nicht.
Bin an dieser Stelle erst mal nur bedröppelt und weiß nicht, wie ich das weiter beschreiben und analysieren kann.
Jedenfalls hat das Buch im letzten Drittel mein Interesse völlig verloren, weshalb ich auch nicht mehr all zu aufmerksam gelesen habe.
Was da genau mit mir und dem Text passiert ist verstehe ich noch nicht.
Profile Image for Prusseliese.
519 reviews31 followers
March 18, 2026
Der Klappentext/die Buchbeschreibung bringt es auf den Punkt.
Eine wunderbare, schreckliche und atemlose Beschreibung einer toxischen Liebe. Toll!
Profile Image for Josy.
140 reviews2 followers
April 13, 2026
Und wieder ein Buch, das einem Dude gewidmet ist, der sein Leben nicht auf die Reihe kriegt. Nichts daran ist romantisch. Alles daran nervt. Und lustig, wie leicht die Protagonistin ihren linken Versagerfreund anpissen kann, nur weil sie ihm sagt, dass sie die Rechnungen zahlt. Wieso interessiert uns das fragile männliche Ego überhaupt noch? Es ist gut geschrieben mit tollem Tempo, jedoch ohne Spannungsbogen oder richtige Story (wahrscheinlich Absicht).
4 reviews
March 28, 2026
Eins meiner Bücher des Jahres, und das sage ich im März.

Die Liebesgeschichte zwischen Herzchen & Toxibaby wird über ihre (zahlreichen) Trennungen erzählt, und das mit Komik und Tragik und wirklich sehr viel Komik. Man möchte sagen: sogenannte Liebesgeschichte, aber es ist dann doch eine Liebe zwischen diesen beiden neurotischen, substanz- und personenabhängigen, prätentiösen und sich über all das bewussten Figuren. Herzchen ist Schriftstellerin, Toxibaby ist zumindest manchmal Sozialpädagoge und immer marxistischer Kapitalismuskritiker. So etwas wie "richtige" Namen haben die beiden nicht, auch während der Trennungen begegnen sie uns noch unter diesen verliebten Spitznamen.
Was soll man sagen, Herzchen als Erzählerin wächst einem ans Herz und geht einem auf die Nerven und bietet auch für alle in nicht klinisch relevanten Liebesverhältnissen wunderbare Projektionsfläche. Dabei verfolgt der Text an keiner Stelle die Mission, mit erhobenem Zeigefinger über toxische (ein Wort, das im ganzen Roman keine Verwendung findet) Beziehungen aufzuklären oder platte therapeutische Learnings zu wiederholen, wie man es bei einem solchen Thema vermuten (befürchten) könnte. Überhaupt ruht sich Dana von Suffrin nie auf irgendwelchen überverwendeten Metaphern aus; ihre Bilder sind klar, absurd, immer wieder neu und sprachlich brillant.

Wohl eher kein Roman für Leute, die an einer Freytag'schen Spannungskurve hängen, oder bei dem man es mit einer Handlungszusammenfassung versuchen sollte, aber ein psychologischer und selbstironisch pseudopsychologischer Geniestreich!

Zur Liebe, zur Tragik und zur Komik:
"Ich hatte mir in den letzten Jahren oft vorgenommen, nun endgültig mit Toxi abzuschließen, und ihm seine Sachen (einen Pulli von Margiela, zwei Leinenhosen, Pomade, Ladegeräte, ein Buch über Holocaust-Literatur und ein Roman von Martin Amis) vor die Tür zu stellen, aber im nächsten Augenblick dachte ich wieder daran, wie schön es wäre, für immer bei Toxi zu bleiben, ihn schon kurz nach dem Aufstehen beim Rauchen mit hochgezogenen Schultern und umgeworfener Decke zu beobachten, seinen Monologen zu lauschen, ohne dabei zu lachen, Nacht für Nacht neben ihm einzuschlafen und vielleicht auch eine hübsche Tochter mit ihm zu kreieren." (S. 25)
Profile Image for Niklas.
27 reviews
June 7, 2026
Toxibaby? Eher Toxibaby und Babytoxi.

Dieses Buch könnte auch als Sachbuch über Selbstsabotage durchgehen. Am Ende wird es zum Kampf, da man weder mit Toxibaby noch mit Herzchen (Babytoxi) Lust hat, weiter Zeit zu verbringen. Froh, dass ich mich nun – anders als die beiden – wieder von ihnen trennen kann.
Profile Image for Dunja Brala.
684 reviews67 followers
May 19, 2026
In vielen Kunstrichtungen begegnen uns Paare, die sich nicht gut tun und doch nicht voneinander lassen können. Ich frag mich dann immer, wie viel Seelenfrieden man opfern möchte, nur weil man einen Mann oder eine Frau besitzen will. Genau um diese Art Besessenheit geht es im neuen Roman von Dana von Suffrin

Toxibaby liebt Herzchen und Herzchen liebt Toxibaby. Das wird uns schon direkt auf den ersten Seiten versichert. Am Ende weiß man, dass man eine der schlimmsten Liebesgeschichten aller Zeiten gelesen hat. Und ich hab’s geliebt! Denn die beiden pflegen ihre „On/Off“ Beziehung mit einer Obsession die Seinesgleichen sucht. Das ist nicht neu in der Literatur, aber selten wurde es mit so einer Deutlichkeit beschrieben.

13 mal haben sich die beiden getrennt und wieder versöhnt. Aus der Sicht von Herzchen erfahren wir, wie diese Eskapaden von statten gingen. Das Kennenlernen, die kleinen und großen Konflikte sowie die überzeugenden Argumente, die besonders Herzchen immer wieder zur Hand hat, fühlen sich an wie ein gelebter Beziehungs – Albtraum – für mich zumindest. Herzchen sieht das ganz anders. Zuckerbrot und Peitsche ist ihre Devise. Komm her und geh weg. Dabei schildert sie ihre Lügen und Tricksereien und wirkt dabei unglaublich reflektiert. Gleichzeitig merken wir, dass das eine der Schein ist, den sie für sich aufrecht erhalten möchte. Toxibaby hingegen gehört eher zu der Sorte „mega abgeklärt“. Er scheint zwar ein großes Suchtproblem zu haben, doch da Herzchen nicht gerade eine zuverlässige Erzählerin ist, kann man das und überhaupt alles, was sie über ihn schildert, infrage stellen. Somit ist relativ schnell klar, dass nicht unbedingt der Mann hier die toxische Person sein muss. Das spiegelt so ein bisschen die Erfahrung wieder, die man erlangt, wenn im engeren Freundeskreis die Trennung eines Paares passiert. Meist hört man nur eine Seite, kommt eine zweite dazu ist man eher verwirrt und am besten hält man sich aus allem raus. Das gelingt uns hier natürlich gut, denn auch wenn man die, die Protagonistin anschreibt, dass das jetzt wohl nicht Ihr Ernst sein kann, bringt das natürlich nicht durch die Buchstaben in die Geschichte. Niemand ist hier sonderlich sympathisch. Trotzdem möchte man Herzchen ab und zu in den Arm nehmen und ihr sagen: „Mädel, nimm deine Beine in die Hand und renn“ , ihre Therapeutin versucht es zumindest mal im Ansatz.

Von Suffrin ist hier etwas gelungen, was ich selten erlebt hab. Der poetryslamartige Sound dieses Monologs hat mich vom ersten Satz an abgeholt. Die Ironie und die Süffisanz, mit der die Erzählerin auf Ihren Partner blickt, entbehrt manchmal jeder Logik und macht das Ganze zu einem großen Spaß. Natürlich ist eine Bitternis zwischen den Zeilen, die ich mir ab und zu ganz bewusst ins Gedächtnis rufen musste, damit ich sie noch wahrnehme. Denn schön ist das, was zwischen den Buchdeckeln passiert auf gar keinen Fall. Aber sprachlich ist es genau diese Art von Exzellenz, die ich sehr zu schätzen weiß - ausgefeilt und erfrischend anders, aber trotzdem zu jederzeit zugänglich!

Ich habe das so gerne gelesen und das größte Vergnügen hatte ich, wenn ich mir die Zeit nahm und den Text laut vor mich hin zelebrierte. Ich liebe es, wenn ich das Gefühl bekomme, schlauer zu sein als die Menschen, die mir ihre Geschichte erzählen und das hat Herzchen mehr als einmal geschafft. Ich weiß, das zeugt von genau der Arroganz, die die Protagonistin hier selbst an den Tag legt. Aber vielleicht ist genau das der Punkt! Vielleicht sind wir beide Schwestern im Geiste.

Wenn ihr also auch mal in ein Buch fallen möchtet, dass euch viel Raum für amüsiertes Kopfschütteln bietet und gleichzeitig sprachlich brilliert, dann empfehle ich euch dieses Buch wirklich sehr.
Profile Image for Hanna.
105 reviews24 followers
May 15, 2026
Ich habe keine Worte für dieses Buch außer COMPLETELY UNHINGED
Profile Image for Fiona.
165 reviews44 followers
March 26, 2026
»Ich sagte schon am zweiten oder dritten Tag zu Toxi, dass er der einzige Mensch sei, den ich für den Rest meines Lebens brauchen würde, und ich dachte damals, jetzt beginne endlich mein Leben, aber schon kurze Zeit später dachte ich das Gegenteil: So geht man zugrunde.«

Toxibaby und Herzchen lieben einander – oder? Ihre Beziehung startet senkrecht, es ist die scheinbar wahre und einzig große Liebe: Sofort ziehen sie zusammen und adoptieren einen Hund, verbringen jeden Tag zusammen. Doch schnell kippt es: Während Herzchen sich für Toxi verbiegt und aufopfert, sieht er nur das Negative, kritisiert und belächelt sie, und ist sowieso generell unzufrieden mit der ganzen Welt. Was als Liebe begann, driftet immer mehr ab in eine Hassliebe, in Manipulation und Abhängigkeit. Und die Frage ist: Wie nur sollen sie es hier wieder heraus schaffen, ohne sich dabei gänzlich zu zerstören?

Dana von Suffrin zeigt in ihrem Roman die hässlichsten und zugleich tragischsten Seiten der Liebe. Sie schreibt schonungslos ehrlich und mit sehr viel trockenem Humor, bedient sämtliche Klischees und entlarvt so die Beziehungsunfähigkeit einer gesamten Generation. Als Leser:in verfolgen wir die ständigen Auf und Abs in der Beziehung von Herzchen und Toxi und müssen dabei zusehen, wie sie das Schlechteste im jeweils anderen hervorbringen. Beim Lesen wollte ich Herzchen abwechselnd schütteln, anschreien und umarmen, Toxi dagegen einfach nur gegen die Wand klatschen.
Dieses Buch ist schrecklich, aber auch wahnsinnig witzig. Ich hab es sehr gerne gelesen.
Profile Image for Silva.
3 reviews
June 9, 2026
Toxibaby erzählt von der bittersüßen Beständigkeit, die sich ad absurdum aus dem Kreislauf einer on-off Beziehung ergibt. Um Dana von Suffrin zu zitieren: „ Auf jeden Fall: Das Ganze hatte etwas Verzweifeltes, Romantisches, Sinnloses, sodass es mich jedes Mal aufs Neue rührte“.

Mit Toxibaby veröffentlicht Dana von Suffrin ihren dritten Roman, ich lese sie zum ersten Mal. Aus der Sicht von Herzchen Goldstein, einer erfolgreichen Schriftstellerin, bekommen wir Einblick in ihre instabile Beziehung. Ihr Partner, Toxibaby, ist der insufferable linkssozialisierte Mann, den wir alle kennen. Aus seiner Gesellschaftskritik erwächst ein fast schon paranoider Blick auf die Welt, der im Selbstmitleid endet.
„Er fühlt sich gleichzeitig im Stich gelassen und als Mittelpunkt einer riesigen, globalen Kampagne“.

Trotzdem schafft Dana von Suffrin immer wieder mein Herz für die Beziehung zwischen Herzchen und Toxi zu erweichen. Sie spielt mit der romantischen Vorstellung, die Streit mit Leidenschaft gleichsetzt und einer weiblichen Rettungsfantasie einhergeht (wenn ich nur genug liebe, wird er ein besserer Partner). Dana von Suffrin beschreibt mit Fingerspitzengefühl, wie bequem das Vertraute sein kann, auch wenn es zermürbt. Trennung und Versöhnung sind fest verankert im Beziehungsleben der Protagonistin.

„Wie alle Liebenden sah ich überall Zeichen und Wunder, zum Beispiel in unseren Schritten und Handschriften, und natürlich sogar in der Tatsache, dass wir uns ständig voneinander trennten“.

Gleichzeitig schafft der Roman es, die psychische Gewalt der toxischen Beziehung nicht zu romantisieren. Der Roman hält einen Spiegel vor – vor allem einer Generation, der Teeniefilme und -bücher eingetrichtert haben, dass Liebe und Schmerz untrennbar zusammengehören.

Dabei ist Dana von Suffrin wahnsinnig lustig, ich habe beim Lesen viel gekichert und mich zeitweise ein wenig ertappt gefühlt - auf die gute Art!

Ich empfehle das Buch allen, die ein bisschen Komfort in der Unbequemlichkeit suchen. Vielleicht auch allen, die ein kleines Outcalling brauchen
Profile Image for Wilma (Josi).
30 reviews1 follower
May 2, 2026
Am meisten laut lachen musste ich bei Kapitel, wo die beiden (beziehungsweise die Protagonistin Herzchen allein, denn sie haben sich schon wieder getrennt) den Hund adoptieren. Mein Freund und ich haben uns das Buch nach einer Lesung von Dana von Suffrin geholt weil uns die (Autofiktion aus der eigenen Bubble sei Dank) vielen fast memeartigen Aha-Momente beim Lesen so gefallen haben. Manchmal hat es sich dann doch ein bisschen gezogen, sich beim Lesen in der eigenen Bubble zu suhlen, aber einige Vergleiche waren einfach so aus dem Nichts treffend, dass ich sie ständig fotografiert und Leuten geschickt habe.
60 reviews
Read
April 19, 2026
>Übrigens ist es wahr, was ich sagte: Ich halte keinen Job aus, es ist mir unbegreiflich, wie man tagsüber in einem Büro sitzen soll, ohne vor Sehnsucht nach dem Leben zu vergehen, ich ertrage keine Routine, es gelingt mir kaum, mir jeden Morgen die Zähne zu putzen.<
Profile Image for Nele Rosa.
1 review2 followers
May 27, 2026
Sprache ganz toll, Thema mit zwei um sich selbst kreisenden Protagonist:innen lame, ca. ab Seite 170 haben jüdische Perspektiven und Familiengeschichten es nochmal rausgerissen
Profile Image for Alexander Carmele.
539 reviews562 followers
May 5, 2026
Liebe in Zeiten von spätkapitalistisch-konstruierter Selbstentfremdung.

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Inhalt: 1/5 Sterne (öder Beziehungsstress)
Form: 3/5 Sterne (flüssig-rund)
Erzählstimme: /5 Sterne (keine Bewertung)
Komposition: 0/5 Sterne (keinen Spannungsbogen)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (öde)
--> 5/4 = 1,25 = 1 Stern

Lebte Dana von Suffrins Nochmal von vorne von der Intensität und Nähe der Tochter zu ihren Eltern, zur Sehnsucht, wieder Kontakt mit der Schwester zu bekommen und mit ihr über den Tod des geliebten, tollpatschigen Vaters zu sprechen, bleibt in Toxibaby die Empathie und die Nähe auf der Strecke. Eine Liebesgeschichte ohne Liebe wird erzählt, zweier Menschen, die sich von weitem toll fanden, zusammenkommen und innerhalb von drei Jahren dreizehn mal sich trennen und wieder zusammenfinden, ohne sich je einen Schritt näher zu kommen:

FRÜHER HABEN Toxi und ich oft darüber gelacht, dass die Wege, die wir gehen müssen, die Wege, auf denen wir so oft umfallen und über die wir manchmal einfach gezogen werden, wenn wir stolpern und straucheln; dass diese Wege so wenig mit dem zu tun haben, was wir uns einmal vorgestellt haben. Wenn ich mich recht erinnere, habe allerdings nur ich gelacht und Toxi nicht, und dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen war ich von Natur aus zum Lachen aufgelegt, und zum anderen gelang mir alles, zwar nicht unbedingt gut, aber doch so, dass ich mich manchmal, zum Beispiel als mein erster Roman erschien, so fühlte, als hätte ich endlich Rache genommen, und zwar an der ganzen Welt […]

An diesem Abschnitt lässt sich sehr gut verstehen, weshalb die Liebesgeschichte zwischen Herzchen Goldberg (36) und Toxibaby (42) literarisch nicht in Schwung kommt. Zuerst lachen sie gemeinsam, dann doch nur sie, und dann doch nur, weil sie sich vorstellt, sie hätte erfolgreich Rache genommen. Was das aber mit dem Lachen darüber zu tun, dass die Wege, die sie gehen, unvorsehbar sind, bleibt schlicht ungesagt und so beliebig, dass es weder zur Komik noch zum Interesse drängt. Die Figuren bleiben blass, bis auf wenige gute Stellen, die an das vorige Buch erinnern:

Ich sah zu, wie das Wasser sich durch die Landschaft aus dürrem Gras und kümmerlichen, krummen Gewächsen grub, wie es langsam die Kieselchen aus Muschelkalk und Quarz rundete und fleißig und zufrieden alles benetzte, was dürstete. Eigentlich ist es ganz gleich, flüsterte die Landschaft mir zu, du wirst genauso verschwinden wie eines dieser Gestrüppe über Nacht im sandigen Boden, noch wehrst du dich, noch zappelst du, aber auch das wird dir vergehen.

Leider zerstört von Suffrin diese Atmosphäre durch Referenzieren, Diskurse und weltpolitische Themen, die keine Ausführungen erhalten, bloße Schnipsel des öffentlichen Debattenraumes darstellen und mit Meinungen abgeschmeckt werden, bevor die beiden etwas mutlosen und von Angst besetzten Figuren weitertorkeln und sich mit Alk und Koks bedrönen, ohne sich jedoch gegenseitig zu stützen, zu bestärken oder das Nest zu bieten, das sie sich doch so sehr ersehnen.

Im Grund handelt das Buch davon, wie ein Buch geschrieben werden soll, aber nicht geschrieben wird. Es handelt von zwei Individuen, die sich hinter ihren Worten verstecken, statt sich durch die Worte in Rage zu reden, von Schweigenden, die sich entziehen, statt aus sich herauszuplatzen und die Welt, die sie bedrängt einzureißen. Toxibaby mangelt es sich schlicht an Energie, an Wut, an Destruktivität und Intellektualität. Es beißt nicht genug. Die Figuren nehmen zu viele Drogen, und im Drogenrausch benebelt, lallen sie von Trennung zur Trennung über die Trennung, von einer Lüge zur anderen, und wundern sich, dass sie jedes Mal aufs neue wieder alleine und mit leeren Händen dastehen. Schade, dass von Suffrin, obwohl sie es kann, hier nicht mächtig vom Leder gezogen hat. Toxibaby wäre die ideale Rahmung für einen Postsowjet-Marxismus-Desillusions-Rant gewesen, der aber leider durchweg ausblieb, stattdessen bleibt es beim Traum der unangepassten Angepasstheit:

Manchmal bat ich wie ein Kind den lieben Gott, der sich mir nur leider nie zeigen wollte, darum, an Toxibaby eines seiner legendären Wunder zu vollführen, ihn zum Beispiel über Nacht von seinem Mischkonsum oder seiner Paranoia oder seiner Marxologie zu heilen, ihn zu einem Ehemann und einem Familienvater zu machen.

Unentschieden fällt so der Monolog richtungslos in sich zusammen.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): eine Anfang vierzig Jahre alte Schriftstellerin, die in München lebt. 1985 geboren. Hat vor 6 Jahren Omama’s Madhouse geschrieben. Hat einen Bruder, Ben, der mit 16 Jahren nach England gezogen ist. Hat eine Schwester, Yael, sie heißt Herzchen Goldberg. Ex-Freund Pascal.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
13 Trennungen in drei Jahren, also Zeitrahmen. Toxibaby, 6 Jahre älter, 43, Handy auch drei Jahre kaputt. Lernen sich auf Herzchens Geburtstagsfeier, während sie noch mit Pascal zusammen ist, mit dessen Mutter sie sich nicht versteht. Sie kommen zusammen, trennen sich, kommen wieder zusammen. Sie arbeitet als Schriftstellerin, bekommt ein Stipendium für die Schweiz. Sie fahren gemeinsam dorthin. Sie gibt ihm dort bekannt, dass sie schwanger ist, gibt dann zu, dass sie gelogen hat. Er fährt wieder ab.
Toxibaby, ein Marxist, Sozialpädagoge, der sich von der Welt bedroht fühlt, stammt aus Sibirien, fühlt sich von ihren Freundinnen bedroht.
●Kurzfassung: kein Plot
●Charaktere: (rund/flach) undurchschaubar
●Überflüssige Szenen/Charaktere: keine eigentliche Handlungslinie
●Besondere Ereignisse/Szenen: vielleicht, wie sie die tote Bengalkatze sieht, vor ihrem Geburtstag, als Omen für etwas Besonderes, nämlich das Zusammenkommen mit Toxi.
●Diskurs: Israel, Marxismus, Kapitalismus, Erwachsen-Sein, Nicht-Erwachsen-Sein
… die Thematik, die Welt nicht ertragen zu können, wurde nicht ausgestaltet; die Figuren wirkten holzschnittartig unwillig, nehmen zu viele Drogen, sind zu hedonistisch, wollen sich aller Verantwortung entziehen und nur irgendwie über die Runden kommen. Das langt nicht, zumal nicht einmal ansatzweise eine kommunikative Begründung für diese Haltung konstruiert wird. So leer wie „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ von Julia Schoch, und „Muna“ von Terézia Mora.
… leider besitzt das Buch keine Handlung und so verebbt das Ganze ziemlich schnell. Ich wüsste wirklich nicht anzugeben, wieso sich dieses Buch lohnte zu lesen, vom Inhalt her (auch formal reine Fingerübung ohne Intensität).
--> 1 Stern


Form:
●Eindruck: dann, dann, dann, wenn, wenn, wenn, ich, ich, ich … leider zu parataktisch und hölzern, statt fiktional schwebend, keine Sprachmelodie, glatt runtergeschrieben
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) kaum, vielleicht hier und da durch Sprachwitze und ein paar gewagte Metaphern, aber wenig abgegrenzt vom manischen Monolog eines Alltagsgespräch, etwas wortgewandter, aber nicht durchkomponierter
●Wortschatz/Wortzahl: keine Stilometrie angefertigt
●Auffälligkeiten: lange Sätze, die aber gar keine langen Sätze sein müssten, daher nicht vom Rhythmus und Takt wie „Nochmal von vorne“. Sie bohrt nicht. Sie reiht aneinander. Beliebig.
●Innovation: sehe ich nicht
… wegen flüssiger und guter Lesbarkeit
--> 3 Sterne


Erzählstimme:
●Eindruck: Ich-Erzählerin, nicht situiert, reflektiert, aber nicht in Bezug auf die Erzählung, sondern in Bezug auf ihre eigene Psyche, im Grunde keine Erzählstimme, eher eine Art Gesprächspartnerin. Da es keinen Fiktionalitätscharakter gibt, unauswertbar. Wirkt eher wie eine Art Cabaret. Standy-Comedy. Nicht mal die Glaubwürdigkeit lässt sich beurteilen, weil es schlicht nichts gibt, was nicht zu glauben wäre …
--> keine Wertung


Komposition:
●Eindruck: langweilig, ein wenig episodenhaft, ohne Zentrierung, keine Rahmung, keine Linienführung, nichts.
●Signal/Noise-Ratio: hoher Noise-Anteil, sehr viel Rauschen um den heißen Brei, Eltern tauchen kaum aus, Konfliktstruktur nur angedeutet, kein Höhepunkt, außer die Lüge über die Schwangerschaft und die Ohrfeige, vielleicht noch das Fremdgehen auf der Party im Drogenrausch
●Operative Geschlossenheit: keine
●Rahmenstabilisierende Details: keine
●Einschätzung: keine Erzählung, kein Spannungsbogen, keine narrative Struktur, sehr eintönig, ins Leere laufend
--> 1 Stern


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: am Anfang noch Interesse für den Konflikt, über den seltsamen Typen Toxi, der dann aber gar keine Konturen gewinnt, der seltsam abstrakt bleibt, bis ich mich gefragt habe, was sie an dem eigentlich findet, und was ihr Problem ist, ja sie will nicht alleine sein, okay, aber das war’s. Ihre Eltern sind weg, kaum Kontakt zu den Geschwister, kapiert, aber der Typ? Und die böse Mutter Pascals, aber all das langt nicht hin. Die eigene Tristesse, das eigene Langweilen über sich selbst, über das eigene Schreiben, über ihren eigenen „blöden Roman“ – eher das Scheitern eines Schreibprojekts, das dennoch monetarisiert werden musste? Leerlauf
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) nein, autobiographisch, aber eigentlich intim-privat
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) keine Ahnung
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein, langatmig, repetitiv, dröge
●stimmig?(Komposition: ja/nein) ja, in seiner Langatmigkeit
●ein zweites Mal lesen? Nein, sehr geringe Wahrscheinlichkeit, zu offensichtliches Selbstgeplänkel
--> 1 Stern

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Profile Image for Kathi.
96 reviews5 followers
April 29, 2026
"Herzchen, wir wussten es beide nach der Sache mit dem Zic Zac, du bist wie eine Irre mit offenen Augen in dein Unglück gerannt, keiner konnte dich davon abhalten, es sah fast so aus, als hättest du das alles gewollt, hast du es gewollt?"

Ganz grandios!
Manchmal stelle ich mir vor, mit was für einer Erleichterung man nachts ins Bett schweben muss, mit der Gewissheit, ein Werk wie diesen Roman geschaffen zu haben.
Großartiger Schreibstil; durch die nicht enden wollenden Sätze hängt man förmlich an den Lippen der Erzählung. Bemerkenswert originelle Gedankengänge und doch gleichzeitig solche, in denen man sich ständig selbst erkennt.
Toxibaby ist die Geschichte einer Tragik, die versucht, keine zu sein, von Obsession und Selbstgeißelung. Auf die Klippe klettern, aber sich nicht trauen, zu springen. Jemanden lieben, aber nicht mit ihm leben können. Den Wahnsinn erkennen, auch den eigenen, aber nicht von ihm lassen können. (Grandios und treffend der Rat der besten Freundin: "Du hast, sagte sie, dich für die Existenz einer Verrückten entschieden, und jetzt musst du eben die Konsequenzen dafür tragen, und das sei, sagte sie, ja nun wirklich nicht so schwer zu verstehen, du musst dich entweder füir dein Leben entscheiden oder für Toxi, beides lässt sich nicht vereinbaren.") Beim Lesen wechselt man zwischen lautem Losprusten ("avvisi sono anche colpi"–genial) über Herzchens authentischen, teilweise relatable geistesgestörten Handlungen und Gedanken und dem Tränenwegblinzeln über die furchtbare Qual, der die Protagonisten unterliegen. Ein kompromissloser, schamloser Roman, genial: die jüdische Perspektive, der Humor, die Nüchternheit, das Fatalistische, die Beschreibung der Einsamkeit, die daraus folgt, einen unberechenbaren, egozentrischen, verlorenen Marxisten zu lieben, die Zerrissenheit zwischen intimster Nähe und nicht zu beseitigender Distanz.
Auf den letzten 10,15 Seiten wurden mir noch zu viele Themen reingepresst und ich hätte gerne mehr ausführliche Beschreibungen gehabt (wie bspw von dem Schweiz-Aufenthalt) aber insgesamt sehr gelungen!

ein paar meiner Lieblingsstellen:

"Wenn mir gar keine andere Antwort mehr einfiel auf die Frage, wieso wir es nicht miteinander aushielten, wurde ich zur Fatalistin und sah die ganze Welt als Aneinanderreihung von Unglück und Tragödien – kurzum, ich litt unter derselben Krankheit, an der Frauen schon seit Jahrhunderten litten: Auch ich hatte versucht, einen Mann zu retten."
-18

"Ich hatte plötzlich mehr als Verzweiflung und mehr als nur Trauer gespürt, ich wurde wütend, und die Sache mit Toxi kam mir nicht mehr wie das unkontrollierbare Aufeinandertreffen zweier Gestörter vor, sondern wie ein Betrug."
-61

"Toxi war wie ich, er war nur irgendwie entfesselt, wenn ich herablassend lächelte, ballte er schon die Fäuste, wenn ich mich nur ärgerte, huschte über sein Gesicht schon der Wahnsinn, wenn er an einem sonnigen Tag auf der Straße ging, sah er immer aus, als würde er sich gegen einen gewaltigen Wind stemmen – einen Wind, den nur er selbst wahrnahm, einen Wind, von dem die Leute sagten, dass es ihn nicht gäbe, aber das stimmte nicht, denn auch ich spürte einen Hauch, auch meine Haare flogen umher, auch mich fröstelte es."
-110

"Ich musste meinem Verleger verbieten, mich als bedeutende jüdische Stimme zu vermarkten, ich musste den Deutschen im Publikum versprechen, dass die Israelis nicht die neuen Nazis waren, und versichern, dass deutsche Juden den israelischen Präsidenten nicht wählen, ich musste dafür sorgen, dass ich genauso viel Geld bekam für meine Auftritte wie die Typen."
-178
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June 5, 2026
Die Sucht nach Anerkennung!

Toxibaby hat viel Zeit, ins Leid zu fallen. Er will sich nicht verbiegen und anpassen, im täglichen Strudel des Broterwerbs ertrinken. Er lässt sich treiben, arbeitet stattdessen die philosophischen Fragen des Lebens ab und Herzchen hilft ihm dabei. Sie sei eben anpassungsfähig, sagt er, deswegen hat sie auch ihr erstes Buch geschrieben und für das hoffentlich baldige Zweite einen satten Vorschuss kassiert. Zuvor hatte sie den ein oder anderen Schreibwettbewerb gewonnen und durfte sich dem geneigten Publikum auch schonmal in der Kreissparkasse zeigen. Tatsächlich handelt ihr erstes Buch von ihrer jüdischen Familie und Toxi wirft ihr vor, sie habe sich daran bereichert, ihre Familie vorzuführen. Und also na ja, es passt aber auch so gut ins kollektive Schuldbewusstsein und deswegen hat es sich auch so gut verkauft, wer hätte denn da nicht zugeschlagen?

Trotz Toxibabys Zickigkeit ist er für Herzchen der schönste Mann, den die Welt je gesehen hat. Er kleidet sich in Designerware aus zweiter Hand, dass er sie belügt und betrügt, davon geht sie aus. Toxibaby verzweifelt gerne am System, das Verlierern wie ihm nicht den gebührenden Platz einräumen möchte. Herzchen ist sich allerdings sicher, dass sie ihn wird retten können. Toxibaby monologisiert gerne ausschweifend und wenn Herzchen ihren kindlichen Blick aufsetzt und Interesse heuchelt, dann ist sie ihm recht. Wenn sie jedoch widerspricht, dann streiten sie. Toxi kann laut werden, wenn ihm der Kragen platzt, danach verschwindet er in schöner Regelmäßigkeit aus ihrer Wohnung und blockiert sie für Tage bis Wochen. Herzchen telefoniert deswegen mit ihren besten Freundinnen und verbreitet ihr Leid, denn sie kann einfach nicht ohne Toxi. Dreizehnmal ist ihnen das jetzt schon passiert.

Fazit: Die mehrfach ausgezeichnete Autorin Dana von Suffrin hat in diesem Buch eine moderne On-off-Beziehung verhandelt. Sie zeigt auf eingängige, fast penetrante Weise, wie zwei Menschen weder mit,- noch ohne einander können. Beide haben große Minderwertigkeitsgefühle, die sie unterschiedlich kompensieren. Er ist paranoid und depressiv. Er neigt zur Bevormundung, zu mangelnder Selbstironie, und weil er sich und seinen weltlichen Schmerz sehr ernst nimmt, kreiert er allerhand Dramen. Sie ist eine nähesuchende, abhängige Persönlichkeit, die zu Hysterie neigt. Sobald sie sich zurückgewiesen fühlt, wird sie verletzend und ist in ihrem Repertoire breit aufgestellt. Sicherlich kranken beide an ihrem familiären Background, aber auch an den gesellschaftlichen Optimierungstendenzen. Bedingungslose Liebe wird nicht mehr verschenkt. Wir verstricken uns in Erwartungen, denen weder wir noch andere gerecht werden können, die uns jeden Tag durch sozial Media vorgekaut werden. Viele sehnen sich nach dem Optimum, geiler Job, coole Bude in hypem Wohnviertel, schnatzes Aussehen. In der Sehnsucht nach Anerkennung vergessen wir das, was wirklich zählt. Und so zerreiben Toxi und Herzchen sich an den Gegensätzen Libido und Thanatos und entwickeln eine Leidensfähigkeit, die für mich als Außenstehende extrem nervig war. Die Geschichte ist großartig gemacht, gerade weil sie mich dazu bringt, von den Interaktionen des Paares und dem sinnlosen Verschwenden ihrer Lebenszeit genervt zu sein. Und sie zeigt, dass so eine komplizierte Beziehung eben nicht nur Frust, sondern auch Lust bringt. Für alle, die sich für weiblichen Narzissmus interessieren.
Profile Image for Johanna.
44 reviews
April 20, 2026
In „Toxibaby“ von Dana von Suffrin begleiten wir die Ich-Erzählerin, genannt Herzchen, und ihren Partner Toxibaby durch eine hochemotionale On-Off-Beziehung. Die beiden ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund, doch obwohl Herzchen als gefeierte Millennial-Schriftstellerin eigentlich alles hat, funktioniert in der Beziehung überhaupt nichts. Toxibaby ist Anfang vierzig, blickt voller Wut auf die Welt und scheint deren gesamte Last auf seinen Schultern zu tragen. Ein großes Dankeschön geht an Netgalley und den argon Hörbuch Verlag für das Rezensionsexemplar.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, gesprochen von Inka Löwendorf. Ihre Stimme hat mir sehr gut gefallen und hat definitiv zur Atmosphäre sowie zur Beziehungsdynamik beigetragen. Die Geschichte ist geprägt von ständigen Trennungen und Streitgesprächen, wobei man die echten Namen der beiden nie erfährt – sie nennen sich durchgehend nur bei ihren Kosenamen. Als Leser fragt man sich ununterbrochen: Ist da überhaupt Liebe oder nur Manipulation und Abhängigkeit? Es ist hart mitanzusehen, wie Herzchen viel für ihn aufgibt, während er extrem kritisch, negativ und teilweise depressiv reagiert. Man muss dabei zusehen, wie die beiden sich gegenseitig in eine Abwärtsspirale ziehen und das Schlechteste im jeweils anderen zum Vorschein bringen.

Einen klassischen Spannungsbogen hat das Buch nicht. Mir hätte ein roter Faden, der sich chronologisch durch die Erzählungen zieht, besser gefallen. Es wurden zwar viele spannende Themen wie Marxismus oder Kapitalismus angeschnitten, aber insgesamt wurden für mich zu viele Themen aufgemacht, ohne dass man als Leser immer verstanden hat, warum.

Auf der anderen Seite fand ich es wirklich erfrischend und spannend, einen Einblick in diese toxische „Hassliebe“ zu bekommen. Da sich alles eher aneinanderreiht und es keinen richtigen Abschluss gab, hätte ich dem Hörbuch wohl auch noch zehn Stunden länger zugehört. Ich glaube, als reines Buch hätte es mir nicht so gut gefallen, aber das Erlebnis als Hörbuch war insgesamt gut!
Profile Image for Oktober.
368 reviews
April 26, 2026
“Toxibaby” von Dana von Suffrin beschreibt die zerstörerische Liebesgeschichte von Herzchen und Toxibaby, die nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander sein können und beide toxisches Verhalten in ihrer Beziehung zeigen. Von einem unbestimmten Gegenwartspunkt aus erzählt Herzchen hin- und herspringend von den Anfängen der Beziehung, den vielen Trennungen, ihrer Kindheit usw.
Mir fiel es sehr schwer, hier nicht den Faden zu verlieren. Ich habe es als Hörbuch gehört, gelesen von Inka Löwendorf, was mir einerseits gut gefallen hat, allerdings ist die Form ”Hörbuch” hier wahrscheinlich nicht geeignet, den oft komplexen Satzstrukturen und Zustandsbeschreibungen zu folgen, die sich sehr oft wiederholen, da die ganze Beziehung eine einzige Wiederholung ist. Ich musste oft zurück spulen, weil mir Teile der Erzählung unbekannt vorkamen, nur um dann festzustellen, dass ich an dieser Stelle schon dreimal gewesen bin. Der Schluss wird dann, nach dem sehr konsistenten Hauptteil, noch einmal interessant in seinen Wendungen. Dennoch kann ich, obwohl ich es erst gestern beendet und aufmerksam zugehört habe, jetzt schon nicht mehr sagen, was im letzten Teil genau geschehen ist, weil mein Hirn es sofort wieder vergessen hat. Ich wollte das Buch wirklich gern mögen, aber die umeinander kreisenden Gedankengänge haben mich leider nicht gepackt.

*Das ebook wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Profile Image for hand.verlesen.
254 reviews48 followers
June 7, 2026
Herzchen und Toxibaby führen seit Jahren eine toxische Beziehung mit viel Drama, Trennungen, Versöhnungen und Wiederholungen. Es geht auch um jüdisches Leben in Deutschland, um das Erwachsenwerden (oder auch nicht), um eine ganze Generation und ihr Selbstbild.
Ich fand das sehr lustig und treffend beschrieben. So schlimm die Beziehung erscheint, so gut kann man sie stellenweise nachvollziehen. Das fand ich richtig gut gemacht. Das Buch hat generell so viele witzige, selbstironische, wahre Stellen, so viele kluge und fiese Beobachtungen. Manchmal musste ich laut lachen. Ich hab ganz viel markiert. Aber es las sich stellenweise auch ziemlich mühsam, der Schreibstil mit den sehr langen Sätzen lag mir nicht besonders und die Figuren und ihre sich wiederholende Dynamik fand ich richtig anstrengend (was natürlich so sein soll).
Fazit: Ein sehr gut gemachter, schlauer Roman, den ich aber doch zu mühsam für meinen Geschmack fand.
38 reviews1 follower
April 15, 2026
Manchmal vielleicht ein wenig zu vorhersehbar, wiederholend und handlungslos. Ab und zu wirklich skurril-lustig, dann wieder sehr realistisch-nachvollziehbar. Den Prozess, wie toxische Liebe das Sichtfeld der Ich-Erzählerin immer weiter verschiebt, kann man hier wunderbar nachvollziehen. Es passiert nicht viel, eigentlich passiert so ziemlich gar nichts, aber die Verachtung und der Humor der aus den ewig langen parataktischen Satzsalven hervorblitzt bringt einen dann doch dazu, weiterzulesen.
Profile Image for buch_leselust.
215 reviews1 follower
June 16, 2026
Was hat mich dieses Buch gefordert. Einerseits sprachlich wirklich herausragend, andererseits ziemlich nervtötend 🙈

Die Protagonisten führen eine wirklich toxische Beziehung und nicht nur Toxibaby ist eine Red Flag. Ich musste in der Zwischenzeit auf das Hörbuch umsteigen, weil ich es nicht hätte lesen können. Die Beiden haben mich teilweise so aufgeregt, aber dennoch wollte ich es beenden, weil ich es sprachlich gut fand.
Profile Image for Sophie.
131 reviews
May 1, 2026
Ich weiß nicht ob es der falsche Zeitpunkt war oder ob ich das Buch einfach nicht verstanden habe, aber ich war von vorne bis hinten einfach nur gelangweilt. Ich kann gar nicht so genau sagen woran es liegt, weil die Sprache mochte ich sehr. Aber diese ganze Beziehungsthematik hat mich eig nur genervt. Schade eigentlich, weil ich mich sehr auf das Buch gefreut habe.
Profile Image for Janina.
21 reviews
April 26, 2026
Überhaupt nichts für mich. Ich habe es nach den ersten Kapitel überflogen, in der Hoffnung, dass es besser wird aber ... Fand beide Protagonisten einfach nur unsympathisch und die "Geschichte" langweilig.
Profile Image for Piaola.
4 reviews
April 9, 2026
Anstrengend akkurat nachvollziehbar, romantisch, authentisch, und verletzlich.
Profile Image for Stefni.
9 reviews1 follower
May 5, 2026
Sehr klug und lustig vom Schreibstil her, das hat mir gefallen! Aber diese Story ist ja sowas von träge, das macht wenig Spaß.
Profile Image for Reader.
1 review
May 9, 2026
Anstrengend, stressig und man kommt einfach nicht hinterher
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