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Toxibaby

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Der schlimmste Liebesroman, den man sich vorstellen kann

»Toxibaby« ist ein schonungsloser, zugleich zärtlicher Roman über die Suche nach Liebe, die uns heilt – und die uns zerstören kann. Dana von Suffrin erzählt von einer Beziehung, die alles Rettung, Erkenntnis, Erlösung. Mit scharfem Witz und großer erzählerischer Kraft seziert sie die Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation.

Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und trotzdem funktioniert überhaupt nichts. Herzchen ist die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die alles hat, noch mehr will, und doch unglücklich ist, Toxibaby ist Anfang vierzig und meint, die Last der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen.

Doch für Herzchen ist er der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant, wütend auf die Welt – und auf sie. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen. 

232 pages, Kindle Edition

Published March 12, 2026

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About the author

Dana von Suffrin

8 books9 followers

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Community Reviews

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4 stars
8 (27%)
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2 stars
2 (6%)
1 star
2 (6%)
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Anna Carina.
696 reviews375 followers
March 17, 2026
„Schlüpfrige kleine Scheißerchen“ hat Julia Roberts treffend in Pretty Woman formuliert.
Und was bleibt?
Für mich nicht viel.
Auf meinem Blog lesefalten.de versuche ich mein Scheitern etwas näher einzugrenzen.

Mich bringt das Buch in ein Bewertungsdilemma. Vorerst 2,5 Sterne. -> nach einigen Tagen Tendenz zu 2.
Das stelle ich voran, da Dana von Suffrin für mich eine der interessantesten und sprachlich dynamischsten Gegenwartsautor:innen ist, die ich bisher belesen habe.
Ich mag die Reflexionen, die sich in Gedankenketten immer weiter schieben, den Rhythmus der dadurch entsteht, ihre witzige Wachheit, die Energie die durch den Text fließt und den Mut zur Boshaftigkeit und Negativität.
Es trägt nur nicht. Nicht über die Länge dieses Romans.

Im Vordergrund steht die on/off Beziehung von der Icherzählerin und Toxi.
Toxi ein Sozialpädagoge, der die meiste Zeit nicht arbeitet und sich hinter seinen Philosophischen Büchern verschanzt. Mit Marx und Lacan rumwirbelt, die Gesellschaft verabscheut und Spätkapitalistische Debatten anstößt. Er wirkt stolz, gekränkt, depressiv, paranoid und ängstlich.
Seine besserwisserische Theorieversessenheit wirkt wie ein Panzer vor Nähe und Beziehungsarbeit.
Wir erfahren ein wenig über seine Eltern, die scheinbar eine harmonische Beziehung führen.
Die Icherzählerin, meist als Herzchen bezeichnet, ist ebenfalls von Ängsten durchsetzt. Sie verliert sich in Projektionen ihrer Bedürftigkeit, die durch die Einschübe ihrer Familiengeschichte die größte Klarheit und Struktur bekommen. Ihre Verlustgeschichte und Verlassenheit wird gut plausibilisiert.
In der Beziehung zu Toxi kippt sie komplett in die Phantasie einen Menschen retten zu wollen.
Dadurch schreibt sie Toxi eine Tiefe, Bedeutsamkeit, hier und da eine gewisse Überlegenheit zu, die er gar nicht besitzt.

Der Stil des Buches lebt komplett von den selbstreflexiven Verschiebungen der Icherzählerin.
Darüber wird der komplizierten Beziehungsstruktur der „Liebenden“ zusätzlich die Dynamik des Gegenwartsdiskurses und seiner Marker mitgegeben – und zusätzlich durch ihre Familie, die Jüdische Lebens- und Denkweise.
Ich habe durchaus sehr viele Anhaltspunkte um die Figuren beschreiben zu können. Dennoch glitschen sie mir wie Fische aus den Händen. Ich weiß zwar worin sie gefangen sind, in welchem Strom sie treiben und sich winden. Die einzelnen Elemente werden aber nicht zu einer komplexen lebendigen Figur zusammengesetzt.

Hier eine typische Gesprächssituation der Beiden:
Toxi, sagte ich, als ich doch nicht einschlief, du findest also auch, dass es eine idiotische, romantische Vorstellung ist, jemanden mit Liebe zu heilen, und er antwortete, Herzchen, lass mich doch schlafen, ich sage nur, dass es keinen Ausweg gibt, und dann sagte er noch, dass er mit allem recht habe und ich ihm besser zustimmen solle, schließlich seien wir keine Kinder mehr und ich sei sogar so etwas wie eine öffentliche Intellektuelle, und ich war plötzlich wieder ganz wach und widersprach und sagte, ich schreibe nur dumme Bücher und fürchte mich vor Ladegeräten, und dann flüsterte ich, wirklich intelligent sind die, die glücklich leben, und Toxi lachte leise, und dann sagte er, intelligent und intellektuell sei nicht das Gleiche, und ich wiederholte den Satz wieder, aber Toxi sagte, das ist Ideologie, Herzchen, das ist brandgefährlich, was du da sagst, niemand ist glücklich, und außerdem muss ich schlafen. Niemand ist glücklich, das stimmt, dachte ich, und dann schlief auch ich wieder ein. Doch manchmal gingen unsere Streitereien, wie gesagt, viel schlechter aus, und während ich noch die Tassen vom Frühstück trocknete, warf Toxibaby sich schon den Mantel über, verzog das Gesicht, als hätte er grässliche Schmerzen, stotterte vor Wut und lief aus der Wohnung.

Dasselbe geschieht mit den Motiven.
Die Kugelmenschen von Plato werden als Aufhänger gesetzt. Dazu mit Lacans Lücke gespielt, die zwischen dem aufreißt, das man sagen oder kommunizieren möchte und dem was man tatsächlich symbolisch ausdrücken kann.
Also Motive, die hier die ganz großen Themen des Seins aufreißen.
Nur passiert damit nicht all zu viel. Ja, sie spielt immer wieder damit. Das bleibt für mich allerdings nur an der Oberfläche.
Und ich denke, ein Grund liegt in der kurzen Verweildauer ihrer Reflexionen.
Ein Bild nach dem anderen peitscht durch diesen Strom. Und zack, Aufmerksamkeit wieder woanders.
Irgendwann liest sich der Text nur noch enttäuschend.
Er baut einen enormen Druck auf, ist an einer hohen Intensitätsschwelle angesiedelt, die keine Variation seiner Temperatur kennt und irgendwie in einer Daueranspannung gehalten wird, die sich durch die vielen Momente der neuen Bilder, ihrer boshaft-ironischen Brechungen, nie in einem Durcharbeiten des Motivs verwirklichen kann.
Naja, und hier komme ich glaub ich zu meinem Grundproblem mit dem Text. „Toxibaby“, nicht nur der Typ, sondern das Buch an sich hat ein Kommunikationsproblem. Mit Lacan verweist sie schon darauf.
Die beiden Figuren und auch alle anderen funktionieren nur über gewisse Codes, Rollenbilder und theoretische Konzepte die sie sich an den Kopf werfen und dann folgt die Ausweichbewegung.
Wenn also die Theorie auf die konkrete Situation angewendet werden könnte, man diese mit der Beziehungsebene in der Kommunikation verflechten könnte, wird die Deutung und Wertung der Icherzählerin eingeschoben. Oder wir sind genau mal wieder an der Stelle wo die Figuren sich trennen. Oder sie gleitet zum nächsten Gedanken.

Im Grunde ist das Buch ein großes Eingeständnis von Blockade: Ich kann nicht.

Wirklich produktiv waren letztendlich für mich nur die Familienszenen mit ihren Eltern. Vielleicht weil sie mehr Distanz dazu hat?
Ihr eigenes Unvermögen mit Toxi ist bei all ihrer Klarsichtigkeit für mich ne Leerlaufmaschine.
Für mich ergibt sich daraus kein Formgewinn. Oder ich sehe ihn nicht.
Bin an dieser Stelle erst mal nur bedröppelt und weiß nicht, wie ich das weiter beschreiben und analysieren kann.
Jedenfalls hat das Buch im letzten Drittel mein Interesse völlig verloren, weshalb ich auch nicht mehr all zu aufmerksam gelesen habe.
Was da genau mit mir und dem Text passiert ist verstehe ich noch nicht.
Profile Image for Prusseliese.
473 reviews32 followers
March 18, 2026
Der Klappentext/die Buchbeschreibung bringt es auf den Punkt.
Eine wunderbare, schreckliche und atemlose Beschreibung einer toxischen Liebe. Toll!
1 review
March 28, 2026
Eins meiner Bücher des Jahres, und das sage ich im März.

Die Liebesgeschichte zwischen Herzchen & Toxibaby wird über ihre (zahlreichen) Trennungen erzählt, und das mit Komik und Tragik und wirklich sehr viel Komik. Man möchte sagen: sogenannte Liebesgeschichte, aber es ist dann doch eine Liebe zwischen diesen beiden neurotischen, substanz- und personenabhängigen, prätentiösen und sich über all das bewussten Figuren. Herzchen ist Schriftstellerin, Toxibaby ist zumindest manchmal Sozialpädagoge und immer marxistischer Kapitalismuskritiker. So etwas wie "richtige" Namen haben die beiden nicht, auch während der Trennungen begegnen sie uns noch unter diesen verliebten Spitznamen.
Was soll man sagen, Herzchen als Erzählerin wächst einem ans Herz und geht einem auf die Nerven und bietet auch für alle in nicht klinisch relevanten Liebesverhältnissen wunderbare Projektionsfläche. Dabei verfolgt der Text an keiner Stelle die Mission, mit erhobenem Zeigefinger über toxische (ein Wort, das im ganzen Roman keine Verwendung findet) Beziehungen aufzuklären oder platte therapeutische Learnings zu wiederholen, wie man es bei einem solchen Thema vermuten (befürchten) könnte. Überhaupt ruht sich Dana von Suffrin nie auf irgendwelchen überverwendeten Metaphern aus; ihre Bilder sind klar, absurd, immer wieder neu und sprachlich brillant.

Wohl eher kein Roman für Leute, die an einer Freytag'schen Spannungskurve hängen, oder bei dem man es mit einer Handlungszusammenfassung versuchen sollte, aber ein psychologischer und selbstironisch pseudopsychologischer Geniestreich!

Zur Liebe, zur Tragik und zur Komik:
"Ich hatte mir in den letzten Jahren oft vorgenommen, nun endgültig mit Toxi abzuschließen, und ihm seine Sachen (einen Pulli von Margiela, zwei Leinenhosen, Pomade, Ladegeräte, ein Buch über Holocaust-Literatur und ein Roman von Martin Amis) vor die Tür zu stellen, aber im nächsten Augenblick dachte ich wieder daran, wie schön es wäre, für immer bei Toxi zu bleiben, ihn schon kurz nach dem Aufstehen beim Rauchen mit hochgezogenen Schultern und umgeworfener Decke zu beobachten, seinen Monologen zu lauschen, ohne dabei zu lachen, Nacht für Nacht neben ihm einzuschlafen und vielleicht auch eine hübsche Tochter mit ihm zu kreieren." (S. 25)
Profile Image for Fiona.
148 reviews33 followers
March 26, 2026
»Ich sagte schon am zweiten oder dritten Tag zu Toxi, dass er der einzige Mensch sei, den ich für den Rest meines Lebens brauchen würde, und ich dachte damals, jetzt beginne endlich mein Leben, aber schon kurze Zeit später dachte ich das Gegenteil: So geht man zugrunde.«

Toxibaby und Herzchen lieben einander – oder? Ihre Beziehung startet senkrecht, es ist die scheinbar wahre und einzig große Liebe: Sofort ziehen sie zusammen und adoptieren einen Hund, verbringen jeden Tag zusammen. Doch schnell kippt es: Während Herzchen sich für Toxi verbiegt und aufopfert, sieht er nur das Negative, kritisiert und belächelt sie, und ist sowieso generell unzufrieden mit der ganzen Welt. Was als Liebe begann, driftet immer mehr ab in eine Hassliebe, in Manipulation und Abhängigkeit. Und die Frage ist: Wie nur sollen sie es hier wieder heraus schaffen, ohne sich dabei gänzlich zu zerstören?

Dana von Suffrin zeigt in ihrem Roman die hässlichsten und zugleich tragischsten Seiten der Liebe. Sie schreibt schonungslos ehrlich und mit sehr viel trockenem Humor, bedient sämtliche Klischees und entlarvt so die Beziehungsunfähigkeit einer gesamten Generation. Als Leser:in verfolgen wir die ständigen Auf und Abs in der Beziehung von Herzchen und Toxi und müssen dabei zusehen, wie sie das Schlechteste im jeweils anderen hervorbringen. Beim Lesen wollte ich Herzchen abwechselnd schütteln, anschreien und umarmen, Toxi dagegen einfach nur gegen die Wand klatschen.
Dieses Buch ist schrecklich, aber auch wahnsinnig witzig. Ich hab es sehr gerne gelesen.
Profile Image for Alexander Carmele.
503 reviews507 followers
March 26, 2026
Liebe in Zeiten von spätkapitalistisch-konstruierter Selbstentfremdung.

Inhalt: 1/5 Sterne (öder Beziehungsstress)
Form: 3/5 Sterne (flüssig-rund)
Erzählstimme: /5 Sterne (keine Bewertung)
Komposition: 0/5 Sterne (keinen Spannungsbogen)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (öde)
--> 5/4 = 1,25 = 1 Stern

Lebte Dana von Suffrins Nochmal von vorne von der Intensität und Nähe der Tochter zu ihren Eltern, zur Sehnsucht, wieder Kontakt mit der Schwester zu bekommen und mit ihr über den Tod des geliebten, tollpatschigen Vaters zu sprechen, bleibt in Toxibaby die Empathie und die Nähe auf der Strecke. Eine Liebesgeschichte ohne Liebe wird erzählt, zweier Menschen, die sich von weitem toll fanden, zusammenkommen und innerhalb von drei Jahren dreizehn mal sich trennen und wieder zusammenfinden, ohne sich je einen Schritt näher zu kommen:

FRÜHER HABEN Toxi und ich oft darüber gelacht, dass die Wege, die wir gehen müssen, die Wege, auf denen wir so oft umfallen und über die wir manchmal einfach gezogen werden, wenn wir stolpern und straucheln; dass diese Wege so wenig mit dem zu tun haben, was wir uns einmal vorgestellt haben. Wenn ich mich recht erinnere, habe allerdings nur ich gelacht und Toxi nicht, und dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen war ich von Natur aus zum Lachen aufgelegt, und zum anderen gelang mir alles, zwar nicht unbedingt gut, aber doch so, dass ich mich manchmal, zum Beispiel als mein erster Roman erschien, so fühlte, als hätte ich endlich Rache genommen, und zwar an der ganzen Welt […]

An diesem Abschnitt lässt sich sehr gut verstehen, weshalb die Liebesgeschichte zwischen Herzchen Goldberg (36) und Toxibaby (42) literarisch nicht in Schwung kommt. Zuerst lachen sie gemeinsam, dann doch nur sie, und dann doch nur, weil sie sich vorstellt, sie hätte erfolgreich Rache genommen. Was das aber mit dem Lachen darüber zu tun, dass die Wege, die sie gehen, unvorsehbar sind, bleibt schlicht ungesagt und so beliebig, dass es weder zur Komik noch zum Interesse drängt. Die Figuren bleiben blass, bis auf wenige gute Stellen, die an das vorige Buch erinnern:

Ich sah zu, wie das Wasser sich durch die Landschaft aus dürrem Gras und kümmerlichen, krummen Gewächsen grub, wie es langsam die Kieselchen aus Muschelkalk und Quarz rundete und fleißig und zufrieden alles benetzte, was dürstete. Eigentlich ist es ganz gleich, flüsterte die Landschaft mir zu, du wirst genauso verschwinden wie eines dieser Gestrüppe über Nacht im sandigen Boden, noch wehrst du dich, noch zappelst du, aber auch das wird dir vergehen.

Leider zerstört von Suffrin diese Atmosphäre durch Referenzieren, Diskurse und weltpolitische Themen, die keine Ausführungen erhalten, bloße Schnipsel des öffentlichen Debattenraumes darstellen und mit Meinungen abgeschmeckt werden, bevor die beiden etwas mutlosen und von Angst besetzten Figuren weitertorkeln und sich mit Alk und Koks bedrönen, ohne sich jedoch gegenseitig zu stützen, zu bestärken oder das Nest zu bieten, das sie sich doch so sehr ersehnen.

Im Grund handelt das Buch davon, wie ein Buch geschrieben werden soll, aber nicht geschrieben wird. Es handelt von zwei Individuen, die sich hinter ihren Worten verstecken, statt sich durch die Worte in Rage zu reden, von Schweigenden, die sich entziehen, statt aus sich herauszuplatzen und die Welt, die sie bedrängt einzureißen. Toxibaby mangelt es sich schlicht an Energie, an Wut, an Destruktivität und Intellektualität. Es beißt nicht genug. Die Figuren nehmen zu viele Drogen, und im Drogenrausch benebelt, lallen sie von Trennung zur Trennung über die Trennung, von einer Lüge zur anderen, und wundern sich, dass sie jedes Mal aufs neue wieder alleine und mit leeren Händen dastehen. Schade, dass von Suffrin, obwohl sie es kann, hier nicht mächtig vom Leder gezogen hat. Toxibaby wäre die ideale Rahmung für einen Postsowjet-Marxismus-Desillusions-Rant gewesen, der aber leider durchweg ausblieb, stattdessen bleibt es beim Traum der unangepassten Angepasstheit:

Manchmal bat ich wie ein Kind den lieben Gott, der sich mir nur leider nie zeigen wollte, darum, an Toxibaby eines seiner legendären Wunder zu vollführen, ihn zum Beispiel über Nacht von seinem Mischkonsum oder seiner Paranoia oder seiner Marxologie zu heilen, ihn zu einem Ehemann und einem Familienvater zu machen.

Unentschieden fällt so der Monolog richtungslos in sich zusammen.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): eine Anfang vierzig Jahre alte Schriftstellerin, die in München lebt. 1985 geboren. Hat vor 6 Jahren Omama’s Madhouse geschrieben. Hat einen Bruder, Ben, der mit 16 Jahren nach England gezogen ist. Hat eine Schwester, Yael, sie heißt Herzchen Goldberg. Ex-Freund Pascal.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
13 Trennungen in drei Jahren, also Zeitrahmen. Toxibaby, 6 Jahre älter, 43, Handy auch drei Jahre kaputt. Lernen sich auf Herzchens Geburtstagsfeier, während sie noch mit Pascal zusammen ist, mit dessen Mutter sie sich nicht versteht. Sie kommen zusammen, trennen sich, kommen wieder zusammen. Sie arbeitet als Schriftstellerin, bekommt ein Stipendium für die Schweiz. Sie fahren gemeinsam dorthin. Sie gibt ihm dort bekannt, dass sie schwanger ist, gibt dann zu, dass sie gelogen hat. Er fährt wieder ab.
Toxibaby, ein Marxist, Sozialpädagoge, der sich von der Welt bedroht fühlt, stammt aus Sibirien, fühlt sich von ihren Freundinnen bedroht.
●Kurzfassung: kein Plot
●Charaktere: (rund/flach) undurchschaubar
●Überflüssige Szenen/Charaktere: keine eigentliche Handlungslinie
●Besondere Ereignisse/Szenen: vielleicht, wie sie die tote Bengalkatze sieht, vor ihrem Geburtstag, als Omen für etwas Besonderes, nämlich das Zusammenkommen mit Toxi.
●Diskurs: Israel, Marxismus, Kapitalismus, Erwachsen-Sein, Nicht-Erwachsen-Sein
… die Thematik, die Welt nicht ertragen zu können, wurde nicht ausgestaltet; die Figuren wirkten holzschnittartig unwillig, nehmen zu viele Drogen, sind zu hedonistisch, wollen sich aller Verantwortung entziehen und nur irgendwie über die Runden kommen. Das langt nicht, zumal nicht einmal ansatzweise eine kommunikative Begründung für diese Haltung konstruiert wird. So leer wie „Das Liebespaar des Jahrhunderts“ von Julia Schoch, und „Muna“ von Terézia Mora.
… leider besitzt das Buch keine Handlung und so verebbt das Ganze ziemlich schnell. Ich wüsste wirklich nicht anzugeben, wieso sich dieses Buch lohnte zu lesen, vom Inhalt her (auch formal reine Fingerübung ohne Intensität).
--> 1 Stern


Form:
●Eindruck: dann, dann, dann, wenn, wenn, wenn, ich, ich, ich … leider zu parataktisch und hölzern, statt fiktional schwebend, keine Sprachmelodie, glatt runtergeschrieben
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) kaum, vielleicht hier und da durch Sprachwitze und ein paar gewagte Metaphern, aber wenig abgegrenzt vom manischen Monolog eines Alltagsgespräch, etwas wortgewandter, aber nicht durchkomponierter
●Wortschatz/Wortzahl: keine Stilometrie angefertigt
●Auffälligkeiten: lange Sätze, die aber gar keine langen Sätze sein müssten, daher nicht vom Rhythmus und Takt wie „Nochmal von vorne“. Sie bohrt nicht. Sie reiht aneinander. Beliebig.
●Innovation: sehe ich nicht
… wegen flüssiger und guter Lesbarkeit
--> 3 Sterne


Erzählstimme:
●Eindruck: Ich-Erzählerin, nicht situiert, reflektiert, aber nicht in Bezug auf die Erzählung, sondern in Bezug auf ihre eigene Psyche, im Grunde keine Erzählstimme, eher eine Art Gesprächspartnerin. Da es keinen Fiktionalitätscharakter gibt, unauswertbar. Wirkt eher wie eine Art Cabaret. Standy-Comedy. Nicht mal die Glaubwürdigkeit lässt sich beurteilen, weil es schlicht nichts gibt, was nicht zu glauben wäre …
--> keine Wertung


Komposition:
●Eindruck: langweilig, ein wenig episodenhaft, ohne Zentrierung, keine Rahmung, keine Linienführung, nichts.
●Signal/Noise-Ratio: hoher Noise-Anteil, sehr viel Rauschen um den heißen Brei, Eltern tauchen kaum aus, Konfliktstruktur nur angedeutet, kein Höhepunkt, außer die Lüge über die Schwangerschaft und die Ohrfeige, vielleicht noch das Fremdgehen auf der Party im Drogenrausch
●Operative Geschlossenheit: keine
●Rahmenstabilisierende Details: keine
●Einschätzung: keine Erzählung, kein Spannungsbogen, keine narrative Struktur, sehr eintönig, ins Leere laufend
--> 1 Stern


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: am Anfang noch Interesse für den Konflikt, über den seltsamen Typen Toxi, der dann aber gar keine Konturen gewinnt, der seltsam abstrakt bleibt, bis ich mich gefragt habe, was sie an dem eigentlich findet, und was ihr Problem ist, ja sie will nicht alleine sein, okay, aber das war’s. Ihre Eltern sind weg, kaum Kontakt zu den Geschwister, kapiert, aber der Typ? Und die böse Mutter Pascals, aber all das langt nicht hin. Die eigene Tristesse, das eigene Langweilen über sich selbst, über das eigene Schreiben, über ihren eigenen „blöden Roman“ – eher das Scheitern eines Schreibprojekts, das dennoch monetarisiert werden musste? Leerlauf
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) nein, autobiographisch, aber eigentlich intim-privat
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) keine Ahnung
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein, langatmig, repetitiv, dröge
●stimmig?(Komposition: ja/nein) ja, in seiner Langatmigkeit
●ein zweites Mal lesen? Nein, sehr geringe Wahrscheinlichkeit, zu offensichtliches Selbstgeplänkel
--> 1 Stern

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