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Paranoia in Hollywood: Wie die USA exilierte Künstler erst retteten und dann verfolgten 1941–1953

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Santa Monica, Pacific Palisades oder Beverly Hills – das sind die klingenden Namen des kalifornischen Idylls, in dem sie Zuflucht gefunden Filmemacher und Schauspieler, Schriftsteller und Intellektuelle, die in den 1930er- und 1940er-Jahren vor den Nazis aus Europa fliehen mussten. Sie bilden eine Solidargemeinschaft der Bertolt Brecht, Helene Weigel und Hanns Eisler, Billy Wilder und Vicki Baum, Fritz Lang und William Wyler, Thomas und Heinrich Mann. Wer in Berlin, Wien oder Prag einen Namen hatte, folgte dem Ruf der boomenden Filmindustrie Hollywoods. Doch dieses romantische »Weimar am Pazifik« ist nicht die ganze Noch während sie im beginnenden Krieg ihren mal militärischen, mal moralischen Beitrag aufseiten der Allierten leisten, werden die Geflüchteten zu Verdächtigen. Eben noch als noble Nazi-Gegner gefeiert, wird jetzt ihr Müll vom FBI durchsucht – der »red scare« und der McCarthyismus machen aus Freigeistern und Linksliberalen feindliche »Kommunisten«. Das Land, das Zuflucht war, wandelt sich zum Ort der Repression und Verfolgung.




Fesselnd und stimmungsvoll, anhand bisher unveröffentlichter Dokumente aus Archiven in Los Angeles zeichnet Jan Jekal nach, wie sich die Exilierten gegen das autoritäre Amerika wehrten – mit Aktivismus, Witz, Courage und mit Filmen, die zu Klassikern geworden sind –, aber auch, wie einige von ihnen an Amerika verzweifelten.

400 pages, Kindle Edition

Published February 26, 2026

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Jan Jekal

1 book

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Gunnar.
414 reviews14 followers
April 12, 2026
Anfang der 1940er-Jahre sind deutschsprachige Künstler als Exilanten in den USA und insbesondere in Hollywood hochwillkommen. Regisseure wie Ernst Lubitsch, Billy Wilder oder Fritz Lang, Schauspieler wie Marlene Dietrich oder Peter Lorre, Komponisten wie Hanns Eisler oder Arnold Schönberg und Schriftsteller wie Thomas Mann oder Franz Werfel sind aus Europa emigriert, zumeist sind sie vor den Nationalsozialisten geflohen. Viele feiern in ihrer neuen Heimat große Erfolge, bilden eine deutschsprachige Gemeinschaft. Man trifft sich beispielsweise bei Salka Viertels Haus in Santa Monica. Doch nach Ende des Krieges ändert sich die Stimmung in den Staaten. Man wird konservativer, „the red scare“ greift um sich, die Angst vor den Kommunisten und Sozialisten, verbunden mit latentem Rassismus und Antisemistismus. Als der Ausschuss für unamerikanische Umtriebe seine Arbeit aufnimmt, ist vor allen Dinge das „rote“ Hollywood das Ziel. Und mittendrin die deutschsprachigen Exilanten, je früher jemand vor Hitler geflohen ist, desto eher steht dieser unter dem Verdacht, ein Kommunist zu sein.

Jan Jekal greift etwa dreizehn Jahre von 1941-1953 und dokumentiert chronologisch, wie die anfängliche Akzeptanz und die oft (nicht bei allen) positive künstlerische Entwicklung der Exilanten nach und nach in Misstrauen und teilweise offene Verfolgung umschlägt. Dabei ist klar, dass viele (längst nicht alle) der betroffenen Personen durchaus mit kommunistischen oder sozialistischen Ideen sympathisieren, dennoch wird deutlich, wie sehr niedere Motive bei der Hexenjagd eine Rolle spielen und die amerikanische Verfassung mit Füßen getreten wird.

Der Autor nutzt dabei einen großen Fundus an Quellen, begleitet eine große Anzahl von prominenten Betroffenen. Dabei wechselt er regelmäßig die Perspektiven und zeigt auch das künstlerische Wirken der Beteiligten während der Zeit auf. Jekal nutzt das Präsens und einen Spannungsbogen, um die Geschichte der Exilanten unterhaltsam, aber gleichzeitig detailliert zu erzählen. Insgesamt ist „Paranoia in Hollywood“ ein ungemein facettenreiches und gleichzeitig ansprechend erzähltes Sachbuch, dessen Thema vor allem in der aktuellen politischen Lage in den USA erneute Relevanz erhält.
Profile Image for Enrico-Sebastian.
16 reviews
March 12, 2026
Die Geschichte der deutschsprachigen Emigration nach Kalifornien wurde lange Zeit entlang eines vertrauten Narrativs erzählt. Es ist die Erzählung vom „Weimar am Pazifik“, von Thomas Manns repräsentativem Frühstück in Pacific Palisades und von Billy Wilders Weg zur Unsterblichkeit. In dieser Lesart erscheint das Exil oft als eine sonnendurchflutete, wenngleich von Heimweh begleitete Wartehalle bis zur Rückkehr nach Europa. Jan Jekal tritt in seinem Buch „Paranoia in Hollywood“ (Matthes & Seitz Berlin) dieser romantisierten Vorstellung entgegen.

Jekals Untersuchung konzentriert sich auf die Jahre 1941 bis 1953 und damit auf eine Phase, in der die politische Atmosphäre in den USA radikal umschlug. Die zentrale These des Buches beschreibt ein Paradox: Dieselbe Demokratie, die den Verfolgten des Nationalsozialismus Schutz bot, transformierte sich innerhalb weniger Jahre in eine Instanz der systematischen Ausgrenzung. Mit dem Übergang vom Zweiten Weltkrieg zum Kalten Krieg gerieten die antifaschistischen Intellektuellen unter den Generalverdacht des Kommunismus.

Jan Jekal stützt seine Analyse auf bislang kaum ausgewertetes Archivmaterial. Diese Dokumente belegen eine lückenlose Überwachung durch das FBI unter J. Edgar Hoover. Die Akten zeichnen ein Bild, in dem die Grenze zwischen legitimer staatlicher Sicherheit und paranoider Bespitzelung verschwimmt. Wenn Jekal schildert, wie der Hausmüll von Exilanten durchsucht oder Privatgespräche abgehört wurden, verlässt er die Ebene der bloßen Anekdote und liefert eine präzise Dokumentation staatlicher Repression in einer demokratischen Gesellschaft.

Ein wesentlicher Verdienst des Buches liegt in der differenzierten Darstellung der Exilgemeinde. Jekal verzichtet darauf, die Künstler als geschlossene Gruppe von Helden zu stilisieren. Stattdessen zeigt er Menschen unter extremem existenziellem Druck, deren Reaktionen von mutigem Aktivismus und intellektuellem Witz bis hin zu Kapitulation und „Verrat“ reichten. Während einige Regisseure wie Fritz Lang die Erfahrung der Verfolgung in die Ästhetik des Film Noir übersetzten und so einen „codierten Widerstand“ leisteten, zerbrachen andere an der sozialen Isolation und den Arbeitsverboten der „Schwarzen Listen“.

Formal besticht das Werk durch eine journalistische Präzision, die ohne moralisierenden Unterton auskommt. Jekal gelingt es, die historische Lücke zwischen dem rettenden Hafen der frühen 1940er-Jahre und der systematischen Verfolgung durch den McCarthyismus zu schließen. Paranoia in Hollywood ist ein Sachbuch. Aber eines, das weiß, wie man Spannung erzeugt.

Jan Jekals Debüt, das auch direkt für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 in der Kategorie Sachbuch nominiert wurde, ist ein sehr lesenswertes Buch. Es füllt eine Lücke in der deutschsprachigen Exilforschung und tut dies mit journalistischer Präzision und erzählerischem Bewusstsein. Es hat den Mut, eine romantisierte Geschichte gegen den Strich zu bürsten, und stützt diesen Mut auf erstmals ausgewertetes Quellenmaterial.


Profile Image for Liedzeit Liedzeit.
Author 1 book115 followers
March 31, 2026
This is a very successful book and I am sure there will be an English translation soon. What is it about? Jekal writes about the community of Germans who had found exile in Hollywood during the reign of Hitler. But more specifically the theme is the way in which they became victims of the paranoia. The paranoia, of course, was the fear that Hollywood was undermined by communists.

The story has been told many times and it is an important one and Jekal does not forget to compare the events at the time to the present.

It is a good book and I read it with pleasure. But it is also a book that has been designed to be a bestseller. Starting with the excellent cover it has all the ingredients of a bestseller. Glamour combined with historical facts. And lots of anecdotes. It is easy to fill a book like this. You can jump back and forth. Thomas Mann, poor Heinrich, Billy Wilder, Fritz Lang, William Wyler. Peter Lorre. Talk about the movies they made. And the pages fill themselves. As a reader you do not have to concentrate. You get tiny pieces and if it gets tough, the next chapter is sure to be light again. Some Adorno, some things about Stockhausen. All very interesting, but nothing deep. I am not complaining, but I like it a bit more challenging.

The common thread is the writer Salka Viertel, a writer and friend of Garbo, the one person mentioned in this book, I never have had heard before. She deserved a biography of her own. But who would buy a book about her?

I would. But only now.
Profile Image for LiA.
371 reviews
April 4, 2026
Jan Jekal
Paranoia in Hollywood
Ich dachte an Frances Stonor Saunders‘ „Who paid the piper“ , erschienen vor etlichen Jahren mit einer brillanten Beschreibung der CIA-Unterwanderung der europäischen (und globalen) Kulturszene in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als ich den Klappentext zu Jan Jekals „Paranoia in Hollywood“ von 2026 las. Nun stellt sich Jekals Buch etwas anders heraus, als ich erwartete, aber nicht weniger spannend. Der Fokus, so dachte ich, würde auf Hollywood liegen und Details aus der Filmwelt im Vordergrund stehen. Tatsächlich ist es eine ungemein spannend geschriebene Geschichte aus den Jahren Thomas Mann’s und anderer deutscher Exilant:innen in Kalifornien seit den 1930er Jahren, zum Teil auch aus den Jahren zuvor. Wir erfahren viel über Ernst Lubitsch, Billy Wilder, William Wilders, Salka Viertel, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Peter Lorre, Bertolt Brecht und viele bekannte Künstler:innen mehr. Aber die Protagonisten des Buches sind Thomas Mann, Theodor W. Adorno und Arnold Schönberg, scheint mir. Interessant zu lesen, und für mich durchaus überraschend, denn Jekal stellt Mann’s durchaus kritische, ja fast rebellische Seite ins Zentrum seiner Betrachtungen. Spannende Einsichten in die Kooperation mit Adorno an „Doktor Faustus“, viel Info über die große Familie Mann – Heinrich, Klaus...
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich hatte vielleicht eine andere Perspektive zu entdecken erhofft, bin aber sehr glücklich mit dem Blick auf die Filmwelt der USA und die politischen Einmischungsversuche, den Jekal liefert. Zumal es – wenngleich nicht in der ersten Person erzählt – sehr deutlich die Warte der Betroffenen ist, aus der wir Leser:innen diese Jahre noch einmal Revue passieren lassen. Eine empfehlenswerte Lektüre, sowohl für diejenigen, die schon viel über das deutsche Exil in Hollywood gelesen haben als auch für die, die mit Jan Jekals Buch ihre Reise dorthin erst beginnen.
Profile Image for Aida.
78 reviews7 followers
March 25, 2026
Bravo! Jan Jekal schafft es, Geschichte wirklich lebendig zu erzählen – und ganz nebenbei ihre Relevanz und Brisanz für gegenwärtige politische Diskurse aufzuzeigen. Jetzt schon eins meiner liebsten Nonfiction-Bücher des Jahres.
Profile Image for Lorenz Ruesch.
104 reviews
April 11, 2026
"Er wolle nicht in diesem seelenlosen Boden ruhen", schreibt er, "dem ich nichts verdanke; und der nichts von mir weiss".
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