Was Sie (wirklich) über Erziehung wissen müssen: Das Wichtigste für alle Eltern aus den entscheidenden Studien | Vom Autor der beliebten ›ZEITmagazin‹-Kolumne »Prüfers Töchter«
Kindererziehung bedeutet für alle Eltern ein erstes Mal. Und sie stehen dabei unter Stress. Sie sollen die Bedürfnisse ihres Kindes kennen, es optimal fördern und einfühlsam sein. Der Druck ist hoch und die Zahl der Theorien, Moden, Ratschläge groß. Wie soll man sich da zurechtfinden?
Der Wissenschaftsjournalist Tillmann Prüfer sorgt für Orientierung. Er sichtet Studien, befragt Experten, klopft ab, was man gesichert weiß. Das Wichtigste über Erziehung, auf der Basis von den entscheidenden wissenschaftlichen Studien zum Thema, anschaulich aufbereitet
Aus dem
Welche Werte soll Erziehung vermitteln?Müssen Geschwister einander mögen?Wie prägend ist die Kindheit wirklich?Wirken Strafen sich negativ aus, ist es besser zu loben?Welcher Erziehungsstil ist der beste?Wann wird das Smartphone zum Problem?Wie wird mein Kind emotional kompetent?Bis wann kann ich mein Kind überhaupt erziehen? Es geht außerdem ums Fördern, Gefühle, Bindung, Ernährungsverhalten, ums Spielen, um Pubertät, Geschlechterunterschiede und die Vorbildrolle.Tillmann Prüfer verschafft uns Überblick und Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, ist viel wichtiger, als sich krampfhaft an irgendwelche Rezepte zu halten. Doch auch, wenn es keine Patentlösung für eine gelungene Erziehung gibt, ist es gut und wichtig, die unterschiedlichen Wege und Ansätze zu kennen. Um fundiert eigene Entscheidungen zu treffen.
»Erziehung bedeutet nicht, einen Menschen zu formen, sondern zu entdecken.« Tillmann Prüfer
Aufgrund des Titels habe ich mehr mit einem klassischen Erziehungsratgeber voller konkreter Handlungsempfehlungen und Tipps für den Familienalltag gerechnet. Bekommen habe ich stattdessen etwas, das ich viel spannender fand: eine fundierte Einordnung dessen, was die Wissenschaft tatsächlich über Erziehung weiß und was eben nicht. Tillmann Prüfer arbeitet sich durch Studien, Forschungsergebnisse und pädagogische Debatten und schafft es dabei, komplexe Zusammenhänge verständlich und unterhaltsam aufzubereiten. Statt einfache Antworten zu liefern, zeigt er, wo wissenschaftlicher Konsens besteht, wo Unsicherheiten bleiben und wie sich Erkenntnisse im Laufe der Zeit verändern. Besonders interessant fand ich, dass einige Annahmen, die ich selbst noch aus meinem Pädagogikstudium kannte, inzwischen durch neuere Forschung anders bewertet werden. Gerade diese Einblicke in die Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse haben das Buch für mich besonders lesenswert gemacht.
Trotz seines wissenschaftlichen Ansatzes ist das Buch keineswegs trocken. Es liest sich angenehm zugänglich und vermittelt immer wieder das beruhigende Gefühl, dass gute Erziehung nicht davon abhängt, jede aktuelle Mode oder jeden Ratgebertrend perfekt umzusetzen. Stattdessen wird deutlich, wie wichtig Beziehung, gemeinsame Zeit und ein reflektierter Umgang mit den eigenen Entscheidungen sind. Das Buch ist daher sehr ermutigend. Es nimmt Eltern den Druck, alles richtig machen zu müssen, ohne dabei beliebig zu werden.
Für mich war das eine sehr gelungene Mischung aus Wissenschaftsjournalismus, Pädagogik und alltagsnaher Reflexion. Wer sich für Erziehung interessiert und dabei lieber verstehen möchte, was hinter den Empfehlungen steckt, statt einfach nur Anleitungen zu bekommen, sollte dieses Buch unbedingt lesen.
"[Meine Kinder] sollen sich vertrauensvoll mit Probleme an mich wenden und mich manchmal auch einfach als Kumpel ansehen. Außer wenn ich etwas von ihnen möchte: Dann ist es klar, dass meine Anweisungen umgesetzt werden sollen."
Prüfer beschreibt hier anschaulich ein Problem aus seinem Alltag, das viele Eltern kennen: Wie finde ich eine gute Balance zwischen elterlicher Strenge und verständnisvoller Beziehung auf Augenhöhe? So ziemlich jeder Erwachsene mit Verantwortung für ein Kind findet sich in der ehrlich geschilderten Situation wieder. Doch was sagt eigentlich die Forschung zu Autorität und Laissez-faire? Dieser und vielen anderen Erziehungsfragen geht der Journalist Tillmann Prüfer in seinem Ratgeber "Was Sie (wirklich) über Erziehung wissen müssen" auf den Grund.
Selbsternannte Erziehungsexperten in zahlreichen Ratgebern und in den Sozialen Medien ist es schon lange klar: Der Bindungsstil prägt das Kind. Dass die zugrundeliegende Studie aus den 1960er Jahren aber vielleicht gar nicht so eindeutig ist, wie gerne behauptet, wissen die wenigsten. Denn neben Wärme und Autorität stellt sich auch die Frage nach Struktur. Und warum sollten die Bindungstypen eigentlich für alle Gesellschaften gelten - unabhängig von der Lebenssituation im Stadtviertel oder im Land? An diesem Beispiel zeigt sich das Anliegen von Prüfer: Er nimmt gängige Erziehungsmythen unter die Lupe, gibt einen fundierten Überblick und fasst am Ende jedes Kapitel die wichtigsten Erkenntnisse in Tipps an Eltern zusammen. Dabei zeigt sich vor allem eins: Oft ist die Antwort weniger schwarz-weiß als so mancher Experte es darstellen mag.
Insgesamt 17 Fragen nimmt sich der Journalist Prüfer (DIE ZEIT) vor. Es geht nicht nur um Erziehungsstile sondern auch um Geschlechterrollen, Medienkonsum, Förderung und emotionale Intelligenz. Abgesehen vom zweiten Kapitel, das einen historischen Überblick über die Erziehungswissenschaft und -forschung bietet, sind alle Fragen auf den Alltag von Eltern bezogen. Vieles habe ich mich selbst schon gefragt, wenn in meinen Feed mal wieder widersprüchliche Tipps zum Umgang mit den Kleinsten erschienen sind. Die Kapitel folgen stets einem ähnlichen Aufbau: Zunächst schildert Prüfer sehr persönlich und reflektiert aus seinem Alltag mit vier Töchtern zwischen zwölf und 25 Jahren. Die Situationen haben hohes Anknüpfungspotential. Dann wird der aktuelle Forschungsstand gut verständlich dargelegt. Meist finden sich sogar fünf oder sechs Studien, auf die Bezug genommen wird. Dass der Autor (Wissenschafts-)Journalist ist, kommt dem Buch hier sehr zugute. Die Erkenntnisse sind stets fundiert, lesen sich aber nicht langweilig. Ein wenig Interesse an Wissenschaft sollte man aber schon mitbringen, um das Buch zu verstehen. Warum etwa eine kleine Stichprobe problematisch sein kann, erklärt Prüfer nicht. Dieses Wissen setzt er bei seiner Leserschaft voraus.
Prüfer schreibt ein Buch, das ich mir schon lange gewünscht habe: Eine seriöse Überblicksarbeit zu den Erziehungsfragen, die Eltern unter den Nägeln brennen. Eine Einordnung der Tipps und Tricks selbsternannter Erziehungsinfluencer. Ein Plädoyer dafür, dass der kritische gesellschaftliche Blick auf Elternschaft zwar einerseits berechtigt ist, andererseits aber vieles richtig gemacht wird.
Das Buch ist interessant, ehrlich und humorvoll. Tillmann Prüfer lässt uns immer wieder an sehr persönlichen Geschichten aus seinem Familienalltag mit vier Töchtern teilhaben. Das lockert das ganze immer wieder auf. Denn daneben sind unglaublich viele Studien sachlich recherchiert und verständlich erklärt. Ich kann mir gar nicht vorstellen, welche immense Recherche für dieses Werk nötig war. Zeitweise war es mir fast ein bisschen zu viel, wenn eine Studie an die nächste gereiht war. Da hat es gut getan, immer mal wieder etwas anderes zu lesen. Die Entwicklung der Erziehung war sehr interessant. Die Sätze aus alten Erziehungsratgeber, die z.B. die Prügelstrafe für Säuglinge empfehlen, war für mich fast nicht auszuhalten und mir ist richtig schlecht geworden. Zum Glück liegt diese dunkle Zeit lange hinter uns. Ich konnte mich in sehr vielen Kapiteln, z.B. über "intensive parenting", wiederfinden. Tatsächlich konnte ich aus jedem Kapitel etwas für mich mitnehmen, auch wenn ich zu Beginn dacbte, dass dieser Abschnitt mich vielleicht nicht betrifft. Sehr hilfreich fand ich, dass es am Ende jedes Kapitels eine Zusammenfassung gab. Prüfer plädiert in seinem Buch immer wieder für mehr Gelassenheit in der Erziehung. Sätze wie: "Dann kann fast nichts schief gehen.", nehmen den Druck aus der Thematik. Das wichtigste sei die Beziehung zwischen Eltern und Kind, die durch Vertrauen und Verlässlichkeit geprägt sein sollte. Eine gute Bindung resultiere häufig auf das Hören auf das eigene Bauchgefühl. Ich hatte beim Lesen häufig den Gedanken: "Ach, ich mache schon einiges richtig." Das ist ein sehr angenehmes Gefühl, das nicht durch jeden Erziehungsratgeber hervorgerufen wird. In diesem Werk wird nämlich nicht ein Stil als der einzig Richtige dargestellt, sondern das für und wieder verschiedener Stile dargestellt. Das ganze ist absolut alltagsnah und es wird immer wieder betont, dass auch "Fehler" zum Leben gehören. Mein Fazit aus dem Buch: Es ist eigentlich so einfach. Liebe, Zeit und Bauchgefühl und schon ist man eine hinreichend gute Mutter. Und mehr muss man nicht sein. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die einen Überblick über die unzähligen Studien zum Thema Erziehung haben möchten und einfach den Druck ein bisschen rausnehmen wollen.