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Die Routinen

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»Die Geschichte einer Emanzipation – stark und unverwechselbar.« Anne Rabe

»Lewandoskis Stoff ist so ungewöhnlich, die erzählerische Form so wagemutig, dass man sich trotzdem nur dem Staunen überlassen kann, über diese große literarische Kür.« Marie Schmidt, Süddeutsche Zeitung

Ein Gummibärchen essen, heute den Arm, morgen ein Bein. Was sich anhört wie ein Witz, ist Alltag für die Leistungsturnerin Amik. Für sie zählt jedes Gramm, jeder Wettkampf, jede Wiederholung. Und jede überschrittene Grenze nimmt Amik dafür hin. »Die Routinen« seziert eine Welt, von der jeder ahnt, dass sie hart ist, aber niemand sieht oder sehen will, wie ausbeutend ein System ist, auf dem so viel Glitzer und Glanzspray liegt.

München. Montreal. Tokio. Wenn die olympischen Spiele anstehen, blickt die ganze Welt auf eine Stadt, auf eine Mannschaft, auf eine Leistungsturnerin. Die Mädchen und Frauen trainieren ihr gesamtes Leben auf diesen Moment hin. Aus diesem Wir der Turnerinnen, das in olympischen Jahren denkt, vom Training auf die Waage zu den Wettkämpfen gedrängt wird, entspringt ein Ich, die Turnerin Amik. Sie beugt sich den gnadenlosen Wettbewerbsprinzipien ihres Sports und mit jedem weiteren Schritt auf ein Siegerinnenpodest entfernt sie sich mehr von den Mädchen, die sie gestern noch getröstet haben. Auf kraftvolle Weise erzählt Son Lewandowski von Sport und Politik, von fragilen Beziehungen und den Grenzen des eigenen, alternden Körpers. Die Geschichten von berühmten Turnerinnen und der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte werden in die Geschichte von Amik eingewebt und machen »Die Routinen« zu einer atemlosen Leseerfahrung.

267 pages, Kindle Edition

Published January 17, 2026

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Son Lewandowski

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1 (<1%)
Displaying 1 - 26 of 26 reviews
Profile Image for Elena.
1,045 reviews439 followers
Review of advance copy received from Verlag
January 20, 2026
Amik ist Leistungsturnerin, sie lebt von Wettkampf zu Wettkampf, von Olympischen Spielen zu Olympischen Spielen - bis sich ihr Becken verändert, sie kein Kind mehr ist, eine Frau wird. Mit 32 Jahren gehört sie nicht mehr zum Kader, der bei den Olympischen Spielen in Istanbul antreten darf, dafür aber ihre halb so alte Mitbewohnerin Izzy, die sie bittet, als mentale Stütze trotzdem mitzufahren. Ein schwerer Unfall Izzys lässt Amiks Gedanken streifen, tief in ihre Vergangenheit und in die weltbekannter Leistungsturnerinnen.

Täglicher Drill, Training bis zum Erbrechen, völlige mentale Erschöpfung, immer auf Diät sein - diesen Alltag schildert die Protagonistin Amik in Son Lewandowskis Debütroman "Die Routinen". Dass der Alltag als Leistungsturnerin nicht einfach ist, kann man sich als Zuschauer*in der Olympischen Spiele oder Turnweltmeisterschaften denken, wie viel Leid aber tatsächlich hinter dem vielen Glitzer, dem aufgezwungenen Lächeln und den kindlichen Körpern steckt, fängt die Autorin in ihrem Buch auf eindrucksvolle Weise ein. Dabei erzählt sie einerseits Amiks Geschichte, andererseits lässt sie aber auch immer wieder Einschübe realer Spitzen-Leistungsturnerinnen in ihren Roman einfließen. Dadurch macht sie auch körperliche und sexualisierte Gewalt an den Mädchen und jungen Frauen sichtbar. "Die Routinen" hat mich thematisch sehr abgeholt, da ich zuvor noch nie einen Roman über Leistungsturnerinnen gelesen habe. Sprachlich habe ich dagegen weniger Zugang zu dem Text gefunden, ich hätte mir oft mehr Präzision und Klarheit gewünscht. Nichts desto trotz legt Son Lewandowski für mich ein hochinteressantes Debüt vor, das mich nachhaltig beschäftigt und den Blick auf reale Missstände im Hochleistungsturnen lenkt.
Profile Image for Uralte  Morla.
381 reviews165 followers
February 7, 2026
Son Lewandowski: "Die Routinen". Für mich jetzt schon ein Longlist-Kandidat für den Deutschen Buchpreis 2026, verdammt ist dieses Buch gut!

Erzählt wird von der Leistungsturnerin Amik, die im Prinzip symbolisch für alle Turnerinnen steht. Wir folgen ihr von der Kindheit an, über die Pubertät bis hin zum Erwachsenenalter. Wir verfolgen ihr Training, ihre Rückschläge, ihren Drill, ihre Disziplin, ihre großen Erfolge, ihre Verletzungen, ihr unerbittliches Dranbleiben und schließlich das Ende ihrer Karriere.

Zwischendurch eingewebt: Biografien realer Turnerinnen, die Sportgeschichte geschrieben haben. Nach denen Sprünge und Drehungen benannt wurden, die Heldinnen ihrer Nation wurden. Was oft nicht erzählt wurde und wird: Die verlorene Kindheit, die physischen und psychischen Drilleinheiten, das ungesunde Verhältnis zum eigenen Körper, die Misogynie, der Missbrauch auf mehreren Ebenen.

Son Lewandowski erzählt davon. In einer mitreißenden, fast lyrischen Sprache, die einen Sog entwickelt, dem ich mich nur schwer entziehen konnte. "Die Routinen" ist ein großartig geschriebenes, berührend erzähltes, detailreich recherchiertes und hochgradig wichtiges Buch. Weil es ein System entlarvt, von dem die meisten von uns nur die Glamourseite kennen und das so viele schattige Tiefen hat, dass einem ganz schwindlig wird.

Lest dieses Buch. Egal, ob ihr sportinteresssiert seid oder nicht (bin auch Sportmuffel auf allen Ebenen), dieser Roman ist augenöffnend und literarisch auf höchstem Niveau!
Profile Image for LeserinLu.
377 reviews49 followers
January 23, 2026
„Die Routinen“ ist ein aus meiner Sicht ungewöhnlicher Roman über Leistungsturnen. Was auf den ersten Blick wie Disziplin und Ehrgeiz erscheint, entlarvt Son Lewandowski als ein ausbeuterisches System, das Körper und Beziehungen gleichermaßen verschleißt.

Im Zentrum steht die Leistungsturnerin Amik. Ihr Alltag ist durchgetaktet bis ins Kleinste: Wiegen, Training, Wettkampf in München, Montreal oder Tokio, Als sie älter wird, wird sie immer mehr an den Rand gedrängt und muss zusehen, wie die junge Turnerin Izzy ihren Platz einnimmt. Bei einem Wettkampf verunglückt diese schließlich schwer und Amik betreut sie im Krankenhaus. In Rückblicken wird nicht nur Amiks Turnerkarriere beleuchtet, sondern es werden auch Stimmen von international bekannten Turnerinnen der letzten Jahrzehnte eingeflochten, die die problematischen Machtstrukturen in diesem Sport thematisieren.

Der Erzählstil hat mich überrascht: sehr literarisch, collagenartig, mit ungewöhnlichen Formulierungen, über die man stolpert und die man mehrfach lesen muss und möchte. „Die Routinen“ ist damit keine leichte Lektüre, verlangt Aufmerksamkeit und Bereitschaft, sich auf die Sprache einzulassen.
Die Einbettung realer Turngeschichten hat mir besonders gut gefallen. In der Gegenwartsebene, in der die Erzählerin mit Izzy im Krankenhaus ist, hätte ich mir stellenweise etwas mehr Tempo gewünscht.
Profile Image for yonca.
45 reviews3 followers
January 17, 2026
tbh eines der besten bücher, die ich jemals gelesen habe!!!!!!!
Profile Image for Kirsten.
3,375 reviews11 followers
March 1, 2026
Wer von euch kann ein Rad schlagen? Je nachdem, wie die Antwort auf diese Frage ausfiel, hat sich ein Leben dramatisch verändert. Aus dem unbeschwerten kleinen Mädchen, das voller Stolz das Kunststück vorgeführt hat, nach dem man sie gefragt hat, wird eine Marionette, die in gnadenlosen Abläufen gefangen ist.

Son Lewandowski beschreibt ein Leben, in dem es nur wenig Spaß gibt. Es ist das Leben, das Amik schon seit ihrer frühesten Kindheit führt. Stundenlange harte Arbeit, aber sie ist nie gut genug. So diszipliniert sie auch beim Essen ist, immer hat sie ein paar Gramm zu viel. Für sie ist das normal, denn der Sport bestimmt ihr Leben, neben ihm hat nichts anderes mehr Platz.

So, wie sich alles in Amiks um den Leistungssport dreht, so dreht es sich auch im Roman. Wie ihr Leben außerhalb der Halle aussieht, erfahre ich nicht. Manchmal kommt sie mir nicht wie eine Turnerin vor, sondern wie eine Tänzerin, die einsam auf einer Bühne steht. Denn auch wenn sie ein Mitglied in einer Mannschaft ist, kämpft jede für sich allein und beobachtet die anderen mit kritischem Blick. Man umarmt sich bei Erfolgen, aber in der Niederlange ist jede für sich allein.

Neben Amiks fiktionaler Geschichte erzählt Son Lewandowski auch die von realen Turnierinnen. Von Nadia Comăneci, die sich sogar an den Staatschef wandte, um der gnadenlosen Behandlung durch ihren Trainer zu entkommen. Vom Simone Biles, die die als eine der ersten offen über ihre psychischen Probleme gesprochen hat und von den zahlreichen jungen Turnierinnen, die bei den Übergriffen durch den Teamarzt nicht verstehen konnten oder wollten, was mit ihnen passierte.

Leistungssport ist nicht per se eine schlechte Sache. Aber der Schritt von einem gesunden Umgang zur ungesunden Dynamik ist nur klein. Was danach kommt, zeigt Lewandowski eindringlich in seinem Roman.
Profile Image for Aal.
41 reviews
February 2, 2026
Am Anfang hatte ich ein wenig Sorge, dass die besondere und für mich auch anspruchsvolle Sprache sowie ein befürchtetes Handlungsdefizit vollen fünf Sternen im Weg stehen könnten.

Nach ca einem Drittel oder spätestens der Hälfte habe ich mich aber an die Sprache gewöhnt und konnte die mit ihr gezeichneten Bilder uneingeschränkt auf mich einprasseln lassen. Auch was die Handlung betrifft, kam vor allem im letzten Drittel noch so viel dazu, dass ich über die ersten Befürchtungen jetzt easy hinwegsehen kann.

Ich bin komplett begeistert, sowohl was die sachlichen Inhalte, als auch die transportierten Emotionen angeht. Nicht zuletzt ist auch noch das Cover super schön hehe.

Es ist nicht *das* beste Buch, das ich je gelesen habe, aber unter *den* besten ein einzigartiges. 💛

Und morgen LESUNG mit der Autorin - Könnte nicht besser sein ✨
157 reviews10 followers
February 10, 2026

Automatenmädchen

„Die Routinen“ von Son Lewandowski, erschienen 2026 bei Klett-Cotta, ist ein starker Roman, den wir hoffentlich in diesem Jahr noch sehr oft besprochen und bepreist finden werden. Die Autorin nimmt uns darin mit in die Welt des weiblichen Turn-Leistungssport und offenbart Abgründe, die einen an der Menschheit zweifeln lassen. Dabei ist der Roman nur durch die Schilderung dieser Welt, die komplett auf Tatsachen beruht, zutiefst feministisch – ohne dafür je programmatisch werden zu müssen. Was Menschen ihren Kindern antun für ein bisschen Ruhm und Geld, und was Männer Kindern antun, nur um ein Gefühl von Macht zu haben, erzeugt schon beim nur Lesen einen Blick auf den Sport, den man nie wieder ablegen können wird. Dabei schreibt Lewandowski verblüffend poetisch und in extrem starken Bildern, so dass perfiderweise von einem literarischen Hochgenuss gesprochen werden muss, was zunächst so gar nicht zu dem Inhalt des Buches passen will.

Formal bewegen wir uns auf mehreren Zeit- und Erzählebenen. Die Ich-Erzählerin Amik, der wir primär durch das Buch folgen, ist schon über Dreißig und steht längst am Ende ihrer Turnkarriere. Ihre Zimmergenossin Izzy ist mit 16 Jahren auf ihrem Leistungshöhepunkt. Bei der Turn-Europameisterschaft in Antalya 2023 erleidet Izzy einen schweren Sturz und wird in der Folge im Krankenhaus in ein künstliches Koma versetzt. Während Amik, die den Wettkampf nur noch von der Tribüne aus verfolgen durfte und es nicht mehr in den Kader schaffte, an ihrem Bett wacht, taucht sie immer tiefer ein in die Reflektion ihrer Karriere und der gemeinsamen Vergangenheit.
Dabei blickt sie zeitlich zurück auf die vielen Härten und Grausamkeiten, die sie in ihrer Zeit im Leistungssport erlebt hat und auch auf den Missbrauch, dem sie und viele anderen jungen Mädchen ausgesetzt waren: die komplette Zerstörung der eigenen Körperwahrnehmung und die gezielte Anerziehung einer Essstörung, der permanente Drill und Leistungsdruck, die Schmerzen, die Objektifizierung, die beständigen Übergriffe, die soziale Isolation. Das Herauszögern der Pubertät, das möglichst lang Kind sein – rein körperlich gesprochen, denn wie die Kindheit im Sozialen den Mädchen vollkommen genommen wird, beschreibt das Buch eindrücklich. Und immer wieder: Die Routinen, die ewigen Übungen, die die Tage strukturieren, aber auch die Routinen in dem Sinn, dass keine Fragen mehr gestellt werden, die Dinge sind, wie sie sind und jedes Aufbegehren wird sofort sanktioniert. Wer die Stimme erhebt, wird aussortiert und ersetzt, vorbei der Traum vom Olympiasieg.

Eindrücklich schildert die Autorin eine eiskalte Welt, in der junge Mädchen ihres Lebens beraubt und für den Erfolg anderer instrumentalisiert werden. Was startet mit der harmlosen Frage „Wer kann ein Rad“ endet in einer gnadenlosen Maschinerie.

Diese zwei Räume des Jetzt im Krankenhaus und des Gestern in Amiks Reflektion werden begleitet von dokumentarischen Anteilen über berühmte Leistungsturnerinnen, die nicht fiktiv sind, sondern real – und somit überprüfbar und auch mit Bildmaterial unterfüttert, wenn die Lesenden Lust haben, sich in dieses Rabbithole zu begeben – mit der Lektüre des Buches im Hintergrund wird die Betrachtung jeder Turnkür zum schmerzhaften Albtraum.

Die Autorin findet durchweg zu starken und ungewöhnlichen Bildern, um sich die Turnwelt zu erschließen, ihre ungemein poetische Sprache öffnet einen vierten Raum, der einen enormen Nachhall erzeugt. Ich war von der ersten Seite an begeistert von diesem Buch. Auch wenn ich mich schon mit Leistungssport und auch insbesondere dem Turnsport beschäftigt habe: Den enormen Missbrauch, Druck und Drill und die schweren Folgen noch einmal so geballt zu lesen, war eindrücklich und das hat mich wirklich sehr berührt. Auch die formale Konstruktion durch die verschiedenen Zeiten und Wettbewerbe und die Zitatebenen/historischen Kontexte waren für mich einfach angenehm für die Lesereise, am Anfang kurz etwas verwirrend, aber ich konnte mich schnell reinfinden. Das war mal ein kurzes, kompaktes Buch, das es in sich hatte und das ich noch lange nicht vergessen werde. Unbedingte Leseempfehlung.

Ein großes Dankeschön an whatchareadin.de und Klett-Cotta für das Rezensionsexemplar!
41 reviews
February 4, 2026
„Die Routinen“ von Son Lewandowski hat wegen dem Thema Turnsport meine Aufmerksamkeit erregt. Turnen ist ein Sport der mir ähnlich wie Eiskunstlauf zum Angucken sehr gut gefällt, der aber oft (wenn nicht immer) durch Trainingsmethoden und Abgründe so auffällt, dass man ihn eigentlich kaum mit gutem Gewissen verfolgen kann. Vor diesen Abgründen die Augen zu verschließen und alles Negative unter den Teppich zu kehren (wie es Sportverbände meist mit Begeisterung tun) kann aber nicht die Lösung sein und genau mit dieser Thematik beschäftigt sich „Die Routinen“ und zwar mit absolut eindringlicher, aufrüttelnder und trotzdem sehr poetischer und gefühlvoller Art und Weise.

Der Roman hat zwei Erzählebenen: Das Mädchen Amik erzählt als Ich-Erzählerin in einzelnen Episoden ihre gesamte Turnkarriere nach: von dem jungen begeisterten Kind, das noch nicht weiß was sie erwartet, über die ehrgeizige Anfangszeit zum sportlichen Höhepunkt, über den Kampf gegen die eigene Pubertät, bis zum unvermeidlichen Absturz: dem altersbedingten Ersetzt werden durch neue junge unbedarfte talentierte Kinder mit vorpubertärem Körper, …dabei erleben die Leser:innen alles aus der emotionalen Sicht von Amik mit, ihre gestörte Beziehung zum eigenen Körper, der Machtmissbrauch durch Trainer und auch die komplizierten Gefühle gegenüber den Mitturnerinnen, eine Mischung aus Konkurrenzkampf und Gemeinschaft, schwankend zwischen Zusammenhalt und Eifersucht. Besonders berührend: Amiks Beziehung zu ihrer Zimmergenossin im Sportinternat, mit der sie ebenfalls in einer Symbiose zwischen „großer Schwester“ und „Neid“ verbunden ist. Durch dieses Einzelschicksal wird trotzdem auf großartige Art und Weise sichtbar, dass man als Einzelne in diesem System gefangen ist und weder sich selbst noch anderen helfen kann.

Die zweite Erzählebene des Buches erzählt in deutlich sachlicherem Ton (beginnend mit Nadia Comaneci bis hin zu Simone Biles und zum Nasser-Prozess vor wenigen Jahren) wie Bela Karolyi es schaffte nicht nur in Rumänien, sondern wenig später auch in den USA jahrzehntelang mit missbräuchlichen Methoden als Star-Trainer zu fungieren, ohne dass jemals jemand sein Tun hinterfragte und wie lange es dauerte bis Athletinnen es langsam wagten gegen das was im Turnsport als „normal“ gilt ihre Stimme zu erheben.

Mir haben beide Erzählstränge hervorragend gefallen und ich war unheimlich beeindruckt wie dieses Buch mit Fachwissen und Emotionen dermaßen treffsicher den Finger in die Wunde legt und das trotz nicht ganz einfacher Sprache mitreissend, berührend und kurzweilig ist. Für mich jetzt schon eines der absoluten Lese-Highlights 2026.
Profile Image for auserlesenes.
373 reviews19 followers
February 18, 2026
Amik ist nur ihr Spitzname, benannt nach einem Olympia-Maskottchen. Ihre Individualität ist allerdings sowieso nicht wichtig. Als ehrgeizige und talentierte Kunstturnerin soll sie nur ihre sportlichen Erfolge im Blick behalten. Schon seit ihrer Kindheit dominiert das Wettkampfdenken alles. Den sportlichen Leistungen ist jeglicher Aspekt ihres Alters untergeordnet. Und die Medaillen geben den unerbittlichen Trainingsmethoden recht. Doch nun ist sie 32 Jahre alt, von den jüngeren Konkurrentinnen abgehängt und muss den dramatischen Unfall ihrer Zimmergefährtin Izzy mitansehen…

„Die Routinen“ ist der Debütroman von Son Lewandowski.

Erzählt wird die Geschichte in fünf Teilen vorwiegend, aber nicht nur in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Amik. Dabei wechseln sich ein Gegenwarts- und ein Vergangenheitsstrang ab. Zudem sind in das Erzählmosaik mehrere Kapitel eingeflochten, die sich mit historischen Turnpersönlichkeiten beschäftigen. Auf diese Weise umspannt die Handlung die Jahre 1968 bis 2023 und spielt an verschiedenen Orten wie beispielsweise Berlin und Antalya.

Die fiktive Protagonistin mit dem Spitznamen Amik erscheint austauschbar, nur eine von vielen und daher ohne hervorstechenden Charakterzüge. Ihre Gedanken und Gefühle sind sowohl repräsentativ als auch sehr gut nachzuvollziehen.

Nadia Comăneci, Věra Čáslavská, Olga Korbut, Dominique Moceanu und Simone Biles: All‘ diesen jungen Turnerinnen gelangen in ihrem Sport erstaunliche Kunststücke. Jede von ihnen lieferte eine neue Bestmarke im Kunstturnen und wurde zum Vorbild für nachfolgende Generationen. Ihre realen Autobiografien, die die Autorin sorgfältig recherchiert hat, werden gekonnt mit der fiktiven Geschichte um Amik verknüpft.

Der Roman verdeutlicht nicht nur, zu welchen sportlichen Leistungen die realen Sportlerinnen fähig waren,sondern er deckt vor allem auch ein bedenkliches System im Profisport auf: permanenter Trainingsdrill ohne Rücksicht auf Verluste, beinahe unmenschlicher Leistungsdruck, Ausbeutung noch heranwachsender und abhängiger Schülerinnen, (politische) Instrumentalisierung und Sexismus. Mehr noch: Die Geschichte zeigt umfassenden Missbrauch und Gewalt im professionellen, internationalen Leistungssport auf. So ist der Roman gleichermaßen eine Anklage des Systems als auch ein Plädoyer für mehr Feminismus im Sport.

Auf nur wenig mehr als 260 Seiten hat mich die Geschichte gleichermaßen schockiert und berührt. Obwohl ich durchaus bereits Einblicke bezüglich der Schattenseiten des Leistungssports hatte, habe ich die Lektüre als augenöffnend und aufrüttelnd empfunden.

Auch in sprachlicher Hinsicht ist der Roman überragend. Der Text ist wortgewandt, atmosphärisch und eindringlich. Unterlegt mit einer poetischen Note, findet die Autorin immer wieder ungewöhnliche Sprachspiele und -bilder.

Der Titel „Die Routinen“ ist aufgrund der doppelten Bedeutung sehr passend. Er ist einerseits angelehnt an das englische Wort für Turnübungen und verweist andererseits auf die ständig zu wiederholenden Bewegungsabläufe. Auch das Covermotiv mit der unkenntlichen Turnerin auf dem Schwebebalken ist eine vorzügliche Wahl.

Mein Fazit:
Mit ihrem beeindruckenden Debüt hat mich Son Lewandowski begeistert. „Die Routinen“ ist ein inhaltlich wie sprachlich äußerst gelungener Roman mit Nachhall. Ein Highlight im Lesejahr 2026!
Profile Image for Lucie.
452 reviews6 followers
April 14, 2026
Ein wirklich wichtiges Werk, welches die romantisierte Vorstellung, die von jenen Sportarten verbreitet wird, bricht und stattdessen die unschöne Realität darstellt, die von Essstörungen, (sexualisierter) Gewalt, Traumata und vielen weiteren schwierigen Thematiken geprägt ist. Ich mochte die Zeitsprünge und Perspektivwechsel im Werk, die verdeutlicht haben, dass diese negativen Zuschreibungen nicht nur individuelle Erfahrungen, sondern strukturelle Probleme sind. Zudem fand ich es eine sinnvolle Wahl, mit Zitaten von erfolgreichen Turnerinnen zu arbeiten, da man so die wahrhaftigen individuellen Einblicke der Frauen erfahren konnte. Als Kritikpunkt möchte ich dennoch anbringen, dass das Buch trotz seiner Kürze für mich gewisse Längen hatte, was womöglich an der häufigen Wiederholung derselben Thematiken lag, wodurch ich das Werk auch nur in Abschnitten lesen konnte. Trotzdem ein gelungenes und bedeutsames Buch, das ich weiterempfehlen möchte. (Ich bedanke mich zudem bei NetGalley für das Bereitstellen des Buches zum Rezensieren!)
Profile Image for Kre.
31 reviews2 followers
April 16, 2026
Das war wirklich poetisch geschrieben, die Autorin ist gefühlt in Worte eingetaucht und hat sie auf Arten genutzt, die mich fasziniert haben. Außerdem super spannendes Thema, die Schattenseiten des Leistungssport, aber vor allem zwischen den Zeilen und in den Wunden der jungen Sportlerinnen erzählt, mit vielen Rückbezügen auf vorherige Stellen, es war wie ein langes Gedicht & ich hab’s geliebt. Fand die Stellen zwischendurch auch toll, in denen tatsächliche Ereignisse/Biografien von Leistungsturnerinnen erzählt wurden.
Verstehe aber wenn das Buch jemandem zu wenig Plot ist.

Also love love love the cover!
Profile Image for em.
446 reviews
March 14, 2026
„Wir sind eine wahre Begebenheit und das ist einer unserer Erzähler, der uns zu einem zarten Mythos macht, der alles Staunen in uns steckt, bis ein Stöhnen herauskommt. Aufregend sein, schon als Kind. Ein Talent sein, als wäre die Leistung unser Wesen und der Erfolg nur eine logische Konsequenz. Und niemand zählt, wie viele Stunden in der Woche wir trainieren, weil wir Sensationen sind. Ein Erzählen, das nur gafft.“
Profile Image for Sophie Kuhn.
75 reviews4 followers
March 22, 2026
Puuuuuuh!! Das war kaum auszuhalten? Leistungssport, sexueller übergriff, konkurrenz, ehrgeiz, genommene kindheit - ich musste echt pausen einlegen zwischendurch. Aber sehr gut recherchiert, toll mitgenommen auf eine reise in die zerissenheit der protagonistin, fands super wenn auch super heftig!
Profile Image for Antonia Simon.
68 reviews47 followers
May 21, 2026
Sprachlich schön aber das Thema war nach 80 Seiten erzählt und dreht sich ab da nur noch im Kreis
Profile Image for Berit.
5 reviews5 followers
April 8, 2026
Son Lewandowski erzählt in ihrem Roman die Geschichten und Schicksale von Frauen und Mädchen im Leistungsturnen. Mit einer Wortgewalt und guter Recherche klärt sie über Missbrauch, Druck und Zwang auf. Dabei schreibt sie so poetisch, dass ich komplett vom Buch gefesselt war. Große Empfehlung!
Profile Image for Carla.
1,098 reviews143 followers
April 30, 2026
„Druck erzeugt Diamanten, hatte unser Trainer immer gesagt, wenn sich mein Körper so schwer anfühlte, dass er nur noch in Tränen ausbrechen konnte.“ (S. 69)
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Protagonistin Amik, Turnerin und mit Leistungsdruck großgeworden, schildert in diesem Roman wie eine stille Beobachterin, wie es hinter den Szenen von Olympia und anderen Wettkämpfen im Turn-Milieu wirklich aussieht. Dabei ist es beinahe egal, von welchem Ort sie berichtet, die Erfahrungen der Turnerinnen sind ähnlich: Machtmissbrauch, Drillerfahrungen, psychischer und sexueller Missbrauch, ständige Grenzüberschreitungen ...
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Die (grausamen) Routinen, die Leiden im Leistungsturnen, scheinen endlos zu sein. Doch was wird aus den kleinen Mädchen in diesen Gefilden, wie werden sie zu Frauen, wenn sie mit 16/17/18 Jahren schon als „zu alt“ für den Sport gelten?
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Erzählt wird fragmentarisch, in mehreren Ebenen. In der „Gegenwart“ beobachtet Amik den Sturz einer Freundin bei einem Wettkampf, in einer anderen erinnert sie sich an ihre gemeinsamen Erfahrungen und in einer weiteren Ebene werden reale Fakten aus der Turnwelt platziert (die fand ich super!). Stilistisch konnte ich all das nachvollziehen, aber durch das Fragmentarische, auch im Schreibstil, konnte ich kaum Lesefluss aufbauen, was mich ein wenig frustriert hat. Ich wollte so gerne, dass es ein Highlight wird.
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Thematisch hat mich das Buch aber sehr angesprochen. Ich habe natürlich von Simone Biles und dem Missbrauch-Skandal bei den US-amerikanischen Turnerinnen gehört (und die Netflix-Dokus geschaut).
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In „die Routinen“ wird eine Realität erzählt, die schwer zu ertragen ist. Es ist so ein wichtiges Buch, weil es ein System hinterfragt und kritisiert, das schon lange hätte überarbeitet werden müssen!
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Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
4/5 ⭐️

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Rezensionsexemplar I Vielen Dank, lieber @klettcottaverlag ! ❤️
Profile Image for Dunja Brala.
684 reviews62 followers
April 14, 2026
In meiner Heimatstadt gibt es eine Turn-Talentschule. Schon die Kindergärten werden angeschrieben mit der Bitte, den Eltern doch das Programm transparent zu machen und vielleicht ihr Kind für dieses Hobby zu empfehlen. Ich hab mich bisher immer geweigert dafür her zu halten. Nach der Lektüre dieses Romans, fühle ich mich darin bestärkt!

Armik ist in der Welt des Leistungsturnens zu Hause. Ihre glorreiche Zeit ist vorbei, oder war sie jemals da? Nach einem Unfall des Nachwuchstalents Izzy, sitzt sie an deren Krankenbett in Antalya. Ihren Gedanken nachhängend erfahren wir, dass die beiden sich angefreundet haben, eine geschwisterliche Nähe ihnen das gegeben hat, was ihnen in der Welt des Leistungssports fehlt. Denn hier zählt nicht die Umarmung, hier zählt die perfekte Ausführung der Routine - die Abfolge der einzelnen Bewegungen, die sie an den verschiedenen Geräten durchführen. Schweiß, Blut und Tränen pflastern den Weg zum Wettkampf. Der Stufenbarren macht die Hände so wund, dass die Haut in Fetzen herab hängt. Der Schwebebalken birgt das große Risiko, sich Kopf und Schulter zu zertrümmern. Und über allem steht der Hunger. Ein Gummibärchen wird auf zwei Tage verteilt. Gewogen wird jeden Tag mehrfach und wenn man ein paar Gramm zu viel hat, drohen drakonische Strafen. doch um den Sieg zu erringen sind die „Mädchen“ zu Vielem bereit.
„Sich die Scham aufreißen. Auf einem Treppchen stehen. Sich die Schulter auskugeln. Einen Pokal halten. Die Gelenke zerdehnt, der Rücken zersprungen, die Hände zerrissen und nirgendwo Zorn. Den Pokal kurz in die Höhe halten, bis die handstandtauben Händen in den Rücken fallen.“
Nicht selten ist der Ehrgeiz der Eltern das, was den Kindern die Jugend nimmt. Irgendwo im Buch wird erwähnt, weil sie ein „Wunsch“ sind - kein Kind. Ein starker Satz der mich wütend macht. Hier darf kein Mädchen ein Kind sein.

Durchwebt ist die Geschichte mit Segmenten aus Biografien berühmter Turnerinnen: Dominique Moceanu, Elena Mukhina, Nadia Comaneci, Gabby Douglas und Simone Biles um nur einige zu nennen – und jede hat ihre besonderen Erfahrungen gemacht. Immer wieder taucht Ein Name auf: Bela Karolyi, der Ungar, der die rumänische Mädchen trainierte und nach Amerika immigrierte, um dort auf einer Farm eines der größten Leistungzentren der Welt aufzubauen. Der größte Missbrauchsskandal der Sportgeschichte fand ebenfalls dort statt!

Man könnte meinen das in diesem Roman die Grenze zum Sachbuch oft verschwimmt, wenn da nicht die literarische Sprache wäre. Son Lewandowski hat es geschafft, die Sachbezüge trennscharf zu halten und sie trotzdem stilistisch ins literarische zu tragen. Die Anekdoten, Dramen und Unfälle der realen Personen spiegeln sich in den fiktiven Protagonistinnen.

Ich war wie gefesselt von der Kraft dieses Textes. Lange nicht mehr bin ich in ein so ausgiebiges Rabbithole gefallen. Ein paar Abende mit Videos der einzelnen Sportlerinnen haben in mir Erinnerungen geweckt an eine Zeit, in der das Alter der Turnerinnen immer jünger wurde und ich das regelmäßig geschaut habe. Jetzt erst ist mir klar geworden, welche Bedeutung die ernsten Gesichter, die zum Gruß erhobene Hand und die Verletzungen für die einzelnen Mädchen hatte. Die Entwicklung dieses Sports in den letzten 40 Jahren ist ebenfalls gut nach zu fühlen.

Textlich ist die Lektüre sicher kein Pageturner. Ihre ganze Kraft entwickeln einzelne Passagen aber erst, wenn man sie sich laut vorliest. Mir wurde dabei ein ums andere Mal bewusst, wie lyrisch Lewandowski diesen Roman arrangiert hat.

Es ist gut, dass in diesem Sport vieles verboten wurde, die Punktzahl für einzelne Elemente herabgesetzt wurde, so dass ich die Ausführung kaum noch lohnt, und nicht nur die MeeTo Kampagne offenlegt wie unmenschlich zu Höchstleistungen angetrieben wird.

Eine große Leseempfehlung spreche ich für dieses interessante, literarische und außergewöhnliche Buch aus, das mich die Welt hat vergessen lassen. Wenn ihr in einen besonderen Text mit einem nicht alltäglichen Thema fallen möchtet, dann versucht es mal mit diesem Buch.
Profile Image for Seitenmusik.
443 reviews26 followers
February 20, 2026
Mit „Die Routinen“ (Klett-Cotta, 272 Seiten, ET 17.01.2026) legt Son Lewandowski, die 2023 u. a. zum Klagenfurter Literaturkurs eingeladen war und mit diesem ihrem Debüt für den lit.cologne-Debütpreis nominiert ist, einen ebenso poetischen wie schonungslosen Roman über das Leistungsturnen vor. Erzählt wird aus einem kollektiven „Wir“, aus dem sich allmählich das „Ich“ der Turnerin Amik herauslöst, eine Emanzipationsgeschichte in einem System, das Individualität systematisch schleift.

Meine Meinung

Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut. Hochleistungssport, feministische Perspektive, Systemkritik? Genau mein Thema. Und trotzdem: Ich habe wirklich gebraucht, um hineinzufinden. Aber von vorne:
Schon recht früh während des Lesens wird klar, dass nicht der Wettkampf an sich im Zentrum steht, sondern die Struktur dahinter: „Routine ist eine Erinnerung ohne Gefühl.“ (S. 93) Dieser Satz gibt schon einen ersten Hinweis auf die Titelwahl. Lewandowski schreibt in einer bildmächtigen, fast lyrischen Sprache, die sich immer wieder mit dokumentarischen Einschüben verschränkt. Reale Turnerinnen wie Nadia Comăneci, Olga Korbut oder Simone Biles werden zu Spiegeln eines Systems, das Kinderkörper formt, verbraucht und vermarktet. Am besten fasst das wohl dieses Zitat zusammen: "Eine Kindheit verpassen wie einen Termin.“ (S. 136) Der hohe Preis von Ruhm wird sehr klar benannt.

Die Waage am Halleneingang wird zum Symbol: „Ich stieg auf die Waage, ohne zu wissen, dass ich nie wieder aus ihr herausfinden würde“ (S. 58). Essstörungen, Pubertät, Menstruation, sexualisierte Gewalt, rassistische Schönheitsnormen: die Autorin benennt all das, ohne je ins Sensationelle zu kippen. Bezeichnend fand ich die Passagen über Medialisierung und Kommerzialisierung: „Wenn wir gewinnen, sind wir das Land, der Verein, der Werbevertrag … Wenn wir verlieren, fahren wir nach Hause und beginnen von vorn.“ (S. 106) Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, was für ein Druck das für die Athlet:innen bedeutet.

Formal ist das Buch fordernd. Chronologie wird aufgebrochen, Zeiten verschieben sich, das „Wir“ spricht mal historisch, mal gegenwärtig. Ich war stellenweise irritiert, musste nochmal zurückblättern und Passagen nochmal lesen. Was am Ende bei mir aber bleibt, ist wieder einmal Wut auf ein System, das Menschen nicht ausreichend schützt und Bewunderung für die (real existierenden) Frauen, die viel erlebt und überlebt haben, ohne in der Opferrolle zu verharren. Denn wie wir alle wissen: Die Scham muss die Seiten wechseln.

Fazit
„Die Routinen“ ist definitiv kein leichter Roman, aber ein notwendiger. Für alle, die sich für Körperpolitik, feministische Gegenwartsliteratur und die Schattenseiten des Spitzensports interessieren. Weniger geeignet für Leser:innen, die eine klassische, chronologisch erzählte Sportgeschichte erwarten. Vielen Dank an der Stelle an netgalley.de und den Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar.
9 reviews
May 6, 2026
Ich bin ein wenig unschlüssig in Bezug auf die Bewertung. Mich hat das Thema gereizt, und das Konzept, eine fiktionale Geschichte mit den Geschichten von realen Turnerinnen wie Nadia Comăneci oder Simone Biles zu verbinden, fand ich interessant. Auch sprachlich enthält der Roman einige ganz tolle Sätze, die zum Nachdenken anregen. Die Sprache hat einen ganz eigenen Rhythmus, der manchmal dem einer Kunstturn-Kür nicht unähnlich ist, was ich einen tollen Kniff fand.
Über weite Strecken hinweg fand ich den Stil aber zu gewollt. Viele der sprachlichen Bilder fand ich unglücklich und es kam immer wieder vor, dass ich mehrere Seiten gelesen habe, ohne zu verstehen, wovon genau die Rede ist. Sehr ambitioniert, sehr abgehoben. Auch die Story um Amik und Lizzy hat mich überhaupt nicht gepackt. Man erfuhr eigentlich nichts über sie, was nicht mit dem Turnen zu tun hatte - sicher beabsichtigt ("Automatenmädchen"), aber wenn mir die Personen nicht in irgendeiner Weise nahekommen, kann mich eine Geschichte nicht packen.
Am interessantesten fand ich mit Abstand die Passagen über die wirklichen Turnerinnen - einige von ihnen habe ich dann auch im Internet recherchiert, weil ich mehr über sie erfahren wollte. Dazu laden auch die Buch- und Filmtipps im Quellenverzeichnis am Ende des Romans ein. Insgesamt nicht schlecht, aber ich glaube, eine Biographie einer der Turnerinnen oder ein Sachbuch über missbräuchliche Strukturen im Leistungssport wäre letzten Endes interessanter für mich gewesen.
Profile Image for Filipines Buchclub.
92 reviews1 follower
April 7, 2026
„Routinen“ taucht ein in die harte Welt des Kunstturnens und beleuchtet die Herausforderungen und Opfer, die Sportlerinnen bringen müssen. Die Protagonistin, Amik, beginnt schon in jungen Jahren mit dem Turnen und wird von einem strengen Trainer angetrieben, sich täglich zu wiegen, an ihre Grenzen zu gehen und trotz Schmerzen und Erschöpfung weiterzumachen. Nach jedem Sturz heißt es: wieder aufstehen und weitermachen. Doch mit dem Einsetzen der Pubertät, dem Breiterwerden des Beckens und der Ansammlung von Fett wird der Druck noch größer.

Zusätzlich zu den körperlichen Anforderungen werden den Sportlerinnen, insbesondere in den Ostblockstaaten, enorme diplomatische Erwartungen auferlegt. Diese Belastungen werden durch die schreckliche Realität sexueller Übergriffe noch verstärkt, die oft zu spät ans Licht kommen und unter denen die Sportlerinnen leiden, ohne sich trauen zu können, etwas zu sagen.

„Routinen“ bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Welt des Leistungssportes und untermauert die Erzählung mit zahlreichen Zitaten von berühmten Kunstturnerinnen wie Nadia Comaneci, Simon Biles und Olga Korbut.

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, fand es aber stellenweise etwas zu ausführlich. Trotzdem kann ich es allen Sportinteressierten wärmstens empfehlen.
Profile Image for Marianne.
18 reviews
April 20, 2026
3 Sterne, bin noch unschlüssig.

Das Buch befasst sich mit einem wichtigen Thema - wie Leistungsturnen auf einem jahrelangen System der Unterdrückung auf Kosten der Athletinnen aufbaut. Mir hat gefallen, wie das Buch dieses System der Unterdrückung hinterfragt und kritisiert. Es hat sehr wichtige und starke Bausteine integriert (literarisch & inhaltliche).

Leider fand ich den Schreibstil etwas verwirrend - Amiks Geschichte verflochten mit der ihrer jüngeren Teamkollegin und der Geschichte der int. bekannten Tournerinnen. Erst am Schluss konnte ich einen roten Faden in der Handlung klarer erkennen. Schade. Das Leseerlebnis war deshalb insgesamt sehr zäh.
Profile Image for Yasemen.
29 reviews
April 11, 2026
Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie groß der Druck im Sport bereits vor der Persönlichkeitsentwicklung ist, wie intensiv der Wettbewerb ist und wie fragil Beziehungen in diesem Umfeld sein können. Besonders prägnant sind die Thematisierung von Missbrauchsskandalen sowie die Bewertung von Sportlerinnen anhand ihres Aussehens.

Zudem regt das Buch dazu an, die ständige Forderung nach maximaler Leistung zu hinterfragen, und macht deutlich, dass das Streben nach Verbesserung nie endet. Allerdings wirken die häufigen Wiederholungen stellenweise etwas langweilig.
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Profile Image for Leonie.
199 reviews7 followers
January 20, 2026
“Wenn wir gewinnen, sind wir das Land, der Verein, der Werbevertrag, sind die Cornflakes-Verpackung, das adidas-Outfit, Reebok und Hersheys, der nächste Mythos, kurz und trivial.
Wenn wir verlieren, fahren wir nach Hause und beginnen von vorn.”
Profile Image for Ursula.
47 reviews
February 15, 2026
"Wir werden gelockt, wir werden entführt, werden manipuliert und sediert. Wie viel ist ein Mädchen wert? Wie viel ist eine Frau wert?"

Ein Roman, der nachhallt. Die Literarisierung eines frauenverachtenden Systems, das auf Manipulation, Druck und Missbrauch basiert.

Herausragend.
Profile Image for Anna.
12 reviews
May 12, 2026
Sehr gutes Buch über Macht und Missbrauch in der Turnerinnen- Szene. Mir hat besonders gefallen, dass es mit Fakten und realen Personen gespickt war.
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