Mary Shelley auf der Suche nach den Geistern ihrer Vergangenheit
Italien 1822. Mary Shelley, Autorin von Frankenstein, trauert um ihren Mann, der im Golf von La Spezia ertrank. Aber war es wirklich nur ein Unglück, oder steckt mehr dahinter? Die exzentrische Ermittlerin Pat hat den Auftrag, die Umstände seines Todes aufzuklären. Mithilfe fantastischer Technologie führt sie Mary zu den Schauplätzen ihrer Vergangenheit zurück. Gemeinsam stellen sie sich den Geistern von La Spezia ...
Die berühmt-berüchtigte Autorin Mary Shelley ist im Winter 1822 im italienischen Exil gestrandet. Ihr Mann, der Dichter Percy Bysshe Shelley, ertrank bei einem Segelunglück. Doch gibt es Zweifel, ob bei seinem Tod alles mit rechten Dingen Schon länger wurde er von Geistern und Visionen heimgesucht. Welche fantastischen Kräfte wurden ihm aber zum Verhängnis? Mittels der visionären Kunst der Erinnerungsreise führt die waghalsige Spezialagentin Pat Colombari Mary Shelley zurück zum Golf von La Spezia, wo die Gesetze von Zeit und Raum ihre Gültigkeit verloren haben. Sie lernt den skandalumwitterten Lord Byron kennen, dessen Keller ein dunkles Geheimnis birgt. Und sie wird Zeugin unerklärlicher Geschehnisse, die ihren Anfang in jener stürmischen Nacht am Genfer See nahmen, in denen die Shelleys sich mit Mächten jenseits ihrer Welt einließen.
Oliver Plaschka (born 1975 in Speyer) is a German science fiction and fantasy author who also works as a translator.
Publications in chronological order: "Fairwater" (2007, new edition 2018), "Der Kristallpalast" (2010, new edition 2018), "Die Magier von Montparnasse" (2010), "Das Licht hinter den Wolken" (2013), "Das öde Land" (short stories, 2015), "Marco Polo" (2016) and "Der Wächter der Winde" (2019).
Einer der bekanntesten Romane der Welt dürfte wohl Mary Shelleys „Frankenstein“ sein. Doch wie so oft kennt man die Romane, aber selten das Leben der Autor*innen dahinter. Shelleys Ehemann verunglückte in jungen Jahren auf dem Meer und Autor Plaschka wandelt dieses Schicksal in einen historischen Roman mit Fantasy-Elementen.
Der Anfang hat mich direkt in den Bann gezogen. In die Gedanken fremder Menschen eintauchen, ihre Leben leben. Sicherlich eine faszinierende Angelegenheit, die ich gerne mal erleben würde.
Doch so schnell mich das Buch in seinen Bann zog, so schnell verlor es mich leider auch wieder. Gerade am Anfang wurden viele Namen in die Geschichte gebracht, die alle einen ähnlichen Klang hatten und manche davon mit zusätzlichen Spitznamen daherkamen. Dies ist Historie und nicht die Schuld des Autors, hinderte mich jedoch im Lesefluss.
Für die Geschichte war es zum einen wichtig, dass die Beziehungen der Shelleys detailliert dargestellt wurden, zum anderen, dass der zeitliche Verlauf rückwirkend spielt. Die Gedankenreisende begibt sich Stück für Stück in der Geschichte zurück, sodass man Puzzleteil für Puzzleteil erhält, aber auch alles rückwirkend verstehen und zusammensetzen muss. Dabei hatten die Beziehungsparts oft Längen, die ich nicht immer einordnen konnte.
Das Buch war in mehrere Teile unterteilt und erst gegen Ende kam ein kompletter Teil aus einer neuen Perspektive, die sich komplett flüssig lesen ließ. So hätte ich es mir gerne gewünscht.
Sobald ich verstand, worauf der Autor abzielt, war auch das Ende des Buches schnell absehbar, welches dann auch zügig kam. Somit war das Buch für mich gefühlt eher 300 statt 400 Seiten lang. Gute 40 Seiten widmete der Autor dem Abspann, um einzelne Schicksale abzuschließen und Fäden zusammenzuführen. Dabei habe ich am Ende bereits nicht mehr alle Charaktere auf dem Schirm gehabt und hätte von den Infos wohl nur die Hälfte gebraucht. Dementsprechend habe ich leider stellenweise überflogen.
Abschließend eine herausragende Recherche mit interessanter fantastischer Interpretation, die leider in der Umsetzung nicht gänzlich überzeugen konnte.
Nach dem neugierig machenden Prolog hatte ich mich auf eine mystische Fantasy Geschichte gefreut, die nur langsam ihre Geheimnisse offenbart. Leider kam ich überhaupt nicht in die Geschichte rein. Die ProtagonistInnen sind von historisch wahren Persönlichkeiten inspiriert und viele der Geschehnisse sind nach wahren Begebenheiten. Man wurde direkt am Anfang mit so vielen Figuren auf einmal konfrontiert, dass ich auch nach über 100 Seiten immer noch nicht wusste wer wer ist. Ich denke der Autor wollte die Geschehnisse möglichst historisch korrekt schildern. Allerdings kam ich als Person, die die Historie und die historischen Persönlichkeiten nicht kennt, ohne entsprechende Einleitung überhaupt nicht in die Geschichte rein. Auch der Fantasy Aspekt wird verwirrend geschildert und bis zum Ende habe ich nicht ganz verstanden, wie die übersinnlichen Mitteln nun funktionieren. Ich bin es als Fantasy Leserin gewohnt nicht direkt in eine neue Welt finden zu können oder dass am Ende noch Fäden offen sind. Allerdings konnte ich in diese Geschichte bis zum Ende nicht richtig reinfinden. Mir fehlte der gewohnte Moment, wo man in eine Geschichte endlich richtig eintaucht. Dieses Buch lässt mich leider nur verwirrt zurück und ich habe nicht das Gefühl die Figuren richtig kennengelernt zu haben.
Der Roman greift historische Biografien auf und stellt sie in einen neuen Kontext. Ein gewisses Interesse am 19. Jahrhundert und der Literatur dieser Zeit bzw. den berühmten Erschaffer*innen ist sicher ein Vorteil. Ein ungewöhnlicher und gut gemachter Text.
Schreibstil:
Auch in diesem Buch ist der Schreibstil des Autors poetisch, klangvoll und bildhaft. Ich lese selten Texte, die auf diesem Niveau geschrieben sind. Großes Lob.
5 Sterne
Charaktere:
Die Charaktere waren glaubhaft, ambivalent und interessant. Es sind nicht die Art von moralisch grauen Figuren, die ich sonst gerne lese, aber sie sind auf ihre Art und Weise interessant – auch, wenn man im Hinterkopf hat, das sie auf realen historischen Persönlichkeiten basieren.
4,5 Sterne
Handlung und Struktur:
Das Buch war zu keinem Zeitpunkt langweilig – aber es war auch kein Pageturner. Das lag daran, dass am Anfang für mich nicht ganz klar war, was eigentlich der zentrale Konflikt ist. Eine bestimmte Auflösung war, wenn man etwas Hintergrundwissen hat, natürlich erwartbar. Gut gemacht fand ich, dass nicht immer chronologisch erzählt wird und verschiedene Ebenen verflochten werden. Dadurch bleibt die Handlung dynamisch. Etwas schwierig war das Auftreten von vielen Nebenfiguren. Da kam es bei mir zu leichten Verwirrungen, die etwas bremsend wirkten.
4 Sterne
Tiefgang:
Der Roman stellt Fragen über menschliche Beweggründe und auch über die moralische Bewertung verschiedener Handlungen – ohne dabei aber die Moralkeule zu schwingen. Die Leser*innen dürfen sich hier ruhig selbst ein Urteil bilden.
Gut dargestellt ist auch das Leid, das Frauen erfahren. Man lernt sie hier nicht als vollkommen diskriminierte Geschöpfe kennen, aber die Grenzen ihrer Freiheit werden immer wieder sichtbar, dazu die körperlichen Beeinträchtigungen durch Schwangerschaft und die emotionalen Folgen von Fehlgeburten und Kindstoden.
Die historischen Hintergründe wirken gut recherchiert und an vielen Stellen offenbart sich eine fundierte Kenntnis über das 19. Jahrhundert.
Zusammenfassend: Ein sehr gelungenes Konzept, das zum Nachdenken anregt.
5 Sterne
Worldbuilding:
Das Setting Italien ist atmosphärisch umgesetzt. Dabei werden verschiedene Schauplätze abgeklappert: vom titelgebenden La Spezia bis nach Florenz, Genua und Venedig (und mehr).
5 Sterne
Natürlich geht es in diesem Buch nicht umsonst um Mary Shelley, der Autorin von "Frankenstein". Das heißt aber nicht, dass sie tatsächlich die Hauptfigur wäre. Diese ist die fiktive Pat, aus deren Sicht wir Mary und die Persönlichkeiten aus ihrem Umfeld kennenlernen. Neben erwartbarer Verwicklungen spielt das Buch mit einer Art, ich nenne es jetzt mal "Magiekonzept", das an das Träumebereisen aus "Inception" erinnert. Das verleiht eine angenehme Komplexität.
Das Buch eignet sich für alle, die Interesse an Geschichte haben, Komplexität nicht scheuen, poetische Sprache zu schätzen wissen. Wer einen rasanten Pageturner zum Wegsuchten sucht, ist hier falsch. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
“Wir tragen eine ganze Welt in uns herum! Und diese Welt kann man bereisen - wenn man weiß, wie. Letztlich ist eine Kunst wie jede andere.” (Die Geister von La Spezia, S. 31)
Die englischen Romantiker haben mich schon während meines Studiums der Englischen Literaturwissenschaft sehr interessiert und deswegen war es keine Frage, dass ich “Die Geister von La Spezia” lesen wollen würde. Das Cover ist ganz in der Tradition der damaligen Schauerromane gestaltet, also mystisch angehaucht, mit den typisch nebulösen Rückenfiguren a la Caspar David Friedrich. Auch der Titel lässt vermuten, dass es hier um das Übernatürliche und Irrationale geht, mit dem sich die Romantiker des 19. Jahrhunderts ausführlich beschäftigt haben.
Im Roman geht es darum, dass die trauernde Witwe Mary Shelley im Italien des Jahres 1822 auf Pat Colombari trifft, eine Privatermittlerin, die vom Vater des verstorbenen Percy Bysshe Shelley beauftragt wurde, den frühen Tod seines Sohnes bei einem Segelunfall im Golf von La Spezia aufzuklären. Pat kann auf eine übersinnliche und doch gleichzeitig wissenschaftliche Art und Weise mittels Elektroden und Galvanismus auf die Erinnerungen von Mary zugreifen und findet sich somit in Situationen der Vergangenheit wieder, als wäre sie dabei gewesen. Wir lernen also alle kennen, mit denen sich die Shelleys damals umgaben - und natürlich “treffen” wir auch auf den großen Shelley selbst. Und letztlich gibt es ein riesiges Handlungskuddelmuddel mit Segeleskapaden an italienischen Küsten, Schauergeschichten am Genfer See, polyamourösen Affären, Kindern (Triggerwarnung: einige davon sterben), dubiosen Ärzten (Dr. Polidori), “Namensdoppel- und dreifachungen”, Lord Byrons kapriziösem Charakter, Ladanum-Exzessen, Experimenten mit Menschen und auch immer wieder ein bisschen Poesie - Letzteres ist für mich eigentlich das Highlight gewesen.
Ich hab wirklich lange durchgehalten in diesem prosaischen Konglomerat - aber irgendwann bin ich ausgestiegen. Klar, die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten, aber dennoch wurde sie so krude verformt, dass mir das daraus Getöpferte leider gar nicht mehr zugesagt hat. Irgendwann sind sie mir alle nur noch auf die Nerven gegangen: Mary, Byron, Claire, Elise, Pat, Trelawney, Polidori, Williams und selbst Shelley sehe ich jetzt gar nicht mehr mit romantischen Augen aus der Ferne - was für ein nerviger Typ (zumindest durch den Spiegel von Oliver Plaschka). Der Autor ist promovierter Akademiker und droppt hier so viele Fakten in seine Erzählung, dass man am Ende selbst als studierte englische Literaturwissenschaftlerin, der die meisten genannten Personen und Geschehnisse etwas gesagt haben, nur noch lost ist: wer spricht hier, wann passiert das und wer ist jetzt überhaupt gemeint? Ein Glossar und Personenverzeichnis wäre für dieses Buch Pflicht gewesen und hätte bestimmt geholfen, sich durch diesen Erzähldschungel durchzukämpfen.
Ein intellektuelles Kettenkarussell, das sich total verworren hat und ich empfehle nur absoluten Byron-Shelley-Mary-Ultras, hier einzusteigen.
Erinnerungsreisen Der Dichter Percy Bysshe Shelley ertrinkt 1822 bei einem Schiffsunglück. Während seine Witwe, Mary Shelley, die berühmt-berüchtigte Autorin von Frankenstein, um ihn trauert, gibt es Zweifel, ob Shelleys Tod tatsächlich ein Unglück war. Mittels einer Erinnerungsreise soll die Spezialagentin Pat Colombari die Umstände seines Todes aufklären. Mithilfe fantastischer Technologie führt sie Mary in die Vergangenheit zurück, lernt Lord Byron und dessen geheimnisvollen Keller kennen, und wird Zeugin unerklärlicher Geschehnisse. Das Cover zeigt eine stürmische Nacht am Meer, mit beleuchteter Villa, einem Segelschiff in der tobenden See und zwei Gestalten, die aufs Wasser schauen. In dunklen Farben gehalten spiegelt das Bild die düstere und geheimnisvolle Stimmung der Geschichte wider. Am Anfang des Buchs ist eine Landkarte des ligurischen Küstenabschnitts abgebildet, in dem Shelley verunglückte. Im Nachwort gibt der Autor zahlreiche Literaturhinweise, die auf die gründliche Recherche zu diesem Roman hinweisen. Das Buch besteht aus fünf Teilen, die wiederum in Kapitel unterteilt sind. Plaschka lässt durch seine bildhafte Sprache die Orte und auch die Atmosphäre vor den Augen der Leser entstehen; historische Fakten mischt er mit übernatürlichen Geschehnissen. Die Charaktere sind authentisch dargestellt. Detektivin Patricia Colombari begibt sich mittels Mnemoskopie in die Gedanken von Mary Shelley und erlebt auf diese Weise wichtige Abschnitte aus deren Leben auch ganz persönlich. Diese Grundidee, die Geschehnisse aus der Erinnerung von Mary Shelley nachvollziehen zu können, gefällt mir sehr gut. Die Realisierung selbst empfinde ich allerdings als nicht ideal. Die Geschichte nur aus Marys Sicht zu erzählen, erschien dem Autor wohl zu einseitig. Daher ermöglichte er Pat, sich innerhalb von Marys Erinnerungen auch in die Gedanken weiterer Personen einzuklinken. Zusätzlich gibt es eine Art weitere eingestreute Handlung, in der Pat mit gleichgesinnten Erinnerungsreisenden in Verbindung tritt. Dieses Konstrukt macht den Roman leider unübersichtlich und kompliziert, denn es gibt zahlreiche zeitliche und geografische Sprünge. Weiters störten mich auch die vielen Dialoge. Deren Inhalte hätte ich mir lieber aus Erzählersicht gewünscht – der Autor wäre auf jeden Fall in der Lage, das Gesprochene auf andere Weise umzusetzen. Erst ziemlich am Ende des Buches hat mir die Geschichte wieder richtig gut gefallen. Die Spannung aus dem Prolog war zurückgekehrt. Ansonsten war die Sicht auf das Leben der britischen Schriftsteller in Italien recht interessant. Die Rückschau auf deren Leben und die eingestreuten Auszüge aus deren literarischen Werken geben einen wirklich guten Einblick in die damalige Zeit.
Die magisch begabte Ermittlerin Pat erhält den Auftrag nach den Umständen des scheinbar bei einem Seeunglück verunfallten Manns der bekannten Autorin Mary Shelley zu recherchieren. Warum soll Percy so besessen von der See gewesen sein, obwohl er gar nicht schwimmen konnte? Pat versucht die Fragezeichen um den rätselhaften Tod zu lüften, indem sie mit den Menschen aus dem näheren Umfeld gemeinsam in die Vergangenheit abtaucht und so zur Zeugin der damaligen Geschehnisse wird. Dabei stößt sie auf interessante Details, die nach und nach Licht ins Dunkel bringen...
Das aus meiner Sicht sehr gelungene Cover hat meine Aufmerksamkeit geweckt und der verheißungsvolle Klappentext ließ mich gespannt in das fantastische Abenteuer vom deutschen Autor Oliver Plaschka starten. Er erzählt die Geschichte in einem literarisch ansprechenden Schreibstil, der mir mit vielen Bildern seine spezielle Welt lebendig vor Augen führt. Probleme hatte ich allerdings zunächst mit den vielen Protagonisten und deren Verbindungen. Die zusätzlichen Zeitsprünge machten es mir nicht einfacher dem Geschehen zu folgen, so dass gerade zu Anfang ein gewisses Durchhaltevermögen gefragt war, das Buch nicht zur Seite zu legen. Die Charaktere wurden im Verlauf vertrauter, aber die eher ruhig verlaufenden Ereignisse, wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, ließen bei mir nie so richtig die Funken überspringen. So konnte mich die sicherlich clever inszenierte Story bis zum Finale nie so richtig packen und das große Lesevergnügen blieb aus.
Insgesamt kann "Die Geister von La Spezia" sicherlich mit dem Erzählstil von Oliver Plaschka als wertvoll betrachtet werden, aber ich hatte mir einen fesselnderen Verlauf erhofft. Es handelt sich sicherlich nicht um einen schlechten Fantasy-Roman, nur kann ich ihn aufgrund meiner Leseerfahrung nicht wirklich weiterempfehlen und bewerte ihn daher mit drei von fünf Sternen.
Das Cover von Die Geister von La Spezia hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die dunklen, geheimnisvollen Farben, das Boot im Hintergrund – schon beim ersten Blick spürt man die melancholische, leicht düstere Stimmung, die sich durch das ganze Buch zieht.
Oliver Plaschka entführt in das Italien des Jahres 1822, direkt in Mary Shelleys Welt voller Trauer, Erinnerungen und unaufgelöster Geheimnisse. Ich habe beim Lesen sofort mit Mary mitgefühlt. Ihre Trauer um Percy Bysshe Shelley ist greifbar, und die Momente, in denen Pat Colombari sie durch Erinnerungen führt, fühlten sich fast magisch an. Ich konnte die italienischen Küsten, die stürmische See und die dunklen Paläste so lebendig vor mir sehen, dass ich oft das Gefühl hatte, selbst dort zu stehen.
Besonders die Begegnungen mit Lord Byron und den anderen Zeitgenossen haben mich überrascht und fasziniert. Sie wirken lebendig, manchmal chaotisch, und spiegeln die Intensität dieser Zeit wider. Auch die subtilen übernatürlichen Elemente sind geschickt eingewoben – sie lassen das Historische auf geheimnisvolle Weise noch lebendiger erscheinen.
Auch wenn der Mittelteil etwas ruhiger ist, lohnt sich die Reise durch diese geheimnisvolle Geschichte. Ich habe das Buch mit wachsender Neugier gelesen, oft innegehalten, um Szenen nachklingen zu lassen, und wurde immer wieder von der Bildkraft und Atmosphäre des Romans gefesselt.
Wer historische Settings liebt, aber auch Lust auf Mystery, Fantasie und etwas Unheimliches hat, wird hier ein stimmungsvolles, überraschendes Leseerlebnis finden.
Die Geister von La Spezia ist eine sehr gelungene Geschichte von Autor Oliver Plaschka.
Pat ist auf der Suche nach Antworten. Wie ist Percy Bysshe Shelley wirklich ums Leben gekommen? Was steckt hinter dem Seeunglück? Wie findet man das am besten heraus.. Klar, aus erster Hand, den Erinnerungen der beteiligten Menschen. Manchmal muss man dafür jedoch tiefer rein, als es gut ist. Und am Ende? Steht vielleicht die Inspiration für einen der größten Romane, den wir bis heute noch lesen: Frankenstein.
Anfangs leicht skeptisch, haben mich das Cover und die Erwähnung Mary Shelleys auf Buchrücken dennoch überzeugt, dem Buch eine Chance zu geben. Auch verlegt Klett-Cotta für gewöhnlich immer Interessantes. Am Ende war ich sehr froh. Die Geister von La Spezia ist eine durchaus unterhaltsame und kurzweilige, dennoch vordernde Geschichte mit hostorischen Einblicken, phantastischen Elementen und interessanten Charakteren. Was ich besonders mochte, war dass der Leser nicht bei allem an die Hand genommen wurde, wie es oft bei anderen Romanen der Fall ist. Ein Satz in einer anderen Sprache? Kriegen wir schon hin, muss nicht immer alles wortwörtlich übersetzt werden. Komplexere, Inception-like Handlungsstränge? Machbar, wenn man sich drauf einlässt. Braucht man für alles jederzeit und sofort eine Erklärung? Nein, einfach mal wirken lassen, selber nachdenken und sich als Lesende Person fordern lassen.
Für mich durchaus gelungen und empfehlenswert für Menschen, die Spaß an solcherlei Geschichten haben oder sich einfach mal auf etwas Neues einlassen möchten.
1822. Mary Shelley, die berühmte Autorin von Frankenstein, lebt im Exil in Italien. Ihr Mann Percy ist vor kurzem beim Segeln ertrunken und sie trauert, als plötzlich eine exzentrische Person bei ihr auftaucht: Pat Colombari. Pat ist eine Spezialagentin und arbeitet tatsächlich an sehr speziellen Fällen und mit sehr speziellen Methoden. Dazu gehören Erinnerungsreisen, die Mnemoskopie, die sie mit wundersamen technischen Mitteln vollbringt. Dabei reist sie in und mit den Erinnerungen ihrer Klienten in die Zeit zurück, um herauszufinden, was wirklich passiert ist. Dabei lernt Pat nicht nur Lord Byron und dessen Freunde kennen, sondern auch, welche unheimlichen Ereignisse stattgefunden haben.
Ich mochte wirklich sehr die Atmosphäre, die der Autor die meiste Zeit heraufbeschwören konnte. Wie er die wahrscheinlich tatsächlichen Ereignisse am Genfer See mit seinen fantastischen Ausführungen verbindet, gefällt mir gut. Auch Pat selbst mochte ich, obwohl sie mir ein bisschen zu modern vorkam, selbst wenn man bedenkt, dass sie sich durch Mary im Dunstkreis von Lord Byron bewegt hat mit ihren Erinnerungsreisen. Und so sehr ich auch oft eine Art Sog beim Lesen verspürt hatte, so zog sich doch manches, gerade im Mittelteil des Buches, arg dahin, sodass ich nicht immer den unbedingten Willen zum Weiterlesen hatte. Alles in allem ist das Ganze ein guter Abstecher in einen modernen Schauerroman, dem ein paar Kürzungen oder zumindest Straffung gutgetan hätte. 3.5/5 Punkten
Der Einstieg ins Buch ist mir leicht gefallen und ich hatte mich auf eine spannende und fantastische Reise durch die Erinnerungen von Mary Shelley gefreut. Leider war der Mittelteil dann sehr dröge und es schien nicht viel mehr zu passieren, als dass die illustre Gesellschaft rund um Lord Byron inklusive der Shelleys mal hier, mal da in Italien residierte, Phrasen schwang und ansonsten diversen Lastern fröhnte. Pat als Beobachterin war immer dabei, und ab und zu wurde auch die Technik hinter ihrem Eintauchen in die Gedanken der Personen angesprochen, aber so richtig umfassend erklärt wurde es für meinen Geschmack nicht. So blieb das ganze immer etwas vage und geheimnisvoll, abgesehen davon dass ich die vielen Sprünge durch Zeit und Erinnerung sehr unruhig und abrupt fand. Erst gegen Ende, nach ca. 80%, nahm die Handlung dann - endlich - Fahrt auf und es wurde sogar richtig spannend. Zugegebenermaßen habe ich der Einbindung von Mary Shelleys Meisterwerk von Anfang an wohl zu sehr entgegengefiebert, auch wenn diese nicht explizit als Thema genannt wird. Nun ja, wie der Autor schreibt hat er sich an vielen tatsächlichen Begebenheiten orientiert, aber abgesehen von den klangvollen Persönlichkeiten geben die leider nicht allzu viel her. Erst als er seine eigene Fantasie ins Spiel bringt, gelingt es ihm aus der nicht allzu spannenden Vergangenheit eine doch noch faszinierende und düstere Geschichte zu weben, wie ich sie mir für das ganze Buch gewünscht hätte.
Der Einstieg in den Roman ist mir sehr leicht gefallen: Die düstere Atmosphäre, das stürmische Meer und die historische Kulisse rund um Mary Shelley und Lord Byron haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Im Mittelteil hat die Geschichte für mein Empfinden jedoch etwas an Tempo verloren. Viel dreht sich um Reisen, Gespräche und das Leben der damaligen Gesellschaft, was zwar atmosphärisch dicht und gut recherchiert ist, aber stellenweise auch etwas langatmig wirkt. Die vielen Zeitsprünge und Perspektivwechsel sorgen zusätzlich dafür, dass man konzentriert lesen muss, um nicht den Überblick zu verlieren. Erst gegen Ende nimmt die Handlung dann deutlich an Fahrt auf. Hier wird es endlich richtig spannend und auch die fantastischen Elemente treten stärker in den Vordergrund. Gerade dann zeigt sich, wie viel Potenzial in der Verbindung aus historischer Realität und fiktionaler Ausschmückung steckt. Insgesamt ist es ein stilistisch starkes, atmosphärisches Buch mit einer interessanten Idee, das aber etwas Geduld erfordert. Wer sich darauf einlässt, wird mit einer dichten, teils düsteren Geschichte belohnt – auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Spannung früher konsequenter aufgebaut wird.
Percy Shelley, Ehemann der Autorin Mary Shelley, ist bei einem Schiffsunglück ertrunken. Doch an den Umständen seines Todes gibt es Zweifel. Pat soll mithilfe einer Erinnerungsreise herausfinden, was wirklich passiert ist. Doch je tiefer sie in die Erinnerungen von Mary und ihrem Umfeld vordringt, umso mehr Fragen kommen auf.
Der Einstieg in die Geschichte war für mich sehr interessant, zumal mir nicht ganz klar war, wie das Konzept einer Erinnerungsreise funktionieren soll. Die Sichtweise von Mary hat mir gut gefallen. Dann wanderte Pat jedoch plötzlich auch in die Erinnerungen von weiteren Personen, was das ganze Konstrukt jedoch verwirrender und unübersichtlich gemacht hat. Die Spannung hat für mich zum Ende hin deutlich abgenommen. Auch die düstere, mysteriöse Stimmung flachte zum Finale der Handlung ab.
Hier werden historische Ereignisse mit übernatürlichen Geschehnissen vermischt, was eine interessante Kombination ergibt. Der Autor gibt zudem am Endes des Buches Literaturhinweise an. Der Schreibstil ist einfach gehalten und lässt sich flüssig lesen. Manchmal hat mich nur die moderne Ausdrucksweise von Pat gewundert, die nicht immer ganz zum historischen Setting gepasst hat.
Insgesamt ein interessantes historisches Setting, das im Mittelteil beim Lesen doch etwas Geduld und Konzentration erfordert.
Das Buch "Die Geister von La 'Spezia" von Oliver Plaschka ist eine indirekte Biografie, die mich aber ziemlich begeistert hat. Pat soll herausfinden, was mit dem Mann von Mary Shelley geschehen ist. War es ein Unfall? Warum ist das Schiff gesunken? Die Spezialagentin Pat Colombari wurde von Marys Schwiegervater engagiert. Sie möchte also anhand der Erinnerungen in Marys Geist eintauchen und erlebt so die vergangenen Jahre hautnah mit – sogar als Pat selbst. Wir lernen auch Lord Byron kennen, der den Don Juan geschrieben hat. Das Buch liefert viele Fakten über die berühmte Autorin, aber auch einige spekulative Äußerungen. Ich habe mich einigermaßen gut unterhalten gefühlt, wenngleich es teilweise ein wenig irritierend war, aufgrund der vielen Namen. Als Pat zum ersten Mal die Gesellschaft von Mary, Byron und Co. wahrnimmt, wird auch für Othello geprobt. Spannend ist, wie modern Pat gewirkt hat. Alles in allem ist es eine Geschichte, die anders ist, als man zunächst glaubt. Es ist keine typische und trockene Biografie. Das ist schon mal gut. Doch vereinzelt sind die Fäden doch etwas zu locker, was schade ist.
Zwischen salziger Meeresluft und flüsternden Erinnerungen entfaltet sich eine Geschichte, die sich wie ein melancholischer Schleier um das Herz legt. Die Begegnung mit Mary Shelley fühlt sich dabei überraschend nah an, fast so, als würde ihre Trauer leise zwischen den Seiten weiterleben.
Die Verbindung aus historischer Realität und fantastischer Idee hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Diese Reisen durch Erinnerungen wirken wie fragile Fenster in eine zerbrechliche Vergangenheit, voller Sehnsucht, Schmerz und unausgesprochener Fragen. Besonders die düstere Atmosphäre rund um La Spezia bleibt lange spürbar.
Gleichzeitig fordert die Geschichte Aufmerksamkeit. Manche Wendungen wirken bewusst verschachtelt, fast wie ein Labyrinth aus Zeit und Raum. Das hat mich stellenweise kurz aus dem Lesefluss gerissen, aber nie wirklich losgelassen.
Was bleibt, ist ein eindringliches Gefühl von Verlust und der leisen Hoffnung, Antworten in den Schatten der Vergangenheit zu finden. Ein Roman, der nicht nur erzählt, sondern nachhallt.
Eine Prämisse, die zunächst einmal vielversprechend ist. An verschiedenen wohlklingenden Schauplätzen in Italien unter englischen Ikonen wie Byron, den Shelleys und ihrem weiteren Zirkel, die hier ihre großen (viele große!) und kleinen Dramen des Lebens durchmachen. Eine technische Methode um sich den Geschehnissen rückblickend zu nähern, der sich die Erschafferin Frankensteins Mary Shelley einfach nicht entziehen kann in der Wissenschaftsverliebtheit der Zeit. Von der Atmosphäre her war ich sofort dabei und auch am Interesse an der Zeit und Protagonisten hat es bei mir wirklich nicht gehapert, aber es war mir an so mancher Stelle dann doch zu abgedreht und verworren und mindestens 100 Seiten zu lang. Das Buch wird eingeschworene Fantasyfreunde sicher ganz anders abholen, aber für mich wäre es als rein historische Erzählung der Ereignisse definitiv interessanter gewesen.
Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, immerhin ist Mary Shelley ja eigentlich jedem Bücherleser ein Begriff. Sowohl das tolle Cover als auch die Inhaltsangabe beziehungsweise der Klappentext hatten es mir sofort angetan. Leider wurde ich sehr enttäuscht. Die Geschichte hat eine gute Grundlage, Pat möchte mit Hilfe von einer Art Erinnerungsübertragung den Tod von Mary Shelley's Ehemann Percy aufklären. So weit so gut und verständlich. Warum dann aber Pat eine Rolle in der Geschichte bekommt statt nur stiller Teilhaber oder Zuschauer zu sein hat sich mir schon überhaupt nicht erschlossen. Dann gab es so viele handelnde Personen und so viele Verwirrungen und Verwicklungen, dass man buchstäblich den roten Faden verliert. Der Schreibstil ist nicht so mitreissend, dass er das ausgleichen könnte. Zudem recht oft mit Rechtschreibfehlern gespickt.
Was ist Erinnerung, was ist Realität? Und kann man durch Erinnerungen die Realität verändern? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Geschichte Mary Shelley, ihren Mann Percy und Lord Byron. Zusammengehalten wird das Ganze durch Pat Colombari, eine Detektivin und eine Art Zeitreisende durch die Erinnerungen ihrer Klienten. Sie soll im Auftrag seines Vaters die Umstände des Todes von Percy Shelley aufklären. Faszinierende Idee und von Oliver Plaschke auch weitgehend gut und spannend umgesetzt. Ein bisschen weniger Zeitsprünge und ein paar weniger Nebenpersonen hätten dem Buch allerdings gutgetan und es dem Leser leichter gemacht, der Story zu folgen, so ist das manchmal ein bisschen anstrengend. Das tut dem Lesevergnügen aber nur wenig Abbruch, insgesamt eine spannende und interessante Lektüre. Und übrigens: Tolles Cover!