Evas Leben scheint immer kleiner und enger zu werden. Der Traum von einer Karriere als Musikerin zerbrach schon früh, ihre Ehe ist lange vorbei und von ihrer Tochter lebt sie entfremdet. Umso überraschter reagiert ihr Umfeld, als Eva im Schwedenurlaub einer spontanen Eingebung Sie wird dem Weg der Kraniche nach Frankreich folgen, ausgerüstet nur mit Fahrrad und Zelt! Der verrückte Plan wird zum Rettungsanker, die Begegnungen auf ihrer Reise – mit der Natur, mit fremden Menschen – lassen Eva die Welt mit anderen Augen sehen. Doch wird es ihr auch gelingen, sich selbst neu zu begegnen?Einfühlsam und mitreißend erzählt Julia Dibbern über zweite Chancen und neue Möglichkeiten, die uns das Leben unverhofft schenkt.
Eva ist unzufrieden mit ihrem Leben: ihre Tochter Sophie will keinen Kontakt mehr zu ihr, sie hat ihre Arbeit verloren und weiß gerade gar nichts mit sich anzufangen. Als sie zu Besuch bei ihrer Freundin Louise in Schweden ist und einen verletzten Kranich findet, beschließt sie kurzerhand dem Vogel nach dessen Genesung und dank GPS-Tracker mit dem Rad auf der Flugroute nach Frankreich zu folgen. Es ist weniger eine Reise durch Mitteleuropa, sondern mehr die Suche nach sich selbst.
Julia Dibbern ist mit "Zugvögel wie wir" ein schöner, zarter und einnehmender Reiseroman gelungen. Die Protagonistin Eva ist anfänglich etwas anstrengend, so schwarz wie sie alles sieht. Doch im Laufe der Zeit, als sie sich selbst mehr findet, wird sie zufriedener, hat mehr Selbstvertrauen und wächst förmlich über sich hinaus. Besonders schön finde ich Evas Begegnungen mit dem jungen Johan, der sie ein Stück weit begleitet und der ihr so viele neue Perspektiven eröffnet. Auch die Freundschaft mit Louise, mit der sie nach dem Start ihrer Reise täglich telefoniert, ist tief und sehr akzeptierend. Am meisten beeindruckt hat mich aber, wie Eva über sich hinauswächst, immer und immer wieder über ihre Grenzen geht und wenn sie sie überschritten hat, immer mehr Lebensfreude empfindet.
Im Laufe des Buches lernen wir anhand von Rückblicken auch die Vergangenheit Evas kennen. Nach einem schweren Schicksalsschlag ist Eva in jahrelanger Trauer und vernachlässigt dadurch ihre Tochter. Dass diese als Erwachsene die Vernachlässigung erkennt und keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter haben will, ist zwar hart, wohl aber verständlich. Ebenso wird die zerbrochene Ehe Evas thematisiert, die ebenso aufgrund des Schicksalsschlags ein Ende fand. So viel sie auch verloren hat, so viel Altes und Neues kommt in ihr Leben zurück: wunderbare Begegnungen, die Liebe zur Natur und zur Musik und schließlich auch ihre Zuversicht.
Mein Fazit: "Zugvögel wie wir" ist ein schöner und ruhiger Roman über das Wieder-zu-sich-finden, über Entschleunigung und das Über-sich-hinaus-wachsen, der durch wunderbare Naturbeschreibungen und herzerwärmende Begegnungen besticht. Eine klare Leseempfehlung für alle, die mit einer zerrissenen Protagonistin starten möchten, der im Laufe des Buches Flügel wachsen.
Zugvögel wie wir hat grundsätzlich eine sehr interessante Grundstory:
Die Hauptprotagonistin Eva, eine Frau in ihren Fünfzigern, geschieden, die Tochter hat keinen Kontakt mehr zu ihr, entscheidet nach einer Reise zu ihrer besten Freundin, Luise, in Schweden, mit dem Rad loszufahren und einen Kranich, den sie gerettet hat, auf seinem Flug gen Süden zu begleiten. Eva hat große Selbstzweifel und leide darunter, dass ihre Tochter nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Auf ihrer Reise zunächst durch Schweden, dann Deutschland, , Niederlande, Belgien und Frankreich begegnet sie Johann, mit dem sie eine Weile fährt und er einen Film über sie drehen möchte, und macht auch kürzere Begegnungen. Den Kranich zu folgen, gerät aber immer mehr in den Hintergrund, und es scheint eine Reise, Evas zu sich selbst zu sein. Allerdings hat die Autorin in der Umsetzung sehr viel Potenzial liegen lassen.
Irgendwie hatte ich gehofft, dass Eva eine Persönlichkeitsentwicklung durchmacht, jedoch schwankt sie zwischen alles ist toll, selbst zweifeln und Genervtheit seit dem Anfang des Buches und scheint nicht wirklich zu reflektieren. Schade eigentlich, denn Johanns Hinweis auf die Beziehung ihrer Tochter Sophie, und dass diese sich vielleicht freuen würde zu hören, dass sie sie vermisst, Aber auch, dass es wir einen Grund für die aktuelle Funkstille gibt, hätten ein guter Aufhänger für Eva sein können, in sich zu gehen. Leider werden stattdessen eher oberflächlich die Umgebung und Evas Unzulänglichkeiten in ihrer Persönlichkeit beschrieben. Schade eigentlich, an der Stelle hätte die Geschichte mehr emotionalen Tiefgang vertragen können.
Ich finde es schade, dass Eva als Charakter keine wirkliche Entwicklung durchmacht, und auch der Rest des Buches inhaltlich eher flach bleibt bis zum Ende. Auch sprachlich ist das Buch nicht sonderlich anspruchsvoll. Das Buch ist vermutlich ganz gut als leichte Urlaubslektüre geeignet, wenn man sich nicht da an dem flachen Charakter, der Hauptprotagonist und der fehlenden Entwicklung stört.
Ich gebe zu, dass ich mich bisher in meinem Leben nicht wirklich mit Kranichen auseinander gesetzt habe. Dieses Buch hat mir eine ganz neue Perspektive auf diese Vögel aufzeigen können. Die Begeisterung von Protagonistin Eva für diese Vögel ist ansteckend und macht Lust, sich näher mit ihnen auseinander zu setzen.
Kraniche, bzw. ihre Reise in den Süden, bilden einen zentralen Punkt in der Geschichte um Protagonsitin Eva. Dabei liegt der Fokus vor allem auch auf Evas Charakterentwicklung und ihrer Reise von Schweden nach Frankeich und vor allem auch zu ihr selbst. Dank des sehr angenehmen Schreibstils von Autorin Julia Dibbern lies sich das Buch in wenigen Tagen lesen, die Seiten sind nur so dahin geflogen und die Handlung konnte mich für sich einnehmen. Diese ist dabei eher unspektakulär, kommte ohne Cliffhanger oder Überraschungsmomente aus, sondern lebt viel eher von einer Ruhe und Besonneneheit.
Ich habe Eva gern auf ihrer Reise begleitet, auch wenn vieles über ihre situation und Person unklar blieb. So begleitet man Eva in diesem Buch über eine gewissen Etappe ihres Lebens. Einzeln gibt es Rückblenden oder auch Perspektiven von anderen Charakteren, wodurch vor allem auch Evas Charakter etwas runder wird. Mir hat es gefallen so unaufgeregt bei einer Tour zu sich selbst zuschauen zu können.
Dennoch habe ich vor allem zum Ende des Buches noch viele offene Fragen und Unklarheiten, die mich etwas unbefriedigt zurücklassen. Ich hätte ich mir einen runderen Abschluss gewünscht.
Eva, eine Frau Mitte fünfzig, entdeckt bei einem Besuch bei ihrer Freundin in Schweden einen verletzten Kranich. Er wird gerettet, mit einem Sender ausgestattet und wieder ausgesetzt. Von diesem Moment an kann Eva Selmas, wie sie den Kranich getauft hat, Aufenthaltsort verfolgen. Diese Entdeckung weckt in ihr den Wunsch, dem Vogel mit dem Fahrrad zu folgen.
Mit einem alten Fahrrad ausgestattet, macht sich Eva zunächst nur für eine Nacht auf den Weg, doch ihre Reise führt sie schließlich bis nach Frankreich. Unterwegs hat sie viel Zeit zum Nachdenken und reflektiert über ihr Leben, insbesondere über die Gründe für die angespannte Beziehung zu ihrer Tochter. Auf ihrem Weg begegnet sie Menschen, die ihr wertvolle Denkanstöße geben und sie bei ihrer Selbstfindung unterstützen. So entwickelt sich die Radtour zu einer tiefgründigen Reise zu sich selbst.
Julia Dibbern hat einen wunderschönen, ruhigen und atmosphärischen Roman geschrieben. Ich habe Evas Reise mit großer Freude verfolgt und bin dem Kranich gedanklich gefolgt. Das Buch liest sich flüssig und die Protagonistinnen sind liebevoll und authentisch dargestellt.
Ein leiser Aufbruch Zugvögel wie wir von Julia Dibbern ist eine Roman über Eva, eine Frau, die dringend einen Neuanfang im Leben braucht. Ihre Ehe ist gescheitert, von ihrer Tochter hat sie sich entfremdet und der Traum, eine Musikerin zu werden, ist schon vor Jahren geplatzt. Ein Urlaub bei einer Freundin bringt die Wende. Sie findet einen verletzten Kranich und entscheidet spontan, dem Weg der Kraniche nach Frankreich zu folgen. Es beginnt ein Roadtrip der besonderen Art, ausgerüstet nur mit einem älteren Fahrrad und null Erfahrung, macht sich Eva auf den Weg. Der Schreibstil von Julia Dibbern ist ruhig, aber einfühlsam. Die Kraniche stehen in diesem Roman für den Weg, den sie einschlagen muss. Weg von ihrer jetzigen Situation, die alte Eva wiederfinden. Kilometer für Kilometer begleiten wir Eva und erleben mit, wie sich ihre Gedankenwelt verändert, sie auf andere Menschen zugeht, deren Sicht der Dinge zulässt. Die Beschreibungen der Natur und die Begegnungen mit den Kranichen sind von der Autorin toll eingefangen. Unterbrochen wird die Erzählung durch Textpassagen, deren Hintergrund sich später auflöst und einen Schriftwechsel mit ihrer Tochter. Wir erfahren im Laufe des Buches, wie Eva an diesen Punkt im Leben gekommen ist und was das Verhältnis zu ihrer Tochter so beschädigt hat. Und hier setzt auch mein Kritikpunkt an. Ich hätte mir von der Figur Eva mehr Selbstreflektion gewünscht. So bleibt ihr Charakter leider etwas blass. Was mir hervorragend gefallen hat, der Roman hat ein offenes Ende. Es bleibt dem Leser selbst überlassen, über den Fortgang der Handlung nachzudenken. Für mich ist das absolut stimmig und passt zu dem Inhalt des Buches. Insgesamt ein Buch, das ich gerne gelesen habe und auch weiter empfehle.