Schon seit Doreen denken kann, ist Fallera für sie ein Sehnsuchtsort. Auf dem Pferdehof im Osten der Republik ist sie aufgewachsen, bei ihrer Mutter und den Großeltern, die den Hof in der DDR aufgebaut haben. Ausgerechnet als Doreen sich in München ein eigenes Zuhause aufbauen will, fassen ihre Großeltern einen Sie möchten sterben, freiwillig und gemeinsam, bevor die letzte Meile anbricht. Als Doreen davon erfährt, packt sie ihre Sachen und lässt das Großstadtleben hinter sich, fest entschlossen, das Vorhaben ihrer Großeltern zu verhindern und ihnen das Leben wieder schmackhaft zu machen. Doch Maria und Helmut sind genauso dickköpfig wie ihre Enkelin – und Doreen wird langsam klar, dass nach Hause kommen auch bedeuten kann, Abschied zu nehmen.
„Noch kann ich klar denken. Noch ist mein Leben nicht nur Aushalten und Durchhalten. Ich kann noch selbst bestimmen.“ (S. 45) ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ ❗️TW: Assistierter Suizid ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Doreen ist schockiert, als ihr ihre Mutter Sandra offenbart, dass ihre Großeltern Maria und Helmut gemeinsam aus dem Leben scheiden wollen. Selbstbestimmt und terminiert. Sie reist zu ihren Großeltern auf den Pferdehof „Fallera“ und versucht, sie umzustimmen. Auch Sandra hadert mit der Entscheidung ihrer Eltern und kandidiert gleichzeitig für das Bürgermeisteramt in der kleinen Stadt. Beide Frauen werden mit dem Thema „assistierter Suizid“ konfrontiert. Die Entscheidung von Maria und Helmut steht schließlich fest - oder? ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ „Hofsommer“ lässt sich unheimlich gut und leicht lesen, obwohl das Thema natürlich etwas schwerwiegender ist. Ich mag autobiografisch inspirierte Werke immer sehr, und finde es deshalb richtig toll, dass Hanna Heim ihre Familiengeschichte hiermit zu einem Roman verwandelt hat. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Es gibt mehrere POVs (davon bin ich immer ein großer Fan): Doreen, ihr Mann Simon, Sandra und Helmut bieten jeweils ganz andere Perspektiven auf die erzählte Geschichte. Hier und da wäre ich gerne noch tiefer ins Buch eingetaucht. Die großen Emotionen haben mich nicht ganz erreicht, aber ich fand die Geschichte wunderschön geschrieben. Gerade zum Ende hin gibt es viele kleine Details, die zeigen, wie viel Liebe in diesem Roman steckt! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Das Cover hat mich auch sehr begeistert, so ein schönes Motiv! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ Von mir gibt es eine Leseempfehlung! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀ 4/5 ⭐️
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Rezensionsexemplar I Vielen Dank @team.bloggerportal @penguinbuecher 🧡
Das war mein erstes Buch von Hanna Heim und es hat mich überrascht. Hinter dem Cover, was übrigens zu 100% meinem Geschmack entspricht, steckt eine sehr anspruchsvolle und in jeglicher Hinsicht politische Geschichte!
✨Zitate
„Maria und Helmut wollen sich gemeinsam das Leben nehmen.“
„Wir finden schon einen Weg, um gut zu sterben.“
„Der Tod kommt ganz bald an den Ort, an dem ich gelernt habe, das Wort „Opa“ zu sagen, noch bevor ich „Papa“ sagen konnte. Die Frage ist nur, wie er kommt.“
„Wir betasten uns mit Blicken. Kurz ruhen ihre Augen in meinen.“
„Was ich nicht tun werde: achselzuckend danebenstehen und warten, bis es vorbei ist. Das kommt nicht infrage. Weil es noch nie infrage gekommen ist. Weil man für die richtigen Dinge kämpfen muss. Weil es sich immer lohnt zu kämpfen. Das habe ich von ihnen gelernt.“
✨Inhalt
Sandras Eltern wollen gemeinsam sterben. Ihre Mutter Maria ist schwer krank und leidet täglich, ihr Vater Helmut möchte nicht ohne seine große Liebe zurückbleiben… als Enkelin Doreen davon erfährt, will nichts hören und fährt kurzentschlossen nach Fallera, zum Ponyhof ihrer Großeltern in der ehemaligen DDR. Ihr Ziel: ihnen das Leben wieder schmackhaft machen.
✨Meinung
Wir lesen aus verschiedenen Perspektiven und befinden uns zum Großteil in der Gegenwart. Es gibt allerdings auch einige Rückblickkapitel aus Sicht von Helmut. Dort erinnert er sich an früher und wie er Maria kennengelernt hat.
Im Grunde genommen handelt das Buch vom Tod, aber nicht auf eine depressive Art und Weise. Viel mehr möchte die Autorin ihr sehr spezielles Insider Wissen über eine besondere Situation mit uns teilen: Sie hat es nämlich selbst erlebt im echten Leben, ihre Großeltern sind gemeinsam in den Tod gegangen.
Ob oder wie dieses Unterfangen unseren fiktiven Protagonisten gelingen wird, werde ich Euch nicht verraten. Für mich persönlich war das Ende sehr würdevoll und ich konnte friedlich mit der Geschichte abschließen, die mich zwischendurch auf jeden Fall sehr aufgewühlt hat.
✨Fazit
Eigentlich ist es wirklich kein Buch für zwischendurch, aber durch den stringenten roten Faden und klare Themenauswahl, kann man es auch „zwischendurch“ kapitelweise lesen, ohne dass man direkt rausfliegt aus der Story. Ich persönlich hatte Glück und konnte es fast am Stück lesen, ich war so in der Geschichte versunken und dann noch zu lesen, dass es quasi auf einer fiktiven „wahren“ Begebenheit beruht, das hat mir dann echt noch den Rest gegeben. Hab’ sogar Sonnenbrand bekommen 😂😂 es war ja so tolles Wetter am 1. Mai 🫠🫠.
Nehmt es nicht auf die leichte Schulter, aber macht Euch gern ein eigenes Bild!