Mütter, Macht und Mythen – Die bisher unerzählte Geschichte der Geburt vom Beginn der Menschheit bis zur Was patriarchale Machtstrukturen mit Gewalt unter der Geburt und Geburten mit Vorstellungen von Weiblichkeit zu tun haben
Obwohl Geburten zentral für unser gesellschaftliches Zusammenleben und Fortbestehen sind, bleiben konkrete Erfahrungen des Geborenwerdens und Gebärens oft im Dunkeln und werden im öffentlichen Diskurs häufig als »Nischenthema« oder spezielle Ausnahmeerfahrung mit begrenzter gesellschaftlicher Relevanz diskutiert. Helena Barop findet die Ursachen dafür in einer bis heute nachwirkenden Kultur der Bevormundung von Schwangeren unter der Geburt. Sie offenbart, dass gewaltvolle Geburtserlebnisse in einer langen Tradition ungleicher Machtverhältnisse und patriarchaler Strukturen stehen. Barops brillant erzählte feministische Geschichte der Geburt lässt uns vergangene Zeiten bereisen, räumt Mythen und Missverständnisse aus dem Weg und stellt die vermeintlichen Gewissheiten unserer Gegenwart und Idealbilder einer »normalen Geburt« infrage. Sie zeigt, wie sich die Umstände der Geburt im Lauf der Jahrhunderte immer wieder verändert haben, und dass Frau und Kind dabei erst seit Kurzem selbstbestimmt im Zentrum stehen. Und so ist Barops Buch nicht nur eine Tour-de-Force durch die Kreißsäle der Geschichte, sondern eine Geschichte der Unterdrückung und der Ermächtigung, die uns alle Denn Geburten prägen wie kaum ein anderes Ereignis unsere Vorstellungen von Weiblichkeit.
Sehr leicht verständlich und gut lesbar! Mir hat besonders gefallen, dass vor Absätzen, die potentiell triggernd sein können (traumatische Geburtberichte etc) Symbole als „Warnung“ gesetzt wurden, sodass man diese Passagen einfach überspringen konnte. Auch die Sprache selbst war insgesamt sehr sensibel, so wird weitestgehend (Ausnahme historische Quellen) auf binäre Geschlechterbezeichnungen verzichtet, und beispielsweise ausdrücklich auch trans Männer als gebärfähige Personen bezeichnet.
Leicht verständlich mit Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels. Dadurch etwas redundant, aber erfrischend barrierearm für ein Sachbuch. Wie meistens hilft der Blick zurück für den Blick nach vorne, so auch beim Thema Geburtshilfe, das letztlich alle angeht, die jemals geboren wurden.
Liest sich leicht und flüssig, vermittelt dabei viel Wissen über die Geschichte des Gebärens. Hilft dabei, bestimmte (oft sehr ideologische) Vorstellungen, die um das Thema herumschwirren/Teil des aufgeladenen Diskurses sind, historisch und kulturgeschichtlich zu verorten, was ich sehr schätze. Zur Leihmutterschaft hätte ich mir auch einen kritischen Satz bezüglich ihrer ausbeuterischen Strukturen gewünscht, wenn es schon um die Sichtbarmachung von Gewalt und Machtstrukturen geht.