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Es war nicht anders möglich: Wild, witzig, wagemutig. Svenja Liesaus funkelnder, überraschender Roman

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Gut kannte sie ihren Vater nicht, die Familie ging früh auseinander. Trotzdem, sein unerwarteter Tod ist ein Schlag für Martina, Mitte dreißig, die arbeitslos durch ein unstetes Berliner Leben trudelt. Also geht sie erst mal so in die Situation, wie es ihr am liebsten sich in langen Nächten mit vielen Gläsern den Ernst des Lebens ein bisschen schöner zu machen – oder sich ihm gerade damit zu stellen? In der Eckkneipe begegnet sie Helden der Nacht, Philosophen, sucht eine stärkende Familie, ein Zuhause. Anderen geht es ja nicht besser, weder dem Jungwitwer Eckhard aus der Kneipe noch den übrigen Weltweisen, die im Spiel des Lebens verloren haben, aber doch auch gewonnen, weil sie trotzdem weitermachen. Wie konnte das alles eigentlich so weit kommen, fragt sich Martina. Mit dem Vater, der verkorksten Familie? Mit ihr selbst? Und wagt sich dabei immer weiter, in eine Zone voller Dunkelheit und Staunen, Schmerz und Wunder, in der sie vielleicht endlich der Wahrheit begegnet.

Ein radikaler, komischer, tieftrauriger, immer wieder überraschender Roman über eine junge Frau, die sich in die Welt stürzt und dadurch das Unfassbare zu meistern versucht. Eine Tour durch seelische Nachtlandschaften, die Suche nach Zärtlichkeit und wahren Empfindungen.

231 pages, Kindle Edition

Published March 13, 2026

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Community Reviews

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6 (15%)
4 stars
7 (17%)
3 stars
14 (35%)
2 stars
10 (25%)
1 star
3 (7%)
Displaying 1 - 20 of 20 reviews
Profile Image for Lena.
55 reviews2 followers
April 28, 2026
Martina verliert ihren Vater und betäubt ihren Schmerz mit (vor allem) Alkohol und allerlei anderen Dingen. Das ist die Ausgangslage. Ihr Leben steuert ziellos dahin und diesem mäandernden Strom folgt auch die Sprache von Svenja Liesau. An sich finde ich diesen Ansatz sehr spannend, beim Lesen konnte ich allerdings überhaupt nicht folgen.

Zu Beginn ist Martina nahbar, man möchte gerne mehr über sie erfahren, je länger die Geschichte jedoch andauert, desto schwerer nachvollziehbar werden ihre Episoden. Ihr Verhalten ist nicht schlüssig, dadurch wird zwar die psychische Instabilität abgebildet, die Gefahr besteht doch, dass Leserinnen und Leser plötzlich verloren gehen - so ging es zumindest mir.

Weil die Handlungen der Protagonistin plötzlich und unverständlich kommen, wirkt sie je länger je mehr unsympathisch. Die Geschichte ist schwierig zu verstehen, da auch Martina immer wieder den Faden verliert. Alles in allem habe ich einen abstrusen Gesamteindruck von diesem Buch. Ich finde die Ansätze spannend und verstehe auch, warum es so geschrieben ist, wie es geschrieben ist. Restlos überzeugt bin ich allerdings nicht und die Leseerfahrung war sehr zäh. Wohl einfach nichts für mich.
157 reviews10 followers
March 22, 2026
4,5*

Schlingern auf dem Pilsparkett

„Es war nicht anders möglich“, der Debutroman von Svenja Liesau, erschienen 2026 bei Rowohlt Berlin, ist ein formal spannendes Buch über Trauer, Berlin und mental issues, das eine verblüffende Verbindung zwischen Kneipe und Psychiatrie herstellt und den Flair Berlins ganz wundervoll einfängt.

Martina hat ihren Vater zum zweiten Mal verloren, das erste Mal schon in sehr jungen Jahren, als ihre Eltern sich trennten und sie bei der Mutter blieb, die offenkundig überfordert mit der Alleinerziehung Martina emotional verwahrlosen lässt. Der Vater verbleibt als fern kreisender Satellit für Martina ein Sehnsuchtsort, manchmal kreuzt er kurz ihre Umlaufbahn, doch zu packen ist er nie. Nun verliert sie ihn ein zweites Mal an die Sterblichkeit und wird dadurch in eine nicht enden wollende Schleife aus Trauer, Selbsthass und Ziellosigkeit geworfen, die sie im ersten Teil des Buches durch die Berliner Eckkneipen treibt und im zweiten in der Psychiatrie stranden lässt.

Svenja Liesau hat ein formal einzigartiges Buch geschrieben, in dem sie mutig das Buch mit einer amtlichen Playlist beginnt (die zur Freude der Leserin auf Streamingdiensten zu finden ist), immer wieder mit Songtexten arbeitet und vor allem auch mit SMS an den toten Vater und Briefen. Die Konstruktion ist fragmentarisch und collagiert, wir folgen keinem durchgehenden Erzählvorgang, so wie das durchgehend alkoholisierte Gehirn von Martina durch die Tage zappt, Filmrisse inklusive, so treiben auch wir durch die Geschichte. Liesau fängt den Mikrokosmos Eckkneipe wirklich perfekt ein, so sehr, dass ich die jeweilige Kneipe sogar riechen konnte. Ihre Protagonistin Martina ist nicht unbedingt eine sympathische Figur, zumal sie kaum Entwicklung macht im Lauf des Romans, das muss frau aushalten können beim Lesen. Wie Liesau generell richtig tief in den Dreck greift, einige Passagen haben mich schwer schlucken lassen. Doch dadurch ist es auch ein ehrliches Buch, Trauer und Selbstverlust, Trauma und Autoaggression sind nun einmal keine Hochglanzthemen. Wir treiben durch Berlin, wir treiben auch durch eine, ebenfalls sehr treffend beschriebene Psychiatrie – in aller Härte und doch auch mit viel Humor und ein paar klugen Lebentipps, mit ganz beiläufig integrierten vielfältigen Themen, mit Feminismus und durchgehend genderneutraler Sprache. Das macht tatsächlich Spaß und berührt über weiter Strecken.

Svenja Liesaus literarische Stimme ist aufregend und frisch, sie traut sich viel – und am Ende verliert sie für mich ein wenig den Fokus, bzw. so ganz findet sie nicht aus ihrem Flow hinaus. Das ist das einzige kleine Manko dieses Buches, das mich über die Mehrheit seiner Seiten wirklich begeistert hat. Ich hoffe, Liesau schreibt munter weiter und schenkt uns noch mehr Bücher wie eine Discokugel – das trifft die sehr gelungene optische Gestaltung des Buches ebenso wie den Inhalt, der so glitzernd kreist und etwas leerdreht, während die imaginäre Jukebox quäkt. Eine Entdeckung!

Ein großes Dankeschön an vorablesen.de und Rowohlt Berlin für das Rezensionsexemplar!

Profile Image for Tie Buhr.
41 reviews
April 7, 2026
Endlich mal ein realistisches Buch von Trauer- und Traumabewältigung! Klar, derbe und sehr explizit-visuell folgen wir Martina auf dem Weg zu einem Umgang mit dem Tod ihres Vaters. Dabei wird deutlich, dass sie auch für traumatische Kindheitserlebnisse eine Erklärung und eine Bewältigung im Hier und Jetzt sucht.
Wer ein leises, philosophisches„what doesnt kill you makes you stronger“ Buch erwartet sollte lieber schnell was anderes lesen. Wer Lust auf die besten Eckkneipen Berlins, Panikattacke Anita, Rucola Ricola sowie Rindenmulch aus der Hölle (Potpourri) hat, ist hier genau richtig.
Ein krasses, sarkastisches Buch, was zeigt, dass es manchmal eben auch wenig Hoffnung gibt. Trotzdem fand ich es wahnsinnig treffsicher und komisch. Wer Sibylle Berg mag, wird Svenja Liesau lieben. Ich habe das Hörbuch gehört und die Autorin (auch Schauspielerin) als Erzählerin sehr gemocht!
Profile Image for Malgorzata Kucharska.
110 reviews6 followers
May 10, 2026
Als ich das Buch lass, dachte ich , dass ich was verpasst habe, dass die Seiten vielleicht verklebt waren, weil ich oft den Faden verloren habe ( so wie die Protagonistin).
Ich verstehe Trauma, Trauerbeweltigung, sich zu verlieren usw. Das Buch war (für mich) eine große Durcheinander. Ich habe mich gequält beim lesen. Schön, wenn das Buch anderen Leser gefallen hat aber es ist definitiv nichts für mich .
Profile Image for Fruggielicious.
761 reviews6 followers
April 9, 2026
Es war nicht anders möglich von Svenja Liesau / Rezension

✨Zitate

»Die Trauer hat mich noch nicht. Nein, noch würde es mich überhaupt nicht überraschen, wenn du einfach zur Tür reinkämst, dir eine Zigarette in den Mundwinkel klemmen und, bevor du sie anzündetest, sagen würdest: „Na, meine Kleene!“ Dieses Szenario ist für mich nach wie vor wahrscheinlicher, als dass du nie wieder durch eine Tür kommst.«

»Das Leben ist ein Parkplatz und ich bin ohne Führerschein zur Welt gekommen.«

»Mittwoch ist mir der liebste Tag. Da steckt man mitten in der Scheiße, hat aber noch noch nicht so viel verbockt, dass man’s nicht noch an den vier verbleibenden Tagen wieder rausreißen könnte. Die Betonung liegt hier auf „könnte.“«

✨Inhalt

Obwohl er auch vorher nicht wirklich für sie da war, zieht der plötzliche Tod ihres Vaters unserer Protagonistin Martina den Boden unter den Füßen weg. Sie taumelt mehr schlecht als recht durch das Leben in Berlin, der völlige Absturz ist nah, aber so ist auch Hilfe und Hoffnung.

✨Meinung

Svenja Liesau nimmt Trauer und Verlust sämtliche gesellschaftlich akzeptierte Masken ab. Schließlich wissen wir: während alle für Trauer Verständnis haben (natürlich), darf diese dennoch nicht unbequem, laut oder gar unendlich sein. Man solle sich doch bitte zusammenreißen und das Leben geht doch weiter. Oder?

Martina nimmt uns als sehr direkte und nicht angepasste Ich-Erzählerin mit in eine Abwärtsspirale vor der Kulisse von Berlin. Das Buch ist überhaupt gedrucktes Berlin Core, man muss es lieben. Die Gestaltung des Buchs ist dabei ebenso ungewöhnlich wie der Schreibstil der Autorin. Ich war nur aufgrund früherer Lektüre von Büchern wie „The vegetarian“ und „Cursed bunny“ nicht wirklich geschockt von den stattfindenden Ausschweifungen und den mentalen Bildern, die hier heraufbeschworen werden 😅. Ich kann es aber durchaus verstehen, wenn es für andere LeserInnen zu viel und zu unerträglich ist.

Ansonsten hat mich dieser Roman noch ein wenig an „Der achtzehnte Stock“ erinnert, das hatte ich damals auch geliebt.

Martina begegnen viele interessante Gestalten, sei es im Späti, in der Eckkneipe oder ihrem Wohnhaus. An einigen Stellen habe ich auch laut lachen müssen. Andere Stellen haben mich verzweifeln lassen und viel Wut ist mir hochgekocht, z.B. angesichts der Art und Weise wie Martinas Mutter sie behandelt hat.

Das Buch beinhaltet sehr wichtige Themen, die Autorin hat sich für einen radikalen und nicht ästhetischen Weg entschieden, das, was ihr am Herzen liegt, zu Papier zu bringen.

✨Fazit

Es wird nicht jedem gefallen, es ist ein sprachlich extremes und herausforderndes Buch. Eine Leseprobe würde aber Klarheit verschaffen. Mich hat das Buch schon angesprochen und hat mich auch sehr berührt. Gegen Ende hat sich die Erzählstimme etwas selbst verloren, so dass es hier schwieriger war, am Ball zu bleiben. Aber das widerspiegelt lediglich das Trauma, das Martina durchmacht.

Macht Euch sehr gern ein eigenes Bild!

4/5⭐️⭐️⭐️⭐️
Profile Image for Feli.
12 reviews
March 13, 2026
Das dunkle Cover mit den silbrig glänzenden Luftballons finde ich optisch sehr gelungen. Es wirkt gleichzeitig schön und unheimlich fehl am Platz; genau dieser Kontrast passt für mich gut zur Stimmung des Buches. Insgesamt macht die Gestaltung neugierig und verspricht etwas Düsteres, Schweres.

Thematisch geht es um Trauer, eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung und darum, dass man nach einem Tod nicht „ordnungsgemäß“ abschließt, sondern oft eher hilflos darin festhängt. Das Buch wird im Verlauf immer bedrückender (auch teils eklig) und zeigt, wie die Hauptfigur versucht, mit dem Verlust klarzukommen; vor allem mit der Endgültigkeit, dass sich die Beziehung zum Vater nie mehr verbessern kann. Für mich wurde das aber nicht immer zufriedenstellend umgesetzt, weil vieles sich wiederholt oder in Ausschweifungen abdriftet, ohne dass es wirklich weiterführt.

Was für mich eindeutig die Stärke ist: die Atmosphäre. Der Stil ist dicht und stimmungsvoll, teils trocken-humorvoll und ungeschönt. Gleichzeitig hatte ich immer wieder das Gefühl, dass das Tempo nicht gut ausbalanciert ist. Manche Passagen sind mir zu lang, während andere Stellen mehr Ausbau verdient hätten, damit die Geschichte und die Gefühlswelt vertieft werden können.

Martina wirkt in ihrem Verhalten glaubwürdig und nicht „glatt“, eher widersprüchlich und stellenweise ziemlich chaotisch. Authentisch ja, aber emotional kam ich nicht immer nah genug ran, weil für mich zu viel im Kreis lief. Es gibt sicher Leser:innen, die genau diese Stagnation als konsequent empfinden; für mich blieb es dadurch eher statisch.

Mich hat vor allem die Grundidee interessiert: eine ehrliche, nicht beschönigende Auseinandersetzung mit einem schwierigen Elternteil nach dessen Tod. Außerdem mochte ich die stimmungsvolle Sprache und den trockenen Ton, der das Ganze nicht kitschig macht.

Fazit:
Ich gebe dem Buch 2 Sterne. Es ist atmosphärisch stark und hat eine solide Grundlage, aber die Umsetzung verliert sich für mich zu oft in zu langen Passagen und Wiederholungen, während andere Aspekte mehr Tiefe gebraucht hätten. Als Debüt zeigt es Potenzial. Ich glaube, die Autorin kann sich künftig deutlich steigern. Content Notes (spoilerfrei): Es kommen u.a. Beschreibungen von Suizid, häuslicher Gewalt und Substanzmissbrauch vor.
Die Suizid-Warnung steht hinten im Buch und war für mich dadurch zu spät platziert. Hier hätte ich mir Warnungen vorweg gewünscht.
207 reviews
April 26, 2026
Randgruppe

Wenn Familien zerbrechen, bleibt für die übergebliebenen immer die Frage nach dem Warum. So auch in den Roman „Es war nicht anders möglich“.
Martina ist Mitte 30, als ihr entfremdeter Vater verstirbt. Sie hatte nie eine Bindung zu ihm- und doch sucht sie nun Halt in Berlins Eckkneipen. Dabei bewegen sie die Fragen, warum ihre Familie zerbrochen ist- und warum sie selbst arbeits- und haltlos durch die Kneipen zieht.

Die Thematik offenbart bereits, dass der Roman speziell ist. Leider gibt es Bücher mit haltlosen Protagonisten , die über das Nachtleben berichten, viel zu selten. Zudem ist das Buch- entsprechend dem Milieu- eher einfach geschrieben.

So beschreibt Martina das alltägliche betteln um Kleingeld als Routine. Der Stopp ihres Bürgergeldes wird als Schikane bezeichnet. Sie sieht sich gefangen in einer aussichtslosen Welt, wo sie nie eine Chance hatte.

Man muss zwischen den Zeilen lesen, um den Roman zu verstehen. Es wird auf den zweiten Blick die Botschaft deutlich, dass die Protagonistin und auch die anderen Charaktere kaum Chancen im Leben hatten. Martina wurde weder gefördert noch gefordert und ist regelmäßiges arbeiten nicht gewöhnt. Auch von ihrem Vater kennt sie das nicht. Schlimmer noch, Martina verbindet ihren Vater mit Eckkneipen und fühlt sich vom Staat vergessen.

Leider spiegelt sich Martinas Situation in der Sprache wieder. Eher einfach, monoton und ohne größere Spannung kommt dieses Buch daher wodurch auch ein Gefühl der Ablehnung entsteht. Es ist, als würde der Roman mehr vermitteln wollen, aber- ähnlich wie die Charaktere- nicht die Möglichkeit haben, sich zu äußern.

Die Charaktere im Buch passen zur Sprache. Man sieht nur die Oberfläche (einsame Seelen in Kneipen) nicht jedoch die Geschichte dazu. So hätte ich es spannend gefunden, mehr über Eckart, den Barkeeper oder die Bedienung im Café zu erfahren.

Insgesamt ist das Buch weit hinter seinen Möglichkeiten geblieben. Etwas mehr Tiefenarbeit (Eckart!), Abwechslung und Spannung (Die Kneipe wird geschlossen! Falscher Bescheid beim Bürgergeld! Unfall ohne Krankenversicherung!) hätte dem Buch gut getan . So gebe ich drei Sterne und erkenne durchaus die Brisanz des Themas an.
Profile Image for Maria.
653 reviews14 followers
March 29, 2026
Nach dem Lesen kann ich meine Gefühle zu diesem Buch noch nicht so richtig einordnen. Die Stimmung ist düster und melancholisch, es wird schnell deutlich, wie sehr Protagonistin Martina leidet. Andererseits scheint sie sich selbst auch aufgegeben zu haben, lässt sich ziellos treiben und kämpft nicht für sich. Sie ist nicht in der Lage Verantwortung für sich oder ihr Handeln zu übernehmen. Im Verlauf der Handlung wird dies immer deutlicher und diesem Zerfall durch die Perspektive der Protagonistin beizuwohnen ist für mich schwer auszuhalten gewesen.
Dabei ist M. als Erzählerin ziemlich unzuverlässig, ihre Perspektive getrübt durch Substanzkonsum, Trauer und Dissoziation, psychischen Krisen und Verzerrung der Realität. Die geschilderten Inhalte mit einer anderen Perspektive wären vermutlich noch weniger aushaltbar. Damit ist diese Erzählperspektive wirklich interessant, denn so klar ist nie, was nun M.s Wahrnehmung oder die Realität ist. Auf diese Unzuverlässigkeit und generell aber auch Absurdität der Schilderungen musste ich mich aber erst ein mal einstellen und ich bin mir noch immer nicht sicher, ob es mir schlussendlich gefallen hat. Der Erzählfluss ist aufgrund der eigenwilligen Perspektive stockend und teils unzusammenhängend - das ist im großen Gesamtbild stimmig, im direkten Lesen jedoch auch immer wieder eine Unterbrechung.
Vorrangig hatte ich während des Lesens Mitleid mit M. und ich wünschte mir, dass sie sich ein bisschen besser zusammenbekommt - andererseits war ich auch überrascht, dass sie noch so selbstständig leben kann, wie es beschrieben ist.
Insgesamt tut mir M. einfach nur leid. Sie hat keinerlei soziales Netz, das sie auffangen könnte. Sie wirkt ankerlos und damit auch in sich recht verloren.

"Es war nicht anders möglich" ist auf jeden Fall ein Buch, das sich abhebt und einige Zeit in Erinnerung bleiben wird…
Profile Image for Daniela.
10 reviews
March 20, 2026
"Die meisten Menschen reichen der Trauer scheu und ein bißchen schlapp die Hand, sagen höflich, aber kaum hörbar Hallo, und dann steigen sie mit ihr in die Ringbahn einund fahren so lange durch immerwährenden Niesel im Kreis, bis die Trauer irgendwann aussteigt, ogne sich nochmal umzudrehen. Die Ringbahn, ein düsteres Riesenrad, das auf dem Boden liegt."

Puuh, was für ein Buch.
Sprachlich und gedanklich sehr viel treffendes und "schönes" im weitesten Sinne, inhaltlich durchgehend harter Tobak mit größeren Abschweifungen denen man nur noch schwer folgen möchte.

Martina, 35, arbeitslose Alkoholikerin in Berlin trauert um ihren Vater und nach und nach erfahren wir durch ihre Abstürze von der schwierigen Familiengeschichte. Viel Suff, Gewalt, Vernachlässigung - irgendwann war ich als Leserin so übersättigt mit Elend, dass ich immer schludriger gelesen habe. Ob Martina eine runde Figur abgibt, weiss ich nicht da sie z.B. trotz gestrichenem Arbeitslosengeld über genügend Geld zu verfügen scheint und vor allem doch auch sehr intellektuell und philosophisch ist, immer lesend in der Eckkneipe abhängt. Meine Zweifel diesbezüglich zeigen vielleicht aber auch nur meine eigenen Vorurteile auf und entlarven mich...

Vom Schockpotential musste ich an Charlotte Roches Bücher der frühen 00er denken bei denen ja auch, wenn man alles Widerliche überlesen hat, eine tieftraurige Lebensgeschichte zum Vorschein kam.

Sicherlich kein Buch für jeden, das Ekelpotential und die schiere Menge aller Körperflüssigkeiten sind wirklich sehr hoch. Trotzdem bin ich zu meinem eigenen Erstaunen am Ball geblieben und konnte auch immer wieder tolle Sätze entdecken und mir aufschreiben.
Profile Image for Melanie.
537 reviews5 followers
Review of advance copy
March 8, 2026
Martina Reimers ist 35 Jahre alt, arbeitslos (und nicht -suchend), lebt in Berlin und treibt seit dem Tod ihres Vaters ziellos durch ihr "Leben". 
Der schmale Debütroman ist in 2 Teile gegliedert, die inhaltlich stark an die beiden im Rezensionstitel genannten Werke erinnert. 
Im ersten Teil begleiten wir Martina durch die Nächte in Berlin in Eckkneipen und dunkle Straßen und vor allem durch ihre manchmal recht wirren Gedanken. Sie trinkt und raucht und nimmt Koks - und das Ende des ersten Teils ist ehrlich gesagt, extrem widerlich. 
Nachdem man den Klimax der Ekelhaftigkeit überstanden hat, wird man damit belohnt, den zweiten Teil des Buches zu lesen. Hier folgen wir Martina in das Irrenhaus, in das sie wohl eingeliefert wurde - und ihre nochmal wirreren Gedanken, die mich dann am Ende des Buches auch leider etwas ratlos zurück gelassen haben. 
Der Stil des Buches ist leider ebenfalls nicht gut lesbar. Die Ich-Erzählerin Martina nutzt leider ständig seltsame Wortschöpfungen wie "jemensch", die sich immerhin grammatikalisch korrekt verwendet, und natürlich gendert sie, wobei das nicht ganz so schlimm stört. 
Ich konnte zu der Protagonistin keine Bindung aufbauen und die Autorin hat es leider bei mir auch nicht geschafft, dass mich die teilweise durchaus heftigen Schicksale der Figur und einiger Nebenfiguren zu Mitgefühl verleitet haben. Die hauptsächlich vorherrschenden Gefühle beim Lesen des Romans waren bei mir das Gefühl, dass ich nichts Neues lese, was zu Langeweile und Ungeduld geführt hat und ein paar Stellen, an denen ich angeekelt war, sowie am Ende vor allem Ratlosigkeit. 
Leider nur eine sehr eingeschränkte Leseempfehlung von mir.
26 reviews
March 16, 2026

Das Buch „Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau hat mich wirklich begeistert. Schon das Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit geweckt – die Gestaltung fällt ins Auge und macht direkt neugierig auf das, was einen im Inneren erwartet.

Worum gehts: Svenja Liesau erzählt die Geschichte von Martina, einer Frau Mitte dreißig, die sich in einer Phase der Orientierungslosigkeit befindet. Arbeitslos und ohne festen Halt treibt sie lost durch das Berliner Nachtleben, bis sie vom Tod ihres Vaters erfährt – ein Mann, den sie kaum kannte. Trotzdem wird genau dieses Ereignis für sie zum emotionalen Wendepunkt in ihrem Leben. Sie beginnt sich mit ihrer Vergangenheit, ihrer Familie und vor allem mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Der Roman folgt Martina, die ihr Leben eher erträgt als lebt. Haltlos, müde und innerlich erschöpft und am Ende. Anstatt sich diesem Schmerz direkt zu stellen, flüchtet Martina in lange Nächte. In Alkohol, Gespräche, flüchtige Nähe. Doch genau in diesen Kneipennächten findet Martina halt bei ihren Mitgesellen, eine verlorene Gemeinschaft, die ihr hilft an einen Punkt zu gelangen, an dem Martina anfängt zu fühlen und sich zu hinterfragen, was der Auslöser für all das sein mag.

Der Roman ist intensiv, traurig und gleichzeitig von einer leisen Wärme durchzogen. Er erzählt von Einsamkeit und menschen die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind.
Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen – besonders für alle, die sich selbst schon einmal verloren gefühlt haben. Denn Svenja Liesau gelingt es, genau dieses Gefühl greifbar zu machen und zu zeigen, dass man damit nicht allein ist.
Profile Image for MirjS.
137 reviews
March 29, 2026
Falsche Erwartungen an eine wirre Story

Martina, Mitte dreißig, arbeitslos, stets mit einem Glas Hochprozentigen in der Hand, ist sie mit den Helden der Nacht in Berlins Bars und Kneipen Zuhause. In ihrem Debütroman „Es war nicht anders möglich“ erzählt Svenja Liesau die Geschichte einer jungen Frau zwischen Wahrheit, Liebe, Wahnsinn, Trauer, Schmerz und Absturz.

Soweit, so gut, denn der Klappentext las sich wirklich interessant, das Buch versprach „Wild, witzig und wagemutig“ zu sein und hat mich somit echt neugierig gemacht. Der Anfang hat mir auch wirklich ganz gut gefallen, da die Autorin es geschafft hat, Martinas Empfindungen mit einer großen Dynamik nachvollziehbar rüber zu bringen. Dann wurde es jedoch von Seite zu Seite immer chaotischer, abgedrehter und unverständlicher, bis ich der Story schließlich zum Ende hin gar nicht mehr folgen, geschweige denn nachvollziehen konnte und sie mich einfach nur ziemlich ratlos zurückgelassen hat. Wobei ich es an keiner Stelle „witzig“ fand. Das mit dem „wild und wagemutig“ kann ich hingegen absolut bestätigen.

Fazit: Leider hatte ich ganz andere Erwartungen an das Buch, die es nicht erfüllen konnte. Teilweise hatte ich sogar gar nicht mehr das Gefühl einen Roman zu lesen, sondern nur noch aneinandergereihte wirre Texte. Kurz gesagt - das Buch hat mich ziemlich rat- und sprachlos zurückgelassen, so das ich hinsichtlich der Bewertung zunächst zwischen einem bis zwei Sternen schwankte. Da ich den Ansatz und die transponierten Gefühle im ersten Drittel jedoch gut gelungen finde und auch den Mut bewundere etwas Derartiges zu Papier zu bringen, habe ich mich schlussendlich für die zwei Sterne entschieden.
Profile Image for Elke Sonne.
579 reviews2 followers
March 28, 2026
Abgedreht und sehr intensiv

„Es war nicht anders möglich“ ist das Debüt der Autorin und Schauspielern Svenja Liesau.

Martina ist Mitte 30, lebt in Berlin, ist arbeitslos und finanziell am Ende. Obwohl sie ihren Vater nicht gut kannte, war sein unerwarteter Tod für sie ein Schock. Ihren Tag verbringt sie gerne in Kneipen, trinkt, unterhält sich und beobachtet dort die Menschen. Zwischendurch schweifen ihre Gedanken immer wieder zu ihrem verstorbenen Vater.

Die Handlung beginnt mit zwei umfangreichen Playlists der Protagonistin. Diese sowie die Gedanken dazu haben mich direkt in die Handlung hineingezogen.
Der Schreibstil von Svenja Liesau ist zunächst klar, präzise und sehr intensiv. Sie beschreibt das Leben und die Gedanken ihrer Protagonistin. Martina driftet immer mehr ab. Irgendwann war für mich nicht mehr klar was real ist und was nur Martinas Gedanken sind. Ihre Darstellung ist der Autorin sehr gut gelungen. Ich konnte ihre Haltlosigkeit, ihren Schmerz, die Erschöpfung und die Müdigkeit förmlich spüren. Sie ist einfach mit den Nerven völlig am Ende und das spiegelt sich in ihren wirren Gedanken wider.

Das Buch ist allerdings keine leichte Kost, hier braucht man starke Nerven. Die Schilderungen sind zum Teil grausam und eklig.Das auszuhalten fiel mir nicht leicht und werde es wohl so schnell nicht vergessen.
Gleichzeitig muss ich vor der Autorin meinen Hut ziehen, dass sie Martinas wirre Gedankenwelt so gelungen eingefangen hat, auch wenn dadurch für mich einiges unklar bzw. Raum für eigene Gedanken blieb.
Profile Image for Leylin.
60 reviews2 followers
April 6, 2026
Das Cover des Buches sprach mich vom Motiv her sehr an und auch der silberschimmernde Einband strahlt erstmal "Party" aus. Ich hatte mich darauf eingestellt einen längeren Leidensweg der Protagonistin Martina zu begleiten, was ich aber bekam war ein wirklich absurder und teilweise sehr widerlichen Trip gemischt aus Leid, Vernachlässigung, verpasster Chance, Trauer und dem Versuch diese wegezuschieben sowie Sucht gespickt mit krassen Psychosen.

Der Roman ist definitiv keine leichte Kost und nichts für zarte Gemüter. Svenja Liesau führt den Lesenden das Gedankenkarussell einer alkoholkranken Frau sehr, sehr nah. Durch die Aneinanderreihung absurder Gedanken und damit entstehenden Verknüpfungen wird deutlich welcher Schaden bei der Protagonistin zunehmend entsteht. Durch diese Darstellung war mein Leseerlebnis durchaus erschwert, da ich mich nicht gut an die stakkatohafte und immer weiter abdriftenden Gedanken gewöhnen konnte aber ehrlicherweise auch nicht wollte. Hut ab vor dieser literarischen Leistung diese Absurdität einzufangen und die Risiken und Konsequenzen von Süchten aufzuzeigen.
Profile Image for Bärbel.
162 reviews1 follower
March 25, 2026
Ich war mir nach der Leseprobe nicht sicher, ob mir das Buch zusagen würde, der Anfang mit Playlist und Einschüben hatte etwas Chaotisches, leicht Verwirrendes für mich. Und das düstere Cover sprach mich auch nicht an.
Ich revidiere das alles: Ja, das Cover hebt sich ab von den vielen Feelgood-Covern dieser Tage, es jetzt sich nur aus düsteren Grautönen zusammen wie die Tage, die von Depression gezeichnet sind.
Dann aber das Knallgelb der Schrift, gleich den Gedankenblitzen, mit denen die Icherzählerin das ganze Elend aus Rausch und Verzweiflung durchleuchtet.
Was für ein Wahnsinns-Text ist das denn? Es ist klar, dass das Buch die Meinung der Rezensent:innen total spaltet, dass es Abwehr hervorrufen kann, vermutlich auch triggern kann.

Für mich ist es aber ein Text, der vor Ideenreichtum, Sprach- und Aberwitz, traurigen Pointen und pointiertester Traurigkeit explodiert.
Sprache, die anrennt gegen die riesige Verzweiflung, die sie gleichzeitig ausdrückt.
Das ist Nietzsche und Rap, Himmel und Hölle zugleich, ich bin schwer beeindruckt.
19 reviews
Review of advance copy received from Unabhängige Rezensentinnen und Rezensenten
March 10, 2026
Ein Gefühl von Groll, ein Gefühl von Ungerechtigkeit von einem erwachsenen Kind.
Ein Mensch, der seinen Platz noch nicht gefunden hat.
Und ein Gefühl von Wut und Groll gegenüber seinen Eltern.

Spoiler!:

Hauptfigur ist bereits eine erwachsene Frau, unternimmt jedoch nichts für ihr Leben, außer sich zu beschweren.
____

Den Schreibstil möchte ich nicht bemängeln, dieser ist gut und lebendig. Lediglich der Inhalt ist etwas unpassend.

Hat mir dieses Buch etwas beigebracht? - eher nicht.
War das Buch hilfreich? - auch nicht wirklich.
Das Buch selbst ist stilistisch gut geschrieben, aber es ist etwas verstörend.
"Es passieren schreckliche Dinge in dem Buch."

Es war ein sehr schwieriges Buch, es ist nicht jedemans Geschmack.

Ich empfehle es, aber es ist definitiv nicht für jeden.

Ich fand das Buch okay bis gut.
Jedenfalls Teil 1, obwohl der auch aus Teilen bestand, deren Zusammenhang mir nicht klar war.
This entire review has been hidden because of spoilers.
109 reviews
March 13, 2026
Es war nicht anders möglich, von Svenja Liesau

Cover:
Das Cover hat mich neugierig gemacht.

Inhalt und meine Meinung:
Ich habe mir etwas ganz anderes erwartetet.
Das ist absolut nicht mein ‚Buch.
Es geht um eine junge Frau. Die ihr Leben anfachen nicht in dein Griff bekommt und am Ende in der Psychiatrie landet.
Sollen wir mit so einem Buch verstehen, wie es soweit kommen kann? (Ich eher nicht)
Der Schreibstil ist sowas von abgedreht und verrückt, witzig konnte ich es nicht finden.
Ich muss gestehen, die letzten Seiten habe ich nur noch quer gelesen.

Autorin:
Svenja Liesau, geboren 1989 in Magdeburg, trat bereits am Theater ihrer Heimatstadt auf, bevor sie an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin Schauspiel studierte. In Film und Fernsehen spielte sie unter anderem in der Verfilmung von Altes Land. Svenja Liesau lebt in Berlin, dieser Roman ist ihr Debüt.

Mein Fazit:
Ich konnte dem Buch nichts abgewinnen.
Von mir 1 Stern.
Profile Image for Inge H..
504 reviews9 followers
March 13, 2026
Na Ja

Es war nicht anders möglich, ist der Debütroman der Schachaluspielerin Svenja Liesau.
Das Cover ist schon düster und zeigt auch die Düsterheit der Geschichte. Der Titel gefällt mir auch nicht so, es geht immer anders, warum auch nicht. Der Klappentext hatte mich angesprochen. Die Leseprobe gab mir schon zu denken, aber ich dachte, es kann ja noch werden.
So richtig warm kann ich mit der Protagonistin Martina nicht werden.
Gut ihre Kindheit war nicht gerade ideal, aber inzwischen ist sie Mitte Dreißig, da müsste sie ihr Leben ja in den Griff bekommen haben. Aber wenn sie immer Unmengen Wodka in sich hineinschüttet klappt nichts.
Langsamfänge sie ja wirklich an zu spinnen, kein Wunder, das sie da in der Klapse landet.
Das Leben in der Anstalt hat die Autorin ganz witzig, aber auch tieftraurig passieren lassen.
Es wurde dann noch ein ganz passabler Roman.
Profile Image for lekast .
79 reviews2 followers
May 10, 2026
Feuchtgebiete 2.0 - ein rasantes, mutiges Debut das durch die ausdrucksstarke Lesung der Autorin selbst viel gewinnt. Die Berliner Eckkneipen-Szenen sind köstlich, voller glaubhafter, tragischer Karikaturen.

Svenja Liesau hat (im wahrsten Sinne des Wortes) eine starke Stimme - manchmal vielleicht jedoch zu verliebt in die eigenen Sätze, manchmal zu überzeugt von Einzigartigkeit wo keine ist. Manchmal exzessiv um des Schocks Willen?

Jedenfalls kein Buch für schwache Nerven und auch keins, das einen zufrieden zurücklässt. Zum Schluss verliert es sich ziemlich - doch vielleicht spiegelt das auch nur die Protagonistin wieder?
Profile Image for Isa.
129 reviews1 follower
May 22, 2026
„Es war nicht anders möglich“ von Svenja Liesau ist ein intensiver Roman über Trauer, Einsamkeit und Orientierungslosigkeit. Besonders der poetische und zugleich raue Schreibstil macht das Buch eindrucksvoll und emotional.
Displaying 1 - 20 of 20 reviews