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Die kleinste größte Welt: Roman | Zwei Hebammen, ein kleines Mädchen und ein ostfriesisches Dorf im Strudel der Zeit. Über die großen Themen im Leben ... nachdenklich, atmosphärisch

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Zwei Hebammen, ein kleines Mädchen und ein ostfriesisches Dorf im Strudel der Zeit

Ein ungewöhnlicher, auch ungewöhnlich schön erzählter Roman einer Kindheit und eines ostfriesischen Dorfes während der Umbrüche in den 1960er Jahren

Dort, wo es rau und windig ist, manchmal eisig kalt, und wo ein großer Himmel alles überwölbt, wird 1959 Greta geboren. Nicht in einer Klinik – der Weg ist zu weit –, sondern mit Hilfe der Dorfhebamme in dem Landarbeiterhäuschen ihrer Großeltern. In diesem Landstrich an der Grenze zu den Niederlanden wächst das Mädchen auf, eingefügt in das Dasein ihrer Vorfahren, und doch gibt es Veränderungen – langsam, aber stetig schreiten sie voran. Straßen werden geteert, Fernseher und Wäscheschleuder halten Einzug, man schafft sich ein Moped und schließlich ein Auto an, ja insbesondere das Leben der Frauen ändert Geburten, Mutterschaft, Familie, alles unterliegt dem Wandel. Anschaulich und atmosphärisch dicht zeigt Katrin de Die kleine Welt eines ostfriesischen Dorfes war eine große.

Eine Zeitreise in die Vergangenheit, die deutlich macht, dass Veränderungen für beides Fortschritt und Verlust

248 pages, Kindle Edition

Published May 15, 2026

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About the author

Katrin de Vries

12 books2 followers
Katrin de Vries is a German writer, most notably known as a graphic novel script writer.

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763 reviews2 followers
May 26, 2026
Ein Dorf im Wandel der Zeit
Zwischen Wind, weitem Himmel und einem kleinen ostfriesischen Dorf entfaltet sich eine Geschichte, die still beginnt und lange nachwirkt. Das Leben von Greta wächst Seite für Seite mit den Veränderungen einer ganzen Zeit mit. Alte Gewohnheiten verschwinden langsam, Neues kommt dazu. Darin liegt viel von der Stärke dieses Romans. Beim Lesen entsteht nach und nach das Bild eines Dorflebens, das heute weit entfernt wirkt und trotzdem vertraut erscheint.
Die Geschichte lebt von vielen kleinen Momenten, die im Gedächtnis bleiben. Die Arbeit der Hebammen, das enge Miteinander im Dorf und die Veränderungen im Leben der Frauen wirken greifbar, ohne überladen beschrieben zu werden. Vieles erscheint selbstverständlich und zeigt gerade dadurch, wie anders der Alltag damals war. Während Straßen geteert werden und neue Dinge Einzug halten, verändert sich nach und nach auch der Blick auf Familie, Geburt und Zusammenhalt.
Mit jeder Seite wurde deutlicher, wie schnell Vertrautes verschwinden kann, obwohl Veränderungen oft ganz unscheinbar beginnen. Gerade die stillen Beobachtungen über den Alltag machen diesen Roman lesenswert.
Beeindruckend ist, wie die Kindheit dargestellt wird. Vieles besteht aus kleinen Erlebnissen, aus Menschen im nahen Umfeld und aus Dingen, die damals einfach dazugehört haben. Dadurch wirkt Greta glaubwürdig und ihre Welt wird immer greifbarer. Manche Szenen lesen sich fast wie Erinnerungen aus einer anderen Zeit.
Der Roman lässt sich Zeit. Das allerdings muss man mögen. Gerade dadurch entsteht ein gutes Bild vom Dorfleben und davon, wie sich der Alltag langsam verändert. Am Ende bleibt nicht nur die Geschichte eines Mädchens im Kopf, sondern auch der Eindruck davon, wie viel sich innerhalb weniger Jahre verschieben kann.
Was zusätzlich hängen bleibt, sind die vielen kleinen Veränderungen, die zuerst kaum auffallen und später doch ein ganzes Leben beeinflussen. Das betrifft Familien, das Leben der Frauen und auch den Zusammenhalt im Dorf. Vieles wirkt so, als könnte es genau so gewesen sein.
Am Ende blieb vor allem die Erinnerung an eine Zeit, in der vieles einfacher wirkte und zugleich schwerer war. Der Roman erzählt leise von Wandel, ohne dabei den Menschen aus dem Blick zu verlieren. Dafür gebe ich sehr gern 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Profile Image for Buchdoktor.
2,458 reviews199 followers
June 2, 2026
Die kleine Greta kommt zur Welt, als ihre Mutter Lieske erst 17 Jahre alt ist und Lieske wird in der Familie ihres Partners deutlich demonstriert, dass die Tochter eines Landarbeiters in einem Malerbetrieb mit angeschlossenem Deko-Geschäft unwillkommen ist. Greta wächst bei den Großeltern und der Lebensgefährtin (Tante Lu) des einen Großvaters auf, damit Lieske im Laden arbeiten kann. Für die gerade aufkommende Einrichtungs- und Dekowelle zeigt die junge Frau erstaunliches Geschick, über das jedoch kein Wort des Lobes zu hören ist. Da Lieskes guter Geschmack in Einrichtungsfragen ihr Betriebskapital ist, könnte man sich wundern, dass Greta nicht im Hinterzimmer des Ladens spielt und kein Interesse an Musterbüchern und Stoffresten zeigt. Ihr Vater wird im Laufe des Romans nicht erkennen, dass er sich für seine kleine Nachfolgerin im Geschäft etwas stärker interessieren könnte, anstatt auf der Geburt eines Stammhalters zu beharren.

Greta ist wie die Autorin Jahrgang 1959 und zur Zeit der Handlung bis circa 5 Jahre alt. Verknüpft ist die Erzählung aus Gretas Kindheit mit der der Hebamme Geeske Diddens, deren Berufskollegin Käthe und weiteren Personen. Käthe bringt das Schicksal der ledigen Renate ins Gespräch, die einen erheblich jüngeren Witwer mit vier Kindern heiratete; die beiden Freundinnen sind inzwischen fast 70 Jahre alt, aber immer noch bewegt vom Thema lediger Frauen und deren evtl. Entscheidung zwischen Familie und Beruf.

Katrin de Vries hat einerseits anrührende Personen wie Gretas Großvater geschaffen, verliert sich m. A. nach jedoch in zu vielen Nebenthemen (Kriegs-Invaliden, Verdrängung der Kriegsereignisse, Pflege dementer Angehöriger, die Entwicklung der Antibabypille), so dass ich mich eine Weile fragte, wer die Hauptpersonen des Romans sind. Die Atmosphäre der beginnenden 1960er, als junge Halbgötter in Weiß noch meinten, in der Geburtshilfe ohne Hebammen auskommen zu können, finde ich gut getroffen. Nicht gefallen hat mir der teils zu simple Erzählton. Kinder wie Greta, die in Mehr-Generationen-Familien, zwischen mehreren Dialekten und mit einem großen Selbstversorgergarten aufwuchsen, hatten zur Zeit der Handlung einen umfangreichen Wortschatz – und für erwachsene Leser müssen alltägliche Erlebnisse nicht künstlich heruntergebrochen werden. („Sie betraten einen Raum. Dort saß ein Mann an einem Tisch.“) Ich bin exakt in Verhältnissen wie Greta aufgewachsen und in meinem Geburtsjahrgang hätte z. B. kein Kind die Gewichte der großen Dezimalwaage unserer Väter „Metallscheiben“ genannt.

Fazit
Katrin de Vries versammelt typische Döntjes aus dem Alltag der 1960er Jahre, die einen hohen Wiedererkennungswert haben und in anderen Gegenden ähnlich passiert sein könnten. Beeindruckt hat mich besonders das Schlittschuhlaufen mit dem Großvater, über das auch bei uns noch in der dritten Generation erzählt wird und die Mehrsprachigkeit (Hochdeutsch, Plattdeutsch, Niederländisch bei den Verwandten und denkbare Ausdrücke von Tante Lu, die sicher in den Alltag eingeflossen sein werden). Insgesamt hätte ich mir eine Beschränkung auf weniger Themen gewünscht, und das Sprachniveau fand ich zu simpel, wenn nicht ausdrücklich Greta als Erzählerin auftrat.
Profile Image for Inge H..
510 reviews9 followers
June 4, 2026
Einfühlsam

Katrin de Vries führt uns in ihrem Roman „Die kleinste größte Welt“ in das Leben zweier Hebammen in den sechziger Jahren in einem Dorf in Ostfriesland.
1959 wird Greta geboren, die Mutter ist noch jung. Die Dorfhebamme hilft ihr.
Die Autorin erzähl gekonnt über diese Zeit und wie sich viel ändert.
Greta wächst erst bei den Großeltern auf und später wechselt sie zwischen den Eltern und den Großeltern. Das ist toll gemacht.
Die Hebammen Geeske aus dem Dorf und Käthe aus der Stadt haben sich bei ihrer Ausbildung kennen gelernt, jetzt sind sie über siebzig. Es ist interessant ihre Eindrücke in ihren Briefen und Dialogen mitzuerleben.
Die Autorin schreibt mit Raffinesse und viel Einfühlung diese Geschichte.
Da konnte sie mich mit ihrer Kunst überzeugen.
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