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Bis die Bären tanzen

Die Liebe zwischen Licht und ein Familienroman übers Weggehen und Bleiben

Einer der charmantesten, bezauberndsten, auch wildesten Liebes- und Familienromane der ein menschlich warmer und überbordend fantasievoller Roman über (Bären-)Masken, Meere und fliegende Menschen, ein literarisches Juwel.

Wo man schon immer war, sollte man nicht bleiben – das sagt sich die deutsche Familie Lieber, die in der Schweiz auf ihre Einbürgerung hofft, obwohl der Erste Weltkrieg alles auf den Kopf stellt. Drei der vier Geschwister wandern Isabelle in den brasilianischen Dschungel, die rebellische Anne nach Sydney und Jacob als Kunstturner ins Berlin der Nazi-Zeit. Alle sind sie in Liebesbeziehungen verstrickt, die voreinander gut getarnt sind, und mal tut die Liebe weh, mal verwelkt sie, mal leuchtet sie wie ein Feuer in der Nacht. Nach vielen emotionalen Turbulenzen – und einem Sprung über ein halbes Jahrhundert hinweg – trifft man sich in Tasmanien wieder, anlässlich einer Hochzeit, die das jahrzehntelange Schweigen in der Familie bricht.

Michael Hugentobler ist das Kunststück gelungen, einen Liebes- und Familienroman mal ganz anders zu als schillernde, funkelnde Geschichte, die einen verzaubert statt erschlägt.

Über die Sehnsucht nach Glück und Freiheit, vom Vorabend des Ersten Weltkriegs bis 1945 und danach

Für Leser*innen von Mariana Leky und Nelio Biedermann, Vea Kaiser und John Irving

335 pages, Kindle Edition

Published April 16, 2026

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About the author

Michael Hugentobler

4 books1 follower

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
Profile Image for Buchbesprechung.
239 reviews25 followers
July 1, 2026
REZENSION – So unterschiedlich sie im Einzelnen auch sein mögen, haben die drei Romane des Schweizer Schriftstellers Michael Hugentobler (50) doch Eines gemeinsam: Es sind trotz aller Tragik und Dramatik des jeweiligen Geschehens in leichtem Ton verfasste Abenteuerromane vor historischer Kulisse. In einer gelungenen Mischung aus Realismus und gelegentlich ins Phantastische und Märchenhafte gehender Fiktion schreibt der Autor, der selbst jahrelang zur See fuhr, bevor er als Schriftsteller sesshaft wurde, über Menschen, die sich auf teils gefährliche Reisen begeben oder heimatlos auf der Welt ihren Platz im Leben suchen. Nach „Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte“ (2018) und „Feuerland“ (2021) erzählt Hugentobler auch in seinem dritten Roman „Bis die Bären tanzen“, im April beim dtv Verlag erschienen, über das abenteuerliche Leben von drei Geschwistern, die die Schweiz und ihre Eltern in der vagen Hoffnung verlassen, irgendwo – frei von familiären Zwängen – ihr Lebensglück zu finden.
Das aus Deutschland stammende Ehepaar Lieber lebt mit seinen Töchtern Anne, Isabelle und Elfie sowie Sohn Jacob kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in einem kleinen Schweizer Dorf und hofft auf die Einbürgerung, die ihr allerdings verweigert wird. Vom Ersten Weltkrieg traumatisiert, kehrt der Vater als körperliches Wrack nach Hause zurück und wird über Jahre von der Mutter aufopfernd gepflegt. Die ältesten drei der in dieser familiären Tristesse heranwachsenden vier Kinder entfliehen dem Elternhaus. Nach dem Motto „Wo man schon immer war, sollte man nicht bleiben“ lässt sich Isabelle zur Auswanderung in den brasilianischen Dschungel überreden, Anne zieht es ins australische Sydney. Jacob wird Kunstturner und kommt als Zirkus-Luftakrobat während der Nazi-Zeit auf Tournee nach Berlin. Die drei Auswanderer, die sich alle von der Liebe, Versprechungen und Hoffnungen haben „entführen“ lassen, erleiden Niederlagen und Enttäuschungen. Aber sie schweigen darüber. Sie schweigen, wie schon ihre Eltern geschwiegen haben. Sie halten keinen Kontakt – weder zu den Eltern, noch untereinander. Erst viele Jahrzehnte später beginnt dieses Schweigen in der Familie zu brechen.
„Als Mama auf den Kopf gefallen ist, hat sie zu reden begonnen.“ Die Jüngste, Elfie, war zeitlebens der heimatliche, auch heimliche „Anker“ der drei Auswanderer. Als Einzige war sie in der Schweiz geblieben und hatte in ihrer Ehe mit einem erfolgreichen Geschäftsmann ihr Glück gefunden. Doch auch sie hatte zeitlebens geschwiegen. Erst nach Elfies Tod findet ihr Sohn im Keller eine hölzerne Weinkiste „mit all den Briefen, Notizzetteln, Bildern und Postkarten“ der Ausgewanderten – obenauf ein vergilbtes Familienfoto mit den vier Geschwistern im Kindesalter, einem Spielkameraden und den Eltern – das Abbild einer scheinbar heilen Familie. Der Erzähler versucht nun, endlich die Wahrheit hinter den bruchstückhaften Andeutungen über seine Familie zu finden.
Hugentoblers Roman ist eine Geschichte über Heimat und Migration, Freiheit und Identität. Ähnlich den bruchstückhaften Informationen, aus denen der Erzähler sich die einzelnen Schicksale zu einem Puzzle mühsam zusammenfügen muss, ist auch der Roman nicht chronologisch aufgebaut, sondern der Autor arbeitet mit Zeitsprüngen, wechselnden Perspektiven und auch mancher überraschender Wendung.
„Das Leben ist eine wunderschöne Katastrophe“, heißt es einmal im Buch. Dieser Satz gleicht einer Metapher für den ganzen Roman. Denn trotz aller Schwernisse, Niederlagen und Enttäuschungen, die seine Protagonisten in ihrem Leben durchmachen, ist „Bis die Bären tanzen“ keine schwermütige Familiengeschichte voller erdrückender Schicksale, sondern überrascht durch eine leichte, mit „tanzenden Bären“ und „fliegenden Menschen“ märchengleiche, dann wieder melancholische Sprache voller Warmherzigkeit. Der Autor nimmt dadurch der Dramatik der verschiedenen Lebensgeschichten die Spitze, ohne sie zu verharmlosen, macht sie aber so seinen Lesern erträglicher. Diese ungewöhnliche stilistische Verbindung von Leichtigkeit und emotionaler Tiefe macht Hugentoblers Roman so besonders.
„Das Leben ist kein Zuckerschlecken“, sagt man oft. Wohl jeder Mensch erleidet im Ablauf seiner Jahrzehnte neben Siegen auch Niederlagen. „All die Niederlagen, der ganze Kummer – das alles war wie begraben, wenn man nicht darüber gesprochen hat.“ Das Verdrängen dient dem Selbstschutz, um „sich selbst besser ertragen“ zu können. Doch am Ende bleibt die Erkenntnis: „Wenn es keine Vergangenheit gibt, gibt es auch keine Zukunft, es gibt dann nur das Jetzt.“
862 reviews2 followers
April 19, 2026
Ungewöhnlich, jedoch gut
Der Roman beginnt ruhig und ohne große Worte. Nach und nach entsteht das Bild einer Familie, die zusammengehört und trotzdem auseinandergeht. Dabei bleibt von Anfang an eine gewisse Nachdenklichkeit hängen, die sich durch das ganze Buch zieht.
Im Mittelpunkt steht eine Familie in einer Zeit, in der vieles ins Wanken gerät. Der Erste Weltkrieg verändert das Leben spürbar. Die Geschwister gehen danach eigene Wege. Einer geht nach Berlin, eine Schwester zieht bis nach Australien, eine andere nach Brasilien. Kontakt bleibt, aber eher aus der Ferne.
Die Handlung läuft langsam. Vieles wird nicht direkt erklärt, sondern einfach erzählt, ohne viel Drumherum. Manche Abschnitte ziehen sich etwas, andere springen stärker. Das ist nicht immer gleich leicht zu greifen, passt aber zur Art des Buches.
Die Erzählweise ist besonders. Es gibt viele Bilder und ungewöhnliche Gedanken. Nicht alles wirkt sofort klar. Man muss manchmal ein Stück mitgehen, ohne alles sofort einordnen zu können.
Beim Lesen bleibt eine ruhige Stimmung. Es gibt keine großen Ausschläge nach oben oder unten. Einige Szenen wirken nach, auch wenn sie nicht stark betont werden.
Insgesamt ein ruhiger Familienroman, der sich Zeit nimmt und nicht alles ausformuliert. Manche Passagen sind etwas zäh, andere bleiben im Kopf. Wer sich darauf einlässt, findet eine eigene Art von Geschichte, die nicht sofort greifbar ist. Dafür gebe ich dem Buch 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leser, die ruhige Familiengeschichten mögen, bei denen nicht alles direkt erklärt wird und manches offen bleibt. Wer sich gern auf eine etwas andere Erzählweise einlässt und auch mit längeren, ruhigen Passagen zurechtkommt, wird hier fündig. Für alle, die eine sehr klare und schnelle Handlung erwarten, kann es stellenweise etwas schwerer zugänglich sein.
Profile Image for Vera.
Author 0 books32 followers
April 26, 2026
Was für ein erfrischender Familienroman!

Ich habe die Abwechslung in der Erzählperspektive sehr gemocht. Der erste Teil wird von einer anonymen Erzählstimme berichtet. Nach und nach lernen wir die Geschwister Lieber kennen, die Zeit von der Kindheit bis zu ihrem jeweiligen Aufbruch wird überflogen.. Wir erfahren von der Mamme und dem Vater, die die Folgen des Ersten Weltkrieg nicht leicht tragen. Ich muss zugeben, dass ich in diesem Teil noch nicht ganz so warm wurde mit dem Buch. Nach dem Tod des Vaters muss die Mutter damit klarkommen, dass die Kinder alle das Nest verlassen in sich in der ganzen Welt zerstreuen: bloß eine Tochter bleibt in der Schweiz, eine Tochter zieht nach Australien, die dritte nach Brasilien, den Sohn zieht es als Kunstturner nach Berlin.

Im zweiten Teil bekommt dann jedes der Lieber-Kinder ein eigenes Kapitel mit ihrer ganz eigenen Stimmen. Die Zeit schreitet in diesem Teil langsamer voran, stattdessen werden einzelne Erfahrungen mehr beleuchtet. Hier hat das Buch mich dann endgültig gepackt.

Im dritten Teil schließt sich der Kreis, als Elfie's Sohn Constantin als gelernter Historiker versucht, die Familiengeschichten, von denen seine Mutter kurz vor ihrem Tod plötzlich berichtet hatte zu überprüfen. Dafür reist er nach Tasmanien und vereint die noch verbleibenden Familienmitglieder in gewisser Weise. Jetzt stellt sich auch heraus, dass der unbekannte Erzähler aus dem ersten Teil des Buches genau jener Constantin ist.

Profile Image for Daniela.
256 reviews2 followers
April 28, 2026
Sehr intensiv

Michael Hugentobler schafft mit „Bis die Bären Tanzen“ einen Familienroman, der aus meiner Sicht an Emotion, Dramatik, Spannung und Trauer kaum zu übertrumpfen ist.
Er beschreibt in seinem Roman das Schicksal der Familie Lieber - der ruhige und besonnene Vater, der durch seinen Einsatz als Soldat im ersten Weltkrieg zum Schläger und Nazi wird, die Mutter, die versucht zu kompensieren. Anne, die aufmüpfig ist und immer negativ zu sein scheint und die nach Australjen auswandert und dort die Wirtschaftskrise miterleben. Belle, die in ihren Jugendfreund Baron verliebt ist, deren Leben aber einen ungemütlichen Umweg über den brasilianischen Dschungel nimmt. Cob, der nach einem beinahe Zusammenstoß mit der Waffe seines betrunkenen Vaters das Elternhaus verlässt und sein Glück in Berlin sucht. Und die jüngste Tochter, die als Kind lange im Sanatorium lebt, und als einzige die Schweizer Heimat nicht verlässt.

Sehr bewegend und interessant beschreibt Hugentobler den Lebensweg der Geschwister und der Mutter. Sie vielen schweren Zeiten und Erlebnisse, durch die sie gehen. Etwas langatmig aber dennoch schön zu lesen.
Profile Image for Inge H..
546 reviews12 followers
April 16, 2026
Familie Lieber

Bis die Bären tanzen, ist ein Familienroman des Schweizer Schriftsteller Michael Hugentobler.

Er beschreibt eine Familie, die 1914 die Schweizer Staatsangehörigkeit beantragt. Es gibt vier Kinder. Von jedem gibt es eine Lebensgeschichte.
Isabell zieht mit ihrem Mann nach Brasilien. Nach seinem Tod zieht sie nach Tasmanien.
Annabel wohnt auch in Tasmanien.
Jacob ist Kunstturner. Da er sonst keine Arbeit findet, arbeitet er in einem Zirkus.
Elfriede heiratet einen Schweitzer, der es versteht, mit seiner Erfindung Geld zu scheffeln.
Am Schluss ist Friede mit Zweiundneunzig Jahren gestorben.
Eigentlich wollte sie noch nach Tasmanien fahren, weil Bell ihre Jugendliebe Baron heiratet.
Das übernimmt jetzt ihr Sohn.
Das hat der Autor ganz gut gestaltet.
Nach anfänglichen Problemen, kam ich dann gut in die Geschichte hinein.
Ich kann dem Roman eine gute Leseempfehlung geben.


1 review
September 23, 2026
Der Roman ist weit mehr als eine Familiengeschichte, eher ein Märchen voller wilder Geheimnisse und Tragödien - vielleicht ein bisschen zu viel für 330 Seiten, aber sehr gut geschrieben und nie langweilig.
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