Der Roman über toxische berührend, komisch, befreiend
Sabrina ist mit dem krebskranken Mädchen aus der Parallelklasse bloß befreundet, weil sie dafür bewundert wird. Wilma fragt sich, wann sie endlich aufhören kann, sich um andere zu kümmern – vor allem um ihre unerträgliche Schwiegermutter. Benni kommt mit dem beruflichen Erfolg seiner Freundin nicht klar und lässt sie jeden Tag dafür bezahlen. Und das Mädchen aus der Parallelklasse? Muss erst lernen, dass es echte Liebe verdient. Ronja von Rönnes Figuren erleben, wie leise Abhängigkeit erwächst und wie Nähe sich in Macht verwandelt. Rönne schreibt witzig, scharf, ohne Mitleid und doch voller Empathie. Mit feinem Gespür und großer Intensität erzählt sie so vom größten Risiko, das wir der Liebe.
Über ›Ende in Sicht‹ und ›Heute ist leider schlecht‹:
»Ihre Worte brauchen keine Geschichte, keinen Plot, kein Pathos, die brauchen nur sich selbst.« Elisa von Hof, Berliner Morgenpost
»Ronja von Rönne hat das Talent, selbst die tragischsten Momente ins Komische zu drehen. Das verleiht dem Roman eine große Kraft.« Ulf Kalkreuth, RBB
»Was Rönne nämlich beherrscht ist Kurzweiligkeit.« Marlene Knobloch, Süddeutsche Zeitung
»Pointiert, humorvoll, manchmal zart.« Sven Preger, Deutschlandradio
Zehn Tage türkische Riviera all inclusive in einem seelenlosen Bunker, wie es sie an nahezu jedem europäischen Strand gibt. Laura und ihre Freundin Miriam liegen die meiste Zeit auf dem Hotelbett. Während Miriam schläft, zappt Laura sich durch die Homeshopping-Kanäle und sieht aufgedrehten türkischen Frauen dabei zu, wie sie Make-up oder Handstaubsauger verkaufen, als wäre es das wichtigste auf der Welt. Lauras Eltern waren schon nach zwei Tagen gelangweilt, weil sie sonst immer nach Kroatien campen und wandern fahren. Dennoch haben sie Miriam und ihre Mutter an diesen bequemen Ort eingeladen.
Miriam war in der Schule regelmäßig eingeschlafen, nicht dieses typische gelangweilte Schülerinnen-wegdösen, sondern als hätte sie jemand ausgeknipst. Das kam den Lehrern seltsam vor, die Miriams Mutter nötigten, der Sache auf den Grund zu gehen. Die vermuteten Wachstumsschmerzen hielten den blau-lilafarbenen Flecken auf Lauras Schultern nicht stand. Eine einfache Blutuntersuchung ergab, dass sie von der einen Fraktion Blutkörperchen zu viele und von der anderen zu wenige hatte. Akute lymphatische Leukämie also. Und wegen der zehntägigen Gnadenfrist vor der ersten Chemo waren sie jetzt hier.
Barbara kennt Miriams Mutter aus der Selbsthilfegruppe, ihre Tochter Klara ist noch schlechter dran als Miriam und wurde zum Pflegefall. Noch dazu hat Klaras überforderter Vater die Flucht ergriffen. Barbara kommt kaum noch aus dem Haus und bestellt das meiste, das sie brauchen im Internet. Sie sammelt Versandkataloge und blättert sie immer wieder gerne durch. Die fröhlichen Gesichter beflügeln ihre Fantasie. So wie der attraktive junge Mann, der sie schon öfter von den Fotos anlächelte. Sie nennt ihn Rolf und schneidet seine Silhouetten aus, um sie an die Küchenwand zu hängen.
Fazit: Ronja von Rönne, die Journalistin, Moderatorin und Autorin, hat ein Kaleidoskop an Menschen geschaffen, die am Leben zu verzweifeln scheinen. Da ist Laura, die augenscheinlich ihre an Leukämie erkrankte Freundin dazu benutzt, sich wichtigzumachen. Barbara, die unter ihrer Einsamkeit leidet, sich aus Katalogen einen Mann fürs Leben bastelt und eine Obsession entwickelt. Benni, der seiner Freundin den beruflichen Erfolg neidet. Die Autorin setzt mit großem Gespür für die Bedürfnisse von Menschen, kleine individuelle Miniaturen zusammen und gibt ihnen eine Bühne, die sie im wirklichen Leben bräuchten. Dabei lässt sie ihre Figuren einfach lügen und betrügen, ohne die moralische Keule auszupacken. Der Sprachstil ist witzig, spritzig und treffsicher und hat mir viel Freude bereitet. Einziger Wermutstropfen, dass hier Kurzgeschichten etwas unbeholfen lose miteinander verwoben wurden, um dem Ganzen den Anschein eines Romans zu geben. Nichts destotrotz habe ich das sehr gerne gelesen.
Im Mittelpunkt dieses Buches stehen vier Frauen mit ihren schmerzhaften Lebenskonstrukten. Laura lernt bereits als Kind, wie sich Mitleid für die eigene Wirkung nutzen lässt und erschafft sich eine Lügenwelt, um überhaupt gesehen zu werden. Barbara kompensiert ihre Einsamkeit, indem sie ihr leeres Haus mit Versandhauskatalogen und der Behauptung über einen fiktiven Partner füllt, weil sie anders nicht zu überleben weiß. Heike verharrt seit drei Jahrzehnten im Eigentum ihrer Schwiegermutter und sehnt sich vergeblich nach einem gestaltbaren Garten, während Christina ihre Realität durch Miniaturkunst schrumpft, um in der echten, großen Welt nicht unterzugehen. Ergänzt werden diese Schicksale durch Matti, der unter seiner Arbeitskollegin leidet und einen unrühmlichen Weg wählt, um sich zur Wehr zu setzen.
Das Buch war völlig anders als erwartet. Statt des erhofften stringenten Romans bekam ich lose verknüpfte Kurzgeschichten, die sich erst ganz am Ende miteinander verbinden. Jede einzelne Erzählung über Selbstzweifel, Täuschung, Lügen, Einsamkeit und Schmerz hat mich emotional berührt, gleichzeitig hätte ich mir eine in sich direkt zusammenhängende Geschichte gewünscht. Die Schicksale hallen lang in mir nach, gerade weil die Protagonisten fernab jeglicher Stereotypen agieren. Richtig identifizieren kann ich mich nicht mit den Figuren, auch wenn ich manche ihrer Gedanken nachvollziehen konnte, nicht aber die extremen Handlungen, die daraus resultierten. Und trotz des Aufbaus mit den Kurzgeschichten hat das Buch eine unglaubliche Sogwirkung auf mich entwickelt.
Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet. Sie wirken plastisch, scharf umrissen und in all ihren psychologischen Abgründen absolut greifbar. Ronja von Rönne nutzt einen modernen, pointierten Schreibstil, der perfekt auf die jeweilige Figur zugeschnitten ist. Durch die klare Sprache entsteht eine unmittelbare Nähe zu den Welten dieser Menschen. Dennoch wäre mit ein stärkerer Zusammenhang der fünf Lebenswelten lieber gewesen, und ich hätte ein festes Romangefüge den fünf einzelnen Geschichten vorgezogen. Die thematische Klammer um Selbstliebe und die unschönen
In Alles Liebe erzählt Ronja von Rönne die Geschichten von fünf Menschen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Erst nach und nach wird deutlich, was sie verbindet. Die Leserschaft begleiten Laura, Barbara, Heike, Fedor und Mattis an unterschiedlichen Punkten in deren Leben. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Liebe, Sehnsucht, Einsamkeit und die kleinen wie großen Lügen, die Menschen sich selbst und anderen erzählen. Dabei zeigt die Autorin eindrucksvoll, wie unterschiedlich die Beweggründe dafür sein können und welche Folgen daraus entstehen. Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Jedes der fünf Kapitel fühlte sich wie ein kleiner Film an, der mich komplett in das Leben der jeweiligen Figur hineingezogen hat. Lange bleibt offen, wie die Geschichten zusammenhängen, und genau das hat mich neugierig weiterlesen lassen. Ich wollte unbedingt wissen, ob die Protagonisten ihre Lügen aufrechterhalten können oder ob irgendwann alles zusammenbricht. Besonders das Kapitel über Mattis hat mich tief bewegt. Es ist ein Schlag in die Magengrube, insbesondere für viele Frauen, weil es schonungslos zeigt, wie schnell Glaubwürdigkeit infrage gestellt und Schuld verschoben wird. Ich denke eine Triggerwarnung wäre hier sinnvoll. Ronja von Rönne beschreibt Themen wie die benannte Glaubwürdigkeit, Schuldzuweisungen, das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und den Wunsch dazuzugehören auf eine Weise, die erschreckend real wirkt. Gerade weil sie nichts dramatisiert, sondern die Realität so nüchtern schildert, haben mich alle Kapitel gedanklich beschäftigt. Ronja von Rönne schafft es, ihren Figuren viel Tiefe zu geben. Ich konnte ihre Gedanken und Gefühle jederzeit nachvollziehen, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer verstanden habe und teilweise ihr Verhalten mich wütend machte. Genau das macht aber die Charaktere so menschlich und nahbar. Für mich war Alles Liebe ein emotionales, kluges und zugleich kurzweiliges Buch, das mich zum Nachdenken gebracht hat wie schmal der Grat zwischen Wahrheit und Selbsttäuschung manchmal ist. Ein Roman, der mich nachhaltig beeindruckt hat.
// Vorabexemplar von vorablesen.de zur Verfügung gestellt //
Dieses Buch hat mich hinsichtlich einer Bewertung wahnsinnig ratlos zurückgelassen. Auf der einen Seite hat es sich total flüssig heruntergelesen, Sprache gefeilt fließend, Geschichten ausreichend spannend, vertraut, wohlig. Auf der anderen Seite war genau dieses Gefühl irgendwie sonderbar: Das Buch spielt nicht nur anfangs zu Beginn der 00er Jahre, es liest sich auch wahnsinnig wie ein Buch aus dieser Zeit. Assoziationen an z.B. Kurzgeschichten von Jostein Gaarder haben sich mir aufgedrängt, sowohl stilistisch als auch thematisch, und das ist jetzt keineswegs eine Beleidigung, denn ich habe diese Geschichten damals geliebt, aber es fühlt sich dadurch auch sonderbar "unmodern" an, gerade angesichts der jungen Autorin. Die letzte Geschichte löst zwar auf, warum sie "so weit" in der Vergangenheit ansetzen muss, aber ich habe mich durch das Buch hinweg nach etwas mehr "Modernität" für Sprache und Themen gesehnt. Teilweise blieben die verhandelten Konflikte eher oberflächlich und wurden nur lange auserzählt, hätten aber mit einem Satz zusammengefasst werden können. Und auch da springt jetzt meine innere Kritikerin wieder rein und denkt "ist doch nicht schlimm, es muss ja keineswegs Sinn von Literatur sein, mit jedem Satz etwas neues zu erzählen" - ich war nur irritiert, weil ich nicht glaube, dass die Autorin platte Aussagen wie "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht" treffen wollte. Auch hätte ich die Geschichten vermutlich nicht unter dem Aufhänger der "Liebe" versammelt, aber vielleicht oute ich mich damit auch, dass ich den ganzen Hintergrund des Buches nicht verstanden habe. Insgesamt ein Buch, was mich trotz oder wegen sehr guter Lesbarkeit mit einem zu vertrauten / hab ich schonmal so gelesen - Gefühl zurück lässt, was ich einfach nur ein bisschen schade finde, weil ich Ronja von Rönne durchaus mehr Experimentierfreude und Frische zutraue.
Nach Liebe und Anerkennung sehnen wir uns vermutlich alle. Doch wie viel von uns selbst sind wir bereit aufzugeben, um gesehen zu werden? Und können Anerkennung und Liebe anderer wirklich ersetzen, was wir uns selbst verweigern? Genau diesen Fragen widmet sich - zumindest meiner Interpretation nach - Ronja von Rönne in ihrem Roman "Alles Liebe“.
Vielschichtig verwoben erzählt sie die Lebensgeschichten unterschiedlicher Charaktere, die auf ihre eigene Weise darum ringen, angenommen zu werden. Da ist Laura, die seit ihrer Kindheit versucht, die Wahrnehmung ihrer Mitmenschen zu manipulieren, oder Heike, bei der erst ein Schicksalsschlag den jahrelang angestauten Groll an die Oberfläche bringt. Getragen von Ronja von Rönnes feinfühligem Blick und ihren facettenreichen Charakteren flog ich mühelos von Seite zu Seite - von Schicksal zu Schicksal. Ihr Roman lädt schmerzhaft dazu ein, zu ergründen, wie wir Liebe definieren und ob sie nicht manchmal nur ein Synonym für emotionale Abhängigkeit ist. Ungeschönt setzt sich die Autorin mit den Abgründen menschlicher Beziehungen auseinander.
Fazit: "Alles Liebe“ ist ein tiefgründiges Spiegelbild menschlicher Sehnsüchte Mich hat der Roman so gefesselt, dass ich ihn innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Ein bedrückendes, aber lohnendes Leseerlebnis, das noch lange nachhallen wird und in mir die Frage aufgeworfen hat: Möchte ich die Leinwand für die Erwartungen anderer sein - oder lieber ein eigenes Bild, dessen Farbenreichtum gerade dadurch entsteht, dass ich meine Fähigkeiten und Schwächen miteinander mische, anstatt sie mühsam zu verbergen?
Ronja von Rönnes neues Buch "Alles Liebe" hat mich wirklich umgehauen. Die 5 kurzen Geschichten sind alle lose miteinander verbunden und alle, wirklich alle, haben mich am Ende der jeweiligen Geschichte sprachlos zurück gelassen. Es geht um Laura, die als junges Mädchen feststellt, wie es sie aufwertet in den Augen der Mitschüler, Lehrer und anderer Eltern, wenn sie Mitleid erweckt und spannende Geschichten erzählen kann. Um Barbara, die sich aus ihrem einsamen und unfassbar traurigen Leben in eine Phantasiewelt flüchtet. Es geht um Heike, die sich mit einer lieblosen Ehe und einer passiv-aggressiven Schwiegermutter herumschlägt. Es geht um Christina, die feststellt, dass Liebe auch einfach aufhören kann. Und es geht um Mattis, der den Bogen wieder zu Laura schlägt, die nun erwachsen ist und nie aufgehört hat, zu lügen und Geschichten zu übertreiben. Die Geschichten sind klar und pointiert geschrieben, die Figuren gut umrissen und plastisch geschrieben. Jede Geschichte, jedes Schicksal trifft beim Lesen direkt ins Herz - und die kunstvolle Verwebung der Kurzgeschichten miteinander macht den Roman wirklich zu einem Meisterwerk. Ich habe Angst bekommen, ich habe gelacht, ich habe mit gefühlt und getrauert und ich habe Gänsehaut bekommt - ein Roman, der mich mitten ins Herz getroffen hat. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung!
Ronja von Rönnes neuer Roman "Alles Liebe" erzählt fünf Geschichten von Menschen, die komplett unterschiedliche Leben führen. Fünf Schicksale, die sich nur an der ein und anderen Stelle überschneiden - aber trotzdem komplett für sich alleine stehen. Da ist Laura, die ihre krebskranke beste Freundin ausnutzt, um beliebt zu werden. Heike, die ihr Leben an der Seite ihres Mannes und dessen Mutter vor sich hin lebt, aber eigentlich nur gesehen werden möchte. Fedor, dessen Liebe zu Christina manchmal gar nicht so einfach von Hass zu unterscheiden ist. In "Alles Liebe" spielt Ronja von Rönne mit Grenzen, testet sie aus, lotet aus, was moralisch vertretbar ist. Der Titel des Buches findet sich in den Geschichten in dem Sinne wieder, dass alle Charaktere aus Liebe oder dem Fehlen von ihr so handeln, wie sie es tun. Es geht um Schmerz, Trauer, Einsamkeit, Familie und Hingabe. Ronja von Rönne zeigt, was Liebe alles sein kann: ein Antrieb, ein Anker, eine Lücke, eine Lüge, eine Gefahr, ein Traum. Ich wusste irgendwie zu Beginn nicht, wie ich mir die Geschichte dieses Buches vorstellen muss, aber die einzelnen kleinen Geschichten haben mich super unterhalten. In jedem Kapitel finden sich auch augenzwinkernde Beobachtungen, die Ronja von Rönne gezielt einsetzt. Eine ganz große Empfehlung für eine snackable Lektüre!
In "Alles Liebe" erzählt Ronja von Rönne in fünf Geschichten von Menschen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Liebe, Wahrheit und Selbsttäuschung auseinandersetzen.
Die einzelnen Kapitel stehen zunächst für sich, ergeben zusammen aber ein spannendes Gesamtbild, in dem sich die Lebenswege der Figuren kreuzen und das Grundthema immer wieder zum Tragen kommt: Welche Lügen erzählen wir anderen und welche uns selbst? Dabei gelingt es der Autorin, diese ernste Themen in einem leichten Ton zu erzählen.
Die Figuren selbst boten mir zwar nur wenig Identifikationspotenzial, dennoch hatte jede Geschichte ihren eigenen Reiz. Manche wirkten auf mich stimmiger, andere etwas absurder, aber die Vielfalt machte das Lesen abwechslungsreich. Durch den kurzweiligen Schreibstil habe ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen.
Alles in allem ist "Alles Liebe" ein ungewöhnlicher Roman über die Wahrheit, der an manchen Stellen auch wehtut. Nicht jede Geschichte hat mich gleichermaßen überzeugt, aber die gelungenen Verbindungen zwischen den Figuren und die vielen Denkanstöße machen das Buch für mich zu einer klaren Leseempfehlung.
"Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist ein Roman, der in Episoden von verschiedenen Formen von Liebe erzählt. Doch es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Angst, Schmerz, Wertschätzung und dem Wunsch nach Anerkennung und Sichtbarkeit, was immer wieder zu Lügen führt. Laura hat eine beste Freundin, die an Krebs erkrankt, doch denkt sich immer neue Geschichten aus, um interessant zu wirken. Barbara erfindet eine Beziehung zu einem Katalogmodell, Heike lebt jahrzehntelang im Haus ihrer Schwiegermutter und träumt von Gartenprojekten, die sie nie umsetzen darf. Christina ist Künstlerin und verkleinert in ihren Werken die Welt, weil ihr alles zu groß erscheint.
Ich mochte die unterschiedlichen Figuren und die Beschreibung ihrer Leben sowie ihrer Beziehungen - zu sich und zu anderen - sehr gern. Während zu Beginn jede Erzählung für sich steht und jede offen bleibt, findet Ronja von Rönne zum Schluss eine Verbindung zwischen den einzelnen Figuren und spinnt so ein großes Netz aus Liebe, Lügen und (unausgesprochenen) Wahrheiten.
Ein Roman, der mich bewegt hat, in dem viel Identifikationspotential steckt und der zum Nachdenken anregt.
Ganz anders, als ich nach dem Klappentext und der Leseprobe erwartet hatte. Und definitiv auch ganz anders, als andere Bücher, die ich bisher gelesen habe. Ich kannte bisher nur eines der Vorgängerbücher von Ronja von Rönne (Ende in Sicht), welches mir sehr gut gefallen hatte und weshalb ich aufgeschlossen war gegenüber weiterer Lektüre der Autorin. Das aktuelle Buch habe ich schnell und flüssig lesen können. Der Schreibstil ist angenehm und locker zu lesen - wie auch beim letzten Buch der Autorin. Ich habe das aktuelle Buch nach dem Lesen aber erstmal "verdauen" müssen, da die Geschichten darin doch sehr unerwartet und aufwühlend (besonders die letzte) für mich waren. Ich möchte nicht zu sehr spoilern, deshalb nur die kurze Bemerkung: "Hä?" Das war mein Gedanke beim Beenden des Buchs. Der Titel "Alles Liebe" erweckt komplett andere Assoziationen als das, was der Inhalt einem letztendlich bietet. Alles in allem empfand ich das Buch eher als "Schwere Kost" und kann es definitiv nicht als lockere Sommerlektüre empfehlen.
Als ich den Roman begonnen habe, war mir nicht klar, dass darin fünf Kurzgeschichten enthalten sind. Während die ersten beiden noch miteinander verkettet sind und tiefgründig und mit Galgenhumor von einer schweren Krankheit erzählen, konnten mich die anderen Geschichten, die nahezu keine Verbindung miteinander haben, nicht abholen. Dafür waren die Geschichten schlichtweg zu kurz, und es wirkte teilweise aufgesetzt, trashig. Die Figuren hätte ich gerne näher kennengelernt, nicht nur die eine Seite, die die Autorin zeigen will. Ihr scheint es hauptsächlich darum zu gehen, verschiedene Fragen der Moral abzuhandeln. Dennoch bleibt es wichtig, bei diesem flüssigen Schreibstil auch zwischen den Zeilen zu lesen, sonst verpasst man etwas. Für mich hat der Roman wichtige Momente gehabt, jedoch konnte er mich nicht mit den Gedanken gefesselt halten. Insgesamt nette, wortgewandte Unterhaltung mit einer moralischen Perspektive, die auch ihre Anhänger finden wird. Man sollte sich nur zügig auf Kurzgeschichten einlassen können.
Alles Lügen "Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist etwas ganz Besonderes, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe. Der Roman ist in mehrere Kurzgeschichten aufgesplittet, die dabei verschiedene Menschen und deren Schicksale beleuchten. Am Ende spinnen sich die Kurzgeschichten in der letzten Geschichte zusammen, das war ganz wunderbar gemacht von der Autorin. Auf den ersten Blick haben die Geschichten erstmal nicht unbedingt etwas mit Liebe zu tun, das Handeln der Personen lässt sich aber immer durch Liebe erklären. In erster Linie geht es tatsächlich um das Lügen - aus Liebe, wegen der Liebe, für die Liebe, aus Selbstliebe. Weder Laura, Barbara, Heike, Fedor noch Mattis sind hundertprozentig liebenswert - ich habe sie bemitleidet, gehasst, gemocht. Am Ende haben sie aber alle aus Liebe gehandelt - ob das jetzt moralisch richtig oder falsch ist, muss der Leser aber für sich entscheiden ;)
Das Buch ist eine Sammlung aus Kurzgeschichten, die sich miteinander überschneiden und auf melancholische Art und Weise das Leben von ganz unterschiedlichen Frauen beschreibt. Es zeigt wunderbar, wie verwoben unsere Schicksale sind und das man oft gar nicht wahrnimmt, wie sich einzelne Lebenssphären überschneiden.
Ich habe bereits viele gute Meinungen über Ronja von Rönne gehört, aber trotz dieser Erwartungen schaffte es die Autorin, sie zu übertreffen. Ihr Stil ist kantig und trifft genau ins Schwarze. Ohne große Beschreibungen schafft sie es, die richtige Atmosphäre aufzubauen und spannende Charaktere zu erschaffen. Besonders gefallen hat mir, wie wertfrei sie die Geschichten schildert, sodass man sich als Leserin und Leser selbst eine Meinung über die einzelnen Personen und ihre Handlungen bilden kann. Dadurch setzt man sich noch mehr mit dem Buch auseinander. Ich könnte mir das Buch daher auch sehr gut für eine Leserunde vorstellen, da es viel Diskussionspotential liefert.
Mir war die Autorin bisher nicht bekannt und das schlichte Cover und der Titel haben mir noch keinen Vorgeschmack auf das Buch bieten können. Doch schon nach wenigen Seiten war ich sehr begeistert. Das Buch besteht aus mehreren Kurzgeschichten und auch wenn diese ersteinmal unabhängig voneinander wirken, so entdeckt der aufmerksame Leser die Zusammenhänge. Was für ein cooler Twist. Es geht um Liebe und Lügen und wie sich die jeweiligen Protagonisten aus Lügen ihre eigene Welt erschaffen in die sie immer tiefer versinken, bis es kaum noch eine Möglichkeit für ein zurück gibt. Es hat mir viel Spaß gemacht das Buch zu lesen, aber ich bleibe auch sehr nachdenklich zurück. Die Geschichten berühren tief und man fragt sich unweigerlich, ob man nicht auch im Umfeld Menschen hat, die sich in eine solche Lügenwelt flüchten... Ganz große Leseempfehlung.
Alles Liebe war für mich völlig anders als erwartet. Statt eines klassischen Romans bekommt man einzelne Geschichten, die sich erst nach und nach zu einem Ganzen verbinden. Das fand ich richtig clever gemacht. Jede Erzählung hat mich auf ihre eigene Weise emotional berührt… über Selbstzweifel, Einsamkeit, Liebe und Verlust. Das Hörbuch, gelesen von Ronja von Rönne selbst, hat der Geschichte für mich zusätzlich eine besondere Atmosphäre verliehen.