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So gesehen handeln Die Schatten der Vergangenheit der amerikanischen Autorin Janice Deaner vom Verlust der Zukunft. Eigentlich aber handelt das Buch wie alle Bücher Deaners vom Einbruch einer düsteren Vergangenheit ins Alltagsleben. Das ist so in ihrem Roman Als der Blues begann, wo der Neuanfang einer Familie von der Geschichte der Mutter überschattet ist, und in Fünf Tage, fünf Nächte gehört die biografische Erzählung zweier Fremder im Zug sogar zur (nicht immer überzeugenden) Grundidee. Hier nun ist das Thema über die Figur des jüdischen Evolutionsbiologen Mendelssohn mit dem des Holocaust verknüpft, der nach dem Verlust seines Manuskripts und seiner Frau fern von New York mit einer neuen Liebe einen Neuanfang wagt. Aber Die Schatten der Vergangenheit holen das Paar unaufhaltsam ein. Das hätte natürlich gründlich missraten können, ist aber wunderbar gelungen.
In Buffalo hat Deaner Film studiert, und dieses Training merkt man ihren Büchern -- nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell -- auf jeder Seite an. An den schlechtesten Stellen von Die Schatten der Vergangenheit wirkt das so, als wolle sie lediglich das Buch zu einem Kinohit verfassen; an den besten aber kommt ihr kinematografischer Blick der Spannung ihres Plots zugute. So ist Die Schatten der Vergangenheit durchgehend gut gemacht und über weite Strecken sogar sehr gutes Buch. --Stefan Kellerer
288 pages, Paperback
First published January 1, 2001