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Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary

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Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu - und die der Familie Mann: Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück.

Ein Ort, eine Familie, drei Monate bei dreißig Grad – »Wenn die Sonne untergeht« ist eine große Familienaufstellung: Kaum im unsicheren südfranzösischen Exil angekommen, will Thomas Mann eigentlich sofort wieder zurück in seine edle Münchner Villa. Sein Bruder Heinrich hingegen genießt die Freiheit des Südens. Dazwischen die sechs Kinder von Thomas und Katia: Der eine, Michael, spielt Tag und Nacht Geige, der zweite, Klaus, gründet eine Exil-Zeitschrift, die dritte, Elisabeth, badet und genießt die Zeit ohne Schule. Erika, die älteste, führt Regie und schmuggelt den Besitz der Manns aus München über die Grenze, Golo holt das Geld von den Konten und versorgt den vergessenen Hund. Und Monika? Sie bleibt einfach am Strand von Sanary liegen.

Florian Illies erzählt von der Trauer um den Verlust der Heimat und des Besitzes, der Angst vor den Plünderungen der Nazis, von Trotz und Leidenschaft. Von Wehmut und vom Überlebenswillen, obwohl die alte Welt einzustürzen droht. Und er erzählt von der großen Zerreißprobe zwischen Klaus und Erika und ihrem Vater Thomas.

»Ich glaube«, sagte Marcel Reich-Ranicki, »dass es in Deutschland im 20. Jahrhundert keine bedeutendere, originellere und interessantere Familie gegeben hat als die Manns.« In Sanary ist diese außergewöhnliche Familie in einem absoluten Ausnahmezustand – alle werden das erste Mal gezwungen, sich zu bekennen. Zueinander. Zu Deutschland. Oder auch, so traurig es ist: Dagegen.

336 pages, Hardcover

Published October 22, 2025

74 people are currently reading
500 people want to read

About the author

Florian Illies

33 books212 followers
Florian Illies ist ein deutscher Journalist, Kunsthändler, Kunsthistoriker und Buchautor. Ab Januar 2019 war er geschäftsführender Verleger des Rowohlt Verlags.

Author Florian Illies has worked as culture editor for major German newspapers and magazines, and is a co-founder of "Monopol" a magazine for art, literature and lifestyle.

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Displaying 1 - 30 of 48 reviews
Profile Image for LeserinLu.
330 reviews39 followers
October 26, 2025
Florian Illies ist wieder in seinem Element: fein beobachtend, elegant formulierend und mit einem unverkennbaren Gespür für Zwischentöne. In „Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary“ widmet er sich der wohl berühmtesten deutschen Künstlerfamilie im Exil der 1930er Jahre – den Manns – und zeichnet ein dichtes Porträt der Monate, in denen die Familie in Südfrankreich Zwischenstation macht.

Wie schon in seinen bisherigen Büchern gelingt Illies auch hier, akribisch recherchierte historische Fakten mit Atmosphäre, Witz und Tiefe zu verbinden. Sein Blick auf die Familie Mann ist nie voyeuristisch, sondern liebevoll distanziert: Er zeigt die Eigenheiten, Eitelkeiten und Empfindlichkeiten dieser außergewöhnlichen Familie aus den verschiedenen Perspektiven, die klug nebeneinander arrangiert werden. Man spürt den heißen Sommer, die politische Bedrohung und die Zerissenheit der Familienmitglieder. Die Sprache ist, auch typisch Illies, mal einfühlsam und poetisch, dann wieder pointiert und leicht ironisch.

Wer Ilies‘ andere Bücher mochte, wird auch dieses hier lieben. Ich habe es auf jeden Fall sehr gerne gelesen und freue mich schon auf das nächste.
Profile Image for Ellinor.
766 reviews363 followers
December 2, 2025
Das Thomas Mann Jahr neigt sich dem Ende zu. Natürlich durfte neben einem Werk des Zauberers persönlich auch eine Lektüre über ihn nicht fehlen. Ging es in Thomas Mann macht Ferien trotz Krieg noch recht friedlich zu, schaut die Welt in Florian Illies‘ Wenn die Sonne untergeht schon etwas anders aus. Thomas Manns politische Einstellung hat sich grundlegend geändert, er ist nun glühender Verfechter der Demokratie. Dies macht ihn in den Augen der an die Macht kommenden Nationalsozialisten aufgrund seiner großen Prominenz zu einem gefährlichen Gegner. Eigentlich mehr durch Zufall befinden sich Thomas und seine Frau Erika zum Zeitpunkt der Machtübernahme im Ausland. Der Nobelpreisträger möchte nämlich zunächst nicht wahrhaben, was sich in seiner Heimat abspielt und wie schlimm die Dinge tatsächlich sind. Sein Bruder Heinrich ist in dieser Sicht schlauer, er schlägt gerade noch rechtzeitig die Flucht ein.
Die sechs Kinder von Erika und Thomas sind teilweise bei ihnen, teilweise in Deutschland, teilweise anderweitig im Ausland. Erst nach mehreren Monaten versammeln sich alle in Südfrankreich. In dem kleinen Ort Sanary landen sie auch eher zufällig. Dort halten sich auch einige andere Intellektuelle auf, die meisten ebenfalls auf der Flucht.
Ich habe schon einige Bücher von Florian Illies gelesen und mag seinen Stil sehr. Er schreibt sehr elegant, oft auch mit einer gewissen Prise Humor oder leichter Ironie. Er berichtet in kurzen, sorgfältig recherchierten Abschnitten. Bei ihm wird die Geschichte lebendig, die Personen erwachen zum Leben. Er beschönigt auch nichts. Thomas Mann kommt, um es etwas flapsig auszudrücken, nicht besonders sympathisch rüber, ganz besonders nicht, wenn man im Anhang vom Schicksal seines Sohnes Michael liest. Es mag der bessere Schriftsteller sein, sein Bruder Heinrich jedoch ist mir menschlich der liebere.
Wer noch nichts über oder von Thomas Mann gelesen hat, für den oder die ist dieses Buch ein guter Einstieg. Gleiches gilt für alle, die Florian Illies noch nicht kennen. Hier ist das Personal begrenzter als beispielsweise in 1913. Neben der Familie Mann (die an sich schon recht umfangreich ist) gibt es zwar immer noch etwa zwei Dutzend Personen, trotzdem ist alles überschaubarer.
Profile Image for Prusseliese.
436 reviews24 followers
December 1, 2025
Ich habe viel Interessantes und einiges Neue über Thomas Mann und seine Familie erfahren.
Für mich das bisher beste Buch vom Autor.
87 reviews2 followers
November 1, 2025
Sommer im Exil

Ein Buch von Florian Illies, wie man es kennt: In kleinen Episoden erzählt er in ironischem und sehr präzisem Ton von den Manns, der größten deutschen Schriftstellerfamilie. Basierend auf deren Tagebucheinträgen und anderen historischen Quellen zeichnet der Autor nach, wie schwer sich Thomas Mann und Katia im erzwungenen Exil im Süden Frankreichs taten. Die Kinder, die fast alle Literaten eigenen Ranges waren oder wurden, erkannten viel schneller die mörderische Gefahr des Nazi-Regimes und drängten die Eltern und Großeltern zum Exil und publizistischen Widerstand, in dem Bruder Heinrich Mann schon angekommen war.
Besonders interessant waren die Informationen über und Einblicke in das Leben und die Gedanken von Klaus, Erika und Golo Mann. Auch die Atmosphäre des kleinen Sanary-sur-Mer mit seinen anderen berühmten Exilanten ist gut eingefangen. Dieses Buch sollte man zwischen Uwe Wittstocks Winter 1933 und Marseille 1940 lesen, um ein vollständiges Bild des Exils deutscher Schriftsteller:innen zu erhalten.
Profile Image for Wal.li.
2,561 reviews70 followers
January 13, 2026
Tommie, der Zauberer

Der Schriftsteller Thomas Mann weilt gerade im Ausland als die politische Lage in Deutschland immer brisanter wird. Seine Kinder Erika und Klaus können ihren Vater überzeugen, dass es besser ist, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Die Manns landen als erste Station ihres langjährigen Exils in Sanary am französischen Mittelmeer. Auch Heinrich Mann hat es so gerade noch auch Deutschland heraus geschafft. Mit dem Gedanken, seine Heimat verlassen zu müssen, tut sich Thomas Mann schwer. Eigentlich möchte er lieber zurückkehren. Doch je mehr vom Eigentum der Familie beschlagnahmt wird, je mehr ihre Rechte eingeschränkt werden, desto mehr muss auch der Autor einsehen, dass ein Aufenthalt in einem anderen Land vorzuziehen ist.

Die Familie Mann hat Nazi-Deutschland schon relativ früh verlassen. Als die Situation brenzlig wird, sind sie glücklicherweise gerade unterwegs. Doch die Eltern und Schwiegereltern und auch einige ihrer sechs Kinder sind noch daheim. Die Manns müssen damit leben, dass Teile ihres Eigentums plötzlich beschlagnahmt werden. Und doch ermöglichen sie es auf Umwegen einige Unterlagen und Dokumente aus dem Land zu schaffen. Nach und nach versammelt sich auch der Familienreis in Frankreich. Auch gibt es Unstimmigkeiten mit dem Verleger, der wegen der Veröffentlichung des nächsten Werkes meint, man müsse sich dem Regime anbiedern.

Dieses Hörbuch wird vorgetragen von Stephan Schad, der es versteht, die Beklemmung fühlbar werden zu lassen, die man ob der politischen Lage in Deutschland im Jahr 1933 empfindet. Dieses Hörbuch ist in einer gekürzten Version verfügbar in der ARD-Audiothek. Allerdings wurde ein wenig zu viel gekürzt, was schon etwas schade ist.

Florian Illies nähert ist der Familie Mann während ihres Aufenthalts in Sanary im Sommer 1933 auf interessante Weise an. Zum einen erzählt er von den Ereignissen, zum anderen werden auch Äußerungen, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen zitiert. Das verleiht der Erzählung viel Authentizität. Man spürt die Beklemmung, das Abwägen, die Entscheidungen. Man fiebert mit, ob in erster Linie Menschen, aber auch die erwünschten Sachen, aus Deutschland heraus gelangen. Man fragt sich, wie eine sogenannte Regierung herausragende Persönlichkeiten ihres Landes so behandeln kann. Wie werden sie dann erst mit den normalen Menschen verfahren? Die Geschichte hat es gezeigt. Vielleicht ist es überhaupt mal wieder an der Zeit, sich mit Thomas Mann zu beschäftigten, der in diesem Jahr seinen hundertfünfzigsten Geburtstag gefeiert hätte.
Profile Image for Lukas.
10 reviews
December 15, 2025
Ein Werk, dass der Kategorie „Historischer Gossip“ am nächsten kommt. Das Buch bietet ein wunderbar zugängliches Portrait der Familie Mann im Jahr 1933. Wer die früheren Werke Florian Illies kennt, weiß um des Autors Detail verliebte Leichtigkeit des Geschichtenerzählens. In diesem Buch geht es so weit, dass man sich mehrfach fragt: Sind all die Details Fiktion oder Wahrheit? Es entsteht eine großartige Erzählung, die die Lesenden mitnimmt auf eine Reise ins französische Exil der Mann-Familie, liebevoll rekonstruiert und kunsthistorisch aufgearbeitet aus den unzähligen Tagebucheinträgen der Familienmitglieder aus dem Jahr 1933, den in dieser Zeit entstandenen Romanen der Akteur:innen und aus den Erzählungen von Zeitzeug:innen. Wer in die Welt des Thomas Mann (und zugleich in die der deutschen Emigrant:innen) einsteigen möchte, der Person sei dieses Buch wärmstens empfohlen!
Profile Image for Elke Sonne.
525 reviews
October 25, 2025
Familie Mann im Exil

„Wenn die Sonne untergeht: Familie Mann in Sanary“ ist ein interessanter Roman über die Familie Mann des in Berlin lebenden Autors, Journalisten, Kunsthistorikers und Kurators Florian Illies.

Die Handlung beginnt im Februar 1933 in München im Hause der Familie Mann. Thomas und Katja brechen zu Vorträgen in Amsterdam, Brüssel und Paris auf und wollen im Anschluß zur Erholung nach Arosa in die Schweiz. Zu diesem Zeitpunkt ahnen sie nicht, dass sich ihre Rückkehr um Monate verzögern wird, da Thomas Mann wegen der Nationalsozialisten nicht nach Deutschland zurückkehren kann. Er lebt – wie viele andere deutsche Intellektuelle – mit seiner Familie im Exil in Sanary-sur-Mer in Frankreich. Im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich, der das Leben im Süden genießt, zieht es ihn zurück nach München.

Ich habe schon einige Bücher über die Familie Mann gelesen und dennoch in diesem wieder ganz neue Seiten dieser außergewöhnlichen Familie kennengelernt. Sicherlich lag dies nicht nur an der außergewöhnlichen Situation, sondern auch daran, dass Florian Illies ausgiebig recherchiert hat, wobei er unveröffentlichte Dokumente, Tagebücher Golo Manns und Menschen mit viel Hintergrundwissen als Grundlage für seinen Roman zugrunde gelegt hat.

Der Autor erweckt hier die Familie Mann zum Leben. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb der Familie sind klar und authentisch gezeichnet. Es ist kein trockenes Sachbuch, sondern eine Biografie über das Leben einer Familie mit ihren ganz besonderen Eigenheiten, in der die Atmosphäre dieser ungewöhnlichen und schwierigen Situation ebenso durchkommt wie der damalige Zeitgeist.

Am Ende rundet Florian Illies sein Buch gelungen damit ab, wie es für die einzelnen Personen nach dem Sommer in Sanary weitergeht. Außerdem gibt es einen übersichtlichen Stammbaum der Manns und einen Überblick über die Sommergäste in Sanary.

Mich hat das Buch gefesselt und ausgesprochen gut unterhalten.
Profile Image for Kuu.
382 reviews5 followers
November 16, 2025
Thank you to NetGalley and the publisher for this ARC!

This is supposed to be (literary) fiction, and I think this designation is where my problem with this book lies. It feels like a nonfiction memoir, not at all like fiction, which is why I also don't feel like I should be calling it a novel.

The narrator did a wonderful job narrating this work, and it's not like the book is BAD - it's just really not what I was looking for when I picked up this book. I expected a fictionalised retelling of the Mann's lives during Nazi Germany, but what I got was... a nonfiction retelling, much like an average biography. And while that certainly has its merits, it wasn't what I was looking for, and I personally have to say that I do not care enough about the Mann's to want to listen to hours upon hours of explanations of their lives. And for a fiction book, this isn't well written. Fiction has certain conventions, which this book does not follow - jumping back and forth between the various "characters", not based on plot relevance, but solely based on chronology, so that it feels very jumpy and somewhat disorienting for someone that expects a fiction(alised) narrative, for example.

If this book were relabelled, not sold as fiction, I would immediately rate it much higher, but as it is being sold as a novel right now, I don't feel like I can rate it any higher. As a novel, it isn't doing its job. As a nonfiction biography, however, it would be much better at what it's supposed to do, and thus I would NOT recommend this to people who want a novel, and WOULD recommend it to people who want to learn more about the Manns and is thus looking for a biography (though I cannot vouch for the accuracy of the information in here, of course, and if it would hold to the scrutinity a biography would have to face wrt. sources etc.)
Profile Image for Astrid.
348 reviews18 followers
December 20, 2025
Ich habe an dem Buch am Ende doch länger gelesen, als ich gedacht hätte – obwohl es super kurzweilig ist und wirklich richtig gut geschrieben. Und damit war es zugleich mein letztes Buch des Jahres 2025. Und damit habe ich in diesem Jahr 61 Bücher geschafft.

Was ich an "Wenn die Sonne untergeht" und an dem Autor des Buches besonders schätze: Mit Florian Illies gibt es einen deutschen Autor, der es schafft, für Laien so zugänglich zu schreiben, wie ich es sonst oft nur von englischsprachigen Sachbuchautor:innen kenne. Geschichte(n) werden nahbar, ohne dass man sich dabei belehrt oder gar dumm fühlt.

Wie viel davon exakt „real“ ist und wie viel Illies literarisch ausgeschmückt hat? Keine Ahnung. Bei den harten Fakten vermutlich eher wenig – bei Emotionen, Motiven und Hintergründen sicher mehr. Für mich hat das aber funktioniert: Das Buch hat mir vor allem geholfen, dankbar zu sein, nicht in diese dysfunktionale Familie hineingeboren worden zu sein :-) – und es hat mir gleichzeitig ein Stück Ehrfurcht vor Thomas Mann genommen.

"Buddenbrooks" wird trotzdem für immer eines meiner Lieblingsbücher bleiben. Aber der Autor der "Buddenbrooks" … als Vorbild taugt er wirklich in keinster Weise.

Und ganz ehrlich: Ich hoffe sehr, dass Florian Illies auch noch die anderen Jahre nach 1933 aufarbeitet und veröffentlicht. Noch schöner fände ich allerdings ein eigenes Buch von ihm über Erika Mann – das würde ich sofort lesen.
Profile Image for Isa ◡̈ .
233 reviews42 followers
December 1, 2025
Florian Illies ist einer DIESER Autor*innen, die einfach ihren ganz eigenen, besonderen Schreibstil besitzen und mit ihrer Erzählkunst alle in den Bann ziehen. Meisterhaft verbindet Florian Illies extrem fundierte Recherche mit seiner Kunst, Geschichten zu erzählen. »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« und »IM ZAUBER DER STILLE« zeigen dies großartig. Wenn Florian Illies also ein neues Buch veröffentlicht, will ich es unbedingt lesen.

»Wenn die Sonne untergeht. Familie Mann in Sanary« beleuchtet intensiv und facettenreich das Leben der Familie Mann — im Fokus der unsympathische und egozentrische Familienpatriarch Thomas Mann — im Schicksalsjahr 1933. Interessant fand ich, wie unterschiedlich (und auch privilegiert) alle Familienmitglieder mit der Machtergreifung der Nazis umgegangen sind. Florian Illies zeigt einmal mehr, wie gut er Geschichten erzählen kann. Ich persönlich hätte nicht mehr Informationen zu Thomas Mann benötigt, aber wollte auch nicht das neue Buch verpassen. Ein spannendes Buch für alle, die bei »LIEBE IN ZEITEN DES HASSES« noch mehr von Familie Mann lesen wollte und natürlich alle Mann-Fans (und damit hoffe ich vor allem, dass es Fans von Klaus & Erika sind 😌). Mein Fazit: Ich werde auch weiterhin alles von Illies lesen, dieses hier gehört aber nicht zu meinen Favoriten.
Profile Image for Laura.
3 reviews1 follower
January 3, 2026
absolute leseempfehlung für alle, die der pflichtlektüre in der schule erst mal berührungsängste mit thomas mann haben.

wenn die sonne untergeht ist das erste buch von florian illies, das ich gelesen habe. und es hat mich komplett abgeholt.

gerade im jahr des 150. geburtstags von thomas mann war das für mich ein perfekter einstieg. kurze kapitel, viel witz, richtig gute zwischentöne innerhalb der familie. dazu jede menge zitate aus tagebüchern und briefen. man hat wirklich das gefühl, man hört den leuten selbst zu.

besonders spannend fand ich, wie klar wird, was für ein spezieller, teilweise echt schwieriger typ thomas mann gewesen sein muss. und wie herausfordernd es war, eines seiner kinder zu sein. genau diese ambivalenz macht das buch so stark.

und dann noch kudos an den s. fischer verlag dafür, dieses buch genauso zu veröffentlichen obwohl illies auch gegenüber dem verlag selbst ziemlich kritisch ist.
Profile Image for Marie-Christine.
102 reviews14 followers
January 1, 2026
Florian Illies’ Buch ist kenntnisreich, unterhaltsam und voller kluger Beobachtungen.
Gleichzeitig stellt sich beim Lesen immer wieder die Frage, ob es heute keine Lektoren mehr gibt – oder ob die auffälligen Wiederholungen bewusst eingesetzt sind. Manche Motive, Einschätzungen und Formulierungen kehren so häufig zurück, dass sie weniger vertiefen als vielmehr ermüden. Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Redundanz dem TikTok-Zeitalter geschuldet ist: angepasst an kurze Aufmerksamkeitsspannen und ein Lesepublikum, das ständig „abgeholt“ werden muss.
Trotzdem bleibt das Buch insgesamt lesenswert. Illies gelingt es, Thomas Mann lebendig, menschlich und widersprüchlich darzustellen – auch wenn weniger Wiederholung der Wirkung gutgetan hätte.
Profile Image for Michael Madel.
547 reviews11 followers
November 7, 2025
Florian Illies erzählt zum Fürchten schön und unterhaltsam über die Jahrhundert-Familie. Er montiert die Anekdoten herrlich flüssig und aufwühlend, wobei mich bei so mancher Erzählung das kalte Grauen ob der Gefühlskälte einiger Familienmitglieder packt. Oft liegen bei Thomas und Katia Mann sensible Zuwendung und schaurig-inhumane Grausamkeit verteufelt eng beieinander.
Fazit: Auf ein gemeinsames Mittagessen im Hause Mann will man getrost verzichten.
Profile Image for KaLie.
22 reviews
November 3, 2025
Großartig, sprachlich, atmosphärisch und inhaltlich. Illies ist es nach „Zauber der Stille“ wieder gelungen, die Leser*innen mitzunehmen in eine vergangene Epoche, jenen Sommer 1933 der Exilant*innen in Südfrankreich, allen voran Thomas Mann als Mittelpunkt des Universums seiner Frau und seiner um die Anerkennung des „Zauberers“ kämpfenden Kinder. Ein faszinierendes Kammerspiel auf der Bühne Sanary-sur-mer.
Profile Image for Christine.
1,450 reviews42 followers
November 30, 2025
Hoch interessant! Man erfährt viel über das Leben der Familie Mann. Sehr gut recherchiert, sehr gut erzählt, soll dieses Höchbuch viele interessieren, auch wenn man schon viel weiß über die Familie Mann.
Ich habe die Audio Version dieses Buches von NetGalley bekommen und freiwillig habe ich eine ehrliche Rezension geschrieben.
62 reviews1 follower
December 28, 2025
Das Jahr 1933 aus der Sicht der Familie Mann. Der Roman basierend auf Tagebucheinträgen und Briefen der Familienmitglieder erzählt die historischen Geschehnisse in Deutschland und vom Leben im Exil in der Schweiz und Südfrankreich. Ein tolles Zeitdokument zum Lesen. 4,5 Sterne. Einen kleinen Abzug gibt es für das manchmal etwas langatmig erzählte Hadern Thomas Manns mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten.
Profile Image for Christian Crones.
19 reviews
December 28, 2025
Vielen Dank an meine Mama, dass sie mir dieses Buch geschenkt hat; und an Herrn Illies, dass er es mir erspart, jetzt noch irgendwelche anderen Mann Biographien lesen zu müssen - und nebenbei daran erinnert, wie schnell der Wind sich drehen kann,
wobei dafür heute ja leider schon Zeitunglesen und Nachrichtengucken reichen. Auf den letzten Drücker 2025 mein Lieblingsbuch des Jahres.
200 reviews
November 10, 2025
toll

Auch wenn es nur um wenige Monate im Jahr 1933 geht, dehnt sich das Buch keineswegs. Man fühlt sich genial unterhalten. Sein Schreibstil ist mit viel Ironie gespickt und die historische Zeit der Naziherrschaft schildert er sehr atmosphärisch. Ihm gelingt es von allen Familienmitgliedern der Manns ein realistisches Bild zu zeichnen, kombiniert aus diversen Quellen, die teilweise bisher noch nicht veröffentlicht waren. Besonders gut hat mir am Ende das Aufzeigen der weiteren Lebenswege der Protagonisten gefallen. Es rundet das Werk perfekt ab. Seit Generation Golf hatte ich kein Werk von Florian Illies mehr gelesen, ich freue mich den Autor wiederentdeckt zu haben und werde seine weiteren historischen Romane sicherlich lesen. Definitiv ein grandioses Werk, wenn man Thomas Mann samt Familie näher kennen lernen möchte.
Profile Image for Momo.
67 reviews16 followers
October 25, 2025
4.5 ⭐️
Das reinste Lesevergnügen mit vielen interessanten Informationen. Florian Illies gelingt mit "Wenn die Sonne untergeht" ein faszinierendes, lebendiges Porträt der Familie Mann im Sommer 1933, unmittelbar nach ihrer Flucht ins Exil nach Sanary-sur-Mer.
​Anstatt eines staubtrockenen Geschichtsbuches erhält man einen poetischen, kurzweiligen und amüsanten Streifzug durch diese entscheidenden Monate. Illies montiert Anekdoten, Fakten und Zitate (oft aus unveröffentlichten Tagebüchern) zu einem packenden Erzählstrom.

Schön war es auch, gedanklich nochmal zurück nach Litauen nach Nidden (Nida) an die Kurische Nehrung zu reisen. Dort kann man auch das Thomas Mann Haus besuchen.

https://www.bpb.de/themen/europaeisch...

http://thomas-mann-haus.de/

https://www.goethe.de/ins/lt/de/m/kul...

Bislang habe ich nur "Der Tod in Venedig"(3.5⭐️) und "Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"(5⭐️) von Thomas Mann gelesen. Als nächstes möchte ich nun "Der Zauberberg" und "Die Buddenbrooks" lesen. Von Heinrich Mann liegt schon ewig "Der Untertan" und "Professor Unrat" und von Klaus Mann "Mephisto" auf dem "Stapel ungelesener Bücher".

Dank Florian Illies Werk bin ich nun wieder daran erinnert worden, diese Werke endlich mal zu lesen.
90 reviews
November 23, 2025
Grand Seigneur und Patriarch der deutschen Literatur und seiner Familie
Hätte Thomas Mann 2025 nicht solch ein Jubiläum, deb 150. Geburtstag, hätten wir nicht diese ganze Flut von Thomas Mann Neuauflagen, Biographien und Romane. Und nun auch Florian Illies. Sein Stil ist einzigartig. Ganze Sätze, dann Bruchstücke eines Satzes, aber alles durchdrungen von einer gestochen scharfen Logik.
Das Buch ist eine elegante und äußerst gelungene Mischung aus Roman und Biographie der gesamten Mann-Familie,von den Schwiegereltern, zum Bruder, den 5 Kindern und natürlich Thomas Mann selbst. Nur “K.”, wie Thomas Mann seine Frau in seinen Tagebüchern nennt, kommt etwas zu kurz. Sie hat sich immer zurück gehalten, ihr Leben in den Dienst ihres berühmten Gatten gestellt. Wenn sie doch einmal hervortreten sollte, weiß Thomas Mann das sofort zu unterbinden. So. z.B. bei einer Gartenparty auf der Katia mit anderen Gästen französisch redet, fühlt sich Thomas Mann urplötzlich unpässlich und drängt auf baldigen Aufbruch. Er kann es nicht ab, nicht im Mittelpunkt zu stehen.
Dabei sind im Sommer 1933 in Sanary, berühmte und bekannte Literaten, Bildhauer und Maler da, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Aldous Huxley, Heinrich Mann, René Schickele, Arnold Zweig, alle mit jeweils ihren Familien, Sekretärinnen, Kindern, usw. Thomas Mann könnte seiner Frau wohl die paar Minuten Freude gönnen. Aber das geht nicht. Er ist bei diesen Gesprächen nicht im Mittelpunkt.
Das Buch ist eine Anreihung von Anekdoten und Geschichten aus dem Leben der Exildeutschen in Sanary, gespickt mit Nachrichten aus Deutschland, aus Berlin und München. Nachrichten von Familie Pringsheim, Katias Eltern, Zeitungsnachrichten über sich häufende Gräuel und Ungerechtigkeiten des Nazi-Regimes. Dabei haben die Manns Glück, Golo Mann, dem Sohn, gelingt es, einen beträchtlichen Teil des Vermögens aus dem Land zu bringen mittels Diplomatenpost und Erika Mann gelingt der große Coup, die wertvollen Möbel, Tafelsilber, kostbares Porzellan usw. der Eltern in die Schweiz zu schmuggeln, kurz bevor das Haus von den Machthabern beschlagnahmt wurde. Diese Bravourtaten beschreibt Illies so lebendig, als ob wir dabei gewesen wären.
Wie Thomas Mann über seine Familie bestimmt und herrscht wäre heute undenkbar. Mit einer gehobenen Augenbraue, mit einer Geste, mit einem strengen Blick, beherrscht er alle 6 Kinder. Klaus und Golo machen sich heimlich Notizen, um den Vater unterhalten zu können, wenn der Vater es denn wünscht. Für fünf der sechs Kinder sind die sakrosankten Mittagsmahlzeiten eine Tortur. Allein Medi (Elisabeth Veronika Mann), der erklärte Liebling der Eltern stösst sich nicht daran, findet nichts Beschwerliches an den Mahlzeiten. Thomas Mann liebt streng getaktete und strukturierte Tage. Mahlzeiten zu festen Stunden, dazwischen immer die gleichen Aktivitäten. “Ohne dieses feste Gefüge hätte Thomas Mann die Ungewissheit des Exils nicht ertragen können.” (S. 265)
Illies verwendet viele Zitate aus den Tagebüchern der Personen (damals schreiben wohl alle Tagebuch, heute ist das eher aus der Mode gekommen), aus ihren Werken, aus überlieferten Dialogen. Besonders kreative Wortschöpfungen von Thomas Mann, wie “Behagensminderung”, die uns heute etwas seltsam klingen, sind aber dennoch immer noch klar verständlich, wir lassen sie auf der Zunge zergehen, genießen sie.
Zum Schluss des Buches erhalten wir den Stammbaum der Familie Mann und ein “Who is Who” der Personen in Sanary. Schmankerl: auch die Häuser aus München und Sanary finden hier ihren Eintrag. Schon während des Buches wird so liebevoll und achtsam von diesen Häusern gesprochen, dass sie personalisiert werden, wesentlicher Teil der darin wohnenden Menschen sind.
Thomas Manns erster Teil der Josef-Trilogie erscheint noch Herbst 1933 beim Fischer Verlag in Berlin und “Wenn die Sonne untergeht” von Illies wird vom S.Fischer Verlag publiziert. Fast wie eine Heimkehr des Patriarchen zu seinem Verlag.
Profile Image for Magnolia .
576 reviews3 followers
December 11, 2025
Exil unter Palmen

Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, schon 1901 erschien Buddenbrooks, weitere bekannte Werke folgten.

Katia und Thomas Mann sind bald unterwegs nach Amsterdam, es ist Februar. Der 11. Februar des Jahres 1933, um genau zu sein. Noch sitzen sie mit drei ihrer sechs Kinder beim Mittagessen. Golo, 23, ist noch in Göttingen, er bereitet sich auf sein Staatsexamen vor. Michael, 13, ist in Neubeuern im Internat und Monika, 22, in Berlin. Mit leichtem Gepäck will das Ehepaar Mann reisen, die Wintersachen sollen direkt nach Arosa geschickt werden, hier werden sie in ihrem geliebten Waldhotel wohnen, das in Thomas „Zauberberg“ eine tragende Rolle spielt. Wir lesen noch öfter davon, wie Thomas Manns Werke direkt in diese Geschichte einer Vertreibung mit einfließen.

Nun, sie werden den Sommer 1933 im südfranzösischen Exil verbringen - es gibt beileibe schlechtere Orte, dem NS-Regime zu entfliehen. Im Mai kommen Thomas und Katia nach Bandol, hier wohnen sie zunächst in einem Hotel, um dann in ein Haus in Sanary-sur-Mer zu wechseln. Dort treffen sie sich alle, auch Thomas Bruder Heinrich ist zuweilen zu Gast, auch er musste Nazi-Deutschland verlassen. Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Bertold Brecht und wie sie alle heißen - für Deutschlands Dichter und Denker war die Côte d'Azur Zufluchtsort, bevor sie weiterziehen mussten.

Illies gewährt tiefe Einblicke in das Innenleben dieser so exzentrischen Familie Mann im Ausnahmezustand, jeder für sich ist eine Persönlichkeit. „Ein Thomas Mann lässt sich von niemandem sagen, an welchem Ort er zu sein hat!“ Ja, natürlich weiß er, dass er nicht zurück kann. Er wird vom Rotary-Club ausgeschlossen, hat Probleme mit der Pass-Verlängerung, seine Münchner Villa wird durchsucht, später konfisziert, um nur einige der Repressalien zu benennen.

„Wenn die Sonne untergeht“ ist trotz der Schwere des Themas ein leichtes Buch voller Leben und auch voller Tragik. Man spürt die bedrohliche Situation, in der sie sich befinden und doch sind sie hier, im Exil, frei. Der Autor geht ganz nah ran, fängt sinnliche Momente genauso ein wie die kritischen Augenblicke, er hält den prominenten Exilianern, auch den Dichterkollegen mitsamt Ehefrauen und Geliebten, den Spiegel vor.

Es ist heiß in diesem Sommer. „Waldbrand in der Nähe, wovon abends eine rosige Rauchwolke über Sanary schwebte. Dazu Feuerwerk“ notiert Mann in diesem in jeglicher Hinsicht heißen August. Bis September erzählt Florian Illies von ihnen, vom Verlust der Heimat, vom Exil dieser außergewöhnlichen Familie Mann. Es ist ein lesenswertes Buch geworden, das ich gerne gelesen habe, das ich nicht missen möchte.
Profile Image for Lotte Woess.
Author 3 books10 followers
October 16, 2025
Ein Sommer der Familie Mann im französischen Exil

Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. Widerwillig verlässt er Deutschland, lebt zuerst in der Schweiz und danach verbringt er einen Sommer in Sanary, einem kleinen Küstenort Frankreichs. Mit dabei ist seine Familie, seine Frau und meist auch seine sechs Kinder. Auch anderer Dichter und Künstler teilen sein Schicksal und es kommt zu einer Art Gemeinschaft in dem kleinen Ort.

Der Autor hat hier die Erlebnisse eines Sommers aus den Tagebucheinträgen verschiedener Personen zusammengefasst. Sowohl schrieb Thomas Mann selbst, als auch sein Bruder und seine Kinder, aber auch andere Personen, die eine Zeit lang Weggefährten des Dichters waren. Der Erzählstil ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse, sowohl von den Mitgliedern der Familie Mann, aber auch von anderen Persönlichkeiten. So werden Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Eva Herrmann, Arnold Zweig, Paul Valery und andere genannt, teilweise erhält man ebenfalls einen (kurzen) Einblick in deren Leben. Für mich war es teilweise mühsam, das Buch zu lesen, der Autor springt in der Perspektive, vieles wird nur angerissen. Als Beispiel möchte ich hier einen Hund erwähnen, der aus einem Flugzeug geworfen direkt neben Aldous Huxleys Geliebter landet. Eine Aufklärung, wer das getan haben könnte und ob damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde, bleibt aus.
Bei einigen Szenen fragte ich mich, warum sie erwähnenswert waren, beispielsweise wenn Golo Mann ausnahmsweise nicht mit der Familie früh zu Bett geht, sondern lieber den Sonnenuntergang betrachtet. Denn es kam nichts Aufregendes, außer, dass »gegen 21 Uhr taucht der Sonnenball am fernen Horizont feurig in das Wasser ein ...«
Die Beziehungen untereinander werden ausgebreitet, alle Männer hatten Geliebte, weibliche und/oder männliche.
Das Bild, das hier von Thomas Mann gezeichnet wird, ist kein sympathisches. Er bedauert sein Schicksal, ist lange Zeit unschlüssig, welche Stellung er zum Deutschland der Nazi-Zeit einnehmen soll, und behandelt seine Kinder nicht gleich – hat Lieblingskinder und »Schwarze Schafe«. Von der Familie wurde er »Zauberer« genannt, das zeigt, dass er vermutlich manchmal weltfremd war. Bewundernswert fand ich seine Frau Katia, die felsenfest hinter ihm stand.
Es ist keine Lektüre, die man mal so zwischendurch lesen kann, empfehlen kann ich es auf jeden Fall Thomas Mann-Fans.
Profile Image for Johanna Berger.
125 reviews5 followers
October 30, 2025
Dass die Manns eine hochgradig dysfunktionale Familie waren, ist bekannt. Florian Illies zeichnet das mal ironisch bewertend, mal mitfühlend nach. Stellenweise versteigt er sich ein wenig, dann wird’s kitschig (die Münchner Villa im Frühling) oder (im Fall von Monika Mann) fast ein wenig herablassend.
Besonders deutlich tritt das enge, aber vielfach ungesunde Beziehungsgeflecht der Familie in der Ausnahmesituation der Machtergreifung, der Zeit zwischen Februar und September 1933 hervor. Illies nennt die Familie eine „Kältekammer“. Thomas Mann diagnostiziert im Tagebuch: „Wir sind eine erlauchte Versammlung – aber einen Knacks hat jeder.“ Eher eine Tragödie als eine Komödie, die da aufgeführt wird. Immerhin: Alle überleben. Aber Illies meint: „Wer eine Tragödie überlebt, kann nicht ihr Held gewesen sein.“ Der „Zauberer“ war auf jeden Fall keiner damals.
Wichtige Nebenfiguren im Drama: Bruder Heinrich Mann und seine so „unstandesgemäße“ Nelly, die Großeltern Pringsheim, die Feuchtwangers, die Huxleys, die Arnold Zweigs, Bertolt Brecht, Hermann Hesse und anderes illustres Personal.
Aus dem Erholungsurlaub in der Schweiz wird die erste Station des Exils, denn in Deutschland sind sie nicht mehr sicher. Thomas Mann will aber kein Emigrant sein, er möchte zurück nach München. Er ist schließlich Nobelpreisträger, repräsentiert die deutsche Kultur. Seine erwachsenen Kinder warnen ihn jedoch, sehen die Katastrophe im Gegensatz zu ihm deutlich.
In Sanary und Umgebung trifft sich die Kultur, nicht nur die exilierte deutsche. Thomas Mann ist unschlüssig, wo er sich endgültig niederlassen soll. Die Hoffnung auf schnelle Rückkehr hat er irgendwann aufgegeben. Große Verunsicherung. Angst vor der Zukunft.
Auch Familiendramen spielen sich ab: Die Kinder buhlen um die Aufmerksamkeit des Vaters, oft nicht mit Erfolg. Schlimm. Im September geht es zurück in die Schweiz, zur nächsten Station des Exils.
Insgesamt ein anschaulicher Geschichtsunterricht um ein verstörendes Familiendrama. Spannende Lektüre. Mitreißend erzählt, manchmal zu schnoddrig für meinen Geschmack.
Eine ausführlichere Rezension gibt es auf meinem neuen Blog: www.kultursalon.blog
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December 29, 2025
Diese Familie fasziniert... Thomas Mann liest 1933, so weiß Illies mitreißend zu erzählen, in Tolstois "Krieg und Frieden", um sich mit Hilfe der Lektüre und Drogeneinnahme von den bedrohlichen politischen Entwicklungen und seiner Angst um die in Deutschland verbliebenen Tagebücher abzulenken..Ausgerechnet dieser Autor, der den berühmten ersten Satz geschrieben hat, dass eine glückliche Familie sich immer ähnlich sähe, eine unglückliche hingegen... Diese Familie - so wird Thomas Mann selbst in seinem Tagebuch vermerken - ist verkorkst. Alle, wie sie da sind, haben sie ihr Päckchen zu tragen: Ein Familientherapeut hätte jahrelange Arbeit an dieser Familie. Allen scheint es offenbar, dieser intellektuellen Familie, alle agieren sie weiter. Die Liebe in dieser Familie wird verteilt als Währung und Trophäe, einige schwimmen darin, andere ertrinken im "Ungeliebt sein". Dass Illies es gelingt, das an Hand eines Sommers so mitreißend zu erzählen, ist meisterhaft. Gleichzeitig verschwimmen hier biografisches und fiktives Erzählen zu einem neuen Genre. Die Leser:innen haben die große Aufgabe, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der Erzähler dieser erlebten Geschichte die Gedanken und Emotionen der realen Figuren erzählt, als kenne er die Figuren wirklich. Tatsächlich ist es - gut recherchierte - Mutmaßung. Das muss einem gefallen... Einen Zugang zu Literatur, zu den großen Literaten und den Menschen dahinter ermöglicht es allemal... Dieses Buch macht Lust, Thomas Mann, aber vielleicht viel bedeutender, Klaus Mann und alle die, die im Schatten des großen Zauberers standen, neu zu lesen und zu entdecken. Diese verkorkste Familie ist in ihrem Gebrochen sein, in ihren tragischen Einzelschicksalen, vor dem Hintergrund dessen, dass wir heute so viel mehr auf mental health achten, faszinierend.
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732 reviews7 followers
November 24, 2025
Dieser Sommer in Sanary fühlt sich an wie ein Roman, der erst harmlos beginnt und dann plötzlich die ganze Weltgeschichte in die kleine Küche einer völlig überforderten Familie stopft. Man sitzt quasi mit den Manns am Tisch, schwitzt mit ihnen und fragt sich leise, warum Thomas Mann eigentlich ständig so tut, als könne er jederzeit wieder in seine Münchner Villa zurückspazieren. Ein Teil von mir wollte ihm dauernd sagen: „Bruder, der Zug ist abgefahren.“

Illies erzählt das alles mit einer Gelassenheit, die einen fast irritiert. Einer spielt Geige, der andere schmuggelt Sachen über Grenzen, jemand vergisst den Hund — und trotzdem wirkt jeder Moment wie eine Mischung aus Drama, Urlaub und Familienwahnsinn. Das Exil fühlt sich hier nicht wie ein großes geschichtliches Konzept an, sondern wie ein chaotischer Sommer, in dem jeder versucht, irgendwie klarzukommen.

Besonders stark sind die kleinen Mini-Szenen: ein Blick, ein trockener Kommentar, das Klirren eines Glases beim Abendessen. Man merkt, wie viel Wehmut zwischen den Zeilen hängt, aber gleichzeitig dieser Trotz, der einem sagt: „Okay, die Welt brennt, aber wir kriegen das schon irgendwie hin.“ Und ja, manchmal musste ich sogar lachen — was bei dem Thema eigentlich unangebracht ist, aber Illies macht’s möglich.

Einziger Punkt, der mich echt wurmt: Das Zerwürfnis zwischen Klaus und Erika hätte mehr Kante vertragen. Da steckt so viel Sprengstoff drin, aber an einigen Stellen bleibt es mir zu handzahm.

Trotzdem: Das Buch packt einen. Nicht laut, nicht pathetisch, sondern mit dieser leisen Intensität, die nachwirkt. Ein Sommer im Ausnahmezustand, der mehr sagt als so mancher politische Essay.

Wenn man historische Stoffe mag, aber nicht einschlafen will — genau hier zugreifen.
253 reviews
November 19, 2025
Vorweg: Ich habe dieses Buch als Hörbuch gehört. Das war auch gut so, denn ich fürchte, dass ich von dem Schreibstil her aufgegeben hätte. Es hörte sich etwas zäh an und ich merkte auch, dass ich oft nicht so ganz genau hingehört habe. Gepackt hat es mich also nicht wirklich. manche Passagen haben sich gezogen und Gespräche klangen altbacken (okay, das ist der Zeit des Geschehens geschuldet). Aber dennoch fand ich den Inhalt interessant.

Es wirkte auch mich richtig gut recherchiert und man kann von Glück sagen, dass die Männer Tagebuch geführt hatten und manch Briefverkehr erhalten geblieben ist. Zudem existieren ja auch Zeitungsartikel und Bilder der Familie. All das hat dafür gesorgt, dass man die Familie Mann in der turbulenten und erschreckenden Zeit vor und während des zweiten Weltkrieges nachverfolgen konnte. Und genau das fand ich sehr interessant, das Leben der Zeitzeugen durch diese Lektüre begleiten zu können und somit auch mehr über die Familie Mann zu erfahren.

Die Sprecherstimme des Hörbuches war angenehm, da konnte ich gut zuhören.
56 reviews
November 24, 2025
Es ist 1933. Auch der Familie Mann bleibt nichts anderes übrig als ins Exil zu flüchten. Und wie viele andere Künstler auch landen sie im malerischen Küstenort Sanary-Sur-Mer. Durch Lektüre zahlreicher Tagebücher, gelingt Florian Illies eine grandiose Familienaufstellung einer der berühmtesten Familien Deutschlands - der Familie Mann. Wir lernen nicht nur den großen Literaturnobelpreisträger Thomas Mann mit all seinen Eigenheiten kennen, sondern auch seine Frau Katia, die sechs Kinder und seinen Bruder Heinrich. Florian Illies beschreibt dieses Jahr in Sanary, er beschreibt den Verlust der Heimat und wie es all den Manns dabei erging. Durch die Einblicke anhand der vielen Tagebücher gelingt es Florian Illies das Gefühlsleben und die Gedanken der Familie Mann so zu rekonstruieren, dass man als Leser fast das Gefühl hat dabei gewesen zu sein in diesem Jahr in Sanary.

Das Hörbuch ist dabei ganz toll gelesen von Stephan Schad. Er führt entspannt und mit dem ein oder anderen Schmunzeln in der Stimme durch dieses Jahr 1933 - neben dem Lese- ein absoluter Hörgenuss!
136 reviews
October 27, 2025


Das Leben von Thomas Mann im Exil

In diesem Buch wird ein kurzer Lebensabschnitt von Thomas Mann und seiner Familie dargestellt.

Meine Meinung

Ich habe wenig Hintergrundinformationen über das Leben von Thomas Mann und war eigentlich recht überrascht

Ich habe das Hörbuch gehört und fand den Sprecher sehr passend. Es kommen so viele Personen drin vor, dass ich schnell mal den Überblick verlor. Da wäre das Print wohl vorteilhafter gewesen. Mit dem Schreibstil bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Leicht ironisch und distanziert, zum Teil mit vielen Nebensächlichkeiten, die für mich als Seitenfüller hinhalten. Die Protagonisten werden unsympathisch dargestellt.

Spannung kommt wenig auf.

Das Cover ist das einzige, was mir gut gefällt. Sehr enttäuschend .

Leider kann ich nur zwei Sterne vergeben und keine Kaufempfehlung aussprechen. Da habe ich mehr erwartet.
Profile Image for Franziska .
372 reviews
November 16, 2025
#reading #review #neuerscheiung2025 #florianillies #wenndiesonneuntergeht

5*

Vielen Dank an Florian Illies für dieses (erneut) wunderbare Buch. Der Autor nimmt uns mit zur Familie Mann in die Zeit um 1933 und schreibt mit vielen Details und auch möglichen Zusammenhängen, wie es damals gewesen sein mag. Dabei nimmt der Autor keine wertende Haltung ein. Das Augenmerk liegt auf den menschlichen Aspekten einer jeden handelnden Person.

Zitate:

"Die beiden großen Geschwister seien berühmt, die beiden kleinen süß, so hat Moni einmal sehr traurig einer Freundin erklärt. Sie und Golo jedoch seien leider 'einfach überflüssig' - zumal Bruder und Schwester keine gemeinsame Sprache gefunden hätten." (Seite 111)

"Doch in allen Familien gibt es Überläufer wie ihren Vater, die ihren eigenen Profit suchen. Und überall Kampflinien, die mitten durch die Familien und die Generationen verlaufen." (Seite 172)
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119 reviews
December 14, 2025
Die Familie Mann wird als herausragende Künstlerfamilie gefeiert, Werke von ihr gelten bis heute als die wichtigsten der deutschen Literaturszene. Wie schlimm es aber hinter den Kulissen zugegangen ist, das zeigt diese Geschichte sehr eindrucksvoll. Florian Illies hat die Fakten und die Atmosphäre dieser Anfänge des Exils der Familie Mann mit all den Unsicherheiten wirklich gut eingefangen. Zudem hat er es geschafft, den Zauber, der um den Zauberer herrscht, ein bisschen mehr zu lüften. Eine Geschichte, die man nicht zur Seite legen mag und die einem eindrucksvoll zeigt, was Ruhm und Geld mit einer Person und mit einer ganzen Familie anrichten können.
Stephan Schad spricht das Hörbuch ruhig und klar, sodass das Zuhören wirklich viel Spaß macht. Ein Hörbuch, das man nur jedem empfehlen kann und bei dem bestimmt auch Mann interessiert noch etwas Neues lernen können.
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