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Zugwind

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Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben. Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.

Iryna Fingerova erzählt so bewegend wie authentisch von Miras Trauer, ihren Schuldgefühlen, ihrer Wut und Resignation, bis hin zu dem Versuch, das eigene Leben weiterzuleben, die Ereignisse zu akzeptieren und vielleicht persönlichen Frieden zu finden.

296 pages, Kindle Edition

Published February 20, 2026

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Profile Image for Wal.li.
2,632 reviews72 followers
February 20, 2026
Gedichte, die wiederkommen

Sie hat die Ukraine schon vor Jahren verlassen und sich mit ihrer Familie in Deutschland als Ärztin eingerichtet. Doch als Russland ihr Heimatland die Ukraine überfällt, ändert sich für Mira Zehmann alles. Es kommt ihr vor als wehe ein Zugwind. Natürlich will sie ihren Landsleuten helfen. Sie versucht, Wohnungen zu finden, Spenden zu organisieren und jede Form von Hilfe zu geben. Sie beginnt in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten, in die bald viele ukrainische Flüchtlinge kommen. Mira ist die, die die Probleme der Menschen am ehesten versteht. Wer aber versteht Mira. Ihr Mann scheint nicht in jedem Moment der Richtige zu sein.

Eine junge Frau erlebt in Deutschland den Beginn des Krieges in der Ukraine. Ein Land, das sie vor etlichen Jahren verlassen hat, in dem Wissen, dass sie jederzeit zurückkann. Und nun? Sie fühlt sich schuldig, weil sie in Deutschland ist und nicht in der unmittelbaren Gefahrenzone. Sie will helfen und manchmal wird es ihr doch zu viel. Die Patienten, deren Geschichten sich wiederholen und die ihr manchmal zu viel werden. Dann muss sie mal raus, wieder Kraft sammeln. Zumindest besuchen will sie den Teil der Familie, der in Odessa lebt, besuchen, sich versichern, dass es allen gutgeht.

Dieser berührende Roman zeigt an dem Beispiel der jungen Ärztin Mira Zehmann, die sich als Poetin versteht, wie der Beginn des Krieges ihr Leben verändert und beeinflusst. Auch wenn sie in Deutschland in Sicherheit ist, fühlt sie das Brausen des Krieges. Ihr Wunsch ist es, etwas zu tun. Selbstlos hilft sie und doch merkt sie, dass es sie überfordern kann. So ganz kann man sich nicht in die Lage der jungen Frau hineinversetzen, auch wenn man das Entsetzen bei der Nachricht von dem Einmarsch der Russen noch gut erinnern kann. Wie muss es dann erst für Menschen sein, die sich von einer Sekunde auf die andere große Sorgen um ihre Lieben machen müssen. Die Schicksale der bedrücken beim Lesen, auch wenn sie sich ähneln. Ein wenig fühlt man sich selbst niedergeschlagen. Doch wie Mira trotz der schlimmen Ereignisse zu ihrer Stärke zurückfindet, ist beeindruckt sehr.

Das Cover wirkt zunächst eher zurückhaltend, wenn man es jedoch näher betrachtet, entdeckt man, dass immer mit einem Blümchen Hoffnung zu rechnen ist.
Profile Image for Manuel.
69 reviews11 followers
March 24, 2026
Im globalen Spannungsfeld von Kriegen in der Ukraine und Israel befindet sich Mira, die Protagonistin des Romans, in Deutschland und ist Ärztin, Mutter, Ehefrau, Freundin, Therapeutin, Jüdin, Ukrainerin, Poetin.

Im Roman von Iryna Fingerova gehen viele Gedankelspielräume auf. Darf ich glücklich sein, während in meiner Heimat Odessa Bomben die Stadt zerstören? Darf sie ihren Patientinnen Diagnosen geben, obwohl sie weiß, dass sie etwas ganz anderes bedrückt? Darf sie einen anderen Mann küssen?

In Erinnerungen schwelgend findet Mira mit ihrer Sprache, ihren Gedichten und ihrer Zuneigung ihren Mitmenschen gegenüber ihren ganz persönlichen Umgang mit der Weltlage und ihrer Verortung darin.

Der Roman war für mich nicht einfach zu lesen, da es keinen richtigen Handlungsstrang gibt. Wir begleiten die Protagonistin auf ihrem Weg und in ihren Gedanken und Erinnerungen. Zwischendurch transportieren einzelne Sätze aber genau die richtigen Bilder.
Profile Image for Dietmar Leibecke.
54 reviews1 follower
April 3, 2026
Kraft aus der Kraftlosigkeit:

Im Frühjahr 2022 haben wir für einige Monate eine ukrainische Mutter mit ihren zwei Kindern bei uns aufgenommen. Eine Zeit, die uns geprägt hat. Doch so nah wir diesen Menschen auch waren, blieb ein Teil ihrer inneren Welt oft nur zu erahnen. Irina Fingerovas „Zugwind“ beleuchtet diese Umstände.

Die Erzählerin ist selbst aus der Ukraine geflohen, arbeitet in Deutschland als Hausärztin. Eine Frau, die beruflich heilt, während sie privat mit dem eigenen Überlebensschuldgefühl kämpft.

Was besonders haften geblieben ist: „Ich … hatte verstanden, wie man Kraft aus der Kraftlosigkeit schöpft, wie man sich auf das Gute fokussiert, wie man seine Wahrnehmung verändert, wenn man schon die Umstände nicht ändern kann.“

Der Versuch, das Leben fern der Heimat nicht nur zu ertragen, sondern trotz allem zu genießen. Ein wichtiges Buch, das Empathie weckt. Es hilft uns, die Menschen, die seit 2022 bei uns Schutz suchen, nicht nur als „Geflüchtete“ zu sehen, sondern in ihrer vollen, komplexen Menschlichkeit.
Profile Image for Janine.
1,508 reviews21 followers
April 22, 2026
Mira ist Hausärztin, Mutter und stammt ursprünglich aus Odesa. Als der Krieg in der Ukraine ausbricht, gerät ihr Leben in Deutschland ins Wanken: Ihre Praxis wird zur Anlaufstelle für Geflüchtete, während sie selbst zwischen zwei Welten steht – bis in ihr der Wunsch wächst, in ihre alte Heimat zurückzukehren.

Ich war bei der Programmvorstellung vom Rowohlt Verlag direkt neugierig auf dieses Buch, vor allem weil die Autorin selbst daraus gelesen hat und mich das Thema sehr angesprochen hat. Der Einstieg ist mir auch gut gelungen, auch wenn der Erzählstil auf mich eher distanziert und stellenweise etwas unnahbar gewirkt hat.

Im Verlauf der Geschichte hatte ich jedoch zunehmend das Gefühl, dass sich der rote Faden etwas verliert. Die vielen Sprünge zwischen Deutschland und der Ukraine sowie zwischen Gegenwart und Erinnerungen haben es mir teilweise schwer gemacht, wirklich in der Geschichte zu bleiben. Inhaltlich steht klar der Krieg und das Leben als Geflüchtete im Fokus, was auch immer wieder eindrücklich dargestellt wird.

Besonders interessant fand ich die Passagen, in denen beschrieben wird, wie es sich anfühlt, die eigene Heimat verlassen zu müssen und in einem anderen Land neu anzukommen – inklusive dieses unterschwelligen Drucks der Dankbarkeit. Das hat mir wirklich neue Perspektiven eröffnet. Gleichzeitig gab es aber auch Stellen, die mir persönlich eher negativ aufgestoßen sind, gerade was den Umgang mit Leistungen in Deutschland oder die Darstellung des Spracherwerbs angeht, die ich als schwierig empfunden habe.

Insgesamt erzählt das Buch die Geschichte einer Frau, die durch den Krieg mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert wird und versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Trotz spannender Ansätze und wichtiger Themen konnte mich die Geschichte emotional leider nicht ganz erreichen.
149 reviews3 followers
February 21, 2026
Die gebürtige Ukrainerin Iryna Fingerova hat mit „Zugwind“ einen Roman geschrieben, der einen beim Lesen weniger wie ein Wind, als wie ein Sturm mitten ins Herz trifft. Berührend, bewegend und mit emotionaler Tiefe!
Am 24.Februar 2022 nistet sich bei Mira Zehmann ein Zugwind ein. Mira ist Ärztin und bereits vor Jahren mit ihrem Mann Andrij, ebenfalls ein Mediziner, aus der Ukraine nach Deutschland emigriert. Hier sind sie Eltern von Tochter Rosa geworden. Mira stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa. Doch nun, mit dem Beginn der russischen Vollinvasion, verändert sich ihr privates und berufliches Leben dramatisch.

Nach der Tätigkeit in einem Krankenhaus war Mira in eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis gewechselt. Rasch wird sie nun zur Anlaufsstelle für neue ukrainische Patient*innen. Sie hoffen neben medizinischer Unterstützung nicht nur auf sprachliches sondern auch emotionales Verständnis und Gehör. Mira wird mit einer Vielzahl von Arten und Symptomen traumatischer Erfahrung konfrontiert, durchlebt von Menschen aus verschiedensten Regionen der Ukraine mit unterschiedlichen Perspektiven und Geschichten.
In der Arztpraxis kreuzt sich ein Gewirr von Lebensfäden. Die vor dem Krieg Geflüchteten tragen neben körperlichen und seelischen Leiden, auch die Sehnsucht nach der Heimat und dem Verlorenen hinein. Mittendrin steht Mira wie ein Verbindungsglied zwischen der Vergangenheit und einer möglichen Zukunft. Doch sie schwankt unter der zermürbenden Belastung und ist doch innerlich selbst zerrissen.

Mit einer ungeheuren Wucht, großer Authentizität und Emotionalität wird man als Leser*in der dramatischen Situation der Geflüchteten gewahr. Man begreift, was der vom Krieg bewirkte Sturz aus dem vorher selbstbestimmten Leben bedeutet: Abhängigkeiten, Hilflosigkeit, Identitätsverlust, Kontrollverlust, Neuanfang ohne verbliebene physische und psychische Ressourcen und so viel mehr…
„Die Menschen unterschätzten die Anstrengung, die es kostet, in einer vollkommen neuen Realität zu leben.“ S. 29

Da man sich sehr schnell mit der berührend authentischen Figur der Mira identifiziert, fühlt man ihr Ringen um Stärke, ihre innere Zerbrechlichkeit, Sensibilität mit. Mira wird im Alltag förmlich zerrissen zwischen ihrer ärztlichen Tätigkeit, der Mutterschaft, den Problemen in der Klein- und Großfamilie, den Nachrichten über das Geschehen in der Ukraine und den Botschaften aus Odesa.
Ihre eigene Gefühlswelt gerät nicht minder in Turbulenzen als die der geflüchteten Menschen: Angst, Sorge, Schuldgefühle, Scham, tiefe Traurigkeit, Verzweiflung, Resignation. Wie sie lebt sie eigentlich in zwei Realitäten gleichzeitig.

Mira muss stark sein, anderen Halt geben und ringt selbst darum. Ich bewundere sie dafür, dass sie ihren coolen, frischen, teilweise auch selbstironischen Erzählton beibehalten kann.
„Das 21. Jahrhundert ist ein Schuss ins Knie der Identität. Alles wird in Zweifel gezogen – Geschlecht, Nationalität, Kultur, alles blubbert und vermischt sich mit allem, kocht über und läuft aus dem Kessel. Und kaum hast du begriffen, wer du eigentlich bist, da fliegen dir die Splitter der zertrümmerten Kniescheibe um die Ohren.“ S.185

Dass Mira dann trotz Krieg und Gefahr in ihre alte Heimatstadt reist, um ihre Großmutter zu besuchen und Freunde zu treffen, ist für mich absolut nachvollziehbar. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, um die Gegenwart zu ertragen, eine Erinnerung daran, wer man eigentlich ist.
Die Darstellung des Lebens im kriegsgeschüttelten Odesa rundet das Geschilderte ab. In der Ukraine merkt Mira, wie Lappalien, Normalität und Routinen Halt geben können. Keine mögliche Freude wird verschoben, ganz egal, was einem in den finsteren Zeiten Licht schenkt.
„…die verstanden, dass der heutige Tag das Leben ist.“ S.35
„Und entweder man kann mit dem Gedanken „scheiß drauf, scheiß einfach drauf“ leben und bleibt, oder man geht. Aber man kann nicht tagein, tagaus Angst haben“ S. 115

Die Geschichte wird sehr sensibel, tiefgründig, präzise beobachtet und mit großem psychologischem Verständnis erzählt. Die emotionalen Momente habe ich als sehr intensiv und persönlich empfunden.
Mich hat die Metapher des titelgebenden „Zugwindes“ überzeugt. Ein Bild einer verfolgenden, existenziellen, fast depressiven Krise, die einem wie die vielen anderen Bilder nicht so schnell loslässt. Den Ausbruch in den magischen Realismus (Kraft auf Kredit) empfand ich als einen erfrischenden Ausgleich.
Für mich passen die vielen verständnisvollen Darstellungen der Geflüchteten wie auch das Schicksal Miras selber zu dem Bild der geschichteten Realitäten:
„Die Realitäten waren so dicht übereinandergeschichtet, dass mir schwindelig wurde.“ S. 183

FAZIT
Iryna Fingerovas Roman ist mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen. Das Buch will langsam und mit Empathie gelesen werden. Es stecken so viele Emotionen, Wahrheiten, Poesie und Denkanstöße drin. Nichts davon möchte ich mir entgehen lassen. Ein Buch, das ich bestimmt ein zweites und drittes Mal lesen werde.

Vielleicht schenkt es auch dem einen oder anderen Verständnis, der sich wundert, warum Geflüchtete ihre Heimat im Krieg besuchen, oder warum Menschen in der Ukraine Skifahren und tanzen. Aber das nur am Rande.
Ein berührendes und auch sehr wichtiges Buch!
1,366 reviews4 followers
April 6, 2026
Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau und stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben. Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie fest: Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.

Nachdem ich den Klappentext gelesen habe war ich richtig neugierig auf die Geschichte, denn ich bin selbst im Bereich des Gesundheitswesend tätig und habe mir hier nicht nur neue Einblicke aus Sicht einer Ärztin erhofft, sondern auch etwas über die geflüchteten Menschen aus der Ukraine zu erfahren.

Ich bin eigentlich ganz gut in die Geschichte reingekommen, denn der Schreibstil ist leicht und man kann sich gut darauf konzentrieren, auch wenn er von Beginn an etwas unnah für mich schien. Manchmal kommt eine Geschichte ja zur falschen Zeit und vielleicht war das hier der Fall, aber irgendwie konnte mich die Geschichte nicht so erreichen wie erwartet, vielleicht auch weil ich selbst aus dieser Branche komme. In einem Satz erwähnt die Ärztin selbst einmal soetwas, dass viele Landsleute zu ihr kommen würden, weil sie ja in Deutschland nichts "bezahlen" müssten und diesen Eindruck hat es auch immer wieder auf mich gemacht, es wurde einiges getrickst und ich habe mich manches mal gefragt ob es wirklich richtig ist nicht zu hinterfragen wer denn diese Dinge nun eigentlich bezahlen muss. Ich hatte da zumindest kein gutes Gefühl, vielleicht weil ich da mehr hinter die Kulissen sehen kann als andere Menschen die nicht aus dieser Branche kommen.

Aber es kam es mir auch immer mehr vor wie eine Aneinanderreihung verschiedener Patienten und ich wurde das irgendwann müde mitzuverfolgen. Einerseits da mich das Buch nicht Recht abholen konnte, andererseits aber auch, weil ich schon im realen Leben so viel mit Patienten zu tun habe und ich das Gefühl hatte ich würde da nichts Neues erzählt bekommen.

Gut gefallen haben mir ein paar Absätze in denen Geschrieben wurde wie es für die Geflüchteten ist in ein anderes Land zu kommen und wie es als Zivilist ist einen jungen Soldaten zu sehen. Das waren aber leider immer nur Ausschnitte und das hätte ich mir mehr gewünscht von diesem Buch.

Gelesen wurde das Buch aber sehr gut, die Sprecherin hatte eine angenehme Stimme. Dennoch konnte sie mich nicht so begeistern, das ich nach etwas mehr als 60 Prozent das Hörbuch abgebrochen habe.
Profile Image for Muzzo.
31 reviews
April 5, 2026
Manche Bücher erzählen von großen Ereignissen. Zugwind erzählt davon, wie man trotz allem weiterlebt.

Der Roman begleitet Mira, Ärztin und zugleich Poetin, durch einen Alltag, der von mehreren Realitäten gleichzeitig geprägt ist: Deutschland und Odessa, Engagement und Erschöpfung, Humor und Sorge, Pragmatismus und innere Zerrissenheit. Der Ton bleibt dabei überraschend leicht. Mira begegnet schwierigen Situationen mit einem tröstlichen Pragmatismus, der weder verharmlost noch dramatisiert. Ihre unkonventionellen Ratschläge, ihr Humor und ihre Beobachtungen schaffen eine Wärme, die den ernsten Themen Raum gibt, ohne sie zu überwältigen.

Besonders berührt hat mich die Darstellung der Ambivalenz. Solidarität kann überfordern. Engagement kann erschöpfen. Angst kann gleichzeitig präsent sein und doch nicht alles bestimmen. Der Roman zeigt, wie Menschen versuchen, unter schwierigen Umständen ein Stück Normalität zu bewahren – nicht durch große Lösungen, sondern durch kleine Entscheidungen, Rituale und Perspektivwechsel.

Die Reisen nach Odessa bilden dabei einen stillen emotionalen Kern. Erinnerungen an Kindheit und vertraute Orte stehen neben der Realität des Krieges. Technik, wie Alarm-Apps und Telegram-Kanäle, wird nicht als Bedrohung, sondern als Struktur gezeigt, die Alltag wieder möglich macht. In diesen Momenten wird deutlich, dass Identität und Erinnerung stärker sein können als Angst.

Auch Miras innere Widersprüche machen sie glaubwürdig. Der Wunsch auszubrechen, die Überforderung, das Wiederfinden ihrer lyrischen Seite – all das fügt sich zu einer Figur, die nicht eindeutig ist, sondern menschlich. Besonders schön ist, wie das Schreiben für sie zu einem Weg wird, ihre verschiedenen Realitäten zu versöhnen.

Das Ende greift den Titel auf eine ruhige, symbolische Weise auf. Der „Zugwind“, zunächst Zeichen von Unruhe und Zerrissenheit, wird schließlich akzeptiert. Die Fenster werden geöffnet, der Wind darf wehen. Es ist kein pathetisches Finale, sondern ein leiser, erwachsener Gedanke: Nicht alles lässt sich lösen, aber vieles lässt sich annehmen.

Zugwind ist ein stiller, nachdenklicher Roman, der begleitet statt überwältigt. Er erzählt von Belastung, Erinnerung, Identität und der Fähigkeit, mehrere Realitäten gleichzeitig zu tragen. Am Ende bleibt eine ruhige Klarheit.

Ein leises, tiefes 5-Sterne-Buch, das nachdenklich macht und gleichzeitig stabilisiert.
Profile Image for AerdnaLiest.
13 reviews
February 26, 2026
Ein ganz außergewöhnliches, berührend poetisches Werk.

Es ist nicht Lyrik, und doch...ein Roman gemalt mit Poesie. Es fehlt nicht viel, dass Iryna Fingerova Malerin wäre, nicht Schreiberin.
Mit Worten malt sie Gemälde auf die Seiten, ganze Bilderwelten zwischen die Zeilen.

Zugwind ist ein außergewöhnliches Buch; und das in vielerlei Hinsicht.
Es gibt extrem viele sehr gute Bücher. Unter diesen noch eine ganze Menge außergewöhnliche. Und unter diesen außergewöhnlichen noch eine gute Handvoll mit ähnlichen Themen, wie Zugwind.
Doch eine Autorin wie Iryna Fingerova habe ich noch nie gelesen.

Es ist schwer zu worten, mit welcher Energie, welchem tiefsten Verständnis für menschliche Regungen und Erlebniswelten, mit welcher emotionalen Offenheit sie schreibt.

Ich möchte inhaltlich gar nicht so viel über das Buch sagen; ich bin zunehmend erstaunt, wie viel mittlerweile in Rezensionen vorweg genommen wird - explizit nicht Buchbesprechungen, bei denen man erwartbar etliches über die Handlung erfahren muss.
Ich will selbst lesen; mich interessieren Eindrücke, Stimmungen, was sich beim Lesen im Rezensenten geöffnet hat.

Diese Autorin hält uns einen Spiegel vor, lässt uns sehen, was wir verlernt haben, in uns zu erkennen. Und auch in anderen. Und sie zeigt uns, was wir verloren haben und wiederfinden können.
Ich habe den Schmerz jeder Figur mitgefühlt, doch in jedem Schmerz liegen hier auch eine subtile Leichtigkeit, die der Schwere Gegengewicht hält und eine, mal leise, mal laut, flirrende Hoffnung und Zuversicht.

Es ist einfach eine wunderschöne, bewegende, tief berührende Leseerfahrung; eine Geschichte, mit deren Charakteren man verschmilzt, in ihr versinkt und an deren Ende man ein Stück bewusster und achtsamer wieder auftaucht.
Und vielleicht ist sie gar nicht zu Ende, sondern wirkt in einem fort.

Es geht um Identität, um Heimat, um Neuordnung, um Verlust und Trauer, aber auch um einen unerschütterlichen Glauben an Lebensfreude und das, was im Kern Bestand hat. Das vielleicht verschüttet wird, übertost und auf den Kopf gestellt, das manchmal einer Neuverortung bedarf, am Ende aber nie verloren geht.

Dieses Buch lädt ein, zu verweilen und immer wieder einmal in eine innere Standortbestimmung zu gehen. Es zieht ein - und bleibt.
500 reviews2 followers
March 11, 2026
Mira Zehmann, ihr Mann Andryi und ihre Tochter Rosa, sind nach Deutschland übersiedelt, um einen Neuanfang zu starten. Mira und ihr Mann sind beide Ärzte und leben nun in der Stadt N. Mira ist in einer Praxis Hausärztin, ihr Mann arbeitet am Krankenhaus. Allerdings schreibt Mira auch Gedichte und diese Fertigkeit ist ihr abhandengekommen und sie möchte sie wiederfinden. Sie stammen beide aus Odessa und nach dem Beginn des Krieges spürt Mira eine Zugwind in sich, den sie nicht deuten kann. Sie fährt ab und zu nach Odessa, um sich an ihr altes Leben zu erinnern und die Stadt und ihre Besonderheiten in sich aufzunehmen. Die Stadt in der ihre Großeltern leben und ihre Vergangenheit.
„Zugwind“ von Iryna Fingerova ist ein Roman, der von einer Frau handelt, die in Deutschland lebt und arbeitet, aber immer noch durch ihren Glauben und ihre Freunde und Verwandten sich in ihre Heimatstadt Odessa zurückgezogen fühlt. Die Autorin schreibt beeindruckend ihre Situation als Hausärztin in der Stadt N, in der auch viel Freundinnen von ihr leben und auch sehr viele Ukrainerinnen und Ukrainer, die sie sehr häufig aufsuchen, da sie sie an ihre Heimat erinnert. Die Patientinnen haben manchmal nur Symptome, die sie behandeln muss, und zwar Heimatverlust durch den Krieg. Es sind Einzelschicksale, die sie beschreibt, die entwurzelt wurden und sie fühlt sich manchmal genauso. Sie spürt dann am ganzen Körper einen Zugwind, der sie an ihre Heimat erinnert und sie auch immer wieder in die alte Heimat zurückzieht. Sie ist nicht unglücklich in Deutschland, aber manchmal fühlt sie sich nicht ganz komplett. Das sind dann die Zeiten, in denen sie sich auf den Weg macht. Auch eine Liebschaft könnte den Zugwind stoppen. Sie ist zufrieden und unzufrieden zugleich. Als sie das Schreiben von Gedichten wieder findet, fühlt sie das der Zugwind abnimmt. Es ist eine eindrucksvolle Beschreibung, die die Autorin hier vornimmt und man kann mit ihr fühlen, wie ihre Sehnsucht immer wieder aufflackert.
Das Buch ist für mich eine sehr eindrucksvolle Beschreibung einerseits der Situation von Flüchtlingen, über die die Autorin schreibt und ein Leben in einem fremden Land mit Wurzeln in einem anderen. Solche Gedankengänge helfen sich immer wieder zu erden, wie es auch die Autorin immer wieder tut.
124 reviews4 followers
March 11, 2026
Parallelleben sensibel und poetisch erzählt

An "Zugwind" hat mir am meisten die poetische, ausdrucksstarke Sprache und das aktuelle Setting gefallen. Iryna Fingerova schreibt wirklich phänomenal. Mit beeindruckendem sprachlichen Geschick lässt sie Figuren lebendig werden. Im ersten Drittel des Romans lernen wir die Protagonistin Mira kennen, die vor einigen Jahren mit ihrem Mann aus der Ukraine nach Deutschland ausgewandert ist und hier als Hausärztin arbeitet. Mit dem Ausbruch des russischen Angriffskrieges kommen immer mehr ukrainische Geflüchtete in ihre Praxis, oft suchen sie eher Trost als eine medizinische Behandlung. Diese vielen Personen, denen Mira in der Praxis begegnet, beschreibt die Autorin knapp und fast stakkatohaft mit ganz wenigen Eigenschaften und einem kurzen Einblick in Miras Diagnose. Obwohl man eigentlich kaum etwas über diese Personen erfährt und sie nur für einen Moment auftauchen, hat die Autorin ein echtes Geschick, sie lebendig werden zu lassen.

Überrascht hat mich, dass die im Klappentext angekündigte Reise nach Odesa erst so spät im Roman passiert ist und dann auch nur sehr kurz dauert. Iryna Fingerova beschreibt den absurden Kontrast zwischen Krieg und einem Alltag, der trotzdem irgendwie weitergeht. Mira besucht Familie, geht zu einer Party, auf ein Konzert und auf einen Flohmarkt. Unterbrochen wird dieses scheinbar normale Leben durch Luftangriffe und Soldaten, die sie für kurze Momente in der Stadt sieht.

Mit der Rückkehr nach Deutschland scheint Mira freudig gestimmt und plötzlich erwacht. Der Trip hat viele positive Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit ausgelöst, aber sie scheint auch die Momente mit ihrem Mann und ihrer Tochter mehr als vorher zu genießen. Der Krieg wird eher zu einem Hintergrundrauschen. Es folgt eine weitere Reise, dieses Mal nach Mallorca. Doch die gute Laune hält nicht an, schließlich kehrt Mira zur Arbeit zurück, hat dort wieder intensiven Kontakt zu vielen ukrainischen Patient:innen, sodass sie die grausame Realität des Krieges in ihrer Heimat und das schwer zu ertragende friedliche Parallelleben in Deutschland zunehmend vor Herausforderungen stellt. Die Geschichte ist so sensibel, aber gleichzeitig sehr bewegend erzählt, sodass die Lektüre eine echte Bereicherung ist!
197 reviews
February 22, 2026
Zugwind ist ein eindringlicher, aktueller Roman, der mich vor allem durch sein Thema und seine emotionale Ehrlichkeit überzeugt hat – auch wenn sich das Lesen stellenweise etwas langatmig angefühlt hat.

Im Mittelpunkt steht Mira Zehmann: Hausärztin in Deutschland, Ehefrau, Mutter einer kleinen Tochter. Vor Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um sich ein eigenes, sicheres Leben aufzubauen. Doch als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht und Bomben fallen, holt die Vergangenheit sie mit voller Wucht ein. Der Krieg bleibt nicht fern – er zieht wie ein kalter Zugwind durch ihren Alltag, durch ihre Praxis, durch ihr Innerstes.

Plötzlich wird Miras Hausarztpraxis zur Anlaufstelle für geflüchtete Ukrainer:innen, die nicht nur medizinische Hilfe suchen, sondern auch Trost, Verständnis und jemanden, der ihre Sprache spricht – im wörtlichen wie im emotionalen Sinn. Parallel gerät ihr Privatleben ins Wanken: die angespannte Beziehung zur Schwiegermutter, Gedanken an eine Affäre, die Frage, wie viel Verantwortung man für das Leid anderer tragen kann, ohne selbst daran zu zerbrechen. Schließlich reift in Mira der Entschluss, nach Odesa zurückzukehren – zur hochbetagten Großmutter, zu Erinnerungen, zum Meer und zu einem Teil von sich selbst, den sie lange verdrängt hat.

Iryna Fingerova erzählt diese Geschichte sehr authentisch und nahbar. Besonders stark fand ich die Darstellung von Miras innerem Chaos: Trauer, Schuldgefühle, Wut, Ohnmacht und der verzweifelte Versuch, trotzdem weiterzuleben. Man spürt, wie zerrissen sie zwischen zwei Welten ist – zwischen Sicherheit und Herkunft, Alltag und Ausnahmezustand.

Abzüge gibt es für mich vor allem beim Erzähltempo. Einige Passagen ziehen sich, wiederholen Stimmungen und Gedanken, sodass die emotionale Wucht stellenweise eher ermüdet als verstärkt wird. Dennoch überwiegt der positive Eindruck deutlich.

Zugwind ist ein wichtiges, sensibles Buch, das zeigt, wie Krieg weit über Ländergrenzen hinaus wirkt – leise, nachhaltig und zutiefst menschlich. Trotz kleiner Längen eine sehr lesenswerte Geschichte, die lange nachhallt.
Profile Image for Majca.
231 reviews12 followers
Review of advance copy
February 18, 2026
"Ja, solange der Krieg andauert, ist es in der Ukraine nirgendwo völlig sicher. Aber von den Frontstädten abgesehen gibt es gleichzeitig auch keinen Ort, an dem das Leben nicht sein Recht einfordert."


4.5 ★
Der Roman erzählt von den vergangenen Jahren seit der Invasion der Ukraine aus Sicht einer ukrainisch-stämmigen Hausärztin in Deutschland. Dabei handelt es sich weniger um eine chronologisch aufgebaute Handlung als um eine fließende, assoziative Darstellung ihrer Gedanken und Gefühle. In ihrer empathischen und differenzierten Haltung liegt die große Stärke des Buches. In anonymisierten Patientengeschichten werden Fluchterfahrungen, soziale Not und psychische Erschöpfung eindrücklich sichtbar. Dazu werden gesellschaftlicher Druck, etwa rund um Einbürgerung und Leistungsanforderungen, sensibel und kritisch beleuchtet.

Parallel dazu durchzieht die Zerrissenheit der Erzählerin den gesamten Text. Sie hadert mit der Schuld, ein „gutes“, sicheres Leben zu führen, während Familie und Freund:innen in Odesa einen Alltag im Krieg bewältigen müssen. Gleichzeitig spürt sie eine starke Sehnsucht nach ihrer Heimat, die sie immer wieder dorthin zieht. Sie sucht, und findet schließlich, einen Weg diesen Zustand mit dem Bedürfnis ein erfülltes Leben zu führen zu vereinen. Diese innere Spaltung ist eindrücklich und glaubwürdig gestaltet.

Die fließende Art, wie Gedanken, Alltag, Erinnerungen und Reflexionen ineinander übergehen, schafft eine stimmige Atmosphäre, kann jedoch stellenweise diffus erscheinen. Mitunter hätte eine behutsame Gliederung, etwa durch Kapitelüberschriften, den Text etwas greifbarer gemacht.

Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einen berührenden Roman gelesen zu haben. Einen, der nicht über große Ereignisse funktioniert, sondern über Empathie und über die Frage, wie man in relativer Sicherheit lebt, während anderswo Krieg herrscht.

Vielen Dank an Vorablesen und Rowohlt für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst.
34 reviews
March 13, 2026
Wie den Zugwind aussperren in Zeiten des Krieges?

Mira Zehmann ist schon länger in Deutschland. In Odesa geboren, lebt sie mittlerweile als Ärztin arbeitend, in glücklicher Ehe und mit gemeinsamer Tochter in der Stadt N. Doch mit der Vollinvasion Russlands in die Ukraine am 24. Februar 2022 zieht ein Zugwind bei ihr ein. Sie verriegelt Türen und Fenster. Doch immer ist da dieser Wind, der durch die Löcher in ihr selbst zu pfeifen scheint.

Mühsam versucht sie die Löcher zu füllen, sich in die Arbeit zu stürzen, den Krieg fern von der Tochter zu halten, sich auf alle erdenklichen Arten abzulenken von dem Grauen, das sie jeden Tag über Telegramm aus der Ukraine zugespielt bekommt. Von der Ungewissheit und dem Bangen um Freunde und Familie in Odesa - und auch um die geliebte Stadt selbst.

Doch woher die Kraft aufbringen, um jeden Tag von neuem den Alltag in Deutschland zu bestehen, wenn der Krieg einem alle Kraft raubt?

Eindringlich und gleichsam poetisch findet Iryna Fingerova Worte für das, das so schwer in Worte zu fassen ist: die innere Unruhe, die Schuldgefühle, die Mira Zehmann und auch ihre Patient*innen plagen. Menschen, die mit ihren Traumata zu ihr kommen und doch jeden Tag überlegen, ob sie in die Ukraine zurückkehren sollten. Nicht nur, um ihr Land zu verteidigen, sondern auch, um einfach vor Ort zu sein.

Zugwind ist ein Buch das wahnsinnig eindrücklich das beschreibt, was als Außenstehende so schwierig zu verstehen ist. Warum mitten im Krieg an den Kriegsort zurückkehren? Wie dort das Leben feiern in Zeiten des Krieges? Es deckt sich von der Erklärung mit denen einiger anderer Ukrainer*innen, die ich in letzter Zeit in Podcasts und Talkshows sprechen hören habe. Aber durch die literarische Verarbeitung findet Zugwind noch mal einen ganz anderen Zugang zu dem Thema. Leser*innen können Mira Zehmanns Unruhe, ihre Verzweiflung und Ohnmacht förmlich spüren.

Selten hatte ich das Gefühl den Ukrainer*innen, die nun in Deutschland leben, näher zu sein als nachdem ich dieses tolle Buch zugeklappt habe.
Profile Image for Isa ◡̈ .
244 reviews44 followers
May 10, 2026
»Wenn die Zukunft Dunkelheit bringt, muss man leben, solange es noch hell ist. Und wenn die dunkle Stunde kommt, ist es an der Zeit, Kerzen anzuzünden, denn Licht braucht jeder. Und jeder hat seine eigenen Kerzen.« (38)

Mit ihrem Roman »ZUGWIND« hat sich die ukrainische Schriftstellerin, Autorin & Ärztin Iryna Fingerova direkt in mein Herz geschrieben 💘 Sie hat diesen (ihren dritten) Roman zu Teilen auf Deutsch und zu Teilen auf Ukrainisch geschrieben, übersetzt von Jakob Walosczyk.

Aber zunächst: Worum geht es? Die Protagonistin und ICH-Erzählerin Mira ist Hausärztin, Mama einer kleinen Tochter & (Ehe-)Frau und lebt seit einigen Jahren mit ihrer Familie in Deutschland. Als in ihrer Heimat der Ukraine der Krieg beginnt, verliert auch Mira in Deutschland ihren Halt und stellt sich zwischen Ärztin-, Mama- & Familienalltag zunehmend existenzielle Fragen: Darf es mir in der Sicherheit gut gehen, während andere Menschen im Krieg leben? Wie geht dieses Mensch-Sein in Mitten all dieser Krisen, Kriege und unmenschlichen Zeiten? Ein ZUGWIND weht durch ihre Seele und lässt sie frieren — eine - von ganz vielen weiteren - wunderbaren Metaphern und Poetik, die die Autorin geschaffen hat. Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam, wie sich innere Zerrissenheit, Sehnsucht, Empathie, Lebenshunger, Schuldgefühlen, Verantwortung, Vermissen und das Entwurzelt-Sein anfühlen können.

»Ich möchte mit offenen Augen durch die Welt gehen, dies ist das Mindeste, was ich tun kann. Ja, manchmal zwickt das, aber besser so, als im Vakuum zu leben.« (247)

»ZUGWIND« 🌼 ist ein sehr modernes, kluges, mutmachendes, lebensbejahendes & wichtiges Buch, das zwischen Erzählarten wechselt: von sehr poetischen Absätzen bis hin zu prägnanten Beobachtungen und psychologischen Feinheiten. Mit ihrem so witzigen wie bissigen Sarkasmus und gleichzeitig einer Leichtigkeit trotz dieser Themenschwere schafft Iryna Fingerova einen ganz besonderen Roman, der sehr ins Herz geht. Ich kann es sehr empfehlen 💛
103 reviews
March 15, 2026
Das Cover ist dezent, zurückhaltend und in einer ruhigen, angenehmen Farbe gehalten.
Dieser berührende Roman „ZUGWIND“ von der Autorin Iryna Fingerova, welche gebürtige Ukrainerin ist, über die junge Ärztin Mira Zehmann besticht durch intensive, tiefgreifende Erzählung und Beschreibung von Emotionen, die ich mir tatsächlich beim Lesen des Klappentextes oder auch der LP nicht so erwartet habe. Es waren Lesestunden voller Ruhe und Tiefgang, die ich selten so erlebt habe.
Der Plot handelt von einer ukrainischen Ärztin, die mit ihrem Mann nach Deutschland gezogen ist. Die beiden haben sich hier ein neues Leben aufgebaut und eine Tochter bekommen. Jedoch werden sie tagtäglich durch die Medien in ihrem Heimatland auf das Leid und die Zustände in der Ukraine gestoßen. Auch kommen immer wieder Landsleute zu Mira in Behandlung in eine Hausarztpraxis, welche sich von ihr physische und psychische Linderung erhoffen und erwarten.
Irgendwann hält Mira dem Druck und der Belastung, ausgelöst durch diese Erwartungshaltungen, aber auch durch Selbstvorwürfe, ausgewandert zu sein, während andere die Situation daheim aushalten, nicht mehr stand und sie tritt eine Reise nach Odessa an, welche zu einer unglaublichen Erfahrung wird.
Erzählt wird in einer sehr interessanten, für mich ungewöhnlichen, daher gewöhnungsbedürftigen Schreib- und Erzählweise, temporeich; manchmal, abgehackt; jedoch zum Inhalt absolut passend.
Von mir 5 Sterne, da mich dieses Buch sehr berührt hat, mich zum Innehalten und immer wieder Nachdenken angeregt hat. Viele Punkte werden offen thematisiert und ich selbst habe mir einige wenige Male einen Spiegel vorgehalten oder meine Meinung revidiert. Nicht oft gibt es ein Buch mit solchem Tiefgang, vermutlich da ein gutes Stück Biografie drinnen steckt. Eine absolute Leseempfehlung.
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February 27, 2026
Die Ärztin Mira Zehmann, Ärztin, Mutter, Ukrainerin aus Odessa, lebt in Deutschland - sie ist schon vor dem russischen Angriffskrieg mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Deutschland gekommen, aber als in ihrer Heimat die Bomben fallen, gerät ihr Leben aus den Fugen: Sie erzählt in bewegenden Worten wo Patientinnen und Patienten, die vor diesem Krieg geflohen sind, aber sie berichtet auch von ihrem normalen Praxisalltag. Sie erzählt von ihrer Familie und von ihrer Sehnsucht nach der Heimat, von diesem Zugwind, der durch sie hindurchweht und aus den Ritzen pfeift. Die Menschen suchen nach Trost, nach Heilmitteln, nach Antworten, ebenso wie Mira selbst auch. Ihr sind auch die eigenen Worte ein wenig verloren gegangen, denn sie ist auch Dichterin, aber jetzt beschäftigt mit der Hilfe für andere: Spenden sammeln, Hausbesuche, Kontakte knüpfen.
Vieles in diesem Buch hat mich bewegt: Die Gleichzeitigkeit all dieser Gefühle, der beinahe bedingungslose Wunsch zu helfen, der Spagat zwischen all den Seiten, die an ihr ziehen - Familie, Praxis, eigener Identität. Ein Blick auf diesen Krieg, der mich berührt hat, der gezeigt hat, dass die Sicherheit, die Deutschland bieten mag, immer ein wenig fragil ist, wenn Alltagsrassismus um die Ecke lugt, wenn man in der Praxis vor allem Menschen sieht, die mit ihren Traumata kämpfen und man nur so und so weit helfen kann... Nicht alle Bilder, die Iryna Fingerova gestaltet, konnte ich verstehen - aber fühlen konnte ich beinahe jedes Wort. Es ist poetisch, es ist tiefgründig, es ist geprägt von Mitgefühl und Identität.
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March 9, 2026
Ein kalter Luftzug, der sich langsam durch jede Ritze schiebt und irgendwann das ganze Leben erfasst. Genau dieses Gefühl hat mich beim Lesen von Zugwind begleitet. Die Geschichte von Mira hat sich leise und doch mit großer Wucht in mein Herz geschlichen.

Mira lebt ein scheinbar geordnetes Leben in Deutschland. Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Doch während sie versucht, ihren Alltag zwischen Praxis, Familie und Verpflichtungen zu meistern, brennt in ihrer Heimat Ukraine der Krieg. Die Nachrichten, die Sorgen um Familie und Freunde und die Schuldgefühle darüber, selbst in Sicherheit zu sein, ziehen sich durch jede Seite wie ein unsichtbarer Faden.

Besonders berührend fand ich, wie nah die Autorin an Miras innerer Zerrissenheit bleibt. Die Praxis wird zu einem Ort voller Geschichten, Ängste und Hoffnung, wenn ukrainische Patienten Hilfe suchen. Gleichzeitig kämpft Mira mit ihren eigenen Gefühlen zwischen Trauer, Wut und der Sehnsucht nach dem Leben, das sie zurücklassen musste.

Die Sprache wirkt dabei ruhig, fast zurückhaltend, und gerade dadurch unglaublich intensiv. Viele Szenen fühlen sich so authentisch an, als würde man Mira still durch ihren Alltag begleiten. Man spürt ihre Müdigkeit, ihre Überforderung und auch ihre kleinen Momente von Wärme und Menschlichkeit.

Zugwind ist kein lauter Roman. Es ist eine leise, nachdenkliche Geschichte über Heimat, Verlust und die schwierige Frage, wo man eigentlich hingehört, wenn das eigene Herz zwischen zwei Welten schlägt.
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April 29, 2026
Statt eines klaren Handlungsstrangs entfaltet sich das Buch als vielschichtige Sammlung von Eindrücken, Momentaufnahmen und Stimmen. Es sind Fragmente eines Lebensgefühls, die sich langsam zu einem Gesamtbild verweben, ohne je den Anspruch zu erheben, vollständig oder eindeutig zu sein. Immer wieder taucht dabei das Motiv des Zurückwollens auf. Zurück an einen Ort, der gleichzeitig Heimat und Bedrohung ist, etwa in den Erinnerungen an Odesa, die durch den Krieg geprägt sind. Dieses Spannungsfeld nicht schlafen zu können aus Sorge um die Zurückgebliebenen und sich doch nur dort wirklich zugehörig zu fühlen beschreibt ein Lebensgefühl, das mir fremd ist und dennoch erschreckend nachvollziehbar wird.

Besonders eindrücklich ist das wiederkehrende Bild des „Zugwinds“. Es steht sinnbildlich für Bewegung, Übergang und Unsicherheit. Für das Dazwischen-Sein, das viele der dargestellten Lebensrealitäten prägt. Dieser metaphorische Leitgedanke verleiht dem ansonsten fragmentarischen Aufbau eine überraschende Stimmigkeit.
Was das Buch besonders auszeichnet, ist seine Authentizität. Die geschilderten Gedanken und Gefühle wirken durchgehend nachvollziehbar und „echt“, ohne ins Sentimentale abzurutschen. Es fordert seine Leser*innen heraus, sich auf Unsicherheiten einzulassen und gewohnte Denkmuster zu hinterfragen.
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March 27, 2026
”Zugwind” von Iryna Fingerova (ins Deutsche übersetzt von Jakob Walosczyk) handelt von der ukrainischen, in Deutschland lebenden Ärztin Mira Zehmann, die, aufgehängt an Episoden ihrer oft ukrainischen Patient*innen über Krieg, Flucht, Verlust und Heimatlosigkeit nachgrübelt. Der autofiktionale Text hat nicht nur anekdotischen Charakter, sondern auch Anteile magischen Realismus’, der sich in den Alltag der Protagonistin webt. Die Hörbuchfassung, gelesen von Lisa Hrdina, trägt atmosphärisch wesentlich zum Flair des Buches bei; leider hat es mich, nach dem fesselnden Einstieg, irgendwann verloren, da ich nicht wusste, wo der Text mit mir hin will. Nach den ersten Kapitel, die als Einstieg in das Lebend er Protagonistin dienen und vom Beginn des Ukraine-Krieges und den Flüchtenden und Dagebliebenen handelt, folgen lange Abschnitte, in denen aus verschiedenen Krankenhäusern und Arztpraxen über Begegnungen mit einzelnen Patient*innen erzählt wird, aber ohne Bezug zur Rahmenhandlung. Das hat mich mit der Zeit leider ermüdet und ich fand es immer schwieriger, mit Interesse zu folgen.

*Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
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February 20, 2026
Bewegend und Authentisch

Iryna Fingerova ist wie ihre Protagonistin Mira in ihrem Roman, Zugwind, aus Odessa. Sie ist Ärztin, Journalistin und Schriftstellerin.
Die Autorin schreibt bewegend und authentisch. Sie erzählt ihr Leben.
Mira wird Hausärztin und da kommen viele Patienten aus der Ukraine. Als Patient fühlt man sich ja wohler, wenn der Arzt einen versteht.
Sie erfährt von ihren Patienten viel aus deren Leben und den Problemen, die sie mit der Bürokratie Deutschlands nicht so zurechtkommen.
Da sind die Angst und die Erfahrungen des Krieges und die Sehnsucht nach der Heimat. Zuhause hatten sie alles und jetzt ist alles beengt. Das ist ein Dilemma.
Seit der Krieg in der Ukraine angefangen ist gibt es bei Mira das schlechte Gewissen, das sie in Sicherheit ist und viele Freunde um ihr Leben bangen müssen.
Dann ist sie auch noch eine Jüdin und da kommt auch noch das Drama in Israel dazu.
Weil die Autorin das alles selber erlebt, ist man von diesem Roman total gefangen.
Da erfährt man von den Emotionen der Emigranten und lernt sie besser zu verstehen.
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February 28, 2026
Ein Zugwind hat sich in mir eingenistet

Zugwind ist ein bemerkenswertes Buch. Die Autorin hat viel mit der Protagonistin des Buches gemeinsam. Sie sind beide Ärztin, verheiratet mit Kind, stammt aus der Ukraine und Jüdin.
Für mich ist es daher keine reine Fiktion. Beim Lesen spürt man das nicht. Von der Form kann man sagen, es ist ein Roman. Für dieses Buch funktioniert die Form sehr gut.

Iryna Fingerova gibt ihrer Figur viel Persönlichkeit und Sensibilität mit. Was in der Ukraine passiert beschäftigt sie unaufhörlich, auch weil sie noch Verwandet dort hat, z.B. ihre 90jährige Großmutter.

Mira, die Hausärztin behandelt in ihrer Praxis viele ukrainische Patienten. Eigentlich alle leiden unter dem Krieg und erzählen Mira mehr als nur ihre körperlichen Krankheitsgeschichten. Die vielen Geschichten der Patienten machen ein gutes Stück weit den Roman aus. Aber auch Miras eigene Emotionen und ihr Leben werden ausführlich vorgestellt.

Mich hat das Buch überzeugt. Ein Stück deutsch-ukrainische Literatur, die ich für wichtig halte und die Verständnis fördert.
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February 13, 2026
hat mich tief berührt

"Zugwind" von Autorin Iryna Fingerova ist ein sehr eindringliches und tiefgreifendes Buch, welches mich vollkommen eingenommen hat beim Lesen. Der Titel ist absolut passend gewählt für das Buch, so auch das Cover.
Identität, Verlust, Entfremdung und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit werden in diesem Roman thematisiert. Auf eine sehr ehrliche, emotionale und warme Art und Weise werden diese Themen angesprochen, und dadurch berühren sie einem gleich noch mehr.
Mira Zehmann, Hausärztin in Deutschland ist die Protagonistin - eine Frau und Mutter, die einst Odessa verlassen hat. Der Kriegsbeginn in der Ukraine hat dann Spuren bei ihr hinterlassen. Sie ist zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen innerem Rückzug und äußerem Druck gefangen.

Von mir gibt es eine Empfehlung - der Schreibstil macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem - sehr ergreifend.
6 reviews
March 8, 2026
In Iryna Fingerovas Roman verschwimmen die Grenzen zwischen Roman, Poesie und - das ist zumindest mein Gefühl - eigenen Erfahrungen und Beobachtungen des Alltags. Und genau das hat mich gefesselt und mitgenommen.
In der Geschichte um Mira Zehmann, die als junge Frau von Odessa nach Deutschland kommt und dann als Hausärztin in einer Gemeinschaftspraxis arbeitet, fließen immer wieder Erzählungen und Schicksale der sie umgebender Menschen ein. Mit poetischen und metaphorischen Worten schildert sie den Versuch Lebensfreude zu bewahren, auch wenn die Zeiten schwierig werden und die Schicksale ihrer Mitmenschen und Patienten sie am Leben zweifeln lassen. Dieses Bild eines kalten Windstoßes, eins Zugwinds, zieht sich durch das gesamte Buch.
Mit ihrem Arbeitsbeginn in der Praxis von Frau Meer und Frau Erde, kleidet sie sich in einem Fachgeschäft neu ein, die Verwandlung könne beginnen. "Ich kaufte mir orangefarbene Chucks, um nicht zu vergessen, wer ich war, und eine Brille ohne Stärke, um die Wahrheit klarer zu sehen. […] Krise überstanden, und weiter gehts! Doch als ich die Hände tiefer in die Taschen steckte, sah ich meine Finger durchscheinen. Sie waren löchrig. Der Wind pfiff aus mir heraus". So beginnt das Buch und Fingerova findet immer wieder schöne Vergleiche um das Seelenleben ihrer Protagonistin zu bebildern. So geht sie ein anderes Mal in eine Bankfiliale um sich "Kraft auf Kredit" zu verschaffen.
Was nehme ich mit aus diesem Buch? Vor allem das: "Der Zugwind hat weniger Macht, wenn ich keine Angst vor stürmischem Wetter habe."
4 reviews
March 1, 2026
Zugwind von Iryna Fingerova ist ein einfühlsamer und atmosphärischer Roman, der von der ersten Seite an fesselt. Die Autorin schreibt in einer klaren, angenehmen Sprache, die leicht zu lesen ist und dennoch viel Gefühl transportiert.

Besonders gelungen sind die Figuren. Sie wirken authentisch und vielschichtig, mit Gedanken und Emotionen, die man gut nachvollziehen kann. Dadurch entsteht eine starke Nähe zu den Charakteren, und man begleitet sie gerne durch die Geschichte.

Auch die Stimmung des Buches ist sehr eindrucksvoll. Es gibt viele leise, nachdenkliche Momente, die zum Innehalten anregen. Es werden wichtige Themen sensibel behandelt und dabei nie übertrieben oder belehrend wirkt.

Insgesamt ist es ein berührendes Buch, das noch lange im Gedächtnis bleibt. Eine klare Empfehlung für alle, die ruhige, tiefgründige und gefühlvolle Geschichten schätzen.
32 reviews10 followers
March 26, 2026
Ein hervorragendes Buch!

Wie ist es, wenn man in einem fremden Land lebt und plötzlich gerät das Heimatland in einen Krieg? Verwandte bleiben im Land oder kommen zu einem nach Hause und sind verloren, ohne in ihre Heimat zurückkehren zu können.
Dies erlebt alles die Ärztin und Poetin Mira in dem Roman Zugwind. Sie berichtet hier von ihrem Leben, ihren Schuldgefühlen und von ihren Patienten und Patientinnen, denn kaum spricht es sich herum, dass eine ukrainische Ärztin in der Stadt ist, wird ihre Praxis von Ukrainern überlaufen, die die verschiedensten Krankheiten haben oder einfach nur jemanden zum Reden brauchen.
Das Buch ist sehr kurzweilig und bisweilen auch lustig geschrieben und man kann sich wunderbar in die Hauptperson hineinversetzen und mit ihr fühlen. Mir hat es nochmal eine ganz andere Perspektive geboten, die mich reicher gemacht hat.
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7 reviews
April 9, 2026
Inhalt

Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben.

Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie fest: Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.

Rezension

Als das Buch "Zugwind" bei mir einzog, war ich sehr gespannt darauf, wie es sein wird. Die Leseprobe hatte mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen. Der Schreibstil, die Erzählung, die Worte an sich waren total inspirierend und zugleich erschütternd vor Intensität, die nicht nur zwischen den Zeilen mitschwang, sondern die die Geschichte an sich trug.

Die Protagonistin erzählt von ihrem Leben als Ärztin. In Deutschland und in Odesa. Zu ihr kommen Patienten, die vom Krieg gezeichnet sind und sich nach ihrem alten Leben sehnen. Durch diese Sehnsucht entstehen die Beschwerden. Manche, nicht alle. Im Grunde wollen sie reden, sich verstanden fühlen und nicht allein sein. Mit ihren Gefühlen, ihren Gedanken – ihrer Angst, die seit dem Krieg in der Ukraine ihr ständiger Begleiter ist.

Das hat die Autorin schön bildlich zusammengefasst. Die Geschichte ist mit so viel Gefühl geschrieben, dass man von Seite zu Seite schwingt. Zwischen dem Beschwingtsein und dem Schwerwerden, aber immer mit einem Lichtblick auf die Hoffnung, dass sich alles wieder ändern, zum Guten wenden, könnte. Sie zeigt uns, was wir verloren haben, was wir nicht sehen und was es uns manchmal kostet, wenn wir uns verlieren. Vor allem, wenn wir den Mut verloren haben, wir selbst zu sein, um für uns einzustehen. Uns schlecht zu fühlen für Dinge, die sich manchmal einfach so ergeben. Aus Umständen, aus Wünschen oder Träumen.
Profile Image for Marie.
226 reviews3 followers
March 9, 2026
Mira Lehmann hat vor vielen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann das Leben in Odessa hinter sich gelassen und einen Neuanfang in Deutschland gewagt. Ihre Tochter ist dort geboren und sie arbeiten inzwischen beide als Ärzte. Doch als der Krieg die Ukraine erschüttert, fühlt sie dieses Beben auch in ihrem Leben.
Die Hausarztpraxis, in der sie arbeitet, wird von immer mehr Ukrainern aufgesucht. Mira versucht ihnen ein Trost in diesem kompletten Heimwatverlust zu sein, beginnt dadurch aber selbst, sich nach ihrem früheren Leben und ihrer Familie dort zu sehnen.
Jeden Morgen informiert sie sich online über den momentanen Zustand ihres Heimatlandes und genau wie die Geflüchteten fühlt sie sich immer mehr hin und her gerissen.

„Zugwind“ ist ein wundervoll authentischer Roman, der sich fast wie eine Autobiografie anfühlt. Sensibel und doch humorvoll begleiten wir Mira durch den Alltag und erlangen einen Eindruck von den Gefühlen und der Situation der Ukrainer:innen, der so absolut herzzerreißend und doch immer hoffnungsvoll ist.
Eine wundervolle Geschichte über das unüberbrückbare Gefühl der Schuld, ein sicheres Leben führen zu können, aber auch die Unumgänglichkeit, füreinander da zu sein.
Profile Image for Isa.
125 reviews1 follower
May 4, 2026
Die ukrainische Ärztin Mira, die in Deutschland lebt, während in ihrer Heimat Krieg herrscht. Ihr Alltag in der Hausarztpraxis wird zum Spiegel größerer Konflikte: Flucht, Verlust und Sehnsucht in den Geschichten ihrer Patient:innen – und in ihrem eigenen inneren Zwiespalt zwischen zwei Welten.
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