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Zugwind: Roman | Ein Buch, das Mut macht: vom Leben einer jungen ukrainischen Ärztin und dem Versuch, Trost in alltäglichen Dingen zu finden

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Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben. Die Hausarztpraxis wird zur Anlaufstelle, lang ist die Schlange der ukrainischen Patienten, die alle zu Mira wollen auf der Suche nach Trost, nach Heilung und Mitgefühl. Ob eine Affäre hilft, Miras Unmut über den unendlich langen Besuch der Schwiegermutter zu überwinden? Als Mira verfolgt, wie ihre Patienten zwischen den Welten reisen, steht für sie Sie muss nach Odesa, muss ihre über neunzigjährige Oma besuchen, das Meer sehen, mit ihren Freunden tanzen gehen.

Iryna Fingerova erzählt so bewegend wie authentisch von Miras Trauer, ihren Schuldgefühlen, ihrer Wut und Resignation, bis hin zu dem Versuch, das eigene Leben weiterzuleben, die Ereignisse zu akzeptieren und vielleicht persönlichen Frieden zu finden.

296 pages, Kindle Edition

Published February 20, 2026

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Profile Image for Wal.li.
2,581 reviews75 followers
February 20, 2026
Gedichte, die wiederkommen

Sie hat die Ukraine schon vor Jahren verlassen und sich mit ihrer Familie in Deutschland als Ärztin eingerichtet. Doch als Russland ihr Heimatland die Ukraine überfällt, ändert sich für Mira Zehmann alles. Es kommt ihr vor als wehe ein Zugwind. Natürlich will sie ihren Landsleuten helfen. Sie versucht, Wohnungen zu finden, Spenden zu organisieren und jede Form von Hilfe zu geben. Sie beginnt in einer Gemeinschaftspraxis zu arbeiten, in die bald viele ukrainische Flüchtlinge kommen. Mira ist die, die die Probleme der Menschen am ehesten versteht. Wer aber versteht Mira. Ihr Mann scheint nicht in jedem Moment der Richtige zu sein.

Eine junge Frau erlebt in Deutschland den Beginn des Krieges in der Ukraine. Ein Land, das sie vor etlichen Jahren verlassen hat, in dem Wissen, dass sie jederzeit zurückkann. Und nun? Sie fühlt sich schuldig, weil sie in Deutschland ist und nicht in der unmittelbaren Gefahrenzone. Sie will helfen und manchmal wird es ihr doch zu viel. Die Patienten, deren Geschichten sich wiederholen und die ihr manchmal zu viel werden. Dann muss sie mal raus, wieder Kraft sammeln. Zumindest besuchen will sie den Teil der Familie, der in Odessa lebt, besuchen, sich versichern, dass es allen gutgeht.

Dieser berührende Roman zeigt an dem Beispiel der jungen Ärztin Mira Zehmann, die sich als Poetin versteht, wie der Beginn des Krieges ihr Leben verändert und beeinflusst. Auch wenn sie in Deutschland in Sicherheit ist, fühlt sie das Brausen des Krieges. Ihr Wunsch ist es, etwas zu tun. Selbstlos hilft sie und doch merkt sie, dass es sie überfordern kann. So ganz kann man sich nicht in die Lage der jungen Frau hineinversetzen, auch wenn man das Entsetzen bei der Nachricht von dem Einmarsch der Russen noch gut erinnern kann. Wie muss es dann erst für Menschen sein, die sich von einer Sekunde auf die andere große Sorgen um ihre Lieben machen müssen. Die Schicksale der bedrücken beim Lesen, auch wenn sie sich ähneln. Ein wenig fühlt man sich selbst niedergeschlagen. Doch wie Mira trotz der schlimmen Ereignisse zu ihrer Stärke zurückfindet, ist beeindruckt sehr.

Das Cover wirkt zunächst eher zurückhaltend, wenn man es jedoch näher betrachtet, entdeckt man, dass immer mit einem Blümchen Hoffnung zu rechnen ist.
146 reviews3 followers
February 21, 2026
Die gebürtige Ukrainerin Iryna Fingerova hat mit „Zugwind“ einen Roman geschrieben, der einen beim Lesen weniger wie ein Wind, als wie ein Sturm mitten ins Herz trifft. Berührend, bewegend und mit emotionaler Tiefe!
Am 24.Februar 2022 nistet sich bei Mira Zehmann ein Zugwind ein. Mira ist Ärztin und bereits vor Jahren mit ihrem Mann Andrij, ebenfalls ein Mediziner, aus der Ukraine nach Deutschland emigriert. Hier sind sie Eltern von Tochter Rosa geworden. Mira stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa. Doch nun, mit dem Beginn der russischen Vollinvasion, verändert sich ihr privates und berufliches Leben dramatisch.

Nach der Tätigkeit in einem Krankenhaus war Mira in eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis gewechselt. Rasch wird sie nun zur Anlaufsstelle für neue ukrainische Patient*innen. Sie hoffen neben medizinischer Unterstützung nicht nur auf sprachliches sondern auch emotionales Verständnis und Gehör. Mira wird mit einer Vielzahl von Arten und Symptomen traumatischer Erfahrung konfrontiert, durchlebt von Menschen aus verschiedensten Regionen der Ukraine mit unterschiedlichen Perspektiven und Geschichten.
In der Arztpraxis kreuzt sich ein Gewirr von Lebensfäden. Die vor dem Krieg Geflüchteten tragen neben körperlichen und seelischen Leiden, auch die Sehnsucht nach der Heimat und dem Verlorenen hinein. Mittendrin steht Mira wie ein Verbindungsglied zwischen der Vergangenheit und einer möglichen Zukunft. Doch sie schwankt unter der zermürbenden Belastung und ist doch innerlich selbst zerrissen.

Mit einer ungeheuren Wucht, großer Authentizität und Emotionalität wird man als Leser*in der dramatischen Situation der Geflüchteten gewahr. Man begreift, was der vom Krieg bewirkte Sturz aus dem vorher selbstbestimmten Leben bedeutet: Abhängigkeiten, Hilflosigkeit, Identitätsverlust, Kontrollverlust, Neuanfang ohne verbliebene physische und psychische Ressourcen und so viel mehr…
„Die Menschen unterschätzten die Anstrengung, die es kostet, in einer vollkommen neuen Realität zu leben.“ S. 29

Da man sich sehr schnell mit der berührend authentischen Figur der Mira identifiziert, fühlt man ihr Ringen um Stärke, ihre innere Zerbrechlichkeit, Sensibilität mit. Mira wird im Alltag förmlich zerrissen zwischen ihrer ärztlichen Tätigkeit, der Mutterschaft, den Problemen in der Klein- und Großfamilie, den Nachrichten über das Geschehen in der Ukraine und den Botschaften aus Odesa.
Ihre eigene Gefühlswelt gerät nicht minder in Turbulenzen als die der geflüchteten Menschen: Angst, Sorge, Schuldgefühle, Scham, tiefe Traurigkeit, Verzweiflung, Resignation. Wie sie lebt sie eigentlich in zwei Realitäten gleichzeitig.

Mira muss stark sein, anderen Halt geben und ringt selbst darum. Ich bewundere sie dafür, dass sie ihren coolen, frischen, teilweise auch selbstironischen Erzählton beibehalten kann.
„Das 21. Jahrhundert ist ein Schuss ins Knie der Identität. Alles wird in Zweifel gezogen – Geschlecht, Nationalität, Kultur, alles blubbert und vermischt sich mit allem, kocht über und läuft aus dem Kessel. Und kaum hast du begriffen, wer du eigentlich bist, da fliegen dir die Splitter der zertrümmerten Kniescheibe um die Ohren.“ S.185

Dass Mira dann trotz Krieg und Gefahr in ihre alte Heimatstadt reist, um ihre Großmutter zu besuchen und Freunde zu treffen, ist für mich absolut nachvollziehbar. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, um die Gegenwart zu ertragen, eine Erinnerung daran, wer man eigentlich ist.
Die Darstellung des Lebens im kriegsgeschüttelten Odesa rundet das Geschilderte ab. In der Ukraine merkt Mira, wie Lappalien, Normalität und Routinen Halt geben können. Keine mögliche Freude wird verschoben, ganz egal, was einem in den finsteren Zeiten Licht schenkt.
„…die verstanden, dass der heutige Tag das Leben ist.“ S.35
„Und entweder man kann mit dem Gedanken „scheiß drauf, scheiß einfach drauf“ leben und bleibt, oder man geht. Aber man kann nicht tagein, tagaus Angst haben“ S. 115

Die Geschichte wird sehr sensibel, tiefgründig, präzise beobachtet und mit großem psychologischem Verständnis erzählt. Die emotionalen Momente habe ich als sehr intensiv und persönlich empfunden.
Mich hat die Metapher des titelgebenden „Zugwindes“ überzeugt. Ein Bild einer verfolgenden, existenziellen, fast depressiven Krise, die einem wie die vielen anderen Bilder nicht so schnell loslässt. Den Ausbruch in den magischen Realismus (Kraft auf Kredit) empfand ich als einen erfrischenden Ausgleich.
Für mich passen die vielen verständnisvollen Darstellungen der Geflüchteten wie auch das Schicksal Miras selber zu dem Bild der geschichteten Realitäten:
„Die Realitäten waren so dicht übereinandergeschichtet, dass mir schwindelig wurde.“ S. 183

FAZIT
Iryna Fingerovas Roman ist mir mit jeder Seite mehr ans Herz gewachsen. Das Buch will langsam und mit Empathie gelesen werden. Es stecken so viele Emotionen, Wahrheiten, Poesie und Denkanstöße drin. Nichts davon möchte ich mir entgehen lassen. Ein Buch, das ich bestimmt ein zweites und drittes Mal lesen werde.

Vielleicht schenkt es auch dem einen oder anderen Verständnis, der sich wundert, warum Geflüchtete ihre Heimat im Krieg besuchen, oder warum Menschen in der Ukraine Skifahren und tanzen. Aber das nur am Rande.
Ein berührendes und auch sehr wichtiges Buch!
189 reviews
February 22, 2026
Zugwind ist ein eindringlicher, aktueller Roman, der mich vor allem durch sein Thema und seine emotionale Ehrlichkeit überzeugt hat – auch wenn sich das Lesen stellenweise etwas langatmig angefühlt hat.

Im Mittelpunkt steht Mira Zehmann: Hausärztin in Deutschland, Ehefrau, Mutter einer kleinen Tochter. Vor Jahren hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um sich ein eigenes, sicheres Leben aufzubauen. Doch als in ihrer alten Heimat der Krieg ausbricht und Bomben fallen, holt die Vergangenheit sie mit voller Wucht ein. Der Krieg bleibt nicht fern – er zieht wie ein kalter Zugwind durch ihren Alltag, durch ihre Praxis, durch ihr Innerstes.

Plötzlich wird Miras Hausarztpraxis zur Anlaufstelle für geflüchtete Ukrainer:innen, die nicht nur medizinische Hilfe suchen, sondern auch Trost, Verständnis und jemanden, der ihre Sprache spricht – im wörtlichen wie im emotionalen Sinn. Parallel gerät ihr Privatleben ins Wanken: die angespannte Beziehung zur Schwiegermutter, Gedanken an eine Affäre, die Frage, wie viel Verantwortung man für das Leid anderer tragen kann, ohne selbst daran zu zerbrechen. Schließlich reift in Mira der Entschluss, nach Odesa zurückzukehren – zur hochbetagten Großmutter, zu Erinnerungen, zum Meer und zu einem Teil von sich selbst, den sie lange verdrängt hat.

Iryna Fingerova erzählt diese Geschichte sehr authentisch und nahbar. Besonders stark fand ich die Darstellung von Miras innerem Chaos: Trauer, Schuldgefühle, Wut, Ohnmacht und der verzweifelte Versuch, trotzdem weiterzuleben. Man spürt, wie zerrissen sie zwischen zwei Welten ist – zwischen Sicherheit und Herkunft, Alltag und Ausnahmezustand.

Abzüge gibt es für mich vor allem beim Erzähltempo. Einige Passagen ziehen sich, wiederholen Stimmungen und Gedanken, sodass die emotionale Wucht stellenweise eher ermüdet als verstärkt wird. Dennoch überwiegt der positive Eindruck deutlich.

Zugwind ist ein wichtiges, sensibles Buch, das zeigt, wie Krieg weit über Ländergrenzen hinaus wirkt – leise, nachhaltig und zutiefst menschlich. Trotz kleiner Längen eine sehr lesenswerte Geschichte, die lange nachhallt.
Profile Image for Majca.
214 reviews12 followers
Review of advance copy
February 18, 2026
"Ja, solange der Krieg andauert, ist es in der Ukraine nirgendwo völlig sicher. Aber von den Frontstädten abgesehen gibt es gleichzeitig auch keinen Ort, an dem das Leben nicht sein Recht einfordert."


4.5 ★
Der Roman erzählt von den vergangenen Jahren seit der Invasion der Ukraine aus Sicht einer ukrainisch-stämmigen Hausärztin in Deutschland. Dabei handelt es sich weniger um eine chronologisch aufgebaute Handlung als um eine fließende, assoziative Darstellung ihrer Gedanken und Gefühle. In ihrer empathischen und differenzierten Haltung liegt die große Stärke des Buches. In anonymisierten Patientengeschichten werden Fluchterfahrungen, soziale Not und psychische Erschöpfung eindrücklich sichtbar. Dazu werden gesellschaftlicher Druck, etwa rund um Einbürgerung und Leistungsanforderungen, sensibel und kritisch beleuchtet.

Parallel dazu durchzieht die Zerrissenheit der Erzählerin den gesamten Text. Sie hadert mit der Schuld, ein „gutes“, sicheres Leben zu führen, während Familie und Freund:innen in Odesa einen Alltag im Krieg bewältigen müssen. Gleichzeitig spürt sie eine starke Sehnsucht nach ihrer Heimat, die sie immer wieder dorthin zieht. Sie sucht, und findet schließlich, einen Weg diesen Zustand mit dem Bedürfnis ein erfülltes Leben zu führen zu vereinen. Diese innere Spaltung ist eindrücklich und glaubwürdig gestaltet.

Die fließende Art, wie Gedanken, Alltag, Erinnerungen und Reflexionen ineinander übergehen, schafft eine stimmige Atmosphäre, kann jedoch stellenweise diffus erscheinen. Mitunter hätte eine behutsame Gliederung, etwa durch Kapitelüberschriften, den Text etwas greifbarer gemacht.

Am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einen berührenden Roman gelesen zu haben. Einen, der nicht über große Ereignisse funktioniert, sondern über Empathie und über die Frage, wie man in relativer Sicherheit lebt, während anderswo Krieg herrscht.

Vielen Dank an Vorablesen und Rowohlt für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst.
Profile Image for Inge H..
464 reviews8 followers
February 20, 2026
Bewegend und Authentisch

Iryna Fingerova ist wie ihre Protagonistin Mira in ihrem Roman, Zugwind, aus Odessa. Sie ist Ärztin, Journalistin und Schriftstellerin.
Die Autorin schreibt bewegend und authentisch. Sie erzählt ihr Leben.
Mira wird Hausärztin und da kommen viele Patienten aus der Ukraine. Als Patient fühlt man sich ja wohler, wenn der Arzt einen versteht.
Sie erfährt von ihren Patienten viel aus deren Leben und den Problemen, die sie mit der Bürokratie Deutschlands nicht so zurechtkommen.
Da sind die Angst und die Erfahrungen des Krieges und die Sehnsucht nach der Heimat. Zuhause hatten sie alles und jetzt ist alles beengt. Das ist ein Dilemma.
Seit der Krieg in der Ukraine angefangen ist gibt es bei Mira das schlechte Gewissen, das sie in Sicherheit ist und viele Freunde um ihr Leben bangen müssen.
Dann ist sie auch noch eine Jüdin und da kommt auch noch das Drama in Israel dazu.
Weil die Autorin das alles selber erlebt, ist man von diesem Roman total gefangen.
Da erfährt man von den Emotionen der Emigranten und lernt sie besser zu verstehen.
190 reviews
Review of advance copy received from Storygraph
February 13, 2026
hat mich tief berührt

"Zugwind" von Autorin Iryna Fingerova ist ein sehr eindringliches und tiefgreifendes Buch, welches mich vollkommen eingenommen hat beim Lesen. Der Titel ist absolut passend gewählt für das Buch, so auch das Cover.
Identität, Verlust, Entfremdung und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit werden in diesem Roman thematisiert. Auf eine sehr ehrliche, emotionale und warme Art und Weise werden diese Themen angesprochen, und dadurch berühren sie einem gleich noch mehr.
Mira Zehmann, Hausärztin in Deutschland ist die Protagonistin - eine Frau und Mutter, die einst Odessa verlassen hat. Der Kriegsbeginn in der Ukraine hat dann Spuren bei ihr hinterlassen. Sie ist zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen innerem Rückzug und äußerem Druck gefangen.

Von mir gibt es eine Empfehlung - der Schreibstil macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem - sehr ergreifend.
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