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Ein Ort, der bleibt: Generationenroman

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Drei Frauen, drei Generationen − ein Garten am Meer. Ein Roman über Vergänglichkeit, Neubeginn und Hoffnung. Und darüber, was es heißt, in der Fremde Wurzeln zu schlagen.
Magdas Leben verändert sich mit einem Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer. Im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat. Aber wird sie selbst in der Fremde neue Wurzeln schlagen?
Wenige Jahre später ist der Garten in der Altstadt von Istanbul ein blühender Ort der Wissenschaft. Die talentierte Botanikerin Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser. So vieles lässt sich in der Welt sammeln und erforschen – nur Mehpares Gefühle bleiben unentdecktes Terrain. Bis sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen verliert.
Jahrzehnte später verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden.
«Ein Roman, der kunstvoll die Vergangenheit lebendig werden lässt und dabei hochaktuell ist. Sandra Lüpkes erzählt mitreißend menschliche Schicksale, ganz nah und tief bewegend.» Carsten Henn

474 pages, Kindle Edition

Published April 17, 2026

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Sandra Lüpkes

59 books6 followers

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Displaying 1 - 21 of 21 reviews
Profile Image for Uta Vogt.
110 reviews5 followers
May 19, 2026
Ich vergebe extrem selten fünf Sterne, denn da muss für mich einfach ALLES passen: die Geschichte, die Sprache, die gesellschaftliche Relevanz und die emotionale Verbindung.
Sandra Lüpkes Neuerscheinung bei Rowohlt Kindler, „Ein Ort, der bleibt“ hat all das und noch viel mehr:
dieser Roman erzählt einerseits die unglaublich spannende Geschichte der türkischen Botanikerin Mehpare Basarman, die gemeinsam mit Professor Alfred Heilbronn, der mit seiner Familie wegen seiner jüdischen Wurzeln 1933 von Münster nach Istanbul fliehen musste, den Botanischen Garten von Istanbul erschaffen hat.
Die dramatische Fluchtgeschichte der Heilbronns und das Leben im Exil unter Atatürk wird dabei genau so einfühlsam behandelt wie die herausragende Erfolgsgeschichte einer der wenigen Frauen in der Wissenschaft in der Türkei.
Und gleichzeitig wird die Geschichte von Imke erzählt, die in‘s heutige Istanbul reisen muss, um über die Zukunft des heruntergekommenen Botanischen Gartens zu entscheiden: und die als Kind einer instabilen alleinerziehenden Mutter ein ganz besonders schweres Päckchen zu tragen hat.
Die realen Lebensgeschichten von Mehpare Basarman und Magda Heilbronn erzählen genau wie die fiktive von Imke Voigt von Frauen auf der Suche nach Heimat, Emanzipation und Fremde. Und das alles wird in einer außergewöhnlich schönen Sprache erzählt, die immer wieder Bezug nimmt auf die Botanik, um die es letztendlich geht, in diesem wundervollen Buch.
Sandra Lüpke entführt uns nicht nur in ein spannendes Istanbul von damals und heute, sondern auch in die faszinierende Welt der Pflanzen und der Wissenschaft.
Ihre intensiven Recherchen vor Ort haben einen Roman ergeben, der uns die Türkei mit allen Sinnen erfahren lässt und der mich unfassbar tief bewegt hat 🌿
Ganz, ganz große Empfehlung!!
Profile Image for Fatma.
87 reviews34 followers
April 28, 2026
„Ein Ort, der bleibt“ hat mich vor allem sprachlich überzeugt; vor allem der Anfang ist stilistisch sehr gelungen und hat mich sofort in die Geschichte hineingezogen. Die oft poetische Sprache schafft eine besondere Atmosphäre und ich habe mich dabei erwischt, wie ich von manchen Ausdrücken oder Sätzen beeindruckt wurde. Mein Lieblingszitat:
Und Alfred, der die Nächte neben Magda lag, weil er auf keinen Fall umziehen wollte in eines der Gästezimmer, hatte sich eng an sie geschmiegt und nicht gewusst, wie er diese Haymatloze trösten sollte, die seit mehr als dreißig Jahren sein Zuhause war.


Gleichzeitig weckt die Handlung immer wieder Neugier auf reale Personen und Hintergründe, sodass ich viele Orte/Personen/Ereignisse beim Lesen gegoogelt habe. Die Autorin hat wahnsinnig gut recherchiert, was leider nicht selbstverständlich ist, was die Lesefreude bei mir deutlich erhöht hat.

Die Erzählstruktur mit drei Handlungssträngen – zwei in der Vergangenheit und einer in der Gegenwart – ist grundsätzlich spannend angelegt und verleiht der Geschichte eine gewisse Tiefe. Dabei schwingt eine starke nostalgische und wehmütige Stimmung mit, die gut zur Thematik passt und lange nachhallt. Besonders schön fand ich die Passagen, die in Istanbul spielen: Da es eine meiner Lieblingsstädte ist, hat es mir große Freude bereitet, über bekannte und geliebte Orte zu lesen.



Inhaltlich gibt es zudem kleinere Schwächen: Einige türkische Namen wirken für die Zeit, in der der Hauptteil des Romans spielt, zu modern, und an manchen Stellen erscheinen die Übersetzungen aus dem Türkischen etwas holprig. Der politische "Einschub" gegen Ende wirkt eher klischeehaft und fügt sich nicht ganz stimmig in die Geschichte ein – dieser Teil bleibt für mich etwas in der Luft hängen. Da hätte ich mir auch mehr Konsequenzen/einen besseren Abschluss gewünscht.

Diese Kritikpunkte haben mich trotz allem nicht davon abgehalten, „Ein Ort, der bleibt“ zu genießen.
Profile Image for WildesKopfkino .
1,041 reviews9 followers
May 28, 2026
Manchmal braucht ein Buch keine lauten Knalleffekte, um richtig tief zu gehen. Ein Ort, der bleibt macht das eher auf die feine Art. Still, klug, warmherzig und plötzlich sitzt man da, liest von einem Botanischen Garten in Istanbul und denkt sich: Na toll, jetzt hänge ich emotional an Pflanzen, Menschen und Orten, die ich vorher gar nicht kannte.

Sandra Lüpkes erzählt von drei Frauen, drei Generationen und einem Ort, der mehr ist als nur Kulisse. Magda, die mit ihrer Familie Deutschland verlassen muss, weil ihr Mann Alfred 1933 als Jude seine Stelle verliert. Mehpare, die im Botanischen Garten arbeitet und dabei nicht nur Pflanzen sortiert, sondern auch ihr eigenes Gefühlschaos irgendwie in den Griff bekommen muss. Und Imke, die viele Jahre später nach Istanbul kommt und merkt, dass Vergangenheit nie einfach brav im Archiv liegen bleibt.

Besonders schön ist, wie ruhig der Roman erzählt ist. Nicht langweilig ruhig, sondern eher wie ein Garten am frühen Morgen. Da raschelt es, da wächst etwas, da merkt man erst nach ein paar Seiten, wie viel Leben eigentlich zwischen den Zeilen steckt. Historisch wirkt das Ganze sehr sauber recherchiert, aber zum Glück nie wie eine Geschichtsstunde mit erhobenem Zeigefinger. Danke dafür, mein innerer Schulmuffel hat erleichtert aufgeatmet.

Ein kleiner Punkt Abzug bleibt, weil das Erzähltempo stellenweise schon sehr gemächlich ist. Da hätte ich mir ab und zu einen kleinen Schubs gewünscht. Aber emotional, atmosphärisch und thematisch hat mich das Buch absolut bekommen.

Ein Roman über Heimat, Verlust, Neubeginn und die Frage, wo man eigentlich Wurzeln schlägt, wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Leise, berührend und definitiv ein Buch, das bleibt.
Profile Image for Vera.
Author 0 books31 followers
April 20, 2026
Drei Frauen, die durch die Begeisterung für Botanik und über Münster und Istanbul verbunden sind. Sandra Lüpkes erzählt fesselnd und man merkt, wie viel Zeit in die Recherche für diesen Roman geflossen ist. Die historische Figuren haben größtenteils wirklich gelebt und gewirkt, sind jedoch bei der Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geraten. Der Roman bietet den Lesenden neben Unterhaltung also auch einiges an interessantem Wissen! Ein wahres Lesevergnügen - ich werde das Buch sehr gerne empfehlen.
Profile Image for Buchdoktor.
2,450 reviews196 followers
Review of advance copy received from Publisher
March 31, 2026
Die Schülerin Mehpare war schon immer so wissbegierig, dass ihre Mutter ihr predigte „Iss den Honig und frage nicht nach den Bienen“. Doch zur Zeit der Reformen Atatürks sollte es anders kommen, Mehpare würde im Istanbul der 1920er das erste Mädchengymnasium besuchen, studieren und ihr Leben lang als Botanikerin an Heilpflanzen forschen.

1933 forscht in Münster Alfred Heilbronn und ist sich sicher, dass er als zum Protestantismus konvertierter Botaniker genug für sein Heimatland geleistet hat, um vor Verfolgung durch die Nationalsozialisten sicher zu sein. Wie ihm ging es vielen deutschen Juden, die im oder nach dem Ersten Weltkrieg mit Orden geehrt worden waren. Doch als an der Universität eine schwarze Liste mit Namen jüdischer Professoren kursiert und seine Vorlesungen boykottiert werden, entschließt er sich, einen Ruf nach Istanbul anzunehmen, der von der „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ vermittelt wird. Wie andere deutsche Exilanten ziehen die Heilbronns mit ihren fast erwachsenen Kindern nach Istanbul, Alfred soll dort im Zug der Modernisierung türkischer Universitäten ein Botanisches Institut gründen. Zunächst unterstützt ihn eine Dolmetscherin, doch er hat im Arbeitsvertrag unterschrieben, dass er innerhalb von drei Jahren Vorlesungen selbstständig halten wird. Als Assistentin stellt Heilbronn Mehpare ein, die erst durch eine Reform im folgenden Jahr einen Familiennamen wählen wird.

In der Gegenwart bereitet in Deutschland die beruflich noch unerfahrene Stadtplanerin Imke Voigt eine Reise in die Türkei vor, um als Assistentin des Architekten Kai Surau ein Gutachten zu erstellen zu Umnutzungskonzepten des ehemaligen botanischen Gartens der Universität, Mehpares früherem Arbeitsplatz. Die Angelegenheit ist heikel, da die Bäume des Parks einen Hang befestigen und geschützt werden müssen – und weil seit 2014 die Religionsbehörde über das Gelände verfügt. Als ebenso heikel stellt sich für Imke heraus, dass ihre beste Freundin ihrem Partner Kai die Assistenten-Stelle offenbar als Gefallen für Imke abgeschwatzt hat.

Nach einem Prolog, in dem wir Mehpare 1926 als Schülerin auf dem Gelände des späteren Botanischen Instituts antreffen, folgt in sehr kurzen Kapiteln (jeweils mit Person, Ort und Jahr überschrieben) die Zuspitzung der Judenverfolgung in Deutschland, die Übersiedlung der Heilbronns nach Istanbul und die berufliche Zusammenarbeit zwischen Professor, Assistentin, Dolmetscherin und weiteren Personen. Der Epilog richtet sich auf das Jahr 1978 und erklärt, wie weitere Beziehungen zwischen den Universitäten von Istanbul und Münster entstanden sein können. Im Anhang werden die historischen Figuren ausführlich vorgestellt. Den Anhang würde ich erst nach der Lektüre des Buches lesen, ebenso weitere Recherchen zu den Personen bis dahin zurückstellen.

Ausführlich blickt Sandra Lüpkes auf Magda Heilbronn, die ebenfalls promovierte Wissenschaftlerin ist, ihren Beruf in den 30ern jedoch nicht ausüben kann und als Lehrerin gearbeitet hat. Da Magda fleißig Türkisch lernt und vielfältig interessiert ist, hätte zu anderen Zeiten sicher eine eigene Karriere vor ihr gelegen. Mit Mehpare, Magda und Imke treten drei akademisch gebildete Frauen aus drei Generationen auf. Beschreibung und Charakterisierung der Figuren finde ich sehr berührend, allerdings besteht der Roman für meinen Geschmack aus zu viel Beziehung und zu wenig Beruf. Über die Heilbronns, das Institut und die hochinteressanten Nebenfiguren hätte ich dagegen gern ausführlicher gelesen. Das erste Drittel des Buchs wie auch Imkes Erleben der Türkei der Gegenwart fand ich entschieden zu lang.

Fazit
Mit „Ein Ort, der bleibt“ ehrt Sandra Lüpkes Istanbul als Fluchtpunkt deutscher Emigranten, aber auch die Personen, die damals in der Türkei die Neuankömmlinge unterstützten. Ein melancholischer, sorgfältig recherchierter Drei-Generationen-Roman, der Istanbul von einer bisher unentdeckten Seite zeigt.
80 reviews4 followers
April 17, 2026
Wurzeln schlagen

Auswanderungsgeschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus sind mittlerweile gewiss kein Neuland mehr. Nicht selten geraten zeitgenössische Autoren in die Schwierigkeit, einem derart intensiv behandelten Themenfeld noch wirklich neue Facetten abzugewinnen, weshalb auch Sandra Lüpkes Roman »Ein Ort, der bleibt« zunächst mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden kann. Allerdings stellt der Versuch, diese historische Thematik mit botanischen Motiven zu verknüpfen, durchaus einen reizvollen Ansatz dar, der selbst kritische Leser zumindest neugierig machen könnte.
Der Roman ist dabei ambitioniert angelegt, nicht nur hinsichtlich seines Umfangs. Ebenso zeigt sich dieser Anspruch in der Vielzahl der Figuren sowie in den unterschiedlichen Erzählebenen, zwischen denen die Autorin mit auffälliger Frequenz wechselt, indem sie gleich drei Perspektiven miteinander verknüpft und darüber hinaus einen zeitlichen Bogen spannt, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt.
Im Zentrum der Handlung steht jedoch vor allem die Geschichte von Magda und Alfred. Das Ehepaar aus Münster wird aufgrund seiner jüdischen Herkunft zur Emigration gezwungen und versucht schließlich in Istanbul, sich eine neue Existenz aufzubauen, wobei Alfred als angesehener Botaniker in die Reformbestrebungen Atatürks passt, der die türkischen Universitäten durch den Einfluss ausländischer Wissenschaftler modernisieren möchte.
Als übergreifende Metapher dient dabei die Idee des Wurzelnschlagens. Diese ist nicht nur auf die Pflanzenwelt bezogen, sondern spiegelt zugleich das Schicksal der beiden Protagonisten wider, die in der Fremde gezwungen sind, sich ein neues Zuhause zu schaffen. Die Autorin greift diesen Ansatz zwar punktuell auf, vertieft ihn jedoch nur in Ansätzen, etwa wenn Alfreds mangelnde Türkischkenntnisse zu praktischen Schwierigkeiten führen oder die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem türkischen Universitätssystem sichtbar werden, ohne dass diese Aspekte erzählerisch wirklich ausgeschöpft würden, da sie oftmals lediglich angedeutet bleiben und kaum nachhaltige Wirkung entfalten.
Statt einer intensiven Auseinandersetzung mit Figuren und Details dominiert vielmehr eine distanzierte, beinahe nüchtern wirkende Darstellung des Lebenswegs der Auswanderer. Diese erweckt den Eindruck, als handele es sich weniger um einen lebendigen Roman als vielmehr um eine mosaikartige Aneinanderreihung recherchierter Fakten, wobei der Text stellenweise den Charakter einer sachlichen Reportage annimmt und es der Autorin nicht gelingt, ihren Figuren die notwendige emotionale Tiefe zu verleihen. Insgesamt erscheint die Erzählung erstaunlich leblos.
Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass die später einsetzende Handlung um Imke nur lose mit der Hauptgeschichte verknüpft wirkt. Trotz erkennbarer Bemühungen liefert sie kaum neue Impulse, sondern erscheint vielmehr wie ein beliebiger Zeitsprung, der in vergleichbaren Werken bereits allzu häufig eingesetzt wurde, um tatsächlich noch Spannung oder Interesse zu erzeugen.
In der Gesamtheit erweist sich somit die Grundidee, entwurzelte Menschen mit Pflanzen und deren Fähigkeit zum Anwachsen in Beziehung zu setzen, als nicht tragfähig genug, um einen nahezu fünfhundert Seiten umfassenden Roman zu stützen. Dieser erhebt zwar den Anspruch eines groß angelegten zeitgeschichtlichen Epos, bleibt jedoch letztlich in seiner Wirkung hinter diesen Ambitionen zurück und kann allenfalls als mittelmäßig bezeichnet werden.
1,533 reviews8 followers
May 6, 2026
Generationenroman

Klappentext:
Magdas Leben verändert sich mit einem Schlag: Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer. Im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Angebot: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat. Aber wird sie selbst in der Fremde neue Wurzeln schlagen?
Wenige Jahre später ist der Garten in der Altstadt von Istanbul ein blühender Ort der Wissenschaft. Die talentierte Botanikerin Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser. So vieles lässt sich in der Welt sammeln und erforschen nur Mehpares Gefühle bleiben unentdecktes Terrain. Bis sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen verliert.
Jahrzehnte später verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Doch sie ahnt nicht, dass sie dazu selbst aus dem Schatten treten muss.

„Ein Ort, der bleibt“ ist ein wunderschöner Roman in dem 3 Frauen im Mittelpunkt stehen, von Sandra Lüpkes.
Die drei Frauen Magda, Mehpare und Imke führen die Leser*innen durch diese wunderschöne Geschichte.

Magda ist die Ehefrau des Botanikers Alfred Heilbronn. Da Alfred Jude ist, verliert er 1933 seine Stelle an der Universität. Er folgt einem Angebot und reist mit seiner Familie in die Türkei, um dort einen Botanischen Garten anzulegen.
Magda unterstützt ihren Mann mit aller Kraft und sorgt dafür, dass die Familie in der Türkei heimisch wird.

Mehpare ist die Assistentin von Alfred. Unter Atatür, der das Land modernisieren möchte haben die Frauen mehr Rechte. Sie brauchen sich nicht zu verhüllen, dürfen sogar studieren. Mehparre saugt das Wissen von Alfred förmlich auf. Doch als ein Schicksalsschlag sie trifft, sucht sie Trost in den alten Ritualen ihres Landes.

Imke, ist die Protagonistin der Gegenwart. Sie ist Stadtplanerin in Münster. Jetzt soll sie den Botanischen Garten in Istanbul begutachten, der vor ca. 100 Jahren von dem deutschen Botaniker Alfred Heilbronn gestaltet wurde.

Die Geschichte hat zwei Zeitebenen. Einmal Folgen die Leser*innen Magda und Alfred Heilbronn auf ihrem Weg nach Istanbul. Dort beginnt ein kleines Paradies zu entstehen. Die Pflanzen wachsen und gedeihen und es ist eine n wahre Freude das als stiller Beobachter mitzuerleben.

In der Gegenwart begleiten die Leserinnen Imke nach Istanbul und sehen, was aus dem Botanischen Garten 100 Jahre später geworden ist.

Sandra Lüpkes erzählt die Geschichte eindrucksvoll. Es macht Freude den Charakteren zu folgen, egal ob in der Vergangenheit oder der Gegenwart.

Die Geschichte wird in einem ruhigen Tonfall erzählt. Die Charaktere sind sympathisch und lebendig. Jeder von ihnen hat sein Päckchen zu tragen und teilen ihre Ängste und Nöte mit uns Leser*innen.

Sandra Lüpkes hat einen bildhaften Schreibstil. Bei mir hat schnell ein Kopfkino eingesetzt. Den Botanischen Garen in all seiner Pracht habe ich deutlich vor mir gesehen.

„Ein Ort, der bleibt“ ist eine Geschichte über Generationen, die von Neubeginn und Hoffnung erzählt. Mich hat die Geschichte beeindruckt.
143 reviews4 followers
June 2, 2026
Eingängiger Roman über Botanik, das Exil in der Türkei und den Zweiten Weltkrieg

Alfred und Magda Heilbronn sind Botaniker in Münster. Alfreds Verbindung zu seinen jüdischen Wurzel war bislang nicht existent, doch im Jahr 1933 spielen diese Wurzeln plötzlich eine Rolle und führen zu einem Berufsverbot als Professor. So entscheidet sich die Familie, einer Einladung nach Istanbul zu folgen, denn die Türkei unter Atatürk führt gerade eine Bildungsreform durch und möchte sich von Akademikern aus Deutschland untersttützen lassen. Dort wird die junge Mehpare Başerman Alfreds Assistentin. Zusammen bauen sie einen botanischen Garten in Istanbul auf ...

Sandra Lüpkes hat mit diesem Buch erinnerungswürdige Figuren geschaffen, von denen sich am Ende herausstellt, dass sie tatsächlich existiert haben. Die zunehmende Bedrohung und Verzweiflung in Münster wird sehr eindrücklich vermittelt; das Gefühl einer sich zuziehenden Schlinge, die keinen Ausweg lässt. Im Vergleich zu vielen anderen haben die Heilbronns allerdings Glück und können sich in Istanbul einer wachsenden deutschen Gemeinschaft von Exilant:innen anschließen. Aber auch hier streckt der Nationalsozialismus die Finger nach ihnen aus. In dieser Geschichte geht es aber gar nicht zentral um den bekannten Botaniker selbst, sondern um die weiblichen Figuren der Geschichte. Magda tut sich schwer mit dem Einleben. Sie selbst ist auch Botanikerin, reist jedoch nur als Frau des Botanikers in die Türkei. Um nicht an Langeweile zu vergehen, macht sie lange Spaziergänge durch die Stadt und beginnt, mehrere Sprachen zu lernen. Mehpare hat das Glück, für Alfred Heilbronn zu arbeiten und wird zu seiner ersten Postdoktorandin. Als Mädchen schon immer wissbegierig, musste sie sich vor allem von den männlichen Vorbildern in ihrem Leben sagen lassen, nicht ständig alles zu hinterfragen ("Iss den Honig und frag nicht nach der Biene"). Der Roman zeigt die Aufbruchsstimmung in der Türkei, die durch Atatürks Reformen entstanden ist und die Möglichkeiten, die sich hier auch für Frauen ergeben. Demgegenüber steht der Handlungsstrang um Imke in unserer Zeit, der den Kontrast zwischen der damaligen und der heutigen Türkei aufzeigt und auch einen Blick auf den inzwischen vernachlässigten botanischen Garten wirft. Dieser Kontrast funktioniert sehr gut und überzeugend, doch Imkes viele privaten Problemen haben für mich zu sehr vom historischen Handlungsstrang abgelenkt. Dieser dagegen ist emotional und gleichzeitig lehrreich. Die botanischen und genetischen Hintergrundinformationen sind verständlich und von genau richtiger Menge (und nicht zu ausschweifend), um die Figuren authentisch wirken zu lassen. Man reist mit auf botanische Exkursionen zu seltenen Pflanzen, doch wird dabei nicht mit Informationen erschlagen. Mit dieser glaubwürdigen Wiederbelebung von historischen Personen beleuchtet die Autorin ein wenig bekanntes Stück Zeitgeschichte, in dem die Türkei tausende jüdische Menschen aufgenommen und dadurch gerettet hat.

Mit dem vorliegenden, eher ruhigen Roman bekommt man eine Geschichte, die eine ganze historische Epoche und ihre verschiedenen Stimmungen einfängt und dabei die Figuren nahbar macht, sodass man über die Jahrzehnte an ihrem Werdegang interessiert ist und mit ihnen leidet. Gleichzeitig entwickelt man auch eine Wertschätzung für die Botanik und wichtige Gebäude in der Stadt, die vielleicht auch in der heutigen Zeit erhalten bleiben sollten.
443 reviews4 followers
Review of advance copy received from Publisher
April 12, 2026
E s beginnt nicht mit einem Ort, sondern mit einem Verlust: Münster, 1933. Eine Tür schließt sich, weil ein Name plötzlich nicht mehr dazugehört. Und während Alfred Heilbronn seine Professur verliert, beginnt etwas, das sich erst viel später als Anfang begreifen lässt.
Sandra Lüpkes erzählt in Ein Ort, der bleibt keine klassische Exilgeschichte – sie pflanzt sie. Und wie jede Pflanze wächst auch diese Geschichte nicht geradlinig, sondern verzweigt sich, schlägt unerwartete Richtungen ein, treibt neu aus. Zwischen Münster und Istanbul, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen drei Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, sich selbst zu verorten.
Magda trägt Samen im Gepäck – nicht nur botanische, sondern auch Erinnerungen, Hoffnungen, vielleicht sogar ein Stück Trotz. Ihre Reise nach Istanbul fühlt sich nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein vorsichtiges Weiteratmen. Und doch entsteht am Bosporus etwas, das größer ist als Exil: ein Ort, an dem Wissen, Sehnsucht und Überleben ineinander verwurzeln.
Besonders leuchtet für mich Mehpare. Inmitten von Pflanzen, die katalogisiert, benannt und verstanden werden, bleibt ausgerechnet das eigene Innenleben ein Rätsel. Ihre Geschichte hat eine leise Wucht – sie erzählt von Verlust, von Unsichtbarkeit, aber auch von dem Moment, in dem man gezwungen ist, sich selbst zu begegnen. Es ist diese feine psychologische Tiefe, die Lüpkes Figuren nicht nur lebendig, sondern spürbar macht.
Und dann ist da Imke, Jahrzehnte später – eine Frau, die glaubt, einen Ort analysieren zu können, ohne zu ahnen, dass dieser Ort längst begonnen hat, sie zu verändern. Hier zeigt sich die große Stärke des Romans: Zeit ist kein linearer Verlauf, sondern ein Geflecht. Entscheidungen, die einst aus Not getroffen wurden, wirken nach – in Landschaften, in Biografien, in Fragen, die nie ganz verschwinden.
Was mich besonders fasziniert hat, ist die Verbindung von Botanik und Biografie. Pflanzen werden hier nicht zur Kulisse, sondern zur Sprache: für Migration, Anpassung, Widerstand. Was bedeutet es, Wurzeln zu schlagen – wenn der Boden fremd ist? Und ist Heimat ein Ort oder ein Prozess?
Dabei schwingt stets eine leise historische Erkenntnis mit, die mich wirklich überrascht hat: die Rolle der Türkei als Zufluchtsort für verfolgte Wissenschaftler:innen. Lüpkes gelingt es, dieses Kapitel nicht trocken zu erzählen, sondern es mit Leben zu füllen – mit Gerüchen, Stimmen, Beziehungen. Istanbul wird dabei mehr als nur Schauplatz: eine vibrierende, widersprüchliche, zutiefst menschliche Stadt.
Dieser Roman ist kein reines Wohlfühlbuch – und genau das macht ihn so besonders. Er fordert, berührt und bleibt. Wie ein Garten, den man einmal betreten hat und dessen Wege man im Kopf weitergeht.
Oder anders gesagt: Ein Ort, der bleibt ist kein Ort. Es ist ein Gefühl, das Wurzeln schlägt, lange nachdem man die letzte Seite gelesen hat!
10 reviews
May 18, 2026
Geschickte Verbindung von Historie und Fiktion
In der türkischen Bezeichnung des Botanischen Gartens Istanbul ist der Name des Gründers Alfred Heilbronn erhalten geblieben. Neben einem Handlungszweig, der in der Gegenwart spielt, reist Sandra Lüpkes in ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ in der Zeitgeschichte zurück in die 1930er und 1940er Jahre, als der Garten angelegt und zu Bedeutung gekommen ist.

Neben dem Botanischen Garten stehen drei Frauen im Mittelpunkt der Handlung. Eine von ihnen ist Magda Heilbronn, Jahrgang 1889 und Ehefrau des Gründers. Obwohl sie nach der Geburt ihrer Kinder promovierte und einen Doktortitel in Philosophie erwarb, wurde ihr der erhoffte Lehrauftrag an der Universität ihres Wohnortes Münster verwehrt. Sie drängt ihren Mann, der Einladung zu folgen, ein Botanisches Institut in Istanbul aufzubauen.

Etwa zur gleichen Zeit strebt auch die einige Jahre jüngere, in Istanbul lebende Mehpare Basarman eine Habilitation an. Später wird sie zur geschätzten Assistentin von Alfred Heilbronn. Mit großer Sachkenntnis beschreibt die Autorin das Sammeln, Züchten und Pflegen von Pflanzen. Dabei wird spürbar, mit wie viel Begeisterung die Botanik*innen sich ihrer Aufgabe widmen.

Während Magda und Mehpare historische Persönlichkeiten sind ist Imke, die dritte Protagonistin des Romans, eine fiktive Figur. Eine befristete Anstellung als Stadtplanerin führt sie in der heutigen Zeit von Münster nach Istanbul. Dort arbeitet sie an einem Gutachten mit, das über die Zukunft des Botanischen Gartens entscheiden soll. Durch Imkes Perspektive greift Sandra Lüpke zudem die Situation von Frauen in der Türkei auf.

Dank ihrer sorgfältigen Recherche lässt Sandra Lüpkes sowohl die Zeit als auch die Schauplätze lebendig werden. Sie verdeutlicht die zunehmenden Repressalien, die jüdische Wissenschaftler in Deutschland nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hinzunehmen hatten und lenkt damit den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte. Es werden Magdas Sorgen angesichts des Aufbruchs in ein fremdes Land mit einer anderen Kultur deutlich. Gleichzeitig zeigt die Autorin, wie schwierig es für Mehpare ist, sich in einem von Männern dominierten Wissenschaftsbetrieb zu behaupten, obwohl in der noch jungen Republik offiziell eine Gleichstellung angestrebt wurde.

In ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpkes von einer heute kaum bekannten Episode der Geschichte: der Emigration deutsch-jüdischer Wissenschaftler*innen in die Türkei während der Zeit des Nationalsozialismus. Gleichzeitig thematisiert sie auch die Fragen nach Zugehörigkeit sowie den Platz der Frau in der Gesellschaft. Geschickt verbindet die Autorin historische Fakten mit fiktionalen Elementen und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf überzeugende Weise. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
Profile Image for Karola.
892 reviews7 followers
Read
April 3, 2026
2 Länder, 3 interessante Frauenschicksale
Eine detaillierte Aufarbeitung geschichtlicher Ereignisse zwischen der Bundesrepublik und der Türkei in der Zeit zwischen 1929 bis in unsere politische Gegenwart wird am Beispiel der Fam. von Prof. Dr. Alfred Heilbronn exemplarisch dargeboten. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 folgen wie er mehr als 3000 meist jüdische Wissenschaftler der Einladung des Staatsgründers der heutigen Türkei Kemal Atatürk in die Türkei, den Aufbau des Landes nach westlichem Vorbild zu vollziehen. Ebenso erfolgreich tätig wie in Münster ist Prof. Dr. Heilbronn an der Universität Istanbul und seinem dort gegründeten pharmakologisch-botanischen Institut, mit Schwerpunkt der Genetik und Heilpflanzenkunde. Schon im ersten Zuhause in Münster wird wie auch in Istanbul das Familienleben, speziell der zwei Ehefrauen Magda und Mehpare, einfühlsam eingefangen. Auch viele Pflanzen wie der Akanthus oder das einjährige Bingelkraut schlagen fast wie selbstverständlich Wurzeln. Wie drastisch einschneidend politische Beschlüsse beider Länder sein können, wird klar herausgestellt, sei es Alfreds sog. „Reichsflucht“ mit Enteignung und späterer Ausbürgerung aus Deutschland, sei es der Verlust seiner beruflichen Sonderstellung am Institut durch seine zweite Ehe mit Mehpare und er Türke wird. Dass die Bedrohung durch Hitlerdeutschland selbst vor Ort greifbar ist, beschreiben der Passeintrag „Haymatloz“ sowie das Drama rund um das bulgarische Motorschiff „Struma“, einem schwimmenden Sarg mit 791 jüdischen Flüchtlingen. Auch wie es den in der Türkei mitgenommenen und geborenen Kindern dieser Wissenschaftler:innen ergeht, wird hart angerissen. Wie hat sie das Aufwachsen in der Türkei geprägt? Wo sind sie zu Hause?
Dass der Botanische Garten in Istanbul ein Symbol für eine Zeit ist, die heute politisch nicht gewollt ist, verdeutlicht der dritte Erzählstrang der Gegenwart rund um die dritte Frauenfigur Imke. Für die Erstellung eines Gutachtens recherchiert sie einerseits über ein in Deutschland fast vergessenes Kapitel deutsch-jüdischer-türkischer Geschichte, und gerät dabei in staatliche, religiöse, polizeiliche Repressalien einer Türkei, die diesen Teil der Geschichte wohl vergessen machen will.
Ein Buch zum Nachdenken über Heimat inmitten politischer Hürden, exemplarisch festgezurrt an drei sehr verschiedenen Frauenschicksalen.
https://www.hugendubel.de/de/account/...
Profile Image for SometimesWonderland.
278 reviews2 followers
May 2, 2026
Als grüne Lunge werden oft Parks in Städten bezeichnet. Orte zum Durchatmen und Entspannen und um dem Alltag eine Weile zu entfliehen. Nach seiner Flucht vor den Deutschen führte Dr. Alfred Heilbronn, geboren in Münster, das botanische Institut in Istanbul. Zusammen mit einer klugen jungen Frau, die sich ihre eigene Stellung als Professorin in ihrer Heimatstadt hart erarbeitete pflegte er jahrelang besagte grüne Lunge Istanbuls.

Das Buch ist ein Mehrgenerationenroman. Die Autorin nimmt ihre Leserschaft mit auf Mehpares Reise, wie sie als Frau im 20. Jahrhundert Karriere machen konnte. Magdas Reise erzählt die Geschichte der Heilbronns im Krieg und im Exil und Imke muss als Stadtplanerin viele Jahrzehnte später über das Schicksal des Gartens mitentscheiden.

Dabei sind die Perspektiven von Mehpare und den Heilbronns möglichst nah an den historischen Geschehnissen gehalten, während Imkes fiktive Sicht die aktuelle Debatte über den Garten deutlich hervorhebt.

Der Garten, der in späteren Jahren nach dem Wissenschaftler „Alfred Heilbronn Botanik Bahçesi“ benannt wurde, liegt zwar in der Türkei, prägt aber auch einen erheblichen Teil deutscher Geschichte und ist ein Vermächtnis aus Kriegszeiten. Ohne Krieg wären die Heilbronns wohl in Münster geblieben und wären dort wegen ihrer jüdischen Herkunft verurteilt worden.

Ein kleiner Garten in einem fremden Land mag für viele nicht sonderlich beachtenswert erscheinen, doch Lüpkes arbeitet mit vielen historischen Quellen und persönlichen Besuchen das Thema detailliert auf und haucht ihr Leben ein. Für mich fühlte es sich an, als wäre ich mit den Protagonist*innen selbst befreundet. Der Schreibstil war so flüssig, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Diese Geschichte vereint zwei Kulturen, zwei Länder und die Herzlichkeit des Landes las ich aus jeder Seite heraus. Auch mich brachte diese grüne Lunge für eine Weile zum Durchatmen.

Eine klare Empfehlung. Auch für Lesende, die keinen Bezug zur Botanik haben.
207 reviews
May 20, 2026
Macht

Ein Garten in der Stadt als Rückzugsort. Pflanzen aus aller Welt. Mit diesen Plan reist Alfred mit seiner Familie auf der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Istanbul. Die Geschichte wird in „Ein Ort, der bleibt“ erzählt.

Alfred Heilbronn ist ein realer jüdischer Botaniker. In den 1930ern sucht er mit seiner Familie in der Türkei eine neue Heimat. Seine Aufgabe: den botanischen Garten an der Istanbuler Universität möglichst vielseitig zu gestalten. Ihm wird Mehpare, eine junge Türkin, zur Seite gestellt.

In den 2020ern reist Imke, eine Stadtplanerin, nach Istanbul, um eine Prognose bezüglich der Nutzung des Gartens zu erstellen. Dabei passiert mehr, als ihr lieb ist…

Ich finde die verknüpfte Thematik Botanik und Fremde/ Flucht (vor anderen oder sich selbst) spannend. In diesem Roman wird sie gekonnt umgesetzt: die Samen aus Deutschland kommen in die Fremde, genauso wie Alfred und Magda eine neue Heimat suchen. Erst später sieht man die prächtigen Resultate angepasster Pflanzen- genau wie mit angepassten Zuwanderern, die sich an das Leben in der Fremde gewöhnen müssen.

Aber nicht nur die Thematik stimmt für mich: ich finde alle Charaktere, besonders die drei Frauen, interessant. Jede trägt ihr Päckchen und die Autorin versteht es, auf die jeweiligen Herausforderungen und Stolpersteine gezielt einzugehen. So ist es kein spannungsgeladener Kriminalroman, sondern eine ruhige Familiensaga. Mit Vergleichen und detaillierten Beschreibungen, aber auch realen Leihwörtern (Heymatlos) gelingt es, die Atmosphäre des botanischen Gartens zu vermitteln.

Was mir zwischenzeitlich allerdings fehlt ist der Bezug zwischen den Garten und den Schicksalen der Charaktere. Diese sind eng verbunden, werden aber nicht immer verdeutlicht werden. Zudem hätte ich gerne mehr über Alfreds und Mehpares jeweiliges späteres Leben erfahren. Ihre Geschichte scheint nicht zu Ende erzählt und unvollständig, was ich sehr schade finde. Daher gebe ich den gelungen Roman vier Sterne.
43 reviews
April 17, 2026
Der Roman ist hauptsächlich aus der Perspektive von drei Frauen erzählt, die alle der botanische Garten in Istanbul verbindet: Magda, Mehpare und Imke. Es wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt, die ineinander übergehen und vermischt Fiktion und reale historische Personen bzw. Ereignisse. Das Buch handelt von Identität, Heimatsuche, Gemeinschaft, interkultureller Austausch und Neuanfängen.

Die Türkei als Exilort für die von den Nazis verfolgten deutsche Wissenschaftler ist ein sehr spannendes Thema, was wunderbar recherchiert und für den Roman aufbereitet wurde. Auch der Schauplatz des Romans Istanbul wurde sehr detailreich und atmosphärisch beschrieben, sodass man richtig das Gefühl bekam dort zu sein. Generell hat mir der Schreibstil gut gefallen, denn er war ruhig, angenehm, mitfühlend und hat die historischen Figuren lebendig wirken lassen. Besonders Mehpare und Magda fand ich als Charaktere sehr interessant und komplex. Ich konnte beim Lesen einiges lernen, besonders über die deutsch-türkische Geschichte.

Der Roman ist sehr ruhig, besonders am Anfang, aber mit viel Tiefgang. Da der botanische Garten im Zentrum der Geschichte steht, hat mir sehr gut gefallen, wie viel sprachliche Mittel wie Metaphern sich der Botanik bedienen und sich Pflanzen als Symbole wirklich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Allerdings hätte es für meinen Geschmack ein paar weniger Passagen über die Arbeit in der Botanik geben können. Außerdem waren im letzten Teil große Zeitsprünge auf einmal und dann kam das Ende ziemlich abrupt, da hat mir die Erzählstruktur vorher besser gefallen. Trotzdem hatte das Buch trotz seiner 450 Seiten und seinem ruhigen Tempo für mich kaum Längen und war sehr mitreißend.

Auf jeden Fall ein Roman, bei dem ich viel gelernt habe und der mich noch lange in Gedanken begleiten wird!
Ich würde es allen empfehlen, die gerne historische Romane lesen, die sich eher langsam aber mit viel Tiefgang entfalten.

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May 29, 2026
Eine bewegende Exilgeschichte

Mit „Ein Ort, der bleibt“ erzählt Sandra Lüpke eine Geschichte auf zwei Zeitebenen, die sowohl in Deutschland als auch in Istanbul spielt und auf wahren Begebenheiten basiert. Besonders der historische Handlungsstrang rund um Magda und Alfred Heilbronn hat mich sehr berührt und war für mich eindeutig die größte Stärke des Romans. Aufgrund von Alfreds jüdischer Herkunft muss das Paar Deutschland verlassen und nach Istanbul auswandern – ein spannendes und zugleich bedrückendes Kapitel deutscher Geschichte.

Besonders faszinierend fand ich dabei die Schilderungen rund um den Aufbau des botanischen Gartens in Istanbul. Dieser Aspekt hat der Geschichte noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre verliehen und gezeigt, wie eng Wissenschaft, Exil und persönliche Schicksale miteinander verbunden waren. Gerade diese Einblicke in das Leben deutscher Emigranten in der Türkei und ihren Beitrag vor Ort haben den Vergangenheitsstrang für mich sehr lebendig und interessant gemacht.

Leider konnte mich die Gegenwartsebene deutlich weniger überzeugen. Vor allem mit Imke bin ich einfach nicht warm geworden. Ihre Perspektive hat mich emotional kaum erreicht, und insgesamt wollte der Funke in diesem Erzählstrang nie so richtig überspringen. Dadurch hatte ich immer wieder das Gefühl, lieber zur Vergangenheit zurückkehren zu wollen.

Auch der Schreibstil war für mich eher schwierig. Viele ausführliche Beschreibungen sorgten zwar für Atmosphäre, gleichzeitig empfand ich die Handlung aber oft als etwas zäh und wenig lebendig. Manche Passagen wirkten auf mich dadurch unnötig in die Länge gezogen.

Das ist besonders schade, weil ich das Buch aufgrund seines Themas wirklich sehr gerne mögen wollte. Die historische Grundlage und die Geschichte von Magda und Alfred hätten für mich großes Potenzial gehabt. Insgesamt bleibt deshalb ein Roman, der mich in der Vergangenheit faszinieren konnte, mich in der Gegenwart jedoch leider verloren hat.
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April 3, 2026
Magdas Mann Alfred, von Beruf Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, aufgrund seiner Herkunft. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt lockt ein überraschendes Angebot in Istanbul! Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Magda und ihr Mann packen die Koffer und reisen an die Stadt am Bosporus, aber wird sie selbst in der Fremde neue Wurzeln schlagen?Die talentierte Botanikerin Mehpare kümmert sich als Alfreds Assistentin um Beete und Gewächshäuser.
Jahrzehnte später verschlägt es die junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden.

Auf diesen Roman war ich sehr gespannt, denn schon das Cover hat mir sehr gefallen! Der Schreibstil ist recht leicht zu lesen wenn man ins Buch reingefunden hat und die Autorin versteht es bildhaft und lebendig das Istanbul der Vergangenheit zu beschreiben, auch wenn es ab und zu etwas zähe Passagen gibt.

Die Frauen werden authentisch beschrieben und ihre Handlungen sind meist nachvollziehbar. Auf jeden Fall konnte ich gut mit ihnen mitfiebern. Ausserdem habe ich einiges über Emigration und die Vergangenheit in dieser interesanten Stadt lernen dürfen und das mit Spaß.

Ein Buch das auf jeden Fall sehr empfehlenswert ist wenn man Interesse an Botanik und Istanbul hat

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April 9, 2026
Ein unglaublich ehrlicher und berührender Roman, bei dem man von der ersten Seite an intensiv mit den Charakteren mitfühlt. Alle drei Hauptfiguren haben mich sofort begeistert, und es ist der Autorin gelungen, zu jeder von ihnen eine echte emotionale Verbindung aufzubauen. Besonders Mehpare ist mir sehr ans Herz gewachsen, in ihren Gedanken habe ich mich stellenweise tatsächlich selbst wiedergefunden.
Bemerkenswert fand ich außerdem, wie sensibel und zugleich eindrucksvoll die Autorin eine historisch so belastete Zeit der deutschen Geschichte aufarbeitet. Mir war zuvor nicht bewusst, welche Rolle die Türkei im Zweiten Weltkrieg für jüdische Emigranten spielte, und ich fand es sehr bereichernd, darüber zu lesen. Man merkt dem Roman deutlich an, wie intensiv recherchiert wurde. Auch Magda ist mir sehr nahegegangen, und die Geschichte um sie und ihren Mann Alfred empfand ich als besonders bewegend.
Die Einbindung von Botanik und Genetik hat mir persönlich sehr gefallen. Es war spannend zu beobachten, wie bestimmte Motive in verschiedenen Zeiten in den Lebensgeschichten der unterschiedlichen Figuren immer wieder aufgegriffen und miteinander verknüpft wurden.
Nicht zuletzt ist auch die Kulisse Istanbuls wunderschön und atmosphärisch beschrieben. Das hat in mir sofort Fernweh geweckt.
Insgesamt kann ich diesen Roman allen empfehlen, die Lust auf eine emotionale Zeitreise haben und sich auf eine tiefgehende, bewegende Geschichte einlassen möchten. Eine klare Leseempfehlung von mir!

Profile Image for Inge H..
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April 17, 2026
Deutsch Türken

Ein Ort, der bleibt, ist ein Roman aus der Feder von Sandra Lüpkes.
Der Roman ist in zwei Zeitebenen geteilt, einmal in der Zeit ab 1933 und dann in der heutigen Zeit.
Die Peronen aus der alten Zeit haben fast alle gelebt.
Die heutige Zeit hat die Autorin frei erfunden.
Ich hatte bis jetzt noch nicht gewusst, das Atatürk verfolgte Personen nach Istanbul kommen lies, um junge Türken zu unterrichten.
Alfred Heilbronn war Botaniker in Münster. In Istanbul gründete er einen Garten mit alten Pflanzen, den er mit seinen Studenten bearbeitete. Wenn irgendwo eine seltene Pflanze entdeckt wurde, wurde sie gerettet und in den Garten gesetzt. Allerdings hatte Alfred Heilbronn auch viele Samen mitgebracht und versucht sie zu integrieren.
Die Emigranten konnten sich aber nicht sicher fühlen, denn es lebten auch viele Nazis in der Türkei.
Heute ist Inken als Assistentin nach Istanbul geflogen. Sie sollen untersuchen, ob der vergessene Garten abgerissen und bebaut werden kann.
Die Konflikte von der einen und der anderen Zeit sind brillant gelöst.
Die Autorin hat mit diesem Roman wieder ein beeindruckendes Werk geschaffen.
Profile Image for Deenokuekin Juhuujahaa.
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May 16, 2026
Ein wirklich gutes Buch, voller feiner und vielschichtiger Gefühle und dank glaubwürdig dargestellten Figuren und einem super aufgebauten Erzählkonzept mit mehreren Handlungssträngen gleichzeitig anregend erzählt und dabei flüssig geschrieben!
Profile Image for kathleens.buecher.
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May 9, 2026
Eine atmosphärische und ergreifende Geschichte, die von Mut, Veränderung, Suche nach Heimat, von Fremde und Freiheit handelt ❤️
Profile Image for Isa.
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May 31, 2026
Ein historischer Roman über Heimat, Exil und die Kraft von Erinnerungen. Anhand der Lebensgeschichten mehrerer Frauen verknüpft die Autorin persönliche Schicksale mit deutsch-türkischer Geschichte.
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