»Sozialschmarotzerin«: … und andere (Un-)Wahrheiten über Arbeitslosigkeit | Die »Infaulenzerin« heynadus über Vorurteile, Bürokratie und Leistungsgesellschaft
Die bekannte »Infaulenzerin« Nadine Wagenaar hält der deutschen Leistungsgesellschaft pointiert den Spiegel vor. Unverblümt, aber nicht ohne Humor rechnet sie mit weitverbreiteten Vorurteilen zu Arbeitslosigkeit ab, nimmt Irrtümer, Falschbehauptungen sowie gesellschaftliche Grundüberzeugungen ins Visier. Warum definieren wir uns so sehr über Arbeit, dass ihr Verlust eine Schande ist? Wem nützt das? Und sind Arbeitslose wirklich ein solches Problem für unseren Sozialstaat, wie immer behauptet wird?
Wagenaar zeigt, wie produktiv der (unfreiwillige) Ausstieg aus dem Hamsterrad sein kann. Ihr Mut machendes Buch lädt dazu ein, gesellschaftliche Erwartungen kritisch zu hinterfragen, und stellt Forderungen an eine menschlichere Arbeitswelt von morgen. Ein eindringlicher Weckruf für alle, die sich nicht zwischen Leistungsdruck und Sinnsehnsucht aufreiben wollen, sondern ihren eigenen Weg im Leben suchen!
3,5 ⭐️ Gutes kurzes (Hör-)Buch. Wenn man sich bisschen mit dem Thema beschäftigt hat war jetzt nicht viel neues drin, fand aber die Schilderung der persönlichen Erfahrung der Autorin gut und habe gerne zugehört :)
Die Autorin ist mir schon länger positiv aufgefallen – besonders durch ihre klugen und schonungslos ehrlichen Worte über Arbeitslosigkeit auf Social Media. Dieses Buch hat meine Erwartungen erfüllt. In Deutschland haben wir oft ein verzerrtes und leider menschenunwürdiges Bild von Arbeitslosigkeit. Dieses Buch setzt dem etwas entgegen: Es liest sich leicht, regt zum Nachdenken an und ordnet viele Aspekte treffend ein.
Hatte recht niedrige Erwartungen und wurde total überrascht! Die Autorin hat es wirklich meisterhaft geschafft, eigene Erfahrungen sowie Fakten und Statistiken miteinander in Einklang zu bringen. Ich habe viel gelernt und viel mitgenommen!
Wart ihr schon einmal arbeitslos? Und falls ja, wie seid ihr damit umgegangen? Nadine Wagenaar berichtet als heynadus ehrlich, ungeschönt und ihrer gewohnt frechen Art über ihren Alltag als Arbeitslose, der nach einer betriebsbedingten Kündigung ohne Vorwarnung über sie hereingebrochen ist. Dabei räumt sie zusammen mit ihrer Co-Autorin Lisa Ludwig mit gängigen Vorurteilen wie das Bild des kaputten Langzeitarbeitslosen aus dem Hartz-IV-TV-Programm, des arbeitsunwilligen Sozialschmarotzers und oder des faulen Arbeitslosen, der selbst schuld ist an seiner Misere, auf. In einer Mischung aus autobiographischen Anekdoten, unterhaltsamen Passagen und und geschickt eingestreutem Edutainment klärt sie über die Fakten rund um Arbeitslosigkeit, die Ursprung des verzerrten Bildes aus den Medien und mit den unwahren Vorwürfen auf, die sie tagtäglich als Influencerin auf Instagram und TikTok erreichen. Nebenbei gibt sie hilfreiche Tipps für verschiedene Behördengänge und erklärt den Unterschied zwischen Arbeitslosengeld 1 und 2, die Arbeitssuchend- und die Arbeitslosmeldung, den Existenzgründerzuschuss und die tageweise Abmeldung aus dem Leistungsbezug. Und spätestens als sie die aus der Sicht der heutigen Gesellschaft perfekte Arbeitslose mimt, möchte man sich fassungslos an den Kopf fassen angesichts der übergriffigen Forderungen, die sie von Neidern und Hatern erreichen. Ergänzt wird das Buch mit fünf kritischen Fragen an Deutschland - insbesondere an Friedrich Merz - sowie ein ausführliches Quellenverzeichnis. Absolute Leseempfehlung!
Ich hatte bereits eine ausführliche Rezension getippt, entscheide mich nun aber doch gegen die Veröffentlichung, auch deshalb, weil ich das Gefühl hatte, mich sehr rechtfertigen und dabei zu privat werden zu müssen. Ich will nur klarstellen: Ich bewerte das Buch nicht mit zwei Sternen, weil ich die Autorin für eine Schmarotzerin halte oder ein Problem mit Arbeitslosigkeit habe. Ich bin ja selbst betroffen. Tiefer möchte ich darauf aber lieber doch nicht mehr eingehen, man macht sich ja immer angreifbar.
Wer Nadine von Instagram kennt, weiß ganz genau worauf man sich bei diesen Buch einlässt. Das sozial System wird kritisch angesehen aber auf ihre Art trotzdem humorvoll rüber gebracht. Ich hoffe auf Band 2 in 2027 😉
Was mir gefehlt hat, ist aber der Abschluss wo sie uns immer Lümmel nennt.