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Das glückliche Schicksal

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«Selbst der Himmel über den Gebäuden schien ihr ein ganz anderer zu sein als in Krakau. Der Geruch war anders – eine Art von Parfüm? Die Abgase schienen andere Abgase zu sein.»

Im Jahr 1983 reist die junge polnische Psychologin Wanda Karłowska nach Venedig, um den dort im Exil lebenden Henryk Mrugalski zu seiner Forschung zu befragen. Oder ist es ein Verhör? Zwischen ihnen, scheint es, steht ein Verdacht, und doch ist da eine Verbindung, die über das, was sie heute sind, hinausweist. Ein Spiel zwischen ebenbürtigen Gegnern beginnt. Es führt tief hinein in die jüngere europäische Geschichte und zu Fragen, vor die das Menschsein uns stellt. 

Ein bestrickend lebendiger Roman über das Leben und Überleben östlich und westlich des Eisernen Vorhangs.

243 pages, Kindle Edition

Published March 13, 2026

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About the author

Matthias Nawrat

12 books7 followers
Matthias Nawrat was born 1979 in Opole in Poland. He moved with his family in 1989 to Bamberg. From 2000 to 2007, he studied Biology at Heidelberg and Freiburg im Breisgau. Beginning in 2009 he studied at the Swiss Literature Institute in Biel/Bienne. His debut novel, Wir zwei allein was published in 2012. He lives in Berlin.

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Profile Image for Tom K..
91 reviews15 followers
March 16, 2026
Das ist ein großartiger Roman und ich muss mich zügeln, nicht in lallende Verzückung zu verfallen.

Nun gut, dass Matthias Nawrat zur ersten Liga der deutschen Gegenwartsautoren zählt, ist nicht neu. Vollkommen zu recht hat der Autor gerade den Berliner Literaturpreis erhalten. Seine Bücher kommen - wie er selbst - mit einem gewissen Understatement daher. Da trumpft nichts auf, da drängt sich nichts nach vorne. Aber wenn man die Romane dann liest, wird man von der Qualität sofort eingenommen. Das ist auch bei diesem Roman so, der mich mit jeder Seite mehr überzeugt hat.

Erzählt wird von Wanda, einer jungen Soziologin, die Anfang der 1980er Jahre von Krakau nach Venedig reist, um einen exilpolnischen Wissenschaftler über seine Arbeit zu befragen. Seltsam ist, dass der Wissenschafter - auch er Soziologe - in sehr bescheidenen Verhältnissen lebt. Im Verlauf der Gespräche wird deutlich, dass Wanda von diesem Mrugalski nicht in erster Linie etwas über seine Arbeit wissen will, sondern vor allem über seine Rolle in der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945. Mrugalski war während des Krieges in einen sowjetischen Gulag verschleppt worden, später aber freigekommen und nach Kriegsende am Aufbau einer Verwaltung in Krakau beteiligt, bevor er nach London, in die USA und schließlich Italien emigrierte.

Wanda selbst ist Tochter eines polnischen Lehrers, der wiederum als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurde und nach dem Kriegsende in Krakau durch das neue kommunistische Regime inhaftiert und gefoltert wurde. Wanda treibt die Frage um: haben beide Männer etwas miteinander zu tun? Ist Mrugalski möglicherweise schuld an der Haft ihres Vaters?

Gekonnt verbindet Nawrat die beiden Erzähungen miteinander, schafft Rückblenden, die in beklemmender Genauigkeit die Hafterfahrungen in Krakau und im Gulag schildern. Seine Prosa ist dabei ungeheuer konzentriert und exakt, reduziert und sparsam.

So schafft der Autor es nicht nur, das ganze Drama der polnischen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte einzufangen, er tut dies auch vor dem Hintergrund der Ereignisse um die Solidarność-Bewegung und die Verhängung des Kriegsrechts.

Eingeflochten in die Erzählungen sind Reflektionen über die Frage der persönlichen Schuld und Verantwortung, die in krassem Gegensatz steht zu den soziologischen Forschungen, die darauf abzielen, die Verantwortung des Individuums vollkommen zu negieren und alle individuellen Entscheidungen aus externen und kollektiven Faktoren zu begründen.

Dass Nawrat das alles auf gut 250 Seiten unterbringt, ohne dass man den Eindruck hat, er hetze durch seine Erzählung, ist meisterlich und der oben erwähnten Fähigkeit zur Verdichtung und Konzentration geschuldet.

Trotzdem: ich hätte gerne noch mehr gelesen. Einfach weil es so gut ist.
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