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Liebe: Roman

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»Liebe hat keine Zeit.«

Thomas Hettche taucht ein in das größte aller Gefühle. Zärtlich und voller Leidenschaft erzählt er von einer späten und umso unbedingteren Liebe. Sein neuer Roman nähert sich ihrem Wesen, ihrem Wunder und ihrem Abgrund.

Max stellt künstliche Augen her. Er ist Okularist. In seiner Praxis, über der Flamme des Bunsenbrenners, formt er feine Glaskugeln, versieht sie mit farbigen Äderchen, Iris und Pupille. Max weiß von der stillen Sprache der Blicke. An den Blitzschlag der Liebe aber glaubt er mit Anfang sechzig nicht mehr. Bis er eines Sommerabends Anna begegnet und ihn die Gefühle in ungekannter Wucht überwältigen.

Anna geht es genauso, doch sie ist verheiratet, und so bleiben den beiden immer nur Tage, das zu leben, was nicht sein darf. Und immer sind da die Erinnerungen, die Träume, die Schatten. Das stürzt Max in Verzweiflung, denn er weiß, er hat seine große Liebe gefunden. Und er ahnt, dass sie ihn auf eine unheimliche Probe stellen wird.

161 pages, Kindle Edition

Published March 12, 2026

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About the author

Thomas Hettche

27 books9 followers
Thomas Hettche is a German author.

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Community Reviews

5 stars
13 (22%)
4 stars
22 (38%)
3 stars
12 (21%)
2 stars
8 (14%)
1 star
2 (3%)
Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for kristinaliest.
701 reviews11 followers
March 27, 2026
Ich hatte beim Lesen von „Liebe“ gemischte Gefühle. Besonders das Ende hat mich eher ratlos zurückgelassen. Ich habe es ehrlich gesagt nicht wirklich verstanden und es wirkte auf mich etwas abrupt bzw. unklar.
Interessant fand ich hingegen die kurze Passage am Ende über seine Arbeit als Okularist (spezialisierter Handwerker, der Augenprothesen herstellt). Dort hatte ich das Gefühl, dass das Buch kurz an Tiefe gewinnt und ein konkreteres Thema greifbar wird. Mit den Charakteren bin ich leider nicht warm geworden. Sie blieben für mich ziemlich blass und distanziert, sodass ich keinen wirklichen Bezug zu ihnen aufbauen konnte. Dadurch fiel es mir auch schwer, emotional in die Geschichte einzutauchen oder mit ihnen mitzufühlen.
Insgesamt ein Buch mit einzelnen interessanten Ansätzen, das mich aber vor allem durch sein schwer verständliches Ende und die wenig greifbaren Figuren eher enttäuscht zurückgelassen hat.
Profile Image for Steffi.
353 reviews337 followers
May 11, 2026
Thomas Hettche "Liebe" ("Love"), March 2026.

First of all, it's pretty, pretty bold to choose the title "love". But I think this slim book pulled it off. This story of two 60-somethings finding 'true love' late in life probably manages to say everything there is to say about 'love'. While this is not a story about 'old love' per se, it is very different to the usual coming of age love stories (or my usual staple of fairly young 19th century Russian impoverished aristocrats). Not less greedy though (I also read the book greedily - pretty much at once!).

Not that this wasn't profound enough, there's also (young) Hegel in the book:

"True love exists only between living beings who are equal in power, and who are therefore fully alive to one another, with neither becoming dead to the other.”

Sounds beautiful although I don't know what it means. Hegel remains as elusive to me as love itself.

The Ukraine war backdrop was unnecessary, pointlessly added. What's wrong with romance for romance's sake. Not sure if this reference to Ukraine (within the usual liberal framing) was for browny points with the liberal readership or a literary means I didn't understand but it annoyed me in an otherwise pretty perfect book.
Profile Image for Leo.
3 reviews
April 26, 2026
Das letzte Kapitel ist wirklich gut – alles davor eine kaum aushaltbare Aneinanderreihung schlechter deutscher Fernsehfilm-Drehbuch-Dialoge, völlig fehlerhafte Verwendung von Jugendsprache (um irgendwelchen Boomern einen Lacher abzuzwingen? Ich weiß es nicht …), halbgare, halb poetisch klingen sollende Platitüden (zum Teil erneut mit falscher Verwendung von Wörtern), die lustlose Abarbeitung fast aller politischer und gesellschaftlicher Großthemen des letzten Jahrzehnts und eine behämmerte, gnadenlos unoriginelle Liebesgeschichte, deren „Einzigartigkeit“ (wenn man überhaupt davon sprechen kann) darin besteht, dass beide Protagonisten um die 60 sind.

Und selbst aus dem, woraus man einen spannenden Dreh hätte machen können, schafft Hettche es, in eitler Belanglosigkeit zu glänzen. Bei dieser Geschichte hätten die Protagonisten genauso gut 20, 40 oder 80 sein können. Es hätte keinen Unterschied gemacht bei so einer generischen Handlung, in der man nur gelegentlich abgedroschen daran erinnert wird, dass die Hauptfiguren ja eigentlich alt sind.

Aber egal, darum geht es ja nicht – obwohl es eigentlich genau darum geht.
Profile Image for Wandaviolett.
493 reviews70 followers
March 12, 2026
LIEBE IN REIFEREN JAHREN
Kurzmeinung: Vielleicht ein wenig zu kurz. Andererseits ist komprimiert ja auch mal ganz schön.

In seinem neuen Roman widmet sich Thomas Hettche dem Thema der Liebe im reiferen Alter. Sein Protagonist Max, ist über sechzig Jahre alt als er endlich auf Anna trifft. Max ist nach zwei langjährigen Beziehungen wieder allein, zufrieden allein, er hält es nicht mehr für möglich, die Liebe neu zu finden. Sucht sie auch nicht. Und wer nicht sucht, der findet. Anna jedoch ist verheiratet. Beide werden sozusagen vom Blitz getroffen. Was tun? Die Liebe leben mit allen Konsequenzen, sie sich versagen?

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Ich muss vorausschicken, dass ich Thomas Hettche als Autor sehr schätze. Sein schönstes Buch meines Erachtens, ist „Pfaueninsel“. In „Liebe“ stellt Hettche nicht so sehr die magere Handlung in den Vordergrund, er denkt vielmehr grundsätzlich über das Phänomen der Liebe nach. Und doch ist „Liebe“ kein philosophisches Buch; dafür ist es zu kurz. „Liebe“ erzählt von Sex, vom Begehren und von der Sehnsucht. Und von Hölderlin. Denn was Hettche über die Liebe zu sagen hat, macht er an dem Dichter Hölderlin fest. Kernpunkt ist ein bestimmtes Gedicht von ihm oder Teile aus diesem Gedicht „Eigentliche Liebe findet nur unter Lebendigen statt, die an Macht sich gleich und also durchaus füreinander Lebendige, von keiner Seite gegeneinander Tote sind.“

Wenn Thomas Hettche Johann Christian Friedrich Hölderlin, einen schwäbischen Dichter aus dem 18. Jahrhundert ins Spiel bringt, macht er mir damit Probleme. Denn Hölderlin und ich – wir können nicht miteinander. Das war schon immer so. Und was die Definition über das Wesen der Liebe angeht, halte ich es mit 1. Korinther 13, Verse 4-7: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ Weltanschaulich sind Thomas Hettche und ich so weit voneinander entfernt wie die Erde vom Mond.

Fazit: Was ist also mein Fazit? Es gibt bessere Romane über die Liebe. Aber auch schlechtere. Ich mag die Thematik, Liebe im Alter. Und ich mag, wie Thomas Hettche mehr macht aus seinem Buch als eine reine Liebesgeschichte. Sagen wir es also so: Ein weiteres Werk aus der Feder eines großen Erzählers. Thematisch interessant, war mir sein Buch einfach zu kurz für seinen Inhalt. Ich würde trotzdem jedes weitere Werk des Autors lesen und genießen.

Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 2026
Profile Image for Jana Felicitas.
7 reviews
April 29, 2026
“Was macht das Alter mit der Liebe? Nichts, denn es kann sie nicht berühren.” 🥺
Profile Image for Michaela Kaule.
39 reviews
April 4, 2026
Soviel Schönheit, so viel Liebe noch im fortgeschrittenen Altern....passte als Lektüre perfekt ans Meer...ein wunderbares Buch...nicht mal die Textnachrichten haben gestört.
Profile Image for Alexander Carmele.
530 reviews555 followers
May 26, 2026
Selbstdiffusiver Mann sucht Frau und findet Frau.

Inhalt: 1/5 Sterne (biographisch-linear)
Form: 3/5 Sterne (pointillistisch)
Erzählstimme: 2/5 Sterne (erinnernd)
Komposition: 0/5 Sterne (dissoziativ)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (schleppend-lahm)
--> 7/5 = 1,4 = 1 Stern

In Liebe spielt Thomas Hettche das Zusammenkommen eines Mannes mit einer Frau durch, die beide ein Großteil ihres Lebens bereits gelebt haben. Er nimmt das Alte Liebe von Elke Heidenreich, Die späten Tage von Natascha Wodin oder Helga Schuberts Der heutige Tag auf, nur ein wenig stoisch-lakonisch, wortkarg, mit Lücken und Andeutungen spielend wie Judith Hermann, bspw., in Daheim oder Wir hätten uns alles gesagt. Das Buch pointillisiert vor sich hin:

In den Obstbäumen bunte Lampions, deren Schein auf das fette Gras fiel, das wie ein Teppich unter seinen Schritten nachgab. Das unbewegte Wasser der Ostsee. Ein hölzerner Steg führte hinaus in die Dunkelheit. Er folgte ihm und spürte erleichtert, wie es immer stiller und die Luft kühler wurde. Leise zischelndes Schilf. Er ließ sich in einen der beiden Liegestühle am Ende des Stegs fallen. »Guten Abend.«

Anna grüßt Max, und Max grüßt Anna. Sie sitzen in der Dunkelheit, sprechen und erzeugen so gegenseitig eine gewisse Sehnsucht nach Nähe, die fortan die nächsten Jahre ihr Leben bestimmen wird. Anna, verheiratet, Max einsam, nach hauptsächlich zwei gescheiterten Beziehungen, aus denen jeweils ein Kind hervorgegangen ist. Wer Anna ist, bleibt lange unklar, spielt für Max auch keine Rolle. Max sehnt sich nach einem ozeanischen, fluiden Sein:

Was ist Berührung? Alles, was uns mit dieser Welt verbindet, berührt uns. Und das ist immer zuerst unsere Haut. In der Tierwelt ist es kein spezielles Individuum, das Begehren auslöst, sondern eine Form oder eine Farbe am Körper, und Max scheint es sehr poetisch, dass es bei der Lust nicht um den Partner, sondern um etwas ganz und gar Imaginäres gehen könnte. Um eine Stimme, die Silhouette, ein Lächeln, die Wärme einer Hand.

Mit krasser Konsequenz beschreibt Hettche, wie seiner Figur Max irgendwann der Mut und der Wille und Freude am Leben abhanden gekommen sind. Was bleibt? Die Sehnsucht nach Berührung, nach Nähe, nach Sex, nach geschichtsloser Intensität. Max ist ein Augenmensch. Sein Blick bleibt bei dem Offensichtlichen. Er liebt das Bewusstlose, das Gleitende, das Abwesende, und insofern erscheint der Text, aus seiner Perspektive erzählt, konsistent als Kaleidoskop, stroboskopisch zusammenmontiert, eher wahllos in seiner Figurenwahl, lediglich von außen an eine Gegenwart geheftet (Covid, Ukraine …) ohne wirklichen Bezug zu sich und einem Selbst oder einem Gegenüber.

Hettches Roman improvisiert über das Inkommunikable im Leben von Max, über seine Fremdgesteuertheit, seine Einsamkeit und verarbeitet hier, auch durch Aufnahme von Chatgespräche, ein ähnliches Lebensgefühl wie Martina Hefters Hey guten Morgen, wie geht es dir?. Alles dabei. Angst vor dem Altwerden, das Fremdgehen, die Angst, vor dem Alleinsein, die von Innen heraus das Bewusstsein auffrisst, so dass im Grunde nur ein Schluchzen zustande kommt, ein Winseln, die Sehnsucht im Begehren erhört zu werden. Thomas Hettche bringt es erschreckend gut auf den inhaltslosen Punkt, der bekanntlich keine Dimensionen, weder Breite noch Tiefe noch Länge hat.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): Max, 63, Ocularist, lebt in Berlin, allein, hat eine Tochter Lucia mit Yasemine, und einen Sohn mit Cleo Philipp, von beiden getrennt, mit beiden befreundet. Anna, gleiches Alter, verheiratet, lebt in Stralsund, hat keine Kinder, Ozeanologin.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
1.) Sommerfest am Saaler Bodden. Max (M) langweilt sich, setzt sich ans Ufer, eine Unbekannte setzt sich zu ihm, Anna (A). Sie unterhalten sich. Er fühlt sich hingezogen zu ihr.
Schnitt in die Erzählgegenwart (EG): Er verabschiedet eine Sie [es ist Anna, zehn Jahre später]. Sie fährt ins Krankenhaus und will nicht, dass er mitkommt.
2.) In der Praxis von M, er fertigt künstliche Augen an. Praxis vom Vater übernommen, nachdem die Sache mit der Kunst sich verlaufen hat. Yasemine spürt, dass M verliebt ist. Er trifft A in der Neuen Nationalgalerie. Sie haben Chat-Kontakt. Beim Abschied schließt sie Fremdgehen aus.
3.) EG: M geht die Nachrichten zwischen A und ihm durch.
Sie texteten sich nach ihrem Besuch, dann antwortete er nicht. Es schmerzt ihn zu sehr. Kontaktabbruch im November 2013. Eigenartige Radiosendung über eine Keglerin mit einem irren Lauf.
4.) Auf dem Adventsmarkt, Treffen mit Philosophieprofessorin [daran denkt er, als A ins Krankenhaus gefahren ist, also weil er wieder einsam ist].
EG: zehn Jahre später (2013), seit 6 Jahren von Yasemine getrennt, Lucia damals 12.
M erhält Nachricht von A, sie lädt ihn nach Stralsund ein.
5.) Treffen auf dem Weihnachtsmarkt, erster Kuss, am nächsten Tag der erste Sex. Danach fährt M zu seiner Exfrau Cleo nach Hamburg, Philipp damals 22 Jahre alt.
EG: M ruft A an, aber nur die Mailbox antwortet. Jemand ruft ihn an wegen eines dringenden Termins für seinen Sohn.
6.) Wiedersehen auf Hiddensee im Februar, in einem Tiny House. Ehemann von A hat eine Yacht, verdient gut.
7.) Treffen und Sex in Stettin (März), dann auf Usedom (April), in einem Wellness-Hotel, wo sie auch mit ihrem Mann gewesen ist. M eifersüchtig.
8.) Treffen mit Yasemin in der Bar. Sie erzählt das Märchen von der Zweiäugigen unter den Ein- und Dreiäugigen, die sich von einem Ritter retten lässt.
9.) A besucht M in Berlin. Sie gehen in die Komische Oper, schauen sich eine Inszenierung von Hoffmanns Märchen an. M drängt sie, ihren Mann zu verlassen. Sie will nicht ohne Grund auf Kinder verzichtet haben.
10.) Treffen mit Christoph im Café, der nicht an die wahre Liebe glaubt. Gibt ihm ein Reclam-Heft, in welchem Hegel über die Liebe räsoniert.
11.) Mitte Juli. Treffen in Fürstenwalde. A bricht zusammen, weint, weil sie sich Kinder gewünscht hat.
EG: M denkt über die Ukraine nach, wie selbstsüchtig die Berlin der Zeit gewesen ist.
12.) EG: Weitere Reflexionen zum Ukraine-Krieg.
M betrinkt sich, fährt in den Yachtclub von As Ehemann, wo dieser seinen Geburtstag feiert, will A für sich gewinnen, völlig betrunken. Wird von zwei Typen rausgeschmissen. Der eine hat Amor vincit tätowiert. A hilft ihm nicht, schreitet nicht ein.
13.) Treffen mit Christoph, der ihm die Geschichte von der Kurtisane und dem Samurai erzählt, der Hundert Tage auf sie warten soll, am neunundneunzigsten Tag aufgibt. Reden über Platons Liebeskonzeption (die zwei Hälfen). Treffen mit Yasemine. Gespräch mit Cleo, M sei nie wirklich kompromissbereit gewesen. Nicht beziehungsfähig. M bleibt alleine über die Feiertage.
14.) A meldet sich doch, hat ihre Mutter gepflegt, diese ist gestorben, will ihn sehen. Er zögert nicht. A mittlerweile in Wilhelmshaven. Will sich von ihrem Ehemann trennen.
15.) Spaziert in der Gegend, wird von einer Möwe aus seiner Trübsinnigkeit gerissen. M zieht zu A, bricht sein Leben in Berlin ab, schließt die Praxis des Vaters. 2015.
16.) Corona-Epidemie, gemeinsames Leben. Nordseehaus. Nach Lockdown lädt M alle Bekannten ein, vierzehn Leute, fragt wieder in die Runde: „Was ist Liebe?“ Alle lachen.
17.) EG: M wartet auf A, als ein Wagen vorfährt, hofft er, aber es ist der Vater, der einen dringenden Termin für seinen Sohn angefragt hat, um diesem Glasaugen einsetzen zu lassen. Die Augen aber besitzen kaum Leben, als er sie einsetzt, etwas mit den Muskeln stimmt nicht, und ihm wird klar, er wird A nicht mehr wiedersehen.
●Kurzfassung: M, Kunstaugen-Einsetzer, lebt alleine, seine Beziehungen sind gescheitert (Cleo, Exfrau, und Yasemine, eine Patientin), eine Frau setzt sich während eines Sommerfestes neben ihn. Er verliebt sich. Sie ist verheiratet. Sie beginnen eine Affäre. Er will mehr. Sie nicht. Am Ende leben sie zusammen an der Nordsee. Sie fährt alleine ins Krankenhaus, plötzlich wird ihm klar, er wird sie nicht mehr wiedersehen.
●Charaktere: (rund/flach) eher oberflächliche, kaum Persönlichkeitsentwicklung, Skizze
●Überflüssige Szenen/Charaktere: Keglerin, die einen Rekord aufstellt. Die Märchen (Soldat und die Kurtisane, und Zweiäuglein, und auch die Opernaufführung von E.T.A. Hoffmanns Märchen) wirkten gestellt, und tragen nichts bei.
●Besondere Ereignisse/Szenen: ein gewisser Ekelfaktor bei dem Augeneinsetzen
●Diskurs: Covid, Ukraine
… erinnert atmosphärisch an Judith Hermanns „Daheim“, besitzt eine ähnliche Struktur wie Roland Barthes „Fragmente einer Sprache der Liebe“ und nimmt die Chats und die neuen Medien auf wie Martina Hefters „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ … vom Thema her schließt es zudem an Natascha Wodins „Die späten Tage“ an.
… motivisch stark auf die Augen, auf das Sehen fixiert, was zur Oberflächlichkeit von Max passt, der von seinen Partnerinnen fast gar nichts weiß, und keinerlei kommunikative Nuancen besitzt. Max erscheint wie jemand, der nicht allein sein will und gerne Sex hat, dem aber eher desinteressiert am Innenleben seiner Geliebten bleibt, ein sehr körperlich, mit dem Körper liebender, wenig visueller, wenig intellektueller Mensch. Leider besitzt deshalb die Liebe wenig Dramatik. Der Text schleppt sich, und er nimmt sogar sein Ende vorweg, offenherzig, zudem dekonstruiert er sich selbst, an der Stelle, wo Max meint, Anna hätte sich nach seinem Aufkreuzen bei der Geburtstagsfeier ihres Mannes nie mehr gemeldet, sie hat sich aber gemeldet, sechs Monate später, und dies ist aus der Erzählsituation heraus auch bekannt. Narrativ bietet das Buch sehr wenig. Wirkt eher wie eine Meditation, ein ratlose zudem. Das offene Ende reißt dann dem Buch noch das letzte Fundament weg.
… Meditation über Brechts: „Was sind das für Zeiten, wo. Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist.“
… Deutung: Aus den Augen aus dem Sinn, das Auge, die Oberfläche, als Anna zum Krankenhaus fährt, fällt ihm sofort wieder die Philosophieprofessorin ein, und als er plötzlich merkt, dass Anna nicht wiederkommt, fürchtet er nicht um ihre Gesundheit, er sagt nur, er selbst wird Anna nie wiedersehen. Max stellt einen narzisstischen, sehr körperlich liebenden Hedonisten dar. Mehr nicht. Yasemin blieb ihm fremd, Cleo wirft ihm fehlende Kompromissfähigkeit vor. Besitzt keine eigenständige Denkfähigkeit (benötigt seinen Freund Christoph hierfür, der ihm ein Buch von Hegel gibt), und in Trägheit und Tristesse befangen, reißt ihn lediglich der Schrei einer Möwe aus seiner Dumpfheit.
--> 1 Stern


Form:
●Eindruck: minimalistisch, eher als Skizze, viele kurze Wörter, eher Spiel mit dem Nichtsagen, Spiel mit dem Andeuten, eher ans Manieristische grenzend, reduktionistisch, eine gewisse Sprachlosigkeit, Zerfahren, Dissoziation ins Momenthafte, Blitzlichtartige. Ein pointillistischer, impressionistischer Stil, wenig Rhythmik, wenig Konsistenz, wenig getragene Motive und Töne.
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) hoch, durch die Stilistierung
●Wortschatz/Wortzahl: unauffällig, aber nicht redundant
●Auffälligkeiten: sehr viele derealisierende Wendungen, „als ob“, wie, als … etc Metaphern, die ins Leere laufen, eher alles diffusionieren, verschnörkeln, ornamentalisieren
●Innovation: keine, der Stil wurde aber durchgezogen, mit angezogener Handbremse über die Liebe nachgeklügelt. Sehr viel „und, und, und“, insofern eher biblischer Stil.
--> 3 Sterne


Erzählstimme:
●Eindruck: personal aus der Sicht von Max erzählt, der sich in der Erzählgegenwart in Präsens erinnert, also spielt das Buch mehrere Stunden nach Annas Wegfahrt ins Krankenhaus bis zum Besuch des Vaters mit seinem blinden Sohn. Dazwischen erinnert er sich. Konsequent durchgezogen.
●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): der Erzähler selbst tritt nicht in Erscheinung, spricht durch Max hindurch, wirkt durch die hier und räsonierenden Teilabschnitte wie jemand, der sich zu Max herablässt, durch seine Augen zu blicken.
●Erzählverhalten, -stil, -weise: eher lakonisch, abgeklärt, desillusioniert
●Einschätzung: diese Form des Stoizismus ist gut durchgezogen, eine Immunisierungsstrategie gegen Risiko, Weltöffnung und Erfahrungswagnis, jedoch bricht der kommentierende Erzähler zu oft in das Gewebe, stört, und hinzukommen tatsächlich temporale Inkonsistenzen, die schwerlich zu verzeihen sind für ein Präsenserzählen
--> 2 Sterne


Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): gibt im Grunde keine Komposition, erinnernde Figur über die Art, wie sie mit ihrem jetzigen Partner zusammengekommen ist, linear, schnurstracks, wenig Ideen, die Märchenkollagen zerstören das Ganze dann zunehmend und wirkt wie ein Zitatpotpourri
●Signal/Noise-Ratio: viel Noise, viel Nebensächliches
●Operative Geschlossenheit: Nicht-Einsam-Sein-Wollen, Flucht in die Nächsten
●Rahmenstabilisierende Details: die Frage „Was ist Liebe?“
●Extradiegetische Abschnitte: keine wirklichen, es wird innerhalb der Story Stories erzählt
●Lose Versatzstücke: Christoph, Yasemin, Cleo unnötig, wirken hinein bugsiert, besitzen keine eigene Dramaturgie, Statisten
●Reliefbildung: kaum … es plätschert vor sich hin, in der Tat geht es dann am Ende um den Tod.
●Einschätzung: völlig zerfahren, kompositionell, zu diskursiv, zu unfokussiert, zu ideenlos, um der Liebesgeschichte irgendein Dreh zu verleihen
--> 0 Sterne


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: verstörendes Pendeln zwischen Kitsch und Scham, zwischen Langeweile und ein gewisses empathisches Verständnis
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) nicht wirklich, sehr zeitgeistig
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) ja schon, als momentaner Kommentar
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) nein, die Sprache wirkt dissoziativ
●stimmig?(Komposition: ja/nein) als Persönlichkeitsdesintegration
●ein zweites Mal lesen? nein, besitzt aber wenigstens allegorische Potenz
--> 2 Sterne

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Profile Image for Irina Kuttner.
62 reviews
April 1, 2026
Ich habe das Hörspiel in ARD Sounds gehört. Sehr sehr empfehlenswert.
1,381 reviews4 followers
March 26, 2026
Der Klappentext hat sich wirklich interessant angehört, denn der Beruf des Okularisten hört sich spannend an und hat mich interessiert und ich hatte mir eine sehr bewegende Liebesgeschichte erhofft. Leider muss ich aber sagen, dass die Geschichte mich so gar nicht packen konnte und es einfach nicht das richtige (momentan) für mich war.

Es geht in der Geschichte um Max, dieser stellt künstliche Augen her. Er ist Okularist. In seiner Praxis, über der Flamme des Bunsenbrenners, formt er feine Glaskugeln, versieht sie mit farbigen Äderchen, Iris und Pupille. Max weiß von der stillen Sprache der Blicke. An den Blitzschlag der Liebe aber glaubt er mit Anfang sechzig nicht mehr. Bis er eines Sommerabends Anna begegnet und ihn die Gefühle in ungekannter Wucht überwältigen. Anna geht es genauso, doch sie ist verheiratet, und so bleiben den beiden immer nur Tage, das zu leben, was nicht sein darf. Und immer sind da die Erinnerungen, die Träume, die Schatten. Das stürzt Max in Verzweiflung, denn er weiß, er hat seine große Liebe gefunden. Und er ahnt, dass sie ihn auf eine unheimliche Probe stellen wird.

Der Schreibstil war nicht so locker- und leicht wie ich das gedacht hatte, dennoch konnte man die Geschichte recht gut hören. Gestört hat mich, dass es relativ häufig zu elektronischen Nachrichten gekommen ist, diese sind immer mit Datum und Uhrzeit vorgelesen worden und haben meinen Hörfluss tatsächlich etwas gestört, da hätte ich es schöner gefunden wenn man die Nachrichten einfach hintereinander wegliest, da es ja auch zwei Sprecher für das Hörbuch gab. Die Geschichte wird aus Sicht von Max erzählt und Anna kommt immer nur kurz in den Nachrichten zu Wort.

Die Liebesgeschichte hat mir leider nicht gefallen, ich habe da keine Verbindung gespürt und konnte ihre Gefühle nur schwer nachvollziehen, vielleicht habe ich einfach etwas ganz anderes erwartet oder der Zeitpunkt war falsch. Aber leider konnte die Geschichte mich gar nicht packen. Einzig als über den Beruf von Max kurz erzählt wird, fand ich das interessant. Es war mir in Teilen auch zu philosophisch und hat mir deshalb nicht so recht gefallen.

Ich mochte die Stimme von Anna, die die Nachrichten gelesen hat sehr gerne und war enttäuscht, dass sie nicht mehr gelesen hat. Sie war sehr angenehm und hat gut gepasst. Die Stimme von Max war ganz okay, aber der Sprecher konnte mich leider nicht so mitreißen.
Profile Image for Emi-nya.
78 reviews2 followers
June 6, 2026
Ich kann mir nicht vorstellen dass es tatsächlich leute gibt die so sprechen wie diese beiden, und wenn es sie gibt möcht ich sie nicht kennen müssen.
insgesamt auch einfach nur unglaublich langatmig mit wenig substanz die über "zeit ist endlich" und "liebe ist präsenz" hinweg geht...
der beste part waren die hegel zitate, sonst gab es irgendwie vielleicht drei kleine passagen die mich nicht gelangweilt haben. insgesamt haben die beiden einfach nur viel unangenehm zu lesenden sex und sind unausstehlich.
Profile Image for Matthias.
428 reviews8 followers
May 3, 2026
Es ist schon atemberaubend, wie Thomas Hettche souverän jeglichen Kitsch vermeidet.
Displaying 1 - 12 of 12 reviews