Das neue Buch von Annette Jantzen beschäftigt sich mit allen Frauen der Bibel, deren Geschichten nicht oder nur eingeschränkt im katholischen Gottesdienst gelesen werden. Die kirchliche Leseordnung prägt maßgeblich, welche biblischen Erzählungen wahrgenommen werden, und die Auswahl fällt ganz eindeutig zu Ungunsten der Frauen aus. Nur rund ein Drittel der biblischen Frauengestalten kommt in den gottesdienstlichen Lesungen vor und deren Geschichten werden in aller Regel stark gekürzt. Annette Jantzen richtet den Scheinwerfer auf das, was ausgelassen und ignoriert wird, und zeigt damit, wie sich in der Liturgie das offizielle katholische Frauenbild spiegelt. Sie gibt mit diesem Buch den ignorierten Frauen der Bibel ihre Geschichte zurück und den Lesenden damit ein breiteres Spektrum an weiblichen Identifikationsfiguren.
Dieses Buch beschäftigt sich mit den Frauenfiguren der Bibel, die in den offiziellen Lesungen oft gar nicht oder nur am Rande vorkommen. Zu Beginn wird sehr verständlich erklärt, wie die Lesungen überhaupt aufgebaut sind, was sie abdecken – und vor allem, was dabei ausgelassen wird. Gerade bei den Frauenfiguren zeigt sich, dass die ohnehin oft sehr kurzen biblischen Geschichten durch diese Auswahl und Kürzung noch weiter reduziert werden. Der Autor geht dabei sehr sorgfältig mit den biblischen Texten um. Immer wieder wird darauf hingewiesen, was tatsächlich im Urtext steht und welche Bedeutungsverschiebungen im Laufe der Jahrhunderte durch Übersetzungen oder redaktionelle Bearbeitungen entstanden sind. Ein interessantes Beispiel ist etwa die Frage der Schöpfung: Im ursprünglichen Text geht es eher darum, dass der Mensch „geteilt“ wird, während spätere Interpretationen daraus andere Vorstellungen entwickelt haben. Solche Beispiele zeigen sehr anschaulich, wie stark Übersetzungen unsere Wahrnehmung der biblischen Geschichten prägen. Besonders gelungen ist, dass das Buch nicht nur die Figuren selbst beleuchtet, sondern auch zeigt, wie sich Auslegung, Übersetzung und historische Kontexte gegenseitig beeinflussen. Dadurch wird deutlich, dass vieles von dem, was wir über biblische Geschichten zu wissen glauben, durchaus kritisch hinterfragt werden kann. Natürlich handelt es sich um ein Sachbuch mit theologischen und historischen Bezügen, aber der Text ist angenehm zu lesen und sehr gut nachvollziehbar aufgebaut. Insgesamt ein äußerst interessantes Buch für alle, die sich für die Bibel, ihre Figuren und die Entwicklung ihrer Geschichten im Laufe der Jahrhunderte interessieren.
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