Ausgerechnet der plötzliche Tod ihrer Schwester Darina gibt Nola den Anstoß, endlich ein Buch zu schreiben. feiern ihre radikale Offenheit - doch die Familie fühlt sich bloßgestellt. Zwischen Trauer, Wut und Sprachlosigkeit wächst die Distanz. Ein Jahr später soll Darinas Asche auf einer abgelegenen Insel verstreut werden. Nola will nicht kommen. Doch als ein Filmdeal optioniert wird und kurz darauf eine anonyme Beschwerde beim Verlag eingeht, steht ihr Ruf auf dem Spiel. Entschlossen stellt sie sich ihrer Familie - und der Frage, wem Erinnerungen gehören, wenn sie einmal zu Geschichten geworden sind.
Freya Bromley is a writer living in London. Her work explores love, loss and the restorative power of nature. Her first book The Tidal Year was shortlisted for the Nero Book Awards 2023. And in 2026 she released her debut novel A Real Piece of Work.
„Bücher sind hauptsächlich dazu da, Menschen die Erlaubnis zu geben, Dinge zu fühlen.“ (S. 22) „Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ von Freya Bromley ist am 29.06.2026 im Pola Verlag erschienen. Aus dem Englischen wurde der Roman von Nele Junghanns und Sophie Wölbling übersetzt. Auf 432 Seiten erzählt Bromley die Geschichte von Nola, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Schwester einen autofiktionalen Bestseller schreibt. Während die Leser:innen ihre Offenheit feiern, fühlt sich ihre Familie verraten. Als sie ein Jahr später gezwungen ist, sich ihrer Familie erneut zu stellen, geht es nicht nur um Trauer, sondern auch um die Frage, wem Erinnerungen gehören, wenn sie einmal zu Literatur geworden sind.
Meine Meinung
Was mich an diesem Roman sofort gepackt hat, war die Idee des Buchs im Buch. Immer wieder werden Auszüge aus Nolas Roman eingeflochten, in dem sie versucht, den Tod ihrer Schwester zu verarbeiten. Dadurch entsteht eine spannende zweite Erzählebene, die nicht nur literarisch reizvoll ist, sondern auch zeigt, wie unterschiedlich dieselben Ereignisse erlebt und erinnert werden können. Und man bekommt auch einen Eindruck darüber, wie Darina (Nolas Schwester) so war.
Ebenfalls richtig gut fand ich das Thema der Geschichte, weil es etwas ist, über das ich selbst so noch nicht oder sehr selten gelesen habe: „Ich verstand zu spät, dass die Verantwortung beim Schreiben nicht nur darin besteht, die großen Dinge auszulassen. Kleinigkeiten können genauso verletzend sein...“ (S. 42–43). Genau darum kreist der gesamte Roman: Darf man die eigene Geschichte erzählen, wenn sie gleichzeitig immer auch die Geschichte anderer ist? Und wo verläuft die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und persönlicher Verantwortung?
Mindestens genauso gelungen fand ich die Darstellung von Trauer. Bromley zeigt sehr eindrücklich, dass es nicht DEN EINEN richtigen Umgang mit Verlust gibt. Jede Figur trauert anders, schweigt anders und sucht auf ihre eigene Weise nach Halt. Besonders dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben, weil er auch zeigt, dass Erinnerungen nicht unbedingt zuverlässig sind und man vlt. auch dazu neigt, sie zu romantisieren oder schlimmer zu machen: „Das Schmerzhafteste an der Trauer ist, wie sie einen dazu bringt, an den eigenen Erinnerungen zu zweifeln.“ (S. 318).
An der einen oder anderen Stelle hatte der Roman für mich allerdings kleinere Längen. Manche Passagen hätten etwas straffer erzählt werden können, ohne dass die emotionale Wirkung verloren gegangen wäre. Trotzdem ist Freya Bromley hier ein wirklich gelungenes Romandebüt gelungen, das viele kluge Gedanken über Familie, Geschwisterliebe, Trauer(-verarbeitung), Erinnerung und Literatur miteinander verbindet.
Fazit
„Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist ein berührender Roman über Trauer, Geschwisterliebe und die Frage, wem Geschichten eigentlich gehören. Besonders das Buch-im-Buch-Konzept macht die Geschichte für mich zu etwas Besonderem. Für alle, die literarische Familiengeschichten mit emotionalem Tiefgang mögen und sich für Trauer, Erinnerung und autofiktionale Literatur als Themen interessieren. Wer eine durchgehend spannende Handlung erwartet, sollte wissen, dass der Roman sich bewusst Zeit für seine Figuren nimmt. Herzlichen Dank an LovelyBooks und den Pola Verlag für das Rezensionsexemplar!
"Lange habe ich darüber nachgedacht, wer eigentlich der Autor, die Autorin ist. Und darüber, was wahr ist, was nicht, und wer darüber entscheidet. Dann beschloss ich, dass es ums Zuhören geht, um die Verbindungen, die man hat."
Mit knapp dreißig Jahren stirbt Nolas Schwester Darina überraschend im Schlaf. Organversagen, einfach so, ohne Ankündigung. Nach lähmenden Tagen und Wochen beschließt Nola, ein Buch über ihre Schwester zu schreiben und über ihre eigene Trauer. Das Werk wird zum Erfolgsbestseller - ganz zum Unmut ihrer Familie, die sich darin falsch wiedergegeben fühlt. Eine anonyme Beschwerde taucht im Briefkasten des Verlags auf. Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, denn eigentlich sollen gerade die Filmrechte für das Buch verkauft werden. Nola ist sich sicher, dass die Beschwerde aus dem Kreis ihrer Familie kommt. Da sie ohnehin noch deren Einwilligung für die Verfilmung einholen muss, beschließt sie an einer Gedankfahrt auf die Insel Lundy mitzukommen und dort ihre Familie wiederzutreffen. Mit Eltern, Geschwistern und deren Partnern hatte sie seit dem Zeitpunkt der Buchveröffentlichung allerdings keinen Kontakt mehr.
"Eigentlich wollte ich das nicht schreiben", das Romandebüt von Freya Bromley, ist ganz anders, als ich erwartet hätte. Beim Lesen des Klappentexte dachte ich an viel Familienstreit mit Einschlägen gängiger Trash-TV-Formate, viel Skandale und viel schrilles Drama. Doch so ist die Geschichte überhaupt nicht. Ja, es gibt auch schlimmen Streit und einiges an Drama - aber all das ist ruhig erzählt. Viel eher stehen die Beziehungen Nola zu jedem einzelnen Familienmitglied im Vordergrund. Genaus wie die Landschaft, die Vögel und meine Lieblingsfigur - Nolas Partner Mac.
Bromley zeichnet ihre Figuren liebevoll und tiefgründig. Langsam entfalten sich die Charakterzüge auf dem Papier, genauso wie Nola ihre Familienmitglieder Stück für Stück neu kennenlernt. Es gibt so viele Geheimnisse in ihrer Familie, so viel Ungesagtes. So ist "Eigentlich wollte ich das nicht schreiben" eigentlich eher eine Erzählung über komplizierte Familienbeziehungen und über die Frage, warum uns offene Gespräche mit unseren engsten Familienmitgliedern so schwerfallen. Damit ist es auch eine Reise zu Nola selbst. Sie erkennt eigene Muster und hinterfragt die Beziehung zu Darina ein ums andere Mal.
Das ruhige Erzählen und die langsame Charaktererzählung tun der Geschichte sehr gut. Auch wenn ich nicht immer nachvollziehen konnte, warum Figuren genau so reagieren, wie sie es taten, war die Beziehungsdynamik für mich sehr stimmig. Interessant fand ich vor allem, dass die Frage nach dem "wahren" bzw. "richtigen" Andenken an Darina immer wieder in der Vordergrund rückt. Immer wieder lässt Bromley die Figuren reflektieren, ob sie gerade ihre Perspektive auf eine andere Figur verfolgen oder unvoreingenommen wahrnehmen. Das sorgt für viele Überraschungen in der Geschichte.
An vielen Stellen scheint durch, dass es der Autorin um mehr geht als die Handlung an der Oberfläche: Erinnern, Menschen auf eine Rolle festschreiben, Naturschutz, Autorschaft und Wahrheit ... Da brodelt etwas unter der Oberfläche, da sind Themen, die über Nolas Geschichte hinausgehen. Allerdings scheinen sie nicht ganz ausgegoren. Oft werden die Bereiche - ähnlich wie die Themen in Nolas Familie - nur angedeutet, nie aasbuchstabiert. Da bleibt Potential liegen.
Zunächst: Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. In THE TIDAL YEAE verarbeitete die Autorin den plötzlichen T0d ihres Bruders in einem Memoir, das unerwartet großen Erfolg in der Buchbranche genoss. Über diesen Prozess schreibt sie nun:
Trotz des sommerlichen Covers ist der Ausgangspunkt tragisch: nach dem T0d ihrer Schwester schreibt Nola ein Buch über ihren Kummer, wie sie damit umgeht, wobei ihre ganze Familie zwischen den Zeilen eine zunehmend größer werdende Rolle spielt. Nola ist jemand, der Gefühle und Gedanken nicht offen anspricht, sondern Auseinandersetzung aus dem Weg geht. Das kann man jetzt so oder so sehen, aber ich finde nicht, dass sie als schwieriger Charakter abgestempelt werden sollte, weil sie nicht einer Normvorstellung entspricht. Dass sie sich eher schriftlich ausdrücken kann, kann ich voll und ganz nachvollziehen. Und wenn man sich die Familie anschaut, hat sie ein gesundes Miteinander auch nie gelernt. Ein Familienmitglied erhebt Klage, als es zur Buchverfilmung kommen soll, und nun gilt es herauszufinden, wer dahinter steckt. Und genau das meine: Warum nicht Nola direkt darauf ansprechen? Warum muss immer alles hinter dem Rücken geschehen? Gerade wegen diesen menschlichen "Schwächen" war der Roman für mich so greifbar und authentisch. Besonders die Schwesternbeziehung hat mir ein bisschen sehr das Herz gebrochen. Spannend fand ich auch die moralische Frage, wer bei einer solchen Verfilmung/Verschriftlichung Mitspracherecht hat. Natürlich erlebte jeder die Verstorbene anders und ist nun verletzt oder wütend, dass diese eine ganz bestimmte Perspektive an die Öffentlichkeit dringt. Obwohl Erinnerungen nun einmal verzerrt sind und es hier kein richtig oder falsch geben kann und man sich auch ganz sicher intern nicht einig würde. Da denke ich mir auch so ein bisschen, dann schreibt doch eure eigene Denkweise auf oder bringt es als Medium heraus, anstatt Nola für ihre zu kritisieren. Ich glaube, letztlich waren alle einfach nur wahnsinnig verletzt und konnten werder damit umgehen, noch es richtig ausdrücken. Die Trauerbewältigung hat mir Tränen in die Augen getrieben. All das Ungesagte, all das, was zwischen einem stand und nicht mehr gelöst werden kann. Ich fand es von Nola sehr mutig, den Weg der Verschriftlichung zu gehen, fast schon als Therapieform. Ich konnte mir auch einige Zitate markieren. Der Stil war teils zugänglich, teils das komplette Gegenteil (zT hatte ich auch meine Schwierigkeiten mit dem Text), aber genau deswegen hat es mich beschäftigt und zum Nachdenken angeregt. Weil ich letztlich nicht sagen konnte, das ist ein großartiger Roman oder er hätte mir nicht so gut gefallen, sondern stattdessen ein Gefühl zurückgeblieben ist, das in keine Schublade passt, aber mich bewegt hat, und ich glaube, genau das macht es aus und gut. Beim Lesen sollte man auf jeden Fall Abstand davon nehmen, Figuren und deren Denkweise in eine moralische Schublade sortieren zu wollen, weil Gefallenwollen im klassischen Sinne nicht das ist, was das Buch mMn möchte :)
Man merkt diesem Roman schnell an, dass es ihm nicht darum geht, möglichst viele Wendungen einzubauen. Stattdessen stehen die Figuren und ihre Beziehungen im Mittelpunkt. Für mich war genau das die größte Stärke des Buches.
Nola verarbeitet den plötzlichen Tod ihrer Schwester, indem sie darüber schreibt. Aus diesem Manuskript wird überraschend ein Bestseller. Während viele Leser ihre Offenheit bewundern, fühlt sich ihre Familie bloßgestellt. Plötzlich steht nicht mehr nur der Verlust im Raum, sondern auch die Frage, ob man gemeinsame Erinnerungen überhaupt allein erzählen darf oder ob sie allen gehören, die sie erlebt haben.
Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin Passagen aus Nolas Buch in die eigentliche Handlung einbaut. Dadurch bekommt man nach und nach ein besseres Gefühl für ihre Schwester und versteht gleichzeitig, warum dieselben Erlebnisse innerhalb der Familie so unterschiedlich gesehen werden. Dieses Spiel mit verschiedenen Blickwinkeln hat den Roman für mich deutlich interessanter gemacht.
Am meisten berührt hat mich aber die Art, wie Trauer beschrieben wird. Mein kleiner Bruder ist vor knapp zwei Jahren völlig unerwartet gestorben. Deshalb haben sich viele Gedanken und Reaktionen für mich erschreckend echt angefühlt. Trauer ist oft nicht vernünftig. Man klammert sich an Erinnerungen, stellt sie gleichzeitig infrage oder ärgert sich über Dinge, die von außen völlig belanglos wirken. Das Buch versucht gar nicht, dafür eine Lösung zu finden, sondern zeigt einfach, wie unterschiedlich Menschen mit demselben Verlust umgehen können.
Ganz ohne Kritik komme ich aber nicht aus. Manche Kapitel waren mir etwas zu ausführlich und hätten ruhig gestrafft werden können. Dadurch hat sich die Geschichte zwischendurch gezogen. Wer einen Roman sucht, in dem ständig etwas passiert, wird hier vermutlich nicht ganz glücklich.
Mich hat das Buch trotzdem überzeugt, weil es keine einfachen Antworten gibt. Es regt dazu an, über Familie, Erinnerungen und die Verantwortung nachzudenken, die entsteht, wenn persönliche Erlebnisse öffentlich werden. Genau diese Fragen sind mir nach dem Lesen noch eine ganze Weile im Kopf geblieben.
Nola verarbeitet den Tod ihrer Schwester Darina mit einem Memoire. Ihre Familie war und ist wenig begeistert, dass sie die persönlichsten Familienerinnerungen nach außen trägt, gaben aber ihr Einverständnis. Nun, fünf Jahre nach Darinas Tod, steht der Verkauf der Filmrechte an, was durch eine anonyme Beschwerde an den Verlag torpediert wird. Als die Eltern zu einem Gedenkwochenende einladen, will Nola erst nicht teilnehmen, so groß ist die Distanz in ihrer Familie geworden, aber wo kann sie besser herausfinden, wer da gegen sie interveniert. „Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ von Freya Bromley in wenigen Worten zusammenzufassen, ist unmöglich, denn der Roman handelt von so vielen Themen gleichzeitig, wobei keines der Wichtigen ins Hintertreffen gerät. Da ist die Trauer um den Verlust einer Schwester; schwierige Familiendynamiken, die durch Geheimnisse und starke Persönlichkeiten befeuert werden; Geschwisterliebe und romantische Liebe und wodurch diese beeinflusst wird und zu guter Letzte schenkt uns Freya Bromley einen ungeschönten Einblick ins Schaffen einer Schriftstellerin. Mich hat der Roman absolut abgeholt und begeistert. Ich prophezeie, dass ich ihn ein weiteres Mal lesen werde und bin mir sicher, dass ich noch weitere Nuancen und Feinheiten entdecken werde. Nicht nur die Charaktere sind toll gezeichnet, haben alle ihre Eigenheiten, die nie in Klischees rutschen und Fleisch auf den Knochen, was sie wunderbar realistisch werden lässt, auch die Dynamik in der Familie ist nachvollziehbar und spannend gestaltet. Zusätzlich hat die Sprache mich beeindruckt. Freya Bromley setzt eindrückliche und passende Metaphern, gezielt und nicht geizig. Da hat sich für mich genau das richtige Maß gefunden. Ich konnte in die Geschichte eintauchen wie schon lange nicht mehr und das bei Thematiken, die nicht leicht zu verdauen sind. „Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist ein besonderer Roman, der nachhallt und sich einen großen Platz in meinem Herzen verdient hat. Ich freue mich, ihn irgendwann ein weiteres Mal zu lesen.
Der Schreibstil war für mich Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig und ich brauchte ein paar Seiten, bis ich wirklich in die Story reingekommen bin. Zu Anfang hat man sich ein klein wenig verloren gefühlt. Genau wie Nola.
Den Aufbau des Buches fand ich echt toll, da Nolas Roman "Tierorakel" immer mal wieder zwischen den Kapiteln eingeworfen wird und wir hautnah ein paar Ausschnitte aus dem Buch lesen können. Ein Buch im Buch quasi! Allerdings empfand ich manche Kapitel etwas zu lang verfasst und hätte mir etwas weniger Ausschweifungen gewünscht.
Aus dem Buch wird nochmal deutlich, dass jedes Familienmitglied, nein eigentlich jeder Mensch, den Verlust eines geliebten Menschen anders verarbeitet und jeder andere Kernerinnerungen an den Charakter der verstorbenen Person hat. Nola veröffentlichte ein Buch über ihre tote Schwester Davina und hat dadurch eine endlose Lawine aus Gefühlen und Erinnerungen hervorgeholt.
Ab und an musste ich mir an den Kopf fassen, da ich es furchtbar finde, dass die Familienmitglieder nicht wirklich klartext reden konnten. Klar ist das die Realität, aber manchmal darf man doch schon etwas forscher sein. Mir gefielen die vielen verstreuten Zitate im Buch sehr gut und diese haben mich öfter zum innehalten und nachdenken bewegt.
Das Buch zeigt nochmal wie verschieden Geschwister sind und wie sehr jeder einzelne Mensch Dinge anders wahrnimmt und mit Trauerverarbeitung umgeht. Nolas Schwester hat das Perfekt auf den Punkt getroffen.. Die eine schreibt ein Buch, der andere bekommt ein Kind und andere gehen in die Verdränungstaktik über oder stellen die verstorbene Person auf ein Podest.
Fazit Ein interessantes Buch, welches eher langsam voranschreitet. Es zeigt nochmal deutlich auf, wie anders jeder mit Trauerbewältigung umgeht. Es war mir teilweise einen Ticken zu ausschweifend erzählt.
Dieses Buch hat mich etwas zwiegespalten zurückgelassen. Nicht, weil die Handlung mich da irgendwie so zurücklässt, sondern weil ich es auf der einen Seite gut, aber auf der anderen Seite zu wenig einnehmend gefunden habe.
Die Protagonistin ist Autorin und hat ein Buch über ihre verstorbene Schwester geschrieben. Darin kommen auch ihre Familienmitglieder vor und auch wenn alle eine Einverständniserklärung unterschrieben haben, hat die Veröffentlichung des Buches doch einigen Unmut hervorgerufen. Im Familienurlaub kommt das alles zusammen und es gibt viel Streit und Drama.
Nola möchte in ihrem Buch eigentlich nur ihre Trauer verarbeiten, denn ihre Schwester war nicht krank, sondern ist überraschend im Schlaf gestorben. Damit hat niemand gerechnet, und Nola sucht ein Ventil.
Auf der einen Seite fand ich alles rund ums Schreiben und die Trauerverarbeitung verschiedener Menschen sehr interessant. Auf der anderen Seite hat mir aber irgendwie etwas die Spannung gefehlt. Ich habe das Buch durchgelesen, aber nachträglich frage ich mich, was mich dazu bewogen hat, denn das Buch selbst war es eigentlich nicht. Ich hatte oft Probleme, das Buch zur Hand zu nehmen und weiterzulesen, weil es mich emotional nicht so gepackt hat.
Es gibt aber ein Zitat in dem Buch, was mir im Kopf geblieben ist: "Lange habe ich darüber nachgedacht, wer eigentlich der Autor, die Autorin ist. Und darüber, was wahr ist, was nicht, und wer darüber entscheidet. Dann beschloss ich, dass es ums Zuhören geht, um die Verbindungen, die man hat." und das beschreibt dieses Buch ganz gut: Nola kennt ihre Schwester und hat ein Bild von ihr, was sie genau so in ihrem Buch zeichnet. Aber wie es nunmal so ist, nehmen wir Menschen Dinge und andere Menschen komplett unterschiedlich wahr, und genau das ist wohl der größte Konflikt des Buches.
Nola hat mit dem plötzlichen Tod ihrer Schwester Darina zu kämpfen. Ihre Trauer und ihren Schmerz verarbeitet sie in einem Buch. Ihre Familie ist darüber nicht begeistert. Und als das Buch auch noch verfilmt werden soll, gerät Nola in eine Zwickmühle. Wie überzeugt sie ihre Eltern und Geschwister, der Verfilmung zuzustimmen?
"Eigentlich wollte ich da nicht schreiben" von Freya Bromley klang für mich nach einem berührenden Roman über Trauer und wie es im Leben dennoch weitergeht. Nach der Hälfte höre ich nun auf. Denn die Geschichte von Nola ist für mich belanglos, Selbstbeweihräucherung der Hauptfigur und konnte mich nicht erreichen.
Nola erzählt über ihre Familie, ihre Schwester und das Schreiben des Buches. All das mehr oder minder ungeordnet, was ich durchaus spannend fand. Denn so wird das Chaos der Trauer deutlich. Jedoch wirken ihre Beschreibungen und Erzählungen stumpf und konnten mich emotional nicht erreichen. Ich habe ihre Trauer zwar rational verstanden, konnte mich aber nicht hineinversetzen.
Zudem fehlte es mir an Dynamik. Die Familie geht sehr unterschiedlich mit dem Verlust um. Hier hätte ich mir mehr Reibungspunkte als "du ehrst deine Schwester nicht" gewünscht. Die Kritik perlt an der Hauptfigur ab und dringt somit auch nicht zu mir als Leserin durch.