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Königin der Nacht: Ein kurzes Buch über meine Mutter | Nominiert für den Schweizer Buchpreis 2026
Eine kleine Stadt in der Schweiz. Ein Haushalt mit einer Frau und ihrem Sohn. Es gibt keinen Mann, es gibt Männer. Und an Geld herrscht immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht.
Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.
Der Sohn musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und heute stellt er, schreibend sich erinnernd, die Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt.
Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.
Der Sohn musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und heute stellt er, schreibend sich erinnernd, die Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt.
117 pages, Kindle Edition
Published May 15, 2026
About the author
Lukas Bärfuss
40 books65 followersLukas Bärfuss (1971, Thun) ist ein Schweizer Schriftsteller, Bühnenautor, Theaterregisseur und Dramaturg.
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Community Reviews
Displaying 1 - 13 of 13 reviews
May 14, 2026
Ich schätze Lukas Bärfuss als regelmäßigen Kritiker im Literaturclub, habe auch mal eine Doku über ihn gesehen und wollte schon lange ein Buch von ihm lesen. Bei diesem schmalen Buch über seine Mutter fühlte ich mich gleich angesprochen, weil die Fragen über die eigenen Eltern, das Verhältnis zu ihnen, nie endet, auch nicht nach ihrem Tod. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Diese Mutter übertrifft an Lieblosigkeit alles, was man so vielleicht aus dem näheren Umfeld kennt. Sie entlässt den 15-jährigen Sohn sogar in eine mehrjährige Obdachlosigkeit, stiehlt sein Stipendiumsgeld, dass er später zurückzahlen muss. Dass diese Mutter, die nicht liebte, auch von ihrem Sohn nicht geliebt wurde, überrascht nicht.
Am Ende gibt es nach all dem Persönlichen einen überraschenden Twist. Bärfuss versucht, die verstorbene Mutter zu verstehen und das gelingt ihm durch eine Betrachtung, die über das Individuum hinausgeht. Er zeigt auf, wie die Mutter, die aus einer sogenannten Vagantenfamilie stammte, durch gesellschaftliche Strukturen geprägt wurde. Es gab eine Eugenik, die von Auguste Forel geprägt wurde (dessen Antlitz viele Jahre auf einem Frankenschein prangte), eine Politik/Gesellschaft, die die unbürgerlichen Vaganten verfolgte, sterilisierte; auch eine Schweiz, die Frauen lange die gleichen Rechte wie den Männern verwehrte. Das alles prägte seine Mutter bzw. ihr Vorfahren. Bärfuss spricht dann auch das „Verdingen“ von Kindern in der Schweiz als billige Arbeitskräfte an (eine Episode in seiner Jugend zeigt, dass ihn das auch betraf), ja sogar von Zwangsarbeit in Betrieben von Emil Georg Bührle, einem Waffenhändler der Nazis, der später dennoch als Kunstmäzen gefeiert wurde. Am Ende scheint sich die Wut, die der Autor allzu verständlich auf die Mutter richten könnte, auf das Land zu richten, das solche Leben wie das seiner Mutter und seiner Vorfahren massiv negativ beeinflusste.
Diese Mutter übertrifft an Lieblosigkeit alles, was man so vielleicht aus dem näheren Umfeld kennt. Sie entlässt den 15-jährigen Sohn sogar in eine mehrjährige Obdachlosigkeit, stiehlt sein Stipendiumsgeld, dass er später zurückzahlen muss. Dass diese Mutter, die nicht liebte, auch von ihrem Sohn nicht geliebt wurde, überrascht nicht.
Am Ende gibt es nach all dem Persönlichen einen überraschenden Twist. Bärfuss versucht, die verstorbene Mutter zu verstehen und das gelingt ihm durch eine Betrachtung, die über das Individuum hinausgeht. Er zeigt auf, wie die Mutter, die aus einer sogenannten Vagantenfamilie stammte, durch gesellschaftliche Strukturen geprägt wurde. Es gab eine Eugenik, die von Auguste Forel geprägt wurde (dessen Antlitz viele Jahre auf einem Frankenschein prangte), eine Politik/Gesellschaft, die die unbürgerlichen Vaganten verfolgte, sterilisierte; auch eine Schweiz, die Frauen lange die gleichen Rechte wie den Männern verwehrte. Das alles prägte seine Mutter bzw. ihr Vorfahren. Bärfuss spricht dann auch das „Verdingen“ von Kindern in der Schweiz als billige Arbeitskräfte an (eine Episode in seiner Jugend zeigt, dass ihn das auch betraf), ja sogar von Zwangsarbeit in Betrieben von Emil Georg Bührle, einem Waffenhändler der Nazis, der später dennoch als Kunstmäzen gefeiert wurde. Am Ende scheint sich die Wut, die der Autor allzu verständlich auf die Mutter richten könnte, auf das Land zu richten, das solche Leben wie das seiner Mutter und seiner Vorfahren massiv negativ beeinflusste.
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August 29, 2026Ich weiß zu wenig über Lukas Bärfuss, um eine differenzierte Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Ich kenne keins seiner anderen Werke und seine Arbeit. Ich hätte gerne mehr erfahren über seinen Werdegang hin zum Schriftsteller und Arbeit im Theater erfahren.
Aber dies ist kein Memoir, keine Autobiografie. Zumindest keine, die einer Geschichte folgt. Dieses Buch ist lyrisch statt narrativ, zum Schluss möchte es auch noch gesellschaftskritisch sein. Ob das funktioniert, müssen wohl Leser:innen beurteilen, die Bärfuss besser kennen. Ohne Kontext (der mir völlig fehlt) ist dieses Buch kaum lesbar. Ohne Klappentext versteht man nicht oder nur schwierig, wovon der Autor überhaupt redet, was mit seiner Mutter los ist, was er in den Jahren der Obdachlosigkeit gemacht hat und wie er da wieder raus kam.
Aber Bärfuss erzählt uns nichts davon. Er zeigt Bilder und Erinnerungsfetzen. Fast schon wehleidig sind diese endlosen Sätze und Gedanken, geprägt von Trauma und dem Verlassen werden. Die Klage über sein Leid scheint durchaus berechtigt, aber mir fehlen mehr Informationen, um das Gesagte überhaupt verstehen zu können. Mal ist er wütend und anklagend gegenüber seiner Mutter, dann wieder beschützerisch. Das ist menschlich und authentisch, aber eben auch verwirrend. Was war denn nun so schwer am Leben seiner Mutter? Wurden einer ambitionierten Frau Steine in den Weg gelegt? Scheint nicht so. Oder hatte sie einfach keinen Bock auf Ausbildung und Arbeit und war halt einfach gerne ... was eigentlich, "frei"? Mir erschließt sich nicht, welche Freiheit seine Mutter zu leben versuchte. Wurde seine Mutter nun von der Gesellschaft und dem Schweizer Staat im Stich gelassen? Oder war sie schlicht ein Assi, die sich einen Dreck um ihre Kinder gekümmert hat und der es, Gesellschaft hin oder her, Armut hin oder her, einfach komplett egal war, was aus ihnen wird? Irgendwie vielleicht alles davon?
Aber so wie meine Rezension hier, kommt man auch bei Bärfuss nicht wirklich draus, was er uns sagen will und man fragt sich, warum man das alles jetzt gelesen hat und was es uns bringt.
Aber dies ist kein Memoir, keine Autobiografie. Zumindest keine, die einer Geschichte folgt. Dieses Buch ist lyrisch statt narrativ, zum Schluss möchte es auch noch gesellschaftskritisch sein. Ob das funktioniert, müssen wohl Leser:innen beurteilen, die Bärfuss besser kennen. Ohne Kontext (der mir völlig fehlt) ist dieses Buch kaum lesbar. Ohne Klappentext versteht man nicht oder nur schwierig, wovon der Autor überhaupt redet, was mit seiner Mutter los ist, was er in den Jahren der Obdachlosigkeit gemacht hat und wie er da wieder raus kam.
Aber Bärfuss erzählt uns nichts davon. Er zeigt Bilder und Erinnerungsfetzen. Fast schon wehleidig sind diese endlosen Sätze und Gedanken, geprägt von Trauma und dem Verlassen werden. Die Klage über sein Leid scheint durchaus berechtigt, aber mir fehlen mehr Informationen, um das Gesagte überhaupt verstehen zu können. Mal ist er wütend und anklagend gegenüber seiner Mutter, dann wieder beschützerisch. Das ist menschlich und authentisch, aber eben auch verwirrend. Was war denn nun so schwer am Leben seiner Mutter? Wurden einer ambitionierten Frau Steine in den Weg gelegt? Scheint nicht so. Oder hatte sie einfach keinen Bock auf Ausbildung und Arbeit und war halt einfach gerne ... was eigentlich, "frei"? Mir erschließt sich nicht, welche Freiheit seine Mutter zu leben versuchte. Wurde seine Mutter nun von der Gesellschaft und dem Schweizer Staat im Stich gelassen? Oder war sie schlicht ein Assi, die sich einen Dreck um ihre Kinder gekümmert hat und der es, Gesellschaft hin oder her, Armut hin oder her, einfach komplett egal war, was aus ihnen wird? Irgendwie vielleicht alles davon?
Aber so wie meine Rezension hier, kommt man auch bei Bärfuss nicht wirklich draus, was er uns sagen will und man fragt sich, warum man das alles jetzt gelesen hat und was es uns bringt.
July 24, 2026
Bärfuss erzählt in drei nur lose zusammenhängenden Teilen von einer Kindheit und Erwachsenwerden im Dunstkreis von Armut, Vernachlässigung und zwielichtigen Machenschaften sowie vom schwierigen Verhältnis zu seiner Mutter bis zu ihrem Tod.
Dabei wird man als Leser*in regelrecht verbal durchgeschüttelt: Elegante, poetische Passagen wechseln sich mit derben, vulgären Beschreibungen ab. Ich finde das Buch ist kurzweilig, aber alles andere als leichte Kost. Triggerwarnungen zu Missbrauch, Vernachlässigung und Trauma? Sucht man vergeblich, das brutale Leben voll in die Fresse, sozusagen.
Mein Kritikpunkt ist dieser: Die Königin der Nacht fühlt sich an wie mehrere Manuskripte zu einem Projekt verwurstelt. Die verletzliche Gedankenwelt des Kindes steht unvermittelt neben metatheoretischen Exkursen zur Geschichte der Fahrenden in der Schweiz und zur unterdrückerischen, eugenisch geprägten Politik des Staates. Stilistisch wirkt das Buch, als hätte sich Bärfuss auch von niemandem, weder Verlag noch Lektor*in, sagen lassen, Literatur müsse leicht verständlich sein. Er zieht kompromisslos sein eigenes Ding durch. Die Ambivalenz der Sprache und die stellenweise verwirrenden Sprünge in der Erzählweise könnten dabei aber auch als Spiegel eines widersprüchlichen Lebens angesehen werden. Im dritten Teil vor allem, verlässt er die biografische Arbeit und macht sich an eine Abrechnung mit helvetischem Bünzlitum, Ausgrenzung und staatlicher Unterdrückung. Bärfuss zieht Linien von der Verfolgung der Fahrenden und der eugenischen Politik der Schweiz bis zu heutigen Asylzentren und hält der Gesellschaft ihre Gleichgültigkeit schonungslos vor. Den Mut den Finger so kompromisslos in die Wunde zu legen, verdient Respekt.
Zwar kann ich mich den Lobeshymnen nicht anschliessen, denn der Stil entspricht schlicht nicht meinem Geschmack. Gleichzeitig muss ich das literarische Können und den Mut anerkennen, ein so persönliches und biografisches Projekt in dieser Form umzusetzen. Wer bereit ist, sich auf die Erzählweise einzulassen, wird mit einem ungewöhnlichen und eindrücklichen Leseerlebnis belohnt.
Dabei wird man als Leser*in regelrecht verbal durchgeschüttelt: Elegante, poetische Passagen wechseln sich mit derben, vulgären Beschreibungen ab. Ich finde das Buch ist kurzweilig, aber alles andere als leichte Kost. Triggerwarnungen zu Missbrauch, Vernachlässigung und Trauma? Sucht man vergeblich, das brutale Leben voll in die Fresse, sozusagen.
Mein Kritikpunkt ist dieser: Die Königin der Nacht fühlt sich an wie mehrere Manuskripte zu einem Projekt verwurstelt. Die verletzliche Gedankenwelt des Kindes steht unvermittelt neben metatheoretischen Exkursen zur Geschichte der Fahrenden in der Schweiz und zur unterdrückerischen, eugenisch geprägten Politik des Staates. Stilistisch wirkt das Buch, als hätte sich Bärfuss auch von niemandem, weder Verlag noch Lektor*in, sagen lassen, Literatur müsse leicht verständlich sein. Er zieht kompromisslos sein eigenes Ding durch. Die Ambivalenz der Sprache und die stellenweise verwirrenden Sprünge in der Erzählweise könnten dabei aber auch als Spiegel eines widersprüchlichen Lebens angesehen werden. Im dritten Teil vor allem, verlässt er die biografische Arbeit und macht sich an eine Abrechnung mit helvetischem Bünzlitum, Ausgrenzung und staatlicher Unterdrückung. Bärfuss zieht Linien von der Verfolgung der Fahrenden und der eugenischen Politik der Schweiz bis zu heutigen Asylzentren und hält der Gesellschaft ihre Gleichgültigkeit schonungslos vor. Den Mut den Finger so kompromisslos in die Wunde zu legen, verdient Respekt.
Zwar kann ich mich den Lobeshymnen nicht anschliessen, denn der Stil entspricht schlicht nicht meinem Geschmack. Gleichzeitig muss ich das literarische Können und den Mut anerkennen, ein so persönliches und biografisches Projekt in dieser Form umzusetzen. Wer bereit ist, sich auf die Erzählweise einzulassen, wird mit einem ungewöhnlichen und eindrücklichen Leseerlebnis belohnt.
August 1, 2026
Er ist einer der grossen zeitgenössischen Schweizer Autoren: Lukas Bärfuss. Mit „Königin der Nacht“ hat er ein kurzes und prägnantes Buch über seine Mutter geschrieben, dass kraftvoll diese Biografie durchleuchtet, zu erklären versucht und gleichzeitig ein starkes Gesellschaftsporträt der Schweiz ist und auf die sozialen Ungerechtigkeiten und politischen Versäumnisse verweist…
Man ist immer erstaunt über die Armut, die in einem der reichsten Länder dieser Welt herrscht. Und somit ist „Königin der Nacht“ nicht nur eine Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte, sondern im letzten Kapitel eine historische Erklärung über die Herkunft, den Ursprungs dieses Übels, dieser Schande der Schweiz, die ihre Armen wegsperrt, ihnen die Kinder wegnimmt, ein Land, das noch bis vor kurzem darüber entschieden hat, welche Mutter ein Kind erziehen kann und welche nicht, welche Kinder man ungefragt zur Adoption freigibt oder als Verdingkind sonstwohin schickt. Und eben deshalb ist dieses Buch von Bärfuss ein wirklich wichtiges Buch und nicht nur ein persönlicher Schlussstrich unter seine eigene Herkunft.
Eine kleine Stadt in der Schweiz. Ein Haushalt mit einer Frau und ihrem Sohn. Es gibt keinen Mann, es gibt Männer. Und an Geld herrscht immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht. Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war. (Rowohlt Verlag)
Und bei aller Vernachlässigung der Kinder durch die Mutter, habe ich sogar etwas Verständnis für sie, sie will leben, sie nimmt alles mit, was sich ihr bietet. Doch alleine, was bringt es? Auf einen „grünen Zweig“ kommt sie nie und so verwundert ihre Emigration nicht. Sprachlich ist auch dieser Bärfuss brillant und messerscharf, kein Wort zu viel und keines zu wenig. Das ist wirklich hohe literarische Qualität und einmal mehr ist klar, dass Bärfuss nicht nur ein sehr guter Autor ist, sondern auch – wie andere Autoren vor ihm – ein soziales Sprachrohr der Schweiz, quasi ein Gewissen unseres Landes. Aber es sind auch seine persönlichen Erlebnisse, seine Herkunft, die er wie nüchtern und umemotional schildert und denen man gerne und gebannt folgt. Ein wirklich tolles und wichtiges Buch. Es ist schon etwas sehr, seit zuletzt einen Bärfuss gelesen habe – es war wohl „Hagard“ – und ich bin froh, habe ich relativ spontan „Königin der Nacht“ gekauft und direkt verschlungen. Grosse Leseempfehlung!
Man ist immer erstaunt über die Armut, die in einem der reichsten Länder dieser Welt herrscht. Und somit ist „Königin der Nacht“ nicht nur eine Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte, sondern im letzten Kapitel eine historische Erklärung über die Herkunft, den Ursprungs dieses Übels, dieser Schande der Schweiz, die ihre Armen wegsperrt, ihnen die Kinder wegnimmt, ein Land, das noch bis vor kurzem darüber entschieden hat, welche Mutter ein Kind erziehen kann und welche nicht, welche Kinder man ungefragt zur Adoption freigibt oder als Verdingkind sonstwohin schickt. Und eben deshalb ist dieses Buch von Bärfuss ein wirklich wichtiges Buch und nicht nur ein persönlicher Schlussstrich unter seine eigene Herkunft.
Eine kleine Stadt in der Schweiz. Ein Haushalt mit einer Frau und ihrem Sohn. Es gibt keinen Mann, es gibt Männer. Und an Geld herrscht immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht. Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war. (Rowohlt Verlag)
Und bei aller Vernachlässigung der Kinder durch die Mutter, habe ich sogar etwas Verständnis für sie, sie will leben, sie nimmt alles mit, was sich ihr bietet. Doch alleine, was bringt es? Auf einen „grünen Zweig“ kommt sie nie und so verwundert ihre Emigration nicht. Sprachlich ist auch dieser Bärfuss brillant und messerscharf, kein Wort zu viel und keines zu wenig. Das ist wirklich hohe literarische Qualität und einmal mehr ist klar, dass Bärfuss nicht nur ein sehr guter Autor ist, sondern auch – wie andere Autoren vor ihm – ein soziales Sprachrohr der Schweiz, quasi ein Gewissen unseres Landes. Aber es sind auch seine persönlichen Erlebnisse, seine Herkunft, die er wie nüchtern und umemotional schildert und denen man gerne und gebannt folgt. Ein wirklich tolles und wichtiges Buch. Es ist schon etwas sehr, seit zuletzt einen Bärfuss gelesen habe – es war wohl „Hagard“ – und ich bin froh, habe ich relativ spontan „Königin der Nacht“ gekauft und direkt verschlungen. Grosse Leseempfehlung!
September 10, 2026
Ich mochte es, aber teilweise bewegten sich die vielen Bilder an der Grenze von zu viel. Die einzelnen Teile kann man wie drei Entwürfe lesen, der mittlere hätte mich interessiert, als eigenständigen Roman. Die Ausführungen zu Eugenik, Auguste Forel usw. fand ich ebenfalls interessant, aber sie tilgen die teilweise sehr schön ausformulierten Gefühle und komplexen Problematiken aus den beiden ersten Teilen, machen sie weniger wichtig.
July 13, 2026
Der Anfang empfand ich verwirrend. Diverse Geschichtsfetzen, die auf mich zusammenlos wirkten. Die gesellschafliche Auseinandersetzung zum Schluss hat mir sehr gefallen. Die nicht perfekte Schweiz, die diverse soziale Schichten schlicht und einfach mehr als marginalisiert.
August 6, 2026
Von Martin erhalten. Vorallem der soziologische Teil hat mir gefallen
July 26, 2026
Bärfuss setzt sich in diesem Buch mit seiner Kindheit und der schwierigen Beziehung zu seiner Mutter auseinander. Die abschliessende historische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Schweizer Staat ist kritisch und ausgesprochen gelungen. Dafür verdient das Buch fünf Sterne.
Für eine solche Bewertung muss man allerdings Werk und Autor trennen, denn ein bitterer Nachgeschmack bleibt, wenn man Bärfuss’ Äußerungen zum Genozid in Gaza und zu den Reaktionen darauf in der Schweiz kennt. Wie ein Mensch, der – wie dieses Buch beweist – über ein kritisches politisches Gespür verfügt und systemische Zusammenhänge erkennen kann, zu solchen Fehlschlüssen gelangt, ist mir unerklärlich. Es bleibt zu hoffen, dass dies ausschliesslich seiner Unwissenheit und der fehlenden Zurückhaltung geschuldet ist, sich öffentlich zu Themen zu äußern, von denen er keine Ahnung hat.
Für eine solche Bewertung muss man allerdings Werk und Autor trennen, denn ein bitterer Nachgeschmack bleibt, wenn man Bärfuss’ Äußerungen zum Genozid in Gaza und zu den Reaktionen darauf in der Schweiz kennt. Wie ein Mensch, der – wie dieses Buch beweist – über ein kritisches politisches Gespür verfügt und systemische Zusammenhänge erkennen kann, zu solchen Fehlschlüssen gelangt, ist mir unerklärlich. Es bleibt zu hoffen, dass dies ausschliesslich seiner Unwissenheit und der fehlenden Zurückhaltung geschuldet ist, sich öffentlich zu Themen zu äußern, von denen er keine Ahnung hat.
August 22, 2026
Die Biographie von Lukas Bärfuss ist unglaublich ... Ja, hier gehts dem Titel nach um die Mutter, aber vielleicht noch mehr um das Älterwerden von Lukas Bärfuss und wie er mit der extremen Vernachlässigung vonseiten der Mutter umging. Nicht nur die Handlung ist außergewöhnlich, sondern auch der Sprachstil und die Struktur:
Im 2. Teil - auf dem Bauernhof - beschreibt er die Behandlung einer Kuh auf so krass eindringliche Weise, ich hätte diesen (eklichen) Teil am liebsten allen rund um mich laut vorgelesen! Sprachlich ist das kleine Buch wirklich gut und mitnehmend.
Auch die Struktur ist clever und unterscheidet das Buch von vielen anderen biografischen/autofiktionalen Romanen - Wie er am Ende das Verhalten seiner Mutter deutet ist interessant und klug.
Im 2. Teil - auf dem Bauernhof - beschreibt er die Behandlung einer Kuh auf so krass eindringliche Weise, ich hätte diesen (eklichen) Teil am liebsten allen rund um mich laut vorgelesen! Sprachlich ist das kleine Buch wirklich gut und mitnehmend.
Auch die Struktur ist clever und unterscheidet das Buch von vielen anderen biografischen/autofiktionalen Romanen - Wie er am Ende das Verhalten seiner Mutter deutet ist interessant und klug.
May 27, 2026
gnadenlose aufarbeitung einer kindheit. taff, ehrlich und ohne schnickschnack.
August 20, 2026
Stark! Brutal, kritisch und unglaublich lyrisch. Eine krasse Biografie erzählt in einer wunderschönen Sprache. Der erste Teil hat mir besonders gefallen. Hier ist kein Wort zu viel.
May 28, 2026
Thought provoking, intense & stunningly shocking.
August 12, 2026
Wundervoll !
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