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Königin der Nacht: Ein kurzes Buch über meine Mutter

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Eine kleine Stadt in der Schweiz. Ein Haushalt mit einer Frau und ihrem Sohn. Es gibt keinen Mann, es gibt Männer. Und an Geld herrscht immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht.

Die Mutter von Lukas Bärfuss war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Das Kind sah sie als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.

Der Sohn musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und heute stellt er, schreibend sich erinnernd, die Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt. 

117 pages, Kindle Edition

Published May 15, 2026

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About the author

Lukas Bärfuss

39 books63 followers
Lukas Bärfuss (1971, Thun) ist ein Schweizer Schriftsteller, Bühnenautor, Theaterregisseur und Dramaturg.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Steffi.
1,145 reviews283 followers
May 16, 2026
Ich schätze Lukas Bärfuss als regelmäßigen Kritiker im Literaturclub, habe auch mal eine Doku über ihn gesehen und wollte schon lange ein Buch von ihm lesen. Bei diesem schmalen Buch über seine Mutter fühlte ich mich gleich angesprochen, weil die Fragen über die eigenen Eltern, das Verhältnis zu ihnen, nie endet, auch nicht nach ihrem Tod. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

Diese Mutter übertrifft an Lieblosigkeit alles, was man so vielleicht aus dem näheren Umfeld kennt. Sie entlässt den 15-jährigen Sohn sogar in eine mehrjährige Obdachlosigkeit, stiehlt sein Stipendiumsgeld, dass er später zurückzahlen muss. Dass diese Mutter, die nicht liebte, auch von ihrem Sohn nicht geliebt wurde, überrascht nicht.

Am Ende gibt es nach all dem Persönlichen einen überraschenden Twist. Bärfuss versucht, die verstorbene Mutter zu verstehen und das gelingt ihm durch eine Betrachtung, die über das Individuum hinausgeht. Er zeigt auf, wie die Mutter, die aus einer sogenannten Vagantenfamilie stammte, durch gesellschaftliche Strukturen geprägt wurde. Es gab eine Eugenik, die von Auguste Forel geprägt wurde (dessen Antlitz viele Jahre auf einem Frankenschein prangte), eine Politik/Gesellschaft, die die unbürgerlichen Vaganten verfolgte, sterilisierte; auch eine Schweiz, die Frauen lange die gleichen Rechte wie den Männern verwehrte. Das alles prägte seine Mutter bzw. ihr Vorfahren. Bärfuss spricht dann auch das „Verdingen“ von Kindern in der Schweiz als billige Arbeitskräfte an (eine Episode in seiner Jugend zeigt, dass ihn das auch betraf), ja sogar von Zwangsarbeit in Betrieben von Emil Georg Bührle, einem Waffenhändler der Nazis, der später dennoch als Kunstmäzen gefeiert wurde. Am Ende scheint sich die Wut, die der Autor allzu verständlich auf die Mutter richten könnte, auf das Land zu richten, das solche Leben wie das seiner Mutter und seiner Vorfahren massiv negativ beeinflusste.
Profile Image for Isabel Coello.
1 review
July 13, 2026
Der Anfang empfand ich verwirrend. Diverse Geschichtsfetzen, die auf mich zusammenlos wirkten. Die gesellschafliche Auseinandersetzung zum Schluss hat mir sehr gefallen. Die nicht perfekte Schweiz, die diverse soziale Schichten schlicht und einfach mehr als marginalisiert.
Profile Image for Claudia.
101 reviews1 follower
May 27, 2026
gnadenlose aufarbeitung einer kindheit. taff, ehrlich und ohne schnickschnack.
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