Das Buch hat die Prämisse, verschiedene Ansätze zu "Kritischer Psychologie" aufzuzeigen, d.h. psychologische Methoden vorzustellen, die eine Gesellschaftskritik zum Inhalt haben. Dafür wendet es sich an die Methoden des Marxismus, d.h. ein parteilicher, dialektisch-materialistischer Ansatz. Dieser Ansatz ist für das Versuchte prinzipiell nicht verkehrt, jedoch sind die vorgestellte Begriffe von diesen Denkansätzen so borniert, dass dieser Ansatz zu einem methodischen Dogmatismus führt. Dialektik wird hier als das "Denken in Widersprüchen", oder ganz nichtsaussagend, "Bewegung" beschrieben. Das Problem ist hier: Wenn man sich selbst eine Methode setzt, der das Denken folgen muss, ist das Ergebnis nicht mehr das Ergebnis richtigen Denkens, sondern der Methode. Diese gesetzten Prinzipien führen dazu, dass eine Idee, um im Buch als kritisch gelten zu können, genau diesen Methoden folgen muss, um etwas zu gelten. So wird die Sache an sich nicht mehr auf die eigene Stimmigkeit geprüft, sondern es wird ein stumpfer Abgleich durchgeführt, ob denn die vorgestellten Ideen auch mit den eigens gesetzten Schematismen zusammenpassen, und ob doch wirklich genug in Widersprüchen gedacht wird, um sie als dialektisch bezeichnen zu können.
Gut nachgezeichnet fand ich Materialismus & Dialektik, aber Unpolitisiertheit von Freud. Das Buch beschränkt sich nicht nur auf die "klassische" Kritische Psychologie nach Holzkamp, sondern umfasst eher allgemein marxistische Psychologie. Über die verschiedenen Schulen wird ein ganz guter Überblick gegeben. Etwas übertrieben fand ich manche Aussagen zur Bedeutung von Bedürfnissen und Realpolitik.