4,5 Sterne
Ich habe Rehruf gerade erst zuende gelesen und bin gerade noch so überwältigt von dem ganzen Leseerlebnis, dass mir einfach kein würdiger einleitender Satz einfallen will. Deswegen fange ich jetzt einfach mal ganz plump an, alles aufzuzählen, was ich beim und nach dem Lesen so gedacht und gefühlt habe.
Ich glaube, was mich am meisten beeindruckt hat, war der wunderschöne Stil, in dem das Buch geschrieben ist. Es ist ein bisschen, wie sich einfach fallen zu lassen und sich von einem Fluss aus Seide durch die Geschichte tragen zu lassen. Ganz unaufrdringlich und natürlich reihen sich wunderbar ausgeschmückte Metaphern und Phrasen aneinander - hätte ich das Buch mit einem Marker in der Hand gelesen und alles angestrichen, was mich stilistisch beeindruckt hat, wäre in meine Ausgabe von Rehruf jetzt wohl mehr bunt hinterlegt als nicht. Es ist wirklich wahnsinnig schön geschrieben.
Die Charaktere haben mir ebenfalls unglaublich gut gefallen - auch, wenn mein neugieriges Leserherz sich fast schmerzlich nach mehr Infos und mehr Geschichten über die Leben der einzelnen Leute, die Rehruf bevölkern, sehnt. Sie waren ein bunter Haufen, sehr verschieden, klar definiert und (fast) alle sehr liebenswürdig. Es gibt so viele verschiedene Menschen, die hier eine Rolle spielen, aber für mich war es nie ein Problem, sie auseinander zu halten. Am meisten Liebe trage ich wohl für die kleine Frederike in mir, und ich glaube, ich muss nicht extra erwähnen, wie viel ich mit ihr auf die verschiedenste Weise gelitten habe.
Die Atmosphäre mochte ich ebenfalls sehr. Es ist der Autorin sehr gut gelungen, all die verschiedenen Emotionen, aus denen sich das Buch zusammenwebt, auf den Punkt zu bringen. Ich konnte Trauer ebenso gut nachfühlen wie Freude und Wut und Sehnsucht, ich habe alles mit den Charakteren zusammen gelebt und es war teilweise schön und teilweise schmerzhaft, aber immer wundervoll.
Was mir auch sehr gefallen hat, war, dass Rehruf ganz klar in Deutschland spielt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt jemals schon ein Buch dieses Genres gelesen habe, in dem das so war, und in dem sich das so wunderbar gut in die Geschichte eingefügt hat. Es hat so gut gepasst, und macht, dass ich einen Apell-Brief an alle deutschen Schriftsteller/-innen schreiben will, dieses Buch zu lesen und es dann genauso zu machen.
Ich mochte auch die Geschichte sehr, obwohl ich mir vor allem in der ersten Hälfte des Buches an manchen Stellen noch ein wenig mehr Zeit gewünscht hätte (Noch zehn Kapitel Frederike, bitte!). Zum Ende hin hat es dann allerdings wieder wunderbar gepasst, und ich hatte eigentlich nicht das Gefühl, dass irgendwas zu schnell gegangen wäre.
Ich weiß nicht, was ich noch sagen kann, außer, dass mir Rehruf wirklich sehr, sehr gut gefallen hat. Es hat mein Herz gebrochen und es dann ganz sanft wieder zusammengesetzt, und mich dabei in Worte gehüllt, die so schön waren, dass ich die Realität am liebsten nie wieder gesehen hätte.
Mir sind beim Lesen ein, zwei kleine (Tipp-)Fehlerchen aufgefallen (Dieses Mal habe ich mir auch gemerkt, wo und welche - ich schick dir gleich eine Nachricht, Julia!), aber wirklich nichts was den Lesefluss jetzt großartig gestört hätte.
Alles in allem wirklich eine große Empfehlung für dieses Buch!