Ada schläft kaum noch, seit sie nach ihrer Endometriose-OP Medikamente nimmt. Sie lauscht den Geräuschen ihres Wohnhauses und erinnert sich zurü an den Sommer ihrer Jugend, den sie zusammen mit ihrer Cousine Lill in ihrer Heimat an der Ostseeküste verbringt. Die Tage sind bestimmt vom Perfektionieren des eigenen Körpers und der Begegnung mit Elja, die Adas Welt ins Wanken bringt. Doch mitten in diesem Jahrhundertsommer 2003 beginnt ein Schmerz, und mit ihm das Schweigen, das Ada zunehmend von ihrer Außenwelt trennt.
Paradise Beach ist ein berührender Coming-of-Age-Roman über die Erinnerung an einen flirrenden Sommer, der bis in die Gegenwart wirkt. Ein kunstvoll-melancholisches Debüt.
Der generelle Plot und der Schreibstil waren nicht so meins, aber als eine Frau, die von Endometriose betroffen ist, habe ich die Representation sehr geschätzt.
Erstmal top top top für die Endometriose-Repräsentation. Ich brauche mehr Bücher, die das zum Thema machen! Cover toll und sehr sommerlich, also eher Juni bis August lesen, würde ich sagen haha. Insgesamt hat es mich leider nicht so gecatcht, sowohl der rückblickende Sommer mit Adas erstem Crush, als auch die gegenwärtige Timeline nach der Endo-OP. Die Sache mit dem Hund fand ich ganz süß, aber der Hausfriedensbruch hat die Sache etwas unrealistisch für mich gemacht.
Das Thema Endometriose finde ich sehr wichtig und hier spielt es eine größere Rolle. Allerdings hätte ich mir ein paar mehr Erklärungen dazu gewünscht. Das Buch ist so geschrieben, als wüsste die lesende Person über die Grundlagen der Thematik Bescheid. Da das Buch immerhin ein Roman ist, fand ich das etwas schwierig. Die Geschichte wird in zwei Zeitlinien erzählt. Es gibt Abschnitte über Ada, in denen sie kaum schlafen kann, in ihrem Wohnhaus alles sehr detailliert wahrnimmt und sich gesundheitlich nicht gut fühlt und dann gibt es noch die anderen Erzählungen, in denen Ada 13 Jahre alt ist und einen prägenden Sommer erlebt. Beide Sichtweisen haben einen eigenen Stil und der Schreibstil fängt die unterschiedlichen Stimmungen gut ein. Manche Handlungen fand ich für das Alter etwas schockierend und nicht sehr realistisch. Vielleicht habe ich aber auch ein anderes Bild davon und viele 13-Jährige konsumieren solche Mengen Alkohol und Drogen, um sich auszuprobieren? Ich hätte das eher ein paar Jahre später eingeordnet. Ansonsten fand ich die Erzählungen passend, dem Alter entsprechend etwas dramatisch und nostalgisch. 3.25*
Vielen Dank an den Verlag "Eichborn" für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars über NetGalley. Diese Rezension ist meine freie Meinung in eigenen Worten.
In der Gegenwart verarbeitet Ada ihre Endometriose-OP. Während sie heute Zugriff auf Online-Foren und Google hat, hatte sie damals keine Ansprechpartnerin, selbst die Verwandten haben ihre Schmerzen abgetan und es wurde nicht darüber gesprochen. Trotzdem fand ich es erschreckend, dass man zwar auf digitale Foren zugreifen kann, diese aber nahezu die einzige Möglichkeit eines Austausches zu sein scheint und das auch nur aus eigener Erfahrung und kaum evidenzbasiert. Hier wirkte Ada auf mich so, als könnte sie das Thema noch nicht so ganz reflektieren. Darum haben mir noch ein paar Fakten, Zahlen und Infos gefehlt. Ich habe bei dem Roman etwas ganz anderes erwartet. In Flashbacks aus ihrer Jugendzeit werden die ersten Blutungen und Schmerzen beleuchtet. Hier hat mir gefallen, wie sensibel an das Thema herangegangen wurde. Die Flachbacks bilden größten Teil der Geschichte. Es geht um Adas Sommer, unbeständige Freundschaften und wie sich der Körper eines Teenagers verändert, ohne dass dieser wirklich damit umzugehen weiß. Ada wird mit allem allein gelassen, spricht aber auch nichts von sich aus an, weil sie nicht weiß, dass ihre Schmerz nicht normal sind. Der Coming-of-Age Teil hat mir richtig gut gefallen, wenn er auch etwas unabgeschlossen wirkte hinsichtlich der Nebenfiguren. In der Gegenwart habe ich mir mehr Fokus auf die Krankheit, ihr persönliches Erleben/Empfinden gewünscht, diese Szenen spielen (außer Spaziergängen mit dem Hund) ausschließlich in ihrem Zimmer. Das habe ich irgendwann als Eingesperrtsein im eigenen Körper interpretiert. Ebenso, wie ich den Nachbarn, durch den viel Spannung aufgebaut wurde, als Funktion für ihren Aufbruch betrachtet habe. Stellenweise konnte ich sie nicht nachvollziehen, z. B. als sie beim Nachbarn eingebrochen ist, um sich in Unterwäsche in sein Bett zu legen.
Der Schreibstil passt mMn. perfekt zum Plot: kurz, auf den Punkt gebracht, authentisch, ungeschönt, fast ein bisschen lyrisch.
Das Thema finde ich unheimlich wichtig. Ich bin mir nicht sicher, ob Leserinnen, die sich damit nicht auskennen, die gegebenen Infos reichen, um sich ein Bild zu machen. Und ob Betroffene mehr rausholen als ein "geht mir auch so". Allerdings handelt es sich ja um einen Roman und keinen Ratgeber. Ich kann gar nicht so recht in Worte fassen, was mir gefehlt hat. Generell mochte ich die Geschichte aber gern und sie ist hängen geblieben. Ich glaube, es liegt eher an meiner Erwartung zum Thema selbst.
So vielversprechend der Klappentext klingt, bin ich leider nicht richtig warm geworden mit dem Roman. Mir fiel es schwer, emotional mitzuschwingen – der Plot plätscherte über weite Strecken eher vor sich hin, ohne größere Wendungen oder Entwicklungen, die mich wirklich gepackt hätten. Auch die Protagonistin blieb für mich nicht richtig greifbar, was zusätzlich Distanz geschaffen hat. Zudem war für mich nicht immer ersichtlich, wann die Autorin zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt. Das kann durchaus als bewusster Kunstgriff verstanden werden, um ein Abdriften oder innere Zerrissenheit zu verdeutlichen – für mich hat es allerdings den Lesefluss eher erschwert. Ein wirklich wichtiger und stark umgesetzter Aspekt ist jedoch der Umgang mit dem Thema Endometriose. Die Auswirkungen auf das Leben und Empfinden einer Frau werden eindrücklich und sensibel dargestellt und geben dem Roman eine relevante, tiefere Ebene. Fazit: Ein ruhiger, sprachlich feiner Roman mit einem wichtigen thematischen Schwerpunkt, der mich emotional jedoch nicht ganz erreichen konnte. Für Menschen, die selbst an Endometriose erkrankt sind, kann dieses Buch jedoch eine gute Stütze sein und dazu beitragen, sich in der Literatur gesehen zu fühlen.
Es gibt nicht viele Romane über Endometriose. Paradise Beach ist einer davon: nicht nur ein coming of Age Roman, in dem Ada, ihre Cousine Lill, Elja und die anderen Jugendlichen ihre Körper, den Alkohol, und vieles mehr entdecken, sondern auch ein Roman in dem Ada ihre erste unfassbar schmerzhafte Periode bekommt. Im Grunde dreht sich das ganze Buch um den Schmerz! Er ist so eindrucksvoll beschrieben, und so einschränken für das Mädchen Ada, aber auch für die Erwachsene Frau Ada. In zwei Dimensionen - der Sommer am Strand in Adas Jugend und der schlaflose Sommer in der Stadt nach der Endometriose Operation, mit einem Nachbarn, der konstant komische Geräusche macht und aggressiv zu sein scheint, aber auch nie da zu sein scheint.
Während die junge Ada versucht, sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen, und sich vor der Welt zurückzieht, hadert die Erwachsene Ada mit ihrem Leben, der Schlaflosigkeit, und den Gedanken daran, dass sie nie ein positives Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Periode aufbauen konnte.
Ich finde das Buch unglaublich gut geschrieben und konnte es kaum weglegen.
Ich wollte dieses Buch UNBEDINGT lesen. Und bin auch sehr froh, dass ich es getan habe. :)
Die Geschichte spielt in zwei Zeitabschnitten, weil sich Ada nach ihrer Endometriose-OP in alten Erinnerungen verliert. Dabei habe ich besonders die Rückblenden geliebt und bin ganz schnell in Adas Jugendsommer versunken, in ihren Zweifeln, Sorgen und neuen Gefühlen. Der Schmerz und Scham rund um Adas erste Periode wird hier sehr gelungen dargestellt, genauso wie das Gefühl von Fremdheit im eigenen Körper. Bei all dem war die sommerliche Atmosphäre beinahe greifbar. Dazu mochte ich auch den Kontrast zu dem ersten Zeitstrang, in dem Ada in ihrer Wohnung isoliert und schlaflos herumtigert. Dass das Thema Endometriose in diesem Buch so zentral ist, fühlt sich wichtig und richtig an. Endlich mehr Sichtbarkeit für eine Erkrankung, die so viele Frauen betrifft!!
Bei all dem hat auch die poetisch-ruhige Sprache sehr gut funktioniert. Ich mochte besonders die Abschnitte, in denen die Sprachlosigkeit des weiblichen Schmerzes thematisiert wurde! Und auch die Beziehung zu Elja fand ich sehr interessant und schön beschrieben. :)
Brexendorf schreibt von weiblichem Schmerz, von Sehnsucht und vom Erwachsen werden. Dabei verschwimmt immer wieder die Grenze zwischen den Zeiten und die Grenze zwischen Wach sein und Träumen. Mit Ada als Protagonistin erschafft sie eine Figur, die voller Emotionen und verschachtelten Charakterzügen steckt, während man als Leser*in nach und nach dahinterkommt, was sie als Person geprägt hat. (Auch wenn man manchmal nicht genau weiß, wo in ihrem Leben man sich gerade befindet.) Und genau das macht dieses Buch so besonders. Die ungewöhnliche und sehr ergreifende, poetische Sprache schaffen einen Raum für Adas Geschichte, den ich nicht mehr verlassen wollte, nachdem ich einmal die Tür geöffnet hatte. Also bleibe ich einfach noch ein bisschen. Und das solltet ihr auch tun.