2⭐️ SPOILERWARNUNG!
Ich habe irgendwie ungewöhnlich viele Gedanken zu dem Buch, obwohl es jetzt nicht so vielschichtig war (und auch nicht sein soll, was völlig in Ordnung ist) 😄
Vorweg fand ich die Beziehung von Jonna und Mads wirklich toll erzählt. Obwohl ich (als lesbische Frau) oft Schwierigkeiten habe, mich in heterosexuelle Geschichten hinein zu fühlen, habe ich hier die Gefühle und Anziehung der beiden zueinander wirklich spüren und nachvollziehen können. Das fand ich wirklich super.
Ich lese oft mehrere Bücher nebeneinander und da das andere Buch, das ich zeitlich gelesen habe, thematisch extrem schwer und verschachtelt war, hat das Lesen von „Copenhagen Cinnamon“ sich immer ein bisschen wie Urlaub für mich angefühlt, haha.
Nun zu meinen Kritikpunkten:
1. Jobsuche/Konflikt mit Vater:
Werde ich alt, oder warum kann ich den Vater besser nachvollziehen als die Hauptfigur Jonna?! 😅 Girly Pop hat mir besonders am Anfang sehr „privilegierte/undankbare Göre“ gegeben. Mit 21 Jahren sich selbst Geld verdienen zu müssen, ist jetzt keine unfassbare Bürde in meinen Augen . Sie tut ja fast so als würde er sie in ein Internat abschieben. (Dass er sie aus ihrer Wohnung rausschmeißt, war wirklich übertrieben und das wird ja später auch von ihm so reflektiert und bereut.)
Wenn es ihr Traum seit jeher gewesen wäre, eine Tischlerausbildung zu machen, alles fine - ist es aber nicht und da kann ich ihren Dad auch irgendwie verstehen, dass er da unsicher ist und möchte, dass sie zumindest erstmal etwas „handfestes“ lernt. Sie hat sich ja schon viel ausprobieren können. Am wildesten finde ich in dem Zusammenhang, dass die Tischlerei dann wirklich nichts für sie ist und sie am Ende doch Jura studieren will?! Hä? Es fühlt sich so an, als habe die Autorin irgendwie einen Grund gebraucht, dass Jonna auf Krampf im Café anfängt, aber dass sie darin ihre Leidenschaft findet / oder in der Bar / oder im Modedesign (was ja auch nur sinnlos 12x erwähnt wird)? Nein, nein, es muss am Ende ja doch ein Job mit Prestige sein?! Ich verstehe irgendwie diesen Handlungsstrang nicht wirklich, aber gut. Schwamm drüber.
2. Misogynie überall?!
Ob es die „böse Stiefmutter“-Trope ist, oder die schlimme Betrügerin-Ex, oder die coole beste Freundin vom male-interest… keine dieser Frauenfiguren hat irgendeine Handlungsmacht und Tiefe fernab ihrer fest zugeschrieben Rollen. Sie haben nahezu keinen Dialog (wenn überhaupt) und bringen die Story (mehr oder weniger) nur durch ihre Existenz, aber nicht durch ihre aktiven Taten voran. Ich frage mich wirklich, was die Figur der Stina (beste Freundin von Mads) für einen Mehrwert hatte, außer dass Jonna zeigen konnte wie cool und uneifersüchtig sie ist und wie toll Mads ist, dass er eine beste Freundin hat, ohne romantische Anziehung. (🙄) Wenn Stina noch mehr Handlung bekommen hätte bzw. überhaupt mehr Charakter, dann hätte ich das auch wirklich cool als Repräsentation gefunden. So war sie nur Mittel zum Zweck und einfach eine verpasste Chance.
Mads selbst fällt mir auch immer wieder misogyn auf. Er judged zu Beginn alles, was kein klassischer Kaffee ist (@Mads: „Den Trend zu hassen ist auch nur ein Trend“ - Zitat Alligatoah) ~ OMG, du bist so anders, Pick me, love me, choose me~ *kotz. Er judged Jonna für einen Latte? „Das verwässert den Geschmack.“ Bruder, are you for real? Komm mal runter von deinem hohen mansplainer Ross.
Genauso beurteilt er später immer wieder Freya. In Jonnas Augen wird ihre beste Freundin uns immer wieder als krasse und erfolgreiche Karrierefrau beschrieben, die richtig was auf dem Kasten hat. Mads muss hingehen immer wieder erwähnen, wie „tussig / aufgetakelt“ sie aussieht und sich angeblich hinter einer „MakeUp Fassade“ versteckt. Ich möchte ihm ins Gesicht spucken?! Nur weil man MakeUp trägt, ist man nicht automatisch unsicher und warum muss STÄNDIG ihr Äußeres bewertet werden?! Bei keiner anderen Figur ist mir das so massiv (vorallem mit kritischen Bemerkungen) aufgefallen.
Da Letzteres auch nicht nochmal im Buch aufgearbeitet wird, geh ich mal davon aus, dass die Autorin okay mit diesen Bemerkungen ist. Schließlich sagt das der männliche love-interest, den wir ja mögen sollen und der es „ja nur gut meint“. Ich bin echt schockiert, dass das Buch von einer Frau geschrieben wurde. Da sollte auf jeden Fall noch etwas Reflexion in Bezug auf internalisierte-Misogyne sowohl bei ihr als auch beim Lektorat stattfinden. EXCUSE ME? Wir haben 2025 und nicht 2005.
Mads verhält sich in Bezug auf Jonna auch immer wieder EXTREM besitzergreifend. Das ist das einzige Negative, was mir in Zusammenhang mit dieser Beziehungsdynamik besonders aufgefallen ist. Er keift an einer Stelle seinen Freund an: „Fisch in deinen eigenen Gewässern“, obwohl sie 1. noch gar nicht zusammen sind und 2. auch nichts besonderes zwischen seinem Freund und Jonna passiert ist. Aber gut, dass er mit einer Frau befreundet ist, das macht ihn voll feministisch (🤡 merkste selbst mhm?!).
An einer anderen Stelle gaslighted er Jonna bewusst (wissen wir, weil wir ja seine POV auch lesen) und behauptet, sie hätte ihm nie einen PSL angeboten. Was sollte das? Soll ihn das irgendwie vielschichtiger machen?
3. Abgedrehte Storylines
Okay, aber warum müssen solche vermeintlich „cozy-romance“ Bücher manchmal die WILDESTEN Geschichten auf den Tisch zaubern?! Also kommt schon? Dass Jonna von ihrer Mutter mit 5 im Tivoli zurückgelassen wurde (obwohl sie ja einen Vater hat, zu dem die Mutter das Kind auch hätte bringen können?!), war einfach so absurd, dass ich nur lachen musste? Wenn das traurig und berührend sein sollte, hat es sein Ziel auf jeden Fall WEIT verfehlt. Da fand ich Mads (auch extrem wilde) Vergangenheit noch bewegender.
Ist es für manche Autor*innen nicht möglich, den eigenen Buch-Figuren mehr Tiefe zu geben, ohne sich eine Geschichte auszudenken, die ich mir auch mit 6 Jahren mit meinen Barbies hätte ausdenken können? Das hat ja teilweise wirklich schon Fiebertraum Potenzial. Von Knut, der sich eine whole-ass lebensbedrohliche Krankheit ausdenkt, damit Mads etwas hat, um das er sich kümmern kann, fang ich jetzt mal nicht an. 😅
Ich hatte das Gefühl, die Autorin hatte ganz viele Ideen, die einzeln bestimmt auch wunderbar funktioniert hätten. In dieses Buch aber ALLE Ideen reinzupressen, war in meinen Augen nicht die beste Idee und der Story nicht wirklich zuträglich.
Ich könnte noch ewig so weiterschreiben, aber das erspare ich uns jetzt.
Nun ja, offensichtlich hat mich das Buch sehr beschäftigt und auch wenn ich jetzt viele Kritikpunkte geäußert habe, muss ich trotzdem sagen, dass es mich auf jeden Fall unterhalten hat und ich auch eine Fortsetzung lesen würde.