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Schleifen

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Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In Otto Mandl, einem genialen Mathematiker, findet die junge Franziska ihren Seelenverwandten. Sie lernt, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Die beiden entwickeln eine absolute Sprachbesessenheit und forschen fortan und bis an alle denkbaren Grenzen gemeinsam nach der perfekten Sprache.

»Schleifen« ist ein großer, ein kluger Roman über die Macht und den Einfluss von Sprache auf unser Leben, der richtig Spaß macht beim Lesen. Immer wieder stellt sich bei Elias Hirschl das schier Unglaubliche als wahr heraus, und der Rest ist extrem gut erfunden.

418 pages, Kindle Edition

Published January 27, 2026

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About the author

Elias Hirschl

15 books23 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 30 of 30 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,192 followers
February 13, 2026
I'm not sure what Elias Hirschl was on when he wrote this novel, but I want some, too! "Schleifen" (Loops) refers to the narrative, structural and aesthetic principle of the text, which is the Möbius strip: Characters, story lines, motifs, etc. appear, disappear, and re-appear, it's an endless and disorienting mise en abyme. But fear not, the author also gives us a plot - well, kind of: Our protagonists are linguistic philosopher Franziska Denk and her mathematician friend Otto Mandl who aim to create a universal language to encompass everything there is and solve all of humanities' problems. While these two eccentrics are fictional, the story is set around the real Vienna Circle of philosophers and other scientists.

The whole text ponders the power of language: Does it reflect and/or create reality? It's the real deal for every semiotics freak: What happens in the gap between signifier and signified (hello, Ferdinand de Saussure), who determines the conventions of sign and meaning? And Hirschl pushes the boundaries further and further: He ponders languages and plays with fake sources (much like his Austrian compatriot Clemens J. Setz in Die Bienen und das Unsichtbare and Indigo), he questions human relationships and how we shape them with words (not unlike Catherine Lacey in The Möbius Book), indulges in excessive and absurd footnotes (hello, David Foster Wallace), and overall provides a veritable companion piece to Laurent Binet's The Seventh Function of Language.

The overflowing love for language games, puzzles, and eccentric scenes leads to outright surreal subplots, like that of tofu salesman Ang Gurong who is destroyed by unexpected fame. Text forms oscillate, there are ideas over ideas over ideas in a maze-like structure without escape. Language morphs and transforms, once spoken, it becomes a reality, but it can also be manipulated and eradicated, and with it the reality it once referred to.

This is a very ambitious novel, and it requires a reader who is ready to work for a rewarding experience. There is so much going on, it's both overwhelming and playful. Not easy to to conquer, but what a view from the top!

You can listen to the podcast gang discuss the novel (in German) here: https://papierstaupodcast.de/podcast/...
147 reviews7 followers
February 9, 2026
Jedes Wort ein Symptom

„Schleifen“, der neue Roman von Elias Hirschl, erschienen 2026 im Paul Zsolnay Verlag, ist ein Buch, für das ich ganz sicher nicht die richtigen Worte finden werde – und irgendwie ist das sehr passend. Was für ein Autor! Wie konnte ich ihn bisher komplett übersehen? Ich muss jetzt unbedingt alles von ihm lesen. So viel sei direkt gesagt: „Schleifen“ ist kein Buch, dass man mal eben nebenher liest, hier liegt ein unglaublich intelligenter Roman vor, der mit jeder Seite noch intelligenter wird, ich würde schon sagen, es ist ein Intellektuellen-Roman, zumindest sollte die lesende Person sich darauf einlassen, eine ganz neue Liebe zur Linguistik zu entdecken – aber da Hirschl auch einen wirklich großartigen Humor hat, ist das Buch zu keinem Zeitpunkt anstrengend. Nur ohne Liebe zur Sprache und Bock auf Gedankenakrobatik geht es nicht.

Zum Inhalt – hahaha, nein, es tut mir leid, das ist wirklich nicht möglich, den Inhalt auch nur im Ansatz wiederzugeben, zu genial ist die Welt, die sich Elias Hirschl hier ausgedacht hat. Formal besteht das Buch aus drei Teilen, Schleifen (um die geht es viel), Wodot (oh ja, darum geht es auch viel) und Jim Blum (um diese Person geht es quasi unendlich viel). Innerhalb dieser Teile erleben wir wohl alle möglichen Textformen wie beispielsweise Brief, Essay, Vortrag, Reportage, Fußnoten, Roman – ja richtig gehört, natürlich schreibt Hirschl auch einen Roman im Roman, wie er auch eine kafkaeske Geschichte über Kafka schreibt, mit der er Kafka natürlich dekonstruiert, um ihn zeitgleich neu zu erschaffen, ach, ihr merkt schon.

Es geht um Sprache. Es geht um Mathematik. Es geht um die Frage, ob Sprache eigentlich mathematisch ist. Oder unendlich? Ist die Unendlichkeit endlich? Wenn wir sie doch nur mit Worten beschreiben können? Und was hat das alles mit einem Hamster zu tun?

Eigentlich geht es um Franziska Denk. Sie bekommt alle Krankheiten, mit denen sie sprachlich konfrontiert wird. Natürlich nicht wirklich, symptomatisch aber schon. Es geht um die Macht von Sprache und wie sie uns ermächtigt. Oder wie wir Macht über die Sprache erlangen können. Es geht um die Frage, wie sehr Sprache unsere Welt konturiert und gestaltet, während wir noch denken, dass sie nur das Abbild der Welt wäre. Es geht um Plansprachen, so ein spannendes Thema! Und ihre Unmöglichkeit. Es geht auch um die vielen großen Denker wie Gödel oder Wittgenstein, es geht um den Salon, es geht um Frauen in der Wissenschaft, es geht um Liebe und um Wahnsinn, immer wieder geht es um Babel, es geht irgendwie auch um die große Sehnsucht, mit der Sprache ein gemeinsames Wir zu formen auf der Welt, es geht um Identität. Es geht vielleicht ganz einfach um den Irrsinn, diese Welt begreifen und beschreiben zu wollen, auch wenn die Welt viel größer ist als der Mensch, weshalb der Versuch nur scheitern kann.

Das alles geschieht natürlich eingebettet in das Leben von Franziska Denk, die in Otto Mandl, dem Mathematiker, ihr scheinbares Gegenstück findet und eine Art Sekte gründet, die wie alle Sekten nichts Geringeres anstrebt als die Weltherrschaft – durch Sprache. Und es liest sich so unglaublich herrlich! Hirschl muss einen enormen Rechercheaufwand betrieben haben – oder er ist einfach einer dieser Menschen, die unfassbar viel wissen. Gekonnt mixt er durchweg historische mit fiktiven Persönlichkeiten und letztere stattet er so plausibel mit Vita aus, dass es kaum möglich ist, Fakten und Fiktion zu trennen. Dabei zieht auch sein Schreiben immer wildere Schleifen, die man einfach nicht mehr verlassen kann und selten habe ich bei einem Roman voller Wissenschaft so oft laut aufgelacht. Am Ende des Romans war ich mir nicht mehr sicher, ob ich jemals wieder einen Satz gerade rausbringen kann – aber sind wir nicht alle ein bisschen Jim Blum?

Ich gebe es jetzt auf, dieses Buch, das ein ganzer Kosmos ist, beschreiben zu wollen. IHR MÜSST DAS LESEN. An diesem Buch führt kein Weg vorbei. Möge es Preise regnen für Elias Hirschl.

Ein großes Dankeschön an vorablesen.de und den Paul Zsolnay Verlag für das Rezensionsexemplar!

Profile Image for Janina.
890 reviews82 followers
February 12, 2026
SCHLEIFEN hat mich sofort angesprochen, weil im Klappentext von Sprache und Krankheit die Rede ist und ich die Leseprobe durch die humorvolle Art mochte. Leider hat sich das nach und nach von positiv in neutral und dann in negativ gewandelt, es fühlte sich zäh und langatmig an. Die interessanten Teilabschnitte waren zu kurz, der Rest zu lang und absurd für meine Verhältnisse. Schleifen hat sich für mich gleichzeitig zu ernst und nicht ernst genug genommen lol. Teilweise hat mich die Erfahrung beim Lesen daran erinnert, als ich Julia Friese's Delulu, Italo Calvino's If on a Winter's Night a Traveler, Barbi Markovic's Minihorror und Elina Penner's Die Unbußfertigen gelesen habe. Für mich zu viel Rückkopplung, Über-Erzählung, Satire, die für mich nicht zündet. Die vielen Anagramme haben mich schnell gestört, weil es zu spät behandelt wurde und ich da schon die Nase voll von diesem Stilmittel hatte. Es hätte gerne 100 Seiten kürzer, weniger konstruiert und bunt sein können, damit es halbwegs Spaß und Sinn macht. Auf der Rückseite wird Schleifen ein Ideenroman genannt und da würde ich sogar mitgehen: es ist ein Ideenroman, aber kein Umsetzung-Roman oder Antworten-Roman. Vieles wird aufgemacht, aber für mich nicht zufrieden erzählt.

tw/cw: alles mögliche - Tod, Mord, Massenhysterie, Krankheiten aller Art, Verbrennung, Bücherverbrennung, Essen von Papier/Büchern, Verschwörungstheorien, Suizidbomber, Koma, Krankenhaus, Medical Malpractice, Wahn/Halluzinationen, Massaker etc.
Profile Image for Bücherwolf.
170 reviews12 followers
March 24, 2026
Mein erster Satz über diesen Roman muss einfach der Folgende sein: "Schleifen" ist das abgedrehteste Buch, das ich je gelesen habe!

In der ersten Hälfte des Buches war ich wie gelähmt von dieser Genialität und der Ideenvielfalt, die in diesem Roman steckt. Ich habe mich wirklich gefragt, warum dieses Buch nicht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert wurde. Doch leider hat mir die zweite Hälfte des Buches die Antwort darauf gegeben.

Im Mittelpunkt dieses komplexen Romans stehen die Leben Franziska Denks und Otto Mandls. Franziska leidet bereits seit ihrer Geburt an einer eigenartigen Krankheit: Jede Krankheit und jedes Symptom, von dem sie hört, kriegt sie. Sei es Schnupfen, die Pest oder Lepra. Natürlich ohne die Tödlichkeit. Als junge Erwachsene lernt sie den Mathematiker Otto Mandl kennen und zusammen entdecken sie eine Obsession, die sie bis an ihr Lebensende in den Wahnsinn treiben wird: Sie wollen die perfekte Plansprache kreieren. Und schon bald überschlägt ein Ereignis das nächste und man weiß nicht mehr, wo oben und wo unten ist.

"Schleifen" ist wohl einer der durchdachtesten Romane, die in den letzten Jahren im deutschen Buchmarkt erschienen sind. Elias Hirschl spielt (bis ins Extremste) und philosophiert über die Macht und Struktur der Sprache. Er baut sie gänzlich auseinander, erfindet sie neu und entwickelt ein vierdimensionales, unvorstellbares Bild der Sprache als Kommunikationsmittel. Wirklich genial.

Doch leider verliert der Roman ab der Hälfte an Glaubwürdigkeit, Sinn und Tiefe. Die herausragenden Ideen, die zu Beginn quasi aus allen Seiten heraussprudeln, werden ab dort nur noch zu leeren Gedanken ohne Halt an der Handlung. Teilweise finden sich etliche Kapitel ohne Sinn und Zweck, die zwar irgendwie zum Gesamtkonzept passen, das Lesen jedoch irrelevant machen.

Trotz der Kritik ist dieser Roman eine erfrischende und unterhaltsame Abwechslung zwischen den sonst so ernsten Büchern unserer Zeit. Elias Hirschl legt spielerisch dar, wie Sprache unsere Welten schafft und begrenzt, während er versucht, genau diese Grenzen zu sprengen.

Ein durchdachtes Gedankenkonstrukt, das ich allen Sprachliebhabern empfehlen kann!
Profile Image for Margarita.
50 reviews
February 17, 2026
Nach ein paar Kapiteln wusste ich: Dieses Buch zu reviewen wird eine Herausforderung. Und jetzt sitze ich hier und es ist genau so gekommen und ich versuche, mein Gedankenwirrwarr zu ordnen. Fest steht: „Schleifen“ ist absolut nicht für jeden was. Aber wer mutig ist, sich auf unkonventionelle Erzählweisen und irrwitzige, fast schon philosophische Gedankenexperimente einlassen kann, und ein gehöriges Interesse für Sprachwissenschaften mitbringt, bitte lest es! Ihr werdet es nicht bereuen.
Mein größter Kritikpunkt vorweg: Der Aufhänger mit den Krankheiten vom
bloßen Hören wird nach ein paar Seiten essenziell irrelevant. Schade, da ich dieses Konzept total faszinierend fand. Aber keine Sorge, mit originellen Ideen bleibt man nicht auf der Strecke.
Der erste Teil spielt viel mit Sprache und ihren Möglichkeiten und Grenzen und ist dabei unerwartet humorvoll. Ich sag nur Tofuverkäufer, der Hamster und Estland. Für mich als Sprachnerd ein Genuss und mein Highlight des Romans. Im ersten Teil könnte noch der Eindruck erweckt werden, dass man es hier mit einer willkürlichen Aneinanderreihung von Kapiteln zu tun hat, aber ich finde, ab der zweiten Hälfte kommt mehr Plot im klassischeren Sinne rein. Allerdings wird man ab da auch ins komplette Chaos gestürzt. Man könnte sagen, das nobverbalistische Manifest nimmt Form an… oder wohl eher: verliert jegliche Form ;) Mein kleines Hirn hat bei diesen gefühlt 45 Meta-Ebenen ein neues Bewusstseinslevel freigeschaltet, glaube ich.
Es ist für mich völlig unfassbar, dass sich ein einzelner Mensch so eine Geschichte ausdenken kann. Ich sag’s, wie’s ist: Elias Hirschl ist für mich ein Genie.
Ich verstehe alle, die „Schleifen“ so gar nichts abgewinnen können, aber für mich war es ein Volltreffer! Das wird nicht mein letzter Roman von Hirschl bleiben.
Profile Image for Franziska Dreßler.
152 reviews1 follower
January 31, 2026
Elias Hirschls Schleifen ist eines dieser Bücher, bei denen man sich ziemlich schnell fragt, ob man selbst das eigentliche Problem ist. Der Roman ist hochintelligent, theoretisch aufgeladen und so ambitioniert, dass man sich beim Lesen fühlt, als würde man geistig barfuß durch ein CERN-Labor laufen – beeindruckend, aber schmerzhaft und maximal überfordernd.

Dabei ist die Grundidee eigentlich großartig: Franziska leidet an einer seltenen Erkrankung, durch die sie jede Krankheit körperlich spürt, sobald sie davon hört oder liest. Sprache wird für sie zur Gefahr. Gemeinsam mit dem Mathematiker Otto versucht sie deshalb, eine perfekte, eindeutige Sprache zu entwickeln – ein faszinierender Ansatz zwischen Wissenschaft, Philosophie und Literatur. Leider verliert sich der Roman immer wieder in sehr verworrenen Nebenhandlungen, die das ohnehin anspruchsvolle Gedankengebäude zusätzlich vernebeln.

So klug Schleifen auch ist, emotional hat es mich kaum erreicht. Schmerz, Nähe und Verzweiflung bleiben überraschend kühl, fast steril. Am Ende bleibt mein Eindruck eines extrem schlauen Buches, das viel weiß und viel denkt – und mich dabei konstant ein bisschen dumm fühlen lässt. Bewundernswert, ja. Verstanden? Leider eher nicht.
Profile Image for Steph.
19 reviews
January 22, 2026
Das Buch von Elias Hirschl ist ungewöhnlich. Die Geschichte beschreibt und begleitet die beiden fiktiven Figuren Franziska Denk und Otto Mendl. Beide beschäftigen sich mit der Entwicklung einer weltweiten einheitlichen Verallgemeinerung bzw Vereinheitlichung – einmal auf sprachlicher Ebene, einmal auf mathematischer Ebene. Wobei beide Teilbereiche ineinandergreifen. Die Ausarbeitung der Figuren ist unglaublich realistisch und beim Lesen kamen mir wirklich Zweifel, ob es die beiden Charaktere nicht doch gegeben haben könnte – eine perfekte Illusion, welche sich in das Zeitgeschehen von etwa 1930 bis 2006 einordnen. Die Geschichte wird allerdings immer verworrener und erinnert an Kafka – welche auch Handlungsthema ist. Einen wirklichen Ausgang oder finales Ergebnis der dargebrachten Theorien gibt es nicht, wobei diese Ansätze somit auch die Form eines Möbiusband hätten. Eine fortlaufende, nicht endende Schleife.
Als Leser empfand ich den Roman als zeitweise schwierig. Man muss es mögen in sprachwissenschaftliche und/oder Mathematische Theorien und Forschungsansätze seitenweise abzutauchen. Stellenweise fühlte ich mich in mein Studium und den Literaturrecherche zurückversetzt. Die Anfangsgeschichte von Franziska, welche Symptome von Krankheiten und Befindlichkeiten entwickelt, wenn sie von diesen liest oder hört, spielt im Laufe des Buches keine Rolle mehr. Auch die Auswirkungen dessen oder die Heilung bleibt im Dunkeln und ist wenig relevant. Stärker Auswirkung scheint der Beruf des teils abwesenden Vaters gehabt zu haben.
Für mich persönlich war es ein interessantes Buch, da ich den Autor bis dato nicht kannte. Unglaublich, wie die Figuren und die Welt in diesem Buch ausgearbeitet sind. Für mich ist das ganz große Handwerkskunst einen Roman so zu schreiben. Vermisst habe ich im Roman hingegen eine gewisse Leichtigkeit und auch von Humor ist keine Spur, Sarkasmus gibt es. Von der persönlichen Lebensgeschichte von Franziska und Otto bekommt man eigentlich recht wenig mit. Zeitweise empfand ich es als unglaublich anstrengend mich von Theorie zu Theorie weiter zu denken. Mit Sicherheit ist es kein Buch, welches man innerhalb 3 Stunden lesen kann. Insgesamt ist das Werk, wie der Titel es sagt, eine in sich verdrehte Schleife.
Profile Image for Kathrin .
184 reviews34 followers
February 12, 2026
Beim Lesen von Schleifen hatte ich immer wieder das Gefühl, weniger einen klassischen Roman in der Hand zu haben als ein literarisches Gedankenexperiment. Elias Hirschl erzählt keine geradlinige Geschichte — vielmehr bewegt sich der Text in Schleifen, springt zwischen Ideen, Szenen und Reflexionen und verzichtet bewusst auf eine klare, lineare Handlung. Das kann irritierend sein, wirkt aber zugleich konsequent, weil Form und Inhalt eng miteinander verbunden sind.

Gerade diese experimentelle Struktur hat mich ambivalent zurückgelassen. Einerseits fand ich es spannend, wie der Roman mit Sprache, Wahrnehmung und Denken spielt und immer neue Denkanstöße liefert. Andererseits erschwerte die fragmentierte Erzählweise den Zugang zu Figuren und Handlung, sodass emotionales Mitfiebern oft in den Hintergrund tritt und kein klassischer Spannungsbogen entsteht.

Auch stilistisch verschwimmen die Grenzen: Erzählerische Passagen gehen in essayhafte Überlegungen über, was die zentrale Frage aufwirft, ob Schleifen überhaupt noch als Roman im traditionellen Sinne gelesen werden kann — oder eher als bewusst gestaltetes Gedankenspiel über Sprache und Erkenntnis. Für mich liegt der Reiz genau in dieser Unentschiedenheit, auch wenn sie das Lesen stellenweise recht anstrengend macht.

Zugleich ist Schleifen keine leichte Lektüre für zwischendurch. Der Roman verlangt Konzentration und Bereitschaft, sich auf komplexe Gedankengänge einzulassen, weshalb er meiner Meinung nach eher für erfahrene Leserinnen und Leser geeignet ist als für ein schnelles, unkompliziertes Lesen. Und keine klassische Abendlektüre darstellt. Ich hab es immer mal wieder vorm Schlafen gehen gelesen und gemerkt, dass der Roman sich dafür nicht unbedingt eignet.

Insgesamt habe ich Schleifen als originelle, herausfordernde Lektüre erlebt, die weniger durch Handlung als durch Ideen überzeugt.
Es gab echt einige sehr witzige Kapitel, bei denen ich laut loslachen musste.
Wer aber klare Story erwartet, könnte enttäuscht werden — wer jedoch Freude daran hat, sich auf ein experimentelles literarisches Spiel einzulassen, findet hier ein ungewöhnliches Buch.
Profile Image for MaggyGray.
674 reviews32 followers
February 27, 2026
Zwei plus Zwei ist nicht Fünf – aber why not eigentlich?

„Schleifen“ von Elias Hirschl ist ein wilder Ritt durch die Sprache und was mit ihr möglich ist – oder eben auch nicht.
Dabei ist der Klappentext nur bedingt aussagekräftig – wer eine Geschichte über Franziska Denk und Otto Mandl erwartet, die versuchen, durch eine Universalsprache das rätselhafte Leiden von Franzisa zu kontrollieren, wird im Verlauf des Buches enttäuscht werden. Oder freudig überrascht – wenn man sich auf die Denkansätze, Spielerein, historische Abrisse und Absurditäten einlässt, die Hirschl bezüglich von Sprache anstellt. Auch der direkte Bezug zur Mathematik wird nicht nur durch Otto Mandl hergestellt, sondern auch durch Sprachversuche, die darin bestehen, jedem Wort und dessen Formen je einen bestimmten Ausdruck zu geben, sodass jeder Zustand in einer eindeutigen Buchstabenabfolge dargestellt werden kann, ähnlich einer mathematischen Gleichung.

Elias Hirschl hat einen sehr intelligenten und ausschweifenden Roman geschrieben, der vor keiner Absurdität zurückschreckt – eine obskure Sekte, Außerirdische, eine auf einer Kreisverkehrinsel gestrandete Menschen – dabei bleibt die eigentliche Geschichte zwischen Franziska Denk und Otto Mandl eher im Hintergrund. Stattdessen gibt es sehr viel Eintauchen in die Sprache, was diese vermag und wie man auch an ihr scheitern kann. Deshalb ist dieses Buch wahrscheinlich eher ein Wortschmökerbuch, als eine stringente Geschichte.

Mir hat sie sehr gefallen!
Profile Image for Manuel.
69 reviews10 followers
February 21, 2026
Schleifen von Elias Hirschl ist ein ganz besonderer Roman. Schlau komponiert reißt der Spannungsfaden der Geschichte kaum ab.

Franziska Denk und Otto Mandl, zwei vermeintlich große Denker*innen (man könnte stellenweise fast meinen, die beiden gab es wirklich), lösen Mathematik und Sprache aus unterschiedlichen Ecken. Und doch geht es in beiden Fällen um Bedeutung und Sprachentwicklung. Das Zusammenspiel von Mathe und Logik gefiel mir sehr.

Entgegen meiner Erwartung spielte Franziskas Krankheit fast keine Rolle mehr. Dafür war die Kritik an Religion ein Leitthema.

Die intellektuellen Passagen über die Lösung mathematischer Probleme oder komplizierte sprachliche Phänomene haben mich teilweise etwas verloren. Die humorvollen Passagen über teils kuriose Sprachentwicklungen verstand man hingegen auch ohne Sprachwissenschaftsstudium und waren zum schmunzeln.

Das Buch hinterlässt mich nachdenklich. Elias Hirschl schaffte wirklich ein schlaues Buch, für alle, die philosophisch und sprachwissenschaftlich nicht alles so ernst nehmen :-)
Profile Image for Fay.
27 reviews1 follower
February 2, 2026
Hab schon lang nicht mehr so gelacht und wurde dabei so gut unterhalten.
65 reviews1 follower
February 20, 2026
Anspruchsvoll und radikal und gerade deshalb lesenswert!

Eigentlich kann man Sprache und Worte allein gar nicht verwenden, um diesen multifaktoriellen Roman zu beschreiben. Ich sitze an dieser Rezension und da ist Leere. Aber eine gute Form von Leere. Alles dreht sich, alles wiederholt sich, alles ist eins. Oder eben Null… oder 10hoch10hoch10hoch32 oder so.

Wenn man sich an irgendetwas festhalten will, um den Inhalt dieses Romans darzulegen, dann wahrscheinlich am ehesten an Franziska Denk und Otto Mandl. Die Geschichte setzt in den früher 1930er Jahren in Wiens Salons ein, in denen sich die zeitgenössische Elite der Philosophie und Wissenschaft treffen. Schon als Kind nimmt Franziska daran teil, erleidet allerdings krankheitsbedingte Zusammenbrüche, da sie jedes Symptom, von dem sie liest oder hört, sofort selbst ausbildet. Ihre Jugend im US-amerikanischen Exil wird sehr einsam sein, ebenso wie die von Otto, der als Kind, getrennt von seinen Eltern nach Großbritannien verschifft wurde. Sie finden über eine Brieffreundschaft zueinander und werden ein Leben lang miteinander verbunden sein. Aber um ehrlich zu sein, ist dies nur eine sehr, sehr lose Rahmenhandlung, die mit dem vorliegenden Roman eigentlich nicht viel zu tun hat.

Eigentlich geht es hier um Sprache und Mathematik, um Philosophie und Wissenschaft. Jedes Kapitel - eigentlich jede Seite - bringt neue Überraschungen bezüglich ebenso hoch anspruchsvoller Theorien und mitunter im selben Atemzug schreiend komische Ideen. Hier wird die Welt aus dem Nichts hergeleitet und sie verschwindet auch im Nichts. Denn Franziska Denk (oder das Konzept Franziska Denk) wird mit Otto eine Sekte gründen, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat mithilfe von Philologie und Mathematik erst eine gänzlich neue Sprache und letztlich die Auslöschung der Sprache voranzutreiben. Dabei kommt es zu aberwitzigen Beschreibungen, die man selbst gelesen haben muss, denn eine nachträglich Verschriftlichung in einer Rezension entbehrt jeder Logik und jedem Sinn.

Klingt jetzt alles sehr kryptisch. Ist es auch!

Neben den vielen beschriebenen Theorien aus verschiedenen Disziplinen, die es zu verstehen gilt, oder eben nicht, wird die virtuose Verflechtung von Fiktion und Realität (Was ist das überhaupt? Fragt man sich während und nach der Lektüre.) zu einem anspruchsvollen Bestandteil des Schreibens von Elias Hirschl. Versucht man zu Beginn noch beides auseinanderzuhalten, lässt man sich im Verlauf des Romans immer weiter von den Schleifen der Geschichte davontragen.

Mir persönlich hat die erste Hälfte des Romans, welches den „Teil 1“ ausmacht am besten gefallen. Hier konnte ich mich in verschiedenste Theorien und Gedankenspiele vertiefen, lachte immer wieder laut auf und war begeistert von Hirschls Schreiben und Geistesinhalte. Ab „Teil 2“ und auch im abschließenden „Teil 3“ des Romans kumulierten sich die Längen. Hirschl setzt das um, was er auf Seite 340 schreibt:

„All die verschiedenen Konzepte. All die Begriffe, die sich vor ihren Augen auflösten. Vielleicht verhielt es sich ähnlich mit den Quellen. Vielleicht machte es keinen Unterschied mehr, wo eine Information herkam, wie die Biografie einer Idee aussah. Alles war unübersichtlich, löchrig, brüchig geworden.“

Und so wird auch die Welt, in der „Schleifen“ spielt immer unübersichtlicher, löchriger und brüchiger. Alles löst sich auf, beginnend mit der Sprache.

Elias Hirschl beherrscht definitiv die Sprache. Und auch vieles mehr. Ich empfand den ersten Teil des Romans brillant, den Rest sehr gut, wenn auch „schleifend“. Genau das ist sicherlich gewollt, war mir dann aber ein Tacken zu viel. Letztlich kann ich nur empfehlen, mutig zu sein, und sich an diesen Roman heranzuwagen. Es gibt unendlich (oder annähernd unendlich, nicht zählbar) viele Perlen zu entdecken. Und Schleifen sowieso!

Ich habe selten einen so fordernden Roman gelesen, der gleichzeitig beim Lesen so viel Spaß gemacht hat. Bis auf kleine Längen wirklich ein Erlebnis.

4/5 Sterne
Profile Image for Karola.
858 reviews7 followers
January 27, 2026
Teils pseudo-wissenschaftlich, teils dystopisch!
Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, um 180 Grad verdreht, miteinander zusammenklebt. Cover und Buchtitel überzeugen. In drei Teilen geht es um das Bemühen, eine vom Menschen künstlich erschaffene Universalsprache zu schaffen, eine universelle philosophische und wissenschaftliche Sprache. Wird in Teil 1 zunächst die babylonische Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel erwähnt, dann mit dem Logiker Kurt Gödel, dem Physiker Moritz Schlick oder dem Philosophen Ludwig Wittgenstein an den Wiener Kreis erinnert mit ihren Plansprachen-Ideen mit Bezug auf John Wilkins erster Vision einer universalen Sprache. Spielt die Szenerie mit der kindlichen Hauptfigur Franziska Denk in Wien um 1930, erfolgt während der NSDAP-Zeit ein Wegzug vieler Mitglieder dieses Kreises. Das junge Mädchen reagiert auf sprachliche Äußerungen, als wären sie real. Erfährt sie z.B. Einzelheiten über eine Pesterkrankung, beginnt Franziskas Haut schwarze Blasen zu werfen. Auch nach dem Umzug nach Rhode Island leidet sie aufgrund dieser Kondition an Sozialkontakten, bringt sich selbständig mehrere Sprachen bei, desensibilisiert sich schließlich selbst mit ausgestorbenen Begriffen, quasi mit einem Impfstoff aus toten Wörtern. Mit dem tragischen Ableben der Eltern wird sie den Behörden überlassen mit 17 Jahren. Durch den jahrelangen Briefkontakt ab Herbst 1948 mit dem 14-jährigen Otto Mandl, der in England bei seiner Tante in Sicherheit vor Hitlers Schergen ist, verändert sich auch Franziskas Leben. Durch seinen Vater ist Otto mit Wissenschaft aufgewachsen und sein Traum ist es, die gesamte Wissenschaft auf einen neuen philosophischen Boden zu stellen. Zum Studium in Berlin ziehen sie zusammen, sie inskribiert für Sprachwissenschaften und Germanistik, er für Mathematik. Beide entwickeln eine dynamische Plansprache namens Litæ mit Orientierung an der Struktur der tatsächlich gesprochenen Sprache, sie bleibt lebendig und wandelbar. Der bisherige pseudo-wissenschaftliche Charakter im Roman verliert sich mehr und mehr. Anstatt den festgeschriebenen Regeln der Wörterbücher zu folgen, endet deren gemeinsames Projekt in einer komplizierten Objektsprache. Man entwickelt diese Sprache mit dem Ziel, die Welt in all ihren Details akkurat abzubilden, und nicht, um sie praktisch in Alltagssituationen einsetzen zu können. Ab den Gesprächen beim jährlich stattfindenden Objektsprache-Kongress entwickelt der Roman Kafkaeske Züge. Der zunehmende Eindruck, dass Franziska dem Wahnsinn verfällt und sich nicht nur in einer neuen Sprachwelt aufhält, verstärkt sich im zweiten Teil in Wodot, einem Staat bei Rom. Utopische Ideen werden hier lebendig, während Otto sich in Japan nach einem Kongress in einem großen Kreisverkehr verliert. Im dritten Teil expandiert das einst durch Sprache hervorgerufene Chaos weltweit, weit ab vom Normalen. Kafkas Welt mit seinem Werk Der Prozess wird eingeflochten in die Arbeit des Literaturarchivs in Marbach. Nachdem sich viele Begriffe auflösen, hat dies einen überzeugenden Effekt auf die allgemeine Weltlage. Der Autor regt mit seinen Metaphern, Allegorien und utopischen Bildern sicher an, über den Stellenwert von Sprache nachzudenken.
Nicht ganz leicht zu schluckender Lesestoff.
478 reviews1 follower
February 19, 2026
Interessanter Beginn, denn einem Menschen, der auf eine Krankheit mit Symptomen reagiert, nur wenn man die Krankheit anspricht, habe ich so noch nicht gelesen. Doch das ist Franziska Denk geschehen. Sie wird beschützt in dem niemand über Krankheiten spricht und sie stellt fest, dass es besser wird, wenn die Krankheiten in fremden Sprachen gesprochen werden. Ihr Vater ist ein Wissenschaftler, der Sprachen sammelt und sie auf seinen Expeditionen aufschreibt und seiner Tochter schickt. Sie wächst auf in Wien der 40er Jahre und trifft dort auf den Mathematiker Otto Mandl, mit dem sie nun auf ihrem Lebensweg begleitet. Als ihr Vater tot am Strand von Wannata aufgefunden wird und sein Tagebuch an sie geschickt wird, entdeckt sie den Namen Jim Blum, der sie ihr ganzes Leben ebenfalls begleiten wird.
„Schleifen“ von Elias Hirsch ist ein Roman um ein fiktives Paar und begleitet deren Lebensweg bis in die 2020 Jahre. Das Cover ist nicht sehr aussagekräftig und auch der Tirel Schleifen hat mir lange ein Rätsel aufgegeben und ich bin mir nicht sicher, ob ich es richtig entschlüsselt habe. Das fiktionale Paar Franziska Denk und Otto Mandl ist tief in ihren jeweiligen Wissenschaften verstrickt. Franziska Denk beschäftigt sich hauptsächlich mit der Sprache und nicht nur damit auch der Ausdrucksweise von Sprache. Otto Mandl hingegen ist Mathematiker und sein Fachgebiet sind mathematische Herausforderungen. Spätestens hier fliegt der Roman an mir Unwissenden vorbei. Manche der Theorien sind einfach zu hoch für mich. Doch manches ist hängengeblieben an den Themen, die im Buch aufgeführt werden und das sind sehr viele. Es ist wie ein Ritt durch alles, was in der Philosophie und der Religion angesagt ist. So verwundert es nicht, dass auch der Papst Eingang findet und auch Franz Kafka Eingang findet. So verwundert es auch nicht das Denk eine eigene Sekte gründet. Eine Person habe ich noch gar nicht erwähnt ist Franka Senzik, die ihr ganzes Leben auf den Spuren von Franziska Denk verbringt und sie auch immer wieder mit ihren Fragen kontaktieren will. Na ja, und dann ist da noch der früh auftauchende Jim Blum, der immer wieder auftaucht und auch zum Ende noch da ist, und zwar stärker als je zuvor, denn man spricht auch schon von Verblumung. Nicht zu vergessen, der Autor baut auch Kontakte zu Außerirdischen ein.
Am Schuss bleibt erst einmal festzustellen, dass dieses Buch eine große Herausforderung war und ich am Ende nicht sagen, was ich alles verstanden habe. Das war zu Beginn sicherlich mehr als am Ende. Wobei ich irgendwie satirische Passagen fand, die ich nachvollziehen konnte, dann wieder wissenschaftliches und absurdes, aus diesen habe ich mich komplett verabschiedet. Nach lesen der Leseprobe, hatte ich etwas anderes erwartet.
Profile Image for minas.libraries.
18 reviews2 followers
February 17, 2026
Ich bin mit viel Vorfreude in das Buch gestartet, weil mich Thema und Klappentext sofort abgeholt haben. Gerade der wissenschaftliche, mathematische Ansatz hat mich echt neugierig gemacht und mich ein bisschen an Babel von R. F. Kuang erinnert, also an einen Roman, der komplexe Theorie mit Handlung verbindet. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Stattdessen wirkt der Einstieg schnell seltsam und zunehmend chaotisch. Die Handlung fühlt sich nicht geführt an, sondern willkürlich. Immer wieder tauchen scheinbar zusammenhangslose Informationen, Randnotizen und Abschweifungen auf, bei denen ich nicht einmal sicher bin, ob sie komisch oder bedeutungsvoll sein sollen. Vieles wirkt eher beliebig als bewusst komponiert.
Besonders irritierend ist die Konstruktion: ständige Perspektivwechsel, Zeitsprünge und Szenenbrüche, teilweise im gleichen Absatz. Ein Kapitel springt fast Satz für Satz zwischen zwei Ebenen hin und her, etwa zwischen den fragmentierten Gedanken einer Figur über eine wissenschaftliche Theorie und dem Alltag an einer Universität, wo Briefe mit mathematischen Ideen sortiert werden. Statt Spannung entsteht eher Verwirrung. Dazu kommen lange, teils seitenlange Fußnoten und essayartige Exkurse, zum Beispiel Abschweifungen über Musikkritik oder abstruse Vergleiche, die für mich weder humorvoll noch erkenntnisreich sind. Das bremst den Lesefluss enorm und lässt einen ständig fragen, wozu das alles dient.

Was als intellektuell und experimentell gedacht ist, fühlte sich für mich eher überladen und zerfasert an. Der Roman verliert sich in Formspielereien, ohne genug Halt oder emotionale Anknüpfungspunkte zu geben. Während vergleichbare experimentelle Texte wie "Air" von Christian Kracht für mich zumindest einen inneren Zusammenhang hatten, wirkt dieser hier zunehmend konfus.

Nach rund 100 Seiten überwiegt deshalb Frust statt Neugier. Das Buch hat sein großes Potenzial nicht eingelöst und ich habe es dann leider abgebrochen, weil das Lesen schlicht keinen Spaß mehr machte.
152 reviews
March 2, 2026
Es fällt mir schwer, zu diesem Buch eine Rezension zu schreiben. Was für ein wilder Ritt, den uns Elias Hirschl hier liefert! "Schleifen" ist höchst fordernd, das Buch zu lesen braucht Zeit, Geduld und freie Gehirnwindungen, die bereit sind ordentlich mit Geistesergüssen durchgespült zu werden!

Ich bin fasziniert, was für eine Ideenvielfalt Hirschl in sich hat. Das für mich treffendste Wort "fantastisch" fällt mir hierzu ein - in seiner vielfältigen Bedeutung. Fantastisch, weil viele verrückte Ideen den Roman durchdringen; fantastisch, weil die sprachliche Ebene komplex, eloquent und durchtrieben zugleich ist; fantastisch, weil man - je tiefer man in den Roman eintaucht, Fiktion von Historischem kaum mehr auseinanderhalten mag; fantastisch, dass Sprache, Weltherrschaftwille, Mathematik und Philosophie sich hier so unzertrennlich ineinander fügen; fantastisch, weil man so etwas Spezielles erst einmal zustande bringen muss.

Die Rahmenhandlung webt sich um Franziska Denk und Otto Mandl. Franziska leidet unter einer speziellen Unannehmlichkeit: sobald sie von irgendeiner Krankheit erfährt - durch lesen oder wenn jemand davon erzählt - spürt sie sogleich deren Symptome. Durch Sprache versucht sie sie zu beherrschen und zu heilen. Irgendwann lernt sie den Mathematiker Otto Mandl kennen und mit ihm gemeinsam will sie die Welt verändern - ganz im Sinne ihrer wohl größten Leidenschaft: der Sprache.

Hier von einer im Zentrum stehenden Geschichte zu sprechen, trifft den Inhalt des Buches nicht. Vielmehr ist die Sprache selbst Protagonistin, sie (be-)herrscht (über) jene, die sie bändigen wollen. Und der Kaiser über alledem ist der Autor selbst. Unfassbar wie es ihm gelingt, tausende Ideen, tausende Fantasmen und schwer identifizierbares Historisches in ein so stimmiges Werk zu packen. Am Ende, nein, auch immer wieder mittendrin, ist man erschöpft, ringt nach Luft, braucht eine Pause, um sich schlussendlich gewahr zu werden: die Schleifen und das Schleifen spielen in einer extra Liga. Und für einen kurzen Moment durften wir an diesem Wunderwerk teilhaben.
Profile Image for Marie.
198 reviews14 followers
February 4, 2026
"Beide waren in ihrem jeweiligen Umfeld gleichzeitig massiv über- und unterfordert und spürten den immensen Drang, diese zunehmend verwirrende Welt versehen und bewegen zu wollen."

Dieser Satz aus Elias Hirschls neuem Roman "Schleifen" beschreibt nicht nur den zustand der jugendlichen Franziska Denk und des etwa gleichaltrigen Otto Mendel, die hier als Protagonisten dienen. Er fasst auch sehr gut das Leseerlebnis bei diesem Buch zusammen. Vorweg sei gesagt: Hirschls Idee ist genial. Der Roman spiegelt in seiner Form so viel vom Inhalt wieder, dass das Lesen für Literaturinteressierte ein reines Vergnügen ist. Da wird zwischen Textsorten gewechselt, es finden sich Abhandlungen zu Musikstücken genauso wie Ausschnitte aus Postkarten von missionierenden Ethnologen. Der Autor zeigt, was Sprache(n) kann und wo ihre Grenzen sind. Er baut Welten, die aufeinander rekurrieren, sich verdrehen, verstärken und verändern. Dabei sind Kuriositäten - wie etwa ein Briefwechsel, der aus mehreren tausend leeren Seiten bestehen muss - keine Seltenheit. Hirschl lotet aus, wo Literatur Lücken der Geschichte füllen kann. Denn Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf, der Vater und vor allem die Mutter verschreiben sich dem Logischen Empirismus und die Erziehung (wenn man sie denn so nennen kann) der Tochter ist entsprechend geprägt.

Nun kommt das große Aber: Die einzelnen Episoden an sich zu lesen, macht unheimlich viel Spaß. Den großen Zusammenhang jedes Mal wieder mühsam zu rekonstruieren hingegen nicht. So ist die Lust, nach einem abgeschlossenen Kapitel wieder in den Text einzusteigen, eher gering. Dazu kommt, dass ein breites Vorwissen in Philosophie, Sprachwissenschaften und Mathematik von Nöten ist, um Anspielungen und Humor verstehen zu können. Damit ist "Schleifen" definitiv eher ein Intellektuellen-Roman, der ein weniger akademisches Publikum außen vor lässt. Das ist schade, steckt doch viel Potential in den literarischen Spielereien.
Profile Image for tamara.
14 reviews3 followers
March 2, 2026
Elias Hirschls Romane enttäuschen mich nie und so hat mir auch sein neuster Roman »Schleifen« ungemein zugesagt.


Wir begleiten die Sprachwissenschaftlerin Franziska Denk und ihren Freund, den Mathematiker Otto Mandl, durch das 20. Jahrhundert, von der Kindheit über diverse Psychosen bis zum Verschwinden. Vor allem Franziskas Dasein ist spannend, mit ihren körperlichen und psychischen Dispositionen: Sie bekommt Symptome von Krankheiten, sofern sie nur von diesen Krankheiten hört, und ist besessen davon, die perfekte Universalsprache zu konstruieren. Das Buch fokussiert sich dann auf Plansprachen, mitunter auf die Objektsprache, die darauf ausgelegt ist, Dinge in den Mund zu nehmen und anschließend auszuspucken. Der Ausweg scheint der Non-Verbalismus zu sein, das Nicht-Sprechen, das schweigende Missionieren, der lautlose Terror, das stille Besetzen eines Ortes in Italien. Der sprachliche Terror weitet sich aus, er nimmt alles ein und alles weg; die Medizin beruht auf ihm, die Individualität leidet darunter.

Der Roman ist urkomisch und auch erzähltechnisch sehr raffiniert. Er entwickelt sich immer mehr zu einer Dystopie, die sich vor allem auf ihrer zunehmenden Mehrschichtigkeit erst aufbaut und richtig entfaltet. Die Ebenen verweben sich, gleichzeitig löst sich die Geschichte in sich selbst auf, sie fällt zusammen und wir können sie nicht mehr aufbauen, wir wissen nicht mehr, was wo hin gehört, wer zu wem, wer überhaupt noch sich selbst gehört, nur dass Kafka sich selbst plagiiert hat, bleibt uns sicher.

Die meiste Zeit hab ich laut gelacht. So ein groteskes, irgendwie absurdes Buch, das - wie Clemens Setz es nennt - so viel »Unendlichkeit« in sich trägt, hab ich wohl noch nie gelesen.
Die (wenigen) mathematischen Passagen waren für mich schwer verständlich, aber das sei nur nebenbei erwähnt. Wenn man sich drauf einlässt, kann man denen auch als als Laie folgen.
Profile Image for JoBerlin.
365 reviews40 followers
February 1, 2026
Eine ganz seltsame Geschichte ist das.Franziska wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort.
Der Roman ist gleich so interessant, denn Elias Hirsch hat ein ausgesprochen illustres Personal angesammelt, große Namen des Wiener Kreises aus Mathematik und Philosophie wie Gödel, Schlick, Wittgenstein, Russell, Einstein werden zumindest genannt .
Hauptsächlich jedoch geht es um die Familie Denk . Eid lernen das Kind Franziska kennen, ihr Wohlbefinden wird durch sprachliche Reize bestimmt, so fühlt sie sich bei Ansprache eines kranken Menschen, selbst gleich ganz krank und schwach. Nun so etwas gibt es durchaus, das hat man schon gehört . Mutter und Vater bemühen sich , das Kind zu schützen, doch sie wissen “wenn der Mensch versucht, künstlich die Ordnung der Dinge zu erhöhen, müsse Gott das Ungleichgewicht ausgleichen und im Gegenzug etwas ins Chaos stürzen.”
Und durchaus chaotisch wirkt der Vater, eine Art philosophischer Sprachwissenschaftler,neben Fachbüchern zu “Die Sprachen der Welt”, erstellt er Grammatik und Vokabelsammlungen. Franziska lernt diese Fremdsprachen, je entfernter und seltener sich die Sprache präsentiert, desto besser, sie wird nun nicht mehr von einfach nur genannten Krankheitssymptomen erfasst.
Elias Hirschs Roman zeigt Macht und Einfluss von Sprache auf unser Leben, die Lektüre ist interessant und amüsant. Allen Literatur- und natürlich Sprachinteressierten möchte ich ihn empfehlen.

2,343 reviews13 followers
January 27, 2026
Zum Inhalt:
Franziska Denk leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, dass sie mitbekommt, ereilt sie sofort. In dem Mathematiker Otto Mandl findet Franziska einen Seelenpartner und sie lernt sich mit Wörtern aus toten Sprachen zu immunisieren. Die beiden sind absolut sprach besessen und forschen nach der perfekten Sprache.
Meine Meinung:
Eigentlich kann man zu diesem Buch keine Inhaltsbeschreibung machen, denn wenn man das wirklich versuchen würde, wäre wahrscheinlich diese Beschreibung schon seitenlang und würde vermutlich immer noch nicht einfangen, worum es in diesem Buch eigentlich geht. Und im Grunde geht mir das jetzt bei meiner Meinung zu dem Buch genauso, denn eigentlich weiß ich gar nicht so recht, was meine Meinung dazu ist. Irgendwie hatte ich immer mal wieder das Gefühl die Personen Googlen zu müssen, um dann wieder festzustellen, dass es kein Ergebnis gibt. Dann habe ich mich immer wieder gefragt, was das Buch mir eigentlich sagen will, allerdings auch ohne Ergebnis. Aber irgendwie hat mich das Buch fasziniert, so dass ich immer weiterlesen musste. Der Schreibstil hat etwas fesselndes, was mich immer wieder lesen lies, aber am Ende lässt mich das Buch auch ein wenig ratlos zurück.
Fazit:
Sehr ungewöhnlich
508 reviews2 followers
February 9, 2026
Nicht meins

Vorab muss ich sagen, dass das meine Kritik hier sehr an meinem Geschmack liegt und vor allem auch daran, dass das Buch nicht das war, was ich erwartet hätte und ich es sonst womöglich gar nicht gelesen hätte. Denn das, was ich mir durch den Klappentext vorgestellt hatte, war nicht wirklich der Inhalt der Geschichte. Ich dachte, es geht hauptsächlich um Franziskas besondere Krankheit und wie sie mithilfe von Sprache lernt, diese zu heilen oder sich zumindest zu immunisieren und dass dabei und in diesem Rahmen einfach tiefe Überlegungen über Sprache Thema sind. Stattdessen ist dieses Thema nach dem Anfang fast abgehackt und danach passieren tausend weitere Dinge, alle mehr oder weniger zusammenhangslos. Inhaltlich war das wirklich überhaupt nicht mein Fall und hätte ich das geahnt, hätte ich das Buch gar nicht erst gelesen, nicht weil es schlecht ist, sondern nicht mein Geschmack. Darüber hinaus konnte ich mich auch mit dem Schreibstil gar nicht anfreunden, er hat mich einfach nicht in die Geschichte finden lassen und mir das Lesen sehr schwer gemacht.
28 reviews
February 22, 2026
Dieser Roman ist schwer zu bewerten, da er sehr unkonventionell in der Erzählstruktur ist und teilweise nur wie eine chaotische Mischung von philosophischen Gedankenexperimenten und absurden Kurzgeschichten scheint, aber am Ende doch irgendwie eine zusammenhängende Geschichte ergibt. Insofern ist der Titel "Schleifen" perfekt gewählt.

Obwohl es teilweise eine eher anstrengende Lektüre war, hat es mir insgesamt doch gut gefallen, hauptsächlich wegen der Absurdität und des Humors, der mich oft zum Lachen gebracht hat. Ich musste mich erst an die Mischung von echten historischen Figuren und Ereignissen mit Erfundenen gewöhnen, aber sobald man sich auf die Absurdität und Unglaubwürdigkeit einlässt, ist das Buch sehr interessant und lustig. Besonders der sprachwissenschaftliche Aspekt hat mich begeistert.

Ich denke, dass dieses Buch nicht jeden Geschmack treffen wird, denn es ist auf jeden Fall sehr speziell und ungewöhnlich, aber ich würde es trotzdem auf jeden Fall weiter empfehlen, besonders für Leute die Interesse an Sprachwissenschaft und/ oder Philosophie haben.
Profile Image for Arbnora.
68 reviews
March 3, 2026
Der Roman erzählt die Geschichte von Franziska Denk, die jedes Symptom, von dem sie hört, selbst bekommt. In dem Mathematiker Otto Mandl findet sie einen Seelenverwandten. Gemeinsam entwickeln sie eine obsessive Leidenschaft für Sprache und begeben sich auf die Suche nach der perfekten Form.
Die Thematik und die Figuren sind außergewöhnlich spannend und originell. Besonders beeindruckend ist die gedankliche Tiefe: Der Roman ist stark philosophisch geprägt und vermittelt das Gefühl, dass der Autor sich intensiv mit Sprachtheorie, Erkenntnis und Wissenschaft auseinandergesetzt hat.
Allerdings war der Verlauf für mich stellenweise schwer nachzuvollziehen. Nicht immer erschließen sich mir die Zusammenhänge sofort. Möglicherweise ist gerade diese Irritation Teil des Konzepts. Sie fordert dazu heraus, mitzudenken und Unsicherheiten auszuhalten. Insgesamt ein anspruchsvolles, ideenreiches Buch.
Profile Image for Mia.
340 reviews2 followers
March 12, 2026
3.5

Ich würde so gerne mal einen Blick in Hirschls Hirn werfen. (Ich denke immer mal wieder an das Konzept von Plankmusik aus Content.) Hier extrem faszinierende Konzepte zu Sprache und wie wir sie verändern während Sprache uns verändert. (Henne trifft Ei.)

Komplett surreal und trotzdem witzig, wobei streckenweise langatmig. Man braucht auf jeden Fall etwas Zeit und volle Konzentration beim Lesen. Ich fand den Fake Academia Vibe (mit immer wieder realen Akteure) sehr gut, sowie den Sprachwitz und die kleinen Rätsel, wobei sicher vieles an mir vorüber gegangen ist.

Für alle die Fußnoten lieben. Und Jim Blum.
Profile Image for Jule Sohn.
23 reviews
March 4, 2026
also hands down das wildeste buch das ich je gelesen hab
aber unglaublich unterhaltsam, viel gelacht & gestaunt & gewundert & gelernt
manche passagen (für mich) zu lang & das ende habe ich (und mein ganzer Lesekreis) einfach nicht gecheckt
aber solch großartigen ideen
würde wahrscheinlich wieder
vllt also 4,5 auch
26 reviews1 follower
February 28, 2026
\\ Rezensionsexemplar von VorablesenDE zur Verfügung gestellt \\
Ich hatte richtig Spaß beim Lesen. Das Buch fängt schon außergewöhnlich an, aber es geht noch viel wilder weiter und nimmt die Leser*innen mit auf eine Reise durch die Mathematik, Plansprachen, Kults und ineinander verschlungene Geschichten, bei denen man teilweise laut auflacht, wenn man eine Referenz erkennt oder eine unklare Stelle aus den vorherigen Kapiteln plötzlich versteht. Es ist sicherlich kein Buch für Menschen, die eine stringente Story erwarten, teilweise muss man sich durch einige Seiten Theorie wühlen, die man vielleicht nicht mal versteht, aber dann wird man wieder mit amüsanten Seitenhieben an die Wissenschaftswelt belohnt und gerade im letzten Drittel nimmt der Verlauf nochmal richtig Fahrt auf, man hat geradezu das Gefühl, die Zeit vergeht plötzlich schneller ;) Aus den Ideen hätte man sicher auch drei Bücher schreiben können, so sind sie in einem kleinen Feuerwerk in diesem Buch vereint. Große Empfehlung an alle, die einen Hang zum Absurden haben.
Profile Image for Ísabel.
80 reviews
February 21, 2026
Ich könnte (vleicht mach ich‘s noch) einen längeren Essay über die ganzen Referenzen und Anspielungen im Buch schreiben, nur soviel fürs Erste gesagt, ich hab‘s sehr genossen zu lesen und würd‘s insbesondere Leuten mit starkem Linguistik oder, oder besser und, Mathematik/Physik-Hintergrund wärmstens empfehlen. -John „The Boson“ Blum
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