Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort? Ann-Christin Kumms Debüt ist ein psychologisch meisterhaft konstruiertes und erotisch flirrendes Spiel mit Macht, Manipulation und Begehren.
Wie Zoë Beck sagt: Man liest nur kurz rein – und merkt sofort, dass es ein besonderer Roman ist, den man nicht mehr weglegen kann.“
Seit Jahren verbringen Raf, seine Schwester Sophie und ihr Freund Lou die Sommerferien gemeinsam – mal am Mittelmeer, diesmal an der dänischen Küste. Doch Sophie sagt kurzfristig ab; Nora, eine flüchtig bekannte Freundin springt ein. So reisen schließlich Raf, Lou und Nora in einer ungewöhnlichen – und für Lou schwierigen – Konstellation an.
Raf hat mich total an Champbell Eliot aus „The Society” erinnert. Er ist so bedrohlich, dass man ihn nicht aus den Augen lassen möchte und gleichzeitig möchte man keine Minute zu viel in seiner Nähe verbringen.
„Ultramarin“ ist für alle, die gerne gedrehte Zigaretten rauchen und Bock auf eine fesselnde Geschichte haben, die ihre Spuren beim Lesen hinterlassen.
Die Geschichte saugt einen von der ersten Seite an in sich hinein und lässt einen erst los, wenn die letzte Seite gelesen ist. Und selbst dann lässt sie einen nicht wirklich gehen. Der Roman wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit: In der Gegenwart verbringt Lou den Sommerurlaub mit seinem besten Freund Raf. Diesmal ohne Rafs Schwester Sophie, dafür mit ihrer Freundin Nora, die das vertraute Gefüge von Grund auf durcheinanderbringt. Die Vergangenheitsstränge zeigen, wie das toxische Band zwischen Lou und Raf entstanden ist und wie es sich Stück für Stück enger geknüpft hat. Dieses Wechselspiel macht die kranke Dynamik zwischen den beiden so greifbar und beklemmend. Ultramarin ist kein Buch, das es einem leicht macht. Es lässt die Nackenhaare zu Berge stehen und trotzdem ist es unmöglich, es aus der Hand zu legen. Fast jede*r Leser*in wird sich in diesen stillen Machtverschiebungen wiederfinden und eigene Beziehungskonzepte neu hinterfragen. Dass alle Figuren queer sind, ist dabei kein aufgesetztes Merkmal, sondern fühlt sich selbstverständlich und richtig an. Kumms Schreibstil braucht am Anfang etwas Eingewöhnung, entfaltet aber schnell eine außergewöhnliche Kraft. Besonders in der Art, wie sie Gefühle und Situationen in Worte fasst. Für ein Debüt ist das bemerkenswert stark. Das Ende wirkt im Vergleich zu allem Vorherigen etwas gehetzt. Die starken Gefühle und die Spannung, die über den ganzen Roman aufgebaut wurden, finden dort nicht ganz den Abschluss, den sie verdient hätten. Das schmälert den Gesamteindruck aber kaum. Fazit: Anziehend, abgründig und unvergesslich. Unbedingte Leseempfehlung.
hasse bücher, in denen kettenrauchen und kaffeetrinken charaktereigenschaften sind und dialoge wie schlechte filmübersetzungen klingen: „scheiße, nora, was soll das?“ 💀 scheiße, nora, was soll das fr???
Ich muss sagen es fällt mir sehr schwer dieses Buch zu bewerten. Die Erzählungen dieser hoch ungesunden und komplizierten Beziehungen waren sehr gut (wenn auch sehr extrem) dargestellt. Was mich zum nachdenken über die menschliche Psyche und ihre Bedürfnisse gebracht hat. Andererseits war es fast schon unerträglich zu erleben wie alle Charakter egal was passiert in ihren Mustern bleiben und es nicht schaffen ihre Rolle in diesen toxischen Beziehungen zu verlassen. In 213 Seiten hat keinerlei Entwicklung stattgefunden und so hatte ich am Ende etwas das Gefühl es war schnell auserzählt.
Trotzdem eine Empfehlung für alle die Lust auf eine ungemütliche aber durchaus faszinierende Sommer Lektüre haben. (Außerdem: Der Schreibstill ist angenehm und Erzählung der Kulisse ist grandios und sehr passend.)
4.5 hab jeden hier gehasst und konnte irgendwie trotzdem alle verstehen, fantastische character study. ich wollte lou die ganze zeit schütteln und rütteln und bin froh um das ende. definitiv kein fun-little-summer-read aber lohnt sich sehr.
"Manchmal, sagte sie, denke ich, wir waren alle schon verdammt, als wir auf die Welt kamen. Nazis und Klimawandel, mehr gibt es für uns nicht mehr."
Ultramarin ist ein besonderes Buch, von dem ich auch jetzt, einen Tag nachdem ich es zu Ende gelesen habe, nicht ganz weiß wie ich es bewerten soll. Der Schreibstil von Ann-Christin Kumm ist besonders, einerseits sprachlich künstlerisch, andererseits fliegt man trotzdem nur so durch die Seiten. Die Autorin hat eine ganz besondere Art und Weise zu erzählen, sodass man das Buch kaum weglegen kann.
Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen, obwohl alle Figuren nicht wirklich sympathisch waren. Als Leser erfährt man alles durch Lous Perspektive, bei der ich manchmal echt den Kopf schütteln musste. Ann-Christin Kumm schafft es sehr authentisch die toxische Beziehung zwischen Lou und Raf darzustellen. Mithilfe von verschiedenen Zeitebenen erfährt man, wie sich die beiden kennengelernt haben und wie es zu der heutigen Situation gekommen ist. Man merkt schnell, dass so ziemlich alles in dieser Beziehung falsch läuft aber versteht irgendwie auch die widersprüchlichen Gedanken die Lou in sich trägt.
Der einzige Minuspunkt ist, dass das Ende ziemlich abrupt kam und ziemlich schnell abgehandelt wurde. Da hätten ein paar Seiten mehr der Geschichte sehr gut getan, zumal es sich gegen Mitte des Buchs ein wenig gezogen hat.
Ich habe schon einige Bücher zu toxischen Beziehungen, Gewalt und schwierigen Persönlichkeiten gelesen, und trotzdem war dieses Hörbuch nochmal ganz anders. Dabei fand ich die Dynamiken zwischen den Figuren spannend zu „beobachten“, auch wenn ich Lou gerne die Hälfte der Zeit geschüttelt hätte. Allerdings war mir das, was wahrscheinlich als schockierende Wendung gedacht war, schon nach der Hälfte des Werkes viel zu offensichtlich. Dazu kommt, dass mir das Ende dann doch zu rasant war, wodurch ich etwas unzufrieden zurückgelassen wurde. Hingegen keineswegs zu bemängeln habe ich Jannik Schümann, dessen Stimme das Hörerlebnis genießbar gemacht hat. Somit gibt es einige positive und negative Aspekte, weswegen ich eine Gesamtbewertung von 3 Sternen geben würde. (Ich bedanke mich bei NetGalley für das Bereitstellen des Hörbuchs!)
„Ultramarin“ ist ein richtig unbequemes Sommerbuch, die Atmosphäre ist unglaublich angespannt, wobei man erst nach und nach das Ausmass dessen versteht.
Die Charaktere sind überhaupt nicht sympathisch, aber umso interessanter und die Beziehungsdynamiken waren unglaublich gut dargestellt, man konnte richtig mitfühlen. Sowieso schreibt die Autorin sehr nahbar und gleichzeitig knapp und beobachtend.
Die Twists waren krass, wenn auch nicht völlig unvorhergesehen, aber das mussten sie auch nicht sein.
Insgesamt ein wirklich wirklich kluger Roman über ein wichtiges Thema.
Sehr ungesunde (Freundschafts-)Beziehung. Und warum heißen toxische Typen in Büchern so oft Raf???
Ich weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Das Ende kam dann nämlich ein bisschen zu plötzlich nachdem lange einfach nichts passiert ist. Das war irgendwie gut gemacht, aber auch unbefriedigend... Was mir aber sehr gut gefallen hat ist das mit dem Geschlecht des Charakter Lous gespielt wird.
Es beginnt wie ein flirrend leichter Sommer! Lou, Raf und plötzlich auch Nora treiben gemeinsam durch warme Tage an der dänischen Küste. Doch hinter salziger Luft und scheinbarer Freiheit brodelt etwas Unausgesprochenes, das sich langsam und unaufhaltsam entfaltet.
Ich bin ehrlich: Mich hat dieses Buch eher verstört als verführt. Die Dynamik zwischen den Figuren fühlte sich für mich wie ein Fiebertraum an, ein Spiel aus Nähe und Distanz, das mich eher genervt als gefesselt hat. Lou wirkte auf mich oft erschreckend naiv! Keine der Figuren hat mich wirklich erreicht, ich blieb eher eine stille Beobachterin am Rand.
Der Schreibstil ist in Ordnung. Die fehlende wörtliche Rede hat mich auf Abstand gehalten, ich konnte kaum richtig eintauchen. Am Ende blieb für mich kein nachhaltiges Gefühl, es überraschte mich übrigens auch überhaupt nicht das die Story so zu Ende ging!
es ist mir so schwer gefallen lou zu mögen aber tief in meinem inneren habe ich gespürt, dass er einer von uns ist. das er selber tief in meinem inneren verankert ist und er eine kleine version meiner abhängigkeit verkörpert, die das toxische nicht loslassen kann und sich immer wieder verletzen lässt. durch lou habe ich gelernt, dass es nicht wichtig ist anderen menschen zu gefallen und dafür zu sorgen, dass sie glücklich sind und ein zufriedenes leben leben können. die eigene selbstliebe und zufriedenheit ist das wichtigste, was man einem selber beibringen muss.
der schreibstil der autorin lädt dazu ein sich auf eine umfangreiche, fesselnde und überraschende erzählung einzulassen. der switch zwischen vergangenheit und gegenwart lässt darauf erahnen (oder vielleicht auch nicht), was in naher zukunft herausgefunden wird und lässt einen beim lesen nicht los.
absolut fesselnder page turner, perfekte sommer-urli-lektüre, vor allem wenn man auch noch an der dänischen küste ist! allerdings kein fun read, sondern eher düster und beklemmend und jede zweite seite möchte man den protagonisten gerne schütteln.
Es ist ein kurzes Buch, das mich nicht losgelassen hat - man kann es an einem sonnigen Sonntag durchlesen. Man darf aber nicht damit rechnen, eine seichte, leichte Urlaubslektüre vor sich zu haben - es handelt sich, obwohl es praktisch nur im Sommer spielt, um teils düsteren, in jedem Fall anstrengenden Stoff.
Wir haben hier eine Coming-of-Age-Story, die auf zwei Ebenen erzählt wird: Das Jetzt, in dem die beiden Hauptfiguren (einer davon der Erzähler) mit einer dritten Person eine Woche in Dänemark zum Sommerurlaub verbringen. Und Episoden (oft ebenfalls gemeinsame Sommerurlaube) seit dem Kennenlernen von Erzähler und zweiter Hauptfigur im Teenageralter über zehn Jahre zuvor.
Dabei dreht sich Alles um die Passivität, die Ergebenheit, die Unterwürfigkeit des Erzählers gegenüber der zweiten Hauptfigur und wie er über den Lauf der Zeit sämtliche Redflags ignoriert und sich mangels ausreichender Reflexionsgabe immer stärker manipulieren lässt. All das wird in einer alternativlosen Vehemenz dargestellt, sodass ich kein Mitleid mit ihm, seinen Erlebnissen und seinen Verletzungen, seinen Unsicherheiten und Unzulänglichkeiten aufbauen kann. Stattdessen sind die beiden zentralen Charaktere, auf denen das Buch aufgebaut ist, von Beginn an unsympathisch und ich fand sie mit jeder weiteren Seite schlimmer. Gerade der Erzähler wird vor dem Hintergrund seiner fehlenden Einsicht immer nervtötender.
Die Chance, all diese Spannungen und Untiefen am Ende aufzulösen, vergibt die Autorin, in dem sie beide Erzählstränge im Extremen kulminieren lässt, was den Ereignissen eine überaus drastische Unwahrscheinlichkeit zukommen lässt (auch wenn diese Enden mich letztlich nicht gänzlich überrascht haben).
Einziger Pluspunkt: Homosexualität spielt eine erfreulich nonchalante Rolle und tritt in verschiedenen Momenten völlig zwanglos hervor, ohne dass ihre Thematisierung eine politische Funktion erfüllen muss. Zudem ist das mann-männliche Begehren zwischen Erzähler und zweiter Hauptfigur aus meiner Sicht nicht so besonders, weil es sich um zwei Männer handelt, sondern eben wegen der massiven Abhängigkeit, die geschildert wird (und was ich, wie oben beschrieben, wenig ansprechend fand). Die psychologische Komponente überlagert die geschlechtliche hier völlig (auch wenn man natürlich immer fragen kann, inwiefern das eine das andere nicht beeinflusst ...), was wiederum ein erfrischendes Merkmal im Vergleich zur ansonsten landläufigen literarischen Berücksichtigung von Homo- und Bisexualität ist.
Fazit: Empfehlen kann ich "Ultramarin" nicht, aber ich möchte keinesfalls davon abraten. Vielleicht können andere dem Werk deutlich mehr abgewinnen.
Eindringlich und atmosphärisch Mit ihrem Debüt-Roman "Ultramarin" legt Ann-Christin Kumm das perfekte Buch für den Sommer vor. Ebenso lebendig wie die Sommeratmosphäre, fängt die Autorin die Spannungen und Dynamiken zwischen ihren Figuren ein. Der Erzählstil von Kumm ist zurückhaltend, fast skizzenhaft, was jedoch keineswegs zu Lasten der Erzählung geht. Es ist vielmehr so, dass die Lücken und Leerstellen eigene Spekulation auslösen und Spannung hervorrufen. So viel Geschick und Gespür für Spannung zeigt Kumm ebenfalls bei der Handlungsführung. Bei einem wiederkehrenden Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit lässt die Autorin, die Leserin und Leser lange im Unklaren, erschafft aber zugleich ein Gefühl der Dringlichkeit. "Ultramarin" von Ann-Christin Kumm ist ein eindringlicher und atmosphärischer Sommerroman der anderen Art.
"Manchmal, sagte sie, denke ich, wir waren alle schon verdammt, als wir auf die Welt kamen. Nazis und Klimawandel, mehr gibt es für uns nicht mehr."
"Ich wünschte mich fort. Ich hätte, dachte ich, nicht mitkommen sollen. Hätte laufen gehen sollen oder mir den Fuß brechen, Hauptsache, nicht hier sein."
"Sie irritierte mich, wie wenn man ein Kleidungsstück tragen muss aus einem ungewohnten Stoff. Einem, den man sonst vermeidet."
"In der Stille klang das Geräusch, mit dem wir in unsere Croissanthälften bissen, wie einstürzende Häuser."
3,5 ⭐️ Hab alle Charaktere gehasst :)) Machtmissbrauch, toxische Beziehungsdynamiken aber iwie geiler Sommer vibe! Naja, das war nicht die bi-Repräsentation die ich wollte :(