»So erstaunlich, wie aus der Betrachtung der Primaten eine Selbstbefragung wird, die in die intimsten Sphären der eigenen Existenz vordringt.« Charlotte Gneuß
Sie trauern und sie furzen, sie lachen und sie ärgern sich, sie wollen möglichst viel Lust und Geborgenheit und starren dann wieder vor sich die Menschen – nein, die Menschenaffen. Jahrelang hat die Lyrikerin Lara Rüter in einem Primatenforschungsinstitut gearbeitet. In ihrem Text erzählt sie radikal von den Affen und von sich von Lebensanfängen und vom Sterben, von Freiheitsdrang und Berührung. Im Alltag mit den Affen drängt sich immer wieder dieselbe Frage Wie fühlt es sich an, ein Mensch zu sein? Schwebend vor Gedichtzitaten, Wissenschaftsfragen und Momenten am Gehege zeigt dieser bahnbrechende Essay, wie Schreiben die Welt verändert.
Unglaublich interessanter und komplexer Essay darüber, was es bedeutet, Mensch zu sein, woher wir kommen, wie wir mit anderen Lebewesen umgehen und was uns alles mit Affen verbindet, außer, dass wir von ihnen abstammen. Sowohl die klugen, wissenschaftlichen Anteile des Essays, die in ihren Schilderungen über die Arbeit im Affenhaus zugleich sehr berührend und sehr lehrreich sind, als auch die persönlichen Reflexionen, Gedanken und Überlegungen, sind wirklich gelungen. Ein ungewöhnlicher und wirklich komplexer Text, der nur in den etwas ausufernden Stellen, in denen auch noch Kunstgeschichte mit eingeflochten wird, für mein Empfinden etwas zu abstrakt wurde.
Dennoch: ein hoch interessanter, sehr, sehr lesenswerter Text und das wohl umfangreichste und beglückendste Essay, das ich seit Langem gelesen habe. Und ein erneuter Beweis, dass es äußerst schön kann, sich mal an Sachbücher, Essays oder ähnlichem zu versuchen. Eine tolle literarische Entdeckung. Ich bin gespannt auf mehr von dieser Autorin!