Jump to ratings and reviews
Rate this book

Sommer 24: Roman

Rate this book
Wie ist es, wenn sich die vertraute Welt auflöst, wenn das, was gestern noch normal war, heute nicht mehr gilt? Navid Kermani fängt diesen Moment in einem einzigen Sommer Ein Freund, der zuletzt politisch auf Abwege geraten war, hat sich das Leben genommen. Die Kriege rücken näher und die Debatten werden schriller. Seine Freundin hält den Erzähler für einen Macho, aber das bleibt bei weitem nicht der schlimmste Vorwurf, der sein Selbstbild erschüttert. Auf unnachahmliche Weise gelingt es Navid Kermani, unsere Gegenwart aus ihren Widersprüchen heraus zu begreifen, das scheinbar Unversöhnliche zu versöhnen und, wichtiger noch, das wirklich Unversöhnliche auszuhalten. Ein existenzieller, hellsichtiger Roman unserer Zeit.

129 pages, Kindle Edition

Published February 17, 2026

Loading...
Loading...

About the author

Navid Kermani

69 books137 followers
Navid Kermani, born 1967, lives as an Islamic scholar, journalist and writer in Cologne.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
14 (19%)
4 stars
27 (38%)
3 stars
21 (29%)
2 stars
7 (9%)
1 star
2 (2%)
Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Tom K..
103 reviews18 followers
February 27, 2026
Ein Roman, vom Umfang her eine Novelle, aber inhaltlich doch stark in Richtung Essay tendierend.

Der Ich-Erzähler Navid wird im Jahr 2024 durch drei Ereignisse zum Schreiben animiert: Sein Freund Rudolf, ein Jude, Galerist, Sohn von Holocaust-Überlebenden, nimmt sich das Leben. Es ist ein geplanter Suizid aufgrund einer Erkrankung. Navid nimmt Anteil, ist aber davon irritiert, dass ausgerechnet Rudolf sich in den letzten Jahren politisch sehr weit nach rechts bewegt hat. Möglicherweise ist er der AfD beigetreten.

Im Sommer des Jahres wird er von seinem Freund Olaf auf die Hochzeit von dessen Tochter auf die griechische Insel Hydra mitgenommen. Olaf, ein nie erwachsen gewordener politischer Aktivist, erlebt nun die großbürgerlich inszenierte Hochzeit seiner Tochter, die einen Nachkommen schwarzafrikanischer Einwanderer aus Frankreich heiratet. Die Hochzeit wird zu einem multikulturellen Happening, mit schwarzem afrikanischem katholischen Priester und weißem europäischem Imam, mit Gästen aus der Justiz- und Finanzwelt ebenso wie aus dem münsterländischen Bauerntum. Identitäten fließen ineinander, alles aber wird zusammengehalten vom Konzept der Bürgerlichkeit und vermeintliche Gewissheiten geraten ins Wanken, als der schwarze Priester Sprüche macht, die allen sensiblen Westlern Schauer des Entsetzens über den Rücken jagen.

Anschließend besucht der Erzähler ein Frühchenstation in einem afrikanischen Krisengebiet und erlebt, wie unfassbar groß die Überlebenschancen eines Babies in Europa verglichen mit denen in Afrika sind.

Die poltischen und gesellschaftlichen Zustände stellen große Ansprüche an den Erzähler, aber da ist noch mehr: seine Lebensgefährtin bezeichnet ihn als Macho. Und eine Frau, deren Vergewaltigungsgeschichte er literarisch verarbeitet hat, bezichtigt ihn nun, sie damit ein zweites Mal vergewaltigt zu haben.

Navid muss also nicht nur mit der Welt, wie sie ist, fertig werden. Er muss sich auch seiner Rolle und seiner Verwicklung in Gewaltzusammenhänge stellen...

Der kurze, novellenlange Text, bildet auf wunderbare Weise Dilemmata und Probleme ab, die Menschen in linksliberalen Milieus des Westens heute begegnen. Schön schildert Kermani, wie alte Gewissheiten heute wegbrechen und sich Fragen neu stellen, die längst gelöst erschienen. Ganz entgeht er dabei nicht einer klischeehaften und schematischen Darstellung, auch wenn er versucht, diese durch seine Figurenanordnung zu vermeiden. So ist es eben der Jude, der nach rechts tendiert, was eine moralische Einordnung extrem erschwert.

Ich fand das als Leser sehr gelungen, an vielen Stellen auch äußerst komisch und sehr fein beobachtet. Dem Text hätte es vielleicht gut getan, wenn er nicht noch das Thema der Vergewaltigungserzählung aufgemacht hätte, wobei die Frage von Missbrauch, Männlichkeit und Metoo durchaus relevant erscheint.

Nicht erschlossen hat sich mir aber dann die theoretische Ebene, die durch den französischen Theatertheoretiker Antonin Artaud noch eingeführt wurde. Das war für mein Empfinden dann wirklich eine Nummer zu viel, zumal ja auch Thomas Mann schon als weiterer Bezugspunkt mehrfach Erwähnung fand. In diesen Passagen kippt der Text dann eindeutig zu stark ins essayistische.
Profile Image for Günter.
419 reviews23 followers
March 8, 2026
Was für ein kluges Büchlein! Wie intelligent darin unterschiedlichste Themen und Positionen zueinander in Beziehung gebracht, verhandelt und abgewogen werden. - Als Audiobuch gehört, muss ich es mir unbedingt auch noch gedruckt besorgen und das eine oder andere nochmal nachlesen.
Profile Image for Alexa.
256 reviews8 followers
Did Not Finish
July 21, 2026
Viele gute Gedanken, ansprechender Stil, auf das essayistische hatte ich zu dem Zeitpunkt einfach grad gar keine Lust.
Profile Image for Muzzo.
33 reviews
April 1, 2026
Manche Bücher erzählen eine Geschichte. Andere begleiten einen für eine Weile. Sommer 24 gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Navid Kermani schreibt nicht in klaren Handlungsbögen, sondern in Gedankenbewegungen. Begegnungen, Erinnerungen, politische Beobachtungen und literarische Referenzen stehen nebeneinander. Verbunden sind sie weniger durch Dramaturgie als durch Gleichzeitigkeit. Das Buch wirkt dadurch wie ein Gespräch, das sich langsam entfaltet und am Ende auch so wieder ausklingt. Ohne Pointe, ohne Abschluss, aber mit einem leisen Nachhall.

Besonders beeindruckt hat mich die ruhige, präzise Sprache. Kermani schreibt unaufgeregt, auch über schwere Themen. Terroranschläge, gesellschaftliche Spannungen und moralische Fragen werden fast beiläufig eingeflochten. Gerade diese Zurückhaltung schafft Raum für eigene Gedanken. Das Buch erklärt wenig. Es öffnet.

Dabei bleibt der Ton stets reflektiert und selbstkritisch. Immer wieder stellt sich der Autor Fragen nach der Verantwortung des Erzählens, nach Perspektiven und nach dem Verhältnis von persönlicher Erinnerung und politischer Gegenwart. Diese Überlegungen wirken nicht belehrend, sondern tastend und suchend.

Für mich war Sommer 24 weniger ein Buch, das man „durchliest“, als eines, das man eine Zeit lang mit sich trägt. Es lässt sich am Stück lesen, funktioniert aber ebenso gut in einzelnen Etappen. Wie ein Gespräch, das man immer wieder aufnimmt.

Gleichzeitig ist es kein tröstendes Buch. Es öffnet Gedankenräume, die man vielleicht nicht immer betreten möchte, gerade wenn die Welt ohnehin schwer wirkt. Doch genau darin liegt auch seine Stärke. Es bleibt ruhig, begleitend und respektvoll gegenüber der Komplexität der Gegenwart.

Am Ende bleibt kein starkes Gefühl, sondern eine leise Wachheit.
Ein Buch, das eher öffnet als beruhigt und gerade deshalb lange nachwirkt.
Profile Image for Frau HafSi.
52 reviews2 followers
August 2, 2026
Ausgehend von Erlebnissen und Gedanken versetzt Kermani die Leserin in eine Welt voller unversöhnlicher Themen. Der Roman erscheint mehr als Essay denn als fiktionale Erzählung. Man taucht in verschiedene Ansichten zum Krieg in Gaza ein. Kermani bindet die Positionen an Personen, die durch ihre persönliche Geschichte verschiedene Seiten zeigen und repräsentieren. So stehen iranische Revolution, Holocaust, Gaza-Krieg und ganz persönliche Erlebnisse von Gewalt und politischer Auseinandersetzung dicht beieinander und sind trotz großer Gegensätze vereinbar, weil Menschen sie in ihrem Leben vereinen und sich auseinandersetzen. Dazu tritt die Rolle der Literatur, der Entstehung und Positionierung von Literatur - und ihrer Aufgabe zu mahnen, anzuklagen und zu versöhnen? Das scheint mir hier gelungen zu sein.
Ich glaube, es gibt noch einiges zu denken zu diesem Text. „Nichts ist ganzer als ein zerbrochenes Herz.“
Profile Image for lina.
210 reviews18 followers
June 29, 2026
"Ich sah in dem Frühchen in Tigray meine Tochter, siebzehn Jahre jetzt, ich sah eine Möglichkeit von ihr, von jedem Kind, das geboren wird, und es ist nur Zufall, ob zwei Monate zu früh in Tigray oder zwei Monate zu früh in Köln, also ob du keine Chance hast oder die deutsche Intensivmedizin."

In diesem Buch (ich kann leider nicht näher sagen, was es ist: Roman? Novelle? Essay?) erzählt der Erzähler (ich kann leider nicht sagen, ob es ein autofiktiver oder ein gänzlich fiktiver Protagonist ist) von allem möglichen: von seinem jüdischen Freund Rudolf, der AfD-Sympathisant ist und seinem Leben ein Ende bereitet hat, von seinem Freund Olaf und der teuren Hochzeit seiner Tochter auf einer schicken Insel, von dem Besuch einer Frau in der Psychiatrie, die ihn beschuldigt, dass er sie durch das Aufschreiben und Veröffentlichen ihrer Verg*w*ltigung erneut verg*w*ltigt habe, von dem Besuch eines Krankenhauses in Tigray und dazwischen immer wieder von seiner Partnerin C., von den USA, Israel, Thomas Mann und Antonin Artaud. Falls das jetzt schräg klingt, lasst euch sagen: Ist es auch.

Zu Beginn des Buches sind mir gleich zwei Sachen aufgefallen: der recht gestelzte Schreibstil und das Beharren auf der alten Rechtschreibung. Hier wird konsequent und mit dem Selbstverständnis eines älteren Mannes "daß", "naß", "gewiß" und "mußte" geschrieben, was zugleich sehr treffend den Vibe des Buches widerspiegelt.
Themenmäßig springt es hier hin und da hin, es liest sich wie die Tagebucheinträge eines intellektuellen älteren Mannes, die durchscheinen lassen, dass er sich selbst doch für recht wichtig nimmt.

Nach einem Drittel der Lektüre war ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Ich habe durchgehalten und muss sagen, dass die zweite Hälfte angenehmer zu lesen war. Die Passagen über Rudolfs Eltern, über Tigray und auch zur Partnerin des Erzählers fand ich alle sehr interessant. Die Einstreuungen zur aktuellen weltpolitischen Lage zu Trump, dem Gaza-Krieg und Deutschland empfand ich als eher unpassend und zusammenhanglos.

Auch wenn ich weiß, dass der Erzähler nicht gleichzusetzen ist mit dem Autoren (obwohl die beiden einiges gemeinsam haben), hatte das Leseerlebnis für mich den unangenehmen Beigeschmack von etwas zu viel Ego. Womöglich war das gewollt, denn der Erzähler wird von seiner Partnerin hin und wieder Macho genannt - womöglich spielt das Buch genau damit. Denn auch Feminismus bzw. Sexismus sind Themen, die das Buch ab und zu streift.

Letztlich empfinde ich das Buch nicht als den Versuch, den Sommer 2024 stimmungsmäßig einzufangen, sondern als einen Text über verschiedene Gegebenheiten, die dem Erzähler widerfahren sind, während er dazwischen über die politische Lage und Thomas Mann sinniert. Es trifft sicherlich nicht jeden Geschmack.

3 ⭐
Profile Image for Stefan Wittmann.
92 reviews2 followers
March 31, 2026
Navid Kermani gelingt es in Sommer 24, ein beeindruckend vielschichtiges Panorama unserer Gegenwart zu entwerfen. Die vielen kleinen Geschichten, Begegnungen und Reflexionen verweben sich zu einem dichten Geflecht, das thematisch hochaktuell ist – von politischen Spannungen über gesellschaftliche Umbrüche bis hin zu persönlichen Krisen.

Sprachlich ist der Roman zweifellos anspruchsvoll: Kermani schreibt mit großer Sorgfalt und stilistischer Feinheit, was manche Passagen zu literarischen Miniaturen macht. Gleichzeitig wird diese Komplexität jedoch auch zur Herausforderung – die verschachtelten Erzählstränge und ständigen Perspektivwechsel können das Lesen streckenweise etwas mühsam und langatmig erscheinen lassen.

So bleibt Sommer 24 für mich ein intellektuell spannendes, aber emotional eher distanziertes Buch: bewundernswert in seiner thematischen Tiefe und Relevanz, doch nicht immer fesselnd in seinem Erzählen. Ein Werk, das Respekt abverlangt, aber - trotz seiner Kürze- Geduld voraussetzt.
Profile Image for Daniela.
241 reviews2 followers
Review of advance copy received from Netgalley
February 16, 2026
In sehr eindrucksvoller, literarischer Prosa beschreibt Navid Kermani in seinem Roman Erlebnisse aus Sicht einer Schriftstellers. Neben den Erinnerungen, Schriftstellers an seinen früheren Freund Rudolf, ein Jude, der sich jedoch mehr und mehr dem rechten Lager verbunden fühlte und am Ende den Frei tut, aufgrund der Erkrankung wählte, an Julia, eine junge Frau, die der Schriftsteller vor Jahren in einer Kneipe getroffen und die ihm von ihrer kürzlich erlebten Vergewaltigung erzählte, die er kurzerhand für eine Erzählung nutzte, baut Kermani auch sehr aktuelle politische Bezüge ein.
Das Buch ist sprachlich sehr eindrucksvoll und mutet fast autobiografisch an. Mir gefällt Kermanis Schreibstil sehr das Buch ist sehr kurzweilig. Ich hatte mir gewünscht, dass es etwas länger ist, kann aber auch der Kürze des Buches viel abgewinnen.
Profile Image for Franziska .
387 reviews
June 27, 2026
#reading #review #neuerscheinung2026 #sommer24 #navidkermani

5*

Die ist mein erstes Werk von Navid Kermani. Die Art des Schreibens ist neu für mich. Doch fesselnd und gut zu lesen für mich. Das Buch hat mich durch Cover und Klappentext im Buchladen des Vertrauens gefunden.

Kermani schreibt über einen kurzen Zeitausschnitt Sommer 2024, der durch Ereignisse die Einstellung und auch Abläufe im Leben der beschriebenen Personen, verändert. Dabei liegt der Fokus auf politischen und religionsbezogenen Sichtweisen.

„… Es ist eine tolle Generation. Und wir nehmen ihnen die Zukunft weg.“ (Seite 143)

„An sich selbst arbeiten, so nennt sie es, schon das hat mich immer gestört, das Wort ‚Arbeit, im Zusammenhang mit Liebe.“ (Seite 145)
Profile Image for Franziska Schirmer.
41 reviews
June 19, 2026
Was ich an Navid Kermani bewundere, ist seine Fähigkeit, meine Gedanken, Widersprüche und existenziellen Fragen auszudrücken. Er spricht mir so oft aus der Seele und gibt mir dadurch das Gefühl, nicht allein zu sein mir dieser Schwierigkeit, sich in dieser aufwühlenden Zeit zu positionieren und zu beteiligen, sei es nur durch Meinungsbildung.
Eigentlich kein Roman. Eher Betrachtung und Gedankensammlung. Aber sehr klug, einfühlsam und verbindend. Ich kann es nur empfehlen!
Profile Image for Klara.
23 reviews4 followers
March 5, 2026
Es ist krass wie aktuell heute plötzlich wieder viele Gräuel der Vergangenheit sind, auch weil vieles nicht richtig aufgearbeitet wurde.Auch wie nah unsere angenehme Realität der letzten 25 Jahre zu diesen Gräueln ist und damit auch wie fragil. Das Buch wirft das alles auf.
Profile Image for Marius.
40 reviews
April 24, 2026
Antworten finde ich keine; dafür aber einen Autor, der die zunehmende Entfremdung in unserer Welt ebenfalls erlebt, sie aufsaugt und mir literarisch unterbreitet. Ich verstehe sie nicht mehr als vorher aber ich bin wohl weniger allein damit.
Displaying 1 - 12 of 12 reviews