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Im ersten Licht: Roman

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Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht. Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens. Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes, der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben. Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens? Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.

352 pages, Kindle Edition

First published January 1, 2026

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About the author

Norbert Gstrein

23 books8 followers
Nach einem Studium der Mathematik an der Universität Innsbruck hielt Gstrein sich 1986/87 für sieben Monate zu weiteren Studien an der Stanford University und 1987/88 für fünf Monate an der Universität Erlangen auf. 1988 schloss er seine Dissertation Zur Logik der Fragen ab, die an der Universität Innsbruck von dem Mathematiker Roman Liedl und dem Philosophen Gerhard Frey betreut wurde.

Er erhielt unter anderem den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis.

Der Roman Der zweite Jakob (2021) war für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Norbert Gstrein lebt zur Zeit in Hamburg.

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
502 reviews505 followers
March 8, 2026
Narrative Pflichtaufgabe erfüllt, ohne Mut - sentimental-verschämt schmuddlig.
Shortlist Leipziger-Buchmesse-Preis 2026.

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Inhalt: 4/5 Sterne (Sittengemälde des Duckmäusers)
Form: 4/5 Sterne (schöne, glatte Sprache)
Erzählstimme: 0/5 Sterne (feige-verschlossen)
Komposition: 2/5 Sterne (biographisch-disparat)
Leseerlebnis: 2/5 Sterne (findet nicht zusammen)
--> 12/5 = 2,4 = 2 Sterne

Im ersten Licht hat einen stillen, ängstlichen Protagonisten namens Adrian Reiter. Diese Art Literatur lebt von einer gewissen, sich der Langsamkeit hingebenden Stille wie das atmosphärische, empathische Stoner von John Willams oder Olga Tokarczuks Mieczysław in Empusion, gemischt mit einer gewissen Wiener Vor- und Nachkriegsatmosphäre aus Robert Seethalers Das Café ohne Namen oder Raphaela Edelbauers Die Inkommensurablen. Gstrein bereitet ein wahres Potpourri aus diesen Zutaten:

Sie setzten sich am Ufer ins Gras und tranken den Wein, den Karla aus dem Seehof mitgebracht hatte, und [Adrian] konnte sein Glück nicht fassen, wie sie in ihrem Sommerkleid vor ihm saß, einmal die Arme über den Knien verschränkt, einmal mit weit von sich gestreckten Beinen. Nicht im Krieg gewesen, aber er hatte das Mädchen bekommen. Was für ein unsinniger Gedanke, doch er dachte ihn und fühlte sich den Gesichtsverletzten in der Villa, fühlte sich dem jungen Herrn und Stegner gegenüber gleichzeitig schuldig und überlegen, obwohl er noch Zeit brauchte, bis er ahnte, dass es vielleicht kein Manko war, nicht im Krieg gewesen zu sein, sondern ein Vorteil, etwas, das ihn vor den anderen auszeichnete.

Deutlich wird die Lebensgeschichte von Adrian von einer distanzierten, nicht wirklich mitfiebernden, schon gar nicht sympathisierenden Erzählinstanz geschildert, die durchweg im Dunkeln bleibt und sich im Epilog nur als „Nachkriegsautor“ entpuppt, der während einer Lesung nichts zur Waldheim-Affäre sagen möchte. Leider erweist sich die Unentschiedenheit poetologisch als unfruchtbare Strategie, denn selbst über die vielen Seiten ergibt sich von Adrian kein klares Bild. Er wirkt zusammengesetzt, wie ein Ready-Made, eine Art kriegsverdrossenes Globuli, das seinen Bellizismus homöopathisch über die Laufe seines Lebens mit Pazifismus versetzt.

1982 das Jahr, und »Jungs«, weil er kein anderes Wort dafür hatte und »Burschen« auch nicht besser war, Vivian hatte »boys« gesagt, und das traf es. 1982 das Jahr, er einundachtzig, ein Österreicher mit dem Union Jack in der Hand und manchmal schon schwindligem Kopf und einem englischen Mädchen, das verrückt war und auch als alte Frau noch ein Mädchen sein würde und um ihn herumtanzte und -hüpfte, obwohl Adrian nicht verstand, wem eine Seeschlacht, selbst wenn sie gewonnen war, um ein paar Felsen im Südatlantik nützen sollte.

Im ersten Licht fehlt durchweg die Reflexion und Perspektivierung und so mutiert das teilweise mundgerecht und ästhetisch feilgebotene Erzählte eher wie eine Gute-Nacht-Geschichte zum Einschlafen, angenehm, freundlich, harmlos und dann, leider auch, sinnlos, denn weder durchlaufen die Figuren eine Wandlung noch gerät die Erzählstimme in Wallung noch geschieht irgendetwas, was dem dargebotenen Vor-Sich-Hinsiechen Einhalt gebieten könnte. Die durchweg gelungene ästhetische Form läuft ins Leere, als hätte der Autor einer Pflichtaufgabe genüge getan, die ihm selbst stofflich wenig gegeben und zu keinen poetischen Mut getrieben hat. Dem Stoff fehlt die zündende Idee, überhaupt irgendeine Idee, und so wirkt am Ende, trotz vieler gelungener Stellen, das Buch literarisch so feige wie sein Protagonist es samt K. und K. Kavallerie-Verehrung politisch vorgelebt hat.


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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en):
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: Hauptfigur Adrian Reiter, 1901 geboren, der als Sohn eines sozialistischen Postbeamten, vom Vater kriegsdienstuntauglich verletzt wird, als Jugendlicher Geld im Hotel Schwanen verdient, dort Kriegsinvaliden kennenlernt, von ihnen begeistert, hierdurch Anschluss an die Familie Ellers erhält, die ihm ein Geschichts- und Englischstudium in Wien ermöglicht und eine Stelle als Gymnasiallehrer besorgt, wo er eine Kollegin kennenlernt, sie 1939 heiratet. Die Ehe hält bis 1945, danach wird sein Schuler Martin Baumgartner beinahe einzige soziale Kontaktperson, bis er nach zwei Reisen nach Südtirol mit diesem von den Ellers eine Summe erbt, sich ein Auto kauft und 1957 nach England, zu den Downs reist, wo er Vivian kennenlernt. Vivian trauert um ihren Bruder Teddy Stephen. Adrian hilft ihr, sie kommen zusammen und bleiben zusammen, bis er Anfang der 1980er zu alt wird, um nach England zu fahren. Bei einer Lesung bietet er nun einem Autoren, Norbert Gstrein, seine Lebensgeschichte zu schreiben an, anlässlich der Waldheim-Affäre.
Der Roman versteht sich als Triptychon, zwei mehr oder weniger Opfer des Krieges (Ernest Eller und Teddy Stephen im ersten und dritten Kapitel) werden als Gelenk von einem Täter gehalten , Martin Baumgartner im zweiten Kapitel, ARs Schüler. Das erste und zweite Kapitel spiegeln sich: der gestorbene Sohn Frau Ellers, die von den Downs schwärmt, und der verstorbene Bruder Vivians, die über die Downs spaziert. Beide werden zunächst anonym begraben. Beide erhalten nachträglich beschriftete Gräber. Beiden fühlt sich AR verpflichtet, der aber von der Schuld heimgesucht wird, eine kriegsbegeisterten Kriegsverbrecher mit Martin Baumgartner herangezogen zu haben mit seinen Kriegsgeschichten aus dem 1. Weltkrieg. In einer Nacht beichtet dieser ihm, dass er an Erschießungen von Zivilisten teilgenommen hat. Diese Nachricht raubt AR beinahe den Verstand. Er zieht sich immer weiter zurück, seine Frau verlässt ihn. Er hat Angst als Mittäter und Mitwisser gebrandmarkt zu werden. Erst seine Urlaube in England befreien ihn. Er stellt sich gegen Österreich, gegen die Achsenmächte, und fühlt sich solidarisch mit den Engländern.
Das Buch erhält seinen Twist zum Ende hin, einerseits, als Vivian und er die vom Falkland heimkehrenden Soldaten feiern, er an die Titanic denkt, nicht Angst vor dem Eis, aber Angst, dass das Schiff über den Rand der Welt in den Abgrund fährt.
Adrian Reiter wirkt als harmloser Mitläufer, der sich vom Krieg begeistern lässt, mehr und mehr aber die Folgen des Krieges erkennt, am Ende die Seiten wechselt und statt den österreichischen Kaiser die Fahne des Union Jacks schwingt. AR in keiner Hinsicht entschlossen, eher ein Duckmäuser, ein Opportunist, der sich vom Pathos mitreißen lässt, ganz gleich in welche Richtung, jemand, der sich als Mitläufer auszeichnet und deshalb als Mitläufer behandelt wird.
●Kurzfassung: Ein eher ängstlicher Österreicher versteckt sich vor jedweder Verantwortung und Handlung, wird unfreiwillig durch seine angelesene Kriegsbegeisterung als Geschichtslehrer zum Mitwisser eines Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg, zieht sich noch weiter zurück, verliert seine Ehefrau und sucht Frieden in England, solidarisiert sich durch mit der Schwester eines hingerichteten Deserteurs.
●Charaktere: (rund/flach) Die Figuren wirken rund und lebendig, vielfältig und interessant, eigenwillig und mehrdimensional.
●Überflüssige Szenen/Charaktere: Es hätte keiner Ehe bedurft, Adrians Ehe erscheint künstlich; und auch Karla, die Jugendfreundin, erfüllt keine wirkliche Rolle. Ildiko auch nicht, die Verlobte Ernest; überhaupt erscheinen die Frauenfiguren randständig, selbst Vivian, mehr eine Erscheinung als ein Wesen aus Fleisch und Blut. Hat aber auch mit der sehr phänomenologischen Lebensart Adrians zu tun. Leibhaftig wirkt Martin Baumgartner.
●Besondere Ereignisse/Szenen: schwierig, da der Roman eher vor sich hin driftet, keine wirkliche eigene Richtung einschlägt.
●Diskurs: Kriegsverbrechen, Holocaust, Judenvernichtung, Nationalismus. Auch absterbende Großmachtsphantasien der Österreichs.
… „Die Inkommensurablen“ - vor allem im Ton und Personal; auch „Empusion“, wegen Zeit, des ruhigen Erzählens, sehr unaufgeregt, aber vor allem John Williams „Stoner“, fast haargenaue Parallele. Englische Literatur, Einsamkeit, Außenseiter, nicht im Krieg, Verhältnis mit jüngerer Lehrerkollegin, tyrannisiert von einem Kriegsrückkehrer (Martin Baumgartner strukturell Finch), die unglückliche Ernestine als Stoners Tochter.
… inhaltlich hält das Buch einiges bereit, einige Spannungsböden wie die historischen Übergänge für Adrian, wie sich seine Ehe mit Elfriede, seine Freundschaft mit Martin, seine Liebesaffäre mit Vivian entwickelt. Leider doch zu entfernt, lückenhaft erzählt, so viele Leerstellen, zu wenig im Schwung der jeweiligen Szenen, zu panoramahaft, mehr Gemälde als Dynamik. Als Gemälde dennoch stimmungsvoll und überzeugend, obgleich das letzte statische Strahlen fehlt.
--> 4 Sterne


Form:
●Eindruck: schön geschrieben, angenehm zu lesen, interessante Wörter, Satzbauten, abwechslungsreich, wenig bis gar nicht manieriert, sehr in einem Guss, als Sprache schön, genussvoll, fiktionalisiert, und stets im tragenden, sehr deutlich perspektivierten Ton.
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) hoher Fiktionalitätsgrad, deshalb wirkt der diskursive Anschluss am Ende zur Waldheim-Debatte fehlerhaft und störend
●Auffälligkeiten: sehr züchtig geschrieben.
●Innovation: sehe ich keine
… insgesamt sprachlich ein Höhepunkt der Gegenwartsliteratur, eine deutliche Fokussierung der Stimmung, der Wortwahl, der farblichen Unterstreichung des Geschehen durch narrativen Singsang, obgleich einlullend. Wegen fehlenden sprachlichen Mutes
--> 4 Sterne


Erzählstimme:
●Eindruck: kommentierend, sich herausziehend, distanziert, skeptisch, teilweise sogar ironisiert, etwas herablassend trotz empathischen Gestus. Es ist klar, dass Adrian kein Held für die Erzählstimme darstellt. Die Erzählinstanz jedoch taucht nicht auf. Sie bleibt als selegierende Kraft im Hintergrund – entspricht der Feigheit des Protagonisten.
●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): weder noch.
●Erzählverhalten, -stil, -weise: ironisierend, sittsam, klar als souveräne Distanzierung lesbar, Immunisierungs- und Abstandsgeste
●Einschätzung: solche Erzählhaltungen können sich kaum stofflich plausibilisieren. Es bleibt der fade Geschmack zurück, es handelt sich einerseits um eine zarte Satire, oder eine Pflichtaufgabe, oder eine Art Abstandshaltung, ambivalent. Es stellte bei mir das Gefühl ein, das Buch wollte und konnte nicht geschrieben werden, und die Erzählhaltung rettet, was sie kann, nämlich nichts.
--> 1-1=0 Sterne


Komposition:
●Eindruck: die Triptychon-Idee in allen Ehren, aber das ganze Buch erhält keinen guten Rahmen, eigentlich eine Art Biographie, die die Etappen eines Lebens herunterspult, keine zweite Ebene in der Entwicklung, keine sich entfaltenden Sinndimension, eher ein klein, klein, weiter und weiter. Das Ende mit der Titanic und der Waldheim-Affäre, das Ende des Kalten Krieges, das Ende des Schweigens etc … das will dann doch eher bedeutungsschwanger daherkommen und erlaubt keinen dramatischen Abschluss. Auch das nicht benannte Beziehungsende mit Vivian wiegt schwer, auch dass seine Ehefrau nicht mehr vorkommt, auch wie er Ernestine in Stich lässt, alles sehr unfertig, unrund, sehr fragmentiert.
●Signal/Noise-Ratio: hohe Signaldichte, sehr eng an der Person, keine Abschweifungen, die ins Gewicht fielen
●Operative Geschlossenheit: nein, da die Geste Adrians, und des Erzählens, die Enthaltung bleibt, das Nicht-Position-Beziehen, das Abnicken, Weiter, … immer wieder.
●Rahmenstabilisierende Details: nein, das Jahrhundert als Zahl taugt nichts, und auch nicht der Falkland-Krieg mit der Titanic etc …
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): das ist gelungen, interessant und rhythmisch.
●Extradiegetische Abschnitte: nein
●Lose Versatzstücke: nein, bis auf die Frauenfiguren, deren Geschichte unerzählt bleibt
●Reliefbildung: so sehr ein Singsang eines Sich-Herausnehmenden.
●Einschätzung: unentschlossen, und hierdurch am Ende disparat und inkohärent, eher zusammengeschustert aus fremden Details, wahrscheinlich eben das zusammengeklebt, mit der ironisierenden Erzählweise, was er vom wirklichen Adrian Reiter gesagt bekommen hat. Der Erzähler hat ein Versprechen eingelöst, aber nicht sehr im Sinne Adrians, oder doch im Sinne, nostalgisch gebrochen, sentimental-verschämt. Etwas schmuddlig.
--> 2 Sterne


Leseerlebnis:
●Zusammenfassung: Interesse erzeugende Stimmung und Sprache, sehr ruhig, sehr verzögert, nach innen gekehrt, eine langsame, konfliktscheue Hauptfigur mit Adrian Reiter, der durch sein Leben driftet, von äußeren Umständen hin und her gepeitscht wird, sich kaum zu wehren weiß, am Ende aber eine Art Happy End findet, in den Armen der exzentrischen Engländerin Vivien … mich hat vor allem der Abschluss mit der Waldheim-Affäre gestört, aber der Autor hat wohl selbst empfunden, dass der Roman als Konzeption nicht klar genug ist und deshalb eine Art politische Motivation ans Ende gestellt. Es fragt sich schon, warum das eigentlich erzählen? Mit der Waldheim-Affäre gibt er den Hinweis auf das Schweigen, Verschweigen, auf das Fehlen der Vergangenheitsbewältigung … die Sehnsucht, die vielen Adrians, das Ungeklärte, die vermittelte Schuld, und die Gefahr, dass sich alles wiederholt, wie sich auch in Adrians Leben sehr viel wiederholt (Teddys Grabstein-Beschriftung, Ernest Grabstein-Beschriftung etc …) … was mich noch stört: Es fehlt der Abschied von Vivien, der Engländerin. Er hat einen Autounfall und kann nun nicht mehr zu Besuch kommen, Anfang der 1980er? Keine Briefe mehr? Kein Wort mehr über die Liebe seiner letzten 20 Jahre? Und auch seine Ehefrau Elfriede verschwindet einfach. Alle anderen kommen wieder, die ganze Jugend, Ildiko, Ernestine, nur die Frauen in seinem Leben nicht? Auch nicht Karla? Das ist eigentümlich … und befremdlich, lässt etwas verstört Narzisstisches zurück.
●eigenständig? (Inhalt: ja/nein) ja, als Stimmung und Einstimmung
●glaubwürdig? (Erzählinstanz: ja/nein) auch dies, als Unentschlossenheit
●schön? (Sprache/Form: ja/nein) sprachlich schön
●stimmig?(Komposition: ja/nein) sehr stimmig
●ein zweites Mal lesen? Besitzt keine weitere Ebene, nein, insbesondere im Rückblick zu fragmentarisch, ein einziges Wozu bleibt.
--> 2 Sterne
Profile Image for Anna Carina.
696 reviews375 followers
March 7, 2026
»Hörst du das auch, Karla?« Sie antwortete lange nicht und fragte erst dann nach, was er meine, eher gelangweilt, als dass sie es wirklich wissen wollte. »Die Stille«, sagte er. »Hörst du es nicht?« »Was soll mit ihr sein?« »Sie hört sich an wie Geschützdonner in der Ferne.« Karla schüttelte lauschend den Kopf. »Ach was!« sagte sie. »Das klingt mir zu gesucht. So viel Empfindsamkeit tut niemandem gut. Für mich hört die Stille sich an wie die Stille.«

Diese Szene ist Sinnbild des Romans.
Adrian Reiter steht sein Leben lang an einer seltsamen Schwelle. Der Erste Weltkrieg hat ihn nie erreicht – sein Vater hat ihn mit der Axt zum Invaliden gemacht, um ihn vor der Front zu bewahren. Und doch scheint der Krieg in ihm nachzuhallen.

Während andere einfach Stille hören, hört Adrian darin etwas anderes. Ein Echo.
Eine Art Verschiebung: Die Zeit ist vorbei, aber als Spannung, Erwartung und Drohung bleibt sie da.
Er wartet auf den Knall, der mit Verzögerung eintreffen müsste, aber nie eintrifft.
Und das passt zu seiner Figurenzeichnung. Er lebt im Modus der verspäteten Erschütterung.
Norbert Gstrein erzählt das ohne große Gesten. Jahrzehnte ziehen vorbei, Ereignisse geschehen – aber Adrian bleibt ein Mensch, der immer kurz vor einer Erkenntnis steht und sie doch nicht ganz vollzieht.

Das Buch hat einen gewissen Reiz, allerdings las sich die zweite Hälfte zu konstruiert, zu gewollt und zog eine Ebene ein, die mir den geisterhaften Adrian etwas kaputt gemacht hat.
Daher vergebe ich insgesamt 2,5 Sterne. Die erste Hälfte war mir 3 Sterne wert.

Und als Hinweis an alle die identifikatorisch lesen und auf Plot aus sind: das könnte mit diesem Buch etwas unerfreulich werden.

Auf meinem Blog lesefalten.de gehe ich ausführlicher auf das Buch ein.
Profile Image for Tom K..
85 reviews12 followers
March 10, 2026
2,5 Sterne

Für zwei Sterne spricht, dass mich gegen Ende von Teil III zunehmend die Unlust packte, dieser Geschichte weiter folgen zu müssen. Während ich in Teil I und II die vage Hoffnung hegte, in Teil III würde sich noch einmal wirklich etwas bewegen, ein neuer Aspekt hinzukommen oder sich die Persönlichkeit dieses Adrian Reiter um eine interessante Facette erweitern, wurde ich in Teil III enttäuscht. Es bliebt so ereignislos wie in den ersten beiden Teilen. Adrian Reiter blieb so aufregend wie kalt gewordener Fisch.

Für drei Sterne spricht eine gewisse Klassizität des Stils, die das Buch insgesamt gut lesbar macht, an einigen Stellen jedoch auch sehr ins Behäbige und Biedermeierhafte abrutscht. Es ist betulich. Das passt natürlich zum Protagonisten, verbreitet aber auch eine gewisse Langeweile.

Die letzten Seiten - die eine Begegnung mit einem Autor schildern - entwickeln noch einmal eine kurze Spannung. Die Frage der Zuhörerin bei der Lesung! Das ist ein Moment. Doch: auch er verpufft.

Es mag sein, dass ich etwas übersehen oder überlesen habe. Aber im Moment ist mir nicht klar, warum dieser Roman auf der Nominierungsliste zum Preis der Leipziger Buchmesse steht. Was ist seine Stärke?

Beim Lesen hatte ich immer wieder Arno Geigers wunderbaren Roman "Unter der Drachenwand" im Kopf. Dessen Protagonist war mir nahe. Er lebte. Dagegen konnte mich dieses Buch nicht überzeugen.
Profile Image for Matthias Kühle.
33 reviews2 followers
March 6, 2026
Ich wollte das Buch zu Ende lesen, wirklich! Ich habe gekämpft, mit mir gerungen und dann, noch 80 Seiten vor mir, aufgegeben.
Ich habe mich so gefreut auf das Buch, viel besprochen wurde es, in den Himmel gelobt von denen deren literarische Meinung ich schätze.
Aber es hat nichts genützt.
Zusammengefasst kann man sagen, es ist nicht nur eine Geschichte über einen mutlosen Drückeberger, sie ist zudem auch sagenhaft mutlos niedergeschrieben. Keinerlei Anspruch in Sprache und literarischer Finesse. Das Buch möchte still sein aber überwältigend. Aber es ist weder das eine noch das andere. Hier kann ich ohne zu überlegen STONER von John Williams oder EIN GANZES LEBEN von Robert Seethaler einwerfen, beide haben das grandios gemacht. Hier ist es nur belanglos und überflüssig.
Die Geschichte scheitert an allem, dabei kann man durch den I. und II. Weltkrieg und jeweils die Jahre dazwischen als Thema schon von einer sogenannten Steilvorlage sprechen. Diese Chance lässt Norbert Gstrein ungenutzt verstreichen.
Ich ärgere mich, schließe das Buch aber versöhnlich, wissend, dass es manchmal eben einfach nicht klappt.
Profile Image for Janno .
20 reviews4 followers
March 8, 2026
Gegen Ende hin sehr unbefriedigend. Die ersten beiden Teile las ich mit (wenn auch verhaltenem) Interesse. Dieser dritte England-Teil wirkte so, als müsste der Roman um jeden Preis gestreckt werden.
Displaying 1 - 5 of 5 reviews