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Sprechen
Daniela Dröschers sehr persönliche Geschichte der Selbstermächtigung – von einer schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau. Und die Frage, wie wir sprechen sollten, um einander wirklich zu verstehen.
Ein harmloses Mittel der Verständigung war Sprechen für die Schriftstellerin Daniela Dröscher nie. Als Kind einer Zugezogenen im Hunsrück zwischen Hochdeutsch und breitem Pfälzer Dialekt erwies sich Sprechen als ein so zweischneidiger Akt der Anpassung, dass sie lieber verstummte. Außerhalb des Privaten fehlte ihr auch später lange der Mut zum Einstehen für das eigene Wort, zu groß war die Angst davor, als Aufsteigerin erkannt oder missverstanden zu werden. Mit radikaler Offenheit erzählt sie von ihrer Emanzipation von einer schamhaft schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau. Dabei denkt sie darüber nach, ob nicht gerade die Bereitschaft zum Missverstehen die eigentliche Voraussetzung für wahres Verständnis und einen produktiven Gesellschaftsdialog sein könnte.
Ein harmloses Mittel der Verständigung war Sprechen für die Schriftstellerin Daniela Dröscher nie. Als Kind einer Zugezogenen im Hunsrück zwischen Hochdeutsch und breitem Pfälzer Dialekt erwies sich Sprechen als ein so zweischneidiger Akt der Anpassung, dass sie lieber verstummte. Außerhalb des Privaten fehlte ihr auch später lange der Mut zum Einstehen für das eigene Wort, zu groß war die Angst davor, als Aufsteigerin erkannt oder missverstanden zu werden. Mit radikaler Offenheit erzählt sie von ihrer Emanzipation von einer schamhaft schweigenden zur öffentlich sprechenden Frau. Dabei denkt sie darüber nach, ob nicht gerade die Bereitschaft zum Missverstehen die eigentliche Voraussetzung für wahres Verständnis und einen produktiven Gesellschaftsdialog sein könnte.
105 pages, Kindle Edition
Published April 21, 2026
About the author
Daniela Dröscher
17 books50 followersDaniela Dröscher, Jahrgang 1977, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Promotion im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam sowie ein Diplom in »Szenischem Schreiben« an der Universität Graz. Ihr Romandebüt »Die Lichter des George Psalmanazar« erschien 2009, es folgten der Erzählband »Gloria« (2010) und der Roman »Pola« (2012) sowie das Memoir »Zeige deine Klasse« (2018). Sie wurde u.a. mit dem Anna Seghers-Preis, dem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds sowie dem Robert-Gernhardt-Preis (2017) ausgezeichnet. Der Roman »Lügen über meine Mutter« (2022) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und ist bald im Kino zu sehen.
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Community Reviews
Displaying 1 - 13 of 13 reviews
May 6, 2026
Eins meiner Lieblingsbücher der Leben-Reihe und ein toller Essay einer tollen Autorin. Gerade beim Thema Sprache auch sehr als Hörbuch zu empfehlen. Und auch als Fan ihrer anderen Werke hat man einen noch besseren Zugang zur Bedeutung der Thematik für Daniela Dröscher persönlich. Aber es ist auch ohne Vorkenntnisse ein guter Essay mit genau der richtigen Mischung aus Persönlichem, Abstrakten und Politischem sowie Analysen und Zitaten.
April 29, 2026
Ganz toll, wieviele Facetten von Sprechen Daniela Dröscher hier in einem so kurzen Essay unterbringt!
May 15, 2026
Ich hatte gelernt den Fehler zu umarmen ❤️
May 6, 2026
Im große und Ganzen fand ich's gut. Für mich war nicht viel Neues mit dabei aber das ist dem Verschuldet, dass ich mich mit dem Thema bereits sehr ausgiebig beschäftigt habe. Besonders gut hat mir das 4. Kapitel gefallen! Über Yoko Tawada lese/höre ich immer gerne :)
Die persönliche Komponente, die ja prägend für diese Reihe ist, mochte ich auch sehr.
Mit zwei drei Stellen hatte ich meine Probleme; beispielsweise wird gesagt Sprache sei Macht und dann wird von Krieg statt Gen*zid gesprochen (Meiner Meinung nach hätte das Buch diese Stelle eh nicht gebraucht). Kann es trotzdem empfehlen, eignet sich auch super als Hörbuch.
Die persönliche Komponente, die ja prägend für diese Reihe ist, mochte ich auch sehr.
Mit zwei drei Stellen hatte ich meine Probleme; beispielsweise wird gesagt Sprache sei Macht und dann wird von Krieg statt Gen*zid gesprochen (Meiner Meinung nach hätte das Buch diese Stelle eh nicht gebraucht). Kann es trotzdem empfehlen, eignet sich auch super als Hörbuch.
May 16, 2026
Sehr kurzer Essay, der mir Daniela Dröschers wunderbares Schreiben ihrer Romane ebenso wie umfassende Gedanken übers Sprechen nahegebracht hat.
Read
April 28, 20264,5 Sterne
Dieses Buch hat Perspektive zu einem Thema gegeben, von dem mit nicht bewusst war, wie viel Unsicherheit dazu in mir steckt.
Was meine Art, mit anderen (menschenverachtenden) „Meinungen“ – und vor allem eigentlich den Menschen dahinter – in Kontakt zu treten betrifft, ist das, was ich meist intuitiv tue oder für hilfreich halte womöglich nicht sonderlich sinnvoll.
Mir sagt das, dass ich in diesem Bereich noch sehr viel zu reflektieren habe.
Ob ich der Autorin in Allem zustimme, weiß ich noch nicht – habe aber vor, es herauszufinden.
Bottom line:
Dieses Buch hat mir ziemlich viel zu denken gegeben über die Art, wie ich mit “Konflikten” (vor allem, was menschlich/ politische Wertekonflikte betrifft) umgehe und Aufklärungsarbeit angehe.
Dieses Buch hat Perspektive zu einem Thema gegeben, von dem mit nicht bewusst war, wie viel Unsicherheit dazu in mir steckt.
Was meine Art, mit anderen (menschenverachtenden) „Meinungen“ – und vor allem eigentlich den Menschen dahinter – in Kontakt zu treten betrifft, ist das, was ich meist intuitiv tue oder für hilfreich halte womöglich nicht sonderlich sinnvoll.
Mir sagt das, dass ich in diesem Bereich noch sehr viel zu reflektieren habe.
Ob ich der Autorin in Allem zustimme, weiß ich noch nicht – habe aber vor, es herauszufinden.
Bottom line:
Dieses Buch hat mir ziemlich viel zu denken gegeben über die Art, wie ich mit “Konflikten” (vor allem, was menschlich/ politische Wertekonflikte betrifft) umgehe und Aufklärungsarbeit angehe.
June 27, 2026
"Im Japanischen gibt es eine Begrüßungsformel, die ich sehr mag, weil sie genau das signalisiert. Man sagt, vor allem wenn man sich zum ersten Mal begegnet, »yoroshiku onegai shimasu«, und wünscht sich damit »gegenseitiges Wohlwollen«. Es ist ein schöner Wunsch, der dazu anhält, möglichst offen und unvoreingenommen in ein Gespräch zu gehen. Mich nicht in dem Irrglauben zu wähnen, einen anderen Menschen vollständig einschätzen, ihn immer richtig »lesen« zu können."
"Ein »wir« kann es nur geben, wenn es ein »ich« und ein »du« gibt. Wenn ich in der Lage bin, mein eigenes Ego auf eine Weise zu reflektieren, die es mir erlaubt, mich wirklich in die Verbindung mit meinem Gegenüber zu begeben - ohne es unablässig mit meinen Projektionen zu überziehen."
"Bei sogenannten parentifizierten Kindern, wie ich eines bin, entsteht oft das Gefühl, »zu viel« zu sein, eine Belastung für die ohnehin schon dauerhaft überlasteten Eltern. Man kommt zu dem fatalen Schluss, dass es sicherer ist, die eigenen Bedürfnisse unausgesprochen zu lassen. Zu schweigen, statt zu sprechen, zu schlucken, statt zu schreien, oder auch: zu explodieren, wenn das Fass überläuft."
"Weibliche Wut ist eine extrem wichtige Errungenschaft in einer jeden FLINTA-Biografie, so auch meiner. "
"Ich würde immer dafür plädieren, dass Menschen sich verwandeln, neu erfinden dürfen. Niemand muss bleiben, was er (vermeintlich) »ist«."
"In der Liebe ist ein sprachliches Paradox am Werk. Einerseits scheint es wichtig, seine Gefühle explizit zu artikulieren, zugleich soll man sich »ohne Worte« verstehen."
"Es brauchte viele feministische Bücher, um eine feministische Sprache der Liebe zu entwickeln: Ich sage, was ich brauche. Ich benenne rechtzeitig meine Grenzen. Niemand muss mich retten und ich muss niemanden retten. Ich gehe im Streit nicht aus der Verbindung, sondern lasse unterschiedlichste unangenehme Gefühle kommen und gehen. Ich kenne mich hinreichend und kann um Hilfe bitten - um nur einige, aber entscheidende Facetten zu nennen. Vor allem aber rechne ich die Möglichkeit des Missverstehens ein."
"Ich glaube nicht, dass Männer und Frauen auf verschiedenen Planeten beheimatet sind oder dass sie, wie man oft behauptet, verschiedene Sprachen sprechen. Es sind keine fixen Planeten, die wir qua Geburt bewohnen. Vielmehr werden wir dorthin zwangsverwiesen. Planet Venus und Planet Mars sind Konstruktionen, die selbst aus einem Missverständnis hervorgegangen sind, nämlich dem, dass es so etwas wie ein naturhaftes Geschlecht gibt. Im Gegenteil ist es die soziale Grammatik, die das Emotionale traditionell dem Weiblichen, das Logische dem Männlichen zuordnet. Es täte uns Erdenbewohnern so unendlich gut, diese Ordnung zu verqueeren."
"Ich finde es wichtig, mir immer wieder klarzumachen, dass wir nur das von Menschen wissen, was sie uns sagen oder zeigen. Nicht immer sind wir im Bilde darüber, was jemand schon alles durchgemacht hat in seinem Leben, nicht, was jemandem aktuell auf der Seele liegt. Unter der E-Mail-Signatur meiner Kollegin Sharon Dodua Otoo stand eine Weile folgender Satz: »Everybody has a story. Be careful.«"
"Insbesondere mein Verhältnis zum Small Talk hat sich verändert. Habe ich ihn lange als wahlweise oberflächlich, langweilig, spießig, seicht oder perfide abgelehnt, finde ich ihn heute keineswegs überflüssig oder gar per se negativ. Vielmehr scheint er mir so etwas wie der unsichtbare und notwendige soziale Kitt, der in einer Gesellschaft Verbindungen von Angesicht zu Angesicht erzeugt. Wenn wir in der Öffentlichkeit miteinander sprechen, dann oftmals im Sinne des Small Talks, der »kleinen Rede«. Die »phatische«, also beziehungsstiftende Kommunikation dient dazu, flüchtige soziale Bindungen herzustellen: Man redet über die geteilte Situation, in der man sich befindet, etwa wenn die Bahn mal wieder verspätet ist, oder an der Tramhaltestelle, wenn es plötzlich anfängt zu regnen und alle sich dicht gedrängt unterstellen müssen. Gerade dieses Sprechen vermag die Grundstimmung gegenseitigen Wohlwollens zu erzeugen, die mich in der japanischen Grußformel so elektrisiert. Wer häufiger nach Großbritannien oder in die USA reist, kennt die dort gängige Vorliebe für Small Talk. Auch in vielen anderen Ländern ist die leichte, alltägliche Konversation, die Bereitschaft zum Witz und zur Anekdote, an der Tagesordnung. Sie mag ihre Kehrseiten haben, gewiss, aber wenn ich nach Deutschland zurückkehre, vermisse ich all das jedes Mal sehnsüchtig, und sobald sich die Gelegenheit bietet, schleuse ich etwas davon in Gespräche ein. Ich genieße die »kleine Rede«, sie ist Ausdruck meiner gelösten Zunge."
"Zu verstehen, dass das, woran man leidet, nicht genuin im eigenen, als fehlerhaft und defekt empfundenen Selbst, sondern in Strukturen begründet ist, darin liegt etwas ungemein Ermächtigendes."
"Bei Jacques Lacan gibt es eine wunderbare Metapher für die menschliche Wahrnehmung: das »rieselnde Tableau«, was schön zu dem Bild des inneren Schneefelds passt. Alles, was ich sehe, ist gefärbt von dem Schnee, der in mir rieselt. Ich sehe immer »als ich«. Das Gleiche gilt für das Hören."
"Wenn die menschliche Sprache das sein soll, was den Menschen zum Menschen macht, so wünsche ich mir für das 21. Jahrhundert, dass wir lernen, sie auf eine Weise zu gebrauchen, die unserer Menschlichkeit gebührt. Das aber gelingt nur, wenn wir das Missverständnis nicht nur in Kauf nehmen, sondern geradezu umarmen, als eine der vielen Grundbedingungen allen Sprechens. Wer spricht, muss bereit sein, sich zu blamieren, zu riskieren. Das ist der Preis der Arena. Das Versprechen der geopferten Perfektion ist eine Gemeinschaft der Mündigkeit. Diese funktioniert nur, wenn wir einander wohlwollend begegnen. Wenn wir lernen, von unserem eigenen Befinden immer wieder reflexiv Abstand zu nehmen. »Schmeiß dein Ego weg«, hat der Regisseur René Pollesch seinem Publikum einmal von der Agora der Volksbühne aus zugerufen. Seither versuche ich, seinen Rat zu beherzigen. Paradoxerweise klappt es erst besser, seit ich »ich« sage."
"Ein »wir« kann es nur geben, wenn es ein »ich« und ein »du« gibt. Wenn ich in der Lage bin, mein eigenes Ego auf eine Weise zu reflektieren, die es mir erlaubt, mich wirklich in die Verbindung mit meinem Gegenüber zu begeben - ohne es unablässig mit meinen Projektionen zu überziehen."
"Bei sogenannten parentifizierten Kindern, wie ich eines bin, entsteht oft das Gefühl, »zu viel« zu sein, eine Belastung für die ohnehin schon dauerhaft überlasteten Eltern. Man kommt zu dem fatalen Schluss, dass es sicherer ist, die eigenen Bedürfnisse unausgesprochen zu lassen. Zu schweigen, statt zu sprechen, zu schlucken, statt zu schreien, oder auch: zu explodieren, wenn das Fass überläuft."
"Weibliche Wut ist eine extrem wichtige Errungenschaft in einer jeden FLINTA-Biografie, so auch meiner. "
"Ich würde immer dafür plädieren, dass Menschen sich verwandeln, neu erfinden dürfen. Niemand muss bleiben, was er (vermeintlich) »ist«."
"In der Liebe ist ein sprachliches Paradox am Werk. Einerseits scheint es wichtig, seine Gefühle explizit zu artikulieren, zugleich soll man sich »ohne Worte« verstehen."
"Es brauchte viele feministische Bücher, um eine feministische Sprache der Liebe zu entwickeln: Ich sage, was ich brauche. Ich benenne rechtzeitig meine Grenzen. Niemand muss mich retten und ich muss niemanden retten. Ich gehe im Streit nicht aus der Verbindung, sondern lasse unterschiedlichste unangenehme Gefühle kommen und gehen. Ich kenne mich hinreichend und kann um Hilfe bitten - um nur einige, aber entscheidende Facetten zu nennen. Vor allem aber rechne ich die Möglichkeit des Missverstehens ein."
"Ich glaube nicht, dass Männer und Frauen auf verschiedenen Planeten beheimatet sind oder dass sie, wie man oft behauptet, verschiedene Sprachen sprechen. Es sind keine fixen Planeten, die wir qua Geburt bewohnen. Vielmehr werden wir dorthin zwangsverwiesen. Planet Venus und Planet Mars sind Konstruktionen, die selbst aus einem Missverständnis hervorgegangen sind, nämlich dem, dass es so etwas wie ein naturhaftes Geschlecht gibt. Im Gegenteil ist es die soziale Grammatik, die das Emotionale traditionell dem Weiblichen, das Logische dem Männlichen zuordnet. Es täte uns Erdenbewohnern so unendlich gut, diese Ordnung zu verqueeren."
"Ich finde es wichtig, mir immer wieder klarzumachen, dass wir nur das von Menschen wissen, was sie uns sagen oder zeigen. Nicht immer sind wir im Bilde darüber, was jemand schon alles durchgemacht hat in seinem Leben, nicht, was jemandem aktuell auf der Seele liegt. Unter der E-Mail-Signatur meiner Kollegin Sharon Dodua Otoo stand eine Weile folgender Satz: »Everybody has a story. Be careful.«"
"Insbesondere mein Verhältnis zum Small Talk hat sich verändert. Habe ich ihn lange als wahlweise oberflächlich, langweilig, spießig, seicht oder perfide abgelehnt, finde ich ihn heute keineswegs überflüssig oder gar per se negativ. Vielmehr scheint er mir so etwas wie der unsichtbare und notwendige soziale Kitt, der in einer Gesellschaft Verbindungen von Angesicht zu Angesicht erzeugt. Wenn wir in der Öffentlichkeit miteinander sprechen, dann oftmals im Sinne des Small Talks, der »kleinen Rede«. Die »phatische«, also beziehungsstiftende Kommunikation dient dazu, flüchtige soziale Bindungen herzustellen: Man redet über die geteilte Situation, in der man sich befindet, etwa wenn die Bahn mal wieder verspätet ist, oder an der Tramhaltestelle, wenn es plötzlich anfängt zu regnen und alle sich dicht gedrängt unterstellen müssen. Gerade dieses Sprechen vermag die Grundstimmung gegenseitigen Wohlwollens zu erzeugen, die mich in der japanischen Grußformel so elektrisiert. Wer häufiger nach Großbritannien oder in die USA reist, kennt die dort gängige Vorliebe für Small Talk. Auch in vielen anderen Ländern ist die leichte, alltägliche Konversation, die Bereitschaft zum Witz und zur Anekdote, an der Tagesordnung. Sie mag ihre Kehrseiten haben, gewiss, aber wenn ich nach Deutschland zurückkehre, vermisse ich all das jedes Mal sehnsüchtig, und sobald sich die Gelegenheit bietet, schleuse ich etwas davon in Gespräche ein. Ich genieße die »kleine Rede«, sie ist Ausdruck meiner gelösten Zunge."
"Zu verstehen, dass das, woran man leidet, nicht genuin im eigenen, als fehlerhaft und defekt empfundenen Selbst, sondern in Strukturen begründet ist, darin liegt etwas ungemein Ermächtigendes."
"Bei Jacques Lacan gibt es eine wunderbare Metapher für die menschliche Wahrnehmung: das »rieselnde Tableau«, was schön zu dem Bild des inneren Schneefelds passt. Alles, was ich sehe, ist gefärbt von dem Schnee, der in mir rieselt. Ich sehe immer »als ich«. Das Gleiche gilt für das Hören."
"Wenn die menschliche Sprache das sein soll, was den Menschen zum Menschen macht, so wünsche ich mir für das 21. Jahrhundert, dass wir lernen, sie auf eine Weise zu gebrauchen, die unserer Menschlichkeit gebührt. Das aber gelingt nur, wenn wir das Missverständnis nicht nur in Kauf nehmen, sondern geradezu umarmen, als eine der vielen Grundbedingungen allen Sprechens. Wer spricht, muss bereit sein, sich zu blamieren, zu riskieren. Das ist der Preis der Arena. Das Versprechen der geopferten Perfektion ist eine Gemeinschaft der Mündigkeit. Diese funktioniert nur, wenn wir einander wohlwollend begegnen. Wenn wir lernen, von unserem eigenen Befinden immer wieder reflexiv Abstand zu nehmen. »Schmeiß dein Ego weg«, hat der Regisseur René Pollesch seinem Publikum einmal von der Agora der Volksbühne aus zugerufen. Seither versuche ich, seinen Rat zu beherzigen. Paradoxerweise klappt es erst besser, seit ich »ich« sage."
Did Not Finish
July 7, 2026In Romanform gegossen fände ich all die interessanten Aspekte, die hier behandelt wurden, 1000fach besser. Aber ach, es liegt an mir, ich bin einfach keine Sachbuch- oder Essay-Leserin. Mir fehlt dabei einfach die Kunst. Ich fühle mich belehrt ganz ohne ästhetischen Genuß. Hoffe, das nächste Buch von ihr wird wieder ein Roman!
June 17, 2026
Ich liebe die Art wie Daniela Dröscher schreibt und spricht. Ihre Art Dinge zu reflektieren beeindruckt mich enorm.
May 15, 2026
Die Autorin lädt uns ein Missverständnisse zu umarmen und das ist wohl das Letzte womit ich gerechnet hätte. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine ausgeprägte Sprache, wohl überlegte Worte und ein präzises Sprechen Missverständnissen vorbeugen, sie sogar vermeiden können. Ich bin begeistert von dieser für mich neuen Perspektive und kann definitiv etwas daraus schöpfen.
May 25, 2026
viele gute denkanstöße aber sprachlich doch eher komplexer formuliert, dass es vermutlich für viele nicht zugänglich ist :/
May 28, 2026
ich liebe die hanser „leben“-reihe und hab mich, als angehende deutsch- und spanisch-lehrerin, vor allem auf den band „sprechen“ gefreut. drescher schreibt spannend über dialekte, das sprechen auf dem dorf, wie es ist, als erstakademikerin germanistik zu studieren (i know the drill), klassismus und zur eigenen stimme finden im literaturzirkus. aufgrund meiner so engen beziehung zum „sprechen“ fand ich die ganz neuen, von meinen erfahrungen abweichenden einblicke schön und musste mich hier aber auch von den erwartungen, meine und ihre würden sich decken, distanzieren, um es zu genießen. gerade der aufruf zum ich und zum kollektiven akzeptieren von missverständnissen im sprechen waren schön und sollten wir uns alle mehr zu herzen nehmen.
April 21, 2026
Als Kind nach Deutschland gezogen, zuerst eine neue Sprache lernen müssen, mit Dialekt, dann ohne, stand Daniela Dröscher immer irgendwie zwischen den Stühlen. Zuerst hat sie der Pfälzer Dialekt von ihren Mitstudierenden getrennt, dann eignet sie sich Hochdeutsch an und fühlt sich auf einmal wie eine Aussätzige in der eigenen Familie.
Sie untersucht, wie unsere Art zu Sprechen uns auszeichnet, was klare Kommunikation bedeutet, und ob es nicht vielleicht manchmal besser ist, Raum für Missverständnis einzuplanen.
Anhand sehr persönlicher Anekdoten zeigt Daniela Drescher, was Sprechen für sie bedeutet und wie auch unausgesprochene Dinge unsere Leben beeinflussen können.
Sie untersucht, wie unsere Art zu Sprechen uns auszeichnet, was klare Kommunikation bedeutet, und ob es nicht vielleicht manchmal besser ist, Raum für Missverständnis einzuplanen.
Anhand sehr persönlicher Anekdoten zeigt Daniela Drescher, was Sprechen für sie bedeutet und wie auch unausgesprochene Dinge unsere Leben beeinflussen können.
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