Das neue Buch des Schweizer Buchpreisträ eine Erkundungsreise ins unbekannte Land des Alters
Der Mikrobiologe Paul Bálint feiert mit ehemaligen Kollegen in Paris seinen 80. Geburtstag. Er wird geehrt und spürt zugleich, dass die Feier auch ein Abschied ist. Er befindet sich, so sein Freund Steinberg, an der Schwelle zwischen dem „jungen Alter“ und dem „alten Alter“ – einer Phase, in der nichts mehr selbstverständlich ist und sich die Vergänglichkeit in allen Dingen bemerkbar macht. Doch statt sich nur mit dem Verlust zu beschäftigen, will Bálint die neue Lebensphase erkunden wie ein unbekanntes Was bedeutet das Alter für den Körper, die Erinnerung, das Gefühl für das Selbst und die Zeit, für das Verhältnis zu den Mitmenschen, den lebenden wie den toten? Je mehr er sich mit dem Alter beschäftigt, desto deutlicher zeigt sich ihm ein Leben voller neuer Möglichkeiten. Es bietet ihm zudem die große Freiheit, sich ohne Rücksicht auf Konventionen und wissenschaftliche Regeln einen eigenen Reim auf die heutige Welt und ihre Veränderung zu machen.
Haller studierte Zoologie an der Universität Basel. Er war acht Jahre als Bereichsleiter der „Sozialen Studien“ am Gottlieb Duttweiler Institut tätig und vier Jahre als Dramaturg am Theater Claque in Baden. Von 1994 bis 2000 war er Mitglied der Theaterkommission der Stadt Zürich. Er schrieb seit den 1980er Jahren zahlreiche Erzählungen, Romane sowie einige Bühnenstücke. Einige seiner Werke wurden ins Russische und Rumänische übersetzt. Er ist Kolumnist der Aargauer Zeitung und lebt als freier Autor in Laufenburg.
Anlässlich einer bevorstehenden Vorlesung, die den Titel "Literaturkritk: Lesen - Urteilen - Vermitteln" trägt, habe ich mich an diese Erzählung von Haller gemacht. Diese ist nämlich Pflichtlektüre. Aufgrunddessen bin ich möglicherweise mit einer kritischeren, vielleicht gar "nörgelnden" Attitüde an dieses Buch heran, was wiederum meine 3-Sterne-Bewertung erklären könnte. Nichtsdestotrotz habe ich mich an mehreren Stellen im Buch gestört. Manchmal waren es holprige Sätze, die den Lesefluss störten oder aber Informationen, welche bereits zwei, sogar drei Mal zuvor erwähnt wurden. Manchmal schienen auch Situationen, in welchen sich der Protagonist befand, sehr aus der Luft gegriffen, was ein mehrmaliges Lesen nötig machte. Ein paar Beispiele und Notizen:
Gefühl bis S. 19: Weder Protagonist noch restliche Figuren werden ausführlich beschrieben (v.a. nicht Aussehen); kann sie mir nicht vorstellen; kann sie nicht spüren/fühlen Auch: Warum wird ausgerechnet der Protagonist ständig mit Nachnamen (Bálint) erwähnt anstatt mit Vornamen (Paul)? Sorgt für Distanz zwischen Leser und Protagonist, nicht?
S. 22 „Er war froh, seinen Kopfhörer bei sich zu haben.“ Notizen: Kopfhörer in Einzahl - irgwie komisch, nicht? Auch irgwie unpassend/unrealistisch, dass ein 80-Jähriger Mann Noise-Cancelling-Kopfhörer nutzt?
Ebenfalls S. 22 Der Blick vom Protagonist wird an dieser Stelle des Buches immer wieder zu seinen Sitznachbarn im Zug gezogen, dann plötzlich „Balint konnte sich den Mann gut in einem Labor vorstellen…“ - Welchen Mann?? Und anhand von ein paar spärlichen Beschreibungen zum Aussehen des Mannes kann sich der Protagonist ein ganzes Berufsleben ausmalen. Komisch irgwie. Und leider kann ich es nicht "fühlen"/nachvollziehen
S.23 Notizen: Wieso werden die random Sitznachbarn genauer beschrieben als alle relevanten Charaktere zuvor? Wie kommt er auf diese random Einschätzungen („Der Mann ist bestimmt Programmierer und hat ein stabiles Leben“, hold up) und erwähnt dann noch ein stabiles Energie/Kraftfeld innerhalb dessen Famile - ich weiss ja nicht.
Mal schauen was in der Vorlesung noch so diskutiert wird. Adieu!