Not am Mann. Die Erfindung toxischer Männlichkeit: [Was bedeutet das alles?] – Wie Popkultur, politische Rhetorik und kulturelle Unsichtbarkeit zur ... ... Universal-Bibliothek)
Was passiert, wenn eine Gesellschaft aufhört, Männern Geschichten zu erzählen, in denen sie sich wiederfinden können? Not am Mann analysiert mit Schärfe und Empathie, wie Popkultur, Politik und Medien ein Vakuum hinterlassen haben, das rechte Influencer, toxische Männerforen und autoritäre Rollenvorbilder wie Trump oder Musk füllen. Zwischen Kinoleinwand und Kommentarspalten, zwischen #MeToo und der AfD wird Wer über Männlichkeit nicht spricht, überlässt das Feld denen, die sie am liebsten in Machtfantasien und Frauenhass konservieren möchten. Ein Buch über Männlichkeit im Umbruch, über gefährliche Sehnsüchte – und darüber, wie wir Jungen und Männern wieder das Gefühl geben können, gesehen zu werden.
Das Buch ist der beste Beweis, dass man eine Straße fast bis ans Ende laufen kann, aber wenn man nach links möchte, nur ganz am Ende einmal nach rechts abbiegen muss, und die ganze Angelegenheit ist eine hirnrissige Nummer. »Not am Mann« ist in vielen Punkten zuzustimmen, nur um dann in seiner Gesamtheit komplett zu kollabieren. Eva Ladipo hat ja sicher einige progressive Ansätze, die ich teile. Aber wer die zunehmende politische Radikalisierung junger Männer über maskulinistische Influencer vor allem damit erklären möchte, dass die linken Feministinnen den Typen zu wenig Mitgefühl zeigen, weil sie nur noch eine klassenvergessene Identitätspolitik betreiben und manchmal sogar unschuldige Männer eines sexuellen Übergriffs bezichtigen – sorry, das ist es einfach nicht. Sie hingegen will immer wieder auf die ökonomischen Verluste hinweisen, die Männer betreffen (soweit richtig, soweit gut), aber macht sich im Endeffekt genau der identitätspolitischen Verengung schuldig, die sie bei den Linken anprangert. Nicht ein einziges Mal kommt ihr der Kapitalismus über die Lippen, und nicht etwa die schärferen kapitalistischen Zwänge führen zu Präkarisierung und Leid der Männer, sondern – so Ladipo – die mangelnde feministische Anerkennung. Klassenvergessenheit hebt man nicht dadurch auf, dass man auch mal ein bisschen Repräsentation für arme Männer fordert. Sondern indem man die Ursachen der kapitalistischen Verelendung, die zu einer Klassengesellschaft führt, als solche benennt.
Ganz ok, schnell gelesen, einige scharfsinnige Analysen, aber mehr Vibes als Substanz. Gefühlt stimmen viele der Beobachtungen, aber einiges ist auch totaler Quatsch. Was will mir Kapitel 4 über fehlende Identifikationsfiguren in Filmen sagen? Als würde das irgendwas daran ändern, dass diese Männer abgehängt sind. Was auch zu kurz kommt: Die abgehängten Männer haben scheinbar keinerlei Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen sich keine neue Identität suchen. Sie dürfen Wutbürger sein und wir müssen ihnen Identifikationsfiguren liefern, die extrem sind, aber nicht extrem rechts bitte, danke.
Zufällig im Buchladen gefunden, tolles Buch, sehr gut wissenschaftlich aufbröseldn durch die verschiedenen Kapitel durchgehend und trotzdem unterhaltsam!