Berlin, in den 1940 Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.
Berlin in den 1940er-Jahren: Im Berliner Mietshaus der Brüder Berkowitz ist Martha E. das Herzstück. Als sparsame Hausbesorgerin hält sie die Fäden fest in der Hand. Die junge Liane Berkowitz ist häufig bei ihr, weil es immer etwas zu entdecken und erleben gibt. Liane ist lebenslustig, neugierig und findet inmitten des Krieges nicht nur die Liebe, sondern auch den Mut zum Widerstand gegen das NS-Regime. Jahrzehnte später streift Martha als vermeintlich verarmte Frau durch dieselben Straßen – als einzige Zeugin, die die Wahrheit über Lianes bewegtes Schicksal bewahrt.
Ich bin ohne Erwartungen an das Buch herangegangen und hatte nicht damit gerechnet, dass es mich gleich so packen würde. Das liegt vor allem an den besonderen Charakteren, aber auch an der tiefen Verbindung zwischen Martha und Liane.
Besonders Martha hat mich beeindruckt: Sie genau weiß, was sie will, ist zuverlässig und konsequent, und hat auch in ihrer Ehe ganz klar „die Hosen an“. Neben dieser Gradlinigkeit hat sie aber auch ein weiches Herz – und das lernt man im Umgang mit Liane kennen. Bei ihr zeigt sie ihre zutiefst liebevolle, fast mütterliche Seite, die einen schönen Kontrast zu ihrer sonst so straighten Art bildet.
Liane selbst kann man gar nicht anders als gernhaben – sie ist ein lebensfroher, fröhlicher Mensch und geht neugierig durch ihr junges Leben. Ihr großes Herz und ihr Drang, trotz der dunklen Zeit etwas zu erleben, machen ihren späteren Weg in den Untergrund und ihr tragisches Ende im Gefängnis für mich umso schmerzlicher.
Der Schreibstil von Shelly Kupferberg ist angenehm leicht und passt trotz der Schwere der Themen gut zur Atmosphäre der 1940er-Jahre. Diese Leichtigkeit nimmt der Thematik ein Stück der erdrückenden Last, ohne dabei aber den Respekt vor den wahren Begebenheiten zu verlieren. Ich fühlte mich der Geschichte und den Charakteren sehr nah, was das Lesen für mich zu einem emotionalen Erlebnis gemacht hat. Denn neben der Geschichte rund um Liane und Martha gibt es auch noch viele kleinere Erzählstränge rund um die Bewohner des Schöneberger Mietshauses, die den Roman sehr greifbar und liebenswert machen.
Es ist eine weitere wichtige Erzählung über Menschen, die sich in ihrem eigenen kleinen Kreis gegen das NS-Regime aufgelehnt haben und deren Schicksal hier würdevoll festgehalten wird.
„Stunden wie Tage“ von Shelly Kupferberg, erschienen im Diogenes Verlag entführt uns in das Berlin des Jahres 1925: die junge Martha tritt die Stelle als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Brüder Berkowitz in Schöneberg an, ohne zu wissen, dass dieses Haus das einzig Konstante in ihrem langen Leben sein wird. In diesem Mietshaus ist jede*r „anders komisch“ und wir dürfen Martha durch die schönen und die furchtbaren Zeiten begleiten: so langsam erstarkt der Nationalsozialismus und alles wird anders. Die patente Martha dabei zu beobachten, wie sie stoisch ihren täglichen Aufgaben als Hausbesorgerin nachgeht, während die Welt um sie herum immer dunkler und böser wird, ist sehr erdend: bis diese Erde eben auch in Marthas Leben ein Beben ungekannten Ausmaßes annimmt und am Ende nichts mehr so ist, wie es war. Nur das Mietshaus der Berkowitz-Brüder steht auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch - und Martha hält sich bis an ihr Lebensende an diesem Haus fest: ohne je zu vergessen, wer dort alles ein- und ausgegangen und nie mehr zurückgekehrt ist. Shelly Kupferberg hat dieses bewegende Büchlein geschrieben, um echten Personen, von denen sie nur wenig wußte, Leben einzuhauchen und diese Schicksale, von denen es unzählige gibt, festzuhalten. Und es ist ihr so großartig gelungen! Ein bewegendes und so bildhaft geschriebenes Buch, das uns zeigt, wie schnell sich der Wind drehen kann: möge es uns eine Warnung sein!
Ich hatte das große Vergnügen Shelly Kupferberg bei einer Lesung erleben zu dürfen. Sie ist eine fantastische Erzählerin, die für ihre Geschichten brennt und weiß, wie sie die Lesenden und die Hörenden begeistert und mitnimmt.
Diesmal erzählt die Autorin von Martha und dem Berliner Mietshaus, deren Hausbesorgerin sie ist. In den 1940er Jahren in Berlin wächst die Angst unter der jüdischen Bevölkerung. Sie werden gegängelt, schikaniert und ausgegrenzt. Sie verschwinden über Nacht, freiwillig oder unfreiwillig. Auch die Schlinge um die Gebrüder Berkowitz zieht sich zu. Der eine Bruder geht rechtzeitig nach England, der andere Bruder kämpft noch um seine Frau und die Tochter, die nicht mitgehen wollen. Eines Tages ist auch er weg und lässt die Familie in Berlin zurück.
Martha bleibt. Egal, was passiert sie kümmert sich, um das Haus, die Mieter:innen und um die zurückgelassene Familie Berkowitz. Sie putzt, räumt auf, sorgt für Schutz und Menschlichkeit und sammelt die Miete ein. Die Jahre sind hart, ihre Verluste auch und nur langsam sieht man das Licht am Ende des Tunnels.
Shelly Kupferberg hat wahre Begebenheiten mit Fiktion verwoben und daraus eine nachdenkliche, teilweise grausame und harte Geschichte geschrieben. Dem Berliner Humor stehen die geschichtlichen Fakten gegenüber. Sie wechseln sich ab, damit man zwischendurch wieder zum Atmen kommt. Eine Grundtraurigkeit läuft beim Lesen mit und hält sich bis zum Schluss, wo die Autorin noch einmal einen Plottwist einfügt, der mich kurz die Luft anhalten ließ. Die Charaktere sind so realistisch und greifbar, als wäre man mit dabei und nicht durch das Papier getrennt. Die politische Situation und das Leid der Menschen, aber auch der Fanatismus, das Misstrauen und die Angst werden sehr gut herausgearbeitet. Mich hat die Geschichte berührt und nachdenklich zurückgelassen.
Berlin in den 1940er-Jahren: Die junge Martha bewirbt sich bei den jüdischen Berkowitz-Brüdern als Hausbesorgerin in ihrem Mehrfamilienhaus in Schöneberg. Sie gilt als fleißig, sittsam, sparsam und loyal. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Miete einzusammeln, sich um kleinere Reparaturen zu kümmern, das Treppenhaus zu pflegen und darauf zu achten, dass sich die Mieter an die Regeln des Hauses halten.
Schon bald lernt Martha den Postzusteller Willy kennen und verliebt sich in sein ruhiges, gutmütiges Wesen. Gemeinsam leben sie in der kleinen Dienstwohnung des Hauses in Schöneberg. Der Wunsch nach einem eigenen Kind bleibt jedoch unerfüllt.
Umso mehr freut sich Martha über die Besuche von Liane, der adoptierten Tochter von Henry Berkowitz, dem jüngeren der beiden Brüder. Henry bringt das Mädchen häufig zu den Hausbegehungen mit, und zwischen Martha und Liane entsteht schnell eine enge Verbindung. Bald besucht Liane Martha und Willy regelmäßig, und das Mädchen wird zu einem wichtigen Teil ihres Lebens.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zieht sich die Schlinge jedoch immer enger um die Familie Berkowitz. Der ältere Bruder erkennt früh die Gefahr und emigriert nach London. Henry hingegen will die Zeichen der Zeit lange nicht wahrhaben. Seine Frau Katharina, die bereits einmal aus Russland fliehen musste, weigert sich, noch einmal alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben in einem fremden Land zu beginnen. Während Henry vor einer folgenschweren Entscheidung steht, verliebt sich Liane – und erkennt viel zu spät, dass sie sich mitten im Umfeld einer Widerstandsgruppe bewegt.
Shelly Kupferberg gelingt es eindrucksvoll, Fiktion und historische Fakten miteinander zu verweben. Auf diese Weise arbeitet sie erneut ein wichtiges Stück Zeitgeschichte literarisch auf. Besonders der ruhige Beginn der Geschichte hat mir sehr gefallen. Zwar entfaltet sich die Handlung zunächst langsam, doch genau dadurch entsteht ein sehr lebendiges Bild des damaligen Alltags. Die vielen alten deutschen Begriffe und Formulierungen verleihen dem Text zusätzlich Authentizität – eine sprachliche Atmosphäre, die heute kaum noch zu finden ist und die ich sehr gern gelesen habe. Im weiteren Verlauf nimmt die Geschichte jedoch enorme Fahrt auf, und die zunehmende Bedrohung ist beim Lesen deutlich spürbar. Ich konnte diese beklemmende Atmosphäre sehr gut nachempfinden.
Fazit: Ein eindringlicher Roman über Menschen und Schicksale, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen – und zugleich eine bewegende Geschichte über Mut und Widerstand in dunklen Zeiten. Eine klare Leseempfehlung. 5/5
Martha ist im Berlin der vierziger Jahre fleißig und sparsam und sie ist eine Hausbesorgerin in einem Mietsgebäude der Brüder Berkowitz. Liane Berkowitz kommt aus gutem Haus, die Mitte im Krieg die Liebe kennenlernt, aber auch den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Und sie wird in ihrem Leben noch viel Leid erleben, aber auch Martha hat es in ihrem Leben nicht leicht, auch wenn sie am mehr besitzt als die meisten, die sie kennen, wissen. Meine Meinung: Hier wird mal wieder die gesamte Härte des Lebens unter der Kriegsherrschaft der Nationalsozialisten deutlich gemacht, besonders als es um die Familie von Liane geht, insbesondere ihrer Tochter, deren Schicksal mich ganz besonders berührt hat. Man kann sich leider ganz genau vorstellen , dass es genau solche Ereignisse gab und dieses Roman beruht ja auch noch auf wahren Begebenheiten, was die Geschichte umso erschreckender macht. Ich habe das Buch als sehr gut empfunden und sehr gern gelesen und kann es uneingeschränkt empfehlen. Fazit: Tolles Buch
Wer ist Martha wirklich? Im Zentrum stehen zwei Frauen, deren Leben sich in einem Berliner Mietshaus berühren und über Jahre hinweg miteinander verbunden bleiben. Der Roman spielt während der Kriegsjahre und später in einer Zeit, in der alte Erinnerungen nachhallen. Martha arbeitet während des Krieges als Hausbesorgerin in Schöneberg. Sie ist ordentlich, sparsam und hält sich meist im Hintergrund. Einer ihrer Arbeitgeber ist Harry Berkowitz. Dessen Tochter Liane kommt oft zu Besuch. Sie ist neugierig und offen. Mit der Zeit wächst eine enge Verbindung zwischen ihr und Martha. Während der Alltag in Berlin immer enger wird, erlebt Liane ihre erste Liebe und beginnt, ihre Umgebung bewusster wahrzunehmen. Ihr Weg führt sie in den Widerstand. Diese Entscheidung wirkt nachvollziehbar und ergibt sich aus der Zeit, in der Angst und Mut oft nah beieinanderliegen. Viele Jahre später taucht Martha wieder auf. Sie zieht durch die Straßen Schönebergs, äußerlich verwahrlost, von den meisten kaum beachtet. Kaum jemand ahnt, wer sie wirklich ist und was sie erlebt hat. Historische Fakten sind sorgfältig eingebettet und drängen sich nicht in den Vordergrund. Dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, ist spürbar, vor allem in der Zeichnung der Figuren. Sie wirken nah und glaubwürdig, mit stillen Entscheidungen und Brüchen, die man noch lange spürt. Die kurzen Kapitel unterstützen einen ruhigen Lesefluss. Sie geben dem Text Raum, ohne ihn auszubremsen. Der Roman wirkt nicht durch Dramatik, sondern durch seine Nähe zu den Figuren und zur Zeit, in der sie leben. Mein Fazit: Dieses Buch verdient meiner Meinung nach volle 5 Sterne. Es erzählt eine ruhige, eindringliche Geschichte über zwei Frauen in Berlin während des Krieges, deren Leben miteinander verbunden ist. Die Protagonisten sind glaubwürdig und die historischen Details gut eingebunden. Die Geschichte wird mir mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Wer historische Romane mit authentischen Figuren, leiser Spannung und einer warmen, unaufgeregten Erzählweise schätzt, wird dieses Buch lieben. Eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne in die Zeit des Zweiten Weltkriegs eintauchen, ohne dass die Handlung übertrieben dramatisiert wird.
Etwa um dieselbe Zeit, in der Elli sich in Lily Grüns Roman „Alles ist Jazz“ (Rezension siehe dort) um ihren Lebensunterhalt sorgt und immer wieder erfolglos vor Schreibtischen katzbuckelt, sucht auch Martha in Shelly Kupferbergs Roman „Stunden wie Tage“ eine Stellung. Sie kommt ebenfalls aus kleinen Verhältnissen, will aber keineswegs auf die Bühne. Ellis und Marthas Wege hätten sich in der Wirklichkeit kaum berührt. Marthas Ziele sind viel pragmatischer. Sie hat eine Ausbildung als Kontoristin und bewirbt sich um eine Stelle als Hausbesorgerin in dem Schöneberger Mietshaus der jüdischen Brüder Berkowitz. Kupferberg hat diese Martha noch in Berlin gesehen, Gerüchte über die alte verwahrlost wirkende Frau gehört, die durch ein Affäre mit einem Nazi zu Reichtum und einem Mietshaus in Schöneberg gekommen sein soll. Kupferberg hat in den Archiven gegraben und Erstaunliches zutage gefördert. An den böswilligen Gerüchten ist nichts dran. Wahr ist: Martha ist Besitzerin des Mietshauses, das bis zu Henry Berkowitz‘ Flucht nach England den Brüdern Berkowitz gehörte. Wahr ist außerdem, dass Henrys Tochter Liane bei Martha ein und aus ging, mütterlichen Beistand suchte, den sie bei ihrer überforderten Mutter nicht fand. Mit siebzehn verliebte sie sich in einen Widerstandskämpfer. Bei einer Klebeaktion wurde sie verhaftet und in Plötzensee als Mitglied der „Roten Kapelle“ enthauptet. Kupferberg schafft aus den Akten und Erzählungen von Menschen, die Martha noch kannten, eine plastische Romanfigur. Nach der Lektüre kann man sich vorstellen, dass es genauso gewesen sein könnte. Das Buch ist zwar kein literarisches Meisterwerk, aber eine sehr spannende und anrührende wahre Geschichte. Deren große Lücken kann Shelly Kupferberg dank ihrer gründlichen Recherche und ihrer Fantasie glaubwürdig füllen. „Isidor“, das Buch über ihren Großonkel, hat mir besser gefallen. Ein bisschen schade, dass der Stil der Autorin eher journalistisch denn literarisch ist. Viele Charakterzuschreibungen und Handlungsbeschreibungen wirken für meinen Geschmack etwas schal. Im Falter-Podcast erzählt die Autorin anschaulich von ihren Recherchen und liest den Prolog des Romans vor. Beide Besprechungen im Blog: www.kultursalon.blog
Manchmal sind es nicht die lauten Heldengeschichten, die am tiefsten treffen, sondern die leisen Leben, die fast übersehen werden. Stunden wie Tage hat mich genau dort erwischt. In einem Schöneberger Mietshaus, zwischen Treppenhaus, Kriegslärm, Alltagsgeräuschen und unausgesprochenen Ängsten, entfaltet Shelly Kupferberg eine Geschichte, die behutsam erzählt und trotzdem schwer im Herzen liegt.
Martha E. ist keine Figur, die sich in den Vordergrund drängt. Sie wirkt zunächst schlicht, sparsam, pflichtbewusst und fast unscheinbar. Doch gerade diese stille Art macht sie so eindringlich. Ich mochte, wie sich ihr Leben langsam öffnet, wie hinter der zerlumpten alten Frau nach und nach eine Vergangenheit sichtbar wird, die voller Verantwortung, Nähe und Schmerz steckt.
Besonders berührt hat mich die Verbindung zu Liane Berkowitz. Dieses junge, neugierige, lebenshungrige Mädchen, das mitten in einer grausamen Zeit Liebe, Mut und Widerstand findet, bringt Licht in die Geschichte, aber auch eine Traurigkeit, die lange nachhallt. Die wahre historische Grundlage macht das Lesen noch intensiver, weil man spürt, dass hinter diesen Seiten echte Schicksale stehen.
Der Stil ist ruhig, fein und eher zurückhaltend. Wer großes Drama erwartet, könnte den Einstieg etwas langsam finden. Für mich passte diese leise Erzählweise aber sehr gut zum Thema. Sie gibt den Figuren Würde und lässt Raum für das, was zwischen den Zeilen steht.
Stunden wie Tage ist ein bewegender, stiller und kluger Roman über Erinnerung, Menschlichkeit, Mut und darüber, wie viel Geschichte in einem einzigen Haus wohnen kann.
Martha, eine fleißige junge Frau, findet Arbeit als Hausbesorgerin in einem Mietshaus der Familie Berkowitz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Sie ist eine fürsorgliche Seele, die sich liebevoll um alles kümmert, was ihr lieb und teuer ist – Menschen, Dinge und Tiere.
Das Buch erzählt von ihrem Leben, dem der Bewohner des Hauses und der Familie Berkowitz: dem jüdischen Vater Henry, der russischen Mutter Katharina und ihrer Tochter Liane – zwischen 1930 und 1960.
Die Figuren sind fein gezeichnet und liebenswert, mit all ihren Ecken und Kanten. Es sind ganz normale Menschen, die zur falschen Zeit leben mussten. Während des Lesens lebt und leidet man mit ihnen.
Shelly Kupferberg hat ein wunderbares Buch geschrieben. Ihr anschaulicher und bildhafter Erzählstil versetzt den Leser direkt in die damalige Zeit. Die Nazizeit wird mit all ihren Schrecken sachlich dargestellt, ohne pathetisch zu werden, was den Blick auf das Geschehen lenkt, ohne dass dem Ganzen an Empathie fehlt. Ich habe dies sehr geschätzt, selten habe ich ein Buch über die Nazizeit gelesen, das mich so in die Geschichte hineingezogen hat.
Erschreckend, aber durchaus glaubwürdig, liest man im Abspann, dass das meiste auf Tatsachen beruht und diese Schicksale wirklich passiert sind.
Ich habe das hervorragende Buch mit großem Interesse gelesen und empfehle es jedem, der sich für deutsche Geschichte interessiert. Es ist sicherlich nicht das letzte Buch, das ich von Shelly Kupferberg lesen werde.
De eerste van m'n vier boekensouvenirs uit Berlijn. Speelt zich af in Schöneberg ten tijde van de Weimarrepubliek en het Derde Rijk, gericht op één specifiek woonhuis en de verhalen van diens bewoners, met name die van de (vrouwelijke) conciërge en haar werkgevers. Pijnlijk verhaal over verzet in Duitsland ten tijde van WO II en de harde repressie van die tijd, en toen bleek tot m'n verrassing aan het einde dat het grotendeels gebaseerd is op een waargebeurd verhaal. Heel bijzonder! Enige kritiekpuntje is dat het boek in kleine hoofdstukken is opgeknipt die vrij snel door de tijd gaan. Dat leest op zich fijn, maar zorgt er zeker met het hoofdonderwerp voor dat het vrij snel aan je voorbij flitst wat zich een beetje tegen de titel keert: uren die oneindig lang lijken te duren.
Für den Einstieg habe ich tatsächlich etwas länger gebraucht – das Buch greift auf jeden Fall sehr emotionale Themen auf. Besonders bei der berlinerischen Mundart musste ich so oft an Shelly denken, als sie uns auf der Leipziger Buchmesse daraus vorgelesen und auch den Hintergrund sowie ihre Recherche dazu erzählt hat. Die Geschichte beruht nämlich tatsächlich auf wahren Begebenheiten, was sie nochmal besonders macht.
Allerdings muss ich sagen, dass ich den Schreibstil etwas zu nüchtern fand. Dadurch konnte ich keine wirkliche Nähe zu Martha und den anderen Charakteren aufbauen. Gerade weil so viele emotionale Dinge passieren – vor allem in den ersten 60 Seiten – hätte ich mir gewünscht, mehr mitzufühlen. Leider hat mich das Buch dadurch nicht zu 100 % abgeholt.
Die Geschichte berührt und macht betroffen, vor allem im letzten Viertel. Sprachlich überzeugt mich der Roman nicht, ähnelt er doch eher einem protokollartigen Bericht als einem Kunstwerk mit ästhetischem Gestaltungswillen. Doch angesichts des authentischen Inhalts lohnt sich die Lektüre allemal.
Es ist eine spannende Spurensuche die Shelly Kupferberg unternimmt und wir reisen mit ihr durch die Zeit, ein anderer Lebenslauf, eine andere Spur der Geschichte!