Für Auggie Schnuck sieht die Zukunft so gut aus wie nie zuvor. Als Wrestler hat er fast alles erreicht. Mit Nadine, der Liebe seines Lebens, plant er ein gemeinsames Zuhause. Doch er traut seinem Glück nicht. Je besser es läuft, desto mehr verwandelt sich Auggie, der eigentlich zum Film will, in seine Figur ›The Aug‹. Ein raffiniert erzählter Roman über Träume, die wahr werden und an den Rand von Verstand und Wirklichkeit führen, über Künstlichkeit, Kampf und Zärtlichkeit.
Adam Joseph "Joey" Goebel III (born September 2, 1980) is an American author whose work centers around the peculiarities of culture in Middle America. He was raised in Henderson, Kentucky, a small town on the Ohio River across from Evansville, Indiana. His parents, Adam Goebel of Louisville, and Nancy Bingemer Goebel of Henderson, were both social workers and met in Frankfort, Kentucky. His older sister CeCe is also a social worker.
Goebel's books have been published in over ten languages and have found their largest audience in Germany, Austria, and Switzerland.
„Sunset Flip“ von Joey Goebel, erschienen bei Diogenes, ist eine Liebesgeschichte, die im amerikanischen Wrestling-Milieu spielt - eine Welt, die mir mein großer Bruder früher erschlossen hat, weshalb ich diesen Roman wie einen Film vor meinem inneren Auge gesehen habe. Und genau die Fragen, die ich mir schon als Kind gestellt habe, bestimmen auch „Sunset Flip“: was ist echt und was ist gespielt? Auggie Schnuck, der aus prekären Familienverhältnissen kommt, will eigentlich Schauspieler werden. Aber da ihm dieser Weg vorerst verwehrt bleibt, rutscht er in die Welt des Wrestlings und wird über Umwege zur Kultfigur „The Aug“. Er arbeitet, wie es in dieser Branche üblich ist, viel zu viel und viel zu hart und verliert über die Jahre das aus den Augen, was ihm am wichtigsten ist: seine Frau Nadine und die geplante Familie. Er wird immer weiter hineingezogen in diese Scheinwelt und verliert immer öfter den Halt und die Gewissheit, wer er gerade ist: der liebe, zärtliche Auggie oder das melancholisch-wütende Gimmick „The Aug“. Joey Goebel entführt uns in eine Welt, zu der wohl die wenigsten Zugang haben und erzählt von einer großen Liebe, die auf eine harte Probe gestellt wird. Der amerikanische Traum scheint manchmal zum Greifen nah - aber Erfolg und Geld können selten ausgleichen, was in der Kindheit an Liebe und Geborgenheit gefehlt hat. Ein spannendes Buch mit Tiefgang - nicht nur für Fans der buntschillernden Wrestling-Welt!
Joey Goebel nutzt die Wrestlingbühne als Schauplatz eines mitreißenden und klug komponierten Menschheitsdramas. Dass dies auf eine derart überzeugende, berührende und zugleich unterhaltsame Weise in diesem mir bis dato vollkommen unbekannten und auch unzugänglichen Milieu gelingt, hätte ich niemals vermutet. Umso beeindruckender begeistert der vor allem in Dialogform gehaltene Roman, der nach und nach sowie in zwei furiosen Schlusskapiteln die Tragik der Lebensgeschichte des Schauspielers und Wrestlers Auggie enthüllt. In dem komplexen Charakter und der vielschichtigen Persönlichkeit des Protagonisten spiegelt sich das menschliche Leben in all seiner Ambivalenz und stellt die großen Fragen nach menschlicher Identität, Liebe, Selbsttäuschung und Selbstbestimmung und nach der Jagd nach Ruhm und Erfolg.
Warum lese ich eigentlich ein Buch über Wrestling? Nur weil Joey Goebel vor vielen Jahren mit Vincent eines meiner Lieblingsbücher geschrieben hat. Da musste ich irgendwie doch auch sein neuestes Buch lesen. Ich hatte allerdings ehrlich gesagt gehofft, dass es im Laufe der Geschichte doch auch mehr in die Schauspiel-Sache gehen würde. Aber nein, es war zum Teil wirklich seeehr viel Wrestling. Die Zeitsprünge zwischen den Kapiteln fand ich manchmal eher etwas irritierend, da sie so kurz waren. Manchmal nur 1,2 Jahre Unterschied, zurück in die Vergangenheit, wo die Situation im Grunde doch recht ähnlich war. Ich fand das Buch jetzt nicht völlig schlecht, aber thematisch eben nicht so mein Fall und auch mit den Charakteren wurde ich nicht so ganz warm. Auggies Frau Nadine z.B. fand ich auch einfach sehr männlich geschrieben, also man hat einfach gemerkt, dass sie von einem Mann geschrieben wurde. Überhaupt war es für mich eine sehr männlich, amerikanische Sichtweise, falls das Sinn er gibt. :D Den ganzen psychologischen Aspekt fand ich dann zum Teil auch eher etwas klischeehaft. Schade, ich hatte mich über ein neues Buch von Joey Goebel gefreut, aber so richtig überzeugen konnte es mich nicht.
Der amerikanische Traum als Bühne für Selbsttäuschung und Abhängigkeit
Mit »Sunset Flip« widmet sich Joey Goebel erneut einem ungewöhnlichen Thema und rückt diesmal die Welt des Wrestlings in den Mittelpunkt, eine Sportart, die in der Literatur bislang kaum Beachtung gefunden hat. Doch wie so oft bei Goebel geht es letztlich um weit mehr als nur den eigentlichen Gegenstand der Handlung. Ähnlich wie bereits in »Heartland« und gewissermaßen auch in seinem gesamten bisherigen Werk kreist der Roman erneut um den amerikanischen Traum und die Frage, wie Menschen versuchen, sich aus einfachen Verhältnissen heraus ein anderes Leben aufzubauen. Im Zentrum steht Auggie Schnuck, der eher zufällig in die Welt des Wrestlings gerät und auf den ersten Blick kaum wie jemand wirkt, der in diesem Milieu bestehen könnte. Er stammt aus bescheidenen Verhältnissen, ist introvertiert und träumt eigentlich von einer Karriere in Hollywood. Wrestling erscheint ihm zunächst lediglich als eine mögliche Einstiegschance in die Unterhaltungsindustrie, und tatsächlich scheint sein Manager ernsthaft bemüht zu sein, ihn auf diesem Weg zu unterstützen. Doch je tiefer Auggie in diese Welt hineingezogen wird, desto stärker gerät er in ein Geflecht aus Abhängigkeiten, Illusionen und schicksalhaften Entwicklungen, denen er sich kaum entziehen kann. Literatur, die sich intensiv mit Sport beschäftigt, bewegt sich grundsätzlich auf schwierigem Terrain, denn nur selten besitzt Sport allein genügend intellektuelle Tragweite, um eine längere literarische Auseinandersetzung zu rechtfertigen. Umso wichtiger ist daher alles, was sich um das eigentliche Geschehen herum entfaltet, wie die gesellschaftlichen Mechanismen, die menschlichen Konflikte und die symbolische Ebene. Gerade beim Wrestling, das wesentlich auf Inszenierung, Täuschung und Rollenbildern beruht, eröffnet sich dabei ein interessanter Zusammenhang zur Schauspielerei und zur Welt der Unterhaltung, an dem Goebel auch gezielt ansetzt. Nach anfänglichen Befürchtungen, der Roman könne zu sehr im Wrestling- oder Hollywoodmilieu verharren, gelingt es ihm jedoch erfreulicherweise recht schnell, die Geschichte auf eine allgemeinere Ebene zu heben, auf der es letztlich um das Streben nach Erfolg, Anerkennung und persönlichem Glück geht, selbst dann, wenn die äußeren Umstände einen immer wieder zurückdrängen. Auggie Schnuck bleibt dabei eine Figur, die sich eher treiben lässt, als ihr Leben aktiv zu gestalten, weshalb es kaum überrascht, dass er trotz seines Erfolgs im Wrestling immer wieder vom eigenen Weg abkommt. Obwohl er eigentlich genügend Härte entwickelt haben müsste, um konsequent an seinem Traum festzuhalten, wirkt er oft orientierungslos und fremdbestimmt. Schon früh deutet sich an, dass sein Wunsch nach einer Karriere in Hollywood vermutlich unerreichbar bleiben wird, wodurch sich zwangsläufig die viel grundlegendere Frage stellt, was vom Leben übrig bleibt, wenn die großen Träume zerbrechen. Literarisch gehört Joey Goebel sicherlich nicht zu den ganz großen Stilisten, auch wenn sein Name immer wieder mit bedeutenderen Autoren in Verbindung gebracht wird. Seine Romane sind leicht zugänglich, vergleichsweise schlicht konstruiert und mit eher einfachen erzählerischen Mitteln umgesetzt. Dennoch gelingt es ihm immer wieder, mit bemerkenswerter Genauigkeit kleine Nuancen des amerikanischen Lebensgefühls sowie die allgegenwärtige Sehnsucht nach Erfolg, Macht und gesellschaftlichem Aufstieg einzufangen, und zwar weniger wertend als vielmehr beobachtend. Zwar wird Auggie als ambivalente Figur beschrieben, doch erreicht diese Ambivalenz den Leser emotional nicht immer vollständig, und ähnlich verhält es sich auch mit einigen Nebenfiguren. Zudem entsteht der Eindruck, dass Goebel Themen, die er in früheren Romanen bereits überzeugender behandelt hat, hier noch einmal variiert: Die Sensibilität eines Mannes in einer Welt, die Härte verlangt, schilderte er in »Ich gegen Osborne« deutlich eindringlicher, während das Ringen um Erfolg innerhalb der Kulturindustrie in »Vincent« stärker ausgearbeitet war. Auch als Roman über den amerikanischen Traum wirkt »Heartland« letztlich facettenreicher und nachhaltiger. So erscheint »Sunset Flip« stellenweise fast wie eine Zusammenfassung vieler Motive und Themen, die Joey Goebel bereits zuvor beschäftigt haben. Das macht den Roman keineswegs schlecht – er bleibt lesenswert, unterhaltsam und durchaus spannend –, doch von einem literarisch herausragenden Werk oder einem wirklich großen Schriftsteller zu sprechen, fällt auch nach diesem Buch schwer.
Mir hat zunächst das Buchcover, ein hauptsächlich in warmem Gelb gehaltenes Gemälde des amerikanischen Künstlers Mark Horst, "How the light gets in", sehr gefallen, als die Anfrage für eine Leserunde für diesen Roman kam. Und so habe ich das Buch spontan gelesen. Den Schriftsteller Joey Goebel kannte ich bisher nicht. Als mir klar wurde, dass es sich um einen Roman über Wrestling handelte, war ich skeptisch, alldieweil mich diese Schaukampf-Sportart bislang eher abgestoßen hat.
Umso mehr überrascht war ich, dass mich der Roman von Anfang an sofort in seinen Bann gezogen hat. Joey Goebel kann einfach mitreißend schreiben. In jeder Zeile wird sein Herz für den Außenseiter, den Protagonisten Auggie Schnuck, deutlich, der seinen Platz in der modernen amerikanischen Leistungsgesellschaft sucht, seinem "american dream" durch harte Arbeit und Entschlossenheit hinterher jagt mit dem Ziel, ein besseres Leben in Reichtum inmitten einer einer glücklichen Familie zu führen.
Auggie ist ein Feingeist, gut aussehend, sportaffin, aus bescheidenen sozialen Verhältnissen stammend. In der Highschool spielt er in einer Schulaufführung in Shakespeares Hamlet den Claudius und beschließt, Filmschauspieler zu werden. Über seine große Liebe Nadine kommt er zum Wrestlingsport. Motiviert durch seinen Trainer Stan, der ihm die Hauptrolle in einem Film über Wrestling verspricht, hofft er, über den Umweg seiner Rolle, die er bei den Wrestlingkämpfen viele Jahre verkörpert, sein eigentliches Ziel, Filmschauspieler zu werden, zu verwirklichen. Doch er macht Karriere als Wrestler und erfährt die Nachteile seiner Rolle als "The Aug": langwierige Verletzungen, die gesundheitlichen Folgen der Einnahme von Schmerzmitteln und Steroiden, harte Wettkämpfe, den Druck des Konkurrenzkampfes im Wrestlinggeschäft.
Dieser Roman spielt in der Welt des Wrestlings. Der Leser wird vertraut mit Begriffen wie Face, Heel, Kayfabe, Shuffle und pinnen, taucht ein in den Kosmos der Megashows rund ums Wrestling, die Showkämpfe, die in USA, Japan und Mexiko nicht nur Millionen Menschen begeistern, sondern auch ihren Stars, wie Hulk Hogan, Millionengewinne bescheren. Fasziniert und gleichzeitig abgestoßen verfolgt man den Aufstieg des Auggie Schnuck in diesem Kosmos. Fasziniert durch die Entwicklung, die Auggie und auch seine Partnerin Nadine durchmachen. Abgestoßen durch die Härte und Skrupellosigkeit dieses Geschäfts. Denn es ist ein Geschäft, ein big business, eine Riesenshow, bei der etliche nicht nur ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.
Der Roman springt, beginnend im Jahr 1989 und endend im Jahr 2024, zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her, wodurch eine gewisse Spannung aufgebaut wird und dem Leser nach und nach klar wird, warum und wie die Hauptprotagonisten ihren Lebensweg letztendlich gegangen sind. Der Autor schreibt in moderner Sprache, seine Figuren nehmen kein Blatt vor den Mund. In vielen Szenen wird dennoch eine mitfühlende Atmosphäre, eine große Sympathie für Auggie und Nadine erzeugt. Besonders die fast drehbuchartigen im Präsenz geschilderten Handlungsabschnitte im Alltag von Auggie und Nadine machen die Zerissenheit beider Charaktere deutlich.
Selbst Lesern, die dem Wrestlingsport nichts abgewinnen können, kann ich den Roman daher sehr empfehlen. Lasst euch nicht abschrecken, lest dieses großartige Buch, vielleich entdeckt ihr sogar euer Faible fürs Wrestling ! So werden nartürlich auch Fans dieses Sports große Freude an diesem Roman haben. Ich vergebe 5 Sterne.
Großes Kino für die Underdogs: Joey Goebel in Bestform!
Joey Goebel widmet sich in diesem Werk einmal mehr den Außenseitern der Gesellschaft, den Träumern und den vermeintlichen Verlierern im Herzen Amerikas. Ohne zu viel zu verraten: Es geht um große Ambitionen, die harte Realität der Provinz und die skurrile, aber faszinierende Welt des Independent-Wrestlings. Die Umsetzung ist absolut genial gelungen. Goebel balanciert meisterhaft auf dem schmalen Grat zwischen bissiger Gesellschaftssatire und tiefer Tragikomik. Die Story hat von der ersten Seite an ein enormes Tempo. Was als schräge Komödie beginnt, entwickelt schnell eine emotionale Tiefe, die mich völlig unerwartet erwischt hat. Das Thema wird nicht ins Lächerliche gezogen, sondern mit einer spürbaren Liebe zum Detail und zur Szenerie erzählt. Schon beim ersten Blick auf das Buch wird klar, dass hier kein klassischer, glattgebügelter Roman wartet. Die Gestaltung fängt den Vibe der Geschichte perfekt ein: Sie ist ein bisschen retro, ein bisschen schrill und verströmt sofort diese typisch amerikanische Kleinstadt-Atmosphäre, in der Joey Goebels Geschichten so gern spielen. Das Cover wirkt unkonventionell und hebt sich wohltuend vom Mainstream ab – für mich ein absoluter Blickfang im Bücherregal, der neugierig auf den Inhalt macht. Der Schreibstil ist schlichtweg eine Wucht: dynamisch, rotzig, voller pointierter Dialoge und gleichzeitig von einer überraschenden Poesie in den richtigen Momenten. Goebel schreibt unglaublich bildhaft, sodass man den Schweiß der Sporthallen und den Staub der Provinzstraßen förmlich riechen kann. Ein großes Lob gebührt hierbei auch dem deutschen Übersetzer, der es perfekt schafft, den speziellen, oft rhythmusgetriebenen amerikanischen Slang und den trockenen Humor flüssig und authentisch ins Deutsche zu übertragen, ohne dass der Wortwitz verloren geht. Die Charaktere sind für mich das absolute Herzstück des Romans. Goebel zeichnet keine makellosen Helden, sondern Figuren mit Ecken, Kanten, schweren Fehlern und noch größeren Träumen. Genau diese Unvollkommenheit macht sie so unfassbar authentisch. Man schüttelt beim Lesen oft den Kopf über ihre Entscheidungen, erwischt sich aber im nächsten Moment dabei, wie man leidenschaftlich mit ihnen mitfiebert. Ihre Beziehungen und Konflikte wirken organisch und emotional absolut nachvollziehbar. Joey Goebel gehört für mich seit Meisterwerken wie Vincent oder Freaks zu den spannendsten Stimmen der modernen amerikanischen Literatur. Er schafft es wie kaum ein Zweiter, die Absurditäten des "American Dream" zu sezieren, ohne dabei den Respekt vor seinen Figuren zu verlieren. Wer seine früheren Romane mag, wird auch hier diesen unverwechselbaren, empathischen Blick auf die Underdogs wiederfinden. Sunset Flip beweist einmal mehr, dass Goebel ein scharfsinniger Beobachter der menschlichen Natur ist.
Auggie Schnuck ist Wrestler und als „The Aug“ bekannt. Im Ring verkörpert er den harten Kerl, doch privat zeigt er bei seiner großen Liebe Nadine seine zarte Seite. Gemeinsam will er sich mit ihr ein Leben aufbauen und außerdem seinen Traum verfolgen, Schauspieler zu werden. Doch mit der Zeit scheint er sich immer mehr in der Rolle von „The Aug“ zu verlieren. Die Grenzen zwischen Auggie als Privatmensch und „The Aug“ als Wrestler verschwimmen zunehmend – und gefährden sowohl sein Glück mit Nadine als auch seine Zukunftspläne.
Die Stärke von „Sunset Flip“ liegt vor allem in diesem Spannungsfeld zwischen den beiden Rollen Auggies und darin, wie sie sich gegenseitig beeinflussen und ineinander übergehen, sehr zum Leidwesen seiner Beziehung zu Nadine. Man begleitet die beiden über mehrere Jahre hinweg, verfolgt gebannt, wie sich ihr gemeinsames Leben verändert, und wird Teil der Herausforderungen, die das Leben eines Wrestlers mit sich bringt, der im Ring eine Rolle spielt.
Durch die Erzählweise, die zwischen verschiedenen Zeitpunkten springt, wird man Zeuge von Auggies Entwicklung und hofft, dass sich alles zum Guten wendet. Kapitel aus Nadines Perspektive geben dabei zusätzliche Einblicke in Auggies psychische und physische Veränderungen. Besonders gut gefallen haben mir die vielen authentisch wirkenden Dialoge, die einen Großteil der Figurenzeichnung tragen. Im Gegensatz dazu wirkt der Schreibstil abseits der Dialoge stellenweise etwas zu nüchtern und beschreibend, wodurch es gelegentlich an emotionaler Tiefe fehlt.
Diese fehlende emotionale Nähe ist für mich auch die größte Schwäche des Romans. Durch die Zeitsprünge verweilt man nie lange genug in einer bestimmten Lebensphase von Auggie und Nadine, sodass vieles nur angerissen bleibt. Zwar bekommt man ein Gefühl für das Innenleben der Figuren, insbesondere für Auggies Kampf, die Grenzen zwischen Fiktion und Realität nicht zu verlieren, doch insgesamt wäre hier noch mehr emotionale Tiefe möglich gewesen.
Trotz dieser kleinen Schwäche liest sich „Sunset Flip“ insgesamt fesselnd und schafft es, eine gewisse Nähe zu den Charakteren aufzubauen. Auch der Einblick in die Wrestling-Industrie macht den Roman besonders interessant. Ein etwas längeres Verweilen in einzelnen Zeitabschnitten hätte der Geschichte jedoch zusätzlich gutgetan.
Sunset Flip hat mich auf mehreren Ebenen überrascht. Obwohl Wrestling im Mittelpunkt der Handlung steht, geht es eigentlich um viel mehr: um Identität, den Preis des Erfolgs, die Suche nach dem eigenen Platz im Leben und darum, wie leicht man sich selbst verlieren kann, wenn man ständig eine Rolle spielt.
Im Mittelpunkt steht Auggie Schnuck, der seiner schwierigen Kindheit entkommen und als Schauspieler in Hollywood groß herauskommen möchte. Stattdessen führt ihn sein Weg zunächst in die Welt des Wrestlings, wo er mit seiner Kunstfigur „The Aug“ große Erfolge feiert. Doch je berühmter er wird, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen seiner Bühnenrolle und seinem wahren Ich. Gerade diese innere Zerrissenheit fand ich besonders eindrucksvoll dargestellt.
Auch die Beziehung zwischen Auggie und Nadine hat mir sehr gut gefallen. Sie bringt eine emotionale Wärme in die Geschichte und bildet einen gelungenen Kontrast zur oft harten und oberflächlichen Welt des Entertainments. Joey Goebel schafft es, seinen Figuren Tiefe zu verleihen, sodass ihre Entscheidungen und Konflikte nachvollziehbar wirken.
Der Schreibstil liest sich angenehm flüssig und verbindet Humor mit ernsten, nachdenklichen Momenten. Immer wieder schwingt eine feine Gesellschaftskritik mit, ohne belehrend zu wirken. Stattdessen regt der Roman dazu an, über Erfolg, Selbstinszenierung und die Erwartungen anderer nachzudenken.
Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass der Einstieg etwas Zeit braucht. Vor allem die zahlreichen Figuren und die Einblicke in die Wrestling-Welt können anfangs etwas unübersichtlich wirken. Nach einigen Kapiteln findet man sich jedoch gut zurecht und kann sich ganz auf die Geschichte und ihre Figuren einlassen.
Insgesamt ist Sunset Flip für mich ein berührender, kluger und zugleich unterhaltsamer Roman, der weit über das Thema Wrestling hinausgeht. Die Mischung aus emotionaler Geschichte, glaubwürdigen Figuren und gesellschaftlicher Satire ist Joey Goebel hervorragend gelungen. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung – auch für alle, die mit Wrestling bisher wenig Berührungspunkte hatten.
In Sunset Flip widmet sich Joey Goebel einer Welt, die in der Literatur nur selten im Mittelpunkt steht: dem professionellen Wrestling. Im Zentrum der Geschichte steht Auggie Schnuck, der als Wrestler fast alles erreicht hat, wovon er einst träumte. Gemeinsam mit seiner großen Liebe Nadine plant er eine Zukunft, doch statt Zufriedenheit wächst in ihm die Angst vor dem eigenen Glück. Während er eigentlich von einer Karriere als Schauspieler träumt, verschmilzt er zunehmend mit seinem Wrestling-Alterego „The Aug“. Die Grenzen zwischen Inszenierung und Realität beginnen zu verschwimmen, und Auggie gerät immer tiefer in einen Strudel aus Selbstzweifeln, Sehnsucht und Identitätsverlust. Mit Auggie „The Aug“ Schnuck erschafft Goebel eine zutiefst tragische Figur. Hinter dem gefeierten Wrestler steckt ein Mensch, der im Grunde nur geliebt werden möchte – leider nicht nur von seiner Frau Nadine, sondern von der gesamten Welt. Gerade diese rastlose Suche nach Anerkennung macht Auggie gleichermaßen faszinierend wie bemitleidenswert. Gleichzeitig zeichnet der Autor schonungslos den körperlichen und psychischen Verschleiß nach, dem viele Wrestler ausgesetzt sind. Dabei beleuchtet er auch die Schattenseiten der Branche: Machtmissbrauch, Intrigen und die gnadenlose Vermarktung von Menschen. Besonders überzeugt haben mich die Figuren. Sie sind vielschichtig ausgearbeitet und wirken durchweg glaubwürdig. Vor allem Nadine war für mich die stärkste Figur des Romans. Ihre Gefühle, Entscheidungen und Handlungen bleiben jederzeit nachvollziehbar und verleihen der Geschichte einen emotionalen Anker. Gegen Ende nehmen die Grenzübertritte zwischen Auggie und seiner Kunstfigur „The Aug“ immer stärker zu, wodurch die Handlung zusätzlich an Dynamik gewinnt und einen regelrechten Sog entwickelt. Wer sich nicht von Wrestling-Fachbegriffen und Anglizismen abschrecken lässt, erhält mit Sunset Flip einen soliden Roman, der weit mehr ist als eine Geschichte über Wrestling. Joey Goebel wirft einen eindringlichen Blick auf Ruhm, Selbstinszenierung und die Frage, wie viel von einem Menschen übrig bleibt, wenn die Rolle, die er spielt, langsam sein gesamtes Leben bestimmt. Insgesamt eine gute, lesenswerte Geschichte mit starken Figuren und einem interessanten Blick hinter die Kulissen einer Sportwelt.
Auggie Schnuck will viel, vor allem als Schauspieler genug verdienen, um seine Familie versorgen und endlich seiner Heimatstadt, der Armut und damit seiner Vergangenheit entfliegen zu können. Den Weg dorthin sieht er im Wrestling und hat Erfolg. Bis er nicht mehr unterscheiden kann, ob er Auggie ist oder sein Alter Ego The Aug und alles aus den Fugen gerät. "Sunset Flip " von Joey Goebel musste ich natürlich lesen, so wie ich alles von ihm gelesen habe, was allerdings schon ein paar Jahre her ist. Und ich will nicht sagen, dass sein neues Buch mich enttäuscht hat, denn das wäre zu krass formuliert, aber seine anderen Romane haben mich ein bisschen mehr abgeholt. Dabei war der Einblick ins Wrestling durchaus interessant und Auggies Werdegang herzzerreißend. Zudem ist die Erzählweise originell. Joey Goebel schreitet einerseits vorwärts in Auggies Leben und andererseits blickt er zurück, so erschließt sich die Leserschaft Stück für Stück die Figur. Auch seine Dialoge sind einnehmend, es geht Schlag auf Schlag, trotzdem oder gerade deswegen schimmern immer wieder feine zwischenmenschliche Töne hindurch. Das Psychologische, was hinter Auggie als Protagonist steht, ist ebenfalls beeindruckend. Er wirkt mit seinen zerplatzen Träumen, an die er sich krampfhaft klammert, wie ein Nachbar, dem man sein Schicksal in stillen Momenten ansieht und sich fragt, was ist nur in seinem Leben geschehen. Das Ende hat mich zwar traurig gestimmt, auch wenn es mir einen kleinen Schmunzler entlockte, aber überrascht hat es mich nicht. Allerdings sind für mich einige Fragen offen geblieben, die ich gerne beantwortet bekommen hätte. Da versteh ich nicht so ganz, wieso diese Lücken überhaupt aufgemacht wurden, um dann nicht geschlossen zu werden. So oder so, bleibe ich Joey Goebel treu und bin gespannt, welches popkulturelle Phänomen er sich als Nächstes vorknöpft.
Mit Sunset Flip erzählt Joey Goebel eine Geschichte, die sich in der Welt des Wrestlings bewegt – einem Thema, das mir persönlich eher fremd ist. Entsprechend brauchte ich etwas Zeit, um mich mit den typischen Begriffen und Strukturen dieses Milieus vertraut zu machen. Ein Glossar hätte den Einstieg erleichtert und manche Orientierungshilfe geboten. Besonders gelungen fand ich den szenenhaften Aufbau des Romans. Die einzelnen Kapitel wirken wie Momentaufnahmen, die der Handlung eine besondere Dynamik verleihen. Zwar musste ich mich zunächst an diese Erzählweise gewöhnen, doch die Zeitangaben halfen dabei, den Überblick zu behalten. Nach und nach fügen sich die verschiedenen Zeitebenen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen, das die Geschichte zunehmend greifbar macht. Im Mittelpunkt steht Auggie Schnuck, ein vielschichtiger und interessanter Charakter. Seine Entwicklung wird überzeugend dargestellt und geschickt über die verschiedenen Zeitebenen erzählt. Gerade diese schleichende Veränderung der Hauptfigur bildet den eigentlichen Reiz des Romans. Allerdings empfand ich die Handlung stellenweise als zu langatmig und ausschweifend. Spannung entsteht hier weniger durch dramatische Wendungen als durch die allmähliche Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehungen. Das sorgt zwar für Tiefe, verlangte mir als Leserin jedoch auch Geduld ab.
Wer Joey Goebel kennt, weiß einfach, wie genial er Außenseiter und die Absurditäten der Popkultur seziert. Mit „Sunset Flip“ liefert er sein vielleicht reifstes Werk ab – und es ist so viel mehr als nur ein Buch über Wrestling. Es ist eine hochemotionale Achterbahnfahrt über die Grenze zwischen Schein und Sein. Goebels Stil hat mich wieder komplett abgeholt: Direkt, ungeschönt und voller trockenem Humor, bei dem man im einen Moment laut auflacht und im nächsten einen Kloß im Hals hat. Er schreibt mit einer unglaublichen Präzision über menschliche Zerbrechlichkeit, fängt den rauen Ton der Wrestling-Welt perfekt ein und springt dabei meisterhaft durch die Zeitebenen von den 70ern bis heute. Man begleitet den Protagonisten Auggie bei dem verzweifelten Versuch, sich selbst hinter der Maske seines Ring-Egos nicht zu verlieren. Die Dynamik zwischen seinem Privatleben und der harten Realität im Ring sorgt für einen ständigen emotionalen Hochdruck, der mich bis zur letzten Seite total in Atem gehalten hat. Ein absolut authentisches, vielschichtiges Buch, das man nicht nur liest, sondern richtig miterlebt. Die Charaktere werden mir definitiv noch lange im Kopf bleiben!
Sunset Flip war mein erstes Buch mit Wrestling-Thematik überhaupt, weshalb ich anfangs ehrlich gesagt ziemlich gebraucht habe, um reinzukommen. Die ersten 100 bis 150 Seiten waren für mich etwas zäh, weil ich mit Wrestling bisher keinerlei Berührungspunkte hatte. Dadurch hat mich das Buch zwischenzeitlich sogar leicht in eine Leseflaute gebracht. Trotzdem hat es sich am Ende definitiv gelohnt dranzubleiben. Gerade die Themen Selbstinszenierung, Erfolgsdruck und Identitätsverlust fand ich sehr spannend umgesetzt. Besonders interessant war, wie sehr Auggie mit seiner Wrestlingfigur verschwimmt und daran immer mehr zerbricht. Außerdem vertraue ich dem Diogenes Verlag eigentlich fast immer, weil ich viele Bücher aus dem Verlag sehr gerne lese und auch hier haben mich Schreibstil und Atmosphäre überzeugt. Außerdem konnte ich so noch einiges über Wrestling lernen, was ich total interessant fand! Insgesamt war das Buch sehr intensiv, melancholisch und definitiv besonders, auch wenn mir der Einstieg schwergefallen ist.
Joe Goebels Roman „Sunset Flip“ führt die LeserInnen in die schillernde und zugleich harte Welt des WWE. Im Mittelpunkt der Handlung steht August „Auggie“ Schnuck, der aus einfachen Verhältnissen stammt und schon früh einen großen Traum verfolgt. Sein eigentliches Ziel ist eine Karriere als Schauspieler. Da ihm der direkte Weg in die Schauspielbranche jedoch versperrt erscheint, versucht er, über das Wrestling Bekanntheit zu erlangen und sich dadurch neue Möglichkeiten zu eröffnen. Mit Ehrgeiz, Disziplin und großem Durchhaltevermögen arbeitet sich Auggie bis an die Spitze der Wrestlingwelt hoch. Nach außen hin scheint er alles erreicht zu haben. Er hat beruflichen Erfolg, öffentliche Anerkennung und mit Nadine eine Partnerin, mit der er sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Dennoch wird im Verlauf des Romans deutlich, dass Auggie innerlich von Unsicherheiten, Ängsten und Selbstzweifeln geprägt ist. Diese begleiten ihn ständig und verhindern, dass er sein scheinbar perfektes Leben wirklich genießen kann. Besonders interessant ist die Entwicklung seiner Identität. Im Ring tritt Auggie als „The Aug“ auf. Diese Figur ist bewusst inszeniert und verkörpert Stärke, Selbstbewusstsein und Erfolg. Mit zunehmendem Ruhm beginnen jedoch die Grenzen zwischen dieser Kunstfigur und seinem eigentlichen Selbst zu verschwimmen. Je erfolgreicher er wird, desto schwerer fällt es ihm, zwischen Inszenierung und Realität zu unterscheiden. Berufliches und privates Leben vermischen sich immer stärker und sein innerer Konflikt tritt zunehmend in den Vordergrund. Goebel erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern wechselt zwischen verschiedenen Zeitebenen. Durch Rückblenden und Einblicke in unterschiedliche Lebensphasen entsteht nach und nach ein vielschichtiges Bild von Auggies Entwicklung. Diese Erzählweise verleiht der Figur Tiefe und ermöglicht einen umfassenden Einblick in ihre Gedanken und Gefühle, was mir besonders gut gefallen hat. Beeindruckend ist vor allem, wie der Autor die künstliche und oftmals überzeichnete Welt des Wrestlings mit grundlegenden existenziellen Fragen verbindet. Der Roman handelt nicht nur von Ruhm und Erfolg, sondern auch von Identität, Selbstwahrnehmung und der Frage, was von einem Menschen bleibt, wenn die Rolle, die er spielt, zunehmend sein gesamtes Leben bestimmt. Gerade diese Verbindung aus persönlichem Schicksal, psychologischer Tiefe und einer ungewöhnlichen Kulisse macht „Sunset Flip“ zu einer lesenswerten und nachdenklich stimmenden Lektüre.
Meiner Meinung nach gehört Joey Goebel zu den talentiertesten und unterschätztesten Autoren der Gegenwart und das beweist er auch mit diesem Roman wieder. Die Geschichte über einen Wrestling-Star, der mit inneren Dämonen zu kämpfen hat, überzeugte mich, von der ersten, bis zur letzten Seite. Die Anachronologische Erzählstruktur und die sehr gut geschriebenen Dialoge, helfen dem Roman enorm, ein sensationelles Pacing zu haben. Die Geschichte gibt einem so viele verschiedene Möglichkeiten verschiedene Emotionen durchzuleben. Ich war als Kind und jugendlicher selbst großer Fan vom Wrestling und hatte dementsprechend auch in den Beschreibungen der Kämpfe und storylines ein riesiges Vergnügen. Jedoch glaub ich auch, dass man als nicht Wrestling Fan, viel Freude an diesem großartigen Roman haben wird (auch wenn man vielleicht einige Fachbegriffe nachschlagen muss). Die Übersetzung und das Cover sind sehr gut und passend.
Zum Inhalt: Eigentlich läuft es für Auggie, denn er ist als Wrestler sehr erfolgreich und mit seiner Liebe des Lebens Nadine plant er das gemeinsame Zuhause und die Zukunft. Doch er träumt auch davon beim Film erfolgreich zu sein. Je besser es für ihn läuft, umso mehr verwandelt er sich in seine Figur The Aug und das tut weder ihm noch seiner Beziehung gut. Meine Meinung: Ich habe mich noch nie mit dem Thema Wrestling beschäftigt und das fand ich schon sehr interessant mal ein wenig hinter die Kulissen dieses Spektakels zu schauen. Aber das Buch ist schon viel mehr als das. Es zeigt die Zerrissenheit des Auggie, seine Verwandlung, sein immer mehr abdriften, dass auch in seine Beziehung hineinspielt. Dennoch muss ich sagen, dass ich anfangs enorm schwer getan habe überhaupt in die Story reinzukommen, weil es eben auch sehr um das Wrestling Ging. Insgesamt gesehen hat mir das Buch aber recht gut gefallen. Fazit: Interessant
Eigentlich hätte mich ein Roman über Wrestling nie sofort angesprochen – umso überraschter war ich, wie schnell mich „Sunset Flip“ gepackt hat. Schon das Cover mit seinen warmen Gelbtönen gefällt mir richtig gut, und Joey Goebels Schreibstil hat mich wieder einmal komplett abgeholt.
Die Geschichte fühlt sich beim lesen nie wie ein typischer Sportroman an. Stattdessen geht es um Träume, Identität, Erfolg und darum, was passiert, wenn man irgendwann nicht mehr weiß, wo die „Rolle“ aufhört und das echte Leben anfängt. Auggie ist dabei eine Figur, mit der man mitfiebert, auch wenn er sich selbst immer wieder im Weg steht.
Besonders stark fand ich, wie emotional die Geschichte wird, ohne dabei kitschig zu sein. Goebel schafft es, ernste Themen mit Leichtigkeit zu erzählen und gleichzeitig einige Sätze rauszuhauen, die lange im Kopf bleiben.
Für mich war „Sunset Flip“ überraschend, bewegend und vor allem modern. Ich würde das Buch jederzeit weiterempfehlen!
Obwohl ich nie aktiv Wrestling-Fan war oder Wrestling geguckt habe, habe ich eine Vorliebe für Geschichten über Wrestler*innen. Als Joey-Goebel-Fan war diese Lektüre also gesetzt.
Anfangs fand ich die verschiedenen Zeitebenen pro Kapitel schwierig und störend, aber dann bin ich schnell in die Geschichte eingetaucht. Trotz gewisser Erwartbarkeit blieb der Plot spannend. Alles im allem nicht Goebels bester Roman, aber ich gebe immerhin 3,5 von 5 Sterne.
(kostenloses Rezensionsexemplar über NetGalley – danke)
Mit Sunset Flip hat mich Joey Goebel auf ganzer Linie überrascht. Wrestling? Ehrlich gesagt ein Thema, das mich sonst kaum interessiert. Umso beeindruckender, wie sehr mich dieser Roman gefesselt hat. Es wird ganz sicher nicht das letzte Buch sein, das ich von Joey Goebel lese.
Im Mittelpunkt steht Auggie Schnuck, der als Wrestler kurz davorsteht, alles erreicht zu haben. Seine Karriere läuft, mit Nadine plant er eine gemeinsame Zukunft – eigentlich könnte alles perfekt sein. Doch je höher Auggie steigt, desto mehr beginnt er, mit seiner Kunstfigur „The Aug“ zu verschmelzen. Der Traum vom Erfolg kippt langsam in eine existenzielle Unsicherheit: Wer ist er noch, wenn die Rolle überhandnimmt? Und was bleibt von den eigenen Träumen – etwa seinem Wunsch, zum Film zu gehen – wenn die Show zur Realität wird?
Joey Goebel erzählt diese Entwicklung raffiniert und mit einer dichten, spannungsgeladenen Handlung. Die Geschichte entfaltet einen starken Sog, weil sie weit mehr ist als ein Roman über Wrestling. Es geht um Identität, um Inszenierung und Authentizität, um die Zerbrechlichkeit von Glück und die feine Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. Gerade das Zusammenspiel von Künstlichkeit, Kampf und überraschender Zärtlichkeit macht den Reiz des Buches aus.
Besonders gelungen sind die Figuren. Auggie ist keine schillernde Projektionsfläche, sondern ein vielschichtiger, nahbarer Protagonist, dessen innere Zerrissenheit man hautnah miterlebt. Auch Nadine und die Nebenfiguren wirken lebendig und authentisch. Man fiebert mit, leidet mit und hofft, dass Auggie einen Weg findet, sich selbst nicht zu verlieren. Wirklich ein gelungender Roman!
Mit seinem Buch „Sunset Flip“ gibt der in Kentucky lebende US-amerikanische Autor und Musiker Joey Goebel einen interessanten Einblick in die Welt des Wrestlings. Es ist aber keineswegs nur etwas für Fans dieses Sports, da es einiges mehr zu bieten hat.
Der Wrestler Auggie Schnuck – genannt „The Aug“ konnte bereits einige sportliche Erfolge feiern.
Sein nächstes Ziel ist eine Rolle beim Film. Karrieretechnisch könnte es kaum besser laufen. Auch privat läuft es für Auggie gut. Er will mit seiner Freundin Nadine zusammenziehen und eine Familie gründen. Dennoch ist er von Selbstzweifeln geplagt.
Der Schreibstil von Joey Goebel ist dicht und intensiv. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt und bewegt sich zwischen August 1977 und Mai 2024. Da die Kapitel mit der Nennung des Ortes und des Datums beginnen, ist die Einordnung jedoch problemlos. Die Charaktere wirken authentisch und sind vielschichtig angelegt. Auggie und Nadine leben zwischen Show und der Realität. Dabei war für mich bisher unklar, wie viel Show Wrestling bedeutet. Bisher wusste ich nur wenig über diesen Sport und habe interessante Einblicke erhalten.
Trotz - oder vielleicht sollte ich sagen wegen - seines Erfolges steht Auggie unter enormen Druck. Er ist sehr impulsiv, steht permanent zwischen der Show und dem Leben, womit er auch zwischen der Identität als Sportler und Freund lebt. Sein Konflikt wird spürbar und ist sicherlich einer, der sich ebenso auf andere Sportarten übertragen lässt.
Obwohl Wrestling keine der Sportarten ist, die mich übermäßig interessiert, fand ich das Buch aufgrund der Darstellung der Charaktere interessant. Man muss also kein Fan dieses Sports sein, um Gefallen daran zu finden.