Eine starke, emotionale und stellenweise schmerzhafte Rückkehr nach Peesra.
Der zweite Band der Feuergreif-Dilogie setzt Monate nach den Ereignissen von Band 1 an, und ich gebe zu, genau das hat mich am Anfang kurz aus dem Konzept gebracht. Der Zeitsprung kombiniert mit den Rückblicken hat dafür gesorgt, dass ich mich erst neu sortieren musste. Aber sobald ich wieder in Kindras Kopf angekommen war, hat mich die Geschichte wie gewohnt mitgerissen.
Kindra ist zurück in Aaran. Zurück in ihrer Wohnung. Zurück in einem Leben, das sich eigentlich bekannt anfühlen sollte, aber es fühlt sich fremd an. Und genau dieses Gefühl transportiert das Buch unglaublich gut. Man spürt, wie sehr sie zwischen zwei Welten hängt: der Vergangenheit, die sie nicht loslässt, und einer Zukunft, vor der sie gleichzeitig Angst hat und die sie dringend braucht.
Was ich an Kindra liebe, ist ihre stille Stärke. Sie erinnert mich hier wieder an Violet aus Fourth Wing. Beide kämpfen nicht nur mit äußeren Feinden, sondern auch mit einem Körper, der ständig Grenzen setzt. Und trotzdem geben beide nicht auf. Dieses „trotz allem“ macht Kindra für mich zu einer der greifbarsten Fantasy-Heldinnen überhaupt.
Ein großer Fokus liegt diesmal auf ihrer Verbindung zu Schi, dem letzten Feuergreif. Ihre Beziehung ist komplexer, emotionaler und auch schmerzhafter als im ersten Band. Schi ist nicht einfach nur ein Ankii, er ist Gefährte, ihre Verantwortung, Hoffnung und manchmal auch das Spiegelbild ihrer eigenen Selbstzweifel. Ich fand es wunderschön, wie sehr ihre Bindung gewachsen ist, aber auch, wie ehrlich das Buch zeigt, welchen Preis eine solche Verbindung hat.
Die Handlung selbst ist düsterer, politischer und deckt viele Geheimnisse auf, besonders rund um Maraschk, dessen Rolle ich lange nicht einschätzen konnte. Dieses Hin- und Hergerissensein, das Gefühl von Misstrauen und gleichzeitigem Wunsch, ihm doch glauben zu wollen, hat das Lesen unglaublich spannend gemacht. Ich mochte, wie sich seine Geschichte entfaltet hat und wie viele Schichten man nach und nach von ihm abzieht.
Das „Freak-Team“ – Derek, Rani, Skull, Ilian – war für mich wieder ein großes Highlight. Die Dynamik zwischen den Figuren, die Loyalität, die kleinen Lichtblicke zwischen all der Dunkelheit… das hat mich mehrfach lächeln lassen. Und natürlich: Schi. Mein Herz gehört weiterhin diesem schimmernden, flammenden Wesen, das irgendwie gleichzeitig niedlich (Fuchsaugen) und majestätisch ist.
Was mich emotional besonders berührt hat, war der Umgang mit der „unendlichen Erschöpfung“. Man spürt in jeder Zeile, dass ME/CFS hier nicht nur als Teil der Welt dient, sondern als real erlebte, zutiefst menschliche Erfahrung. Kindras Alltag, ihre Grenzen, ihr ständiges Abwägen, all das ist so authentisch dargestellt, dass es mir beim Lesen immer wieder ins Herz gestochen hat. Gerade diese ehrliche, einfühlsame Repräsentation macht die Dilogie für mich so wertvoll und besonders.
Am Ende hat mich das Buch absolut überzeugt: spannend, emotional, intensiver als Band 1 und gleichzeitig voller stiller, leiser Momente, die lange nachhallen. Eine Geschichte, die gleichzeitig weh tut und tröstet, die düster ist und trotzdem Hoffnung schenkt.
Besonders schön fand ich die Stimmen von Betroffenen am Schluss des Buches, ein bewegender Zusatz, der dem Thema noch mehr Tiefe gibt. Und Achtung: Der Epilog kommt erst nach diesen Seiten!
Auch in Band 2 wird pro verkauftem Buch 1 CHF an den Verein ME/CFS Schweiz gespendet, was die Bedeutung der Geschichte noch verstärkt und der Thematik einen realen Bezug verleiht.
Mein Fazit:
Eine Fortsetzung, die berührt, mitreißt und die Verbindung zwischen Kindra und Schi auf ein neues Level hebt. Wer starke Heldinnen, tierische Verbündete und emotionale Tiefe liebt, wird Die Magie des Feuergreifs verschlingen.