»… und die Nacht starrt aus unzähligen Augen zurück.«
Die Silvesternacht ist kalt und Familienvater Kurt muss Holz für den Ofen holen. Doch er ist nicht der Einzige, der zur späten Stunde unterwegs ist. Im nahegelegenen Helstorfer Moor macht sich etwas anderes auf den Weg. Ein Stern flackert, die Tiere schreien. Kurts Taschenlampe erlischt. Die Dunkelheit kommt, und sie verschlingt nicht nur das Licht. Der Albtraum Kurts Kinder Imke und Noah müssen sich den Schatten ihrer Vergangenheit und den düsteren Geheimnissen des Moores stellen. Niemand ist sicher.
Eerie Swamp Landscape Darkness = death The secret is out there Fear of the unknown Strange incidents
Eine Moorlandschaft, einsame Gehöfte, mysteriöse Lichtphänomene und Stromschwankungen*, verschwindende Menschen - und eine Natur, die sich von der Kultur zu erholen scheint, während niemand weiß, wer dier nächste ist...
Auf unter 100 Seiten entwirft ein Marie Meier eine Schauergeschichte, die sich beinahe in eine Art dystopischen Umwelt-Thriller wandelt, während man liest. Ominöse, neu gegründete religiöse Vereinigungen und eine starke Militärpräsenz komplettieren die Endzeitstimmung, während Imke und Noah der Wahrheit auf die Spur kommen. (Was für mich eigentlich durchgehend schaurig blieb, war die Familiensituation der Hauptfiguren. Was ja zur schauerliterarischen Frage passt, wer denn eigentlich tatsächlich die Monster sind...)
Vielleicht lag es daran, welcher der Erzählstimmen ich beim Lesen am meisten "getraut" habe, vielleicht an meiner Öko-Erziehung, vielleicht daran, dass mich die Geschichte in gewissen Aspekten an "Unheimliche Begegnung der dritten Art" erinnerte... Aber das ist doch eigentlich ein Happy End, oder? Oder?!
Okay, vielleicht ist das Ansichtssache. Aber ich will auch nicht zu viel verraten, was bei einem relativ kurzen und daher sehr dichten Text wie diesem schnell passieren könnte. Daher mache ich an dieser Stelle Schluss und ihr müsst den Rest selbst herausfinden, wenn ihr das Büchlein lest. Was ihr solltet.
*Nein, es ist kein Morse-Code. Aber wenn doch, wäre es ein 'L' - nur falls ihr euch fragt...
Im Gegensatz zu den ersten beiden Bänden der Reihe ist der Horror hier weltumfassend: Immer nachts verschwinden Menschen, es gibt eine Ausgangssperre, niemand weiß wieso und wohin die Menschen verschwinden. Die Novelle konzentriert sich auf eine Familie: Der Vater gehörte zu den ersten Opfern, der Sohn ist Soldat und wird für zur Bewachung eines Forschungsteams beordert, das die nächtlichen Vorgänge enthüllen soll, die autistische junge Schwester versucht ihren Bruder zu schützen.
Mich hat das Buch ein bisschen an Bird Box erinnert: ein großes, mächtiges Phänomen, gegen das man hilflos ist und das man zwar vermeiden, aber kaum bekämpfen kann. Das Ende/die Auflösung ist fast schon philosophisch, aber erst nach einer spannungsgeladenen, nächtlichen Szene.