Alle verfallen ihr. Sie geht selbstbewusst durch die Straßen in ihrem Glanz, zieht magisch die Aufmerksamkeit auf sich. Ruth. Ruth ist ein ganz besonderer Mensch. Sie kommt mit einem Fell zur Welt wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter, am Ende der Kindheit verliert sie es. Und Ruth hat «die Kraft». Sie kann Gewitter aufziehen lassen, Bäche zum Versiegen bringen, Dinge bewegen. Aber vor allem kann sie Menschen in Tiere verwandeln, vorübergehend. Und die Menschen strömen zu ihr, wollen Qualle sein auf Zeit, Languste, Hund, Vogel, Echse und dabei die Rechnungen vergessen, die Sitzungen im Büro, den Haushalt, das ganze moderne Leben. Ruth teilt ihre Kraft mit jedem einzelnen Menschen, sie sehen bei ihr das Glück, sehen, was sein könnte und nicht ist, was sie vergessen haben und jetzt vermissen. Und sie hilft mit ihrer Kraft auch denen, die Gewalt erleben. Aber dann kommt Linda, die große, schöne Linda. Die verheiratete Linda. Was soll jetzt werden? «Weil ich Ruth bin» ist ein verblüffender Roman voller Magie in einer einzigartig sinnlichen Sprache.
so schön und sorgfältig geschrieben, beschrieben. ruth hat eine faszinierende, unaufgeregte selbstverständlichkeit an sich. als kind hatte sie ein fell. den anfang liebte ich, die sprache auch. hätte für mich auch kürzer sein können, aber die geduld, die man beim lesen braucht, passt zu ruth, sie verbringt ihre tage unter dem fenster liegend und beobachtet den himmel. den schluss fand ich schade und schwer.
Die Idee und der Stil hat mir sehr gut gefallen. Ich mag ja ausgefallene Bücher, die mal etwas anders sind. Allerdings hatte der Roman in der Mitte dann Längen, die ich etwas mühsam fand.
Die Figur Ruth begleitet mich nach wie vor durch den Alltag, weich und schimmernd. Julia Weber ist es gelungen, eine Figur zu erschaffen, die mühelos die Brücke zwischen der Lektüre und meiner Realität überquert. Ruth möchte ich gerne als Freundin wissen und während des Lesens bewunderte ich sie. Manchmal war sie mir total rätselhaft und wenn ich jetzt an sie denke, dann denke ich an ihr weiches Fell, das sie als Kind hatte, und über welche Magie sie wohl verfügt, dass die Menschen sich so zu ihr hingezogen fühlten.
Die Sprache hat eine Farbe, eine Sinnlichkeit und einen Klang, den ich keiner anderen Person als Julia Weber zuordnen kann. So eigen und ruhig, so klar und verträumt, so umarmend und Natur-verbunden. Und "umarmen" ist meines Erachtens die trefflichste Beschreibung für das Lese-Erlebnis. Das Gefühl des umarmt-Seins hat mich gleich zu Beginn des Lesens erfasst und zog sich bis zum Schluss durch. Der Schluss ist traurig und auch mysteriös, weswegen ich bald das Buch nochmals lesen möchte. Ruth ist ein Spiegel für alle: für die patriarchale Gesellschaft, in der wir stecken, für dich als Leser:in und deine Bedürfnisse und dein Begehren; ein Spiegel hin zu den Frauenfiguren aus Ingeborg Bachmanns "Malina" oder Marlene Haushofers "Die Wand" wie Daniel Graf in seiner Rezension in der Republik wunderbar geschrieben hat (die Rezension ist höchst lesenswert: "Die Verwandlerin" in der Republik, 19.2.26).
Seitdem die Lektüre zu Ende ist, überlege ich mir manchmal, in welches Tier ich gerne von Ruth verwandelt werden würde. Der Imaginieren ist aufregend und die Tiere wechseln sich ab.
Ein Buch, das zu meinen neuen Liebsten gehört. Allerwärmste Empfehlung an dieser Stelle.
julia weber bedient sich einer sehr sorgfältigen sprache. ein schönes buch. ein emotionales buch. ein buch wie kaum ein anderes. hat mich an hanya yanagiharas "ein wenig leben" erinnert. es flossen tränen. es lässt mich noch nicht los.