Nach dem Urlaub, so ist der Plan, wird Linn ein perfekt gereifter Embryo eingesetzt und sie wird sein, was sie sich schon lange wü schwanger. In den schicken Bungalow am Strand hat der Jugendfreund ihres Partners Matze sie beide eingeladen, Felix, ein wohlhabender Selfmademan. Während Matze und Felix sich mit Crémant betrinken, angeln gehen und versuchen, die Statusunterschiede zwischen ihnen zu verdrängen, entwickelt sich zwischen Linn und Felix’ Frau Eva aus Neid und Widerwillen eine Faszination, die die beiden einander näherbringt. Während Linn sich zerrissen fühlt zwischen dem unbedingten Wunsch, Mutter zu werden, und dem Zweifel, ob sie das überhaupt kann, eine »gute« Mutter sein, buddelt Eva geduldig mit ihrem Sohn, cremt und tröstet und wischt Sandkörner aus Babyaugen. Und im Laufe der Urlaubstage geraten zwischen Muschelessen und Crémant, zwischen heimlich geteiltem Cannabis und geflüsterten Gesprächen festgefahrene Bilder ins Wanken, verschieben sich sachte die Regeln, und Eva und Linn werden mehr als Sie werden Verbündete.
Eine hat Kinder und die andere befindet sich mitten in der Kinderwunschbehandlung. In einer Art Kammerspiel tun sich jeweils aus verschiedenen Perspektiven der Beteiligten Abgründe auf - und Fragen. Was bedeutet es Mutter zu sein? Was, wenn ich es nie werden kann? Wohin mit all der Wut? Eva und Linn beneiden und bewundern sich gleichermaßen und gegenseitig. Zwischen Neid und Neugier entsteht ein zartes Band, ein Spiel zwischen ihnen, das ungeahnte Kräfte freisetzt. Dita Zipfel findet einen Weg Mutterschaft (und deren Abwesenheit) in ihrer Absurdität, Realismus, Brutalität und Zartheit darzustellen, was beim lesen Freude macht. Kurzweilig und tiefgreifend wird ein Blick hinter die Kulissen geworfen. Während mich die Arglosigkeit und das Schweigen von Felix und Matze, deren passive Rolle, genervt haben, mochte ich Matze dennoch von allen Charakteren irgendwie am Liebsten. Von Stil und Thema her ähnlich zu Büchern wie „Schöne Scham“ von Bianca Nawroth oder „Blaues Wunder“ von Anne Freytag, die mir beide auch sehr gut gefallen haben. Empfehlung!
Dieses Buch hat mich vor allem über seine Themen erreicht, weniger über seine Figuren. Es ist hell und draußen dreht sich die Welt erzählt von Linn, die sich in einer Kinderwunschbehandlung befindet, von Matze an ihrer Seite, und von einem Urlaub mit Felix und dessen Frau Eva – schön, reich, schwanger, bereits zweifach Mutter eines kleinen Sohnes und "Baby". Schon diese Konstellation erzeugt eine spürbare Spannung: zwischen Haben und Nicht-haben, zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen Frauen, die sich eigentlich verstehen müssten. Besonders eindrücklich fand ich Linns Aggressionsproblematik und die Paardynamik mit Matze. „Das ist sein wunder Punkt, das weiß sie. Wenn er nicht genug getan hat. Und gerade ist es das Einzige, was ihr einfällt, damit sie nicht die Einzige ist, die Schuld hat.“ – bringt für mich sehr gut auf den Punkt, wie Schuld, Überforderung und Selbstschutz ineinandergreifen. Linn ist keine angenehme Figur, aber eine ehrliche. Ihre Verletzlichkeit zeigt sich oft dort, wo sie am meisten austeilt. Zwischen Linn und Eva entsteht eine ambivalente Beziehung, die ich als eines der stärksten Elemente des Romans empfunden habe: Rivalität und gleichzeitig ein tiefes Verständnis füreinander als Frauen. Es schwankt ständig zwischen Ablehnung und Zuneigung, zwischen dem Wunsch, gesehen zu werden, und dem völligen Unverständnis für die andere Lebensrealität. Diese Spannung wirkte auf mich sehr real – schmerzhaft, unausgesprochen, nie ganz aufgelöst. Trotzdem muss ich sagen: Ich konnte mit keiner der Figuren wirklich warm werden. Es ist mir nicht gelungen, eine parasoziale Beziehung aufzubauen oder mich emotional an eine von ihnen zu binden. Vielleicht liegt das an der Kürze des Romans – 220 Seiten fühlten sich für die Schwere und Komplexität der Themen fast zu knapp an. Die Auseinandersetzung mit Kinderwunsch, patriarchalen Geschlechterrollen und weiblicher Selbstdefinition ist gut und klug ausgearbeitet, hätte für mich aber mehr Raum gebraucht, um wirklich nachzuhallen. Am meisten Sympathie hatte ich noch für Matze. Er wird als Mitläufer, als jemand, der rettet, hilft und „da ist“, dargestellt – ohne erkennbare Manipulation oder Eigennutz. Er ist eine Figur, bei der ich das Gefühl hatte: Hier wird nicht taktiert, sondern getragen. Einige Sätze sind mir geblieben, etwa auf Seite 114: „Ein Kind, das es vielleicht nie geben wird, bestimmt ihr Leben.“ Oder später: „Was nie das war, kann man nur in sich selbst begraben.“ Diese Momente bringen das existentielle Gewicht des Romans sehr klar auf den Punkt. Es ist hell und draußen dreht sich die Welt ist ein Buch über Kinderwunsch, weibliche Konkurrenz und Solidarität, über Schuld, Scham und gesellschaftliche Erwartungen. Emotional hat es mich dennoch nicht abgeholt.
Mit „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ legt Dita Zipfel einen kraftvollen Gegenwartsroman vor, erschienen im Insel Verlag. Erzählt wird von zwei Paaren, die gemeinsam Urlaub an der Côte d’Azur machen und von zwei Frauen, deren Leben unterschiedlicher kaum sein könnten. Linn steht kurz vor einer weiteren IVF-Behandlung, Eva ist bereits Mutter zweier Kinder. Zwischen Sommerhitze, Gesprächen am Strand und unterschwelligen Spannungen entfaltet sich ein Roman über Mutterschaft, Körper, Klassenunterschiede und weibliche Selbstbestimmung.
Meine Meinung
Ich wollte dieses Buch zuerst nicht lesen. Nicht noch ein Roman über (unerfüllte) Mutterschaft, dachte ich. Nicht weil das Thema nicht wichtig ist oder es nicht super Bücher dazu gibt ("Im Leben nebenan", "Eva" und "Der Schlaf der anderen" - I am looking at you), aber weil ich in letzter Zeit einfach viel zu dem Thema gelesen hab. Tja...und dann hat mich doch etwas gereizt. Was soll ich sagen: Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen. Zipfels Text macht es einem leicht und gleichzeitig schwer, wegzuschauen.
Formal lebt der Roman von kurzen Kapiteln, wechselnden Perspektiven (Linn, Eva, Matze, Felix, Latifa), vielen unausgesprochenen Konflikten und einer großen inneren Spannung. Es hat mich vom Schreibstil her sehr an "Blaues Wunder" von Anne Freytag erinnert, auch wenns thematisch ganz anders ist. Besonders gelungen finde ich, wie präzise Zipfel soziale Unterschiede und Klassenbewusstsein beobachtet, etwa in scheinbar beiläufigen Momenten: „Vielleicht ist es ein Privileg der Reichen, vom Interieur in Ruhe gelassen zu werden.“ (S. 8)
Inhaltlich geht es natürlich um Kinderwunsch und Mutterschaft aber eben nicht nur. Es geht um weibliche Körper als Projektionsflächen, um Schuld, Angst und Kontrolle. Um Männer, die Raum einnehmen, ohne ihn zu hinterfragen. Und um Frauen, die lernen, sich zu verbünden.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich die Orientierung: Die Perspektivwechsel sind raffiniert, aber nicht immer klar gekennzeichnet. Kapitelüberschriften mit Namen hätten mir stellenweise geholfen. Trotzdem: Die psychologische Tiefe der Figuren und der kammerspielartige Aufbau tragen den Roman souverän.
Fazit
"Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" ist ein wütender, stringent erzählter und sehr gegenwärtiger Roman über Mutterschaft, Macht und weibliche Solidarität. Für alle, die feministische Gegenwartsliteratur, psychologisch dichte Texte und Sally-Rooney-eske Kammerspiele mögen. Kein Wohlfühlbuch, aber eins das man nicht weglegen kann. Danke an Vorablesen.de und den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar.
Linn will schwanger werden - so der Plan. Doch bevor ihr ein Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt werden soll, verbringt sie gemeinsamen Urlaub mit ihrem Freund Matze, dessen besten Freund vom Typ "reiches Arschloch" und seiner Freundin Eva. Und Eva ist das, was Linn gern sein würde: Mutter. So muss Linn Eva jeden Tag dabei zusehen, wie sie ihren vierjährigen Sohn Otto versorgt und sich auch noch um ihr Neugeborenes kümmert. Doch diese Illusion der Mutter, die alles im Griff hat, beginnt nach und nach zu bröckeln. Denn auch Eva hat ihre Päckchen zu tragen.
Dita Zipfel beschreibt die innere Zerissenheit der beiden Frauen - die durch komplett unterschiedliche Umstände entstehen - sehr emotional und greifbar. Beide Frauen sind fasziniert voneinander, bewundern Eigenschaften aneinander, die ihnen selbst fehlen. Zugeben würden sie das jedoch nie. Nach und nach nähern sie sich an, verbunden durch die vereinende Erfahrung als Frau in der Gesellschaft zu (über)leben.
"Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" handelt von Mutterschaft, der einhergehenden Verantwortung und Überforderung und eben von einem Kinderwunsch, der bisher noch nicht in Erfüllung getreten ist. Vom sich fragen, wieso man genau das nicht kann, was laut traditionellen Gesellschaftsbildern ganz natürlich sein und einfach passieren sollte. Ich fand vor allem die emotionalen Abschnitte des Romans, die die Emotionen von Eva und Linn erzählen, sehr stark. Beide bekommen im Roman Eigenheiten, die sie abheben sollen von der Illusion einer "perfekten" Frau und Mutter, die mir aber an der einen oder anderen Stelle ein bisschen zu arg waren.
Auch das offene Ende des Romans hat mir leider gar nicht gefallen. Ziemlich abrupt driftet die Handlung in eine schon fast utopische Richtung ab, die die vorher aufgebaute Nahbarkeit der Figuren verwässert. Dennoch mochte ich den Roman und habe ihn in nur zwei Tagen durchgelesen, weil er mich sehr gefesselt hat.
Dita Zipfel erzählt in „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von einem Urlaub, der für Linn und Matze mehr bedeutet als Erholung: Nach dieser Reise soll Linn ein Embryo eingesetzt werden, um dem gemeinsamen Kinderwunsch näherzukommen. Den Urlaub verbringen sie mit Felix und dessen Frau Eva, deren scheinbar selbstverständliche Rolle als Mutter Linn zwischen Neid, Unsicherheit und Selbstbefragung schwanken lässt. Während die Männer ihren eigenen Dynamiken folgen, entwickelt sich zwischen den beiden Frauen eine leise, unerwartete Nähe, die bestehende Bilder von Mutterschaft, Weiblichkeit und Beziehung infrage stellt.
Der Schreibstil des Buches hat mir gut gefallen: knapp, reduziert und dennoch voller Zwischentöne. Besonders der erste Teil des Romans überzeugt, weil er fein herausarbeitet, wie sehr wir uns mit anderen vergleichen, wie wenig wir gleichzeitig über die inneren Kämpfe des Gegenübers wissen und wie schnell Neid und Fehlinterpretationen entstehen. Jeder hat sein Päckchen - das wir durch die unterschiedlichen Perspektiven in den kurzen Kapiteln sehr deutlich zu Beginn. Die Figuren sind dabei allesamt sehr unterschiedlich und bieten für mich wenig Identifikationspotenzial. Das störte mich zunächst nicht, wird aber im weiteren Verlauf des Romans immer schwieriger für mich: Einige Handlungen und Entwicklungen wirkten auf mich zunehmend abstrus und schwer nachvollziehbar, wodurch die Glaubwürdigkeit der Geschichte im zweiten Teil deutlich nachließ. Auch das Ende lässt mich eher verwirrt als nachdenklich zurück und ich habe sehr viele offene Fragen.
Insgesamt ist „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ ein Roman mit einem vielversprechendem Anfang, der wichtige Themen wie Mutterschaft, Zweifel und weibliche Verbundenheit anspricht, sich für mich aber im Verlauf verliert und hinter seinen Möglichkeiten bleibt.
„Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ ist ein Roman über Kinderwunsch und Mutterschaft der Autorin Dita Zipfel.
Linn und Matze wünschen sich ein Kind und befinden sich gerade in einer Kinderwunschbehandlung. Eva und Felix haben bereits zwei Kinder. Doch das ist nicht der einzige Unterschied zwischen den beiden Paaren. Felix und Eva haben Geld und Felix ist auch sehr großzügig. Er hat seinen Freund Matze mit Linn zu einem Urlaub in ein Bungalow direkt am Strand eingeladen. Durch die unterschiedlichen Lebens- und Standesunterschiede entstehen Spannungen. Aber dann entsteht zwischen Eva und Linn eine unerwartete Solidarität.
Der Schreibstil von Dita Zipfel liest sich leicht und er ist lebendig. Ich hatte schnell ein gutes Bild der Protagonisten. Es sind vier sehr unterschiedliche Charaktere, die an vollkommen verschiedenen Punkten ihres Lebens stehen, obwohl sie gerade alle im gleichen Alter und Matze und Felix seit langem befreundet sind.
Wer sich schon einmal mit dem Thema Kinderwunschbehandlung auseinandergesetzt hat, wird merken, dass die Autorin hier gut recherchiert hat. Die einzelnen Schritte, mit ihren teils unangenehmen Begleiterscheinungen, werden gut beschrieben. Auch die physischen und psychischen Veränderungen, die eine Frau durch eine Schwangerschaft durchmacht, werden deutlich.
Ich habe das Buch gerne gelesen und fand die Einblicke in das Leben einer Frau mit Kinderwunsch und das einer jungen Mutter gelungen und realistisch dargestellt.
Das Ende hat mich ein wenig überrascht und ich hätte mir hier noch ein paar Seiten mehr gewünscht.
Dita Zipfel erzählt in "Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" von 2 Paaren Linn und Matze und Eva und Felix. Dabei haben Eva und Felix zwei Kinder und Linn und Matze wünschen sich eins und befinden sich gerade in der Kinderwunschbehandlung. Nun verbringen sie alle einen 5-tägigen Urlaub in Frankreich.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich habe es in wenigen Tagen gelesen und konnte auch zeitweise nicht mit lesen aufhören. Dabei fand ich den einzigartigen, speziellen und eher frechen Schreibstil sehr interessant, dieser hat mich sehr gefesselt. Außerdem fand ich auch die grundlegende Thematik sehr interessant, die das Zitat ganz am Anfang des Buches für mich sehr gut zusammenfasst. "Frauen müssen mit der Möglichkeit einer Schwangerschaft leben." - Rachel Cusk Auch die Zeichnung der Charaktere hat mir gut gefallen, da sie im Grunde sehr realistisch ist und teilweise etwas überzogen wirkt, es aber der Geschichte keinen Abbruch tut. Besonders gut hat mir Evas Sichtweise gefallen. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings noch, mir war das Ende zu offen und da hätte ich mir noch ein paar mehr Seiten gewünscht.
Ich würde dieses Buch allen empfehlen, die sich für die Thematik interessieren und diese aus einem anderen Blickwinkel betrachten möchten, der auch mal etwas übertrieben ist.
"Sie selbst heitert es immer auf, schlechte Nachrichten aus dem Leben anderer zu hören" (S.122)
Dieses Buch ist so gut, ich fühle mich wie berauscht, als ich es nach wenigen Stunden ausgelesen aus der Hand lege. Viel mehr als eine einfache Darstellung verschiedener Perspektiven auf das Thema Kinderwunsch und Schwangerschaft findet man in dieser Geschichte eine so offensichtliche wie überraschende Mahnung, dass jeder sein Päckchen trägt und dies für Außenstehende oft nicht zu sehen ist - eine angenehme Erinnerung an den Umstand, dass das Gras auf der anderen Seite nicht grüner ist. Und aber auch, dass Glück dort zu finden sein kann, wo wir es nicht vermuten. Und vielleicht auch nicht verstehen. Jenseits der Grenzen und Regeln, die wir uns selbst aufgestellt haben. Das meine ich aus der Erzählung mitgenommen zu haben, bis die Geschichte am Ende regelrecht in einen Spannungshöhepunkt eskaliert und mich mit der Frage zurücklässt: "Was habe ich da eigentlich gerade gelesen?" Was passiert in der Handlung? Wie stehen die Charaktere zueinander? Wie endet die Geschichte? Ich weiß es nicht.
Generell hat mich sowohl die Kurzbeschreibung und das Cover angesprochen und ich habe mir erwartet, dass mir "Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" gut gefallen würde. Am Anfang bin ich auch gut in das Buch reingekommen. Ich fand den Aufbau spannend, die Charaktere waren auch gut ausgefleischt. Leider ist es dann für meinen Geschmack etwas zu schräg geworden mit der Zeit. Nicht nur die Handlung hat immer abstrusere Richtungen eingeschlagen auch die Charaktere haben plötzlich alle sehr seltsame Eigenschaften gehabt. Normalerweise finde ich das ganz okay aber in diesem Fall ist es mir ein bisschen zu weit gegangen weil man gar nicht mehr wusste warum jetzt bestimmte Sachen getan werden. Dennoch war das Buch gut geschrieben, kurzweilig und ich mochte die verschiedenen Perspektiven. Vielleicht war ich gerade auch nicht ganz im richtigen Mindset für dieses Buch.