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Gelbe Monster

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Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Sie ist auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.

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Expected publication March 11, 2026

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Clara Leinemann

1 book1 follower

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Community Reviews

5 stars
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Displaying 1 - 22 of 22 reviews
Profile Image for Carla.
1,060 reviews137 followers
January 2, 2026
4,25/5 ⭐️ Rezi folgt zum ET am 11.03.26
Profile Image for Sarah.
167 reviews14 followers
December 23, 2025
"Es ist, wie von einem Traum zu erzählen, denkt Charlie, kurz bevor sie spricht; die Reihenfolge der Geschehnisse ist unklar, und es lässt vielleicht etwas zu tief blicken."

"Was sie sich wünschte, war, dass Valentin ein Fass war, dessen Deckel sie abnehmen, das sie drehen und umkippen konnte, sodass sich aller Inhalt vor ihr auf dem Boden ergoss. Sie wollte mit ihren Händen in der Suppe herumpatschen, sich die Suppe ins Gesicht klatschen, sie trinken, sie von den Dielen lecken."

"In der Nacht kuschelte sie sich an ihn, Tränen in den Augen vor Glück, und sie legte ihre kleine Hand in seine große Hand, wie immer, aber er griff nicht zu, seine Hand blieb geöffnet, und deshalb auch Charlies Augen, die ganze Nacht."

"Sie entschuldigte sich für alles. Sie entschuldigte sich für Dinge, die sie getan, gesagt oder gedacht hatte. Sie entschuldigte sich für ihr Aussehen, ihre Kleiderwahl, ihre Stimme, ihren Gang, ihre fehlenden Kochkünste, zu viel Milch im Kaffee, zu wenig Milch im Kaffee, zu viel geredet, zu wenig geredet, für nasse Handtücher auf dem Boden, für verschütteten Tee, für nicht-geteilte Zigaretten, für Haare in der Dusche, für Ausspucken vom Sperma, für Rülpser, Nieser, für ihre eigenen Kopfschmerzen, dafür, dass sie manchmal traurig war, für zerknickte Buchseiten, für das falsche Essen, für fehlendes Bier, für schlechte Laune. Für ihre Wut."

"Es fühlt sich an wie Wellen, die durch die Gliedmaßen strömen, mein Arm gehört nicht mehr mir, so wird sie es später in der Gruppe erzählen. Wie fremdgesteuert. Überhaupt passiert alles viel zu schnell, da ist irgendwas in mir, das raus muss, es fühlt sich an, als müsste ich kotzen oder schreien, es ist eine Energie, die aus dem Körper nach draußen muss, wie ein Bewegungsdrang. Mein Körper will irgendwas beeinflussen, das, was ist, soll sich verändern, und zwar so schnell wie möglich, es gibt keine Zeit zum Innehalten, erst dann, wenn der Schmerz zu groß ist."

"Sie hat an Valentin in der Vergangenheitsform gedacht, aber nicht daran, wie sie ihm in naher Zukunft begegnen könnte."

"Sie beugt sich vor, stützt sich mit den Unterarmen auf dem Tisch ab, ihr Körper fühlt sich falsch an, wie eine zu eng sitzende Jacke mit zu kurzen Armeln."
Profile Image for Fiona.
144 reviews30 followers
March 11, 2026
Charlie und Valentin begegnen sich so, wie es eigentlich nur Menschen im Film passiert. Doch was wie eine Rom-Com beginnt, prallt bald auf die harte Realität. Monate später sitzt Charlie in der Bahn, mit einem blauen Auge und einer gebrochenen Hand, auf dem Weg zu einem Anti-Aggressionstraining für Frauen. »Sie hatte sich doch nur verliebt, ist das eine Straftat, oder was?« Doch nach und nach beginnt Charlie ihre Beziehung zu Valentin mithilfe der Gruppe und ihrer besten Freundin Ella zu reflektieren. Wie konnte es so weit kommen? Und wer hat Schuld?

Clara Leinemann hat mit »Gelbe Monster« ein krasses Debüt vorgelegt – inhaltlich wie sprachlich. Ich habe den Roman innerhalb von zwei Tagen inhaliert, da ich unbedingt wissen musste, wie die Geschichte endet und was alles dahinter steckt. Charlie ist eine unglaublich spannende Antiheldin, an deren Perspektive deutlich wird, das nichts nur schwarz oder weiß, gut oder böse ist.
Die Wut und Gewaltbereitschaft, die in ihr stecken, fand ich erschreckend, zum Teil aber auch erschreckend nachvollziehbar. Machen ihr Verhalten und ihre Gefühle sie zu einem schlechten Menschen, zu einem Monster?

»Gelbe Monster« zeigt sehr eindrücklich, wie komplex Beziehungen sind, wie schnell toxische Muster entstehen und aus Liebe emotionale Abhängigkeit oder gar Kontrolle werden können. Ein so starkes Debüt, das ich sehr empfehlen kann – besonders für Fans von »Gym« von Verena Kessler und »Die schönste Version« von Ruth Maria Thomas.
Profile Image for Leonie.
183 reviews6 followers
March 10, 2026
Aua, auf mehreren Ebenen. Mutig, ungewöhnlich und sehr klug.

4.5*
Profile Image for j.and.the.boys .
120 reviews2 followers
Review of advance copy received from Publisher
February 16, 2026
Aggressionen einer Frau!
. Suchst du nach einem starken, unbequemen, zutiefst emotionalen Buch? Einem Buch, das dich schon während des Lesens ins Stocken bringt, dich zwingt, hinzusehen, und dich noch lange danach nicht loslässt?
Nach einer Geschichte, die nachhallt, weil sie weibliche Wut nicht glättet oder erklärt, sondern sie in all ihrer Widersprüchlichkeit zeigt…
als etwas, das sich nicht sofort entschlüsseln lässt?
Dann solltest du „Gelbe Monster“ lesen und dich auf eine intensive, fordernde Reise einlassen! 4,5/5 ⭐️

. Aber worum geht es in diesem Roman genau…
Mathematikstudentin Charlie muss wegen eines Vorfalls an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Das ist der Wunsch ihrer besten Freundin. Charlie kommt diesem nach, fragt sich jedoch zunächst wie sie in dieses Training passt und warum sie genau dabei ist.

. In „Gelbe Monster“ begleiten wir Charlie als Ich-Erzählerin durch die Bruchlinien ihrer eigenen Geschichte. Nah, fast schon schmerzhaft nah, lernen wir sie kennen und ihre Gedanken, ihre Rechtfertigungen, ihre blinden Flecken. Charlie ist klug, oft witzig, im Grunde zutiefst sympathisch. Und doch trägt sie etwas in sich, das immer wieder an die Oberfläche drängt. Eine Unruhe, eine Wut, deren Ursprung im Dunkeln bleibt. Was genau in ihrer Kindheit geschehen ist, erfahren wir nicht. Aber wir spüren, wie sehr es sie geformt hat. So sehr, dass selbst ihre beste Freundin Ella sie eindringlich bittet, sich Hilfe zu suchen.
. Der Roman setzt an jenem Punkt ein, an dem ein Vorfall alles ins Rollen bringt. Von hier aus beginnt Charlies tastender, widerwilliger Weg in Richtung Aufarbeitung. Zunächst zweifelt sie daran, ob ein Antiaggressionstraining ihr wirklich helfen kann. Zu groß ist ihr Bedürfnis, die Schuld außerhalb ihrer selbst zu verorten.
. Die Handlung ist in der Gegenwart verankert, doch in Rückblenden entfaltet sich nach und nach die Geschichte jener Beziehung, die in die Eskalation führte. Erst gegen Ende wird das Geschehene in seiner ganzen Tragweite sichtbar.
Charlies letzte Partnerschaft ist geprägt von Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, Selbsttäuschung, Sehnsucht, Unehrlichkeit und unterdrückter Wut. Eine toxische Dynamik, die beide verletzt und erniedrigt zurücklässt. Und doch ist die Schuldfrage komplexer, als sie zunächst scheint. Zwischen den Zeilen formuliert der Roman eine leise, aber scharfe Gesellschaftskritik: Wie schnell wird Verantwortung derjenigen Person zugeschrieben, die am sichtbarsten aus der Rolle fällt und wie selten wird genauer hingesehen.
Ja, Charlie trägt Aggression in sich.
Aber sie entsteht nicht im luftleeren Raum. Es gibt Trigger, Verletzungen, alte Muster. Ohne zu viel vorwegzunehmen, zeigt ihre Geschichte, wie bereitwillig wir uns mit einfachen Erklärungen zufriedengeben, wenn die Wahrheit komplizierter und unbequemer ist. Wer dieses Buch liest, wird verstehen, was ich damit meine.
. Während der Lektüre reflektiert man unweigerlich das eigene Denken. Leinemann versteht es, Fragen zu stellen, die bleiben. Besonders berührend ist Charlies Unsicherheit darüber, wer sie eigentlich ist. Dieses ständige Schwanken zwischen Anpassung und innerer Leere, zwischen dem Wunsch dazuzugehören und dem Gefühl, keinen festen Kern zu besitzen. Sie ist eine intelligente Frau und es schmerzt zu sehen, wie gering sie sich selbst schätzt. Wie verzweifelt sie versucht, sich Identitäten überzustreifen, Rollen zu erfüllen, Erwartungen gerecht zu werden, weil ihr der Zugang zu sich selbst abhandengekommen ist. Aus diesem inneren Konflikt speist sich letztlich alles, was aus dem Ruder läuft.

. Der Roman macht eindrücklich deutlich, wie wichtig es ist, innezuhalten und in sich hineinzuhören. Sich nicht ständig neu zu erfinden, um äußeren Ansprüchen zu genügen, sondern den eigenen Ursprung zu erkunden. Vergangenheitsaufarbeitung erscheint hier nicht als Selbstzweck, sondern als Möglichkeit zur Befreiung von Scham, von Zuschreibungen, von gesellschaftlichem Druck.
. Gern hätte man Charlie noch ein Stück weiter begleitet, hätte gesehen, wohin ihr neu gewonnenes Bewusstsein sie trägt.
. Auch der Titel ist klug gewählt. „Gelbe Monster“…
das sind vielleicht jene aufgestauten Gefühle, die sich verzerren und verselbstständigen, wenn sie zu lange verdrängt werden. Und „Gelb“als Farbe der grellen, kaum zu bändigenden Wut, die sich ihren Weg sucht.

. Zusammengefasst ist „Gelbe Monster“ eine eindrucksvolle Mischung aus Leichtigkeit, schwarzem Humor und unbequemer Wahrheit. Mit feinem Gespür zeichnet Leinemann Charlies Weg aus einer Spirale aus Zweifel, Wut und Selbsthass nach und schafft damit einen Roman, der fordert, bewegt und lange nachwirkt.
Ein Buch, aus dem jede aufmerksame Leserin und jeder aufmerksame Leser etwas für sich mitnehmen kann.
Profile Image for minas.libraries.
17 reviews1 follower
Review of advance copy
February 17, 2026
Inhalt (spoilerfrei): Die Mathematikstudentin Charlie muss nach einer Eskalation mit ihrem Exfreund Valentin an einem Anti Aggressionstraining für Frauen teilnehmen, das war die Bedingungen ihrer besten Freundin Ella, damit Charlie weiterhin bei ihr wohnen darf. Im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen und ihre Geschichte neu zu erzählen.

Erzählstil: Man wird ohne Vorwarnung in Charlies Leben geworfen. Es gibt keine sanfte Einführung, keine klare Einordnung. Stattdessen sitzt man plötzlich mit ihr in einer Anti Aggressionsgruppe für Frauen und weiß zunächst kaum, was eigentlich passiert ist. Nach und nach erfährt man in unterschiedlichen Zeitebenen, was in ihrer Beziehung zu Valentin geschehen ist und wie es dazu kam, dass sie nun an diesem Training teilnehmen muss. Die Geschichte entfaltet sich nicht linear, sondern Stück für Stück. Wie Puzzleteile setzt sich langsam zusammen, was Charlie erlebt hat, was sie geprägt hat und warum sie so geworden ist, wie sie ist. Und genau das macht die Spannung aus.Der Stil ist distanziert und gleichzeitig unglaublich klug konstruiert. Anfangs fühlt man sich fast verloren. Man wird reingeschmissen und muss sich selbst orientieren. Die Zeitsprünge sorgen dafür, dass man immer nur Bruchstücke bekommt. Erst später beginnt man zu verstehen, wie alles zusammenhängt. Ich fand das wahnsinnig spannend, weil sich mit jeder neuen Information auch meine Haltung zu Charlie verändert hat. Das Buch zwingt einen förmlich dazu, die eigene Einschätzung immer wieder zu korrigieren. Es ist keine bequeme Lektüre, aber eine, die sehr bewusst mit Perspektive und Wahrnehmung spielt.

Figuren: Charlie wirkt am Anfang ehrlich gesagt unsympathisch. Sehr selbstfixiert, schnell urteilend, voller Selbsthass und gleichzeitig mit extremen Erwartungen an andere. Man fühlt sich ihr nicht nahe. Doch je weiter man liest, desto mehr versteht man sie. Ihr Leiden wird greifbar. Ihre Intelligenz ebenso. Man merkt, wie sehr sie sich selbst im Weg steht und wie stark sie von ihrer Vergangenheit geprägt wurde. Ihre Wut, die anfangs überzogen wirkt, wurde für mich irgendwann vollkommen nachvollziehbar. Auch Valentin wird nicht eindimensional dargestellt. Er wirkt ebenfalls beschädigt, was die Beziehung zwischen den beiden nicht entschuldigt, aber tragischer macht. Es geht hier nicht um klare Täter und Opfer, sondern um zwei Menschen, die auf eine ungesunde Weise miteinander verstrickt sind.

Themen: Das Buch verhandelt unglaublich viele relevante Themen; Selbstwert, Selbsthass, weibliche Wut, Grenzverletzungen in Beziehungen, patriarchale Strukturen, das permanente Sich Entschuldigen von Frauen, etc. Besonders stark fand ich die Frage, wem Wut gesellschaftlich erlaubt ist. Männer dürfen aggressiv sein, in Musik, Kunst und Alltag wird das oft als Ausdruck von Stärke inszeniert. Frauen dagegen gelten schnell als hysterisch oder psychisch instabil, wenn sie laut werden oder sich wehren. Auch dieses ständige Entschuldigen für alles und nichts wird thematisiert. Für den eigenen Körper. Für schlechte Laune. Für Kopfschmerzen. Für ein Nein. Für Raum, den man einnimmt. Und irgendwann staut sich daraus zwangsläufig Wut an. Das Buch wirkt dabei nie platt oder belehrend. Es zeigt Strukturen, ohne sie didaktisch auszuerklären. Man erkennt sie ganz gut von selbst.

Fazit: Es st kein angenehmes Buch, aber ein unglaublich spannendes. Anfangs war ich irritiert und auf Distanz. Doch mit jeder Seite habe ich Charlie besser verstanden. Ihre Wut wurde greifbar. Ihr Schmerz ebenso.
Ich finde das psychologisch sehr klug geschrieben und gesellschaftlich hochrelevant. Es ist ein Roman, der fordert, der Fragen stellt und der lange nachwirkt. Man muss Charlie gar nicht mögen. Aber man lernt, sie zu verstehen. Und vielleicht ist das die größere Leistung dieses Buches.
64 reviews1 follower
Review of advance copy
January 31, 2026
Das Main Character Syndrome gepaart mit der Gewaltbereitschaft einer Frau

Charlie ist eine junge Frau, die gerade dabei ist, ihren Studienabschluss in Mathematik zu absolvieren und bestenfalls danach noch zu promovieren. Wer würde erwarten, dass diese junge Frau an einem Antiaggressionstraining teilnehmen muss? Wahrscheinlich auf den ersten Blick niemand. Aber so ist es, denn wir wissen, dass sie von ihrer besten Freundin aufgenommen wurde, da ihre eigene Wohnung scheinbar zerstört ist, und dass dies irgendetwas mit ihrem (Ex-)Partner zu tun hat. Charlie hat zu Gewalt gegriffen und auf den nicht einmal 200 Seiten erfahren wir, wie es dazu kommen konnte.

Beginnt man Clara Leinemanns Debütroman zu lesen, erscheint Charlie, die wir durch die personale Erzählperspektive kennenlernen, erst einmal stark unsympathisch. Alles scheint sich nur um sie selbst zu drehen, immer sind alle anderen schuld. Dabei schafft es Leinemann eigentlich hier perfekt eine junge Frau mit „main character syndrome“ schriftstellerisch darzustellen. Dieses „Hauptcharakter“-Syndrom beschreibt eine Person, die als sei sie die Hauptperson in einer Geschichte. Sie sieht sich selbst als eine Figur, um die sich alles dreht. Der Unterschied zum Egoismus ist, dass das gesamte Leben zusätzlich „filmreif“ inszeniert wird, es immer auf die Wirkung ankommt und die betroffene Person meint, ihr stehe - einfach so, ganz natürlich – ein herausragendes Leben zu. Charlie lebt in einer RomCom, seit sie Valentin kennengelernt hat. Alles scheint perfekt zu passen und nun hat sich auch Valentin gefälligst danach zu verhalten. Nur tut er das nicht immer und bei Charlie kommen außerdem noch narzisstische Tendenzen hinzu mit einem geringen Selbstwertgefühl und so wird Charlie nicht nur verbal ausfällig, sondern auch gewalttätig.

Psychologisch entwirft das Leinemann ganz geschickt, ohne im Roman zu psychologisieren. Vollkommen authentisch entwickelt die Autorin aus der Figur Charlie heraus die Probleme und letztlich die Katastrophe, auf die die Figur zusteuert. Wie diese Figur in Tagträumen von perfekt inszenierten Filmszenen schwelgt, um von ihrer eigenen, pathetischen Fantasie überwältigt sogar Tränen in den Augen zu haben. Sie sieht sich als Heldin ihrer Geschichte und schafft es sogar einmal mit Valentin (ohne, dass dieser etwas davon mitbekommt) die Pietà auf dem Bett in Szene zu setzen. Selbst wirft sie ihm innerlich vor, ein manipulativer Narzisst zu sein und merkt nicht, dass sie es doch selbst ist. Wie dann sich langsam immer mehr Gewalt, zunächst über die verbale Ebene und später vermehrt durch körperliche Übergriffe von Seiten Charlie, in die Beziehung schleicht, können wir Lesenden durch geschickt gesetzte Rückblicke nachvollziehen.

Ich finde insgesamt hat es Clara Leinemann auf wenigen Seiten geschafft ein Fallbeispiel für weibliche Gewalt in einer Partnerschaft zu umreißen und die Kaskade der Aggression zu verdeutlichen. Mir hätte das Buch noch mehr gefallen, wenn sie sich mehr als nur zwei Sätze Zeit genommen hätte, um auf die Ursprünge von Charlies niedrigem Selbstwertgefühl einzugehen. Aber die Andeutung reicht, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie groß eigentlich der Eisberg unterhalb der Wasseroberfläche ist. Und weil dieser Eisberg so groß ist, kann zwar Charlie im Laufe des Buches eine kleine, fortschrittliche Entwicklung durchmachen, wir merken jedoch zum Ende hin, dass eine Persönlichkeitsstruktur nicht einfach so umgepolt werden kann.

Somit kann ich die Lektüre dieses Debütromans nur empfehlen, um ein Gespür für ein selten in der Literatur thematisiertes Problemfeld zu bekommen.

4,5/5 Sterne
Profile Image for Isa ◡̈ .
238 reviews42 followers
Review of advance copy received from Publisher
February 15, 2026
»Sie hat an Valentin in der Vergangenheitsform gedacht, aber nicht daran, wie sie ihm in naher Zukunft begegnen könnte.« (183)

Charlie ist nach einer manipulativen Beziehung am Ende - psychisch wie physisch. Ihre Freundin Ella sieht das und nicht weg. So kommt es, dass Charlie bei Ella auf der Couch schläft und die Bedingung, ein Antiaggressionstraining für Frauen zu machen, erfüllt. Doch wieso ist Charlie so wütend? Warum ist sie so ausgerastet? Nach und nach lernen wir Lesende Charlie und ihre Situation kennen.

Der Anfang: Charlie trifft Valentin. Nach einem intensiven ersten Kennenlernen hören die beiden monatelang nichts voneinander, bis sie sich auf einer Party wiedersehen. Allerdings ist Valentin für seine Freundin Valeria dort. Also einfach Freunde? Das funktioniert so lange, bis es gar nicht mehr funktioniert. Und von einer dysfunktionalen Freundschaft landen die beiden in einer Beziehung, in der Valentin nicht richtig committed ist, während für Charlie außer Valentin nichts mehr zu existieren scheint. Selbst Ihr geliebtes Mathematik-Wissenschaftskarriere als PhD-Studentin und Freundschaften gibt sie für diese Liebe nahezu auf. Geprägt von Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, Selbsttäuschung, Verlangen, Unehrlichkeit und Wut nimmt diese Beziehungsdynamik einen Lauf, der für alle Beteiligten verletzend, herabwürdigend und toxisch ist. …

»Wie peinlich diese Wutanfälle sind, und die Drohungen, ich verlasse dich und so weiter, und dann macht man es doch nicht. Und ich glaube, weil sich diese Wutanfälle so abnutzen, weil man sich so lächerlich vorkommt, muss man immer krasser werden. Immer gewalttätiger. Um endlich was auszulösen, was zu ändern. Und manchmal treibt man es dann so weit, dass man denkt, jetzt war es das. Jetzt muss er doch gehen.« (114)

»Gelbe Monster« 👿 ist der Debütroman der Autorin & Theaterregisseurin Clara Leinemann, indem weibliche Wut, Gewalt und Aggressionen in den Vordergrund gestellt werden. Sie hält damit einer Gesellschaft, die Beziehungsgewalt in allen Formen nahezu tabuisiert, den Spiegel vor.

Die im Klappentext angekündigte, sympathische Antiheldin habe ich in der Protagonistin Clara nicht gefunden. Vielmehr habe ich beim Lesen gehofft, dass sie endlich beginnt sich selbst zu reflektieren und z. B. mit diesen toxischen Vergleichen zwischen ihr und anderen Girls aufhört. Gleichzeitig habe ich ihre quasi einzige wirkliche Freundin Ella dafür bewundert, wie sehr sie Girl’s Girl ist, obwohl Charlie auch sie so oft verletzt. Vieles von dem Geschriebenen liest sich sehr authentisch, aber die tatsächliche Veränderung, die Annahme der Verantwortung und das Anerkennen der eigenen Fehler kommt mir viel zu kurz. Es werden wichtige Themen berührt (Charlie’s Mutter-Tochter-Verhältnis; ihr toxsisches Selbstbild; ihre eigene Reflexion im Antiaggressionstraining), aber nicht tiergehender behandelt. Vielleicht ist es genau das, was der Roman will: Romanfiguren, die Fehler machen, die immer wieder die gleichen Verhaltensweisen rechtfertigen, ohne zu merken, wie schlecht es ihnen selbst und anderen damit geht und sich damit schlussendlich aber eben auch das: sehr menschlich verhalten. In wie vielen Beziehungen haben wir einfach weitergemacht, obwohl wir wussten, dass wir besser gehen sollten? Obwohl die Liebe schon längst nicht mehr da war?

Ein Roman, der wehtut, im Kopf bleibt, der Hoffnung gibt, dass Menschen sich ändern können, wenn sie wollen und Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen. 💛 Und der zeigt, wie sehr wir Girl’s Girls in unserem Leben brauchen 💜

3.5/5 ✨
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Seitenmusik.
416 reviews23 followers
Review of advance copy
February 2, 2026
Mit „Gelbe Monster“ legt Clara Leinemann ihr literarisches Debüt vor, erschienen beim Suhrkamp Verlag. Die Autorin, die zuvor vor allem für ihre Theatertexte ausgezeichnet wurde, erzählt in diesem Roman die Geschichte der Mathematikstudentin Charlie, die nach einem Gewaltausbruch gegen ihren Partner an einem Anti-Aggressionstraining für Frauen teilnehmen muss. Erzählt wird von einer toxischen Beziehung, weiblicher Wut, Scham, emotionaler Abhängigkeit und dem schwierigen Versuch, Verantwortung zu übernehmen.

Meine Meinung

Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch anfordern soll (Rezensionsexemplar), ob es aktuell „mein“ Thema ist. Am Ende habe ich es doch getan, weil ich den Blickwinkel ungewöhnlich fand. Und dann kam das Buch diese Woche an, ich wollte gestern um 22 Uhr „nur kurz reinlesen“. Knapp zwei Stunden später hatte ich es beendet. In einem Rutsch.

Die Sprache ist extrem zugänglich, klar, schnörkellos und genau darin liegt ihr Sog. Leinemann schreibt nicht kompliziert, aber präzise. Viele Szenen entfalten ihre Wirkung gerade durch ihre Nüchternheit. Etwa Charlies erster Kontakt mit dem Antiaggressionstraining: „So, Sie wollen an unserem Antiaggressionsprogramm teilnehmen … weil Sie in Ihrer Beziehung gewalttätig geworden sind?“ (S. 12) Dieser sachliche Ton steht in scharfem Kontrast zu Charlies innerem Chaos und wirkt dadurch umso stärker.

Inhaltlich hat mich vieles tief beschäftigt. Besonders gelungen finde ich, dass der Roman ein Thema ins Zentrum stellt, das selten literarisch verhandelt wird: Gewalt von Frauen gegen Männer. Charlies Verhalten ist in keiner Weise zu rechtfertigen und genau das versucht der Text auch nicht. Gleichzeitig macht er verständlich, wie sich Gewalt in toxischen Beziehungen entwickeln kann. Das erinnert stark an das Konzept des Victim-Offender-Overlap: Betroffene von Gewalt werden nicht selten selbst zu Täter:innen. Diese Ambivalenz hält der Roman konsequent aus.

Viele Passagen haben mich emotional sehr getroffen, etwa Charlies verzweifeltes Bedürfnis nach Nähe und Bestätigung: „Ich bring mich um. Das hast du jetzt davon.“ (S. 180) Oder die erschreckend ehrliche Analyse der eigenen Wutspirale im Gruppengespräch: „Man muss immer krasser werden. Immer gewalttätiger. Um endlich was auszulösen.“ (S. 114)

Was für mich nicht ganz aufgegangen ist und deshalb gleichzeitig mein einziger Kritikpunkt ist Charlies Vorgeschichte. Zwar wird ihre Mutter als gewaltvoll und tyrannisch angedeutet, doch dieser Aspekt bleibt auffallend unterbelichtet. Gerade hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, um Charlies innere Dynamik und wie es überhaupt soweit kommen konnte noch besser einordnen zu können. Ich denke, das war sicher eine bewusste Entscheidung, aber mir hat da was gefehlt. Ein gutes Beispiel wie das meiner Meinung nach super gelöst wurde ist Elisabeth Papes Roman "Halbe Portion".

Fazit

Gelbe Monster ist ein intensiver, perspektivisch ungewöhnlicher und unbequemer Roman, der mir sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Für alle, die sich mit toxischen Beziehungen, weiblicher Wut und Gewaltprävention auseinandersetzen wollen und bereit sind, Ambivalenzen auszuhalten. Kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Danke an Vorablesen.de und den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar.
Profile Image for Bärbel.
150 reviews1 follower
Review of advance copy
February 12, 2026
Lehrreiche Irritationen
Nachdem ich in letzter Zeit häufig Bücher mit Protagonistinnen meines Lebensabschnitts (50++) gelesen habe, war es eine gute Abwechslung, es mal wieder literarisch mit einer jüngeren Generation zu tun zu haben. Zumindest im Punkt der schmerzhaften, toxischen Liebesverstrickungen hat man im späteren Alter eher die gelassenere Zeit, das geht zumindest mir so. Und das empfinde ich als Erleichterung.

Denn ganz ehrlich: Es gibt Aspekte im Empfinden von Charlie, die erinnere ich durchaus bei mir: unbedingte Liebeswünsche gegen jeden Verstand. Ich erinnere dies nicht in dieser Ausprägung und Konsequenz, finde es dennoch sehr stimmig dargestellt.
Im Falle von Charlie und Valentin treffen eine junge Frau mit entschiedenem, romantisiertem Bindungswunsch und ein junger Mann mit sehr ambivalentem und unsicherem Bindungsverhalten aufeinander. Er lässt sich nie ganz auf sie ein, und um so merklicher das wird, umso ungestümer begehrt sie, dass es anders sei.
Dass seine Zurückweisung, seine passive Aggressivität, seine Rumlavieren sie wütend machen, konnte ich beim Lesen total nachvollziehen. Dass sie diese Wut phasenweise auch heftig auslebt, ist eine Reaktion, die man eher Männern zurechnet. Charlie wendet ihre aufgestaute Wut nacheinander gegen Valentin, gegen ziemlich viele Sachen und gegen sich selbst - wahrscheinlich gilt nur Letzteres nach wie vor als typisch weiblich.

In der Regel finde ich es nicht vorrangig, bei Romanfiguren zu urteilen, wie sympathisch oder verstehbar sie sind, es sind halt literarische Figuren.
Im Falle diesen Buches, fühlte ich mich allerdings zur Stellungnahme innerlich sehr aufgefordert. Ständig mochte ich Charlie verteidigen. Sie und die anderen Frauen im Anti-Aggressionstrainig wirken eher wie Opfer, als wie brutale Täterinnen. Zweifellos haben sie ihre Wut als Folge von Ohnmacht und Verzweiflung nicht unter Kontrolle. Eine Entschuldigung, die ich bei Männern eher nicht gelten lassen würde.

Man sieht, das ist kompliziert... Klar ist für mich, dass die Frauen, dass jeder Mensch unter eigenen Wutanfällen selbst leidet. Und: dass die auslösende Situation durch die Wut nicht verschwindet. (Und sowieso: Wenn jemand so dringend geliebt werden will von der nicht bereiten Person, dann ist das das eigentliche Drama.)
Sicher bin ich mir aber auch, dass Männer, die aus Liebeskummer ausrasten und dabei alles kurz und klein schlagen, in der Regel nicht zum Anti-Aggressions-Training gehen.

Immer wieder musste ich an den Buchtitel "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl denken - auch wenn in diesem Buch der Ausgangspunkt der Wut zumindest scheinbar sehr anders liegt.
"Gelbe Monster" ist ein hochinteressantes, mutiges Buch mit einem enormem geschlechterpolitischen Potential. Nicht alle Passagen sind angenehm zu lesen, aber streckenweise ist es auch ein Pageturner. Auf jeden Fall ein Buch, das gegen den Strom erzählt.


Profile Image for Sophia Kaiser.
74 reviews
Review of advance copy
February 5, 2026
Der Roman "Gelbe Monster" beginnt damit, dass die Protagonistin Charlie in der Bahn sitzt und "schlechter Mensch" googelt. Denn sie fragt sich, ob sie selbst einer ist. Wir erfahren, dass Charlie Mathematikstudentin und auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining ist.

Charlies Geschichte wird in vielen kleinen Kapiteln erzählt, die zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen. Diese Erzählweise verstärkt das Gefühl, komplett in Charlies Perspektive zu stecken, in diesem wabernden Dazwischen-Zustand, zwischen der Eskalation und dem Jetzt. Und vor allem merkt man: Charlie ist unsicher. Sie wäre eigentlich lieber irgendjemand anderes, aber am wenigsten sie selbst. Genau diese Unsicherheit treibt und bindet sie in und an die Beziehung zu Valentin. Er ist ihr Halt, ihre Bestätigung. Von ihm macht sie alles abhängig. Liebt er sie, geht es ihr gut. Ist er kühl und abweisend, kommen die negativen Gedanken - und mit ihnen die Wut.

Ich fand "Gelbe Monster" einen wirklich sehr spannenden Roman. Vor allem weil ich das Thema weibliche Wut und Gewalt so noch nicht wirklich in einem anderen Roman kennengelernt habe. Ich mochte die nüchterne Sprache, da sie für mich, genau wie die kurzen Kapitel, irgendwie das Wesen von Charlie widerspiegeln, ihre Affinität für Mathematik und das Analytische in ihrer Art. Dennoch habe ich etwa ab der Hälfte bemerkt, dass mir dennoch an der einen oder anderen Stelle ein wenig der Tiefgang gefehlt hat, das Warum hinter den Taten, Charlies eigener Hintergrund. Mir hat noch ein bisschen mehr die Verbindung zu ihr als Protagonistin gefehlt, da ich sie bisweilen eher auch anstrengend fand.

Dennoch kann ich "Gelbe Monster" sehr empfehlen, allein wegen der Thematik und weil es insgesamt ein sehr kurzweiliges Buch ist.
23 reviews
Review of advance copy received from Publisher
February 4, 2026
Clara Leinemann erzählt in „Gelbe Monster“ von Charlie, einer Mathematikstudentin, die nach einer eskalierten Beziehung mit einem blauen Auge und vielen offenen Fragen in einem Antiaggressionstraining für Frauen landet. Zwischen Rückblicken auf die Beziehung zu ihrem Exfreund Valentin und den Gesprächen in der Gruppe beginnt Charlie, ihre eigene Geschichte neu zu betrachten.

Besonders gefallen hat mir das Thema des Romans: weibliche Wut, Gewalt von Frauen in Beziehungen und emotionale Abhängigkeiten stehen hier im Mittelpunkt. Ein Blickwinkel, den ich so bisher noch nicht oft literarisch gelesen habe und der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat. Der Schreibstil ist flüssig, nüchtern und zugleich sehr eindringlich. Die Kürze des Buches, die kurzen Kapitel und die wechselnden Zeitebenen sorgen für ein hohes Tempo und einen durchweg hohen Spannungsbogen. Stück für Stück wird klar, was Charlie getan hat und genau dieses Enthüllen über das gesamte Buch hinweg hat mich oft innehalten lassen, weil man ihre innere Anspannung und Eskalationsbereitschaft deutlich spürt.

Mit Charlie selbst konnte ich mich zwar nicht vollständig identifizieren, sie war mir aber in ihrer Widersprüchlichkeit sympathisch und viele ihrer Gedankenmuster ließen sich zumindest nachvollziehen. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise mehr Tiefe gewünscht, vor allem im Hinblick auf die angedeutete traumatische Kindheit und die Hintergründe ihres Handelns. Hier blieb für mich das „Warum?“ etwas zu offen. Der Titel „Gelbe Monster“ fügt sich am Ende sehr stimmig in das Gesamtbild ein und das Ende des Buches fand ich passend.

Alles in allem ist „Gelbe Monster“ ein kluges Buch mit einem wichtigen Thema, das lange nachhallt mit nur kleinen Schwächen in der Tiefe.
Profile Image for Laura.
136 reviews2 followers
Review of advance copy received from Sonstiges
February 7, 2026
Dieses Buch tut für mich vor allem eins: es wirft extrem viele moralische Fragen auf - an die eigenen Grundsätze, an Ethik und Moral ganz allgemein. Die Protagonistin Charlie hat mich teilweise extrem getestet. Vor allem am Anfang verargumentiert sie was passiert ist, sie relativiert das objektiv Falsche und sie versucht uns Leser:innen subtil durch ihre Gedankenwelt auf ihre Seite zu sehen. Sie baut ihre eigene Kleine Welt und konstruiert eine Geschichte, mit der sie und und sich uberzeugen will. Die Gedankengänge sind dabei meiner Meinung nach schon realistisch gehalten, wenn auch unangenehm zu lesen - wie sie sich von den anderen Frauen abgrenzt, wie sie Valentin romantisiert, wie sie ihre Freundinnen und andere Frauen sieht. Deshalb ist es zwar nervig aber auch so wichtig, dass wir uns quasi in ihrem Kopf befinden, das ist Absicht um unsere eigenen moralischen Grenzen zu testen.

Was dazu noch interessant ist: das Buch zeichnet kein schwarz-weiß Täterinnenbild, durch die Perspektive wird nicht scharf verurteilt sondern es wird Nuance gezeigt, die es in diesen Themen leider gibt. Das war für mich sehr schmerzhaft zu lesen, zeigt aber auch wie wichtig diese Sichtweise ist. Die Beziehung zwischen Charlie und Valentin ist von Anfang an beidseitig sehr toxisch - das entschuldigt nichts, setzt es aber in einen nötigen Kontext. Hier wird nicht ausgeklammert was es heißt, eine Frau in der aktuellen Gesellschaft zu sein, auch wenn sie sich falsch verhält und das ist ein absolut interessanrer Punkt.

Ein Buch, auf das man gefasst sein muss, das für mich schmerzhaft, nervig und augenöffnend war und vor allem ganz anders, als man es erwartet.
Profile Image for lealion.
40 reviews4 followers
Review of advance copy received from Publisher
March 2, 2026
Mitreißend - das Buch hält dir den Spiegel vor


Ich fand dieses Buch genial!
Nach der Leseprobe bin ich noch ein mal von vorne eingestiegen und hab es geliebt. In nur zwei Tagen bin ich durch Claras Story gewandert und habe sie gut kennengelernt und wollte ihr immer wieder sagen, dass sie sich nicht so anders sehen und fühlen muss, wie sie es tut.
Denn wenn eine Sache klar ist, dass Clara sich nicht so fühlt wie sie denkt dass sich die anderen Mädels fühlen.

Und ich glaube, dass man sich selbst in ihr sehr gut wiederfindet, seinen eigenen Fehler in diesem Denken erkennt und dann mit ihr mitwachsen kann.

Ganz grob geht es um Clara, die in Mathematik promoviert und gegenüber ihrem Freund handgreiflich wurde.
Die Kapitel wechseln regelmäßig zwischen Vergangenheit - so kommen wir den Geheimnissen der Beziehung näher - und der Gegenwart, wo wir mitbekommen, dass sie auf der Couch ihrer Freundin schläft und regelmäßig zu Antiagressionssitzungen geht.

Ein kurzes Buch, das es in sich hat.
Das einzige, was mir nicht gefallen hat, war dass an manchen Stellen geändert wurde.
Profile Image for Mavami.
12 reviews
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January 24, 2026
Das Buch mich total reingezogen, weil es so ein fremdes Thema für mich war. Charlie ist zerfressen von Selbstzweifeln und versucht, sich durch Gewalt an ihrem Partner frei zu machen. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie langsam, mit ihrer Wut und ihren Gewaltausbrüchen gegen sich und andere umzugehen, aber der Kontakt zu ihrem (Ex)Partner bringt sie immer wieder in die Spirale. Ich fand interessant, dass auch ich als Leserin immer versucht habe, Charlies Verhalten zu entschuldigen. Das Thema Patriarchat und Machtverteilung zwischen den Geschlechtern wird nur kurz angerissen, für mich steht es aber im Mittelpunkt des Buches und öffnet ein Spannungsfeld, in dem ich selber noch keine genaue Verortung gefunden habe.
Durch den letzten Satz war ich fast enttäuscht von Valentin, obwohl der weitere Verlauf natürlich offen für Interpretation ist, aber ich habe Charlie als extrem unsichere und vor allem instabile Person gelesen, sodass das Ende einen bitteren Beigeschmack für mich hatte.
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4 reviews
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January 31, 2026
Erdrückend!

"Es ist, wie von einem Traum zu erzählen, aber Charlie weiß, was sie sagen muss. Sie beginnt zu sprechen."

Charlie wollte doch einfach nur ihre große Liebe. Den Mann, der ihr zufällig begegnet ist und der sie sofort verstanden hat. Der, der sie endlich aus ihrem Selbstmitleid rausholen sollte und mit dem es dann einfach nicht klappen wollte. Bis sie heulend in Frau Yilmaz' Büro sitzt und das sie unter Androhung ihrer Mitbewohnerin und einzig verliebenen Freundin Ella nicht verlässt, bis sie sich bereit erklärt, ein Antiaggressionstraining zu absolvieren, von dem sie nicht denkt, dass sie es braucht.

Charlie zieht einen in ihre Welt und lässt uns verstehen, wie sich Gewalt in einer Beziehung entwickeln kann. Wie Frauen zu Täterinnen werden, ohne sich wie eindimensionale Superschurkinnen zu verhalten und wie man so viel Mitgefühl für eine gebrochene Frau aufbringen kann, ohne, dass das irgendetwas an der Tat verändert.
Profile Image for julia.
47 reviews1 follower
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January 30, 2026
Charlie was hast du nur getan...
Dieser kurze Roman war mit so viel Inhalt echt was ganz Besonderes. Das war so spannend, weil abwechselnd aus der Vergangenheit und Gegenwart erzählt wurde und ich beim Lesen die ganze Zeit wissen wollte, was denn nun dazu geführt hat, dass Charlie einer Antiaggressionsgruppe beitritt.
Charlie ist voller Selbstzweifel und Unsicherheiten und mehrere Punkte führen dazu, dass sie schlussendlich gewalttätig wird.
Gelbe Monster lässt sehr viele Punkte offen und vieles wird angedeutet oder angeschnitten - das hat mir aber so gut gefallen. Es ist klar, dass die Beziehung, die Charlie führt, hochgradig toxisch ist, aber wer was für eine Schuld daran trägt wird auch nie klar benannt und niemand wird verurteilt, das fand ich richtig gut geschrieben.
Das Ende war ein Knaller wow damit hab ich nicht gerechnet das hat mich fassungslos gemacht.
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Profile Image for Manuel.
68 reviews10 followers
March 8, 2026
In „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann, erschienen im Suhrkamp Nova Verlag, geht es um Charlie, die nach einer gewaltvollen Auseinandersetzung bei ihrer Kindheitsfreundin Ella wohnt und im Antiaggressionstraining landet.
In Rückblenden lernen wir gemeinsam mit Charlie ihren Freund Valentin und deren Beziehung kennen, sowie den Vertrauensverlust und die Unsicherheit der beiden. Sie erinnert sich an ihre Kindheit, an Verluste und an die Beziehung zu ihrer Mutter. Im Jetzt geht sie in die Gruppensitzungen, konstruiert Tathergänge und hilft Ella und ihren Freundinnen bei ihrem großen Baustellenprojekt. Die Stimmung steigert sich bis zum Finale im damals und im jetzt.
Leinemanns einfache, kraftvolle Sprache lässt einen durchs Buch fliegen und macht Charlie sehr nahbar.
Für mich hat das Buch eine starke Verbindung zu „Die schönste Version“ von Ruth Maria Thomas, denn auch dort geht es um eine Frau, die Gewalt in einer Beziehung erlebt und mit Rückblicken arbeitet. Der Titel gelbe Monster nimmt Bezug zu der vergilbten Tapete in ihrer Wohnung und den Monstern und Dämonen, mit denen sie in der Dunkelheit zurechtkommen muss.
Profile Image for Jonas.
76 reviews5 followers
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March 1, 2026
3,5/5
Profile Image for hand.verlesen.
238 reviews43 followers
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March 7, 2026
In „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann begleiten wir Charlie, eine junge Frau in einer deutschen Großstadt, die sich auf der Gegenwartsebene einem Anti-Gewalt-Programm für Täterinnen anschließt. Auslöser ist ihre gescheiterte Beziehung zu ihrem Ex Valentin. Es entsteht schnell Spannung, denn zunächst bekommen wir nur Bruchstücke aus der Vergangenheit zugeworfen, die sih nach und nach zu einem Gesamtbild zusammensetzten. Anfangs wirkt das Kennenlernen von Charlie und Valentin romantisch und leicht, doch schon bald werden erste Risse sichtbar.
Sowohl Charlie als auch Valentin bringen ihr eigenes Päckchen mit und entwickeln in der Beziehung zunehmend toxische Muster. Charlie ist sehr unsicher, vergleicht sich ständig mit anderen Frauen und bezieht ihren Selbstwert aus den (vermeintlichen) Urteilen anderer. Als sie Valentin begegnet, ist sie sofort Feuer und Flamme. Sie passt sich ihm vollkommen an und tut alles, um ihm zu gefallen. Doch auch Valentin ist kein unbeschriebenes Blatt: ein typischer Fxckboy, der mehrgleisig fährt und emotional immer wieder unerreichbar ist.
Clara Leinemann macht deutlich, dass Gewalt verschiedene Gesichter haben kann. Der Roman zeigt, wie schleichend man in destruktive Verhaltensweisen und eine toxische Dynamik und schließlich in eine Gewaltspirale geraten kann, in der Grenzen immer weiter überschritten werden.
Charlies und Valentins Kindheit und familiäre Erfahrungen werden im Roman nur angedeutet. Dennoch wird spürbar, wie stark diese Prägungen ihr späteres Beziehungsverhalten beeinflussen.
„Gelbe Monster“ ist eine unbequemes Buch, das mich unbehaglich und nachdenklich zurücklässt. Gerade darin liegt seine Stärke – keine einfachen Erklärungen, kein Schwarz-Weiß, sondern ein vielschichtiger Blick auf Gewalt und toxische Dynamiken.
Profile Image for Valeska.
30 reviews
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March 8, 2026
Sehr aufrüttelndes Buch, dass Gewalt von Frauen in Beziehungen rückt. Clara Leinemann macht dieses schwierige Thema sehr leicht zugänglich
2 reviews
Review of advance copy
February 23, 2026
irgendwie fand ichs ziemlich gut? aber irgendwie auch nicht?? sprachlich ganz ok, habs auf jeden fall in zwei tagen weggelesen.
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