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Michaela Kohlhaas

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»Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder.« So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem Unrecht blutige Vergeltung übt. Sein Rachefeldzug ist noch zweihundert Jahre später Vorbild und Handlungsanweisung für Michaela Kohlhaas: Mutter zweier Kinder, Ehefrau, stellvertretende Friedhofsverwalterin. Befeuert von erfahrener Willkür und Ohnmacht, wird sie zur Aufsässigen. Doch wo Michael Kohlhaas mordet und brandschatzt, agiert sie vorrangig mit Worten: mit Zuspitzung, Übertreibung, Sabotage und Show. Einer vermeintlichen Hexe gleich, zieht sie fluchend und Verwünschungen aussprechend durchs Land. Und muss feststellen: Es ist von Nachteil, eine Frau zu sein. Es ist von Nachteil, sich zu wehren. Doch selbst wenn alle Welt sie für wahnsinnig erklärt – sie geht »mit wehenden Fahnen« ihrem Ende entgegen, auf ein gutes Ende hoffend, und doch ahnend: Ein solches Ende wird es vielleicht nicht geben.

Heike Geißlers Michaela Kohlhaas ist eine tollkühne Überschreibung der berühmten Novelle von Heinrich von Kleist. Ihre Michaela ist eine Schimpfende, eine Stinkende, eine Zärtliche. Eine große Liebende, die nicht bloß Verbesserung will – sie verlangt Wiedergutmachung und Sühne. Und eine gänzlich andere Einrichtung der Welt.

300 pages, Hardcover

First published May 18, 2026

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About the author

Heike Geissler

14 books44 followers
Heike Geißler studied American culture, Geography and Politics in Dresden, Germany from 1996-1998.

From 1998-2001 she studied German, Literature and Hispanic languages in Halle, Germany.

From 2003-2007 she studied German literature and Philosophy.

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1 star
1 (2%)
Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Jule.
435 reviews22 followers
May 30, 2026
Was für ein wilder Ritt war das denn bitte?! Super Lektüre! Heike Geissler hat eine grandiose Figur erschaffen mit der deutlich wird, dass das Private politisch ist. Wir begleiten eine Frau, die aus den Zwängen der Gesellschaft aussteigt, um die Angst loszuwerden, die ihr eingeflößt wurde. Es wird eklig, irrwitzig, dramatisch. Und vor allem radikal. Heike Geissler verhandelt in ihrem Roman das Elend der Welt, setzt pointiert Spitzen und hat ein so dichtes Werk geschrieben, dass mehrmaliges Lesen fast ein Muss ist. Elegant gelingt es ihr, den Leser:innen den Spiegel vorzuhalten und nach eigenen Michaela-Kohlhaas -Vibes kramen zu lassen.
Profile Image for Uralte  Morla.
398 reviews183 followers
July 12, 2026
"Ich wollte die Welt einfach endlich kollidieren sehen. Und kollabieren. Kollabier doch. Ich hatte dann auch nicht vor, irgendwen darum zu bitten, uns zu verschonen." (Seite 84)

Die Erzählerin von Heike Geißlers Roman "Michaela Kohlhaas" ist mit den Nerven vollkommen am Ende. Das Leben als Mutter und überhaupt als immer funktionierende Frau ist ihr zu viel, am liebsten würde sie aussteigen. Doch wie aussteigen, wenn man gewisse Privilegien auch nicht aufgeben möchte? Wie alles umkrempeln, wenn man in seinen Routinen gefangen ist?

Michaela Kohlhaas zeigt wie. Die Frau, die von der Autorin ganz bewusst nach Kleists Racheantihelden benannt ist, brennt allerdings im Gegensatz zu ihm keine Burg und keine Städte nieder. Sie mordet auch nicht und schart kein Heer um sich. Sie geht einfach. Verlässt ihre Wohnung und den Job auf dem Friedhof und zieht auf die Straße. Der Grund dafür bleibt ein bisschen vage: Vielleicht hat sie zu lange einfach funktioniert, vielleicht auch, weil Wenzel von Tronka ihre einstige Lieblingskneipe, die Tronkenburg in eine Schickimicki-Bar verwandelt hat und vielleicht, weil sie einfach keinen Bock mehr hat, sich von der sogenannten Gesellschaft ihr Leben diktieren zu lassen.
Also bittet sie ihren treuen Kollegen Herse - ja, auch der ist, wie von Tronka, von Kleist entlehnt - ihre Arbeit mit zu erledigen, bezieht weiter ihren Lohn (nutzt ihn aber nur bedingt), kündigt auch ihre Wohnung nicht, sondern zieht einfach los. Predigt ein bisschen vor den Menschen, baut sich einen Planwagen aus, bezieht eine Gartenlaube. Sie wäscht sich nicht mehr, menstruiert in der Öffentlichkeit und pfeift auch sonst auf alle Konventionen, die besonders Frauen so auferlegt sind.

Im Gegensatz zu Kleists Kohlhaas, dem jegliche Existenzgrundlage und schließlich auch die Frau genommen wird und der daraufhin brutal Gerechtigkeit einfordert, bleibt das Ziel der Michaela Kohlhaas, ähnlich wie ihre Beweggründe, offen. In einem Interview sagt Heike Geißler, dass ihr Roman aus der intensiven Beschäftigung mit Kleist entstanden ist, dass ihre Figur eine Weiterentwicklung des Michael Kohlaas ist, sie aber irgendwann gemerkt hat, dass sie sich von dem Originalstoff entfernen muss. Und ehrlich gesagt: Das merkt man. Fallen am Anfang noch die bekannten Namen und einige Zitate aus dem Kleistschen Stoff, verschwindet er im Laufen des Romans immer mehr. Das ist vielleicht auch egal und vielleicht muss man den Roman überhaupt nicht als Referenz lesen, aber aufgrund des Titels und der offensichtlichen Zitate konnte ich Kleist einfach nicht wegdenken - und somit hing der Roman für mich leider etwas schief. Ich habe Rache erwartet, wo keine kam, habe dramatischen Plott ersehnt und Philosopie bekommen.

Liest man ihn als Aussteigergeschichte, als eine Erzählung über eine Frau, die die Schnauze voll hat von Normen, die zeigt, wie eine Welt mit einem Hauch mehr Anarchie aussehen könnte und der Gesellschaft den Spiegel vorhält, funktioniert er für mich schon eher. Denn wie die Menschen auf Michaela Kohlhaas reagieren, wie sie sie anpöbeln und anfeinden und am Ende eventuell sogar in den Tod treiben, obwohl sie nichts macht, außer extrem streng zu riechen, spricht für sich. Auch als Alter Ego der Erzählerin funktioniert die Figur für mich: Sie scheint mir wie eine Wunschvorstellung, eine Idee vom radikalen Aussteigen, die in ihrem Kopf durcherzählt wird.

Ihr merkt schon: So richtig warm geworden bin ich mit diesem Buch nicht. Sprachlich ist es zwar großartig und es stecken viele spannende Ideen drin. Aber irgendwie blieb es das dann auch für mich: Mehr eine Idee als eine Geschichte, deren Protagonistin in Distanz zu mir blieb.

Und doch: Ich denke immer noch über "Michaela Kohlhaas" nach, habe mir viele Sätze markiert. Vielleicht ist das auch schon genug.
Profile Image for Bücherwolf.
187 reviews13 followers
June 10, 2026
"Man behandelte sie als Bärin besser denn als Frau, was ihr zu denken gab (...)" - Ein radikaler, zum Nachdenken anregender feministischer Roman.

"Michaela Kohlhaas" ist ein Leseerlebnis, das man einfach selbst spüren muss. Er ist auf perfekte Weise zugespitzt, humorvoll und todernst. Mit diesem Roman überschreibt Heike Geissler gekonnt die Novelle von Heinrich Kleist, mit einer Protagonistin, die rechtschaffender nicht sein könnte.

Michaela Kohlhaas ist Anfang des Erzähljahres noch stellvertretende Friedhofsverwalterin. Doch eines Tages bricht sie aus, will weit weg aus diesem System, in dem sie großgeworden ist und ihre Erfahrungen als Frau gemacht hat. Sie wird zur Aufsässigen, doch nicht so wie Michael Kohlhaas. Sie mordet oder brandschatzt nicht, sondern sie agiert mit Worten und Verhalten. Sie möchte eine gerechtere Welt schaffen und wird dafür von Bürgern beworfen, bespuckt und belacht, von Männern frei heraus und von Frauen, zu ihren Männern haltend, leicht beschämt. Michaela Kohlhaas zieht auf irrwitzige und ernste Weise durchs Land und gibt sich mit nichts zufrieden, solange nicht die ganze Welt eine andere ist.

Das irrwitzige an diesem Roman ist hauptsächlich das Verhalten Kohlhaas' und die Reaktionen von außen. Es ist so gut überspitzt, dass es gleichzeitig zum Lachen bringt und zum Nachdenken anregt. Irgendwann im Laufe des Lesens wurde mir nämlich klar: Michaela Kohlhaas macht doch gar nichts. Sie greift weder Menschen an, außer zurecht ein einziges Mal einen reichen Mann, noch beleidigt sie wirklich jemanden. Sie ist einfach da und lebt ein Leben als frei gewordene Frau, genau das ist das Problem.

Der Unterschied zwischen Michaela und Michael Kohlhaas ist der, dass Michael tatsächlich ein objektiv zu sehendes Unrecht getan wurde, ein Verbrechen. Genau das ist bei Michaela Kohlhaas nicht geschehen. Ihr wurde seit Geburt als Frau auf dieser Welt so viel Unrecht getan, dass ihr Anspruch auf Recht mindestens genauso berechtigt ist, in der Gesellschaft jedoch abgewunken wird. Und genau das ist so besonders an ihr als Protagonistin: Sie argumentiert nicht mehr, sie möchte nicht mehr glaubhaft sein, sie möchte das rauslassen, was sie seit ihrer Geburt unterdrückt hat. Unzwar frei zu sein. Wenn man sie fragt, warum sie so wütend sei, antwortet sie nur noch mit einem Schulterzucken und einem ironischen Kommentar.

Insgesamt war das gesamte Leseerlebnis dieses Romans wirklich eindrucksvoll. Es hält dem Lesenden den Spiegel vor, gibt keine Erklärungen und lässt dich so selbst darüber nachdenken, warum die Heldin genau das tut, was sie tut. Unglaublich gut.
Jahreshighlight!
Profile Image for Michael Madel.
628 reviews12 followers
July 5, 2026
Heike Geißler treibt ihren Roman im stakkatoartigen Tempo voran, ohne die Verzweiflung, Ohnmacht und Rachsucht ihrer Protagonistin nachvollziehbar begründen oder erklären zu können - und zu wollen. Darum kann mich der Roman nicht so richtig überzeugen, der weniger erzählerisches Werk, sondern mehr furiose Zustandsbeschreibung ist. Dies geschieht allerdings in einer begeisternden und mitreißenden Sprache.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
294 reviews55 followers
August 10, 2026
In „Michael Kohlhaas“, der Novelle von Kleist aus dem Jahre 1808, verübt ein Pferdehändler, dem Unrecht angetan wird, Selbstjustiz und begibt sich auf einen brutalen Rachefeldzug, streift brandschatzend, plündernd und mordend durch das Land auf der Schwelle vom Mittelalter zum absolutistischen Staat.

Das Unrecht, das „Michaela Kohlhaas“ in der Gegenwart geschieht, ist kein plötzlicher, gewaltsamer Einschnitt wie bei ihrem Namensvetter. Ein steter Tropfen höhlt den Stein. Und neben dem Netz aus Ungerechtigkeiten, in dem Michaela lebt, trägt sie auch noch die Schicksale der Frauen, die vor ihr kamen, mit sich herum.

„Die Kohlhaas war eine typisch müde erwachsene Person, müder als manche, wacher als andere. Sie versuchte mitzukommen, mitzuhalten, relativierte, um sich dann wiederum zu sagen, die eigene Müdigkeit zähle ja auch. Es zähle nicht nur die Müdigkeit derer, die inmitten der Kriege waren. Im Übrigen sagte niemand mehr sonderlich präzise, wo Kriege begannen, wo sie ihr Innen, ihr Außen hatten, wo genau ihre Grenze verlief, und in welcher Zeit, in welchem Raum. Der Kohlhaas schmiss es täglich das Herz entzwei, aber das Herz gab sich robust, riss nicht.“

Statt weiterhin ihr kleines, bequemes Leben als stellvertretende Friedhofsverwalterin und brave Bürgerin zu führen, bringt ein vermeintlicher Tropfen das Fass der Kohlhaas zum Überfließen und sie tritt hinaus aus diesem Leben.

Michaela Kohlhaas' Revolution ist einsam, unbequem, abstoßend, stinkend, befreiend, schmerzhaft und autoaggressiv. Sie kündigt den Gesellschaftsvertrag und steigt aus.

Als Landstreicherin (teilweise mit dem Planwagen wie Mutter Courage) führt die Kohlhaas ein Leben voller Entbehrungen, beobachtet von der Ich-Erzählerin, einer Zufallsbekanntschaft, die die Einzelgängerin aus der Ferne bewundert und mythologisiert.

Heike Geißlers Sprache ist umwerfend, ich will ständig Sätze herausschreiben und an Wände plakatieren. Der Wunsch nach dem Ausstieg aus der spätkapitalistischen, neoliberalen Gesellschaft ist für mich absolut nachvollziehbar. Leider bedient sich der Roman anhaltend des Klischees weiblicher Selbstaufgabe. Das ist nur schwer erträglich. Wie oft habe ich mir gewünscht, dass die Kohlhaas endlich das Schwert ergreift.

Nichtsdestotrotz wünsche ich mir „Michaela Kohlhaas“ mindestens auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und als Schullektüre.

Die Rebellion der Kohlhaas ist ein schwer greifbarer Aufstand, eine Revolution in Gedanken, wie sie viele von uns eint. Vielleicht ist meine Wut auf die Passivität der allegorischen Hauptfigur auch eine Wut auf mich selbst. Geißlers Geschichte einer Verweigerung eröffnet viele Gedankenspiele und ist zudem voller Witz.

„Ihr Leben lang hatte sie auf so vieles verzichtet, hatte wie die meisten, die sie kannte, verzichtet, ohne es zu wissen, ohne es auch nur spüren zu können, war wie fast alle verständnisvoll gewesen, wann immer man ihr nahelegte, nicht weich und weit zu werden, sondern unbedingt zupackend, vehement, besitzergreifend, möglichst reich. Sie hatte, ohne es zu wissen, auf fürsorgliche Gemeinschaften verzichtet, auf die Freiheit, all das politische und ökonomische Machtgebaren als Nonsens und Todesgefahr zu kritisieren, sie hatte darauf verzichtet, auf unvernünftige Gesetze mit unvernünftigen Handlungen zu reagieren und darauf, sich sicher zu fühlen. Die Rechnung ihres Lebens ging nicht zu ihren Gunsten auf.“

Große Leseempfehlung!
6 reviews
August 5, 2026
Bin etwas hin-und hergerissen, hätte vielleicht Michael Kohlhaas vorher lesen sollen und hab vermutlich nicht alles verstanden. Habs aber trotzdem gerne gelesen auch wenn ich zwischendurch etwas damit zu kämpfen hatte.
4 reviews
July 11, 2026
Wieder zu blöd für derartige Literatur…
Profile Image for JennyRosalesen.
17 reviews
July 20, 2026
Dieses Buch ist ein Ereignis! Ich will es nochmal lesen, wissen auch dann nie alles zu verstehen.
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